Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Kündigungsschutzklage, Arbeitnehmer
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 5 AZN 503/09
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 26.08.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 01.04.2009, 3 Sa 58/08
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

5 AZN 503/09
3 Sa 58/08
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Ham­burg

BESCHLUSS

In Sa­chen

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin und Be­schwer­deführe­rin,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Be­schwer­de­geg­ne­rin,

hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts am 26. Au­gust 2009 be­schlos­sen:

1. Die Be­schwer­de der Kläge­rin ge­gen die Nicht­zu­las­sung der Re­vi­si­on im Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 1. April 2009 - 3 Sa 58/08 - wird zurück­ge­wie­sen.
 


- 2 -

2. Die Kläge­rin hat die Kos­ten des Be­schwer­de­ver­fah­rens zu tra­gen.


3. Der Wert des Be­schwer­de­ver­fah­rens wird auf 37.500,00 Eu­ro fest­ge­setzt.

Gründe

I. Die Par­tei­en strei­ten über den Ar­beit­neh­mer­sta­tus der Kläge­rin. Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Re­vi­si­on nicht zu­ge­las­sen. Hier­ge­gen rich­tet sich die Be­schwer­de der Kläge­rin.

II. Die Be­schwer­de ist un­be­gründet. 


1. Ei­ne Di­ver­genz liegt nicht vor. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist nicht von der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ab­ge­wi­chen.

Es kann da­hin­ste­hen, ob das Lan­des­ar­beits­ge­richt den von der Kläge­rin dar­ge­leg­ten fallüberg­rei­fen­den Rechts­satz, wo­nach es ge­gen das Vor­lie­gen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses spricht, wenn Dienst­pläne für Nach­rich­ten­spre­cher im Fern­se­hen auf­grund ins Ein­zel­ne ge­hen­der Vor­ga­ben der Spre­cher er­stellt wer­den und die Spre­cher die Möglich­keit ha­ben, ge­plan­te Einsätze je­der­zeit un­ter­ein­an­der zu tau­schen und ge­plan­te Einsätze er­satz­los ab­zu­ge­ben, in der Ent­schei­dung selbst auf­ge­stellt hat. In­ner­halb der Ent­schei­dung (S. 23) führt das Lan­des­ar­beits­ge­richt le­dig­lich aus, dass es für ein Ar­beits­verhält­nis un­ty­pisch sei, dass ein Ar­beit­neh­mer re­gelmäßig bei je­der Dienst­pla­ner­stel­lung ins Ein­zel­ne ge­hen­de Vor­ga­ben da­zu ma­chen könne, wann er nicht ein­ge­setzt wer­den wol­le, und dass die­se Vor­ga­ben für die Pla­nung maßge­bend sei­en und le­dig­lich auf­grund von Ein­zel­gesprächen außer Kraft ge­setzt wer­den könn­ten. Im Übri­gen stel­len die fall­be­zo­ge­nen Ausführun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts le­dig­lich ein Er­geb­nis der Rechts­an­wen­dung im Ein­zel­fall dar. Ent­spre­chen­des gilt, so­weit das Lan­des­ar­beits­ge­richt auf S. 24 aus­geführt hat, die Tat­sa­che, dass die Kläge­rin in ei­ner Viel­zahl von Fällen nicht nur Diens­te ge­tauscht, son­dern auch er­satz­los an an­de­re Spre­cher oder
 


- 3 -

Spre­che­rin­nen ab­ge­ge­ben ha­be, sei un­ty­pisch für ein Ar­beits­verhält­nis. So­weit vor­an­ge­stell­te Leitsätze nicht auch Teil der Ent­schei­dung sind, sind sie für die Be­gründung ei­ner Di­ver­genz­be­schwer­de nicht er­heb­lich (BAG 6. De­zem­ber 1994 - 9 AZN 337/94 - BA­GE 78, 373).


Un­ter­stellt man je­doch zu­guns­ten der Kläge­rin, das Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­be den dar­ge­stell­ten Rechts­satz auf­ge­stellt, so wi­der­spricht die­ser nicht den auf­ge­zeig­ten Rechtssätzen des Bun­des­ar­beits­ge­richts. Die un­ter C. I. 1. a) und b) der Be­schwer­de­be­gründung (S. 5) dar­ge­leg­ten Rechtssätze be­fas­sen sich nicht mit Dienst­plänen. So­weit die Kläge­rin an­nimmt, das Lan­des­ar­beits­ge­richt sei von den un­ter C. I. 1. a) und b) dar­ge­leg­ten Rechtssätzen, wo­nach die Art der zu ver­rich­ten­den Tätig­keit, ins­be­son­de­re die Spre­chertätig­keit in ers­ter Li­nie das ent­schei­den­de Ab­gren­zungs­kri­te­ri­um sei, ab­ge­wi­chen, hat sie kei­nen fallüberg­rei­fen­den di­ver­gie­ren­den Rechts­satz der an­zu­fech­ten­den Ent­schei­dung dar­ge­legt. Sie rügt in­so­fern le­dig­lich ei­ne feh­ler­haf­te Rechts­an­wen­dung. Die­se wäre erst im Rah­men ei­ner zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on zu über­prüfen. Zu­dem hat der Se­nat ge­ra­de zur Spre­chertätig­keit in neue­rer Zeit aus­geführt, dass es sich nach den Be­son­der­hei­ten des je­wei­li­gen Ein­zel­falls rich­te, ob ei­ne Spre­chertätig­keit im Rah­men ei­nes frei­en Mit­ar­bei­ter­verhält­nis­ses oder in ei­nem Ar­beits­verhält­nis er­bracht wer­de (9. Fe­bru­ar 2005 - 5 AZR 175/04 - zu III 2 b der Gründe, AP BGB § 611 Lohnrück­zah­lung Nr. 12 = EzA BGB 2002 § 818 Nr. 1).


Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist auch nicht von dem un­ter C. I. 1. c) dar­ge­stell­ten Rechts­satz ab­ge­wi­chen. Nach dem un­ter C. I. 1. c) der Be­schwer­de­be­gründung dar­ge­stell­ten Rechts­satz kann das Auf­stel­len von Dienst­plänen für ein Ar­beits­verhält­nis spre­chen. Das gilt je­doch nach den an­ge­zo­ge­nen Ent­schei­dun­gen al­len­falls dann, wenn die Dienst­pläne ein­sei­tig und oh­ne vor­he­ri­ge Ab­spra­che auf­ge­stellt wer­den. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist aber da­von aus­ge­gan­gen, dass im Fal­le der Kläge­rin die Dienst­pläne nach de­ren Vor­ga­ben er­stellt wor­den sind.


So­weit in den an­ge­zo­ge­nen Ent­schei­dun­gen (Rechts­satz C. I. 1. d)) aus­geführt wor­den ist, ein Ar­beits­verhält­nis könne auch dann vor­lie­gen, wenn
 


- 4 -

der Mit­ar­bei­ter be­stim­men könne, dass er an be­stimm­ten (Wo­chen-)Ta­gen nicht zur Verfügung ste­he, be­zieht sich dies nur auf die Fra­ge des Ur­laubs und wi­der­spricht zu­dem nicht der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, dass ei­ne Dienst­plan­ge­stal­tung, die auf de­tail­lier­ten Vor­ga­ben des Dienst­neh­mers be­ruht, für ein Ar­beits­verhält­nis un­ty­pisch sei. Zu­dem liegt ei­ne ein­sei­ti­ge Dienst­plan­ein­tei­lung nach der neu­en Recht­spre­chung (Se­nat 14. März 2007 - 5 AZR 499/06 - AP BGB § 611 Ar­beit­neh­merähn­lich­keit Nr. 13 = EzA BGB 2002 § 611 Ar­beit­neh­mer­be­griff Nr. 10) nicht vor, wenn Mit­ar­bei­ter ih­re Wünsche zur Dienstein­tei­lung ein­tra­gen und an­ge­ben können, in wel­chen Zeiträum­en sie nicht tätig wer­den wol­len und die­se Wünsche berück­sich­tigt wer­den.


Die an­zu­fech­ten­de Ent­schei­dung wi­der­spricht auch nicht den an­ge­zo­ge­nen Rechtssätzen „in ih­rer Zu­sam­men­schau“. Die be­haup­te­te Spe­zia­lität der Kri­te­ri­en be­steht nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. ins­be­son­de­re 9. Fe­bru­ar 2005 - 5 AZR 175/04 - zu III 2 b der Gründe, AP BGB § 611 Lohnrück­zah­lung Nr. 12 = EzA BGB 2002 § 818 Nr. 1) nicht.

2. Der Rechts­streit wirft kei­ne grundsätz­li­chen und klärungs­bedürf­ti­gen Rechts­fra­gen auf.

Nach dem Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 9. Fe­bru­ar 2005 (- 5 AZR 175/04 - zu III 2 b der Gründe, AP BGB § 611 Lohnrück­zah­lung Nr. 12 = EzA BGB 2002 § 818 Nr. 1) ist geklärt, dass es sich nach den Be­son­der­hei­ten des je­wei­li­gen Ein­zel­falls rich­tet, ob die Art der Tätig­keit (hier Spre­chertätig­keit) im Rah­men ei­nes frei­en Mit­ar­bei­ter­verhält­nis­ses oder in ei­nem Ar­beits­verhält­nis er­bracht wer­de. Über­dies ist geklärt, dass nur ei­ne ein­sei­ti­ge Auf­nah­me in Dienst­pläne oh­ne Ab­spra­che für ein Ar­beits­verhält­nis spricht. Be­ruht die Dienst­plan­ge­stal­tung auf den Vor­ga­ben der Mit­ar­bei­ter und können Mit­ar­bei­ter Diens­te tau­schen, liegt kei­ne für ein Ar­beits­verhält­nis ty­pi­sche zeit­li­che Wei­sungs­abhängig­keit vor (Se­nat 14. März 2007 - 5 AZR 499/06 - AP BGB § 611 Ar­beit­neh­merähn­lich­keit Nr. 13 = EzA BGB 2002 § 611 Ar­beit­neh­mer­be­griff Nr. 10). So­weit die Kläge­rin in die­sem Zu­sam­men­hang wei­te­re Ein­zel­fra­gen auf­wirft, ist de­ren all­ge­mei­ne Be­deu­tung nicht er­sicht­lich.
 


- 5 -

3. Von ei­ner wei­te­ren Be­gründung wird ab­ge­se­hen, § 72a Abs. 5 Satz 5 ArbGG.

III. Die Kläge­rin hat gem. § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten des Be­schwer­de­ver­fah­rens zu tra­gen.

IV. Die Wert­fest­set­zung be­ruht auf § 63 GKG. 


Müller-Glöge 

Mi­kosch 

Laux

Zol­ler 

Heel

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 5 AZN 503/09  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880