Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Kündigung: Verhaltensbedingt
   
Gericht: Arbeitsgericht Duisburg
Akten­zeichen: 1 Ca 731/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 02.07.2009
   
Leit­sätze: Ei­ne ein­ma­li­ge leicht fahrlässi­ge Pflicht­ver­let­zung, die ei­ne Vermögens­gefähr­dung des Ar­beit­ge­bers in größerem Um­fang ver­ur­sacht, recht­fer­tigt die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nes langjährig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers oh­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung nicht.
Vor­ins­tan­zen:
   

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten um die Wirk­sam­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen, hilfs­wei­se or­dent­li­chen Kündi­gung.

Der Kläger ist seit Sep­tem­ber 1977 bei der Be­klag­ten, zu­letzt als Rechts­re­fe­rent, beschäftigt bei ei­nem Brut­to­mo­nats­ein­kom­men von 4.000,00 €. Die Be­klag­te beschäftigt ca. 1300 Ar­beit­neh­mer. Ein Be­triebs­rat be­steht.

Un­ter dem 24.03. ging dem Kläger die außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 23.03.2009, hilfs­wei­se als or­dent­li­che Kündi­gung zum 30.09.2009, zu. Auf den In­halt der Kündi­gung, Bl. 4 der Ge­richts­ak­te, wird Be­zug ge­nom­men.

Auf den In­halt der Be­triebs­rats­anhörung, Bl. 5 der Ge­richts­ak­te, wird eben­falls Be­zug ge­nom­men.

Die Be­klag­te be­treibt ein Un­ter­neh­men der Werk­stoff­dis­tri­bu­ti­on (Han­del). 

Der Kläger be­ar­bei­tet die so­ge­nann­ten Scha­densfälle. Dies sind die Geschäfts­vorfälle, bei de­nen Kun­den der Be­klag­ten For­de­run­gen nicht be­glei­chen, da die­se zah­lungs­unfähig sind. Der Kläger war hier für die ad­mi­nis­tra­ti­ve Ab­wick­lung der Scha­densfälle und die
For­de­rungs­an­mel­dun­gen beim In­sol­venz­ver­wal­ter so­wie die Kor­re­spon­denz mit Ver­si­che­run­gen zuständig. Geo­gra­phisch war der Zuständig­keits­be­reich die Re­gi­on Nord das Auf­ga­ben­ge­biet des Klägers.

Bei der Be­ar­bei­tung der Scha­densfälle wa­ren die­se in der EDV aus­zu­bu­chen: „wri­te-off“. Dies er­folg­te durch die Ein­ga­be der Kenn­zif­fer 003 in ein Pro­gramm­mas­ken­feld der EDV, die ih­rer­seits auf SAP ba­siert.

Ein­ge­tra­gen wur­de die Zif­fer 003 in die Ri­si­ko­klas­se, in der De­bi­to­ren­stamm­da­tei. Ab No­vem­ber 2007 wur­den die Bu­chun­gen geändert. Es wur­de ei­ne Dop­pel­pfle­ge der Ri­si­ko­klas­sen vor­ge­se­hen. Die Kenn­zif­fer 003 wur­de nun­mehr im Feld Kun­den­kre­dit­grup­pe ein­ge­tra­gen. Be­an­stan­dun­gen gab es nicht, auch nicht sei­tens der Leis­tun­gen des Klägers.

Mit dem 26.03.2008 wur­de den Lei­tern der E. mit­ge­teilt, dass die Dop­pel­pfle­ge nicht mehr 1erforderlich sei. Aus­nah­me sei le­dig­lich der Scha­dens­fall „003“. Die E-Mail wur­de noch am sel­ben Tag an den Kläger wei­ter­ge­lei­tet. In der Mail heißt es im zwei­ten Ab­satz:

Da­her kann die Pfle­ge des Kre­dit­li­mits in der Kre­dit­stamm­da­te

so­wie der Kun­den­kre­dit­grup­pe (ehe­mals Ri­si­ko­klas­se) im Kre-

dit­ma­nage­ment ab so­fort ent­fal­len. Aus­nah­men sind die für die ABS-

Trans­ak­tio­nen not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen im Feld Kun­den­kre­dit-

grup­pe hin­sicht­lich öffent­lich-recht­li­cher Un­ter­neh­men (002),

Scha­dens­fall (003) und Pri­vat­kun­den (016). Die­se müssen wei­ter­hin

auch im Kre­dit­ma­nage­ment ge­pflegt wer­den. Auf den Text der E-Mail,

Blatt 76 der Ge­richts­ak­te, wird Be­zug ge­nom­men.“ 

Ab die­sem Zeit­punkt hat der Kläger in kei­nem Fall mehr die not­wen­di­ge Schlüsse­lung „003“, 

vor­ge­nom­men. Die die Re­gi­on Süd be­ar­bei­ten­den Mit­ar­bei­ter ha­ben wei­ter­hin mit der Kenn­zif­fer „003“ ge­schlüsselt.

Die Be­klag­te trägt vor, die rich­ti­ge Schlüsse­lung sei auf­grund des Re­fi­nan­zie­rungs­sys­tems der Be­klag­ten er­for­der­lich, da an­dern­falls Ver­trau­ensschäden bei Fi­nanz­in­sti­tu­ten droh­ten. Die Be­klag­te sei Ver­trags­par­tei in ei­nem ABS-Pro­gramm (As­set Ba­cked Se­cu­ri­tiza­t­i­on Pro­gramm), wo­bei For­de­run­gen aus Lie­fe­run­gen und Leis­tun­gen an ei­ne ausländi­sche Zweck­ge­sell­schaft (T.) veräußert wer­den. Die­se fi­nan­zie­re den Er­werb der For­de­run­gen durch die Emis­si­on von Wert­pa­pie­ren, Schuld­ver­schrei­bun­gen, die durch die er­wor­be­nen For­de­run­gen ge­si­chert sei­en. Zweck sei die Er­lan­gung ei­ner gu­ten Bo­nität. Die Zweck­ge­sell­schaft ih­rer­seits neh­me Dar­le­hen auf. Die For­de­run­gen würden durch die Zweck­ge­sell­schaft so­gleich be­gli­chen, so dass die frei wer­den­de Li­qui­dität zur Til­gung ei­ge­ner Ver­bind­lich­kei­ten ver­wen­det wer­den könne. Hier­durch ver­bes­ser­ten sich die Bi­lanz­da­ten. Durch die feh­len­de Kenn­zeich­nung mit der Zif­fer 003 sei­en die Scha­densfälle nicht zur Kennt­nis der Zweck­ge­sell­schaft und der fi­nan­zie­ren­den Bank ge­kom­men. Dies stel­le ei­ne Ver­let­zung der re­strik­ti­ven Ver­ein­ba­run­gen zu den ABS-Trans­ak­tio­nen dar, wo­durch die Kündi­gung des ABS-Ver­tra­ges oder aber Ver­trags­stra­fen droh­ten. Ins­ge­samt sei­en Scha­densfälle in Höhe von 3,2 Mio. Eu­ro nicht mit­ge­teilt wor­den. Die feh­ler­haf­te Schlüsse­lung durch den Kläger wur­de der Be­klag­ten am 06.03.2009 im Rah­men der Vor­be­rei­tung ei­nes Au­dit zur Kennt­nis ge­bracht, wo­bei zunächst ein Großscha­dens­fall (2,2 Mio. Eu­ro), auf­fiel. Auf Rück­fra­ge erklärte der Kläger, er ha­be ver­ges­sen, die Aus­bu­chung 003 zu schlüsseln hin­sicht­lich die­ses Auf­tra­ges bezüglich der Fir­me Q.. Die Be­klag­te trägt vor, der Kläger ha­be ver­sucht, sein Fehl­ver­hal­ten als ein­ma­li­gen Fall dar­zu­stel­len.

Auf wei­te­re Nach­for­schun­gen er­gab sich der Scha­den­sum­fang in Höhe von 3,2 Mio. Eu­ro (be­rich­tigt auf 3,05 Mio. Eu­ro). Auf die Auf­lis­tung im Schrift­satz vom 18.06.2009, Bl. 113 der Ge­richts­ak­te, wird Be­zug ge­nom­men.

Der Kläger meint, man­gels ei­ner vor­her­ge­hen­den Ab­mah­nung sei an­ge­sichts sei­ner Be­triebs­zu­gehörig­keit ei­ne Kündi­gung we­der or­dent­lich noch außer­or­dent­lich möglich. Be­reits ein wich­ti­ger Grund läge an sich nicht vor. Die Be­klag­te tref­fe ein Mit­ver­schul­den, da die Un­ter­wei­sung im März 2008 völlig un­zu­rei­chend ge­we­sen sei und ein Con­trol­ling nicht statt­ge­fun­den ha­be. Al­lei­ne des­halb sei über ei­nen Zeit­raum von 12 Mo­na­ten die feh­ler­haf­te Schlüsse­lung nicht auf­ge­fal­len.

Ein ef­fek­ti­ver Scha­den wer­de be­strit­ten. 

Der Kläger trägt vor, er könne sich nicht dar­an er­in­nern, die E-Mail vom 26.03.2008 ge­le­sen zu ha­ben.

Der Kläger be­an­tragt, 

1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die

Kündi­gung der Be­klag­ten vom 23.03.2009 we­der außer­or­dent­lich

auf­gelöst wur­de noch or­dent­lich zum 30.09.2009 auf­gelöst wird,

2. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis auch nicht durch an­de­re

Be­en­di­gungs­tat­bestände en­det, son­dern zu un­veränder­ten Be­din-

gun­gen über den 30.09.2009 hin­aus fort­be­steht.

Die Be­klag­te be­an­tragt, 

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie meint, die Tätig­keit des Klägers im Be­reich der Scha­dens­fall­ab­wick­lung be­inhal­te ein be­son­de­res Ver­trau­ens­verhält­nis. Es sei in kei­ner Wei­se nach­voll­zieh­bar, war­um der Kläger die rich­ti­ge Schlüsse­lung nicht vor­ge­nom­men ha­be, ob­wohl er nach der Um­stel­lung der Schlüsse­lung im März 2008 sei­ne Vor­ge­hens­wei­se geändert ha­be. Darüber hin­aus sei ihm sein Feh­ler au­gen­schein­lich be­wusst ge­we­sen, da er zunächst den An­schein er­weckt ha­be, es han­de­le sich bei dem Feh­ler um ei­nen Ein­zel­fall (Q. GmbH), ge­han­delt, wo­mit der Kläger sei­nen ehe­ma­li­gen Vor­ge­setz­ten be­lo­gen ha­be, um sein Fehl­ver­hal­ten zu ver­schlei­ern. Da­mit wären die Vor­ge­setz­ten im Au­dit in ein „of­fe­nes Mes­ser“ ge­lau­fen. Das not­wen­di­ge Ver­trau­ens­verhält­nis sei gestört. Auch die In­ter­es­sen­abwägung führe zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis.

An­halts­punk­te für ein bes­se­res Con­trol­ling sei­en nicht er­for­der­lich ge­we­sen, da der Kläger jah­re­lang sei­ne Tätig­keit feh­ler­frei ver­rich­tet ha­be.

Die Be­klag­te meint, ein grob fahrlässi­ges Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers sei an sich ge­eig­net, auch oh­ne Ab­mah­nung ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung zu recht­fer­ti­gen. Der Kläger ha­be mehr­fach ge­gen sei­ne Ver­trags­pflich­ten ver­s­toßen, in­dem er die Schlüsse­lung nicht
durch­geführt ha­be, da­durch sei das Ver­trau­en in sein Ver­hal­ten zerstört.

Ent­schei­dungs­gründe:

Die Kla­ge ist zulässig und be­gründet. 

I.

Be­den­ken ge­gen die Zulässig­keit der Kündi­gungs­schutz­kla­ge be­ste­hen nicht. 

II.

Die Kla­ge ist auch be­gründet. 

Die Kündi­gung ist we­der als or­dent­li­che noch als außer­or­dent­li­che, ge­recht­fer­tigt.

Vor­aus­set­zung ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung im Sin­ne des § 626 BGB ist das Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des. Die­ser ist nach § 626 Abs. 1 BGB dann ge­ge­ben, wenn Tat­sa­chen vor­lie­gen, auf­grund de­rer dem Kündi­gen­den un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des
Ein­zel­fal­les und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le die Fort­set­zung des Dienst­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann. Vor­aus­set­zung ist bei ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung, dass der Sach­ver­halt oh­ne die be­son­de­ren Umstände des Ein­zel­fal­les an sich ge­eig­net ist, ei­nen wich­ti­gen Grund zu bil­den und wei­ter, dass die Umstände des Ein­zel­fal­les und die In­ter­es­sen­abwägung die Kündi­gung recht­fer­ti­gen (Fi­scher­mei­er, KR § 626 BGB, Rz. 83 ff.). Bei Pflicht­ver­let­zun­gen des Ar­beit­neh­mers ist bei ei­ner ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung ein ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten Vor­aus­set­zung (KR a.a.O, Rz. 137). Hier­bei sind wich­ti­ge Gründe nur dann ge­ge­ben, wenn der Gekündig­te nicht nur ob­jek­tiv son­dern auch rechts­wid­rig und schuld­haft sei­ne Pflich­ten aus dem Ver­trags­verhält­nis ver­letzt hat, wo­bei al­ler­dings auch Fahrlässig­keit aus­rei­chen kann (Rz. 139 m. Ver­weis auf BAG). Im Rah­men der In­ter­es­sen­abwägung sind das Ge­wicht und die Aus­wir­kun­gen der Ver­trags­ver­let­zung eben­so wie die mögli­che Wie­der­ho­lungs­ge­fahr zu berück­sich­ti­gen eben­so wie die persönli­chen und wirt­schaft­li­chen Umstände des Ar­beit­neh­mers (KR Rz. 236 ff. und 240). Zu berück­sich­ti­gen ist auch der Grad des Ver­schul­dens des Ar­beit­neh­mers (Rz. 242). Auch fahrlässi­ge Pflicht­ver­let­zun­gen können schwer­wie­gend sein, wenn der Ar­beit­neh­mer ei­ne be­son­de­re Ver­ant­wor­tung trägt und das Ver­schul­den zu ei­nem ho­hen Scha­den führt (BAG vom 04.07.1991).

Die Ab­mah­nung ist auch bei ei­ner außer­or­dent­li­chen, ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung, eben­so wie bei ei­ner or­dent­li­chen, ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung, als Aus­prägung des Grund­sat­zes des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes re­gelmäßig er­for­der­lich (KR, § 626 BGB, Rz. 257, 259), es sei denn, mit ei­ner Ände­rung des Ver­hal­tens des Ar­beit­neh­mers sei nicht zu rech­nen bzw. ein ent­spre­chen­des Zu­war­ten sei für den Ar­beit­ge­ber un­zu­mut­bar.

Bei ei­ner or­dent­li­chen, ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung kom­men eben­falls grundsätz­lich Ver­trags­ver­let­zun­gen als Kündi­gungs­grund in Be­tracht, auch hier genügen fahrlässi­ge Pflicht­ver­let­zun­gen (Grie­be­ling, KR, § 1 KSchG, Rz. 400), wo­bei der Grad des Ver­schul­dens eben­so wie das Ge­wicht der Aus­wir­kung auf das Ver­trags­verhält­nis so­wie die In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers, ein we­sent­li­ches Ent­schei­dungs­kri­te­ri­um dar­stellt. Bei Störun­gen im Leis­tungs­be­reich ist re­gelmäßig ei­ne Ab­mah­nung Kündi­gungs­vor­aus­set­zung (a.a.O., Rz. 402). Die Kündi­gung wird ge­prüft in drei Stu­fen, wo­bei zunächst das ver­trags­wid­ri­ge Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers fest­zu­stel­len ist, die­ses muss zu kon­kre­ten Störun­gen des Ar­beits­verhält­nis­ses führen und auch in Zu­kunft muss mit ent­spre­chen­den Störun­gen zu rech­nen sein (Pro­gno­se­prin­zip). Ent­spre­chen­des gilt bei Störun­gen im Ver­trau­ens­be­reich (a.a.O., Rz. 405). In der drit­ten Stu­fe ist eben­falls ei­ne In­ter­es­sen­abwägung vor­zu­neh­men.

Un­strei­tig hat der Kläger im Ar­beits­verhält­nis, be­gin­nend mit dem März 2008, die er­for­der­li­chen Schlüsse­lun­gen nicht mehr vor­ge­nom­men und so die Aus­bu­chung der Scha­densfälle in der EDV der Be­klag­ten un­ter­las­sen. Er hat in­so­weit feh­ler­haft ge­han­delt. Die­ses Ver­hal­ten ist grundsätz­lich ge­eig­net, ei­ne Kündi­gung zu recht­fer­ti­gen. Zu berück­sich­ti­gen ist der Grad der Pflicht­ver­let­zung, wo­bei es sich vor­lie­gend zur Über­zeu­gung der Kam­mer um ei­ne ge­ringfügi­ge Pflicht­ver­let­zung des Klägers han­del­te. Der Kläger hat die geänder­te Ar­beits­an­wei­sung hin­sicht­lich der Schlüsse­lung der Scha­densfälle nur zum Teil um­ge­setzt. Er hat den ers­ten Ab­satz der E-Mail, dass die Kun­den­schlüsse­lung in der Kun­den­kre­dit­grup­pe künf­tig ent­fal­len könne, um­ge­setzt, den zwei­ten Satz, dass die­se An­wei­sung nicht gilt für die Scha­densfälle 003, igno­riert. Es kann vor­lie­gend da­hin­ste­hen, ob der Kläger die Ar­beits­an­wei­sung nicht zur Kennt­nis ge­nom­men hat - hier­von kann im Er­geb­nis wohl nicht aus­ge­gan­gen wer­den, da die Ar­beits­an­wei­sung je­den­falls teil­wei­se um­ge­setzt wur­de -, oder ob der Kläger den Teil der Ar­beits­an­wei­sung über­le­sen, ver­ges­sen oder sonst wie nicht zur Kennt­nis ge­nom­men hat. Zur Über­zeu­gung der Kam­mer han­del­te es sich hier in­so­weit je­doch um ei­nen ty­pi­schen men­sch­li­chen Flüch­tig­keits­feh­ler, mit dem je­der Ar­beit­ge­ber im Ar­beits­verhält­nis rech­nen muss. Al­lein, dass der Kläger mit ho­hen Wer­ten - mit­tel­bar im Rah­men der Buchführung - ope­riert, ändert die Sicht­wei­se in­so­weit nicht.

Auch die Be­klag­te un­ter­stellt dem Kläger nicht ein be­wuss­tes Ver­hal­ten bzw. ein Ver­hal­ten mit ei­ner Schädi­gungs­ab­sicht der Be­klag­ten oder gar ei­ner Be­rei­che­rungs­ab­sicht sich selbst ge­genüber. Viel­mehr stellt sie aus­drück­lich klar, der Kläger ha­be in der Ver­gan­gen­heit stets ein­wand­frei ge­ar­bei­tet. Sie legt darüber hin­aus dar, der Kläger ha­be al­le Schlüsse­lun­gen und auch Verände­run­gen der Schlüsse­lun­gen in der Ver­gan­gen­heit stets ord­nungs­gemäß um­ge­setzt. Wenn so­mit ei­ne feh­ler­haf­te Ar­beits­durchführung in der Wei­se er­folg­te, dass ei­ne Ar­beits­an­wei­sung nur zur Hälf­te ge­se­hen, ge­le­sen bzw. um­ge­setzt wird, kann zur Über­zeu­gung der Kam­mer nur von ei­nem Flüch­tig­keits­feh­ler aus­ge­gan­gen wer­den. Es er­scheint so­gar zwei­fel­haft, ob da­mit ein Kündi­gungs­grund hin­sicht­lich der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung an sich ge­ge­ben sein kann.

Je­den­falls wäre so­wohl hin­sicht­lich der or­dent­li­chen als auch hin­sicht­lich der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung im Rah­men der In­ter­es­sen­abwägung zu berück­sich­ti­gen, dass zwar ei­ner­seits, auf­grund der Fi­nan­zie­rungs­mo­da­litäten der Be­klag­ten, durch die feh­ler­haf­te Schlüsse­lung ein er­heb­li­cher Ver­trau­ens­scha­den der Be­klag­ten bei den re­fi­nan­zie­ren­den Ge­sell­schaf­ten bzw. Ban­ken ent­ste­hen kann, je­doch es sich zur Über­zeu­gung der Kam­mer bei der Pflicht­ver­let­zung um ei­ne al­len­falls leicht fahrlässi­ge Pflicht­ver­let­zung han­del­te. Nicht dar­ge­legt und vor­ge­tra­gen wur­de, dass der Kläger auf die Wich­tig­keit der rich­ti­gen Schlüsse­lung im Hin­blick auf die Re­fi­nan­zie­rung hin­ge­wie­sen wur­de. In­so­weit ist auch der Be­klag­ten vor­zu­hal­ten, dass sie die Dienst­an­wei­sung hin­sicht­lich der Auf­he­bung der Schlüsse­lung an al­le be­tref­fen­den Mit­ar­bei­ter ge­schickt hat und die Aus­nah­me­sach­ver­hal­te in­so­weit nur in ei­nem Ne­ben­satz am En­de der Mail erwähnt wur­de. Es wäre ggf. an­ge­zeigt ge­we­sen, zu­min­dest die­se Sach­ver­hal­te fett ge­druckt oder an­der­wei­tig her­vor­ge­ho­ben, dar­zu­stel­len. Sinn­vol­ler­wei­se hätte den be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­tern ei­ne ge­son­der­te Mail mit ei­ner an­der­wei­ti­gen Dienst­an­wei­sung zu­ge­hen können.

Bei der In­ter­es­sen­abwägung ist wei­ter zu berück­sich­ti­gen, dass die Kam­mer in­so­weit auch von ei­nem re­la­ti­ven Mit­ver­schul­den der Be­klag­ten durch ei­ne man­geln­de Kon­trol­le des Klägers aus­geht, nach­dem die­ser Feh­ler über ca. 1 Jahr nicht von ihr be­merkt wur­de. Es hätte dem Con­trol­ling auf­fal­len müssen, dass ab März 2008 kei­ner­lei 003-Mel­dun­gen mehr sei­tens des Klägers er­folg­ten im Ge­gen­satz zum Geschäfts­be­reich Süd.

Im Rah­men der In­ter­es­sen­abwägung ist da­ge­gen zu berück­sich­ti­gen, dass der Kläger 32 Jah­re bei der Be­klag­ten tätig war und kei­ner­lei Ab­mah­nun­gen zu sei­nen Las­ten vor­lie­gen. Im Rah­men der Ge­samt­schau kann dar­aus nur die Wer­tung er­fol­gen, dass ein ein­ma­li­ger Feh­ler in 32 Jah­ren nicht zu ei­ner so­for­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses oh­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung führen kann, auch nicht zu ei­ner or­dent­li­chen Be­en­di­gung oh­ne Ab­mah­nung.

Die Ab­mah­nung des Klägers we­gen des vor­lie­gen­den Sach­ver­hal­tes er­schie­ne da­ge­gen als an­ge­mes­se­ne Re­ak­ti­on der Be­klag­ten.

Darüber hin­aus ist bei der In­ter­es­sen­abwägung zu berück­sich­ti­gen, dass die Be­klag­te selbst nicht dar­ge­legt hat, dass in ir­gend­ei­ner Form ein tatsäch­li­cher Scha­den ein­ge­tre­ten ist, der ggf. bei der In­ter­es­sen­abwägung zu Las­ten des Klägers zu berück­sich­ti­gen ge­we­sen wäre. Die Dar­le­gung geht viel­mehr da­hin, dass ei­ne Vermögens­gefähr­dung der Be­klag­ten in Form ei­ner Kre­dit­gefähr­dung vor­ge­le­gen ha­be. Dass sich die­se in ir­gend­ei­ner Form rea­li­siert hat, z.B. durch Kündi­gung der Kre­dit­verträge oder des ABS-Pro­gram­mes oder auch in Form ei­nes erhöhten Zins­sat­zes, ist nicht dar­ge­legt oder be­haup­tet wor­den.

Die Kündi­gung ist da­her we­der als or­dent­li­che noch als außer­or­dent­li­che Kündi­gung ge­recht­fer­tigt.

Wei­te­re Be­en­di­gungs­sach­ver­hal­te sind nicht vor­ge­tra­gen, so dass auch dem Kla­ge­an­trag zu 2. zu ent­spre­chen war.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 ZPO, die Streit­wer­tent­schei­dung auf § 61 Abs. 1 ArbGG. 57

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der be­klag­ten Par­tei

Be­ru­fung

ein­ge­legt wer­den, weil es sich um ei­ne Be­stands­schutz­strei­tig­keit han­delt. 

Für die kla­gen­de Par­tei ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben. 

Die Be­ru­fung muss 

in­ner­halb ei­ner N o t f r i s t * von ei­nem Mo­nat

beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Lud­wig-Er­hard-Al­lee 21, 40227 Düssel­dorf, Fax: 0211 7770 2199 ein­ge­gan­gen sein.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach des­sen Verkündung.

Die Be­ru­fungs­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte, 

2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,

3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Nr. 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung der Mit­glie­der die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on oder ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder Zu­sam­men­schlus­ses mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten. 

* Ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den. 

- E. -

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 1 Ca 731/09  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880