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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Kündigungsfrist, Kündigungsschutzklage
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 2 AZR 148/05
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 15.12.2005
   
Leit­sätze: Der Ar­beit­neh­mer kann die Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist auch nach der am 1. Ja­nu­ar 2004 in Kraft ge­tre­te­nen Neu­fas­sung von § 4 KSchG außer­halb der frist­ge­bun­de­nen Kla­ge nach § 4 Satz 1 KSchG gel­tend ma­chen.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 1.07.2004, 65 Ca 7117/04
Landesarbeitsgericht Berlin, Urteil vom 10.11.2004, 9 Sa 1854/04
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


2 AZR 148/05
9 Sa 1854/04
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
15. De­zem­ber 2005

UR­TEIL

An­derl, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen


Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 15. De­zem­ber 2005 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Rost, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ey­lert und Schmitz-Scho­le­mann so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter The­len und Dr. Bar­tel für Recht er­kannt:

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Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 10. No­vem­ber 2004 - 9 Sa 1854/04 - wird auf Kos­ten der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen.


Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten im Rah­men von An­nah­me­ver­zugs­ansprüchen über den Be­en­di­gungs­zeit­punkt ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses nach ei­ner von der Be­klag­ten ausgspro­che­nen Kündi­gung.


Die Kläge­rin war seit 1996 bei der Be­klag­ten als Haus­pfle­ge­rin beschäftigt. Mit Schrei­ben vom 20. Ja­nu­ar 2004 kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis zum 6. Fe­bru­ar 2004.


Die Kläge­rin er­hob ge­gen die­se Kündi­gung in­ner­halb der Frist des § 4 KSchG kei­ne Kla­ge. Un­ter dem 26. Ja­nu­ar 2004 äußer­te sie ge­genüber der Be­klag­ten die Kündi­gung sei un­wirk­sam. Im Rah­men außer­ge­richt­li­cher Kor­re­spon­denz äußer­te der Kläger­ver­tre­ter An­fang März 2004, er ge­he von der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 6. Fe­bru­ar 2004 aus und for­der­te die Be­klag­te auf, die bis zum 6. Fe­bru­ar 2004 aus­ste­hen­de Vergütung zu zah­len.


Mit der Mit­te März er­ho­be­nen Kla­ge hat die Kläge­rin - so­weit noch von In­ter­es­se - die Zah­lung von Ar­beits­ent­gelt für die Zeit vom 13. Ja­nu­ar 2004 bis zum 31. März 2004 gel­tend ge­macht. We­gen der ge­setz­li­chen Kündi­gungs­frist von zwei Mo­na­ten sei das Ar­beits­verhält­nis erst zum 31. März 2004 be­en­det wor­den. Die Kla­ge­frist des § 4 Satz 1 KSchG nF gel­te nicht für die feh­ler­haf­te Be­rech­nung der Kündi­gungs­frist. Die Kündi­gung sei da­hin aus­zu­le­gen, dass sie erst zum nächst zulässi­gen Zeit­punkt ha­be wir­ken sol­len.


Die Kläge­rin hat be­an­tragt, 


die Be­klag­te zur Zah­lung von 3.264,96 Eu­ro brut­to zuzüglich Zin­sen iHv. 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Zu­stel­lung des Schrift­sat­zes vom 22. März 2004 zu ver­ur­tei­len.


Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. 



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Die Be­klag­te ver­tritt die Auf­fas­sung, die Kündi­gung ha­be das Ar­beits­verhält­nis zum 6. Fe­bru­ar 2004 be­en­det. § 4 Satz 1 KSchG nF be­zie­he sich auch auf die feh­ler­haf­te Kündi­gungs­frist.


Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge im Um­fang von 1.088,32 Eu­ro (Zeit­raum vom 13. Ja­nu­ar 2004 bis 6. Fe­bru­ar 2004) brut­to nebst Zin­sen statt­ge­ge­ben. Im Übri­gen hat es die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts teil­wei­se ab­geändert und die Be­klag­te ver­ur­teilt, an die Kläge­rin wei­te­re 1.317,44 Eu­ro brut­to (für die Zeit bis 31. März 2004) nebst Zin­sen zu zah­len. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on will die Be­klag­te die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils er­rei­chen.


Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist un­be­gründet. 


A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, die feh­ler­haf­te Be­rech­nung der 10 Kündi­gungs­frist brau­che auch nach der Neu­fas­sung des § 4 KSchG nicht in­ner­halb von drei Wo­chen gel­tend ge­macht zu wer­den. Es lie­ge kein „an­de­rer Un­wirk­sam­keits­grund“ im Sin­ne der Neu­re­ge­lung vor, je­den­falls sei die Kündi­gungs­erklärung in­ter­es­sen­ge­recht da­hin aus­zu­le­gen, dass die „rich­ti­ge“ Kündi­gungs­frist ge­meint sei. Die Be­klag­te ha­be ei­ne „be­triebs­be­ding­te“ Kündi­gung erklärt und da­mit ein­deu­tig ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung aus­ge­spro­chen. Die Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist von zwei Wo­chen zei­ge, dass sie sich an ei­ne Kündi­gungs­frist ha­be hal­ten wol­len. Die Kläge­rin ha­be auch nicht auf ei­ne Kla­ge­er­he­bung ver­zich­tet oder die­ses Recht ver­wirkt. Ihr stünden des­halb Ansprüche auf Ent­gelt­fort­zah­lung für die Zeit ih­rer Er­kran­kung bis zum 16. Fe­bru­ar 2004 so­wie Ansprüche auf Vergütung we­gen An­nah­me­ver­zugs der Be­klag­ten für die Zeiträume vom 17. Fe­bru­ar bis 3. März 2004 und 25. März bis 31. März 2004 zu.

B. Dem stimmt der Se­nat zu. 


I. Die Kläge­rin hat An­spruch auf die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt für die Zeit vom 7. Fe­bru­ar 2004 bis 31. März 2004 aus­ge­ur­teil­ten Vergütungs­ansprüche we­gen An­nah­me­ver­zugs der Be­klag­ten bzw. we­gen Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en hat ent­ge­gen der von der Re­vi­si­on ver­tre­te­nen Auf­fas-
 


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sung nicht auf Grund der Fik­ti­ons­wir­kung des § 7 KSchG nF am 6. Fe­bru­ar 2004 sein En­de ge­fun­den. Die Kläge­rin war nicht ge­hin­dert, die Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist auch außer­halb der frist­ge­bun­de­nen Kla­ge nach § 4 Satz 1 KSchG gel­tend zu ma­chen.


1. Gem. § 4 Satz 1 KSchG nF muss ein Ar­beit­neh­mer, der gel­tend ma­chen will, dass ei­ne Kündi­gung so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt oder aus an­de­ren Gründen rechts­un­wirk­sam ist, in­ner­halb von drei Wo­chen nach Zu­gang der schrift­li­chen Kündi­gung Kla­ge beim Ar­beits­ge­richt auf Fest­stel­lung er­he­ben, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung nicht auf­gelöst ist. Mit die­ser, am 1. Ja­nu­ar 2004 in Kraft ge­tre­te­nen Fas­sung des § 4 Satz 1 KSchG nF auf Grund des Ge­set­zes zu Re­for­men am Ar­beits­markt vom 24. De­zem­ber 2003 (BGBl. I S. 3002) wird die Ver­knüpfung von Kla­ge­frist und Wirk­sam­keits­fik­ti­on, § 7 KSchG nF, auf Un­wirk­sam­keits­gründe außer­halb des ma­te­ri­el­len Kündi­gungs­grun­des (§ 1 Abs. 2 KSchG, § 626 BGB, § 13 Abs. 1 Satz 2 KSchG) aus­ge­dehnt. Of­fen war hier­bei bis­lang, ob die Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist auch außer­halb der Kla­ge­frist des § 4 KSchG nF gel­tend ge­macht wer­den kann.


2. Die­se Fra­ge be­jaht der Se­nat. 

a) Dafür spricht schon der Wort­laut der Norm (Ha­nau ZIP 2004, 1169, 1175; KR-Spil­ger 7. Aufl. § 1a KSchG Rn. 67; zu § 4 Satz 1 KSchG aF wohl auch BAG 12. Ja­nu­ar 1994 - 4 AZR 152/93 - AP BGB § 622 Nr. 43 = EzA BGB § 622 nF Nr. 47, zu B I 3 der Gründe). Der Ar­beit­neh­mer, der le­dig­lich die Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist ver­langt, will ge­ra­de nicht die So­zi­al­wid­rig­keit oder die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung als sol­che fest­ge­stellt wis­sen. Er geht im Ge­gen­teil von der Wirk­sam­keit der Kündi­gung aus. Er will gel­tend ma­chen, sie wir­ke al­ler­dings zu ei­nem an­de­ren Zeit¬punkt als es nach Auf­fas­sung des Ar­beit­ge­bers der Fall ist. Dem lässt sich in die­sem Zu­sam­men­hang nicht ent­ge­gen­hal­ten, der Ar­beit­neh­mer, der die Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist er­stre­be, ma­che, wenn sich sein Kla­ge­ziel rechts­dog­ma­tisch nur durch Um­deu­tung der Kündi­gung nach § 140 BGB be­gründen las­se, not­wen­di­ger­wei­se auch die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung gel­tend. Denn § 4 Satz 1 KSchG er­fasst ei­ne sol­che Gel­tend­ma­chung der Un­wirk­sam­keit als ei­nes Be­gründungs­ele­men­tes nicht. Das zeigt die in § 4 Satz 1 KSchG vor­ge­ge­be­ne For­mu­lie­rung des Fest­stel­lungs­an­trags. Sie geht da­hin, dass das Ar­beits­verhält­nis „nicht auf­gelöst“ ist. Die „Nicht­auflösung“ des Ar­beits­verhält­nis­ses ent­spricht aber nicht dem Kla­ge­ziel des­je­ni­gen, der die Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist rügt. Er ist ganz im Ge­gen­teil der Auf­fas­sung, das Ar­beits­ver-
 


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hält­nis wer­de durch die Kündi­gung sehr wohl auf­gelöst. Die An­wen­dung des § 4 Satz 1 KSchG auf die­sen Fall würde der Kla­ge­par­tei al­so ei­ne auf ihr Be­geh­ren nicht zu­ge­schnit­te­ne Fest­stel­lungs­kla­ge auf­zwin­gen, ob­wohl sie ihr ei­gent­li­ches Kla­ge­ziel - wie et­wa im vor­lie­gen­den Fall - durch ei­nen be­zif­fer­ten Zah­lungs­an­trag ge­nau und vollständig be­schrei­ben kann.

b) Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Norm bestätigt die­sen Be­fund. Es war das erklärte Ziel des Ge­set­zes, „als­bald Klar­heit über den Fort­be­stand oder die Auf­he­bung des Ar­beits­verhält­nis­ses“ zu er­hal­ten (BT-Drucks. 15/1204 S. 2). Wei­ter führt die Be­gründung zum „Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zu Re­for­men am Ar­beits­markt“ (BT-Drucks. 15/1204 S. 9 f.) aus:


„Nach bis­he­ri­gem Recht gilt die Drei­wo­chen­frist für die Er­he­bung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge des Ar­beit­neh­mers (§ 4 Abs. 1 Satz 1) nur für die Gel­tend­ma­chung der So­zi­al­wid­rig­keit ei­ner Kündi­gung nach § 1, der Rechts­un­wirk­sam­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung nach § 13 Abs. 1 und ei­ner Kündi­gung durch den In­sol­venz­ver­wal­ter (§ 113 Abs. 2 der In­sol­venz­ord­nung). Für die Gel­tend­ma­chung der Un­wirk­sam­keit ei­ner Kündi­gung aus an­de­ren Gründen ist kei­ne Frist fest­ge­legt. Aus an­de­ren Gründen kann ei­ne Kündi­gung rechts­un­wirk­sam sein, z.B. we­gen nicht ord­nungs­gemäßer Anhörung des Be­triebs­rats nach § 102 Abs. 1 des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes, we­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs nach § 613a Abs. 4 BGB, we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen ein ge­setz­li­ches Ver­bot (§ 134 BGB) wie § 9 des Mut­ter­schutz­ge­set­zes, § 18 des Bun­des­er­zie­hungs­geld­ge­set­zes oder § 85 SGB IX (schwer­be­hin­der­te Men­schen) so­wie bei Ver­s­toß ge­gen die gu­ten Sit­ten (§ 138 BGB) oder ge­gen Treu und Glau­ben (§ 242 BGB). Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts un­ter­liegt das Kla­ge­recht in die­sen Fällen der Ver­wir­kung. Wann das Kla­ge­recht ver­wirkt, rich­tet sich nach Zeit- und Um­stands­mo­ment im Ein­zel­fall. Die Recht­spre­chung zur Fra­ge des maßge­ben­den Zeit­ab­laufs schwankt zwi­schen we­ni­gen Wo­chen und meh­re­ren Mo­na­ten.“

Auf S. 13 heißt es: 


„Mit der Ände­rung der Vor­schrift wird fest­ge­legt, dass für al­le Fälle der Rechts­un­wirk­sam­keit der Ar­beit­ge­berkündi­gung ei­ne ein­heit­li­che Kla­ge­frist gilt. Der Ar­beit­neh­mer muss die Rechts­un­wirk­sam­keit der Kündi­gung un­abhängig von dem Grund der Un­wirk­sam­keit in­ner­halb ei­ner Frist von drei Wo­chen nach Zu­gang der Kündi­gung gel­tend ma­chen. Das gilt auch für Ände­rungskündi­gun­gen. Die bis­her nur für so­zi­al un­ge­recht­fer­tig­te Kündi­gun­gen (§ 1 Abs. 2 und 3), für außer­or­dent­li­che Kündi­gun­gen im Gel­tungs­be­reich des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes (§ 13 Abs. 1) so­wie für Kündi­gun­gen durch den In­sol­venz­ver-
 


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wal­ter (§ 113 Abs. 2 der In­sol­venz­ord­nung) gel­ten­de dreiwöchi­ge Kla­ge­frist wird auch auf die Kündi­gun­gen er­streckt, die aus an­de­ren Gründen rechts­un­wirk­sam sind, z.B. we­gen nicht ord­nungs­gemäßer Anhörung des Be­triebs­rats nach § 102 Abs. 1 des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes, we­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs nach § 613a Abs. 4 BGB, we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen ein ge­setz­li­ches Ver­bot (§ 134 BGB) wie § 9 des Mut­ter­schutz­ge­set­zes, § 18 des Bun­des­er­zie­hungs­geld­ge­set­zes oder § 85 SGB IX (schwer­be­hin­der­te Men­schen) so­wie we­gen Ver­s­toßes ge­gen die gu­ten Sit­ten (§ 138 BGB) oder ge­gen Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) (Über­sicht in KR-Fried­rich 5. Aufl. § 13 Abs. 3 KSchG Rz. 177 ff.).“


Dies zeigt, dass der Ge­setz­ge­ber die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses als sol­che im Blick hat­te, nicht aber die iso­lier­te Gel­tend­ma­chung der Kündi­gungs­frist aus­sch­ließen woll­te.


c) In die­sem Sin­ne weist auch Ha­nau (ZIP 2004, 1169) dar­auf hin, dass es der Sa­che nach nicht um den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses geht, wenn der Streit nur die Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist be­trifft (vgl. auch Bau­er/Krie­ger NZA 2004, 77 f.). § 4 Satz 1 KSchG wol­le sei­nem Sinn und Zweck nach in der Fra­ge des Be­stan­des des Ar­beits­verhält­nis­ses schnel­le Klar­heit schaf­fen. Das gel­te je­doch nicht auch für Ab­wick­lungs- und Über­g­angs­pro­ble­me (eben­so Däubler AiB 2005, 387, 392; der­sel­be in Kitt­ner/Däubler/Zwan­zi­ger KSchR 6. Aufl. § 13 KSchG Rn. 31; KR-Spil­ger 7. Aufl. § 1a KSchG Rn. 67): Die rich­ti­ge Dau­er der Frist set­ze kei­ne Prüfung der Wirk­sam­keit der or­dent­li­chen Kündi­gung vor­aus.

d) Die­se Aus­le­gung des Ge­set­zes steht in Übe­rein­stim­mung mit der deut­lich über­wie­gen­den Auf­fas­sung zu der ver­gleich­ba­ren Streit­fra­ge, ob die in­zwi­schen wie­der auf­ge­ho­be­ne Re­ge­lung des § 113 Abs. 2 In­sO An­wen­dung fand, wenn der In­sol­venz­ver­wal­ter bei ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung die für das Ar­beits­verhält­nis gel­ten­de Kündi­gungs­frist nicht ein­hielt. Über­wie­gend wur­de dies mit der Be­gründung ver­neint, dass die Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist nicht zur Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung führe. Viel­mehr sei die Kündi­gung wirk­sam und be­en­de das Ar­beits­verhält­nis zum nächstmögli­chen Ter­min (Kitt­ner/Däubler/Zwan­zi­ger KSchR 5. Aufl. § 113 In­sO Rn. 48; Kiel/Koch Die be­triebs­be­ding­te Kündi­gung Rn. 504; Bich­lmei­er/Eng­berding/Ober­ho­fer In­sol­venz­hand­buch 2. Aufl. S. 505; Müller NZA 1998, 1315, 1317; Lak­ies RdA 1997, 145, 147; Schaub DB 1999, 217, 220).
 


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e) Die Ge­gen­an­sicht ver­weist so­wohl zu § 113 Abs. 2 In­sO als auch zu § 4 KSchG nF dar­auf, dass die ver­fris­te­te Kündi­gung nur des­halb die Be­en­di­gung zum nächst­zulässi­gen Ter­min her­beiführe, weil sie gem. § 140 BGB in ei­ne frist­gemäße Kündi­gung um­ge­deu­tet wer­den könne. Die Um­deu­tung set­ze aber die Un­wirk­sam­keit der Erklärung vor­aus, so dass die Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist in­ner­halb der Kla­ge­frist gel­tend ge­macht wer­den müsse (ErfK/Müller-Glöge 5. Aufl. § 113 In­sO Rn. 36). Spre­che ein Ar­beit­ge­ber ei­ne Kündi­gung zu ei­nem be­stimm­ten Ter­min aus, lie­ge dar­in die Erklärung, dass er das Ar­beits­verhält­nis zu die­sem Ter­min be­en­den wol­le. Et­was an­de­res gel­te dann, wenn ein Ar­beit­ge­ber von vorn­her­ein nicht zu ei­nem be­stimm­ten Ter­min, son­dern zum nächst­zulässi­gen Ter­min kündi­ge (vgl. mit Un­ter¬schie­den im Ein­zel­nen: Zim­mer FA 2004, 34, 36; ErfK/Ascheid 5. Aufl. § 4 KSchG Rn. 2; Ba­der NZA 2004, 65, 68; BB­DW/ Wen­zel KSchG Stand Sep­tem­ber 2005 § 4 Rn. 35b; LAG Rhein­land-Pfalz 17. Fe­bru­ar 2005 - 8 Sa 921/04 - nicht rechts­kräftig, Az. beim BAG - 2 AZR 215/05 -; Schaub/Linck Ar­beits­rechts­hand­buch 11. Aufl. § 136 Rn. 16). Linck führt aus, ei­nen Er­fah­rungs­satz, der Ar­beit­ge­ber wol­le im­mer mit der zu­tref­fen­den Frist kündi­gen, ge­be es nicht. Lägen für ei­nen sol­chen Wil­len kei­ne An­halts­punk­te vor, führe der Weg zur Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist über § 140 BGB und da­mit auch über § 4 Satz 1 KSchG.


f) Die­sen Auf­fas­sun­gen ver­mag sich der Se­nat in­des nicht an­zu­sch­ließen. Viel­mehr er­fasst - wie schon aus­geführt - § 4 Satz 1 KSchG be­reits von sei­nem Wort­laut her nicht die Gel­tend­ma­chung der „Un­wirk­sam­keit“ als dog­ma­ti­schem Zwi­schen­schritt im Rah­men des § 140 BGB. Ab­ge­se­hen da­von ist ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung in al­ler Re­gel als zum zu­tref­fen­den Ter­min aus­ge­spro­chen auch dann aus­zu­le­gen, wenn sie ih­rem Wort­laut nach zu ei­nem frühe­ren Ter­min gel­ten soll. Die­se Auf­fas­sung ist auch im Schrift­tum vor­herr­schend (vgl.: Ben­der/Schmidt NZA 2004, 358, 363; Quecke RdA 2004, 86, 97 f., 100; Lak­ies NJ 2004, 150, 155; Raab RdA 2004, 321, 326; Kam­pen/Wink­ler AuR 2005, 171, 174; Doll­mann DB 2004, 2073, 2077 f.; KR-Fried­rich 7. Aufl. § 13 KSchG Rn. 225; Stahl­ha­cke/Preis/Vos­sen Kündi­gung und Kündi­gungs­schutz im Ar­beits­verhält­nis 9. Aufl. Rn. 1736; KR-Rost 7. Aufl. § 7 KSchG Rn. 3b) und hat die bes­se­ren Gründe für sich.


aa) Die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts hat Kündi­gun­gen, bei der die ge­setz­li­che oder ver­trag­li­che Kündi­gungs­frist nicht ge­wahrt war, als je­weils zum nächst­zulässi­gen Ter­min wir­kend an­ge­se­hen, oh­ne sich zunächst fest­zu­le­gen, ob die­ses Er­geb­nis durch ei­ne Aus­le­gung nach §§ 133, 157 BGB oder durch Um­deu­tung

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nach § 140 BGB zu er­zie­len war (4. Fe­bru­ar 1960 - 3 AZR 25/58 - BA­GE 9, 36, 40; Se­nat 18. April 1985 - 2 AZR 197/84 - AP BGB § 622 Nr. 20 = EzA BGB § 622 nF Nr. 21, zu II 1 c und e der Gründe). Im Ur­teil vom 13. Ju­li 1989 (- 2 AZR 509/88 -) führ­te der Se­nat aus, die Nicht­ein­hal­tung ge­setz­li­cher oder ta­rif­ver­trag­li­cher Kündi­gungs­fris­ten sei ein sons­ti­ger Man­gel der Kündi­gung iSd. § 13 Abs. 3 KSchG. Der Man­gel führe je­doch nicht zur völli­gen Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung; sie sei in ei­ne zum nächst­zulässi­gen Ter­min aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung um­zu­deu­ten (§ 140 BGB). Der Fris­ten­ver­s­toß könne außer­halb der Drei­wo­chen­frist des § 4 KSchG gel­tend ge­macht wer­den (so auch zur Ände­rungskündi­gung BAG 12. Ja­nu­ar 1994 - 4 AZR 152/93 - AP BGB § 622 Nr. 43 = EzA BGB § 622 nF Nr. 47, zu B I 3 a der Gründe; vgl. auch 16. Ju­ni 1999 - 4 AZR 191/98 - BA­GE 92, 41).

bb) Die Aus­le­gung geht der Um­deu­tung vor (BGH 6. De­zem­ber 2000 - XII ZR 219/98 - ZIP 2001, 305, 307 (Pro­zes­serklärung); Pa­landt-Hein­richs BGB 64. Aufl. § 140 Rn. 4; Stau­din­ger/Roth (2003) § 140 Rn. 7; Er­man/Palm BGB 10. Aufl. § 140 Rn. 5; So­er­gel/He­f­er­mehl 13. Aufl. § 140 Rn. 1; Stahl­ha­cke/Preis/Vos­sen Kündi­gung und Kündi­gungs­schutz im Ar­beits­verhält­nis 9. Aufl. Rn. 471; so auch zum Pro­blem der Aus­le­gung bzw. Um­deu­tung ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung in ei­ne or­dent­li­che: von Ho­y­nin­gen-Hue­ne/Linck KSchG 13. Aufl. § 13 Rn. 42; KR-Fried­rich 7. Aufl. § 13 KSchG Rn. 76; APS-Biebl 2. Aufl. § 13 KSchG Rn. 35; Schmidt NZA 1989, 661, 663; eben­so Schaub/Linck Ar­beits­rechts­hand­buch 11. Aufl. § 136 Rn. 16). So­fern sich be­reits durch die Aus­le­gung der Wil­lens­erklärung der ob­jek­ti­ve Be­deu­tungs­ge­halt ei­ner mit fal­scher Frist aus­ge­spro­che­nen Kündi­gungs­erklärung da­hin er­sch­ließt, dass ei­ne Kündi­gung mit der ge­setz­lich, ta­rif­lich oder ein­zel­ver­trag­lich vor­ge­se­he­nen Kündi­gungs­frist aus­ge­spro­chen sein soll, be­darf es des Um­we­ges über die Um­deu­tung nicht. Der Aus­le­gung steht auch nicht grundsätz­lich das Be­stimmt­heits­ge­bot ent­ge­gen (vgl. hier­zu BAG 21. Ok­to­ber 1981 - 7 AZR 407/79 -). Aus der Kündi­gungs­erklärung muss sich nur er­ge­ben, zu wel­chem Zeit­punkt das Ar­beits­verhält­nis be­en­det wer­den soll und ob ei­ne or­dent­li­che oder außer­or­dent­li­che Kündi­gung ge­wollt ist (BAG 13. Ja­nu­ar 1982 - 7 AZR 757/79 - BA­GE 37, 267; Quecke BB 2004, 2073, 2077; Stahl-ha­cke/Preis/Vos­sen Kündi­gung und Kündi­gungs­schutz im Ar­beits­verhält­nis 9. Aufl. Rn. 177).


cc) Die so­mit vor­ran­gi­ge Aus­le­gung hat zu er­mit­teln, wie der Empfänger der Kündi­gungs­erklärung die­se auf­grund des aus der Erklärung er­kenn­ba­ren Wil­lens des Kündi­gen­den un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te und der Grundsätze von Treu und
 


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Glau­ben vernünf­ti­ger­wei­se ver­ste­hen konn­te. Ziel der Aus­le­gung ist die Er­mitt­lung ih­rer ob­jek­ti­ven, nor­ma­ti­ven Be­deu­tung, die bei­de Par­tei­en ge­gen sich gel­ten las­sen müssen. Da­bei ist so­wohl die Verständ­nismöglich­keit des Empfängers als auch das In­ter­es­se des Erklären­den dar­an zu berück­sich­ti­gen, dass sich der Empfänger dar­um bemüht, die Erklärung nicht miss­zu­ver­ste­hen. Der Empfänger darf sich nicht ein­fach auf den wört­li­chen Sinn der Erklärung ver­las­sen, son­dern muss sei­ner­seits un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler ihm er­kenn­ba­ren Umstände, die dafür von Be­deu­tung sein können, da­nach trach­ten, das Ge­mein­te zu er­ken­nen (Se­nat 12. Ja­nu­ar 1984 - 2 AZR 366/82 -). Die Aus­le­gung hat sich da­bei an dem Grund­satz aus­zu­rich­ten, dass im Zwei­fel ge­wollt ist, was nach den Maßstäben der Rechts­ord­nung vernünf­tig ist und der recht ver­stan­de­nen In­ter­es­sen­la­ge ent­spricht (BGH 14. Ju­li 1995 - V ZR 31/94 - NJW 1995, 3183; 10. März 1994 - IX ZR 152/93 - NJW 1994, 1537; Münch­Komm-BGB/May­er-Ma­ly/Bu­sche 4. Aufl. § 133 Rn. 56 mwN). Hier­bei ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Rechts­ord­nung nur die außer­or­dent­li­che oder die or­dent­li­che, dh. frist­ge­rech­te Kündi­gung zur Verfügung stellt. Die außer­or­dent­li­che Kündi­gung - ob mit oder oh­ne Aus­lauf­frist - muss hin­rei­chend deut­lich erklärt sein (BAG 13. Ja­nu­ar 1982 - 7 AZR 757/79 - BA­GE 37, 267). Da­her genügt selbst die Er­kenn­bar­keit des Wil­lens des Erklären­den, das Ar­beits­verhält­nis mit so­for­ti­ger Wir­kung zu be­en­den, dann nicht, wenn die­se Erklärung die Deu­tungsmöglich­keit ein­sch­ließt, die so­for­ti­ge Be­en­di­gung sol­le durch ei­nen Be­en­di­gungs­tat­be­stand ein­tre­ten, der das Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des nicht vor­aus­setzt, wie es zB bei der Be­ru­fung auf die Un­wirk­sam­keit des Ar­beits­ver­trags aus Formmängeln oder bei der An­fech­tung der Fall ist. Erst recht muss in al­len Fällen, in de­nen nicht ein­mal die so­for­ti­ge Ver­trags­be­en­di­gung an­ge­strebt wird (zB durch Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist oder ei­ner kürze­ren Frist, Gewährung ei­ner Aus­lauf­frist), zwei­fels­frei der Wil­le er­kenn­bar wer­den, aus wich­ti­gem Grun­de zu kündi­gen (BAG 13. Ja­nu­ar 1982 - 7 AZR 757/79 - BA­GE 37, 267).


dd) Ver­bin­det des­halb der Kündi­gen­de mit der Kündi­gung ei­nen Zeit­punkt, zu dem die Kündi­gung in der Zu­kunft wir­ken soll, kann hier­in grundsätz­lich kei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung ge­se­hen wer­den, wenn der Kündi­gen­de nicht gleich­zei­tig deut­lich macht, dass es sich da­bei le­dig­lich um ei­ne Aus­lauf­frist zu ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung han­delt. Es liegt dann fol­ge­rich­tig ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung vor. Bei die­ser Art der Kündi­gung ist für den Kündi­gungs­adres­sa­ten er­kenn­bar, dass der Kündi­gen­de die ein­zu­hal­ten­de Kündi­gungs­frist grundsätz­lich wah­ren will, da er auf Grund ge­setz­li­cher, ta­rif­li­cher oder ein­zel­ver­trag­li­cher Re­ge­lun­gen an sie ge­bun­den ist (so im Er­geb­nis auch KR-Fried­rich 7. Aufl. § 13 KSchG Rn. 225; Raab RdA 2004, 321, 326;
 


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Quecke RdA 2004, 86, 98; Doll­mann BB 2004, 2073, 2077, 2078; Ben­der/Schmidt NZA 2004, 358, 363).

ee) Zu be­den­ken ist auch, dass es sich bei der An­ga­be des Zeit­punkts, zu dem die Kündi­gung wir­ken soll, letzt­end­lich nur um ei­ne Aus- bzw. Fol­ge­wir­kung der Ent­schei­dung han­delt, dass über­haupt gekündigt wird (vgl. Ha­nau ZIP 2004, 1169, 1175). Die Frist ist des­halb grundsätz­lich nur ein Be­rech­nungs­fak­tor (Raab RdA 2004, 321, 325). Die An­ga­be des Kündi­gungs­ter­mins ist da­mit re­gelmäßig eher ei­ne „Wis­sens­erklärung“ (vgl. zu Wis­sens­erklärun­gen zB Se­nat 21. April 1983 - 2 AZR 125/81 -; BAG 26. Au­gust 1998 - 7 AZR 259/97 -; Stau­din­ger/Mar­bur­ger BGB (2002) § 781 Rn. 27). Be­son­ders deut­lich wird dies in den Fällen, in de­nen der Kündi­gen­de zu­dem deut­lich macht, dass die Wie­der­ga­be ei­nes Da­tums, zu dem das Ar­beits­verhält­nis en­den soll, aus ei­ner vor­an­ge­gan­ge­nen Be­rech­nung folgt - zB durch die For­mu­lie­rung „Hier­mit kündi­ge ich Ih­nen or­dent­lich zum nächst zulässi­gen Ter­min. Das ist mei­nes Wis­sens der (kon­kre­ter Zeit­punkt)“ (so auch Raab RdA 2004, 321, 326; vgl. auch Kam­pen/Wink­ler AuR 2005, 171, 172 ff.).


ff) Aus den vor­ste­hen­den Erwägun­gen folgt, dass in all den Fällen, in de­nen sich bei feh­ler­haft zu Grun­de ge­leg­ter Kündi­gungs­frist die Kündi­gungs­erklärung da­hin aus-le­gen lässt, dass ei­ne frist­wah­ren­de Kündi­gung aus­ge­spro­chen sein soll­te, ei­ne Um­deu­tung nach § 140 BGB nicht er­for­der­lich ist. Nur dann, wenn sich aus der Kündi­gung und der im Rah­men der Aus­le­gung zu berück­sich­ti­gen­den Umstände des Ein­zel­fal­les ein Wil­le des Ar­beit­ge­bers er­gibt, die Kündi­gung nur zum erklärten Zeit­punkt ge­gen sich gel­ten zu las­sen, schei­det ei­ne Aus­le­gung aus (so auch Doll­mann BB 2004, 2073, 2077 f. und Raab RdA 2004, 321, 326; aA Mat­t­hies­sen/Shea AuA 2005, 208). Der Kündi­gungs­ter­min wäre dann aus­nahms­wei­se in­te­gra­ler Be­stand­teil der Wil­lens­erklärung und müss­te in­ner­halb der Klag­frist des § 4 Satz 1 KSchG an­ge­grif­fen wer­den. Dann schei­det aber auch ei­ne Um­deu­tung aus, da ein der­art klar ar­ti­ku­lier­ter Wil­le des Ar­beit­ge­bers nicht den Schluss auf ei­nen mut­maßli­chen Wil­len, wie ihn § 140 BGB er­for­dert, zulässt.

gg) In An­wen­dung die­ser Grundsätze stimmt der Se­nat dem Lan­des­ar­beits­ge­richt hin­sicht­lich der Aus­le­gung der Kündi­gungs­erklärung zu. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat aus der For­mu­lie­rung „be­triebs­be­ding­te Kündi­gung“ ge­schlos­sen, dass ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung aus­ge­spro­chen wer­den soll­te. Zu­dem zei­ge die Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist von zwei Wo­chen, dass die Be­klag­te sich an ei­ne Kündi­gungs­frist ha­be
 


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hal­ten wol­len. Das ist re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den. Der aus der Kündi­gungs­erklärung er­kenn­ba­re Wil­le ging da­hin, ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung un­ter Wah­rung der ein­zu­hal­ten­den Kündi­gungs­frist aus­zu­spre­chen. Die­se beträgt gemäß § 622 Abs. 2 Nr. 2 BGB zwei Mo­na­te zum Mo­nats­en­de, da die Kläge­rin länger als fünf Jah­re bei der Be­klag­ten beschäftigt war.

hh) Die Kläge­rin hat auf Grund des Schrei­bens ih­res Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 4. März 2004 auch we­der auf das Recht zur Kla­ge­er­he­bung ver­zich­tet noch die­ses ver­wirkt.


(1) Im Schrei­ben vom 4. März 2004 ist kein Kla­ge­ver­zicht auf Vergütungs­ansprüche für die Zeit nach dem 6. Fe­bru­ar 2004 bis zum 31. März 2004 zu se­hen. Durch die For­mu­lie­rung „... ge­hen wir da­von aus, dass das Ar­beits­verhält­nis ... rechts­wirk­sam zum 06. Fe­bru­ar 2004 be­en­det wur­de, da ge­gen die­se Kündi­gung nicht frist­ge­recht Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben wur­de. (...) en­de­te so­mit oh­ne Ab­fin­dungs­zah­lung zum 06. Fe­bru­ar 2004.“ macht der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin nicht mit der er­for­der­li­chen Deut­lich­keit (vgl. hier­zu Se­nat 20. Ju­ni 1985 - 2 AZR 427/84 - AP Be­trVG 1972 § 112 Nr. 33 = EzA KSchG § 4 Aus­gleichs­quit­tung Nr. 1; 3. Mai 1979 - 2 AZR 679/77 - BA­GE 32, 6) er­sicht­lich, dass er - un­abhängig vom „Ob“ der tatsächli­chen und recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses - auf wei­ter­ge­hen­de Ansprüche und ei­ne da­zu nöti­ge Kla­ge­er­he­bung ver­zich­tet. Dies könn­te al­len­falls für die aus­drück­lich an­geführ­te Ab­fin­dungs­zah­lung zu­tref­fen. Da­ge­gen enthält das Schrei­ben nicht ein­mal die Erklärung, kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge oder all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge mehr zu er­he­ben, son­dern nur die Einschätzung des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten, wel­che recht­li­chen Fol­gen die - bis­lang - un­ter­blie­be­ne Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge hat.

(2) Das Kla­ge­recht ist nicht ver­wirkt. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann das Recht, ei­ne Kla­ge zu er­he­ben, ver­wirkt wer­den (Se­nat 20. Mai 1988 - 2 AZR 711/87 - AP BGB § 242 Pro­zess­ver­wir­kung Nr. 5 = EzA BGB § 242 Pro­zess­ver­wir­kung Nr. 1; 11. No­vem­ber 1982 - 2 AZR 552/81 - AP BGB § 620 Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag Nr. 71 = EzA BGB § 620 Nr. 61; 9. Ja­nu­ar 1987 - 2 AZR 37/86 - und - 2 AZR 126/86 -; 2. No­vem­ber 1961 - 2 AZR 66/61 - BA­GE 11, 353). Dies ist dann zu be­ja­hen, wenn der An­spruch­stel­ler die Kla­ge erst nach Ab­lauf ei­nes länge­ren Zeit­rau­mes er­hebt (Zeit­mo­ment) und der An­spruchs­geg­ner sich in­fol­ge des­sen dar­auf ein­rich­ten durf­te und ein­ge­rich­tet hat, er wer­de nicht mehr ge­richt­lich be­langt
 


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(Um­stands­mo­ment). Hier­bei muss das Er­for­der­nis des Ver­trau­ens­schut­zes das In­ter­es­se des Be­rech­tig­ten an ei­ner sach­li­chen Prüfung des von ihm be­haup­te­ten An­spruchs der­art über­wie­gen, dass dem Geg­ner die Ein­las­sung auf die Kla­ge nicht mehr zu­zu­mu­ten ist (vgl. BAG 6. No­vem­ber 1997 - 2 AZR 162/97 - AP BGB § 242 Ver­wir­kung Nr. 45 = EzA BGB § 242 Pro­zess­ver­wir­kung Nr. 2). Wann das Zeit­mo­ment erfüllt ist, lässt sich nicht durch ei­ne sche­ma­ti­sie­ren­de Be­trach­tungs­wei­se er­mit­teln. Die Fra­ge des Rechts­miss­brauchs lässt sich nur für den Ein­zel­fall klären (Se­nat 20. Mai 1988 - 2 AZR 711/87 - AP BGB § 242 Pro­zess­ver­wir­kung Nr. 5 = EzA BGB § 242 Pro­zess­ver­wir­kung Nr. 1). An­ge­sichts ei­nes Zeit­raums von nur zwölf Ta­gen zwi­schen dem Schrei­ben vom 4. März 2004 und der Klag­schrift vom 16. März 2004 kann von ei­nem länge­ren Zeit­raum, der auch nur annähernd das Zeit­mo­ment erfüllen würde, je­doch nicht ge­spro­chen wer­den.


2. Da das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en erst zum 31. März 2004 en­de­te, ste­hen der Kläge­rin die der Höhe nach nicht mehr strei­ti­gen, vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­er­kann­ten Zah­lungs­ansprüche zu.


II. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. 


Rost 

Ey­lert 

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The­len 

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