Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Jugend- und Auszubildendenvertretung, Arbeitnehmerüberlassung, Leiharbeit
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 7 ABR 89/08
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 17.02.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bochum, Beschluss vom 6.07.2007, 1 BV 6/07
Landesarbeitsgericht Hamm (Westfalen), Beschluss vom 22.02.2008, 10 TaBV 93/07
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

7 ABR 89/08

10 TaBV 93/07

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am 17. Fe­bru­ar 2010

BESCHLUSS

Schie­ge, Ur­kunds­be­am­ter der Geschäfts­stel­le

In dem Be­schluss­ver­fah­ren

mit den Be­tei­lig­ten

An­trag­stel­le­rin,

Be­schwer­deführe­rin und Rechts­be­schwer­deführe­rin,


- 2 -

hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 17. Fe­bru­ar 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Lin­sen­mai­er, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Kiel, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Schmidt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Vor­bau und Zwis­ler für Recht er­kannt:

Auf die Rechts­be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 2) wird der Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 22. Fe­bru­ar 2008 - 10 TaBV 93/07 - auf­ge­ho­ben.

Die Sa­che wird zur neu­en Anhörung und Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Von Rechts we­gen!

Gründe

A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses

ei­nes Mit­glieds der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung.

Die an­trag­stel­len­de und zu 1. be­tei­lig­te Ar­beit­ge­be­rin ist ein Un­ter

neh­men der Au­to­mo­bil­in­dus­trie. Für ih­ren in B - vor­mals ge­mein­sam mit der G GmbH - geführ­ten Be­trieb sind der zu 3. be­tei­lig­te Be­triebs­rat und die zu 4. be­tei­lig­te Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung gewählt wor­den. Die Be­tei­lig­te zu 2. ab­sol­vier­te bei der Ar­beit­ge­be­rin ei­ne Aus­bil­dung für den Be­ruf ei­ner Me­cha­tro­ni­ke­rin, die sie mit am 23. Ja­nu­ar 2007 be­stan­de­ner Ab­schluss­prüfung be­en­de­te. Im Jah­re 2004 wur­de sie in die Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung als Er­satz­mit­glied gewählt; im Sep­tem­ber 2006 rück­te sie als Mit­glied nach. Bei der tur­nusmäßigen Wahl der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung im No­vem­ber 2006 wur­de sie er­neut als Er­satz­mit­glied gewählt.

Zur Her­stel­lung und Si­che­rung der Wett­be­werbsfähig­keit des B Werks

führ­te die Ar­beit­ge­be­rin seit An­fang 2005 ein Re­struk­tu­rie­rungs­pro­gramm


- 3 -

durch, wel­ches un­ter an­de­rem be­inhal­te­te, Aus­zu­bil­den­de der Ab­schluss­jahrgänge 2006 und 2007 nicht zu über­neh­men. Die Ar­beit­ge­be­rin war bemüht, die­sen Aus­zu­bil­den­den nach der Be­rufs­aus­bil­dung den Ab­schluss ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags mit der Fir­ma A zu ermögli­chen. Bis auf we­ni­ge Aus­nah­men wur­den die Aus­zu­bil­den­den, die seit An­fang 2006 ih­re Ab­schluss­prüfung be­stan­den hat­ten, bei der Ar­beit­ge­be­rin im We­ge der Ar­beit­neh­merüber­las­sung als Leih­ar­beit­neh­mer ein­ge­setzt. Die Be­tei­lig­te zu 2. be­warb sich nicht bei der Fir­ma A.

Nach­dem die Ar­beit­ge­be­rin am 24. Ok­to­ber 2006 der Be­tei­lig­ten zu 2.

schrift­lich mit­ge­teilt hat­te, dass sie nicht in ein Ar­beits­verhält­nis über­nom­men wer­de, be­an­trag­te die­se mit Schrei­ben vom 18. Ja­nu­ar 2007 ih­re Über­nah­me in ein un­be­fris­te­tes Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis im er­lern­ten Be­ruf im An­schluss an ih­re Aus­bil­dung. In die­sem Schrei­ben gab sie ua. an:

„Soll­te ei­ne ent­spre­chen­de Beschäfti­gung nicht möglich sein, so wäre ich hilfs­wei­se auch be­reit, zu an­de­ren als den sich aus § 78a Be­trVG er­ge­ben­den Ar­beits­be­din­gun­gen in ein Ar­beits­verhält­nis über­nom­men zu wer­den.“

Die Ar­beit­ge­be­rin hat mit ih­rer am 31. Ja­nu­ar 2007 beim Ar­beits­ge­richt

ein­ge­gan­ge­nen An­trags­schrift die Auflösung des mit der Be­tei­lig­ten zu 2. be­gründe­ten Ar­beits­verhält­nis­ses be­gehrt und die­sen An­trag „aus an­walt­li­cher Vor­sor­ge auch na­mens und in Voll­macht“ der G GmbH ge­stellt. Sie hat ge­meint, die Wei­ter­beschäfti­gung der Be­tei­lig­ten zu 2. sei ihr man­gels vor­han­de­ner Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten un­zu­mut­bar. Ei­ne Über­nah­me in ein Ar­beits­verhält­nis zu geänder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen kom­me schon des­halb nicht in Be­tracht, weil die Be­tei­lig­te zu 2. nicht kon­kret be­schrie­ben ha­be, wie sie sich ei­ne an­der­wei­ti­ge Wei­ter­ar­beit vor­stel­le.

Die Ar­beit­ge­be­rin hat be­an­tragt,

das am 23. Ja­nu­ar 2007 be­gründe­te Ar­beits­verhält­nis mit der Be­tei­lig­ten zu 2. auf­zulösen.


- 4 -

Die Be­tei­lig­te zu 2. hat be­an­tragt, den An­trag ab­zu­wei­sen. Sie hat die

Auf­fas­sung ver­tre­ten, be­reits ihr der­zei­ti­ger Ein­satz in der Ab­tei­lung Fer­ti­gungs­mon­ta­ge auf dem Ar­beits­platz „2. Sitz­rei­he ver­schrau­ben“ recht­fer­ti­ge die An­nah­me ei­ner Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­keit. Eben­so deu­te­ten die Umstände, dass in die­ser Ab­tei­lung zahl­rei­che Über­stun­den an­fie­len und ih­re Bit­te auf Frei­stel­lung von der Dau­er­nacht­schicht ab­schlägig be­schie­den wor­den sei, dar­auf hin, dass die Wei­ter­beschäfti­gung nicht un­zu­mut­bar sei. Außer­dem ge­be es bei der Ar­beit­ge­be­rin zu­min­dest in der Lo­gis­tik und im „Be­reich KTL“ freie und zu be­set­zen­de Ar­beitsplätze. Fer­ner spre­che die Aus­schrei­bung von Stel­len in den Be­rei­chen Werks­si­cher­heit/-feu­er­wehr so­wie Supp­ly Chain Ope­ra­ti­ons Ve­hi­cles für ei­ne Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­keit. Sch­ließlich beschäfti­ge die Ar­beit­ge­be­rin Leih­ar­beit­neh­mer und brin­ge da­mit zum Aus­druck, dass Ar­beitsplätze frei sei­en, wel­che mit ei­ge­nen Mit­ar­bei­tern be­setzt wer­den könn­ten.

Das Ar­beits­ge­richt hat dem An­trag der Ar­beit­ge­be­rin ent­spro­chen. Das

Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 2. zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Se­nat zu­ge­las­se­nen Rechts­be­schwer­de be­gehrt die Be­tei­lig­te zu 2. wei­ter­hin die Ab­wei­sung des An­trags der Ar­beit­ge­be­rin.

B. Die Rechts­be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 2. hat Er­folg. Sie führt zur

Auf­he­bung der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung und zur Zurück­ver­wei­sung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt. Mit der vom Be­schwer­de­ge­richt ge­ge­be­nen Be­gründung kann dem An­trag der Ar­beit­ge­be­rin nicht ent­spro­chen wer­den. Der Se­nat kann auf­grund der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen nicht be­ur­tei­len, ob der recht­zei­tig ge­stell­te Auflösungs­an­trag der Ar­beit­ge­be­rin be­gründet ist. Das Be­schwer­de­ge­richt hat es zu Un­recht für un­be­acht­lich ge­hal­ten, dass im Be­trieb Leih­ar­beit­neh­mer beschäftigt wor­den sind.

I. Am Ver­fah­ren ist ne­ben den Be­tei­lig­ten zu 1. bis 4. die G GmbH nicht

(mehr) be­tei­ligt.


- 5 -

1. Nach § 83 Abs. 3 ArbGG sind in ei­nem Be­schluss­ver­fah­ren ne­ben dem
An­trag­stel­ler, dem Ar­beit­ge­ber und den Ar­beit­neh­mern die­je­ni­gen Stel­len an­zuhören, die nach dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz oder den an­de­ren in der Norm ge­nann­ten Ge­set­zen im ein­zel­nen Fall be­tei­ligt sind. Als Be­tei­lig­te in An­ge­le­gen­hei­ten des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes ist je­de Stel­le an­zu­se­hen, die durch die be­gehr­te Ent­schei­dung in ih­rer be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­stel­lung un­mit­tel­bar be­trof­fen ist (BAG 18. April 2007 - 7 ABR 30/06 - Rn. 15 mwN, BA­GE 122, 96). Dies hat das Ge­richt von Amts we­gen auch noch in der Rechts­be­schwer­de­instanz zu be­ach­ten (BAG 2. Ok­to­ber 2007 - 1 ABR 79/06 - Rn. 10, EzA ZPO 2002 § 559 Nr. 1).

2. Die G GmbH ist in ih­rer be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­stel­lung
nicht (mehr) be­trof­fen. Von ei­nem Auflösungs­ver­fah­ren nach § 78a Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Be­trVG hängt die per­so­nel­le Zu­sam­men­set­zung der im Be­trieb ge­bil­de­ten Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung ab (BAG 25. Fe­bru­ar 2009 - 7 ABR 61/07 - Rn. 14, DB 2009, 1473). Der von der Ar­beit­ge­be­rin und der G GmbH in B vor­mals ge­mein­sam geführ­te Be­trieb ist aber, wie die Be­tei­lig­ten im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren übe­rein­stim­mend an­ge­ge­ben ha­ben, mitt­ler­wei­le auf­gelöst und wird nur von der Ar­beit­ge­be­rin fort­geführt.

II. Der Se­nat kann auf­grund der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt ge­trof­fe­nen

Fest­stel­lun­gen nicht be­ur­tei­len, ob der Auflösungs­an­trag der Ar­beit­ge­be­rin be­gründet ist.

1. Al­ler­dings ist ent­ge­gen der von der Be­tei­lig­ten zu 2. im Rechts-

be­schwer­de­ver­fah­ren ver­tre­te­nen Auf­fas­sung der Auflösungs­an­trag nach § 78a Abs. 4 Nr. 2 Be­trVG nicht be­reits des­halb zurück­zu­wei­sen, weil ihn nur die zu 1. be­tei­lig­te Ar­beit­ge­be­rin ge­stellt hat. Die Auflösung ei­nes nach § 78a Abs. 2 Satz 1 Be­trVG be­gründe­ten Ar­beits­verhält­nis­ses be­trifft nicht die be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Ar­beit­ge­ber­stel­lung al­ler an ei­nem Ge­mein­schafts­be­trieb be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men, son­dern nur die des Ver­trags­ar­beit­ge­bers des ehe­ma­li­gen Aus­zu­bil­den­den. Ver­trags­ar­beit­ge­ber ist die natürli­che oder ju­ris­ti­sche Per­son, mit dem das Mit­glied der in § 78a Abs. 1 Be­trVG ge­nann­ten Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tun­gen ein Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis ab­ge­schlos­sen hat. Durch


- 6 -

das in § 78a Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Be­trVG vor­ge­se­he­ne Ver­fah­ren hat der Ver­trags­ar­beit­ge­ber die Möglich­keit, sich bei Vor­lie­gen der dort ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen aus dem ge­setz­lich be­gründe­ten Ar­beits­verhält­nis zu lösen. Der Streit geht al­lein um die Auf­recht­er­hal­tung der ver­trags­recht­li­chen Bin­dung zwi­schen den ehe­ma­li­gen Par­tei­en des Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses (vgl. BAG 25. Fe­bru­ar 2009 - 7 ABR 61/07 - Rn. 10 ff., DB 2009, 1473). Dies sind vor­lie­gend die zu 1. be­tei­lig­te Ar­beit­ge­be­rin und die Be­tei­lig­te zu 2.

2. Hin­ge­gen ver­mag der Se­nat auf der Grund­la­ge der bis­her vom Lan­des-

ar­beits­ge­richt ge­trof­fe­nen Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen nicht zu be­ur­tei­len, ob der Ar­beit­ge­be­rin die Wei­ter­beschäfti­gung der Be­tei­lig­ten zu 2. zum Zeit­punkt der Be­en­di­gung ih­res Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses zu­mut­bar war. Es feh­len hin­rei­chen­de Fest­stel­lun­gen des Be­schwer­de­ge­richts, ob im Aus­bil­dungs­be­trieb im maßgeb­li­chen Zeit­raum vom 23. Ok­to­ber 2006 bis zum 23. Ja­nu­ar 2007 ein frei­er und für ei­ne Be­set­zung mit der Be­tei­lig­ten zu 2. ge­eig­ne­ter dau­er­haf­ter Ar­beits­platz als Me­cha­tro­ni­ke­rin zur Verfügung ge­stan­den hat.

a) Nach § 78a Abs. 2 Satz 1 Be­trVG gilt zwi­schen ei­nem Aus­zu­bil­den­den,

der Mit­glied des Be­triebs­rats oder ei­nes der an­de­ren dort ge­nann­ten Be­triebs-ver­fas­sungs­or­ga­ne ist, und dem Ar­beit­ge­ber im An­schluss an das Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis ein Ar­beits­verhält­nis auf un­be­stimm­te Zeit als be­gründet, wenn der Aus­zu­bil­den­de in den letz­ten drei Mo­na­ten vor Be­en­di­gung des Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses vom Ar­beit­ge­ber schrift­lich die Wei­ter­beschäfti­gung ver­langt. Die­se Über­nah­me­ver­pflich­tung soll die Ämter­kon­ti­nuität der in § 78a Abs. 1 Be­trVG ge­nann­ten Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tun­gen gewähr­leis­ten und den Amts­träger vor nach­tei­li­gen Fol­gen bei sei­ner Amtsführung während des Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses schützen. Die Vor­schrift stellt ei­ne be­son­de­re ge­setz­li­che Aus­for­mung des be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­nach­tei­li­gungs­ver­bots von Amts­trägern in § 78 Satz 2 Be­trVG dar. Durch ein form- und frist­ge­rech­tes Über­nah­me­ver­lan­gen des Aus­zu­bil­den­den ent­steht zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber und dem Mit­glied der in § 78a Abs. 1 Be­trVG ge­nann­ten Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tun­gen nach § 78a Abs. 2 Satz 1 Be­trVG ein un­be­fris­te­tes Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis in sei­nem Aus­bil­dungs­be­ruf.


- 7 -

b) Der Ar­beit­ge­ber kann gemäß § 78a Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 Be­trVG die

Be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nach § 78a Abs. 2 Satz 1 Be­trVG ver­hin­dern oder gemäß § 78a Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Be­trVG des­sen Auflösung her­beiführen, wenn Tat­sa­chen vor­lie­gen, auf­grund de­rer ihm die Wei­ter­beschäfti­gung un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann. Da­bei stimmt der Be­griff der Zu­mut­bar­keit in § 78a Abs. 4 Satz 1 Be­trVG mit dem in § 626 Abs. 1 BGB nicht übe­rein.

aa) Nach der Recht­spre­chung des Se­nats ist dem Ar­beit­ge­ber die Wei­ter

beschäfti­gung nicht erst dann un­zu­mut­bar, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des § 626 Abs. 1 BGB erfüllt sind. Die zum Be­griff der Un­zu­mut­bar­keit in § 626 Abs. 1 BGB ent­wi­ckel­ten Grundsätze las­sen sich nicht auf § 78a Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Be­trVG über­tra­gen. Der Tat­be­stand des § 626 Abs. 1 BGB liegt vor, wenn dem Ar­beit­ge­ber schon die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist oder bis zur ver­ein­bar­ten Be­en­di­gung nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann. Bei der Auflösung des nach § 78a Abs. 2 Satz 1 Be­trVG ent­stan­de­nen Ar­beits­verhält­nis­ses ist dem­ge­genüber maßgeb­lich, ob dem Ar­beit­ge­ber die Beschäfti­gung des Amts­trägers in ei­nem un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis zu­mut­bar ist (BAG 25. Fe­bru­ar 2009 - 7 ABR 61/07 - Rn. 16, DB 2009, 1473; 6. No­vem­ber 1996 - 7 ABR 54/95 - zu B I 1 der Gründe, BA­GE 84, 294).

bb) Ne­ben per­so­nen- und ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen können auch

be­trieb­li­che Gründe die Auflösung des kraft Ge­set­zes ent­stan­de­nen Ar­beits­verhält­nis­ses recht­fer­ti­gen. Die Fort­set­zung des nach § 78a Abs. 2 Satz 1 Be­trVG be­gründe­ten Ar­beits­verhält­nis­ses ist dem Ar­beit­ge­ber aus be­trieb­li­chen Gründen un­zu­mut­bar, wenn in sei­nem Be­trieb kein frei­er Ar­beits­platz vor­han­den ist, auf dem der Aus­zu­bil­den­de mit sei­ner durch die Aus­bil­dung er­wor­be­nen Qua­li­fi­ka­ti­on dau­er­haft beschäftigt wer­den kann. Maßgeb­lich sind die Verhält­nis­se im Aus­bil­dungs­be­trieb (BAG 15. No­vem­ber 2006 - 7 ABR 15/06 - Rn. 21 mwN, BA­GE 120, 205).

(1) Ob ein Beschäfti­gungs­be­darf für den durch § 78a Be­trVG geschütz­ten

Aus­zu­bil­den­den zur Verfügung steht, be­stimmt sich nach den ar­beits-


- 8 -

tech­ni­schen Vor­ga­ben und der Per­so­nal­pla­nung des Ar­beit­ge­bers, der darüber ent­schei­det, wel­che Ar­bei­ten im Be­trieb ver­rich­tet wer­den sol­len und wie vie­le Ar­beit­neh­mer da­mit beschäftigt wer­den. Oh­ne Be­deu­tung ist da­her, ob Ar­beits­auf­ga­ben vor­han­den sind, mit de­ren Ver­rich­tung ein Ar­beit­neh­mer be­traut wer­den könn­te. Der Ar­beit­ge­ber ist nicht ver­pflich­tet, durch or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­men Ar­beitsplätze neu zu schaf­fen, um die Wei­ter­beschäfti­gung zu gewähr­leis­ten. Von Miss­brauchsfällen ab­ge­se­hen ist der Ar­beit­ge­ber grundsätz­lich auch nicht ge­hin­dert, durch ei­ne Verände­rung der Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on Ar­beitsplätze weg­fal­len zu las­sen. Ist hin­ge­gen im Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses ein frei­er Ar­beits­platz vor­han­den, hat bei der Prüfung der Un­zu­mut­bar­keit ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung ein künf­ti­ger Weg­fall von Ar­beitsplätzen un­berück­sich­tigt zu blei­ben (BAG 25. Fe­bru­ar 2009 - 7 ABR 61/07 - Rn. 18 mwN, DB 2009, 1473).

(2) Nach die­sen Grundsätzen ist dem Ar­beit­ge­ber die Über­nah­me ei­nes

durch § 78a Be­trVG geschütz­ten Aus­zu­bil­den­den aus be­trieb­li­chen Gründen nicht al­lein des­halb un­zu­mut­bar, weil sich der Ar­beit­ge­ber ent­schließt, die in sei­nem Be­trieb an­fal­len­den Ar­beits­auf­ga­ben künf­tig nicht mehr ei­ge­nen Ver­trags­ar­beit­neh­mern, son­dern Leih­ar­beit­neh­mern zu über­tra­gen. Durch die­se Ent­schei­dung al­lein wird we­der die An­zahl der Ar­beitsplätze noch die Ar­beits­men­ge verändert, für de­ren Bewälti­gung der Ar­beit­ge­ber Ar­beit­neh­mer ein­setzt. Die bis­her an­fal­len­den Ar­bei­ten wer­den nach wie vor von dem Ar­beit­ge­ber in­ner­halb sei­ner be­trieb­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on mit Ar­beits­kräften er­le­digt, die die­se Ar­beits­auf­ga­ben nach sei­nen Wei­sun­gen für ihn ausführen. Der Ar­beit­ge­ber deckt sei­nen Ar­beits­kräfte­be­darf le­dig­lich mit Ar­beit­neh­mern ei­nes an­de­ren Ar­beit­ge­bers, der sie ihm auf der Grund­la­ge ei­nes Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ver­trags zur Förde­rung sei­ner Be­triebs­zwe­cke zur Verfügung stellt. Die dem Ar­beit­ge­ber als Ent­lei­her über­las­se­nen Ar­beit­neh­mer wer­den von die­sem nach sei­nen Vor­stel­lun­gen und Zie­len in sei­nem Be­trieb wie ei­ge­ne Ar­beit­neh­mer ein­ge­setzt. Durch den Ein­satz von Leih­ar­beit­neh­mern entfällt da­her le­dig­lich der Be­darf an der Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern, die in ei­nem durch Ar­beits­ver­trag be­gründe­ten Ar­beits­verhält­nis zum Be­triebs­in­ha­ber ste­hen. Dies führt nicht zur Un­zu­mut­bar­keit iSd. § 78a Abs. 4 Be­trVG, weil sich al­lein durch


- 9 -

die Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers, künf­tig für die Er­le­di­gung der Ar­beits­men­ge Leih­ar­beit­neh­mer ein­zu­set­zen, die An­zahl der im Be­trieb ein­ge­rich­te­ten Ar­beitsplätze und da­mit auch der Beschäfti­gungs­be­darf nicht ändert (BAG 25. Fe­bru­ar 2009 - 7 ABR 61/07 - Rn. 19 mwN, DB 2009, 1473).

(3) Auch dann, wenn sich der Ar­beit­ge­ber nicht erst anläss­lich der Über-

nah­me des nach § 78a Be­trVG geschütz­ten Aus­zu­bil­den­den zum künf­ti­gen Ein­satz von Leih­ar­beit­neh­mern ent­schließt, son­dern wenn er be­reits Leih­ar­beit­neh­mer auf dau­er­haft ein­ge­rich­te­ten, aus­bil­dungs­adäqua­ten Ar­beitsplätzen beschäftigt, kann es ihm zu­mut­bar sein, ei­nen sol­chen Ar­beits­platz für den zu über­neh­men­den Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­ter frei­zu­ma­chen. Die Zu­mut­bar­keit rich­tet sich nach den Umständen des Ein­zel­falls. Sie lässt sich ge­ne­rell we­der be­ja­hen noch ver­nei­nen. Für ih­re Be­ur­tei­lung können be­rech­tig­te be­trieb­li­che In­ter­es­sen an der Wei­ter­beschäfti­gung ge­ra­de die­ses Leih­ar­beit­neh­mers oder ver­trag­li­che Ver­pflich­tun­gen des Ar­beit­ge­bers ge­gen­über dem Ver­lei­her von Be­deu­tung sein.

cc) Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Se­nats ist für die Fest­stel­lung der

Un­zu­mut­bar­keit ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung iSd. § 78a Abs. 4 Be­trVG auf den Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses ab­zu­stel­len. Die Wei­ter­beschäfti­gung ei­nes durch § 78a Be­trVG geschütz­ten Aus­zu­bil­den­den kann dem Ar­beit­ge­ber iSd. § 78a Abs. 4 Be­trVG im Ein­zel­fall auch zu­mut­bar sein, wenn er ei­nen kurz vor der Be­en­di­gung der Be­rufs­aus­bil­dung frei ge­wor­de­nen Ar­beits­platz wie­der be­setzt hat, statt ihn für ei­nen nach § 78a Be­trVG geschütz­ten Aus­zu­bil­den­den frei­zu­hal­ten. Das gilt re­gelmäßig bei ei­ner Be­set­zung, die in­ner­halb von drei Mo­na­ten vor dem ver­ein­bar­ten En­de des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses vor­ge­nom­men wird, da der Ar­beit­ge­ber in­ner­halb des Drei-Mo­nats-Zeit­raums des § 78a Abs. 2 Satz 1 Be­trVG mit ei­nem Über­nah­me­ver­lan­gen rech­nen muss. Die­sem Ver­lan­gen muss er ent­spre­chen, wenn nicht die Aus­nah­me­tat­bestände des § 78a Abs. 4 Be­trVG vor­lie­gen. Aus die­sem Grund führt ein zum Zeit­punkt der Be­en­di­gung der Aus­bil­dung feh­len­der Beschäfti­gungs­be­darf nicht zur Un­zu­mut­bar­keit der Wei­ter­beschäfti­gung, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­nen in­ner­halb von drei Mo­na­ten vor der ver­trag­lich ver­ein-


- 10 -

bar­ten Be­en­di­gung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses frei ge­wor­de­nen Ar­beits­platz be­setzt hat und die so­for­ti­ge Neu­be­set­zung nicht durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se ge­bo­ten war (BAG 25. Fe­bru­ar 2009 - 7 ABR 61/07 - Rn. 20 mwN, DB 2009, 1473; 16. Ju­li 2008 - 7 ABR 13/07 - Rn. 24, AP Be­trVG 1972 § 78a Nr. 50 = EzA Be­trVG 2001 § 78a Nr. 4).

c) Hier­nach ist zwi­schen der Ar­beit­ge­be­rin und der Be­tei­lig­ten zu 2. im

An­schluss an das Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis nach § 78a Abs. 2 Satz 1, Abs. 3 Be­trVG ein Ar­beits­verhält­nis zu­stan­de ge­kom­men. Da­ge­gen lässt sich auf­grund der bis­lang ge­trof­fe­nen tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen nicht ab­sch­ließend be­ur­tei­len, ob der Ar­beit­ge­be­rin die Wei­ter­beschäfti­gung der Be­tei­lig­ten zu 2. bei Ab­schluss des Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses un­zu­mut­bar war.

aa) Die Vor­aus­set­zun­gen des § 78a Abs. 2 Satz 1, Abs. 3 Be­trVG sind

erfüllt. Die Be­tei­lig­te zu 2. gehört zu dem nach § 78a Abs. 1 Be­trVG geschütz­ten Per­so­nen­kreis. Sie war Aus­zu­bil­den­de und rück­te im Sep­tem­ber 2006 als Mit­glied in die Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung nach. Zwar war sie zum Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­ses am 23. Ja­nu­ar 2007 nicht mehr Mit­glied, son­dern auf­grund der tur­nusmäßigen Wahl vom No­vem­ber 2006 er­neut Er­satz­mit­glied der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung. Nach § 78a Abs. 3 Be­trVG gilt § 78a Abs. 2 Be­trVG aber auch für ein ehe­ma­li­ges Mit­glied der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung, wenn das Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis vor Ab­lauf ei­nes Jah­res nach Be­en­di­gung der Amts­zeit en­det. Dies ist vor­lie­gend der Fall. Die Be­tei­lig­te zu 2. hat auch mit Schrei­ben vom 18. Ja­nu­ar 2007 in­ner­halb der Frist des § 78a Abs. 2 Satz 1 Be­trVG ih­re Wei­ter­beschäfti­gung von der Ar­beit­ge­be­rin be­gehrt.

bb) Auf der Grund­la­ge der bis­he­ri­gen tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen kann der

Se­nat nicht ab­sch­ließend be­ur­tei­len, ob der Auflösungs­an­trag der Ar­beit­ge­be­rin be­gründet ist.

(1) Wie das Be­schwer­de­ge­richt zu­tref­fend er­kannt hat, er­gab sich ei­ne

Beschäfti­gungsmöglich­keit für die Be­tei­lig­te zu 2. nicht dar­aus, dass im Be­trieb


- 11 -

Über­stun­den ge­leis­tet wur­den und die Ar­beit­ge­be­rin die Bit­te der Be­tei­lig­ten zu 2. auf Frei­stel­lung von der Dau­er­nacht­schicht ab­ge­lehnt hat. Es un­ter­liegt der un­ter­neh­me­ri­schen Frei­heit des Ar­beit­ge­bers zu ent­schei­den, ob durch Ab­bau von Über­stun­den oder Mo­di­fi­ka­tio­nen bei den Schicht­ein­tei­lun­gen ein Ar­beits­platz ge­schaf­fen wer­den soll oder nicht. Auch die von der Be­tei­lig­ten zu 2. kon­kret be­nann­ten Stel­len hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend für un­er­heb­lich ge­hal­ten. Bei die­sen Stel­len fehlt es un­ge­ach­tet der Fra­ge, wann sie zu be­set­zen wa­ren, an jeg­li­chen An­halts­punk­ten, dass es sich um aus­bil­dungs­adäqua­te Ar­beitsplätze han­delt.

(2) Ge­gen die Un­zu­mut­bar­keit der Wei­ter­beschäfti­gung spricht nicht der
Ein­satz der Be­tei­lig­ten zu 2. in der Fer­ti­gungs­mon­ta­ge. Wie die Be­tei­lig­ten im Anhörungs­ter­min vor dem Se­nat übe­rein­stim­mend klar­ge­stellt ha­ben, han­delt es sich bei dem Ar­beits­platz „2. Sitz­rei­he ver­schrau­ben“ nicht um ei­nen aus­bil­dungs­adäqua­ten Ar­beits­platz. Nur wenn die tatsächli­che Beschäfti­gung im gemäß § 78a Abs. 2 Satz 1 Be­trVG be­gründe­ten Ar­beits­verhält­nis aus­bil­dungs­ge­recht wäre, könn­te dies ge­gen die An­nah­me ei­ner Un­zu­mut­bar­keit der Wei­ter­beschäfti­gung spre­chen. Der Ar­beit­ge­ber wäre in­so­weit ge­hal­ten näher zu erklären, war­um die Wei­ter­beschäfti­gung den­noch nicht zu­mut­bar sein soll.

(3) Rechts­feh­ler­haft ist da­ge­gen die An­nah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts,
dass die Beschäfti­gung von Leih­ar­beit­neh­mern im Werk B für die Be­ur­tei­lung der Un­zu­mut­bar­keit iSd. § 78a Abs. 4 Satz 1 Be­trVG oh­ne Be­deu­tung sei. Zwar steht - ent­ge­gen der wohl von der Be­tei­lig­ten zu 2. ver­tre­te­nen Auf­fas­sung - nicht jed­we­de Beschäfti­gung von Leih­ar­beit­neh­mern der Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses nach § 78a Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Be­trVG ent­ge­gen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hätte aber dem zur Beschäfti­gung von Leih­ar­beit­neh­mern ge­hal­te­nen Vor­trag nach­ge­hen und ins­be­son­de­re aufklären müssen, ob in dem maßgeb­li­chen Drei-Mo­nats-Zeit­raum des § 78a Abs. 2 Satz 1 Be­trVG im Aus­bil­dungs­be­trieb Ar­beitsplätze mit Leih­ar­beit­neh­mern be­setzt wa­ren, auf de­nen die Be­tei­lig­te zu 2. mit ih­rer in der Be­rufs­aus­bil­dung er­wor­be­nen be­ruf­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on hätte beschäftigt wer­den können und die nach den Vor­ga­ben der Ar­beit­ge­be­rin nicht nur vorüber­ge­hend zur Verfügung stan­den. Dies muss das


- 12 -

Lan­des­ar­beits­ge­richt nach der Zurück­ver­wei­sung fest­stel­len. Soll­te ein aus­bil­dungs­ge­rech­ter, dau­er­haf­ter Ar­beits­platz im maßgeb­li­chen Zeit­raum mit ei­nem Leih­ar­beit­neh­mer be­setzt ge­we­sen sein, wäre auch auf­zuklären, ob zur Zeit der Be­en­di­gung des Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses be­rech­tig­te be­trieb­li­che Be­lan­ge der Ar­beit­ge­be­rin gleich­wohl ge­gen die Zu­mut­bar­keit der Wei­ter­beschäfti­gung der Be­tei­lig­ten zu 2. spra­chen.

(4) Da­ge­gen muss das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht prüfen, ob der Ar­beit

ge­be­rin die Wei­ter­beschäfti­gung der Be­tei­lig­ten zu 2. zu geänder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen zu­mut­bar ge­we­sen wäre. Ei­ne an­der­wei­ti­ge Beschäfti­gung muss­te die Ar­beit­ge­be­rin we­gen der nur un­genügen­den Be­reit­schafts­erklärung der Be­tei­lig­ten zu 2. im schrift­li­chen Über­nah­me­ver­lan­gen nicht in Be­tracht zie­hen.

(a) Nach § 78a Abs. 2 Satz 1 Be­trVG ent­steht kraft Ge­set­zes durch ein

vom Aus­zu­bil­den­den form- und frist­ge­recht er­ho­be­nes Wei­ter­beschäfti­gungs-ver­lan­gen ein un­be­fris­te­tes Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis, das ei­nen An­spruch auf ei­ne aus­bil­dungs­ge­rech­te Beschäfti­gung im Aus­bil­dungs­be­trieb be­gründet. In­halt­li­che Ände­run­gen die­ses Ar­beits­verhält­nis­ses un­ter­lie­gen dem Kon­sens­prin­zip, so dass der Auflösungs­an­trag nach § 78a Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Be­trVG nicht mit der Be­gründung ab­ge­wie­sen wer­den darf, dem Ar­beit­ge­ber wäre die Be­gründung ei­nes an­de­ren als des nach § 78a Abs. 2 Be­trVG ent­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses zu­mut­bar ge­we­sen. Aus dem Schutz­zweck des § 78a Be­trVG er­gibt sich al­ler­dings ei­ne Pflicht des Ar­beit­ge­bers zur Wei­ter­beschäfti­gung des Aus­zu­bil­den­den zu an­de­ren als den sich aus § 78a Be­trVG er­ge­ben­den Ar­beits­be­din­gun­gen, wenn sich der Aus­zu­bil­den­de zu­min­dest hilfs­wei­se mit ei­ner Beschäfti­gung zu geänder­ten Ver­trags­be­din­gun­gen be­reit erklärt hat. Über­nimmt der Ar­beit­ge­ber zB an­de­re Aus­zu­bil­den­de in ein nicht aus­bil­dungs­ge­rech­tes Ar­beits­verhält­nis, ist er zur Ver­mei­dung ei­ner an­sons­ten ein­tre­ten­den Be­nach­tei­li­gung ei­nes durch § 78a Be­trVG geschütz­ten Aus­zu­bil­den­den we­gen der Amts­ausübung auch bei des­sen Wei­ter­beschäfti­gungs­ver-lan­gen zur Be­gründung ei­nes ent­spre­chen­den Ar­beits­verhält­nis­ses ver­pflich­tet. Die Wei­ter­beschäfti­gungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers zu geänder­ten Ar­beits-


- 13 -

be­din­gun­gen ist gleich­falls be­triebs­be­zo­gen. Hat der Aus­zu­bil­den­de sei­ne Be­reit­schaft zu ei­ner an­der­wei­ti­gen Beschäfti­gung im Aus­bil­dungs­be­trieb erklärt, muss der Ar­beit­ge­ber prüfen, ob ihm die­se möglich und zu­mut­bar ist. Un­terlässt er die Prüfung oder ver­neint er zu Un­recht die Möglich­keit und die Zu­mut­bar­keit, so kann das nach § 78a Abs. 2 Be­trVG ent­stan­de­ne, auf die aus­bil­dungs­ge­rech­te Beschäfti­gung ge­rich­te­te Ar­beits­verhält­nis nicht nach § 78a Abs. 4 Be­trVG auf­gelöst wer­den, ob­wohl ei­ne voll­zei­ti­ge Beschäfti­gungsmöglich­keit in ei­nem un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis im Aus­bil­dungs­be­ruf nicht be­steht. Der Ar­beit­ge­ber ist dann dar­auf ver­wie­sen, die not­wen­di­gen Ände­run­gen der Ver­trags­be­din­gun­gen durch in­di­vi­du­al­recht­li­che Maßnah­men durch­zu­set­zen (BAG 15. No­vem­ber 2006 - 7 ABR 15/06 - Rn. 42 mwN, BA­GE 120, 205).

Ein Aus­zu­bil­den­der, der bei Feh­len ei­ner aus­bil­dungs­adäqua­ten Wei

ter­beschäfti­gungsmöglich­keit auch zu an­de­ren als den sich aus § 78a Abs. 2 Be­trVG er­ge­ben­den Ar­beits­be­din­gun­gen in ein Ar­beits­verhält­nis im Aus­bil­dungs­be­trieb über­nom­men wer­den möch­te, muss dem Ar­beit­ge­ber un­verzüglich nach des­sen Nichtüber­nahm­e­mit­tei­lung sei­ne Be­reit­schaft zu ei­ner Über­nah­me in ein Ar­beits­verhält­nis zu geänder­ten Ver­trags­be­din­gun­gen mit­tei­len. Ei­ne Ein­verständ­nis­erklärung im ge­richt­li­chen Ver­fah­ren über den Auflösungs­an­trag genügt nicht. Dem Ar­beit­ge­ber muss aus­rei­chend Zeit für die Prüfung der Be­reit­schafts­erklärung und ggf. die Durchführung ei­nes Be­tei­li­gungs­ver­fah­rens nach § 99 Abs. 1 Be­trVG ver­blei­ben. Der Aus­zu­bil­den­de darf sich nicht dar­auf be­schränken, sein Ein­verständ­nis mit al­len in Be­tracht kom­men­den Beschäfti­gun­gen zu erklären oder die Be­reit­schafts­erklärung mit ei­nem Vor­be­halt ver­bin­den. Er muss viel­mehr die von ihm hilfs­wei­se für möglich ge­hal­te­ne Beschäfti­gung so kon­kret be­schrei­ben, dass der Ar­beit­ge­ber er­ken­nen kann, wie sich der Aus­zu­bil­den­de sei­ne Wei­ter­ar­beit vor­stellt. Kommt es nach der Be­reit­schafts­erklärung zum Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­trags, wird hier­durch die Ent­ste­hung des ge­setz­li­chen Ar­beits­verhält­nis­ses nach § 78a Abs. 2 Satz 1 Be­trVG zu aus­bil­dungs­adäqua­ten Be­din­gun­gen ab­be­dun­gen oder der In­halt des be­reits ent­stan­de­nen Ar­beits­verhält­nis­ses ab­geändert. Lehnt der Aus­zu­bil­den­de die vom Ar­beit­ge­ber an­ge­bo­te­ne an­der­wei­ti­ge Beschäfti­gung ab, kann


- 14 -

er sich im an­sch­ließen­den Ver­fah­ren nach § 78a Abs. 4 Be­trVG nicht dar­auf be­ru­fen, dem Ar­beit­ge­ber sei die Beschäfti­gung zu­mut­bar (BAG 15. No­vem­ber 2006 - 7 ABR 15/06 - Rn. 43 f. mwN, BA­GE 120, 205).

(b) Hier hat die Be­tei­lig­te zu 2. kei­ne hin­rei­chend be­stimm­te Be­reit­schafts-

erklärung zur Wei­ter­beschäfti­gung zu geänder­ten Be­din­gun­gen ab­ge­ge­ben. Die An­nah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts, das Über­nah­me­ver­lan­gen vom 18. Ja­nu­ar 2007 ha­be sich auf ei­ne pau­scha­le Ein­verständ­nis­erklärung zu jeg­li­cher Wei­ter­ar­beit be­schränkt, ist rechts­be­schwer­de­recht­lich nicht zu be­an­stan­den.

Lin­sen­mai­er Kiel Schmidt

Vor­bau M. Zwis­ler

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 7 ABR 89/08  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880