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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Diskriminierung: Alter, AGG, Pilot
   
Gericht: Hessisches Landesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 17 Sa 809/07
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 15.10.2007
   
Leit­sätze:

 

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Frankfurt
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hes­sen
Urt. v. 15.10.2007, Az.: 17 Sa 809/07

 

Te­nor:

Die Be­ru­fung der Kläger ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 14. März 2007, Az.: 6 Ca 7405/06 , wird zurück­ge­wie­sen.

Ih­re außer­ge­richt­li­chen Kos­ten tra­gen die Kläger je­weils selbst.

Im Übri­gen tra­gen die Kläger die Kos­ten des Rechts­streits je­weils zu 1/3. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten auch im Be­ru­fungs­rechts­zug darüber, ob ih­re Ar­beits­verhält­nis­se auf­grund ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Al­ters­gren­zen­re­ge­lung ge­en­det ha­ben.

Die am 10. No­vem­ber 1946 bzw. im Jahr 1947 ge­bo­re­nen Kläger sind bei der Be­klag­ten langjährig als Flug­zeugführer, zu­letzt als Ka­pitäne, beschäftigt. Auf die Ar­beits­verhält­nis­se der Par­tei­en fin­den auf­grund ar­beits­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me – im Fall der Kläger zu 1) und 3) auch kraft bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­bin­dung – die für das Cock­pit­per­so­nal der Be­klag­ten gel­ten­den Ta­rif­verträge An­wen­dung, u.a. der Man­tel­ta­rif­ver­trag Nr. 5a für das Cock­pit­per­so­nal bei A in der Fas­sung vom 14. Ja­nu­ar 2005 (in der Fol­ge: MTV Nr. 5a, Bl. 13 f d.A.). § 19 MTV Nr. 5a enthält ei­ne ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­ze, nach der das Ar­beits­verhält­nis spätes­tens mit Ab­lauf des Mo­nats en­det, in dem der Mit­ar­bei­ter das 60. Le­bens­jahr voll­endet.

Mit ih­rer am 19. Ok­to­ber 2006 beim Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main ein­ge­gan­ge­nen und der Be­klag­ten am 24. Ok­to­ber 2006 zu­ge­stell­ten Kla­ge ha­ben sich die Kläger ge­gen die Be­en­di­gung ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se mit Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ge­wandt. Sie ha­ben die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­zen­re­ge­lung stel­le ei­ne un­zulässi­ge Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung dar, ver­s­toße ge­gen das AGG und sei da­her un­wirk­sam. Sie ha­ben außer­dem die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­klag­te sei auf­grund von Erklärun­gen ih­res Chef­pi­lo­ten B und ih­res Flot­ten­chefs B 747 C ge­hin­dert, sich auf ei­ne et­wai­ge Wirk­sam­keit der Al­ters­gren­zen­re­ge­lung zu be­ru­fen.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des un­strei­ti­gen Sach­ver­halts, des Vor­trags der Par­tei­en im ers­ten Rechts­zug und der dort ge­stell­ten Anträge wird auf den Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils (Bl. 252 bis 256 d.A.) ver­wie­sen.

Das Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main hat die Kla­ge durch am 14. März 2007 verkünde­tes Ur­teil, Az. 6 Ca 7405/06, ab­ge­wie­sen. Es hat die ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­zen­re­ge­lung als wirk­sam an­ge­se­hen. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, die ta­rif­li­che Re­ge­lung sei nicht an den Be­stim­mun­gen des AGG zu mes­sen, da der Ta­rif­ver­trag vor In­kraft­tre­ten des AGG ab­ge­schlos­sen wur­de. Eben­so hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auch nicht die Richt­li­nie 2000/78/EG des Rats zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf vom 27. No­vem­ber 2000 ( RL 2000/78/EG ) zu be­ach­ten, die nur die Mit­glieds­staa­ten bin­de. Des­sen un­ge­ach­tet lie­ge oh­ne­hin kei­ne un­zulässi­ge Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung und da­mit auch kein Ver­s­toß ge­gen die RL 2000/78/EG und das AGG vor. Die Al­ters­gren­zen­re­ge­lung sei durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Zie­les sei­en an­ge­mes­sen und er­for­der­lich. Die Al­ters­gren­ze si­che­re nicht nur die ord­nungs­gemäße Erfüllung der Be­rufstätig­keit, son­dern die­ne darüber hin­aus dem Schutz von Le­ben und Ge­sund­heit der Be­sat­zungs­mit­glie­der, der Pas­sa­gie­re und der Men­schen in den über­flo­ge­nen Ge­bie­ten. Die Be­fris­tungs­re­ge­lung sei da­mit auch durch ei­nen Sach­grund i.S.d. § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 Tz­B­fG

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ge­recht­fer­tigt und ver­let­ze die Kläger auch nicht in ih­ren Rech­ten aus Art. 12 Abs. 1 GG . Die Be­klag­te sei auch nicht auf­grund von Erklärun­gen des Chef­pi­lo­ten B und des Flot­ten­chefs C ge­hin­dert, sich auf die Wirk­sam­keit der ta­rif­li­chen Al­ters­gren­ze zu be­ru­fen. Un­abhängig da­von, in­wie­weit die­se über­haupt zur Ab­ga­be die Be­klag­te bin­den­der Erklärun­gen be­fugt sei­en, hätten sie al­len­falls zum Aus­druck ge­bracht, dass auch sie wie die Kläger die ta­rif­li­che Al­ters­gren­ze für nicht er­for­der­lich und ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung der Kläger für wünschens­wert hiel­ten. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils (Bl. 256 bis 274 d.A.) ver­wie­sen.

Ge­gen die­ses ih­nen am 11. Mai 2007 zu­ge­stell­te Ur­teil ha­ben die Kläger am 29. Mai 2007 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se so­gleich be­gründet.

Sie wen­den sich ge­gen die Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts, das AGG fin­de auf den vor sei­nem In­kraft­tre­ten ab­ge­schlos­se­nen MTV Nr. 5a kei­ne An­wen­dung, und führen aus, das AGG gel­te aus­nahms­los un­mit­tel­bar für al­le zum Zeit­punkt sei­nes In­kraft­tre­tens be­ste­hen­den und da­nach be­gründe­ten Rechts­verhält­nis­se. Sie mei­nen, eben­so hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die RL 2000/78/EG zu be­ach­ten.

Sie rügen man­geln­de Sach­aufklärung und mei­nen, das Ar­beits­ge­richt ha­be strei­ti­gen und be­weis­bedürf­ti­gen Tat­sa­chen­vor­trag der Be­klag­ten un­ter un­zulässi­ger An­wen­dung ei­nes va­gen und von ih­nen erschütter­ten Ver­mu­tungs­sat­zes und oh­ne for­mel­le Be­weis­auf­nah­me für wahr er­ach­tet, ob­wohl er­heb­li­che Zwei­fel an dem von der Be­klag­ten vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halt ver­blei­ben. Sie rügen, das Ar­beits­ge­richt ha­be in un­zulässi­ger Wei­se die von der Be­klag­ten vor­ge­leg­ten, in ei­nem an­de­ren Rechts­streit ein­ge­hol­ten Sach­verständi­gen­gut­ach­ten der Gut­ach­ter Prof. Dr. D und Prof. Dr. E als Be­weis­mit­tel ver­wer­tet, wo­bei die­se im Übri­gen den Vor­trag der Be­klag­ten auch nicht stütz­ten.

Die Kläger hal­ten an ih­rer Auf­fas­sung fest, die ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­zen­re­ge­lung sei we­gen un­zulässi­ger Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters un­wirk­sam. So­weit die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung so­wie der Vor­trag der Be­klag­ten auf die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Wirk­sam­keit ta­rif­ver­trag­li­cher Al­ters­gren­zen für Ver­kehrs­flug­zeugführer ab­stel­le, sei die­se spätes­tens seit In­kraft­tre­ten des AGG über­holt.

Ein Grund für ei­ne zulässi­ge un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters sei von der Be­klag­ten we­der dar­ge­legt noch un­ter Be­weis ge­stellt. Es ge­he we­der all­ge­mein von über 60-jähri­gen Ver­kehrs­flug­zeugführern noch kon­kret von den Klägern ein zusätz­li­ches al­ters­be­ding­tes Ri­si­ko für die Si­cher­heit des Flug­ver­kehrs aus. Für die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en hätten Si­cher­heits­erwägun­gen kei­ne Rol­le ge­spielt. Dies wäre auch in­kon­se­quent, nach­dem bei an­de­ren Flug­ge­sell­schaf­ten des A-Kon­zerns wie der F und der F AG un­strei­tig Ver­kehrs­flug­zeugführer bis zur Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res ein­ge­setzt wer­den. Auch die Ge­werk­schaft VC räume ein, bei der Ver­ein­ba­rung der Al­ters­gren­ze ge­he es in Wirk­lich­keit um die Über­g­angs­ver­sor­gung der Pi­lo­ten.

Selbst wenn man un­ter­stel­le, die Al­ters­gren­zen­re­ge­lung ver­fol­ge den Schutz der Ge­sund­heit von Pas­sa­gie­ren, Per­so­nal und Drit­ten und ein le­gi­ti­mes Ziel, sei die Maßnah­me we­der er­for­der­lich noch an­ge­mes­sen, das Verhält­nismäßig­keits­prin­zip – das im Übri­gen für den je­wei­li­gen Ein­zel­fall zu prüfen sei – da­mit ver­letzt.

In­ter­na­tio­nal zwin­gen­de Re­ge­lun­gen stünden – dies ist un­strei­tig – ei­nem Ein­satz über 60-jähri­ger Ver­kehrs­flug­zeugführer grundsätz­lich nicht ent­ge­gen. Die Re­ge­lung der JAR-FCL, wo­nach der Ein­satz von Flug­zeugführern nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res zulässig ist, so­weit das zwei­te Be­sat­zungs­mit­glied bzw. die wei­te­ren Be­sat­zungs­mit­glie­der im Cock­pit das 60. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet hat bzw. ha­ben, stel­le ge­genüber der Be­en­di­gung des flie­ge­ri­schen Ar­beits­verhält­nis­ses mit Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ei­ne mil­de­re Maßnah­me dar. Be­reits hier­aus fol­ge die feh­len­de Er­for­der­lich­keit der Al­ters­gren­zen­re­ge­lung. Et­wai­gen Si­cher­heits­be­den­ken könne auch durch an­de­re ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen als durch ei­ne ge­ne­rel­le Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren Rech­nung ge­tra­gen wer­den.

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Die Kläger be­an­tra­gen,

un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 14. März 2007, Az. 6 Ca 7405/06 ,

I. 

fest­zu­stel­len,

1. dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Kläger zu 1) und der Be­klag­ten nicht auf­grund der Be­fris­tung in § 19 Abs. 1 des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges Nr. 5a für das Cock­pit­per­so­nal bei A in der Fas­sung vom 14. Ja­nu­ar 2005 zum 30. No­vem­ber 2006 en­de­te, son­dern als un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über den 30. No­vem­ber 2006 hin­aus fort­be­steht;

2. dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Kläger zu 2) und der Be­klag­ten nicht auf­grund der Be­fris­tung in § 19 Abs. 1 des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges Nr. 5a für das Cock­pit­per­so­nal bei A in der Fas­sung vom 14. Ja­nu­ar 2005 zum 30. April 2007 en­de­te, son­dern als un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über den 30. April 2007 hin­aus fort­be­steht;

3. dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Kläger zu 3) und der Be­klag­ten nicht auf­grund der Be­fris­tung in § 19 Abs. 1 des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges Nr. 5a für das Cock­pit­per­so­nal bei A in der Fas­sung vom 14. Ja­nu­ar 2005 zum 30. Ju­ni 2007 en­de­te, son­dern als un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über den 30. Ju­ni 2007 hin­aus fort­be­steht;

II. 

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len

den Kläger zu 1) für den Fall des Ob­sie­gens mit dem Fest­stel­lungs­an­trag zu I.1. zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen als Flug­ka­pitän B 747-400 so­wie als Check- und Trai­nings­ka­pitän zur ta­rif­ver­trag­lich ge­re­gel­ten

1. Ar­beits­zeit und ei­ner mo­nat­li­chen Brut­to­grund­vergütung in Höhe von 16.908,26 € zuzüglich Check­zu­la­ge in Höhe von mo­nat­lich 1.073,71 € so­wie wei­te­rer ta­rif­ver­trag­li­cher Zu­la­gen über den Ab­lauf des 30. No­vem­ber 2006 hin­aus wei­ter zu beschäfti­gen;

2. den Kläger zu 2) für den Fall des Ob­sie­gens mit dem Fest­stel­lungs­an­trag zu I.2. zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen als Flug­ka­pitän A 340 zur ta­rif­ver­trag­lich ge­re­gel­ten Ar­beits­zeit und ei­ner mo­nat­li­chen Brut­to­grund­vergütung in Höhe von 16.908,26 €, ei­ner Grund­vergütung II in Höhe von 918,45 € so­wie wei­te­rer ta­rif­ver­trag­li­cher Zu­la­gen über den Ab­lauf des 30. April 2007

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hin­aus wei­ter zu beschäfti­gen;

den Kläger zu 3) für den Fall des Ob­sie­gens mit dem Fest­stel­lungs­an­trag zu I.3. zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen als Flug­ka­pitän B 747-400 so­wie als Check- und Trai­nings­ka­pitän zur ta­rif­ver­trag­lich ge­re­gel­ten

3. Ar­beits­zeit und ei­ner mo­nat­li­chen Brut­to­grund­vergütung von 16.908,26 €, ei­ner Grund­vergütung II in Höhe von 1.283,55 € zuzüglich Check­zu­la­ge in Höhe von mo­nat­lich 1.073,71 € so­wie wei­te­rer ta­rif­ver­trag­li­cher Zu­la­gen über den Ab­lauf des 30. No­vem­ber 2006 hin­aus wei­ter zu beschäfti­gen.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie ver­tei­digt die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ih­res Vor­trags und hält an ih­rer Auf­fas­sung fest, ei­ne un­zulässi­ge Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters lie­ge nicht vor.

Zur Ergänzung des Sach- und Streit­stan­des wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze und de­ren An­la­gen ver­wie­sen. Die Kläger ha­ben auf Nach­fra­ge klar­ge­stellt, dass mit ih­ren Anträgen kein all­ge­mei­ner Fest­stel­lungs­an­trag ver­bun­den sein soll.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Be­ru­fun­gen der Kläger ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 14. März 2007, 6 Ca 7405/06 , sind gemäß §§ 8 Abs. 2 , 64 Abs. 2 lit. c ArbGG statt­haft und auch im Übri­gen zulässig, ins­be­son­de­re form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den, §§ 66 Abs. 1 , 64 Abs. 6 ArbGG , 519 , 529 Abs. 1 und 3 ZPO .

Sie sind je­doch un­be­gründet. Die Ar­beits­verhält­nis­se der Kläger mit der Be­klag­ten en­de­ten auf­grund Be­fris­tung, § 19 MTV Nr. 5a, je­weils mit Ab­lauf des Mo­nats, in dem sie das 60. Le­bens­jahr voll­ende­ten. Die ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­zen­re­ge­lung in § 19 MTV Nr. 5a ist wirk­sam. Sie wird auch der nach In­kraft­tre­ten des AGG er­for­der­li­chen Über­prüfung ge­recht.

Die Al­ters­be­fris­tung ist an­hand des AGG zu über­prüfen. Das AGG fin­det vor­lie­gend An­wen­dung, da die be­an­stan­de­te Be­nach­tei­li­gung nach In­kraft­tre­ten des AGG ein­ge­tre­ten ist, nämlich mit Voll­endung je­weils des 60. Le­bens­jah­res der Kläger. Nach­dem das AGG kei­ne Über­g­angs­re­ge­lung enthält, fin­det es auch dann An­wen­dung, wenn die­se Be­nach­tei­li­gung auf ei­nem vor In­kraft­tre­ten des AGG ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­ver­trag be­ruht (v. Ro­et­te­ken, AGG, § 33 Rd­nr 13) .

Die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung ent­spricht der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Zulässig­keit ta­rif­ver­trag­li­cher Al­ters­gren­zen­re­ge­lun­gen für Ver­kehrs­flug­zeugführer. Hier­nach ( BAG 27. No­vem­ber 2002 – 7 AZR 655/01 – AP BGB § 620 Al­ters­gren­ze Nr. 22; BAG 21. Ju­li 2004 – 7 AZR 589/03 – EzA BGB 2002 § 620 Al­ters­gren­ze Nr. 4; je­weils m.w.N.) galt, dass ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen über die Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen auf­grund von Be­fris­tun­gen und da­mit auch ta­rif­li­che Al­ters­gren­zen der ar­beits­ge­richt­li­chen Be­fris­tungs­kon­trol­le un­ter­lie­gen, sie da­mit zu ih­rer Wirk­sam­keit ei­nes sie recht­fer­ti­gen­den Sach­grunds bedürfen, hier­bei den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en bei ih­rer Norm­set­zung al­ler­dings ei­ne Einschätzungs­präro­ga­ti­ve in Be­zug auf die tatsächli­chen Ge­ge­ben­hei­ten und be­trof­fe­nen In­ter­es­sen zu­steht. Hier­nach lag bei ta­rif­ver­trag­li­chen Al­ters­gren­zen, die den An­for­de­run­gen der ar­beits­ge­richt­li­chen Be­fris­tungs­kon­trol­le bzw. § 14 Tz­B­fG genügen, auch kein Ver­s­toß ge­gen höher­ran­gi­ges Recht vor, wo­bei Prüfungs­maßstab bei die­ser Fra­ge in der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts al­ler­dings in der Tat aus­sch­ließlich Art. 12 Abs. 1 GG war und nicht §§ 1 , 2 , 7 , 8 und 10 AGG oder das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung als all­ge­mei­ner

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Grund­satz des Ge­mein­schafts­rechts.

Dass die vom Ar­beits­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Prüfung der Wirk­sam­keit der Al­ters­gren­ze auf der Grund­la­ge der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts er­folg­te, ent­spricht auch der übe­rein­stim­men­den Einschätzung der Par­tei­en.

Die im Streit ste­hen­de ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­zen­re­ge­lung hält zunächst ei­ner Über­prüfung an­hand der dar­ge­stell­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts stand. Hier­nach – und das wa­ren die Prüfungs­maßstäbe na­tio­na­len Rechts bis zum In­kraft­tre­ten des AGG – ist ei­ne ta­rif­li­che Al­ters­gren­ze für Flug­zeugführer recht­lich grundsätz­lich nicht zu be­an­stan­den und geht die Al­ters­gren­zen­re­ge­lung zurück auf me­di­zi­ni­sche Er­fah­rungs­wer­te, nach de­nen das Cock­pit­per­so­nal über­durch­schnitt­li­chen psy­chi­schen und phy­si­schen Be­las­tun­gen aus­ge­setzt ist, in de­ren Fol­ge das Ri­si­ko al­ters­be­ding­ter Aus­fall­er­schei­nun­gen und un­er­war­te­ter Fehl­re­ak­tio­nen zu­nimmt. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat hier­zu wie­der­holt aus­geführt, die Al­ters­gren­ze si­che­re die ord­nungs­gemäße Erfüllung der Be­rufstätig­keit und die­ne darüber hin­aus dem Schutz von Le­ben und Ge­sund­heit der Be­sat­zungs­mit­glie­der, Pas­sa­gie­re wie auch der Men­schen der über­flo­ge­nen Ge­bie­te. Zwar hänge das zur Min­de­rung der Leis­tungsfähig­keit führen­de Al­tern nicht al­lein vom Le­bens­al­ter ab, son­dern sei ein schlei­chen­der Pro­zess, der in­di­vi­du­ell ver­schie­den schnell vor sich ge­he. Mit höhe­rem Le­bens­al­ter wer­de je­doch ein Al­tern mit den da­mit ver­bun­de­nen Fol­gen wahr­schein­li­cher, es ent­spre­che der all­ge­mei­nen Le­bens­er­fah­rung, dass die Ge­fahr ei­ner Be­ein­träch­ti­gung der Leis­tungsfähig­keit ge­ne­rell auch heu­te noch mit zu­neh­men­dem Al­ter größer wer­de ( BAG 27. No­vem­ber 2002 – 7 AZR 655/01 – aaO, m.w.N.) .

An die­ser Recht­spre­chung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt auch an­ge­sichts des Um­stands fest­ge­hal­ten, dass § 41 Luft­BO seit dem 01. Sep­tem­ber 1998 auf den Be­trieb sog. Großflug­zeu­ge kei­ne An­wen­dung mehr fin­det. Der Sach­grund für die ta­rif­li­che Al­ters­gren­ze sei da­mit nicht ent­fal­len. Die in­zwi­schen in na­tio­na­les Recht um­ge­setz­te Re­ge­lung der JAR-FCL, wo­nach der In­ha­ber ei­ner Pi­lo­ten­li­zenz nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res nicht mehr als Pi­lot bei der ge­werbsmäßigen Beförde­rung ein­ge­setzt wer­den darf, es sei denn, dass er Mit­glied ei­ner Flug­be­sat­zung ist, die aus meh­re­ren Per­so­nen be­steht und die an­de­ren Pi­lo­ten das 60. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet ha­ben, zei­ge viel­mehr, dass der Ein­satz von Pi­lo­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res in Fach­krei­sen nach wie vor als pro­ble­ma­tisch an­ge­se­hen wer­de ( BAG 27. No­vem­ber 2002 – 7 AZR 655/01 – aaO) , und zwar auch un­ter Berück­sich­ti­gung des Um­stands, dass nach § 4 der 1. DV Luft­PersV der In­ha­ber ei­ner in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land aus­ge­stell­ten Be­rufs- oder Ver­kehrspi­lo­ten­li­zenz auch nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res bis zur Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res die Rech­te sei­ner Li­zenz auch in Luft­fahr­zeu­gen mit ei­ner Min­dest­flug­be­sat­zung von ei­nem Pi­lo­ten bei der ge­werbsmäßigen Beförde­rung von Fluggästen, Post und/oder Fracht, be­schränkt auf das Ho­heits­ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, ausüben kann ( BAG 21. Ju­li 2004 – 7 AZR 589/03 – aaO) . An die­ser Recht­spre­chung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt fer­ner auch an­ge­sichts et­wai­ger neu­er me­di­zi­ni­scher Stu­di­en und Er­kennt­nis­se fest­ge­hal­ten. Auch wenn nach de­ren In­halt nach dem Stand der luft­ver­kehrs­me­di­zi­ni­schen Wis­sen­schaft und der Luft­ver­kehrs­tech­nik kei­ne si­gni­fi­kan­ten al­ters­be­ding­ten Ge­fah­ren beim Ein­satz von Ver­kehrs­flug­zeugführern nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res bestünden, viel­mehr gar durch höhe­re Er­fah­rung der Ver­kehrs­flug­zeugführer von ei­ner Ab­nah­me der Ri­si­ken für die Si­cher­heit des Luft­ver­kehrs aus­zu­ge­hen sei, sei­en dies je­den­falls kei­ne ge­si­cher­ten Er­kennt­nis­se, wi­dersprächen viel­mehr nach wie vor der Einschätzung in­ter­na­tio­na­ler Fach­krei­se, die sich in der Re­ge­lung der JAR-FCL 1060a do­ku­men­tie­re. Zu­min­dest so­lan­ge in­ter­na­tio­na­le Emp­feh­lun­gen Be­schränkun­gen des Ein­sat­zes von Pi­lo­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res vor­se­hen, be­weg­ten sich die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aber – auch bei un­ter­stell­ter Exis­tenz von zu ab­wei­chen­den Er­geb­nis­sen ge­lan­gen­den me­di­zi­ni­schen Stu­di­en und Er­kennt­nis­sen – mit der Bei­be­hal­tung der Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren im Rah­men der ih­nen zu­ste­hen­den Re­ge­lungs­be­fug­nis. Der den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en bei der Be­ur­tei­lung des Si­cher­heits­ri­si­kos zu­ste­hen­de Einschätzungs­spiel­raum sei nicht über­schrit­ten ( BAG 21. Ju­li 2004 – 7 AZR 589/03 – aaO) .

Die­ser zu­tref­fen­den Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist die Kam­mer bis­her ge­folgt (Urt. vom 17. De­zem­ber 2004 – 17 Sa 474/04 – n.v.; Urt. vom 17. März 2006 – 17 Sa 1029/05 – n.v.) . An ihr ist fest­zu­hal­ten.

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Es wird nicht ver­kannt, dass sich die ge­nann­te Recht­spre­chung je­den­falls über­wie­gend auf ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­zen be­zog, die vor Ände­rung des § 41 Abs. 1 Luft­BO ge­trof­fen wur­den (vgl. hier­zu Dörner, Der be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag, Rd­nr. 342, 343) . Al­ler­dings recht­fer­tigt trotz fort­schrei­ten­der me­di­zi­ni­scher Dia­gnos­tik die Le­bens­er­fah­rung, dass die Ge­fahr ei­ner Be­ein­träch­ti­gung der Leis­tungsfähig­keit auch heu­te noch mit zu­neh­men­dem Al­ter größer wird, auch heu­te noch die bis­he­ri­gen An­nah­men (APS-Back­haus, Tz­B­fG § 14, Rd­nr. 119) . Dem­ent­spre­chend hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt auch ei­ne erst im Jahr 2000 ab­ge­schlos­se­ne die Bei­be­hal­tung der bis­he­ri­gen Al­ters­gren­ze re­geln­de Al­ters­be­fris­tung als wirk­sam an­ge­se­hen ( BAG 21. Ju­li 2004 – 7 AZR 589/03 – aaO) .

We­der ist die­se Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts durch die des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs oder das In­kraft­tre­ten des AGG über­holt noch hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt sei­ne Recht­spre­chung dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof vor­ge­legt noch ist die ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­zen­re­ge­lung we­gen un­zulässi­ger Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters un­wirk­sam. Auch die wei­te­ren mit der Be­ru­fung vor­ge­brach­ten Ar­gu­men­te ge­genüber der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung über­zeu­gen nicht.

Nach der dar­ge­stell­ten Recht­spre­chung muss die Be­klag­te nicht nach­wei­sen, dass mit dem Ein­satz von Ver­kehrs­flug­zeugführern nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res all­ge­mein oder spe­zi­ell für die Kläger ei­ne si­gni­fi­kan­te Stei­ge­rung der Ge­fah­ren für den Luft­ver­kehr ein­her­geht und ein Nach­las­sen des körper­li­chen und geis­ti­gen Leis­tungs­vermögens tatsächlich ein­tritt oder je­den­falls tatsächlich die Ge­fahr ei­nes Leis­tungs­ab­falls be­steht. Der Sach­grund be­steht nicht in ei­ner me­di­zi­nisch be­leg­ten Leis­tungs­min­de­rung son­dern an­ge­sichts un­ter­schied­li­cher hier­zu ver­tre­te­ner Auf­fas­sun­gen in der Be­ur­tei­lung des Si­cher­heits­ri­si­kos durch die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, wo­bei de­ren Einschätzung je­den­falls dann nicht zu be­an­stan­den ist, so­lan­ge auch in­ter­na­tio­na­le Emp­feh­lun­gen Be­schränkun­gen des Ein­sat­zes von Pi­lo­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res vor­se­hen.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne Recht­spre­chung zur Zulässig­keit ta­rif­ver­trag­li­cher Al­ters­gren­zen für Ver­kehrs­flug­zeugführer nicht zum Ge­gen­stand ei­nes Vor­la­ge­be­schlus­ses an den Eu­ropäischen Ge­richts­hof ge­macht. Der Vor­la­ge­be­schluss des 3. Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts ( BAG 27. Ju­ni 2006 – 3 AZR 352/05 (A) – AP Be­trVG § 1b Nr. 6) be­trifft die Fra­ge, ob der im ge­mein­schafts­recht­li­chen Primärrecht ver­an­ker­te Grund­satz des Ver­bots der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung auf Sach­ver­hal­te an­wend­bar ist und in­ner­staat­li­che Wir­kung ent­fal­tet, wenn der maßge­ben­de Sach­ver­halt kei­nen ge­mein­schafts­recht­li­chen Be­zug auf­weist bzw. ob sich ein der­ar­ti­ger Be­zug be­reits aus Art. 13 EG er­gibt oder vor Ab­lauf der Um­set­zungs­frist aus RL 2000/78/EG her­zu­lei­ten ist. Die­se Fra­gen sind nicht präju­di­zi­ell, wenn der Sach­ver­halt oh­ne­hin Ge­mein­schafts­be­zug auf­weist. Die Wirk­sam­keit der in § 19 MTV Nr. 5a ge­re­gel­ten Al­ters­gren­ze be­misst sich nach na­tio­na­lem Recht nach § 14 Tz­B­fG und nach § 7 AGG . Nicht nur § 7 AGG , auch § 14 Tz­B­fG un­ter­liegt dem Gel­tungs­be­reich des Ge­mein­schafts­rechts, denn das Tz­B­fG dient nach der amt­li­chen An­mer­kung der Um­set­zung der Richt­li­nie 97/81/EG des Ra­tes vom 15. De­zem­ber 1987 zu den von H, I und J ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit (RV) und der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der J-H-I Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge. Außer­dem geht es nicht um ei­nen Sach­ver­halt vor Ab­lauf der Um­set­zungs­frist, son­dern nach Um­set­zung. Der Vor­la­ge­be­schluss vom 27. Ju­ni 2006 ist da­mit für den vor­lie­gen­den Rechts­streit über­haupt nicht ein­schlägig.

Die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Zulässig­keit ta­rif­ver­trag­li­cher Al­ters­gren­zen für Ver­kehrs­flug­zeugführer ist we­der durch die des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs ( EuGH 22. No­vem­ber 2005 – C-144/04 – AP Richt­li­nie 2000/78/EG Nr. 1 – (Man­gold)) noch durch das In­kraft­tre­ten des AGG über­holt.

Be­reits vor In­kraft­tre­ten des AGG war um­strit­ten, ob die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu kol­lek­tiv­ver­trag­li­chen Al­ters­gren­zen bei Flug­zeugführern mit den Vor­ga­ben der RL 2000/78/EG ver­ein­bar ist (Schiek/Schmidt, AGG, § 10 Rd­nr 27 m.w.N. zum Mei­nungs­stand) . Eben­so ist um­strit­ten, ob die­se Recht­spre­chung mit dem primärrecht­li­chen Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung ver­ein­bar ist. Eben­so ist nach In­kraft­tre­ten des AGG um­strit­ten, ob die­se Recht­spre­chung mit §§ 8 ,

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10 AGG in Ein­klang steht (be­ja­hend: KR-Lip­ke, 8. Aufl., § 14 Tz­B­fG Rd­nr. 214f; An­nuß/Thüsing/Masch­mann, Tz­B­fG, 2. Aufl., § 14 Rd­nr. 63; Gräfl/Ar­nold/Hem­ke/Im­ping/Leh­nen/Ram­bach/Spin­ner, Tz­B­fG, § 14 Rd­nr 169; Sie­vers, Tz­B­fG, § 14 Rd­nr 259 (je­den­falls für be­stimm­te Be­rufs­grup­pen, dar­un­ter Pi­lo­ten); Bau­er/Göpfert/Krie­ger, AGG, § 19, Rd­nr. 38; Schleu­se­ner/Suckow/Voigt, AGG, § 8 Rd­nr 36; ver­nei­nend: Boecken/Jous­sen, Tz­B­fG, § 14 Rd­nr 112; v.Ro­et­te­ken, aaO, § 8 Rd­nr 40a; Däubler/Bretz­bach/Brors, AGG, § 10 Rd­nr 89) . Im Er­geb­nis geht es ins­be­son­de­re dar­um, ob im Ge­gen­satz zur dar­ge­stell­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts Ri­si­ko­erhöhung ab Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res all­ge­mein em­pi­risch und/oder kon­kret be­zo­gen auf den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer be­legt sein muss und/oder ob im Rah­men der Verhält­nismäßig­keitsprüfung we­ni­ger ein­schnei­den­de Maßnah­men (z.B. erhöhte Dich­te me­di­zi­ni­scher Kon­troll­un­ter­su­chun­gen, Ein­satz mit jünge­ren Crew­mit­glie­dern) ge­eig­net und aus­rei­chend wären.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vor In­kraft­tre­ten des AGG wur­de ein Ver­s­toß ge­gen Art. 1 , 2 RL 2000/78/EG schon des­halb ver­neint, weil nach Art. 6 Abs. 1 Satz 1 der Richt­li­nie Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen Al­ters je­den­falls dann zu­ge­las­sen sind, wenn sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen, im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt und die Mit­tel zur Er­rei­chung des Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind, was bei der Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren für Pi­lo­ten der Fall sei ( BAG 21. Ju­li 2004 – 7 AZR 589/03 – aaO) .

Die­se Be­ur­tei­lung wird durch die Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs und die An­er­ken­nung ei­nes primärrecht­li­chen Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Al­ters als all­ge­mei­nem Grund­satz des Ge­mein­schafts­rechts so­wie das In­kraft­tre­ten des AGG nicht berührt.

Nach § 10 Satz 1 und 2 AGG ist ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen Al­ters un­ge­ach­tet § 8 AGG auch dann zulässig, wenn sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind. § 10 Abs. 1 und 2 AGG ent­spricht in­so­weit Art. 6 Abs. 1 der RL 2000/78/EG . Ist dies der Fall, liegt dann auch kein Ver­s­toß ge­gen das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung als all­ge­mei­nem Grund­satz des Ge­mein­schafts­rechts vor. Die dar­ge­stell­te Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ent­spricht aber den Kri­te­ri­en, un­ter de­nen nach § 10 Satz 1 und 2 AGG nicht von ei­ner un­zulässi­gen Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung aus­zu­ge­hen ist. Die Kri­te­ri­en des § 10 Satz 1 und 2 AGG (und nach Art. 6 Abs. 1 der RL 2000/78/EG ) ent­spre­chen fer­ner dem Prüfungs­maßstab, den das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bei der Über­prüfung ta­rif­ver­trag­li­cher Al­ters­gren­zen­re­ge­lun­gen an­legt (a.A. Preis, Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung als Ge­mein­schafts­grund­recht, NZA 2006, 401 (404); Bau­er/Göpfert/Krie­ger, aaO, § 10 Rd­nr. 38) , wenn auch im Rah­men der Über­prüfung nach Art. 12 Abs. 1 GG . Hier­nach ( BVerfG 25. No­vem­ber 2004 – 1 BvR 2459/04 – AP BGB § 620 Al­ters­gren­ze Nr. 25 m.w.N.) stel­len Al­ters­gren­zen un­abhängig von der Fra­ge der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung je­den­falls auch sub­jek­ti­ve Zu­gangs­be­schränkun­gen dar und sind sie un­ter die­sem Ge­sichts­punkt zulässig, wenn sie als Vor­aus­set­zung zur ord­nungs­gemäßen Erfüllung des Be­rufs oder zum Schutz ei­nes be­son­ders wich­ti­gen Ge­mein­schafts­gu­tes er­for­der­lich sind, wo­bei sie zu dem an­ge­streb­ten Zweck nicht außer Verhält­nis ste­hen und kei­ne übermäßigen, un­zu­mut­ba­ren Be­las­tun­gen ent­hal­ten dürfen. Vor­aus­set­zung ist hier­nach ein le­gi­ti­mer Grund für die Al­ters­gren­ze, der als ge­richt­lich über­prüfba­rer Sach­grund be­zeich­net wer­den kann. Wei­te­re Vor­aus­set­zung ist die Wah­rung der Grundsätze der Verhält­nismäßig­keit und der An­ge­mes­sen­heit. Auch § 10 Satz 1 und 2 AGG stellt aber auf Le­gi­ti­mität des Ziels, Wah­rung des Verhält­nismäßig­keits­prin­zips und der An­ge­mes­sen­heit ab. Un­ter Wah­rung die­ser Kri­te­ri­en geht § 10 Satz 1 und 2 AGG da­mit von der Zulässig­keit an das Al­ter an­knüpfen­der sub­jek­ti­ver Zu­gangs­be­schränkun­gen aus, die dann ge­ra­de kei­ne un­zulässi­ge Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len.

Ein le­gi­ti­mes Ziel liegt vor. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts si­chert die ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­ze für Ver­kehrs­flug­zeugführer die ord­nungs­gemäße Erfüllung der Be­rufstätig­keit und dient der Si­cher­heit des Luft­ver­kehrs und dem Schutz von Le­ben und Ge­sund­heit der Be­sat­zungs­mit­glie­der, Pas­sa­gie­re und Men­schen der über­flo­ge­nen Ge­bie­te. Dass dies im Rah­men des na­tio­na­len Rechts ein le­gi­ti­mes Ziel dar­stellt, steht außer Fra­ge. Die­ses Ziel ist ob­jek­tiv vom Al­ter zu un­ter­schei­den und an­ge­mes­sen, denn mit dem Dis­kri­mi­nie­rungs­schutz zu­min­dest gleich­wer­tig.

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Die Einschätzung ei­nes erhöhten Gefähr­dungs­ri­si­kos be­ruht auf der all­ge­mei­nen Le­bens­er­fah­rung, dass die Ge­fahr ei­ner Be­ein­träch­ti­gung der Leis­tungsfähig­keit mit zu­neh­men­dem Al­ter größer wird. Sie be­ruht fer­ner dar­auf, dass in der luft­ver­kehrs­me­di­zi­ni­schen Wis­sen­schaft und der Luft­ver­kehrs­tech­nik nach wie vor kei­ne ein­heit­li­che Auf­fas­sung zu ei­nem erhöhten Gefähr­dungs­po­ten­ti­al beim Ein­satz von Flug­zeugführern nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res be­steht – die in ei­nem Rechts­streit vor dem Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt, Az. 8 Sa 715/03, ein­ge­hol­ten und zu un­ter­schied­li­chen Er­geb­nis­sen ge­lan­gen­den Gut­ach­ten der Sach­verständi­gen Prof. Dr. D (Bl. 162 f d.A.) und Prof. Dr. E (Bl. 195 f d.A.) be­le­gen dies – und dass nach wie vor in­ter­na­tio­na­le Emp­feh­lun­gen Be­schränkun­gen des Ein­sat­zes von Pi­lo­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res vor­se­hen. So­weit die Kläger sich ge­gen das letzt­ge­nann­te Ar­gu­ment wen­den, über­zeugt dies in die­sem Zu­sam­men­hang zunächst nicht. So­weit sie ausführen, hätte der luft­ver­kehrs­recht­li­che Ver­ord­nungs­ge­ber ge­ne­rel­le Be­den­ken ge­gen die Tätig­keit von Flug­zeugführern über die Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res hin­aus, würde er de­ren Zu­las­sung zwangsläufig grundsätz­lich ver­sa­gen, be­trifft die­se Ar­gu­men­ta­ti­on zunächst nicht die Prüfung der Le­gi­ti­mität des Ziels, des Sach­grunds, son­dern al­len­falls die Fra­ge des­sen An­ge­mes­sen­heit. Der Um­stand, dass auch nach der JAR-FCL Be­schränkun­gen für den Ein­satz von Ver­kehrs­flug­zeugführern nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res be­ste­hen, be­legt viel­mehr in der Tat, dass auch in­ter­na­tio­na­le Fach­krei­se im Ein­satz die­ses Ver­kehrs­flug­zeugführers ei­ne Erhöhung des mit der Tätig­keit ei­nes Flug­zeugführers ein­her­ge­hen­den Si­cher­heits­ri­si­kos se­hen.

Die Le­gi­ti­mität des Ziels be­ruht ge­ra­de auf dem Ri­si­ko der Erhöhung des Gefähr­dungs­po­ten­ti­als nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res. Dem­ent­spre­chend hat nach den von der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Grundsätzen der Be­fris­tungs­kon­trol­le die Be­klag­te auch nicht nach­zu­wei­sen, dass all­ge­mein oder abs­trakt nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res me­di­zi­nisch be­leg­bar das Ri­si­ko von Fehl­leis­tun­gen älte­rer Ver­kehrs­flug­zeugführer wächst und auch nicht durch erhöhte Er­fah­rung kom­pen­siert wird oder dass dies kon­kret bei den Klägern der Fall ist ( BAG 21. Ju­li 2004 – 7 AZR 589/03 – aaO) . Sach­grund i.S.d. § 14 Tz­B­fG und Ziel i.S.d. § 10 AGG ist nicht die Ver­mei­dung ei­ner vom ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer aus­ge­hen­den kon­kret erhöhten Gefähr­dung, son­dern der durch Beschäfti­gung von Ver­kehrs­flug­zeugführern über das 60. Le­bens­jahr hin­aus ein­tre­ten­den erhöhten abs­trak­ten Gefähr­dung. Da­mit sind auf der Grund­la­ge von Er­fah­rungs­wer­ten be­ru­hen­de ge­ne­ra­li­sie­ren­de Re­ge­lun­gen zulässig ( BVerfG 25. No­vem­ber 2004 – 1 BvR 2459/04 – aaO) .

Die Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs steht dem eben­so we­nig ent­ge­gen wie § 22 AGG . Die An­er­ken­nung ei­nes primärrecht­li­chen Ver­bots der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung und § 22 AGG führen nicht da­zu, dass bei le­gi­ti­men Zie­le ver­fol­gen­den ge­ne­ra­li­sie­ren­den Re­ge­lun­gen im Ein­zel­fall der Nach­weis zu führen wäre, der kon­kre­te Ar­beit­neh­mer stel­le ei­ne Erhöhung des Gefähr­dungs­po­ten­ti­als dar. Dies kann auch nicht aus den Ausführun­gen ( EuGH 22. No­vem­ber 2005 – C-144/04 – aaO, Rd­nr 65 – (Man­gold)) ge­schlos­sen wer­den, Rechts­vor­schrif­ten, die das Al­ter des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers als ein­zi­ges Kri­te­ri­um für die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges fest­le­gen, "oh­ne dass nach­ge­wie­sen wäre", dass die Fest­le­gung ei­ner Al­ters­gren­ze als sol­che un­abhängig von an­de­ren Erwägun­gen im Zu­sam­men­hang mit der Struk­tur des je­wei­li­gen Ar­beits­mark­tes und der persönli­chen Si­tua­ti­on des Be­trof­fe­nen zur Er­rei­chung des Zie­les der be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rung ar­beits­lo­ser älte­rer Ar­beit­neh­mer ob­jek­tiv er­for­der­lich sei, gin­gen über das zur Er­rei­chung des Ziels An­ge­mes­se­ne und Er­for­der­li­che hin­aus (a.A. v.Ro­et­te­ken, aaO, § 8 Rd­nr 40a; Däubler/Bretz­bach/Brors, aaO, § 8 Rd­nr 33) . Die­se Ausführun­gen be­tref­fen die Zulässig­keit ei­ner sach­grund­lo­sen Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung mit älte­ren Ar­beit­neh­mern, nicht die Zulässig­keit ei­nes an das Al­ter an­knüpfen­den Sach­grun­des. Auch nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs ist es da­ge­gen zulässig, im Rah­men von Dif­fe­ren­zie­run­gen auf abs­trak­te Kri­te­ri­en ab­zu­stel­len, die in der Re­gel zur Er­rei­chung des le­gi­ti­men Ziels ge­eig­net sind, oh­ne dass be­son­ders dar­zu­le­gen oder nach­zu­wei­sen sei, dass der Rück­griff auf die­ses Kri­te­ri­um zur Er­rei­chung des Zie­les in Be­zug auf ei­nen be­stimm­ten Ar­beits­platz ge­eig­net ist, es sei denn, der Ar­beit­neh­mer lie­fe­re An­halts­punk­te, die ge­eig­net sind, ernst­li­che Zwei­fel in die­ser Hin­sicht auf­kom­men zu las­sen ( EuGH 03. Ok­to­ber 2006 – C-17/05 – NZA 2006, 1205 – (Cad­man)) .

Ob ei­ne mit erhöhtem Le­bens­al­ter ein­her­ge­hen­de Min­de­rung der Leis­tungsfähig­keit und ei­ne dar­auf zurück­zuführen­de Ri­si­ko­erhöhung em­pi­risch be­legt ist oder nicht, ist für die Fra­ge, ob ein Ver­s­toß

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ge­gen das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung vor­liegt, da­mit nicht ent­schei­dend (Wie­de­mann/Thüsing, TVG, 7. Aufl., § 1 Rd­nr 668; a.A. für den Be­reich der §§ 8 Abs. 1 , 10 AGG ; Däubler/Brors, aaO, § 8 Rd­nr 33; v.Ro­et­te­ken, aaO, § 8 Rd­nr 40a) . Auch das primärrecht­li­che Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung und § 22 AGG führen we­der da­zu, dass im Rah­men der Über­prüfung ta­rif­ver­trag­li­cher Al­ters­gren­zen für Ver­kehrs­flug­zeugführer der Nach­weis zu führen wäre, dass all­ge­mein mit der Beschäfti­gung von Ver­kehrs­flug­zeugführern nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ei­ne erhöhte Gefähr­dungs­la­ge ein­tritt oder dass dies bei der kon­kre­ten Wei­ter­beschäfti­gung der Kläger der Fall ist, noch da­zu, dass die star­re Al­ters­gren­ze an­ge­sichts der nach JAR-FCL 1.060a eröff­ne­ten Möglich­keit des Ein­sat­zes in ei­ner Mehr­per­so­nen­be­sat­zung mit jünge­ren Crew­mit­glie­dern nicht "er­for­der­lich" und da­mit un­verhält­nismäßig wäre.

Die Al­ters­gren­ze dient der Ver­mei­dung ei­nes Si­cher­heits­ri­si­kos. Ob ein Ri­si­ko be­steht, be­misst sich nicht da­nach, ob und in wel­chem Grad sei­ne Rea­li­sie­rung em­pi­risch be­legt ist. Es geht nicht um die Ver­fes­ti­gung über­kom­me­ner Vor­ur­tei­le oder un­ge­si­cher­ter Er­fah­rungssätze über man­geln­de Ar­beits­pro­duk­ti­vität mit stei­gen­dem Le­bens­al­ter, son­dern dar­um, be­rufs­spe­zi­fi­schen Ge­fah­ren ei­ner Drittschädi­gung ent­ge­gen­zu­tre­ten (Thüsing, Ar­beits­recht­li­cher Dis­kri­mi­nie­rungs­schutz, Rd­nr 442) . Die Tätig­keit ei­nes Flug­zeugführers ist mit be­rufs­spe­zi­fi­schen Ri­si­ken ver­bun­den. Nach der Le­bens­er­fah­rung ist – in­di­vi­du­ell durch­aus völlig un­ter­schied­lich aus­ge­prägt – mit zu­neh­men­dem Le­bens­al­ter mit zu­neh­men­der Be­ein­träch­ti­gung der Leis­tungsfähig­keit und dem Ri­si­ko al­ters­be­ding­ter Aus­fall­er­schei­nun­gen und un­er­war­te­ter Fehl­re­ak­tio­nen zu rech­nen. Die­se Prämis­se mag für den Be­reich der Ver­kehrs­flug­zeugführer nicht em­pi­risch be­legt sein. Sie ist nach dem der­zei­ti­gen Stand aber auch nicht em­pi­risch wi­der­legt. Sie ent­spricht nach wie vor der Einschätzung in in­ter­na­tio­na­len Emp­feh­lun­gen. Nach wie vor ist mit fort­schrei­ten­dem Le­bens­al­ter ein Nach­las­sen der körper­li­chen und geis­ti­gen Kräfte zu er­war­ten und knüpft ei­ne Al­ters­gren­ze für Pi­lo­ten in ers­ter Li­nie an me­di­zi­ni­sche Tat­bestände und Er­kennt­nis­se an und ist dem be­son­de­ren Um­stand ge­schul­det, dass von der körper­li­chen und geis­ti­gen Leis­tungsfähig­keit, die Kern­be­stand der Befähi­gung und Eig­nung ei­nes Ver­kehrspi­lo­ten ist, die Si­cher­heit und körper­li­che Un­ver­sehrt­heit von Be­sat­zung, Pas­sa­gie­ren und Per­so­nen am Bo­den abhängt ( BVerfG 26. Ja­nu­ar 2007 – 2 BvR 2408/06 – Eu­GRZ 2007, 231) . Der Schutz über­ra­gen­der Rechtsgüter recht­fer­tigt nicht nur die Ver­mei­dung em­pi­risch be­leg­ter Erhöhung des Gefähr­dungs­po­ten­ti­als, son­dern auch die Ver­mei­dung nach der Le­bens­er­fah­rung zu er­war­ten­der und em­pi­risch nicht wi­der­leg­ter Erhöhung des Gefähr­dungs­po­ten­ti­als. Die Kon­se­quenz der ent­ge­gen­ge­setz­ten Auf­fas­sung wäre in der Tat, es dar­auf an­kom­men zu las­sen – qua­si in ei­nem großen Feld­ver­such – ob der Ein­satz von Flug­zeugführern über das 60. Le­bens­jahr hin­weg sich in zähl­bar höhe­ren Un­fall­zah­len im Flug­ver­kehr nie­der­schlägt (so zu­tref­fend Hes­si­sches LAG 20. April 2005 – 8 Sa 998/03 – n.v.) . Der Sach­grund im Sin­ne der bis­he­ri­gen Be­fris­tungs­recht­spre­chung und ein le­gi­ti­mes Ziel i.S.d. § 10 Satz 1 AGG be­steht nicht nur dar­in, be­leg­te Gefähr­dun­gen zu ver­mei­den, son­dern auch dar­in, über­haupt Ri­si­ken aus­zu­sch­ließen. Le­gi­ti­mes Ziel i.S.d. § 10 Satz 1 AGG be­schränkt sich nicht dar­auf, ganz all­ge­mein und abs­trakt Si­cher­heit des Luft­ver­kehrs gewähr­leis­ten zu wol­len, son­dern er­streckt sich auch auf die De­fi­ni­ti­on des ein­zu­hal­ten­den Si­cher­heits­stan­dards und der ak­zep­tier­ten Gefähr­dungs­to­le­ranz.

So­weit die Kläger in die­sem Zu­sam­men­hang die Auf­fas­sung ver­tre­ten, bei dem Schutz von Leib und Le­ben der Be­sat­zungs­mit­glie­der, der Pas­sa­gie­re und der Per­so­nen in den über­flo­ge­nen Ge­bie­ten han­de­le es sich um ei­ne Fra­ge der öffent­li­chen Si­cher­heit, die in den aus­sch­ließli­chen Auf­ga­ben­be­reich des Ge­setz­ge­bers und nicht in den be­lie­bi­gen Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Be­klag­ten oder der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en fal­le, wird dem nicht ge­folgt. Die Le­gi­ti­mität des Ziels i.S.d. § 10 Satz 1 AGG be­stimmt sich zunächst dar­an, ob ein er­laub­tes, ein rechtmäßiges Ziel ver­folgt wird (Däubler/Bretz­bach/Brors, aaO, § 10 Rd­nr 19; Schleu­se­ner/Suckow/Voigt, aaO, § 10 Rd­nr 13) . Dies ist der Fall. Mit der Einführung ei­ner Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren für Ver­kehrs­flug­zeugführer wird ge­gen kei­ne zwin­gen­den luft­ver­kehrs­recht­li­chen oder sons­ti­gen Vor­schrif­ten ver­s­toßen. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind auch nicht ge­hin­dert, Si­cher­heits­erwägun­gen zu ver­fol­gen. Im Rah­men des § 10 Satz 1 AGG be­steht Ei­nig­keit darüber, dass zu den ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen Al­ters recht­fer­ti­gen­den le­gi­ti­men Zie­len je­den­falls auch Ge­mein­wohl­in­ter­es­sen zählen, Streit be­steht al­len­falls darüber, ob und in­wie­weit auch er­laub­te in­di­vi­du­el­le Zie­le im Rah­men des § 10 Satz 1 AGG berück­sich­tigt wer­den können (Däubler/Bretz­bach/Brors, aaO, § 10, Rd­nr 20, 21; Schleu­se­ner/Suckow/Voigt, aaO, § 10 Rd­nr 14; v.Ro­et­te­ken, aaO, § 10, Rd­nr 16) . Im Übri­gen

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wer­den durch die Si­cher­heit des Flug­be­triebs un­mit­tel­ba­re ei­ge­ne In­di­vi­dual­in­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer und der Ar­beit­ge­ber berührt, nämlich bei den Ar­beit­neh­mern in ers­ter Li­nie Le­ben und Ge­sund­heit, bei den Ar­beit­ge­bern un­mit­tel­ba­re ei­ge­ne wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen, die aus der ord­nungs­gemäßen Durchführung des Flug­be­triebs, den im Luft­ver­kehr ein­ge­setz­ten er­heb­li­chen wirt­schaft­li­chen Wer­ten, den Ver­trags­be­zie­hun­gen zu ih­ren Ar­beit­neh­mern und Pas­sa­gie­ren, die­se wie­der­um ver­bun­den mit et­wai­gen Re­gress­for­de­run­gen, und auch et­wai­gen Re­gress­for­de­run­gen Drit­ter, bei­spiels­wei­se Per­so­nen in den über­flo­ge­nen Ge­bie­ten, re­sul­tie­ren.

Die Maßnah­me ist an­ge­mes­sen und er­for­der­lich gemäß § 10 Satz 2 AGG . An­ge­mes­sen­heit und Er­for­der­lich­keit im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der RL 2000/78/EG wur­de vom Bun­des­ar­beits­ge­richt be­reits be­jaht ( BAG 21. Ju­li 2004 – 7 AZR 589/03 – aaO) . Der Maßstab ist iden­tisch. Dies ent­spricht auch der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Rah­men der nach dem­sel­ben Kri­te­ri­um er­folg­ten Prüfung der Zulässig­keit der ta­rif­ver­trag­li­chen Al­ters­gren­ze als sub­jek­ti­ve Zu­las­sungs­be­schränkung ( BVerfG 25. No­vem­ber 2004 – 1 BvR 2459/04 – aaO) . Die Er­for­der­lich­keit folgt hier­nach aus dem an­ge­streb­ten Zweck, dem Schutz über­ra­gend wich­ti­ger Ge­mein­schaftsgüter. Das Verhält­nismäßig­keits­prin­zip wird fer­ner nicht da­durch ver­letzt, dass ei­ne ge­ne­ra­li­sie­ren­de Re­ge­lung ge­trof­fen wird. Auf­grund von Er­fah­rungs­wer­ten können ge­ne­ra­li­sie­ren­de Re­ge­lun­gen er­las­sen wer­den (BVerfG 04. Mai 1983 – 1 BvL 46/80, 1 BvL 47/80 – BVerfGE 64, 72; BVerfG 25. No­vem­ber 2004 – 1 BvR 2459/04 – aaO) . In die­sem Zu­sam­men­hang kann of­fen blei­ben, ob den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en im Be­reich von Al­ters­gren­zen ei­ne Einschätzungs­präro­ga­ti­ve zu­kommt oder dies we­gen des ge­mein­schafts­recht­li­chen Ver­bots der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung und nach § 10 AGG aus­ge­schlos­sen ist. Auch der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber wäre zu ei­ner ge­ne­ra­li­sie­ren­den Re­ge­lung be­fugt ( BVerfG 25. No­vem­ber 2004 – 1 BvR 2459/04 – aaO) . Dem­ent­spre­chend ist das Verhält­nismäßig­keits­prin­zip auch nicht da­durch ver­letzt, dass sich die ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung nicht dar­auf be­schränkt, je­weils im Ein­zel­fall ab Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ei­ne in­di­vi­du­el­le Prüfung der Leis­tungsfähig­keit zur Si­cher­stel­lung des Ziels vor­zu­se­hen ( BVerfG 25. No­vem­ber 2004 – 1 BvR 2459/04 – aaO; a.A. Boecken/Jous­sen, aaO, § 14 Rd­nr 113) , wo­bei oh­ne­hin frag­lich ist, ob ei­ne sol­che Re­ge­lung in glei­cher Wei­se ge­eig­net wäre, den Ge­fah­ren ei­nes al­ters­be­ding­ten Ver­sa­gens zu be­geg­nen und da­mit den Schutz über­ra­gen­der Ge­mein­schaftsgüter zu gewähr­leis­ten (BVerfG 04. Mai 1983 – 1 BvF 46/80, 1 BvL 47/80 – aaO) . Das­sel­be gilt für die Möglich­keit, Ver­kehrs­flug­zeugführer nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res aus­sch­ließlich – und ent­spre­chend JAR-FCL – in Cock­pit­be­sat­zun­gen mit jünge­ren Crew­mit­glie­dern ein­zu­set­zen, wo­bei dies im Übri­gen kei­ne mil­de­re, scho­nen­de­re oder we­ni­ger ein­grei­fen­de Maßnah­me dar­stel­len würde, son­dern den Ver­zicht auf die Maßnah­me selbst. Le­gi­ti­mität des Ziels wie­der­um ist nicht nur dann ge­ge­ben, wenn in­ter­na­tio­na­le Min­dest­stan­dards ein­ge­hal­ten und nicht über­bo­ten wer­den. Dem­ent­spre­chend kann ein Ver­s­toß ge­gen den Verhält­nismäßig­keits­grund­satz nicht da­mit be­gründet wer­den, die­ser Min­dest­stan­dard hätte ein­ge­hal­ten wer­den können, so dass dann die Maßnah­me nicht er­for­der­lich wäre. Die Fra­ge be­trifft da­mit über­haupt nicht die An­ge­mes­sen­heit der Maßnah­me, son­dern die An­ge­mes­sen­heit des Ziels.

So­weit die Kläger dar­auf hin­wei­sen, dass bei an­de­ren Kon­zern­ge­sell­schaf­ten kei­ne Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren für Ver­kehrs­flug­zeugführer be­steht, ändert dies nichts an der vor­lie­gen­den Be­ur­tei­lung.

So­weit die Kläger ausführen, die­ser Um­stand zei­ge, dass das Si­cher­heits­ar­gu­ment über­haupt nicht be­steht, wird dem nicht ge­folgt. Die Be­klag­te hat auf die ta­rif­ver­trag­li­che oder auch in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Aus­ge­stal­tung von Al­ters­gren­zen bei an­de­ren Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men, auch so­weit sie zum sel­ben Kon­zern gehören, kei­nen un­mit­tel­ba­ren Ein­fluss. So­weit die Kläger die­sen Rück­schluss aus Äußerun­gen von Re­präsen­tan­ten der Ge­werk­schaft VC zie­hen, wird dem eben­falls nicht ge­folgt. So­weit dar­in zum Aus­druck kommt, es sei nicht per se un­si­cher, mit mehr als 60 Jah­ren als Pi­lot ein Ver­kehrs­flug­zeug zu flie­gen, da der körper­li­che und geis­ti­ge Al­te­rungs­pro­zess in­di­vi­du­ell sehr ver­schie­den sei, ent­spricht dies – los­gelöst von der Fra­ge der Re­le­vanz der Mei­nungsäußerun­gen des Präsi­den­ten der VC für die Ent­schei­dung des Rechts­streits – der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, wo­nach nicht auf die in­di­vi­du­el­le Leis­tungsfähig­keit des ein­zel­nen Pi­lo­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ab­zu­stel­len ist, son­dern auf Er­fah­rungs­wer­te und nach wie vor be­ste­hen­de in­ter­na­tio­na­le Emp­feh­lun­gen. So­weit dar­in zum Aus­druck kommt, die VC las­se den Zu­stand ei­ner feh­len­den Al­ters­gren­ze in ei­ni­gen Ta­rif­verträgen

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zu, weil es nicht ge­lun­gen sei, dies durch ent­spre­chen­de Über­g­angs­ver­sor­gun­gen und be­trieb­li­che Zah­lun­gen zu ver­hin­dern, kommt dar­in zum Aus­druck, die VC wäre auch in Ta­rif­ver­hand­lun­gen bezüglich an­de­rer Luft­fahrt­un­ter­neh­men be­reit, ei­ne Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren zu ver­ein­ba­ren, wenn im Ge­gen­zug ei­ne dem bei der Be­klag­ten be­ste­hen­den Sys­tem ent­spre­chen­de Über­g­angs­ver­sor­gung ver­ein­bart würde. Dies ist für die Ent­schei­dung des vor­lie­gen­den Rechts­streits oh­ne Re­le­vanz. Selbst wenn in den von den Klägern zi­tier­ten Äußerun­gen ei­ne un­zulässi­ge Ver­knüpfung zwi­schen For­de­rung ei­ner Al­ters­gren­ze und For­de­rung der Gewährung ei­ner Über­g­angs­ver­sor­gung zum Aus­druck käme, be­trifft dies nicht den vor­lie­gen­den Rechts­streit. Das für die Be­klag­te gel­ten­de Ta­rif­werk sieht in § 19 MTV Nr. 5a ei­ne Al­ters­gren­ze mit Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res und im Ta­rif­ver­trag Über­g­angs­ver­sor­gung für das Cock­pit­per­so­nal die Gewährung ei­ner Über­g­angs­ver­sor­gung vor. Re­le­vanz hätten die zi­tier­ten Äußerun­gen al­len­falls dann, wenn die Einführung ei­ner Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren da­von abhängig ge­macht würde, ei­ne an­ge­mes­se­ne Über­g­angs­ver­sor­gung zu ver­ein­ba­ren und dies als un­zulässig an­zu­se­hen wäre. Dar­um geht es vor­lie­gend al­ler­dings über­haupt nicht. Im Übri­gen ste­hen Al­ters­gren­ze und Über­g­angs­ver­sor­gung durch­aus in ei­nem Sach­zu­sam­men­hang. Zwar führt das Feh­len ei­ner Über­g­angs­ver­sor­gung nicht zur Un­wirk­sam­keit ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Al­ters­gren­zen­re­ge­lung. Al­ler­dings ist ei­ne vom Ar­beit­ge­ber fi­nan­zier­te Über­g­angs­ver­sor­gung ge­eig­net, die für den Ar­beit­neh­mer mit der Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren ver­bun­de­nen fi­nan­zi­el­len Nach­tei­le ab­zu­mil­dern und da­mit ei­ne Al­ters­gren­ze als "noch eher zu­mut­bar" er­schei­nen zu las­sen ( BAG 20. Fe­bru­ar 2002 – 7 AZR 748/00 – AP BGB § 620 Al­ters­gren­ze Nr. 18) . Die Exis­tenz ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung oder Über­g­angs­ver­sor­gung ver­mag zwar ei­ne "Zwangs­pen­sio­nie­rung" bzw. die Einführung ei­ner ge­ne­rel­len Al­ters­gren­ze nicht zu be­gründen oder zu recht­fer­ti­gen. Die Exis­tenz ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters- oder Über­g­angs­ver­sor­gung kann je­doch im Rah­men der Verhält­nismäßig­keitsprüfung Berück­sich­ti­gung fin­den, denn die Ab­mil­de­rung der mit der Al­ters­gren­ze ein­her­ge­hen­den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le kann durch­aus ge­eig­net sein, die Abwägung der ver­schie­de­nen In­ter­es­sen zu be­ein­flus­sen (Wie­de­mann/Thüsing, aaO, § 1 Rd­nr 660) .

Der Um­stand, dass bei der F und LCAG kei­ne Al­ters­gren­ze für Ver­kehrs­flug­zeugführer von 60 Jah­ren be­steht, be­legt da­mit noch nicht ein­mal, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en den Si­cher­heits­as­pekt bei die­sen bei­den Flug­ge­sell­schaf­ten über­haupt un­ter­schied­lich be­ur­tei­len, wo­bei of­fen blei­ben kann, ob be­reits auf­grund der un­ter­schied­li­chen Geschäfts­fel­der sach­li­che Un­ter­schie­de be­ste­hen. Er be­legt le­dig­lich, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en bei die­sen Ge­sell­schaf­ten kei­ne Al­ters­gren­ze und kei­ne Über­g­angs­ver­sor­gung ver­ein­bart ha­ben, was im Er­geb­nis wie­der­um die von den Klägern zi­tier­te Äußerung der VC bestätigt. Da­mit wie­der­um ist al­len­falls be­legt, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Verhält­nismäßig­keit ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Al­ters­gren­ze bei Be­ste­hen ei­ner Über­g­angs­ver­sor­gung an­ders be­ur­tei­len als bei Feh­len ei­ner sol­chen. Dies wie­der­um führt nicht zur Un­wirk­sam­keit der vor­lie­gen­den Al­ters­gren­ze. Ob ei­ne ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­ze bei Flug­ge­sell­schaf­ten oh­ne Über­g­angs­ver­sor­gung ei­ne un­zulässi­ge Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt, kann auf sich be­ru­hen. Je­den­falls kann aus dem Um­stand, dass bei Kon­zern­ge­sell­schaf­ten oh­ne Über­g­angs­ver­sor­gung kei­ne Al­ters­gren­ze ein­geführt ist, nicht ge­schlos­sen wer­den, bei der vor­lie­gen­den ver­ein­bar­ten ta­rif­ver­trag­li­chen Al­ters­gren­ze sei der Si­cher­heits­as­pekt nur vor­ge­scho­ben.

Be­reits aus die­sem Grund liegt bei der Be­klag­ten ei­ner­seits und bei F und LCAG an­de­rer­seits auch ei­ne an­de­re Si­tua­ti­on vor, so dass auch kein Ver­s­toß ge­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz oder auch ge­gen Art. 3 Abs. 1 GG vor­liegt. Un­abhängig von der Fra­ge der un­mit­tel­ba­ren Grund­rechts­bin­dung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en be­steht Ei­nig­keit, dass die­se den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz gemäß Art. 3 Abs. 1 GG zu be­ach­ten ha­ben und bei ei­ner per­so­nen­be­zo­ge­nen Un­gleich­be­hand­lung der Gleich­heits­satz ver­letzt ist, wenn ei­ne Grup­pe von Nor­madres­sa­ten im Ver­gleich zu an­de­ren Nor­madres­sa­ten an­ders be­han­delt wird, ob­wohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Un­ter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Ge­wicht be­ste­hen, dass sie die Un­gleich­be­hand­lung recht­fer­ti­gen können ( BAG 23. Fe­bru­ar 2005 – 4 AZR 172/04 – AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: A Nr. 33) . Dies ist be­reits nicht der Fall, denn das Be­ste­hen ei­ner ta­rif­ver­trag­lich vor­ge­se­he­nen Über­g­angs­ver­sor­gung ist ein Um­stand, der ge­eig­net ist, ei­ne ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­ze als "noch eher zu­mut­bar" er­schei­nen zu las­sen ( BAG 20. Fe­bru­ar 2002 – 7 AZR 748/00 – aaO) . Im Ver­gleich der Nor­madres­sa­ten be­ste­hen Un­ter­schie­de, die im Be­reich der

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Verhält­nismäßig­keitsprüfung Berück­sich­ti­gung fin­den können.

Be­reits aus die­sem Grund kann auch kein Ver­s­toß ge­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz vor­lie­gen, wo­bei oh­ne­hin ein An­spruch auf Gleich­be­hand­lung im Kon­zern je­den­falls nicht oh­ne Wei­te­res be­steht. Im Kon­zern kommt ei­ne un­ter­neh­mensüberg­rei­fen­de An­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes viel­mehr al­len­falls dann in Be­tracht, wenn vom herr­schen­den Un­ter­neh­men aus­ge­hend be­stimm­te Leis­tun­gen übli­cher­wei­se kon­zern­ein­heit­lich er­bracht wer­den und auf den Fort­be­stand die­ser Übung ein schützens­wer­tes In­ter­es­se für die Ar­beit­neh­mer der Kon­zern­un­ter­neh­men ent­stan­den ist ( BAG 20. Au­gust 1986 – 4 AZR 272/85 – AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Se­nio­rität Nr. 6; BAG 04. Ok­to­ber 1994 – 3 AZR 910/93 – AP Be­trAVG § 16 Nr. 32; BAG 21. No­vem­ber 2006 – 3 AZR 309/05 – n.v.; ju­ris) . Umstände, die vor­lie­gend für die kon­zern­be­zo­ge­ne An­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes spre­chen könn­ten, sind we­der dar­ge­legt noch sonst er­sicht­lich.

So­weit die Kläger auf Äußerun­gen des Be­reichs­vor­stands K der Be­klag­ten Cpt. L (Bl. 238 f d.A.) ver­wei­sen, ist dies recht­lich oh­ne Be­deu­tung. Ab­ge­se­hen da­von, wel­che recht­li­che Re­le­vanz Erklärun­gen Si­gels bei­zu­mes­sen ist, kann bei der Ent­schei­dung des Rechts­streits oh­ne Wei­te­res zu Guns­ten der Kläger un­ter­stellt wer­den, die Be­klag­te ha­be ein In­ter­es­se am Weg­fall der Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren für Ver­kehrs­flug­zeugführer, sei es aus Kos­ten­gründen, sei es aus Be­ree­de­rungs­gründen, sei es aus per­so­nal­po­li­ti­schen Gründen, sei es we­gen veränder­ter und fle­xi­ble­rer na­tio­na­ler und in­ter­na­tio­na­ler Re­ge­lun­gen über den Ein­satz älte­rer Ver­kehrs­flug­zeugführer. Ei­ne ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung ist nicht des­halb un­wirk­sam, weil der Ar­beit­ge­ber lie­ber auf sie ver­zich­ten würde oder weil er im Ge­gen­satz zu den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Auf­fas­sung ver­tritt, Si­cher­heits­be­den­ken bestünden oh­ne­hin nicht oder nicht mehr oder nicht in dem Maße oder ih­nen könn­te auch auf an­de­re Art und Wei­se in hin­rei­chen­dem Um­fang Rech­nung ge­tra­gen wer­den oder in Zei­ten ex­tre­men Pi­lo­ten­man­gels soll­te man nicht hoch­qua­li­fi­zier­te Ver­kehrs­flug­zeugführer be­reits mit 60 Jah­ren "nach Hau­se schi­cken". Eben­so we­nig ist es für die Wirk­sam­keit ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung von Be­deu­tung, ob ei­ne Ge­werk­schaft die­se als Er­run­gen­schaft an­sieht und ei­nen "An­spruch auf Be­en­di­gung der Tätig­keit" als sol­che wer­tet, ei­ne Einschätzung, die die Kläger of­fen­sicht­lich nicht tei­len und auch nicht tei­len müssen. Ab­ge­se­hen da­von, dass § 19 MTV Nr. 5a kei­nen "An­spruch" son­dern ei­ne ver­bind­li­che Al­ters­gren­ze re­gelt, hängt die Wirk­sam­keit ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung auch nicht von der Auf­fas­sung der ab­sch­ließen­den Ge­werk­schaft ab, die Re­ge­lung lie­ge in den in­di­vi­du­el­len In­ter­es­sen al­ler von ihr be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer.

Glei­ches gilt für Erklärun­gen des Chef­pi­lo­ten B und des Flot­ten­chefs C. Es kann zu Guns­ten der Kläger un­ter­stellt wer­den, dass die­se erklärten, die Be­klag­te ha­be ein er­heb­li­ches In­ter­es­se an der Wei­ter­beschäfti­gung der Kläger. Es kann zu Guns­ten der Kläger auch un­ter­stellt wer­den, dass die­ses er­heb­li­che In­ter­es­se tatsächlich be­steht. Recht­li­che Re­le­vanz hat dies nicht. Die Kläger be­haup­ten selbst nicht, B und/oder C hätten ih­nen ge­genüber im Na­men der Be­klag­ten ei­ne Wil­lens­erklärung ab­ge­ge­ben, wo­nach ih­nen ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung als Ka­pitän über das 60. Le­bens­jahr hin­aus trotz ta­rif­ver­trag­li­cher Al­ters­gren­ze an­ge­bo­ten wur­de. Sie tra­gen le­dig­lich – pau­schal – vor, es ha­be Ein­ver­neh­men mit B und C über die recht­li­chen Auf­fas­sun­gen zum An­spruch auf Wei­ter­beschäfti­gung be­stan­den. Sie tra­gen aber auch vor, die Be­klag­te ha­be sich an ei­ner aus­drück­li­chen Zu­stim­mung ge­hin­dert ge­se­hen. Sie tra­gen fer­ner vor, auf­grund der geführ­ten Gespräche er­mu­tigt und an­ge­hal­ten wor­den zu sein, ei­nen Rechts­streit zum Zwe­cke der Wei­ter­beschäfti­gung zu führen. Hat die Be­klag­te sie er­mu­tigt, ei­nen Rechts­streit zu führen, hat sie auch zu er­ken­nen ge­ge­ben, oh­ne ei­nen Rechts­streit und ein Ob­sie­gen der Kläger in die­sem nicht frei­wil­lig be­reit zu sein, die Kläger wei­ter­zu­beschäfti­gen. Dies wie­der­um ist oh­ne Wei­te­res in Ein­klang zu brin­gen mit den Äußerun­gen des Be­reichs­vor­stands Capt. L, die durch­aus so in­ter­pre­tiert wer­den können, je­den­falls er persönlich würde es be­grüßen, wenn in ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren die ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­ze als un­wirk­sam an­ge­se­hen würde. Gleich­zei­tig wird aber auch hier zu er­ken­nen ge­ge­ben, dass die Be­klag­te bis zu ei­ner der­ar­ti­gen Ent­schei­dung ge­hal­ten ist, den Ta­rif­ver­trag an­zu­wen­den. Wel­che Form von Un­terstützung die Be­klag­te im vor­lie­gen­den Rechts­streit den Kläger schul­den soll­te, aber un­ter­las­sen hat, ist nicht er­kenn­bar. Eben­so we­nig er­kenn­bar ist, wel­che Aus­wir­kun­gen dies auf die Fra­ge der Wirk­sam­keit oder Un­wirk­sam­keit der ta­rif­ver­trag­li­chen Al­ters­gren­zen­re­ge­lung ha­ben könn­te. So­weit die Kläger in

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die­sem Zu­sam­men­hang ausführen, in­fol­ge Er­lass­ver­tra­ges oder ne­ga­ti­ven Schuld­an­er­kennt­nis­ses sei die Be­klag­te im Rechts­streit ge­hin­dert, sich auf Ein­wen­dun­gen zu stütz­ten, wird dem nicht ge­folgt. Er­lass­ver­trag oder ne­ga­ti­ves Schuld­an­er­kennt­nis lie­gen schon des­halb nicht vor, weil nicht dar­ge­legt ist, dass B und/oder C über­haupt Wil­lens­erklärun­gen ab­ge­ge­ben ha­ben, so dass es auch nicht dar­auf an­kommt, ob die Wirk­sam­keit ei­ner we­gen Al­ters be­nach­tei­li­gen­den ta­rif­ver­trag­li­chen Norm im Rechts­streit nicht un­abhängig vom Tat­sa­chen­vor­trag der Par­tei­en von Amts we­gen zu prüfen ist.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 97 Abs. 1 , 100 Abs. 1 ZPO .

Gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG ist die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen.

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