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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Streik, Tarifeinheit, Arbeitskampf
   
Gericht: Sächsisches Landesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 7 SaGa 19/07
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 02.11.2007
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Chemnitz
   

Säch­si­sches
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Zwi­ckau­er Straße 54, 09112 Chem­nitz

Post­fach 7 04, 09007 Chem­nitz
 

Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben:


Az.: 7 Sa­Ga 19/07
7 Ga 26/07 ArbG Chem­nitz

Verkündet am 02.11.2007

gez. Gätcke
Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

Im Na­men des Vol­kes

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

Ge­werk­schaft Deut­scher Lokführer (GDL),
end­ver­tre­ten durch den Bun­des­vor­sit­zen­den Man­fred Schell, Baum­weg 45, 60316 Frank­furt

- Be­ru­fungskläge­rin/Verfügungs­be­klag­te/Be­ru­fungs­be­klag­te -

Pro­zess­be­vollm.: Rechts­an­walt Ul­rich Fi­scher,
Main­lust­s­traße 12, 60329 Frank­furt

ge­gen

1. DB Re­gio­Netz Ver­kehrs GmbH,
ver­tre­ten durch die Geschäftsführer Jürgen Dorn­bach, Dr. Chris­ti­an Ron­z­hei­mer, Her­bert Wild­hardt,
Ste­phen­son­s­traße 1, 60326 Frank­furt am Main

- Be­ru­fungs­be­klag­te zu 1./Verfügungskläge­rin zu 1./Be­ru­fungskläge­rin zu 1. -

Pro­zess­be­vollm.: Rechts­anwälte Lovells LLP
RA Tho­mas Ub­ber,
Un­ter­main­an­la­ge 1, 60329 Frank­furt

– Sei­te 2 –

2. DB Re­gio AG,
ver­tre­ten durch den Vor­stand
Ul­rich Hom­burg, Dr. Her­bert Braun, Frank Senn­henn, Dr. Bet­ti­na Vol­kens, Ste­phen­son­s­traße 1, 60326 Frank­furt

- Be­ru­fungs­be­klag­te zu 2./Verfügungskläge­rin zu 2./Be­ru­fungskläge­rin zu 2. -

Pro­zess­be­vollm.: Rechts­anwälte Lovells LLP
RA Tho­mas Ub­ber,
Un­ter­main­an­la­ge 1, 60329 Frank­furt

3. Ar­beit­ge­ber­ver­band der Mo­bi­litäts- und Ver­kehrs­dienst­leis­ter e. V. (Agv Mo Ve), ver­tre­ten durch den Vor­stand,
die­ser ver­tre­ten durch die Vor­sit­zen­de Mar­g­ret Sucka­le,
Pots­da­mer Platz 2, 10785 Ber­lin

- Be­ru­fungs­be­klag­ter zu 3./Verfügungskläger zu 3./Be­ru­fungskläger zu 3. -.

Pro­zess­be­vollm.: Rechts­anwälte Lovells LLP
RA Tho­mas Ub­ber,
Un­ter­main­an­la­ge 1, 60329 Frank­furt

hat das Säch­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt – Kam­mer 7 – durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Le­schnig als Vor­sit­zen­den und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Frau Preßer und Herrn Lip­ski auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 02.11.2007

für Recht er­kannt:

1. Auf die Be­ru­fung der Verfügungs­be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Chem­nitz vom 05.10.2007 – 7 Ga 26/07 - ab­geändert und die Verfügungs­kla­ge ins­ge­samt

ab­ge­wie­sen.

2. Die Be­ru­fung der Verfügungskläger ge­gen das vor­ge­nann­te Ur­teil wird

zurück­ge­wie­sen.

3. Die Verfügungskläger tra­gen die Kos­ten des Rechts­streits.
 


– Sei­te 3 –

Tat­be­stand:


Die Par­tei­en strei­ten im Rah­men ei­nes einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­rens dar-über, ob der Verfügungs­be­klag­ten zu un­ter­sa­gen ist, zum Zwe­cke des Ab­schlus­ses ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ih­re Mit­glie­der und sons­ti­ge Ar­beit­neh­mer zu Streiks auf­zu­ru­fen und/oder Streiks durch­zuführen.

In der Ver­gan­gen­heit wur­den in­ner­halb des DB-Kon­zerns durch­weg je­weils in­halts­glei­che Ta­rif­verträge zwi­schen der Ar­beit­ge­ber­sei­te ei­ner­seits und den Ge­werk­schaf­ten TRANS­NET/GDBA und der GDL an­de­rer­seits ab­ge­schlos­sen. Die­se wur­den bis­lang ein­heit­lich auf al­le 134.000 Beschäftig­ten (in­klu­si­ve Be­am­te) in­ner­halb ih­res Gel­tungs­be­rei­ches an­ge­wandt.
Die Verfügungs­be­klag­te schloss zu­letzt mit dem 51. Ände­rungs­ta­rif­ver­trag vom 10.03.2005 in der Ent­gelt­run­de 2005 wie­der­um in­halt­lich glei­che ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen wie die TRANS­NET und GDBA mit dem Agv Mo­Ve ab. Darüber hin­aus wur­den ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen zur Beschäfti­gungs­si­che­rung (BeSiTV), die nach Aus­lau­fen des vor­an­ge­gan­ge­nen Beschäfti­gungsbünd­nis­ses ei­nen weit­ge­hen­den Ver­zicht auf be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen bis zum 31.12.2010 für min­des­tens fünf Jah­re beschäftig­te Ar­beit­neh­mer vor­sa­hen, Re­ge­lun­gen zur Be­tei­li­gung der Ar­beit­neh­mer am Un­ter­neh­mens­er­folg (Ab­schluss­ver­ein­ba­rung vom 28.02.2005, Ma­BetTV) so­wie Re­ge­lun­gen zur Kürzung des Jah­res­ur­lau­bes oh­ne Ent­gelt­aus­gleich um ei­nen Tag (Ab­schluss­ver­ein­ba­rung vom 28.02.2005, AZTV-S) ver­ein­bart. Ziel die­ser Maßnah­men war es, ei­ne Re­du­zie­rung der Ar­beits­kos­ten um ins­ge­samt 5,5 % zu er­rei­chen
Im DB-Kon­zern um­fasst der Per­so­nal­be­stand des Fahr­per­so­nals ins­ge­samt 32.000 Mit­ar­bei­ter. Die geschätz­ten An­ga­ben zum Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad im Be­reich des Fahr­per­so­nals so­wie die An­ga­ben zur Mit­glied­schaft bei den Ge­werk­schaf­ten TRANS­NET/GDBA so­wie der Verfügungs­be­klag­ten sind zwi­schen den Par­tei­en im Ein­zel­nen strei­tig.
 


– Sei­te 4 –

Am 19.03.2007 überg­ab die Verfügungs­be­klag­te dem Agv Mo­Ve den Ent­wurf ei­nes FPTV und ei­nes Einführungs- und Si­che­rungs­ta­rif­ver­tra­ges für den FPTV (Einführungs-TV zum FPTV) und for­der­te ihn auf, in Ta­rif­ver­hand­lun­gen über die­sen Ent­wurf ein­zu­tre­ten. Mit Schrei­ben vom 19.03.2007 kündig­te die Verfügungs­be­klag­te ver­schie­de­ne Ta­rif­verträge zum 30.06.2007. Nicht gekündigt wur­den der Beschäfti­gungs­si­che­rungs­ver­trag (BeSiTV), der Ta­rif­ver­trag über die Er­folgs­be­tei­li­gung für die Ar­beit­neh­mer (Ma­BeTV) so­wie der Ta­rif­ver­trag zur Si­che­rung und An­pas­sung von Ent­gelt­dif­fe­ren­zen (Kon­zernZÜTV).
Im Rah­men von Ta­rif­ver­hand­lun­gen schloss der Verfügungs­be­klag­te zu 3. mit der TG TRANS­NET/GDBA am 09.07.2007 ei­nen neu­en Ta­rif­ver­trag ab für al­le Ar­beit­neh­mer, ein­sch­ließlich des Fahr­per­so­nals. Die Lauf­zeit be­ginnt am 01.07.2007 und en­det am 31.01.2009. Er sieht ei­ne Erhöhung des Mo­nat­s­ta­bel­len­ent­gel­tes um 4,5 % zum Jahr 2008 so­wie ei­ne Erhöhung der Er­geb­nis­be­tei­li­gung 2007 um 600,00 € vor. In § 9 ver­ein­bar­ten die Ta­rif­ver­trags­sch­ließen­den un­ter der Über­schrift „Kon­kur­renz­klau­sel“ ei­ne Re­vi­si­ons­klau­sel, die von den Be­tei­lig­ten un­ter­schied­lich aus­ge­legt wird.

Zur Durch­set­zung des FPTV rief die Verfügungs­be­klag­te erst­mals am 02.07.2007 zu flächen­de­cken­den Streiks im Per­so­nen- und Güter­ver­kehr am 03.07.2007 zwi­schen 05:00 Uhr und 09:00 Uhr auf. Die für den 10.07.2007 an­gekündig­ten flächen­de­cken­den Streiks wur­den durch die Ar­beits­ge­rich­te Düssel­dorf und Mainz mit un­ter­schied­li­chen Be­gründun­gen un­ter­sagt. Mit Schrei­ben vom 13.07.2007 erklärte der Bun­des­vor­sit­zen­de der Verfügungs­be­klag­ten dem AgV Mo­Ve ge­genüber, dass das bis­he­ri­ge For­de­rungs­pa­ket nicht auf­recht­er­hal­ten wer­de und sämt­li­che frie­dens­pflicht­re­le­van­ten The­men und Be­rei­che aus dem For­de­rungs­pa­ket die­ser Ta­rif­run­de her­aus­ge­hal­ten würden. Es wer­de nun­mehr der Ab­schluss ei­nes ei­genständi­gen Ta­rif­ver­tra­ges zur Re­ge­lung von Ent­gelt und Ar­beits­zeit für das Fahr­per­so­nal ge­for­dert. Bezüglich Ent­gelt und Ar­beits­zeit würden die bis­he­ri­gen For­de­run­gen auf­recht­er­hal­ten. Im Rah­men der Ver­hand­lun­gen vom 19.07.2007 und den Gesprächen vom 17. und 18.07.2007 wur­den die Ta­rif­for­de­run­gen durch die Verfügungs­be­klag­te präzi­siert und hin­sicht­lich der Ent­gelt­for­de­rung auf nun­mehr min­des­tens 31 % erhöht. Die Verfügungs­be­klag­te überg­ab der Ar­beit­ge­ber­sei­te am 19.07.2007
 


– Sei­te 5 –

ein Schrei­ben, in dem das „For­de­rungs­pa­ket der GDL zur Ta­rif­run­de 2007“ dar­ge­stellt ist. Hin­sicht­lich der fünf for­mu­lier­ten For­de­run­gen wird auf die An­la­ge Ast 11 (Bl. 342 d. A.) Be­zug ge­nom­men.

Nach­dem die Ver­hand­lun­gen am 19.07.2007 schei­ter­ten, rief die Verfügungs­be­klag­te auf der Grund­la­ge be­reits vor­lie­gen­der Be­schlüsse des Haupt­vor­stan­des und der Ta­rif­kom­mis­si­on zu ei­ner Ur­ab­stim­mung über ei­nen bun­des­wei­ten un­be­fris­te­ten Streik mit Schrei­ben vom 24.07.2007 auf. Das Er­geb­nis der Ur­ab­stim­mung wur­de am 06.08.2007 durch die Verfügungs­be­klag­te be­kannt ge­macht. Die Verfügungs­be­klag­te rief dar­auf­hin zu ei­nem bun­des­wei­ten Streik der Lokführer am 09.08.2007 im Güter­ver­kehr auf. Durch Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Chem­nitz vom 06.08.2007 (7 Ga 15/07) wur­de auf An­trag der DB Re­gio Netz GmbH so­wie auf An­trag der Rai­li­on Deutsch­land AG und der DB Fern­ver­kehr AG durch das Ar­beits­ge­richt Nürn­berg am 08.08.2007 (13 Ga 65/07) so­wie er­neut durch das Ar­beits­ge­richt Chem­nitz mit Be­schluss vom 08.08.2007 (7 Ga 16/07) auf An­trag der Verfügungskläge­rin zu 2. und des Verfügungsklägers zu 3. des vor­lie­gen­den Rechts­streits Streik­maßnah­men un­ter­sagt.

In der Wi­der­spruchs­ver­hand­lung vor dem Ar­beits­ge­richt Nürn­berg (13 Ga 65/07) schlos­sen die Par­tei­en, nach­dem der Verfügungskläger zu 3. des vor­lie­gen­den Rechts­streits und wei­te­re DB-Un­ter­neh­men dem dor­ti­gen Ver­fah­ren bei­ge­tre­ten wa­ren, am 10.08.2007 fol­gen­den Ver­gleich:

„(1.) Der Ar­beit­ge­ber ist be­reit, Ta­rif­ver­hand­lun­gen zu führen, ei­ner­seits mit der GDL, mit dem Ziel, bis 30. Sep­tem­ber 2007 ei­nen ei­genständi­gen Ta­rif­ver­trag ab­zu­sch­ließen, der Ent­gelt-und Ar­beits­zeit­re­ge­lun­gen für Lo­ko­mo­tivführer um­fasst, an­de­rer­seits mit der TG, um den Ent­gelt­struk­tur im Übri­gen neu zu re­geln.

(2 Die Ta­rif­ver­hand­lun­gen wer­den par­al­lel, je­doch in en­ger Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen TG und GDL geführt, mit dem Ziel, ein kon­flikt- und wi­der­spruchs­frei­es Er­geb­nis zu er­hal­ten.

(3 Über die spe­zi­fi­schen Ent­gelt- und Ar­beits­zeit­re­ge­lun­gen hin­aus wer­den die sons­ti­gen Ta­rif­be­din­gun­gen von GDL und TG in­halts- und wort­gleich zu­sam­men­ge­fasst.


– Sei­te 6 –

(4.) Während der Ver­hand­lun­gen be­steht Frie­dens­pflicht.“

Am 29.08.2007 leg­te die Verfügungs­be­klag­te als Ver­hand­lungs­grund­la­ge ei­nen Ent­wurf ei­nes Fahr­per­so­nal­ta­rif­ver­tra­ges vor, des­sen In­hal­te im We­sent­li­chen dem ursprüng­li­chen Ent­wurf vom 19.03.2007 ge­for­der­ten FPTV ent­sprach. Der persönli­che Gel­tungs­be­reich war nun­mehr auf die Lokführer be­schränkt.
In ei­nem Rund­schrei­ben vom 10.09.2007 mach­te die Verfügungs­be­klag­te deut­lich, dass ein ein­geständi­ger Ta­rif­ver­trag für die Lokführer le­dig­lich ein Zwi­schen­ziel sei und der Ta­rif­ver­trag für das ge­sam­te Fahr­per­so­nal wei­ter­hin an­ge­strebt wer­de.

Mit Schrei­ben vom 25.09.2007 un­ter­brei­te­te die Ar­beit­ge­ber­sei­te der Verfügungs-be­klag­ten ein An­ge­bot zur Über­nah­me der Kon­di­tio­nen des am 09.07.2007 ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­ver­tra­ges, zur Führung von Gesprächen zur Ent­gelt­grup­pen­struk­tur für die Lokführer so­wie par­al­lel da­zu für die an­de­ren Be­rufs­grup­pen. Darüber hin­aus wur­den Ver­hand­lun­gen über höhe­re Ver­dienstmöglich­kei­ten für Lokführer – zwi­schen 2,5 % und 5 % – bei gleich­zei­ti­ger Ände­rung der Rah­men­be­din­gun­gen des AZTV-S (Bl. 337, 338 d. A.) an­ge­bo­ten. Die­ses An­ge­bot wur­de durch die Verfügungs­be­klag­te mit Schrei­ben vom 26.09.2007 ab­ge­lehnt und zu­gleich die Durchführung er­neu­ter Streiks an­gekündigt.
Im An­schluss an die Sit­zung der Ta­rif­kom­mis­si­on erklärte die Verfügungs­be­klag­te am 01.10.2007 das Mo­de­ra­ti­ons­ver­fah­ren für ge­schei­tert und kündig­te bun­des­wei­te Streik­maßnah­men im Per­so­nen- und Güter­ver­kehr für den 05.10.2007 an.
Mit dem am 02.10.2007 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­an­trag­ten die Verfügungskläger den Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung zur Un­ter­las­sung von Streiks.

Die Verfügungskläger ver­tre­ten die An­sicht, dass die Durchführung ei­nes Streiks zur Er­rei­chung ei­nes aus­sch­ließlich für das Fahr­per­so­nal gel­ten­den Ta­rif­ver­tra­ges un­verhält­nismäßig und rechts­wid­rig sei. Nach dem Grund­satz der Ta­rif­ein­heit könn­te ein sol­cher Ta­rif­ver­trag, wenn er im Streik­we­ge durch­ge­setzt wer­den würde, nicht zur Gel­tung kom­men, da er auf­grund des Grund­sat­zes der Ta­rif­ein­heit durch
 


– Sei­te 7 –

den be­reits mit den Ge­werk­schaf­ten TRANS­NET/GDBA und dem Agv Mo­Ve ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­ver­trag ver­drängt würde.

Mit der Verfügungs­be­klag­ten soll­te gemäß der Mo­de­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung nur dann ein ei­genständi­ger Ta­rif­ver­trag ge­schlos­sen wer­den, wenn die Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen den Ge­werk­schaf­ten der TG und der GDL ge­lun­gen und ein kon­flikt- und wi­der­spruchs­frei­es Er­geb­nis er­zielt wor­den wäre.
Ein Streik zur Durch­set­zung ei­nes Spar­ten­ta­rif­ver­tra­ges ver­letz­te darüber hin­aus das Prin­zip der Ar­beits­kampf­pa­rität, da die Ge­werk­schafts­zu­gehörig­keit der je­wei­li­gen Ar­beit­neh­mer auf Verfügungskläger­sei­te nicht be­kannt sei und da­her mit ei­ge­nen Kampf­maßnah­men in rechtmäßiger Wei­se auf den Streik nicht re­agiert wer­den könne.

Die Rechts­wid­rig­keit des Streiks er­ge­be sich darüber hin­aus aus dem Ge­sichts-punkt der Frie­dens­pflicht­ver­let­zung.

Es sei auch ein Verfügungs­grund ge­ge­ben, da die Verfügungs­be­klag­te be­wusst be­son­ders große Störun­gen im ge­sam­ten Zug­ver­kehr der Verfügungskläger und de­ren Mit­glieds­un­ter­neh­men ver­ur­sa­chen wol­le.

Die Verfügungskläger ha­ben be­an­tragt:

1. a) Der Verfügungs­be­klag­ten wird es un­ter­sagt, ih­re Mit­glie­der und sons­ti­ge Ar­beit­neh­mer, die bei der Verfügungskläge­rin zu 1., der Verfügungskläge­rin zu 2., der DB Ver­kehrs AG, der Rai­li­on Deutsch­land AG, der DB Re­gio NRW GmbH, der S-Bahn Ham­burg GmbH, der S-Bahn Ber­lin GmbH oder der DB Zug­Bus Re­gio­nal­ver­kehr Alb-Bo­den­see GmbH beschäftigt sind, zu Streiks auf­zu­ru­fen und/oder Streiks in den Be­trie­ben der vor­ge­nann­ten Mit­glieds­un­ter­neh­men des Verfügungsklägers zu 3. durch­zuführen, um den Ab­schluss ei­nes ei­genständi­gen Ta­rif­ver­tra­ges mit den in An­la­ge Ast 11 ge­nann­ten In­hal­ten durch­zu­set­zen.
 


– Sei­te 8 –

Hilfs­wei­se:

1. b) Der Verfügungs­be­klag­ten wird es für die Dau­er der Lauf­zeit des BeSiTV, des Ma­BetTV und des Kon­zernZÜTV un­ter­sagt, ih­re Mit­glie­der und sons­ti­ge Ar­beit­neh­mer, die bei der Verfügungskläge­rin zu 1., der Verfügungskläge­rin zu 2., der DB Ver­kehr AG, der Rai­li­on Deutsch­land AG, der DB Re­gio NRW GmbH, der S-Bahn Ham­burg GmbH, der S-Bahn Ber­lin GmbH oder der DB Zug­Bus Re­gio­nal­ver­kehr Alb-Bo­den­see GmbH beschäftigt sind, zu Streiks auf­zu­ru­fen und/oder Streiks in den Be­trie­ben der vor­ge­nann­ten Mit­glieds­un­ter­neh­men des Verfügungsklägers zu 3. durch­zuführen, um den Ab­schluss ei­nes ei­genständi­gen Ta­rif­ver­tra­ges mit den in An­la­ge Ast 11 ge­nann­ten In­hal­ten durch­zu­set­zen.

2. Der Verfügungs­be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die vor­ste­hen­de Un­ter­las­sungs­pflicht ein Ord­nungs­geld bis zur Höhe von € 250.000,00 (i. W. zwei­hun­dert-fünf­zig­tau­send Eu­ro), er­satz­wei­se Ord­nungs­haft bis zu sechs Mo­na­ten, zu voll­zie­hen, an ih­rem Bun­des­vor­sit­zen­den, an­ge­droht.

Die Verfügungs­be­klag­te hat be­an­tragt:

1. die Anträge der An­trag­stel­le­rin­nen an das ört­lich zuständi­ge Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main zu ver­wei­sen bzw. das Ver­fah­ren, so­weit es den Ar­beit­ge­ber­ver­band, den Verfügungskläger zu 3. an­geht, an das Ar­beits­ge­richt Ber­lin zu ver­wei­sen,

2. den An­trag als un­zulässig, weil als un­be­stimmt, zurück-zu­wei­sen,

3. den An­trag als Glo­balan­trag als un­be­gründet zurück­zu­wei­sen,

4. den An­trag ins­ge­samt als un­be­gründet ab­zu­wei­sen,

5. den An­trag des Verfügungsklägers zu 3. als un­zulässig we­gen feh­len­der Pro­zessführungs­be­fug­nis zurück­zu­wei­sen
so­wie wei­te­re Hilfs­anträge.
 


– Sei­te 9 –

Die Verfügungs­be­klag­te ver­tritt die An­sicht, dass ein Verfügungs­an­spruch nicht ge­ge­ben sei, da die Teil­nah­me von nicht Or­ga­ni­sier­ten oder der Verfügungs­be­klag­ten an­gehören­den Mit­glie­dern an Ar­beits­kampf­maßnah­men, zu de­nen die Verfügungs­be­klag­te auf­ru­fen soll­te, in je­der Hin­sicht rechtmäßig wäre.

Ein Ver­s­toß ge­gen die ta­rif­ver­trag­li­che Frie­dens­pflicht sei nicht ge­ge­ben, da die in dem Ver­gleich vor dem Ar­beits­ge­richt Nürn­berg für die Dau­er des Mo­de­ra­ti­ons­ver­fah­rens ver­ein­bar­te ver­trag­li­che, ge­willkürte Frie­dens­pflicht mit dem Frist­ab­lauf ge­gen­stands­los ge­wor­den sei. Ei­ne sich aus der Gel­tung von Ta­rif­verträgen für die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en er­ge­ben­de im­ma­nen­te Frie­dens­pflicht sei seit dem 30.06.2007 nicht mehr ge­ge­ben, denn die Verfügungs­be­klag­te ha­be die für die von ihr ge­nann­ten Ta­rif­for­de­run­gen maßgeb­li­chen Ta­rif­verträge wirk­sam zum 30.06.2007 gekündigt. Die er­ho­be­nen Ta­rif­for­de­run­gen berühr­ten die un­gekündig­ten Ta­rif­verträge nicht. Die gel­tend ge­mach­te „Ver­zah­nung“ mit den un­gekündig­ten Ta­rif­verträgen, be­ste­he nicht.

Ei­ne Un­verhält­nismäßig­keit er­ge­be sich auch nicht un­ter Berück­sich­ti­gung des Grund­sat­zes der Ta­rif­ein­heit. Der von der Verfügungs­be­klag­ten an­ge­streb­te Ta­rif-ver­trag wäre auch bei Be­ach­tung der vom BAG ver­tre­te­nen Leh­re von der Ta­rif­ein­heit der für das Fahr­per­so­nal spe­zi­el­le­re Ta­rif­ver­trag, so dass die dann ein­tre­ten­de Si­tua­ti­on auch un­ter Be­ach­tung die­ses Grund­sat­zes zu lösen wäre.
Der Ar­beits­kampf für ei­nen ei­genständi­gen Ta­rif­ver­trag sei auch nicht des­halb als rechts­wid­rig zu ka­te­go­ri­sie­ren, weil ein sol­cher Ta­rif­ver­trag nach dem In­kraft­tre­ten so­fort durch ei­nen gel­ten­den Ta­rif­ver­trag ver­drängt wer­de.

Ei­ne Pa­ritätsstörung in­fol­ge ei­ner feh­len­den Aus­sper­rungs­be­fug­nis der Kläger­sei­te sei nicht ge­ge­ben. Der mit der TG ge­schlos­se­ne Ta­rif­ver­trag ände­re hier­an nichts, da die Ar­beit­neh­mer aus die­sem Ta­rif­ver­trag noch kei­ne Rech­te ab­lei­ten könn­ten.

Sch­ließlich könne ein öko­no­mi­scher Scha­den als all­ge­mei­nes Abwägungs­kri­te­ri­um zur Be­ur­tei­lung der Zulässig­keit des Streiks als ei­genständi­ge Ka­te­go­rie nicht her­an­ge­zo­gen wer­den. Der beim Geg­ner ein­tre­ten­de Scha­den sei ar­beits­kamp­fim­ma-
 


– Sei­te 10 –

nent und da­mit recht­lich ir­re­le­vant, da er nicht ein­mal an­satz­wei­se da­zu ge­eig­net wäre, ei­ne Exis­tenz­gefähr­dung her­bei­zuführen oder ihn gar zu ver­nich­ten. Auch ein evtl. bei Drit­ten in­fol­ge der ver­netz­ten Wirt­schafts­be­zie­hun­gen ei­ner mo­der­nen Wirt­schafts- und Ver­kehrs­ge­sell­schaft ein­tre­ten­der Scha­den sei hin­zu­neh­men, da es an­de­ren­falls zu ei­nem ver­fas­sungs­wid­ri­gen Streik­ver­bot im Ver­kehrs­be­reich kom­men würde.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Verfügungs­be­klag­ten un­ter­sagt, zum Streik bei der DB Fern­ver­kehr AG und der Rai­li­on Deutsch­land AG auf­zu­ru­fen und/oder Streiks in den Be­trie­ben die­ser bei­den Un­ter­neh­men durch­zuführen, um den Ab­schluss ei­nes ei­genständi­gen Ta­rif­ver­tra­ges mit den in der An­la­ge Ast 11 ge­nann­ten In­hal­ten durch­zu­set­zen und die Kla­ge­anträge im Übri­gen zurück­zu­wei­sen. Zur Be­gründung wird auf die Ent­schei­dungs­gründe (Bl. 577 – 592 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Ge­gen das der Verfügungs­be­klag­ten am 10.10.2007 zu­ge­stell­te Ur­teil vom 05.10.2007 hat die­se am 16.10.2007 Be­ru­fung ein­ge­legt und das Rechts­mit­tel am 19.10.2007 be­gründet.
Die Verfügungskläger ha­ben am 18.10.2007 ge­gen das am 10.10.2007 zu­ge­stell­te Ur­teil Be­ru­fung ein­ge­legt und das Rechts­mit­tel am 25.10.2007 be­gründet.

Die Verfügungs­be­klag­te lässt vor­tra­gen, dass sie nun­mehr von ih­rem Recht nach § 927 ZPO Ge­brauch ma­che, da ei­ne er­heb­li­che Ände­rung der Umstände seit dem Er­lass der einst­wei­li­gen Verfügung zu Guns­ten der Verfügungskläger ein­ge­tre­ten sei. Nach Verkündung und Zu­stel­lung des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils ha­be der Ar­beit­ge­ber­ver­band die Ver­hand­lungsführung ab­ge­ge­ben.
Nun­mehr würde aus­sch­ließlich die Kon­zer­no­ber­ge­sell­schaft, die Deut­sche Bahn AG al­so, re­präsen­tiert durch ih­re Vor­stands­mit­glie­der Sucka­le und Rausch, der GDL An­ge­bo­te ma­chen oder An­ge­bo­te der GDL ab­leh­nen. Es tref­fe zwar zu, dass Frau Sucka­le auch Vor­stands­vor­sit­zen­de des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des sei, sie sei nach Er­lass des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils aber aus­sch­ließlich als Vor­stands­mit­glied der DB AG, auf­ge­tre­ten. Dar­aus er­ge­be sich zwin­gend, dass der Ar­beit­ge­ber­ver­band nicht mehr als „Pro­zess­stand­schaf­ter“ sei­ner Mit­glieds­fir­men agie­re, son­dern die Mit­glieds­fir­men das Kom­man­do selbst über­nom­men hätten.


– Sei­te 11 –

So­weit das Ar­beits­ge­richt auf das Ge­bot der Verhält­nismäßig­keit ab­stel­le, so ar­gu­men­tie­re es le­dig­lich mit Un­ter­stel­lun­gen und Vor­ur­tei­len und nicht mit sub­stan­ti­ier­ten Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen, die über­dies von der An­trag­stel­ler­sei­te auch nicht glaub­haft ge­macht wor­den sei­en. Aus ei­ner vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung her­aus­ge­ge­be­nen of­fi­zi­el­len Pu­bli­ka­ti­on er­ge­be sich da­ge­gen, dass die Ei­sen­bahn im Per­so­nen­ver­kehr le­dig­lich ei­nen An­teil von 3 % des Ge­samt­ver­kehrs­auf­kom­mens, ge­mes­sen an der An­zahl der beförder­ten Per­so­nen pro Ver­kehr­sträger, be­sit­ze. Ab­so­lut oh­ne je­de Be­gründung, wis­sen­schaft­li­che Ab­si­che­rung und Glaub­haft­ma­chung durch die An­trag­stel­ler sei auch die Fest­stel­lung, dass der Per­so­nen­fern­ver­kehr und der Güter­ver­kehr nicht be­streikt wer­den dürf­ten. So würde im Fern­ver­kehr le­dig­lich ein Zehn­tel der Per­so­nen­zah­len des Nah­ver­kehrs befördert. Im Güter­ver­kehr be­tra­ge der An­teil der Ei­sen­bah­nen am Ge­samt­ver­kehrs­auf­kom­men le­dig­lich 8, 5 %. Im Übri­gen sei die Deut­sche Bahn AG auf der Schie­ne kei­nes­wegs mehr ein Mo­no­pol­an­bie­ter, denn der Markt­an­teil pri­va­ter Güter­bah­nen in Deutsch­land be­tra­ge knapp 15 %. Dar­aus er­ge­be sich, dass die vom Ar­beits­ge­richt auf­ge­stell­ten ver­kehrsöko­no­mi­schen Prämis­sen schlech­ter­dings und grund­le­gend falsch sei­en.
Ein Streik ma­che öko­no­misch und recht­lich nur dann ei­nen Sinn, wenn er der an­de­ren Sei­te weh­tue. Dar­aus fol­ge, dass nur ein Streik über al­le Be­rei­che des Kon­zerns hin­weg dem im­ma­nen­ten Er­for­der­nis zur Funk­tio­na­lität und Te­leo­lo­gie ei­nes Streiks genügen könne. Bei der Deut­schen Bahn AG han­de­le es sich um ein welt­weit auf­ge­stell­tes Lo­gis­tik­un­ter­neh­men, es un­ter­lie­ge da­her der Streik­ge­fahr und ei­ner ge­wis­sen wirt­schaft­li­chen Anfällig­keit. Dies ha­be aber nicht das Ge­rings­te mit ei­ne Pa­ritätsstörung oder ei­ner Störung der Verhält­nismäßig­keit im Rah­men des Ar­beits­kamp­fes zu tun. Da­her sei es auf die­ser Ebe­ne nicht zulässig, Ge­mein­wohl­ge­sichts­punk­te oder In­ter­es­sen der All­ge­mein­heit zu berück­sich­ti­gen. Es sei ei­ne po­li­ti­sche Grund­ent­schei­dung der Bun­des­re­pu­blik ge­we­sen, die Ei­sen­bahn und den mit ihr be­weg­ten Ver­kehr aus der un­mit­tel­ba­ren Ob­hut des Staa­tes und da­mit der un­mit­tel­ba­ren Ein­fluss­nah­me im Rah­men der staat­li­chen Da­seins­vor­sor­ge her­aus­zu­neh­men. Es wäre ei­ne gro­tes­ke Wett­be­werbs­ver­zer­rung, wenn die An­trag­stel­ler­sei­te die Vor­tei­le des frei­en Ver­kehrs am Ka­pi­tal­markt und am Wirt­schafts­le­ben ei­ner glo­ba­len Welt als Ak­ti­en­ge­sell­schaft ge­nießen könn­te, sie aber gleich­zei­tig un-

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ter dem Schutz­schirm von staat­li­cher Fürsor­ge stünde und mit dem Ein­satz von Be­am­ten ope­rie­ren könn­te.
Das Streik­recht die­ne zwar nicht da­zu, dem All­ge­mein­wohl zu scha­den, das Streik-recht wer­de von ei­ner frei­heit­li­chen Ge­sell­schafts­ord­nung je­doch auch dann hin­ge­nom­men, wenn es Ge­mein­wohl­berührungs­punk­te ne­ga­ti­ver Art ge­be. Aus der Auf­fas­sung des BVerfG er­ge­be sich im Ge­gen­satz zu der des Ar­beits­ge­richts, dass das Streik­recht als sol­ches be­reits ge­mein­wohlori­en­tiert sei. Wer­de das Streik­recht un­ter Hin­weis auf das Ge­mein­wohl im Keim und zu früh er­stickt, lei­de das Ge­mein­wohl ge­ra­de da­durch Scha­den, weil das Streik­recht als Aus­druck der Ta­rif­au­to­no­mie sei­ne se­gens­rei­che öko­no­mi­sche, po­li­ti­sche und ge­sell­schaft­li­che Wir­kung in ei­ner frei­heit­li­chen Grund­ord­nung nicht mehr ausüben könne.
Selbst wenn man der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts, Mo­bi­lität sei ein Ge­mein­wohl­ele­ment höchs­ter Güte, fol­gen soll­te, so sei dies nicht rich­tig, weil der Ei­sen-bahn­ver­kehr bei die­sem Gut der All­ge­mein­heit ei­ne ab­so­lut un­ter­ge­ord­ne­te, teil­wei­se mar­gi­na­le Rol­le spie­le. Ab­ge­se­hen da­von, beschäfti­gen die Verfügungskläger im Fahr­per­so­nal 40 % Be­am­te. Es sei nicht denk­bar, wie es hier­bei zu ei­ner Ge­mein­wohl­be­ein­träch­ti­gung kom­men soll­te.
Gründe der Verhält­nismäßig­keit könn­ten da­her auch nicht im Ent­fern­tes­ten her­an­ge­zo­gen wer­den, um abs­trak­te und nicht näher von der An­trag­stel­ler­sei­te de­fi­nier­te Strei­kankündi­gun­gen der Verfügungs­be­klag­ten zu un­ter­sa­gen. Ei­ne pau­scha­le Un­ter­sa­gung von Ar­beitskämp­fen im Ei­sen­bahn­ver­kehr wäre in sich und per se un­verhält­nismäßig, weil sie da­zu führen würde, dass Art. 9 Abs. 3 GG für den ge­sam­ten Be­reich von meh­re­ren hun­dert­tau­sen­den Ar­beit­neh­mern im Ver­kehrs­ge­wer­be völlig wir­kungs­los wären.

Die Verfügungs­be­klag­te be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Chem­nitz vom 05.10.2007 – 7 Ga 26/07 –, zu­ge­stellt am 12.10.2007, teil­wei­se ab­zuändern bzw. gemäß § 927 ZPO auf­zu­he­ben, in­so­weit den Anträgen ent­spro­chen wur­de und die Anträge der Verfügungskläger ins­ge­samt ab­zu­wei­sen.

Die Be­ru­fung der Verfügungskläger vom 17.10.2007 zurück­zu­wei­sen.
 


– Sei­te 13 –

Die Verfügungskläger be­an­tra­gen,

1. a) Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Chem­nitz vom 05. Ok­to­ber 2007 (Az.: 7 Ga 26/07) wird ab­geändert.
Der Verfügungs­be­klag­ten wird es un­ter­sagt, ih­re Mit­glie­der und sons­ti­ge Ar­beit­neh­mer, die bei der Verfügungskläge­rin zu 1., der Verfügungskläge­rin zu 2., der DB Ver­kehr AG, der Rai­li­on Deutsch­land AG, der DB Re­gio NRW GmbH, der S-Bahn Ham­burg GmbH, der S-Bahn Ber­lin GmbH oder der DB Zug­Bus Re­gio­nal­ver­kehr Alb-Bo­den­see GmbH beschäftigt sind, zu Streiks auf­zu­ru­fen und/oder Streiks in den Be­trie­ben der vor­ge­nann­ten Mit­glieds­un­ter­neh­men des Verfügungsklägers zu 3. durch­zuführen, um den Ab­schluss ei­nes ei­genständi­gen Ta­rif­ver­tra­ges mit den in An­la­ge Ast 11 ge­nann­ten In­hal­ten durch­zu­set­zen.

Hilfs­wei­se:

1. b) Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Chem­nitz vom 05. Ok­to­ber 2007 (Az.: 7 Ga 26/07) wird ab­geändert. Der Verfügungs­be­klag­ten wird es für die Dau­er der Lauf­zeit des BeSiTV, des Ma­BetTV und des Kon­zernZÜTV un­ter­sagt, ih­re Mit­glie­der und sons­ti­ge Ar­beit­neh­mer, die bei der Verfügungskläge­rin zu 1., der Verfügungskläge­rin zu 2., der DB Ver­kehr AG, der Rai­li­on Deutsch­land AG, der DB Re­gio NRW GmbH, der S-Bahn Ham­burg GmbH, der S-Bahn Ber­lin GmbH oder der DB Zug­Bus Re­gio­nal­ver­kehr Alb-Bo­den­see GmbH beschäftigt sind, zu Streiks auf­zu­ru­fen und/oder Streiks in den Be­trie­ben der vor­ge­nann­ten Mit­glieds­un­ter­neh­men des Verfügungsklägers zu 3. durch­zuführen, um den Ab­schluss ei­nes ei­genständi­gen Ta­rif­ver­tra­ges mit den in An­la­ge Ast 11 ge­nann­ten In­hal­ten durch­zu­set­zen.

2. Der Verfügungs­be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die vor­ste­hen­de Un­ter­las­sungs­pflicht ein Ord­nungs­geld bis zur Höhe von € 250.000,00 (i. W. zwei­hun­dert-fünf­zig­tau­send Eu­ro), er­satz­wei­se Ord­nungs­haft bis zu sechs Mo­na­ten, zu voll­zie­hen, an ih­rem Bun­des­vor­sit­zen­den, an­ge­droht.

3. Die Be­ru­fung der Verfügungs­be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.

Die Verfügungskläger ha­ben un­ter teil­wei­ser Wie­der­ho­lung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens aus­geführt, seit Er­lass der einst­wei­li­gen Verfügung sei­en kei­ne veränder­ten Umstände ein­ge­tre­ten, die schon zur Auf­he­bung der erst­in­stanz­li­chen Ent-
 


– Sei­te 14 –

schei­dung führen könn­ten. Der Verfügungs­be­klag­ten sei bes­tens be­kannt, dass die vor­lie­gen­de Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zung von der Öffent­lich­keit als Ta­rif­kon­flikt zwi­schen „der Bahn“ ei­ner­seits und der „Lokführer­ge­werk­schaf­ten/den Lokführern“ an­de­rer­seits auf­ge­fasst wer­de. Be­reits vor Verkündung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils ha­be selbst die Verfügungs­be­klag­te in ih­ren ei­ge­nen Pres­se­mit­tei­lun­gen die „Bahn“ als Ta­rif­geg­ner bzw. Ar­beit­ge­ber be­zeich­net. Aus et­wai­gen Un­ge­nau­ig­kei­ten bei­der Sei­ten in der Pres­se­be­richt­er­stat­tung könne da­her beim bes­ten Wil­len nicht auf ei­nen Wech­sel in der Ver­hand­lungsführung ge­schlos­sen wer­den. Sch­ließlich stre­be die Verfügungs­be­klag­te auch kei­ne Fir­men­ta­rif­verträge an, son­dern ei­nen aty­pi­schen Flächen­ta­rif­ver­trag für den ge­sam­ten Kon­zern der DB AG, eben mit dem Ar­beit­ge­ber­ver­band. Nichts an­de­res gel­te für die Ar­beit­ge­ber­sei­te. Ab­ge­se­hen da­von, wäre für ei­nen der­ar­ti­gen An­trag das Aus­gangs­ge­richt zuständig.

Das Ar­beits­ge­richt kom­me im Rah­men sei­ner Ent­schei­dung auf­grund ei­nes un­zu­tref­fen­den Tat­sa­chen- und Rechts­verständ­nis­ses zu den feh­ler­haf­ten Schluss, die Ar­beits­kampf­pa­rität sei nicht gestört, weil die Ar­beit­ge­ber­sei­te zur Aus­sper­rung be­rech­tigt und in der La­ge sei. Da­bei wer­de ver­kannt, dass zwi­schen den Verfügungsklägern und der TG TRANS­NET/GDBA während der lau­fen­den Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zung Frie­dens­pflicht be­ste­he. Die Ar­beit­ge­ber­sei­te sei da­her recht­lich an Aus­sper­run­gen ge­genüber Mit­glie­dern der TG TRANS­NET/GDBA ge­hin­dert. Die Verfügungs­be­klag­te wol­le zu­dem in den an­ge­streb­ten Ta­rif­verträgen außer­dem ei­ne Klau­sel durch­set­zen, die ei­ne Ta­rif­an­wen­dung für die Mit­glie­der der TG aus-schließe. Da die Mit­glie­der der TG da­her nie­mals in den Ge­nuss des an­ge­streb­ten Spar­ten­ta­rif­ver­tra­ges kom­men könn­ten, dürf­ten sie auch des­halb nicht aus­ge­sperrt wer­den. Im Übri­gen würde das Verständ­nis des Ar­beits­ge­richts zu völlig le­bens-frem­den Kon­se­quen­zen führen. Die Ge­werk­schafts­mit­glie­der der TG sol­len als Be­loh­nung dafür, dass die Verfügungs­be­klag­te ei­nen aus­sch­ließlich or­ga­ni­sa­ti­ons­po­li­tisch zu Las­ten der TG mo­ti­vier­ten Ar­beits­kampf führe, durch die Ar­beit­ge­ber­sei­te aus­ge­sperrt wer­den dürfen, oh­ne mit Streik­un­terstützungs­zah­lun­gen der Verfügungs­be­klag­ten oder der TG-Ge­werk­schaf­ten rech­nen zu können.
Ab­ge­se­hen da­von, sei es rechts­wid­rig, nur Mit­glie­der der streikführen­den Ge­werk­schaft aus­zu­sper­ren. Die Aus­sper­rung der an­ders oder nicht or­ga­ni­sier­ten Ar­beit-


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neh­mer kom­me schon aus fak­ti­schen Gründen nicht in Be­tracht, da kei­ne Möglich­keit be­ste­he, die Ge­werk­schafts­zu­gehörig­keit in Er­fah­rung zu brin­gen, weil in­so­weit ein Fra­ge­recht aus­ge­schlos­sen sei. Die Aus­sper­rung selbst al­ler Ar­beit­neh­mer des Fahr­per­so­nals sei kein taug­li­ches Mit­tel, denn sie würde letzt­lich der Verfügungs­be­klag­ten und de­ren or­ga­ni­sa­ti­ons­po­li­ti­schen In­ter­es­sen in die Hände spie­len.

Der von der Verfügungs­be­klag­ten er­streb­te FPTV wäre nach dem Grund­satz der Ta­rif­ein­heit un­an­wend­bar. Da­her könne ein Streik­recht für ei­nen un­an­wend­ba­ren Ta­rif­ver­trag nicht an­er­kannt wer­den. In­so­weit ir­re das Ar­beits­ge­richt, wenn es zwar zu­ge­ste­he, dass das BAG bis­her vom Grund­satz der Ta­rif­ein­heit nicht ab­ge­wi­chen sei, im Übri­gen aber glau­be, dem Recht aus Art. 9 Abs. 3 GG den­noch den Vor­rang einräum­en zu müssen, weil hierfür höchst­rich­ter­li­che Ent­schei­dun­gen von Lan­des­ar­beits­ge­rich­ten sprächen. Es sei nicht zulässig, das Ta­rif­sys­tem im einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren zu ändern, zu­mal ei­ne Rei­he von Fol­ge­pro­ble­men aus dem Be­trVG und von Ta­rif­ver­wei­sungs­klau­seln nicht gelöst wer­den könn­ten. Es würde zu­dem ein sog. Ge­werk­schaft­shop­ping so­wie ei­ne Bal­ka­ni­sie­rung und ein Hoch­schau­keln der Kon­di­tio­nen ent­ste­hen. Die Streik­maßnah­men stell­ten da­her ei­nen Rechts­miss­brauch in Ge­stalt ei­ner un­zulässi­gen Rechts­ausübung dar.

Durch die Un­ter­sa­gung des Streiks sei kei­ne Ver­let­zung von Grund­rech­ten aus Art. 9 Abs. 3 GG ver­bun­den, denn die Verfügungs­be­klag­te miss­brau­che das Streik­recht zu or­ga­ni­sa­ti­ons­po­li­ti­schen Zwe­cken. Als wei­te­re ver­fas­sungs­im­ma­nen­te Schran­ken sei­en die Grund­recht­po­si­tio­nen der übri­gen vom Streik der Verfügungs-be­klag­ten be­trof­fe­nen Per­so­nen zu berück­sich­ti­gen.
Dies be­tref­fe die Grund­rech­te des Verfügungsklägers zu 3. und der Ge­werk­schaf­ten TRANS­NET und GDBA, die Verfügungskläge­rin­nen zu 1. und 2. so­wie die be­trof­fe­nen Drit­ten, al­so Kun­den des DB-Kon­zerns.

Der Streik ver­let­ze zu­dem die re­la­ti­ve Frie­dens­pflicht während der Lauf­zeit des BeSiTV, Ma­BetTV und des Kon­zernZÜTV. Es be­ste­he ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts durch­aus ein in­ne­rer Zu­sam­men­hang bei wirt­schaft­li­cher Be­trach­tungs­wei­se, auch oh­ne aus­drück­li­che Ver­ein­ba­rung. Der Verfügungskläger zu
 


– Sei­te 16 –

3. ha­be sich zu ei­nem weit­ge­hen­den Ver­zicht auf be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen bis zum 31.12.2010 nur des­halb be­rei­terklärt, weil die­ser Beschäfti­gungs­si­che­rung als wirt­schaft­li­che Ge­gen­leis­tung die ver­ein­bar­te Re­du­zie­rung der Ar­beits­kos­ten um 5,5 % für die Dau­er der Lauf­zeit des BeSiTV ge­genüber­stand. Hier hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en so­gar aus­drück­lich ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen den maßgeb­li­chen Ta­rif­verträgen her­ge­stellt, nämlich durch die Ver­ein­ba­run­gen vom 14.12.2004 so­wie 28.02.2005. So sei ver­ein­bart wor­den, dass die Aus­nah­me oder Nicht­an­nah­me der Ta­rif­re­ge­lun­gen von BeSiTV, des Ma­BetTV und des AZTV-S durch je­de Ta­rif­ver­trags­par­tei nur ein­heit­lich und ins­ge­samt er­fol­gen könne. Glei­ches gel­te für die Ab­schluss­ver­ein­ba­rung vom 28.02.2005. Mit ih­rer Ar­beits­kampf­for­de­rung um Erhöhung des mo­nat­li­chen Ta­bel­len­ent­gelts um min­des­tens 31 %, die Strei­chung des Ar­beits­zeit-Erhöhungs­fak­tors und die Min­dest­an­rech­nung von sechs St­un­den Ar­beits­zeit pro Schicht, ver­let­ze die Verfügungs­be­klag­te da­her die Frie­dens­pflicht aus den Ta­rif­re­ge­lun­gen des „Beschäfti­gungs­pa­kets“.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts sei die Ver­pflich­tung der Verfügungs­be­klag­ten zu ge­mein­sa­men Ver­hand­lun­gen mit dem Verfügungskläger zu 3. über ei­nen neu­en Ent­gelt­ta­rif­ver­trag in Form ei­nes Flächen­ta­rif­ver­tra­ges durch den Ver­gleichs­ab­schluss vor dem Ar­beits­ge­richt Nürn­berg nicht auf­ge­ho­ben wor­den. Glei­ches gel­te hin­sicht­lich des Gesprächs­er­geb­nis­ses vom 27. Au­gust 2007. Da­nach wer­den Ta­rif­ver­hand­lun­gen par­al­lel und in en­ger Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen der TG und der Verfügungs­be­klag­ten geführt mit dem Ziel ein kon­flikt- und wi­der­spruchs­frei­es Er­geb­nis zu er­zie­len.

Darüber hin­aus sei­en sämt­li­che Streiks, die we­gen ih­rer Aus­wir­kun­gen auf den Bahn­ver­kehr das Ge­mein­wohl schädi­gen, aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Gründen un­zulässig, so­fern sie die Durch­set­zung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges be­zwe­cken, der nur der Bes­ser­stel­lung ei­ner klei­nen Min­der­heit von Ar­beit­neh­mern die­ne.
Das ei­gent­li­che Schutz­gut der Ko­ali­ti­ons­frei­heit von Art. 9 Abs. 3 GG sei die Ta­rif­au­to­no­mie. Das Streik­recht sei nur Mit­tel zur Er­rei­chung ei­nes verläss­li­chen Re­gel­wer­kes in Ge­stalt ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges. Dem­zu­fol­ge sei­en nur sol­che Ar­beits­kampf-mit­tel ver­fas­sungs­recht­lich geschützt, die er­for­der­lich sind, um ei­ne funk­tio­nie­ren­de Ta­rif­au­to­no­mie si­cher­zu­stel­len. Streiks zur Durch­set­zung ei­nes Spe­zia­lis­ten­ta­rif­ver-
 


– Sei­te 17 –

tra­ges stell­ten hin­ge­gen nicht die Funk­ti­onsfähig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie si­cher, son­dern führen ge­ra­de zu ei­ner Si­tua­ti­on, die die Funk­ti­onsfähig­keit des Ta­rif­sys­tems er­heb­lich störe.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts sei­en die Strei­k­aus­wir­kun­gen ge­ra­de im Per­so­nen­nah­ver­kehr für die All­ge­mein­heit be­son­ders gra­vie­rend. Al­lein im schie­nen­ge­bun­de­nen Nah­ver­kehr würden täglich 4,6 Mio. Fahrgäste befördert. Der Per­so­nen­nah­ver­kehr wer­de in beträcht­li­chem Um­fang von Be­rufstäti­gen, Schülern und Stu­den­ten be­nutzt. Ge­ra­de für Schüler be­ste­he in der Re­gel kei­ne Aus­weichmöglich­keit. Es stim­me auch nicht, dass die Streiks im Per­so­nen­nah­ver­kehr zu kei­ne Ein­nah­me­ausfälle beim DB-Kon­zern geführt hätten. Tatsächlich ent­hiel­ten die Ver­kehrs­verträge mit den Be­stel­lern die Klau­sel, wo­nach das Be­stel­le­rent­gelt entfällt, wenn ein Zug ausfällt.
Zu Recht sei das Ar­beits­ge­richt da­von aus­ge­gan­gen, dass Streiks im Fern- und Güter­ver­kehr zu un­erträgli­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen des Ge­mein­wohls führen würden. Der Fern- und Güter­ver­kehr un­ter­fal­le dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tungs­auf­trag des Bun­des nach § 87 e Abs. 4 GG. Da­her sei­en die Be­lan­ge des Per­so­nen­fern- und des Güter­ver­kehrs im Kon­flikt­fall un­ter Be­ach­tung des Grund­sat­zes der prak­ti­schen Kon­kor­danz zum Aus­gleich zu brin­gen. Würde der Per­so­nen­fern­ver­kehr streik­be­dingt aus­fal­len, so könn­ten die Fol­gen we­der von an­de­ren Ver­kehr­strägern auf­ge­fan­gen wer­den, noch könn­ten preis­lich und zeit­lich an­de­re An­ge­bo­te als Er­satz die­nen.
Zwar be­tra­ge der An­teil der Ei­sen­bah­nen am Ver­kehrs­auf­kom­men im Güter­ver­kehr 17,2 %, die Be­deu­tung des Ei­sen­bahngüter­ver­kehrs er­sch­ließe sich aber erst, wenn man die Markt­an­tei­le nach ein­zel­nen Mas­sengütern be­trach­te. Bei der Au­to­mo­bil­in­dus­trie, den Ton­ver­keh­ren nach Ita­li­en, der Koh­le­ver­sor­gung im All­ge­mei­nen, der Koh­le­ver­sor­gung ein­zel­ner Kraft­wer­ke, dem Trans­port von Erz und Koh­le, Stahl, Mi­ne­ralölpro­duk­te, Che­mie­ver­keh­re, Dünge­mit­tel und dem KV-Ha­fen­ver­kehr sei es so gut wie unmöglich, auf an­de­re Ver­kehrs­mit­tel aus­zu­wei­chen.
Käme es zu Streiks der Verfügungs­be­klag­ten so­wohl im Per­so­nen- als auch im Güter­ver­kehr, so hätte dies ho­he wirt­schaft­li­che Schäden zur Fol­ge. Un­ter Berück­sich­ti­gung von Ein­nah­me­ausfällen, erhöhten Trans­port­kos­ten kal­ku­lie­re das Deut­sche


– Sei­te 18 –

In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW) ei­nen volks­wirt­schaft­li­chen Scha­den von ca. € 500. Mio pro Streik­tag.

Zur Ergänzung des bei­der­sei­ti­gen Sach­vor­trags im Übri­gen wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst über­ge­be­nen Un­ter­la­gen, so­wie die Ausführun­gen der münd­li­chen Ver­hand­lung, Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe:

A.

Die Be­ru­fung der Verfügungs­be­klag­ten so­wie die Be­ru­fung der Verfügungskläger ist gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1, 2 ArbGG statt­haft. Die Rechts­mit­tel sind auch gemäß §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG i. V. m. §§ 519, 520 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den. Die Be­ru­fun­gen sind so­mit ins­ge­samt zulässig.


B.

Das Rechts­mit­tel der Verfügungs­be­klag­ten ist auch be­gründet. Die Be­ru­fung der Verfügungskläger ist er­folg­los.

I.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Verfügungs­be­klag­ten war die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts, nicht schon gemäß § 927 Abs. 1 ZPO we­gen veränder­ter Umstände auf­zu­he­ben. Ab­ge­se­hen da­von, dass ein sol­cher An­trag an das Aus­gangs­ge­richt zu rich­ten wäre, hier al­so das Ar­beits­ge­richt (Zöller/Voll­kom­mer, ZPO, 25. Aufl., § 927


– Sei­te 19 –

Rnr. 11), lägen auch die ent­spre­chen­den Vor­aus­set­zun­gen nach § 927 Abs. 1 ZPO nicht vor.

So­weit die Verfügungs­be­klag­te un­ter­stellt, der Verfügungskläger zu 3. ha­be als Ar­beit­ge­ber­ver­band die Ver­hand­lungsführung ab­ge­ge­ben und sei als „Pro­zess­stand­schaf­ter“ sei­ner Mit­glieds­fir­men nicht mehr zuständig, lässt sich das mit der ge­ge­be­nen Be­gründung nicht nach­voll­zie­hen. Wie die Verfügungskläger nach­ge­wie­sen ha­ben, hat­te selbst die Verfügungs­be­klag­te vor Verkündung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils in ih­ren ei­ge­nen Pres­se­mit­tei­lun­gen die „Bahn“ als Ta­rif­geg­ner bzw. Ar­beit­ge­ber be­zeich­net.
Ab­ge­se­hen da­von, dass al­lein aus et­wai­gen Un­ge­nau­ig­kei­ten bei­der Sei­ten in der Pres­se­be­richt­er­stat­tung noch nicht schon auf ei­nen Wech­sel in der Ver­hand­lungsführung ge­schlos­sen wer­den kann, verhält sich die Verfügungs­be­klag­te auch in­so­weit wi­dersprüchlich. Sie selbst hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung ein Schrei­ben vom 01.11.2007 vor­ge­legt, in dem sie ge­ra­de ge­genüber dem Verfügungskläger zu 3. ih­re Be­reit­schaft zu Not­fall­ar­bei­ten während der Streik­maßnah­men an­zeigt. Dem­nach geht die Verfügungs­be­klag­te selbst da­von aus, dass ihr An­sprech­part­ner hin­sicht­lich Ta­rif­ver­hand­lun­gen wei­ter­hin der Verfügungs­be­klag­te zu 3. ist.

Im Übri­gen wur­de ein schrift­li­ches An­ge­bot des Ag Mo­Ve vom 15.10.2007, ge­rich­tet an die GDL zu den Ak­ten ge­reicht, wel­ches ein An­ge­bot als Grund­la­ge für Ta­rif­ver­hand­lun­gen enthält. Das Schrei­ben trägt die Un­ter­schrif­ten von Frau Sucka­le und Herrn Bay­reu­ther.

II.

Die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung war auch nicht schon we­gen „Fo­rum Shop­pen“ bzw. „Ge­richts­pflückens“ auf­zu­he­ben.
Der Verfügungs­be­klag­ten ist zu­zu­ge­ben, dass das Ver­hal­ten der Verfügungskläger, einst­wei­li­ge Verfügun­gen zur Un­ter­las­sung von Streiks ge­gen die GDL, bei meh­re­ren Ar­beits­ge­rich­ten anhängig zu ma­chen und al­le Anträge, die an das Ar­beits­ge-


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richt Frank­furt ver­wie­sen wur­den, wie­der zurück­zu­neh­men, den Ein­druck er­we­cken könn­te, dass es den Verfügungsklägern dar­um ging zu ver­hin­dern, dass das Ar­beits­ge­richt Frank­furt über Un­ter­las­sungs­anträge zu ent­schei­den hat­te. Dies auch un­ter dem Ge­sichts­punkt, dass eben das vor­ge­nann­te Ar­beits­ge­richt we­gen des Sit­zes der Verfügungs­be­klag­ten durch­aus ört­lich zuständig ist.
Ab­ge­se­hen da­von, dass das Ar­beits­ge­richt Chem­nitz mit Be­schluss vom 04.10.2007 un­an­fecht­bar (§ 48 Abs. 1 Nr. 1 ArbGG) sei­ne ört­li­che Zuständig­keit an­ge­nom­men hat, steht ei­ner Über­prüfung des be­schrit­te­nen Rechts­wegs auch die Vor­schrift des § 65 ArbGG ent­ge­gen. Da­nach prüft das Be­ru­fungs­ge­richt nicht, ob der be­schrit­te­ne Rechts­weg zulässig ist.

Aber selbst dann, wenn man die durch­aus be­rech­tig­ten Be­den­ken der Verfügungs-be­klag­ten da­hin­ge­hend berück­sich­tigt, dass mit der von den Verfügungsklägern prak­ti­zier­ten Ver­fah­rens­wei­se un­ter­schied­li­che und ge­gensätz­li­che Ent­schei­dun­gen von Ar­beits­ge­rich­ten und Lan­des­ar­beits­ge­rich­ten, in ei­nem ein­zi­gen Ar­beits­kampf er­ge­hen können und ei­ne höchst­rich­ter­li­che Ent­schei­dung durch das BAG nicht möglich ist, so recht­fer­tigt dies im vor­lie­gen­den Fall nicht, aus­nahms­wei­se von der Nicht­an­wend­bar­keit der §§ 48 Abs. 1, 65 ArbGG aus­zu­ge­hen. Un­strei­tig sind bei an­de­ren Ar­beits­ge­rich­ten der­zeit kei­ne wei­te­ren einst­wei­li­gen Verfügun­gen in Be­zug auf den Ar­beits­kampf zwi­schen den Par­tei­en anhängig.
Auch kein an­de­res Lan­des­ar­beits­ge­richt ist mit dem Streik be­fasst. Da­her ist der­zeit nicht zu befürch­ten, dass es zu den zu­vor ge­nann­ten ab­sch­ließen­den und un­ter-schied­li­chen Ent­schei­dun­gen kom­men kann.

So­weit die Verfügungs­be­klag­te ge­ra­de in die­sem Zu­sam­men­hang die Dring­lich­keit des Er­las­ses ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung in Fra­ge stellt, kann dem nicht ge­folgt wer­den. Zwar ha­ben die Verfügungs­be­klag­ten be­reits im Ju­li bzw. Au­gust 2007 ent­spre­chen­de Un­ter­las­sungs­anträge bei ver­schie­de­nen Ar­beits­ge­rich­ten anhängig ge­macht, über die un­ter­schied­lich ent­schie­den wur­de, teil­wei­se durch Ver­wei­sung des Rechts­streits an das Ar­beits­ge­richt Frank­furt. Die Rück­nah­me der dor­ti­gen Ver­fah­ren vor ei­ner Sach­ent­schei­dung, in­di­ziert aber im vor­lie­gen­den Fall nicht, dass es für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren an der Dring­lich­keit fehlt. In die­sem Zu­sam­men-

– Sei­te 21 –

hang muss berück­sich­tigt wer­den, dass sich die hie­si­gen Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten vor dem Ar­beits­ge­richt Nürn­berg am 10.08.2007 auf ein Mo­de­ra­ti­ons­ver­fah­ren ge­ei­nigt ha­ben und sich die Verfügungs­be­klag­te bis zum 27.08.2007 ver­pflich­tet hat, kei­ne Streik­maßnah­men durch­zuführen. Un­ter dem 27.08.2007 ha­ben sich die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten so­dann auf die Durchführung wei­te­rer Ta­rif­ver­trags­hand­lun­gen verständigt und gleich­zei­tig ei­ne Frie­dens­pflicht bis zum 30.09.2007 ver­ein­bart. Die An­trags­schrift im Aus­gangs­ver­fah­ren, die am 02.10.2007 beim Ar­beits­ge­richt ein-ge­gan­gen ist, be­gehrt die Un­ter­sa­gung von Ar­beits­kampf­maßnah­men, zu de­nen von der Verfügungs­be­klag­ten ab 05.10.2007 auf­ge­ru­fen wur­de.
In An­be­tracht der von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ab 10.08.2007 bis zum 30.09.2007 ver­ein­bar­ten „Frie­dens­pflicht“ stellt der Streik­auf­ruf der Verfügungs­be­klag­ten zum 05.10.2007 ei­nen neu­en Sach­ver­halt dar, der nicht in un­mit­tel­ba­rem Zu­sam­men-hang mit den frühe­ren Streik­maßnah­men steht. Dies be­trifft da­her auch die vor­ma­li­ge An­trag­stel­lung bei ver­schie­de­nen Ar­beits­ge­rich­ten. Da­her kann dem An­trag vom 02.10.2007 nicht schon aus die­sem Grun­de vor­weg die Dring­lich­keit ab­ge­spro­chen wer­den.

C.

So­weit der Verfügungs­be­klag­ten un­ter­sagt wor­den war, ih­re Mit­glie­der und sons­ti­gen Ar­beit­neh­mer, die bei der DB Fern­ver­kehr AG oder Rai­li­on Deutsch­land AG beschäftigt sind, zu Streiks auf­zu­ru­fen und/oder Streiks in den Be­trie­ben die­ser bei­den Un­ter­neh­men durch­zuführen, um den Ab­schluss ei­nes ei­ge­nen Ta­rif­ver­tra­ges mit den in An­la­ge Ast 11 ge­nann­ten In­hal­ten durch­zu­set­zen, war das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Chem­nitz ab­zuändern und auch der ent­spre­chen­de An­trag ab­zu­wei­sen.
Der Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung ist auch im Ar­beits­kampf grundsätz­lich zulässig (Ger­mel­mann/Mat­thes/Prütting/Müller-Glo­ge, ArbGG, 5. Aufl., § 62 Rnr. 91). Die Ver­fah­rens­ga­ran­tie aus Art. 9 Abs. 3 GG steht dem nicht ent­ge­gen, da sie nur für rechtmäßige Ar­beitskämp­fe gilt (Brox/Rüthers, Ar­beits­kampf­recht, 2. Auf­la­ge, Rz. 766).


– Sei­te 22 –

Sol­len Ar­beits­kampf­maßnah­men un­ter­sagt wer­den, ist gemäß den §§ 64 Abs. 6, 62 Abs. 2 ArbGG, 935, 940 ZPO Vor­aus­set­zung für den Er­lass ei­ner ent­spre­chen­den Un­ter­sa­gungs­verfügung, dass die Verfügungskläger ei­nen zu si­chern­den An­spruch ha­ben, und dass ein Verfügungs­grund ge­ge­ben ist.

1. Ein Verfügungs­an­spruch be­steht, wenn ein rechts­wid­ri­ger Ar­beits­kampf ver­hin­dert wer­den soll. Ei­ne Streik­maßnah­me kann an­ge­sichts der Be­deu­tung des Streik­rechts (Art. 9 Abs. 3 GG) im einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren aber nur dann un­ter­sagt wer­den, wenn sie ein­deu­tig rechts­wid­rig ist und dies glaub­haft ge­macht wird. Auch muss bei der Ent­schei­dungs­fin­dung berück­sich­tigt wer­den, wel­chen Um­fang die ge­stell­ten Anträge ha­ben. Anträge, die den Ar­beits­kampf ins­ge­samt ver­hin­dern sol­len, grei­fen in die grundsätz­lich geschütz­te Rechts­po­si­ti­on des Verfügungs­geg­ners so stark ein, dass der Kern­be­reich des Grund­rechts aus Art. 9 Abs. 3 GG gefähr­det sein kann (Ger­mel­mann u. a., § 62 Rnr. 92). Die be­an­trag­te Un­ter­sa­gungs­verfügung muss da­her zum Schutz des Rechts am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb und zur Ab­wen­dung dro­hen­der we­sent­li­cher Nach­tei­le ge­bo­ten und er­for­der­lich sein. Zur Prüfung, ob ei­ne auf Un­ter­las­sung ei­nes Ar­beits­kamp­fes ge­rich­te­te einst­wei­li­ge Verfügung im Sin­ne des § 940 ZPO zur Ab­wen­dung we­sent­li­cher Nach­tei­le nötig er­scheint, hat ei­ne In­ter­es­sen­abwägung statt­zu­fin­den, in die sämt­li­che in Be­tracht kom­men­den ma­te­ri­ell­recht­li­chen und voll­stre­ckungs­recht­li­chen Erwägun­gen so­wie die wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen für bei­de Par­tei­en ein­zu­be­zie­hen sind (Hess. LAG 02.05.2003 – 9 Sa­Ga 637/03; LAG Köln 12.12.2005 – 2 Ta 457/05 – NZA 2006, 62; Hess. LAG 11.01.2007 – 9 Sa­Ga 2098/06; Ko­rinth, Einst­wei­li­ger Rechts­schutz im Ar­beits­ge­richts­ver­fah­ren, 2. Aufl., S. 362 bis 364).

2. Ein Verfügungs­grund liegt nach dem Ge­setz vor, wenn die Be­sorg­nis be­steht, dass die Ver­wirk­li­chung ei­nes Rechts oh­ne ei­ne als­bal­di­ge Re­ge­lung ver­ei­telt oder we­sent­lich er­schwert wird, oder wenn zur Ab­wen­dung we­sent­li­cher Nach­tei­le oder aus an­de­ren Gründen die Re­ge­lung ei­nes einst­wei­li­gen Zu­stan­des nötig ist.


– Sei­te 23 –

D.

Zen­tra­ler und an­ge­mes­se­ner Maßstab für die Be­ur­tei­lung der Rechtmäßig­keit ei­nes Ar­beits­kamp­fes ist nach der Recht­spre­chung des BAG der Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit im wei­te­ren Sinn (BAG 21.04.1971 – GS 1/68 – BA­GE 23, 292; BAG 12.03.1985 – 1 AZR 636/82 – BA­GE 48, 195; BAG 11.05.1993 – 1 AZR 649/92 – BA­GE 73, 141; BAG 19.06.2007 – 1 AZR 396/06 – NZA 2007, 1055).
Auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die­ses Prin­zip als an­ge­mes­se­nen Maß-stab für die fach­ge­richt­li­che Über­prüfung von Ar­beits­kampf­maßnah­men an­er­kannt (BVerfG 04.07.1995 -1 BvF 2/86 – BVerfGE 92, 365; BVerfG 10.09.2004 – 1 BvR 1191/03 – AP Nr. 167 zu Art. 9 GG Ar­beits­kampf). Im Schrift­tum wird das Ge­bot der Verhält­nismäßig­keit eben­falls über­wie­gend als zen­tra­ler Grund­satz für die Durchführung von Ar­beitskämp­fen und de­ren recht­li­che Be­ur­tei­lung er­ach­tet (Kis­sel, Ar­beits­kampf­recht § 29; Ga­mill­scheg Kol­lek­ti­ves Ar­beits­recht Band I S. 1130; Ot­to, Ar­beits­kampf- und Sch­lich­tungs­recht § 8 Rn. 3 ff).

Der Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit eig­net sich als Maßstab für die recht­li­che Be­ur­tei­lung von Ar­beits­kampf­maßnah­men des­halb, weil durch die Ausübung der ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­ten Betäti­gungs­frei­heit re­gelmäßig in eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Rechts­po­si­tio­nen des un­mit­tel­ba­ren Kampf­geg­ners oder von Drit­ten ein­ge­grif­fen wird. Es be­darf da­her ei­ner Abwägung kol­li­die­ren­der Rechts­po­si­tio­nen. Das Abwägungs­pos­tu­lat der Verhält­nismäßig­keit er­for­dert stets ei­ne Würdi­gung, ob ein Kampf­mit­tel zur Er­rei­chung ei­nes rechtmäßigen Kampf­ziels ge­eig­net und er­for­der­lich und be­zo­gen auf das Kampf­ziel an­ge­mes­sen (pro­por­tio­nal bzw. verhält­nismäßig im en­ge­ren Sinn) ein­ge­setzt wor­den ist (BAG 11.05.1993 – 1 AZR 649/92 – BA­GE 73, 141; BAG 12.03.1985 – 1 AZR 636/82 – BA­GE 48, 195; BAG 19.06.2007 – 1 AZR 396/06 – NZA 2007, 1055).


– Sei­te 24 –

E.

Ge­mes­sen an vor­ste­hen­den Vor­aus­set­zun­gen ist ein Streik der Verfügungs­be­klag­ten zur Her­beiführung ei­nes ei­genständi­gen Ta­rif­ver­trags mit den aus der An­la­ge Ast 11 er­sicht­li­chen Re­ge­lungs­tat­beständen kein un­ge­eig­ne­tes Kampf­mit­tel und da­her auch nicht schon aus die­sem Grun­de rechts­wid­rig.


I.

1. Streiks ge­nießen – wie an­de­re Ar­beits­kampf­maßnah­men – grundsätz­lich den Schutz der durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­ten ge­werk­schaft­li­chen Betäti­gungs­frei­heit. Der Schutz er­streckt sich auf al­le ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­schen Ver­hal­tens­wei­sen und um­fasst ins­be­son­de­re die Ta­rif­au­to­no­mie. Dem­ent­spre­chend schützt das Grund­recht als ko­ali­ti­onsmäßige Betäti­gung auch Ar­beits­kampf­maßnah­men, die auf den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen ge­rich­tet sind. Die Wahl der Mit­tel, mit de­nen die Ko­ali­tio­nen die Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen durch Ta­rif­verträge zu er­rei­chen ver­su­chen und die sie hier­zu für ge­eig­net hal­ten, überlässt Art. 9 Abs. 3 GG grundsätz­lich ih­nen selbst (BVerfG 04.07.1995 – 1 BvF – BVerfGE 92, 365). Sie ha­ben da­her ei­nen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum bei der Fra­ge, ob ei­ne Ar­beits­kampf­maßnah­me ge­eig­net ist, Druck auf den so­zia­len Ge­gen­spie­ler aus­zuüben. Der Be­ur­tei­lungs­spiel­raum er­fasst nicht nur die Fra­ge, wel­ches Kampf­mit­tel ein­ge­setzt wird, son­dern auch, wem ge­genüber dies ge­schieht (BAG 18.02.2003 – 1 AZR 142/02 - BA­GE 105, 5).
Nur wenn das Kampf­mit­tel zur Er­rei­chung des zulässi­gen Kampf­ziels of­fen­sicht­lich un­ge­eig­net ist, kann ei­ne Ar­beits­kampf­maßnah­me aus die­sem Grun­de für rechts­wid­rig er­ach­tet wer­den (BVerfG 10.09.2004 – 1 BvR 1191/03; BAG 19.06.2007 – 1 AZR 396/06).

2. Auch wenn Streiks dem Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG un­ter­fal­len, be­deu­tet dies nicht, dass sie des­halb stets zulässig wären. Ih­re Zulässig­keit rich­tet sich viel­mehr nach der Aus­ge­stal­tung des Grund­rechts durch die Rechts­ord­nung
 


– Sei­te 25 –

(BVerfG 26.06.1991 – 1 BvR 779/85 – BVerfGE 84, 212). Zwar un­ter­liegt die Aus­ge­stal­tung in ers­ter Li­nie dem Ge­setz­ge­ber, so­weit es um das Verhält­nis der Kampf­par­tei­en als gleich­ge­ord­ne­te Grund­recht­sträger geht, muss die Aus­for­mung je­doch nicht zwin­gend durch ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen er­fol­gen. Das Ar­beits­kampf-recht ist ge­setz­lich weit­ge­hend un­ge­re­gelt ge­blie­ben. Gleich­wohl müssen die Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen, die vor sie ge­brach­ten Strei­tig­kei­ten über die Rechtsmäßig­keit von Ar­beits­kampf­maßnah­men ent­schei­den und können sich dem nicht mit dem Hin­weis auf feh­len­de ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen ent­zie­hen. Sie müssen viel­mehr bei un­zu­rei­chen­den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben das ma­te­ri­el­le Recht mit den an­er­kann­ten Me­tho­den der Rechts­fin­dung aus den all­ge­mei­nen Grundsätzen ab­lei­ten, die für das be­tref­fen­de Rechts­verhält­nis maßgeb­lich sind (BVerfG 02.03.1993 – BVerfGE 88, 103).

II.

Die Verfügungs­be­klag­te ver­folgt mit ih­rem Ar­beits­kampf kei­ne rechts­wid­ri­gen Zie­le. Dies gilt für die in der An­la­ge Ast 11 ge­nann­ten Re­ge­lungs­tat­bestände.


1. Die Verfügungs­be­klag­te ge­nießt, was un­strei­tig ist, als Ge­werk­schaft den Schutz nach Art. 9 Abs. 3 GG. Im Rah­men der Ta­rif­au­to­no­mie ist sie auch be­rech­tigt, Ta­rif­verträge ab­zu­sch­ließen und zu die­sem Zweck Ar­beitskämp­fe zu führen. Ein Ta­rif­ver­trag, der kampf­wei­se durch­ge­setzt wer­den soll, muss aber ei­nen recht-mäßigen In­halt ha­ben. Ein auf ei­ne ge­setz­wid­ri­ge ta­rif­li­che Re­ge­lung ge­rich­te­ter Ar­beits­kampf ist nicht er­laubt (BAG 10.12.2002 – 1 AZR 96/02 – BA­GE 104, 155).

2. Die Verfügungs­be­klag­te for­dert ei­nen ei­genständi­gen Ta­rif­ver­trag für das Fahr­per­so­nal/Lokführer, der u. a. Re­ge­lun­gen hin­sicht­lich der Erhöhung der Mo­nats­ar­beits­ent­gel­te so­wie der Ar­beits­zeit ent­hal­ten soll. Die ein­zel­nen Punk­te, die in dem Schrei­ben des Bun­des­vor­sit­zen­den der Verfügungs­be­klag­ten vom 18.07.2007 (An­la­ge Ast 11) auf­geführt sind, sind sol­che, die zu den Ar­beits- und Wirt­schafts­be-
 


– Sei­te 26 –

din­gun­gen nach Art. 9 Abs. 3 Satz 2 GG zählen. Sie zie­len auf die Ge­stal­tung von Ar­beits­be­din­gun­gen und sind da­her grundsätz­lich durch Ta­rif­ver­trag re­gel­bar.
Die For­de­run­gen sind auch be­stimmt ge­nug, in­so­weit wird auf die Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts im erst­in­stanz­li­chen Ur­teil un­ter C 1 d Be­zug ge­nom­men.

III.

Den Ar­beits­kampf­maßnah­men der Verfügungs­be­klag­ten in Form von Streiks steht nicht die Wah­rung der Frie­dens­pflicht ent­ge­gen. Ins­be­son­de­re verstößt die Verfügungs­be­klag­te mit ih­ren Ta­rif­zie­len gemäß der An­la­ge Ast 11 nicht ge­gen ih­re re­la­ti­ve Frie­dens­pflicht aus den un­gekündig­ten ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen zur Beschäfti­gungs­si­che­rung (BeSiTV), Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung (Ma­BetTV) so­wie dem Kon­zernZÜTV.

1. Bei der Aus­ge­stal­tung des Ar­beits­kampf­rechts sind aber zunächst die Gren­zen zu be­ach­ten, wel­che die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en für et­wai­ge Ar­beitskämp­fe selbst ge­zo­gen ha­ben. We­sent­li­che Be­schränkun­gen ih­rer Ar­beits­kampf­frei­heit be­gründen die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en re­gelmäßig selbst durch den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen und die sich dar­aus er­ge­ben­de Frie­dens­pflicht (BAG 19.06.2007 – 1 AZR 396/06 – NZA 2007, 1055).

a) Die mit ei­nem Ta­rif­ver­trag ver­bun­de­ne Frie­dens­pflicht schützt ei­nen Ar­beit­ge­ber da­vor, im We­ge ei­nes Streiks auf den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­trags über die-sel­be Re­ge­lungs­ma­te­rie in An­spruch ge­nom­men zu wer­den. Sie muss nicht be­son­ders ver­ein­bart wer­den, son­dern ist dem Ta­rif­ver­trag als ei­ner Frie­dens­ord­nung im­ma­nent. So­fern die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht aus­drück­lich et­was an­de­res ver­ein­bart ha­ben, wirkt sie nicht ab­so­lut, son­dern re­la­tiv und be­zieht sich nur auf die ta­rif­ver­trag­lich ge­re­gel­ten Ge­genstände (BAG 18.02.2003 – 1 AZR 142/02 – BA­GE 105, 5; BAG 10.12.2002 – 1 AZR 96/02 – BA­GE 104, 155; LAG Nie­der­sach­sen 02.06.2004 – 7 Sa 819/04 – LA­GE Art. 9 GG Ar­beits­kampf Nr. 74). Ih­re sach­li­che Reich­wei­te ist durch Aus­le­gung der ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen zu er­mit­teln (BAG
 


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10.12.2002 – aaO; Kis­sel Ar­beits­kampf­recht § 26 Rn. 81 ff; Wie­de­mann in Wie­de­mann TVG 6. Aufl. § 1 Rn. 682). So­weit die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­ne be­stimm­te Sach­ma­te­rie er­kenn­bar um­fas­send ge­re­gelt ha­ben, ist da­von aus­zu­ge­hen, dass sie die­sen Be­reich der Frie­dens­pflicht un­ter­wer­fen und für die Lauf­zeit des Ta­rif­ver­trags die kampf­wei­se Durch­set­zung wei­te­rer Re­ge­lun­gen un­ter­bin­den wol­len, die in ei­nem sach­li­chen in­ne­ren Zu­sam­men­hang mit dem be­frie­de­ten Be­reich ste­hen (BAG aaO; LAG Nie­der­sach­sen aaO).

b) Die Ver­let­zung der Frie­dens­pflicht und die Ver­fol­gung rechts­wid­ri­ger Zie­le hat die Rechts­wid­rig­keit des ge­sam­ten Streiks zur Fol­ge. Of­fen­ge­las­sen hat das BAG bis­her die Fra­ge, ob bei ei­nem Streik, der um den Ab­schluss ei­nes zahl­rei­che Re­ge­lun­gen um­fas­sen­den Ta­rif­ver­trags geführt wird, be­reits die Rechts­wid­rig­keit ei­ner nur un­ter­ge­ord­ne­ten For­de­rung zur Rechts­wid­rig­keit des ge­sam­ten Streiks führt. Je­den­falls dann, wenn es sich bei der die Frie­dens­pflicht ver­let­zen­den oder rechts­wid­ri­gen For­de­rung um ei­ne Haupt­for­de­rung han­delt, soll dies zur Rechts­wid­rig­keit des ge­sam­ten Streiks führen (vgl. BAG 10.12.2002 – aaO).

2. Von vor­ste­hen­den Grundsätzen aus­ge­hend, ver­folgt die Verfügungs­be­klag­te mit ih­rer Ta­rif­for­de­rung kei­ne Zie­le, mit de­nen sie ge­gen die Frie­dens­pflicht aus noch un­gekündig­ten Ta­rif­verträgen zwi­schen ihr und den Verfügungsklägern verstößt.

a) Dies gilt zunächst für die Ab­sicht, über­haupt ei­nen ei­genständi­gen Ta­rif­ver­trag für das Fahr­per­so­nal/Lokführer ab­zu­sch­ließen.

b) Aber auch die an­de­ren Re­ge­lungs­in­hal­te aus dem For­de­rungs­pa­ket der GDL vom 18. Ju­li 2007, wie die Erhöhung der Mo­nat­s­ta­bel­len­ent­gel­te um min­des­tens 31 %, die er­satz­lo­se Strei­chung des Ar­beits­zeit-Erhöhungs­fak­tors 1.025, die Ta­ri­fie­rung ei­nes ver­bind­li­chen Jah­res­ru­he­tags­pla­nes, die Verände­rung der Ar­beits­zeit­be­stim­mun­gen so­wie die Verkürzung der un­un­ter­bro­che­nen Fahr­zeit auf der Lo­ko­mo­ti­ve um ei­ne St­un­de, stel­len kei­nen Ver­s­toß ge­gen die re­la­ti­ve Frie­dens­pflicht dar.


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c) Die Verfügungs­be­klag­te hat, was un­strei­tig ist, al­le mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge, die das Ent­gelt und die Ar­beits­zeit be­tref­fen zum 30.06.2007 gekündigt. Ge­ra­de die­se Punk­te aber be­tref­fen die we­sent­li­chen For­de­run­gen aus dem For­de­rungs­pa­ket.
Das Ar­beits­ge­richt ist in die­sem Zu­sam­men­hang bei sei­ner Ent­schei­dung da­von aus­ge­gan­gen, da die Ab­gren­zung im Rah­men ei­nes „in­ne­ren Zu­sam­men­hangs“ oder bei ei­ner „wirt­schaft­li­chen Be­trach­tungs­wei­se“ kaum möglich ist, könn­te ein die Frie­dens­pflicht auslösen­der Sach­zu­sam­men­hang nur dann verläss­lich an­ge­nom­men wer­den, wenn die Par­tei­en dies aus­drück­lich ver­ein­bart hätten.
Dem ist im Er­geb­nis zu­zu­stim­men. Die Verfügungskläger be­ru­fen sich hin­sicht­lich des Be­ste­hens ei­ner re­la­ti­ven Frie­dens­pflicht in ers­ter Li­nie auf den Ta­rif­ver­trag zur Beschäfti­gungs­si­che­rung (BeSiTV), den Ta­rif­ver­trag zu ei­ner Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung (Ma­BetTV) und den Ta­rif­ver­trag hin­sicht­lich die Zu­la­ge-Über­lei­tung (Kon­zern-ZÜTV). Aus­gangs­punkt bei de­ren Ab­schluss im Jah­re 2005 sei die Prämis­se ge­we­sen, die Ar­beits­kos­ten um 5,5 % zu re­du­zie­ren und im Ge­gen­zug weit­ge­hend auf be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen bis zum 31.12.2010 zu ver­zich­ten.

d) Mit ih­ren Ta­rif­zie­len be­ab­sich­tigt die Verfügungs­be­klag­te we­der die Beschäfti­gungs­si­che­rung zu er­wei­tern, noch die Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung und das Zu­la­gen­sys­tem ab­zuändern.
Die Auf­fas­sung der Verfügungskläger, es han­de­le sich bei den vor­ge­nann­ten Ta­rif­verträgen um ein ein­heit­li­ches „Pa­ket“ und aus dem en­gen Sach­zu­sam­men­hang er­ge­be sich, dass bei den Ta­rif­ver­hand­lun­gen im Jah­re 2007 hin­sicht­lich von Loh­nerhöhun­gen nur ein ganz be­stimm­ter Pro­zent­satz in Be­tracht kom­me und Ände­run­gen bei der Ar­beits­zeit aus­ge­schlos­sen wären, las­sen sich aus dem be­haup­te­ten Sach­zu­sam­men­hang je­den­falls nicht schon her­lei­ten.

e) Das gilt letzt­lich auch für die bei­den Ver­ein­ba­run­gen vom 14.12.2004 so­wie vom 28.02.2005.
Sie be­tref­fen nämlich zunächst die Ent­gelt­run­de für das Jahr 2005. So­weit in Zif­fer IV der Ver­ein­ba­rung vom 28.02.2005 hin­sicht­lich von Ver­hand­lun­gen ei­ner künf­ti­gen Ent­gelt­re­ge­lung zu ei­nem „Flächen­ta­rif­ver­trag Schie­ne“ an der Re­du­zie­rung


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der Ar­beits­kos­ten von 5,5 % fest­ge­hal­ten wird, so sagt dies nichts über die tatsächli­chen Loh­nerhöhun­gen für die Zu­kunft aus. Sol­ches be­haup­ten die Verfügungskläger auch nicht kon­kret. Sie ge­ben an, der ge­plan­ten Kos­ten­sen­kung könne nur dann Rech­nung ge­tra­gen wer­den, wenn auch im Jah­re 2007 mo­de­ra­te Loh­nerhöhun­gen ver­ein­bart würden bei Bei­be­hal­tung der Ar­beits­zeit­re­ge­lun­gen. Die Verfügungskläger ha­ben aber we­der dar­ge­legt noch glaub­haft ge­macht, dass nur durch die mit der TG TRANS­NET/GDBA im Jah­re 2007 ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge und den dar­in ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen das an­ge­streb­te Ziel zu er­rei­chen war. Die von der Verfügungs­be­klag­ten ver­lang­te Vergütungs­erhöhung um we­nigs­tens 31 % und Ände­run­gen bei der Ar­beits­zeit stel­len, wie bei Ta­rif­for­de­run­gen üblich, Ma­xi­mal­for­de­run­gen dar. Ob die­se tatsächlich durch­setz­bar sind, mag da­hin­ste­hen. Je­den­falls hat die Verfügungs­be­klag­te mit den von ihr er­ho­be­nen For­de­run­gen, die den Ta­rif­ab­schluss mit der TG TRANS­NET/GDBA über­tref­fen würden, nicht schon ge­gen die re­la­ti­ve Frie­dens­pflicht aus un­gekündig­ten Ta­rif­verträgen ver­s­toßen.

3. Dem Ar­beits­ge­richt ist auch dar­in zu fol­gen, dass mit Ab­lauf des 30.09.2007 kei­ne „Frie­dens­pflicht­ver­let­zung“ aus dem vor dem Ar­beits­ge­richt Nürn­berg ab­ge­schlos­se­nen Ver­gleich hin­sicht­lich des Mo­de­ra­ti­ons­ver­fah­rens vor­liegt. Die Verfügungs­be­klag­te ist auch nicht ver­pflich­tet, auf dem von der Ar­beit­ge­ber­sei­te zu­letzt un­ter­brei­te­ten An­ge­bots zunächst Ver­hand­lun­gen zu führen und erst bei de­ren Schei­tern, zum Streik auf­zu­ru­fen.

a) Aus dem Ul­ti­ma-Ra­tio-Prin­zip folgt, dass Ar­beits­kampf­maßnah­men erst dann er­grif­fen wer­den dürfen, wenn oh­ne sie ein Ta­rif­ab­schluss im We­ge von Ver­hand­lun­gen nicht zu er­rei­chen ist. Dies be­deu­tet, dass grundsätz­lich vor ei­nem Streik For­de­run­gen über den In­halt des ab­zu­sch­ließen­den Ta­rif­ver­trags er­ho­ben und in der Re­gel auch er­folg­los Ver­hand­lun­gen darüber geführt sein müssen (BAG 21.06.1988 – 1 AZR 651/86 – BA­GE 58, 364; BAG 09.04.1991 – 1 AZR 332/90;-NZA 1991, 2205; BAG 18.02.2003 – 1 AZR 142/02 – BA­GE 105,5). Das Ul­ti­ma-Ra­tio-Prin­zip er­for­dert je­doch kei­ne of­fi­zi­el­le Erklärung des Schei­terns der Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen. Viel­mehr liegt in der Ein­lei­tung von Ar­beits­kampf­maßnah­men
 


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die freie, nicht nach­prüfba­re und da­her al­lein maßge­ben­de Erklärung der Ta­rif­ver­trags­par­tei, dass sie die Verständi­gungsmöglich­kei­ten oh­ne Ausübung von Druck als aus­geschöpft an­sieht (BAG 21.06.1988 aaO; BAG 18.02.2003 aaO).

b) Die Verfügungs­be­klag­te hat zu­letzt im Rah­men des Mo­de­ra­ti­ons­ver­fah­rens Ver­hand­lun­gen mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te geführt. Sie brach­ten of­fen­sicht­lich kei­ne Annäherung. Dar­auf­hin hat die Verfügungs­be­klag­te durch ih­ren Geschäftsführer mit Schrei­ben vom 01.10.2007 das Schei­tern der Ver­hand­lun­gen mit dem Verfügungskläger zu 3. erklärt.
Selbst wenn die Verfügungskläger­sei­te da­nach ein neu­es An­ge­bot vor­ge­legt ha­ben soll­te, so führt dies nicht da­zu, dass darüber er­neut hätte ver­han­delt wer­den müssen. Die Verfügungs­be­klag­te hat es ab­ge­lehnt, auf der Ba­sis des letz­ten An­ge­bots zu ver­han­deln, viel­mehr hat sie Ar­beits­kampf­maßnah­men ein­ge­lei­tet.
Sie hat da­mit deut­lich zum Aus­druck ge­bracht, dass sie die Verständi­gungsmöglich­kei­ten oh­ne Ausübung von Druck als aus­geschöpft an­sieht.

IV.

Der Streik der GDL ist auch nicht des­we­gen un­verhält­nismäßig und da­her rechts­wid­rig, weil der an­ge­streb­te Ta­rif­ver­trag nach dem Grund­satz der Ta­rif­ein­heit nicht zur Gel­tung kom­men würde.
Das Streik­recht der Verfügungs­be­klag­ten ist durch die­ses Recht­s­prin­zip hier nicht ein­ge­schränkt.

1. Wird ein Ar­beits­verhält­nis von meh­re­ren Ta­rif­verträgen er­fasst, so liegt Ta­rif­kon­kur­renz vor (Wie­de­mann/Wank, 7. Aufl., § 4 TVG Rz. 268). Gel­ten in ei­nem Be­trieb meh­re­re Ta­rif­verträge nor­ma­tiv ne­ben­ein­an­der, oh­ne dass sie auf ein­zel­ne Ar­beits­verhält­nis­se gleich­zei­tig an­wend­bar sind, liegt Ta­rifp­lu­ra­lität vor (BAG 20.03.1991 – 4 AZR 455/90 – NZA 1991, 736). Zu ihr kommt es vor al­lem dann, wenn zwar der Ar­beit­ge­ber an die kol­li­die­ren­den Ta­rif­verträge ge­bun­den ist, we­gen

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un­ter­schied­li­cher Ta­rif­bin­dun­gen der Ar­beit­neh­mer auf ei­ni­ge Ar­beits­verhält­nis­se, aber die­ser und auf an­de­re Ar­beits­verhält­nis­se je­ner Ta­rif­ver­trag an­zu­wen­den ist.

a) Nach der Recht­spre­chung des BAG sind die Fälle der Ta­rifp­lu­ra­lität wie auch sol­che der Ta­rif­kon­kur­renz nach dem Prin­zip der Ta­rif­ein­heit im Re­gel­fall da­hin­ge­hend auf­zulösen, dass nur der spe­zi­el­le­re Ta­rif­ver­trag zur An­wen­dung kommt. Das ist der Ta­rif­ver­trag, der dem Be­trieb räum­lich, fach­lich und persönlich am nächs­ten steht und des­halb den Er­for­der­nis­sen und Ei­gen­ar­ten des Be­trie­bes und der dort täti­gen Ar­beit­neh­mer am bes­ten ge­recht wird (BAG 05.09.1990 – 4 AZR 59/90 – AP Nr. 19 zu § 4 TVG Ta­rif­kon­kur­renz, BAG 04.12.2002 – 10 AZR 113/02 – RdA 2003, 375; BAG 23.03.2005 – 4 AZR 203/04 – AP Nr. 29 zu § 4 TVG Ta­rif­kon­kur­renz; BAG 15.11.2006 – 10 AZR 665/05 – AP Nr. 34 zu § 4 TVG Ta­rif­kon­kur­renz).
Be­gründet wird der Grund­satz von der Ta­rif­ein­heit mit über­ge­ord­ne­ten Prin­zi­pi­en der Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit. Recht­li­che und tatsächli­che Un­zu­träglich­kei­ten, die sich aus ei­nem Ne­ben­ein­an­der von Ta­rif­verträgen in ei­nem Be­trieb er­ge­ben, würden da­durch ver­mie­den. Die An­wen­dung meh­re­rer Ta­rif­verträge, die von ver­schie­de­nen Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ab­ge­schlos­sen wur­den, in ei­nem Be­trieb ne­ben­ein­an­der, müsse zu prak­ti­schen, kaum lösba­ren Schwie­rig­kei­ten führen. So würden Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges über be­trieb­li­che und be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­gen gemäß § 3 Abs. 2 TVG für al­le Be­trie­be gel­ten, de­ren Ar­beit­ge­ber ta­rif­ge­bun­den ist. Wäre die­ser aber an zwei Ta­rif­verträgen ge­bun­den, müss­te zu­min­dest in­so­weit ent­schie­den wer­den, wel­chem der Vor­rang ein­zuräum­en sei. Ei­ne Ab­gren­zung zwi­schen Be­triebs­nor­men und In­halts­nor­men be­rei­te aber oft tatsächli­che Schwie­rig­kei­ten, zu­mal hier auch Über­schnei­dun­gen möglich sind. Die auf­ge­zeig­ten tatsächli­chen Schwie­rig­kei­ten könn­ten nur durch die be­triebs­ein­heit­li­che An­wen­dung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ver­mie­den wer­den. In den Kern­be­reich der durch Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­ten Ko­ali­ti­ons­frei­heit würde da­durch nicht ein­ge­grif­fen. Dass die Mit­glie­der der Ge­werk­schaft, de­ren Ta­rif­ver­trag ver­drängt wer­de, ih­ren Ta­rif­schutz verlören, sei hin­zu­neh­men. Der nach­ran­gi­ge Ta­rif­ver­trag wer­de außer­dem nur zeit­wei­lig ver­drängt. Es blei­be je­der Ko­ali­ti­on, de­ren Ta­rif­ver­trag durch ei­nen spe­zi­el­le­ren Ta­rif­ver­trag ei­ner an­de­ren Ko­ali­ti­on ver­drängt wer­de, un­be­nom­men, eben­falls ei­nen sol­chen spe­zi­el­len Ta­rif­ver­trag ab­zu­sch­lie-

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ßen, dafür zu wer­ben und sich ent­spre­chend zu betäti­gen (BAG vom 20.03.1991 – 4 AZR 455/90 – AP Nr. 29 zu § 4 TVG Ta­rif­kon­kur­renz).

b) Wie das Ar­beits­ge­richt be­reits zu­tref­fend aus­geführt hat, wer­den ge­gen die vom BAG seit 1957 (Ur­teil v. 29.03.1957 – AP Nr. 4 zu § 4 TVG Ta­rif­kon­kur­renz) ver­tre­te­ne Auf­fas­sung zum Prin­zip der Ta­rif­ein­heit im über­wie­gen­den Schrift­tum er­heb­li­che, vor al­lem ver­fas­sungs­recht­li­che, Be­den­ken geäußert (vgl. Wie­de­mann/Wank, § 4 TVG Rz. 287 m. w. N.; Däubler/Zwan­zi­ger, § 4 TVG Rnr. 944; Bay­reu­ther, NZA 2006, 642, 643; Buch­ner, BB 2003, 2121; Grei­ner, NZA 2007, 1023 ff; Ha­nau/Ka­nia, Anm. zu BAG AP Nr. 20 zu § 4 TVG Ta­rif­kon­kur­renz; Hein­ze/Ri­cken, ZfA 2001, 159; Ja­cobs, Ta­rif­ein­heit und Ta­rif­kon­kur­renz, Diss. 1999, 412 ff; Kem­pen, NZA 2003, 415; Kraft, RdA 1992, 161 ff; Lin­de­mann/Si­mon, BB 2006, 1852, 1856; C. Mey­er, DB 2006, 1271; Rieb­le, BB 2003, 1227, 1228; Schaub, RdA 2003, 378, 380; Thüsing/von Me­dem ZIP 2007, 510 ff). Da­nach stel­le die Recht­spre­chung des BAG ei­ne un­zulässi­ge Rechts­fort­bil­dung dar, die sich je­den­falls mit Prak­ti­ka­bi­litätsüber­le­gun­gen al­lein nicht be­gründen las­se (Kraft, AuR 1994, 391, 392). Sie be­deu­te zu­dem ei­nen Ein­griff in die kol­lek­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit der­je­ni­gen Ge­werk­schaft, de­ren Ta­rif­ver­trag ver­drängt wer­de. Ihr wer­de da­durch der Zu­gang zu ei­nem be­stimm­ten Un­ter­neh­men, u. U. zu ei­nem gan­zen Wirt­schafts­zweig ver­sperrt. Zu­gleich lie­ge auch ein Ein­griff in die in­di­vi­du­el­le Ko­ali­ti­ons­frei­heit des­je­ni­gen Ar­beit­neh­mers vor, der un­ter den Gel­tungs­be­reich des ver­dräng­ten Ta­rif­ver­tra­ges fällt (Ha­nau/Ka­nia aaO). Art. 9 Abs. 3 GG schütze nicht nur den Be­stand der Ko­ali­ti­on an sich, ih­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche Aus­ge­stal­tung, son­dern auch ih­re Betäti­gung, wo­zu ins­be­son­de­re der Ab­schluss von Ta­rif­verträgen gehöre.

2. Den Verfügungsklägern ist zu­zu­ge­ben, dass ein Ta­rif­ab­schluss mit der GDL zu ei­ner Ta­rif­kon­kur­renz führen kann. In An­wen­dung des Prin­zips der Ta­rif­ein­heit im Sin­ne der Recht­spre­chung des BAG könn­te dies da­zu führen, dass der an­ge­streb­te Ta­rif­ver­trag mit der GDL ver­drängt wer­den würde.

a) Der Verfügungs­be­klag­te zu 3. hat für die von ihm ver­tre­te­nen Be­trie­be der An-
 


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schlos­sen. Der Gel­tungs­be­reich die­ser Ta­rif­verträge er­streckt sich auch auf die von der GDL re­präsen­tier­ten Ar­beit­neh­mer des Fahr­per­so­nals, dar­un­ter die Lokführer. Soll­te die Ar­beit­ge­ber­sei­te mit der Verfügungs­be­klag­ten Ta­rif­verträge ab­sch­ließen, die sich in­halt­lich nicht mit de­nen der TG TRANS­NET/GDBA de­cken, so würde nach der Recht­spre­chung des BAG, ei­ne sog. Ta­rifp­lu­ra­lität zwi­schen den kon­kur­rie­ren­den Ta­rif­verträgen vor­lie­gen. Dies hätte bei strik­ter An­wen­dung des Prin­zips der Ta­rif­ein­heit die Fol­ge, dass der Ta­rif­ver­trag zur An­wen­dung käme, der dem Be­trieb räum­lich, fach­lich und persönlich am nächs­ten steht und des­halb den Er­for­der­nis­sen und Ei­gen­ar­ten des Be­trie­bes und der dort täti­gen Ar­beit­neh­mer am bes­ten ge­recht wird (BAG 24.01.1990 – 4 AZR 561/89 – AP Nr. 126 zu § 1 TVG Ta­rif­verträge-Bau). Dem­ent­spre­chend de­fi­niert das BAG hier­bei die „Spe­zia­lität“ nicht in dem Sin­ne, dass sich der spe­zi­el­le­re Ta­rif­ver­trag auf ei­ne be­stimm­te Grup­pe von Ar­beit­neh­mern, hier das Fahr­per­so­nal/Lokführer, be­zieht, son­dern es de­fi­niert die „Spe­zia­lität“ da­nach, ob der Ta­rif­ver­trag der Si­tua­ti­on im Be­trieb in räum­li­cher, be­trieb­li­cher, fach­li­cher und persönli­cher Hin­sicht am nächs­ten steht (BAG 20.03.1991 – 4 AZR 455/90 – NZA 1991, 736). Da­her wird in der Re­gel der Ta­rif­ver­trag, der ent­spre­chend dem über­wie­gen­den Be­triebs­zweck, auch be­stimmt durch die über­wie­gen­de Ar­beits­zeit der Ar­beit­neh­mer, als der sachnähe­re in Be­tracht kom­men.

b) Nach die­ser gängi­gen In­ter­pre­ta­ti­on wird stets ein nur für ei­nen (klei­ne­ren) Teil der Be­leg­schaft gel­ten­der Ta­rif­ver­trag, ins­be­son­de­re al­so ein Spe­zia­lis­ten- oder Spar­ten­ta­rif­ver­trag ver­drängt (Grei­ner aaO m. w. N.). Dies hätte zum Er­geb­nis, dass ein von der GDL mit dem Verfügungskläger zu 3. ab­ge­schlos­se­ner Ta­rif­ver­trag für das Fahr­per­so­nal/Lokführer von den Re­ge­lun­gen der Ta­rif­verträge zwi­schen der TG und dem Ar­beit­ge­ber­ver­band ver­drängt würde.

3. Die Be­ru­fungs­kam­mer teilt die Be­den­ken, die vor al­lem in der ar­beits­recht­li­chen Li­te­ra­tur ge­gen ei­ne sol­che An­wen­dung des Grund­sat­zes der Ta­rif­ein­heit vor­ge­bracht wer­den.

a) Die vor­zi­tier­te Recht­spre­chung des BAG zur Auflösung von Ta­rifp­lu­ra­litäten
 


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mehr oder we­ni­ger ge­schlos­sen, dass das BAG je­de Ta­rifp­lu­ra­lität dem Prin­zip der Ta­rif­ein­heit un­ter­wer­fen will und da­her auch ei­ne sol­che, die kraft un­ter­schied­li­cher Or­ga­ni­sa­ti­ons­zu­gehörig­keit bzw. ei­ner pri­vat­au­to­nom her­bei­geführ­ten mehr­fa­chen Ta­rif­bin­dung des Ar­beit­ge­bers (Bay­reu­ther, NZA 2006, 642, 643).
In die­sem Zu­sam­men­hang muss aber be­ach­tet wer­den, dass die ein­schlägi­gen Ent­schei­dun­gen des BAG bei ge­nau­er Be­trach­tung zei­gen, dass ih­nen je­weils ei­ne an­de­re Sach­kon­stel­la­ti­on zu­grun­de ge­le­gen hat, als im vor­lie­gen­den Fall. So er­gab sich das Kon­kur­renz­pro­blem hin­sicht­lich Ver­bands- und Fir­men­ta­rif­verträgen zu all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­verträgen. Oder es kon­kur­rier­ten zwei Ta­rif­verträge mit un­ter­schied­li­chen fach­li­chen Aus­rich­tun­gen. Wenn Ta­rif­verträge un­ter­schied­li­cher Ge­werk­schaf­ten mit­ein­an­der kon­kur­rier­ten, dann nur, weil Ta­rif­verträge ei­ne un­ter­schied­li­che fach­li­che Aus­rich­tung auf­wie­sen und da­her zwangsläufig durch ver­schie­de­ne Fach­ge­werk­schaf­ten ab­ge­schlos­sen wur­den. So­weit Ent­schei­dun­gen ei­ne ech­te Kon­kur­renz zwi­schen fach­lich de­ckungs­glei­chen Ta­rif­verträgen un­ter­schied­li­cher Ge­werk­schaf­ten be­tra­fen, so stand die Kon­kur­renz im Zu­sam­men­hang mit § 4 Abs. 5 TVG bzw. § 613 a Abs. 1 Satz 3 BGB (Bay­reu­ther NZA 2007, 187, 188).
Kon­kret lässt sich aber fest­stel­len, dass das BAG bis­her noch nicht über ei­nen Fall zu ent­schei­den hat­te, wo der Ar­beit­ge­ber auf­grund pri­vat­au­to­no­men Wil­lens­ent­schlus­ses an zwei Ta­rif­verträge mit un­ter­schied­li­chen Ge­werk­schaf­ten ge­bun­den war (ge­willkürte Ta­rif­kon­kur­renz).

b) Es spricht al­ler­dings ei­ni­ges dafür, dass das BAG auch den vor­ge­nann­ten Fall kon­kur­rie­ren­der Ta­rif­verträge nach dem Prin­zip der Ta­rif­ein­heit lösen würde. In der Ent­schei­dung (BAG 05.09.1990 – 4 AZR 59/90 – AP Nr. 19 zu § 4 TVG Ta­rif­kon­kur­renz) stellt es nämlich fest, dass es we­gen der Ta­rif­bin­dung des Ar­beit­ge­bers an zwei ver­schie­de­ne Ta­rif­verträge kon­kur­rie­ren­der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht aus­ge­schlos­sen ist, dass we­gen der Ta­rif­bin­dung an­de­rer Ar­beit­neh­mer an den kon­kur­rie­ren­den Ta­rif­ver­trag dann meh­re­re mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren­de Ta­rif­verträge im sel­ben Be­trieb gleich­zei­tig An­wen­dung fin­den müss­ten. Dies wi­derspräche dem Prin­zip der Ta­rif­ein­heit, nach dem in ei­nem Be­trieb nur die Ta­rif­verträge ei­ner Bran­che An­wen­dung fin­den sol­len und die maßge­ben­de Bran­che nach dem über­wie-


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gen­den Be­triebs­zweck be­stimmt wird. Ob man die­ser Aus­sa­ge aber ei­ne der­ar­ti­ge apo­dik­ti­sche Wir­kung für al­le Fälle der Ta­rifp­lu­ra­lität zu­mes­sen muss, ist in­des frag­lich (vgl. Bay­reu­ther NZA 2006, 643).

4. Würde man der Recht­spre­chung des BAG die Wir­kung bei­mes­sen, die die Kri­ti­ker der Ta­rif­ein­heit und die Verfügungskläger an­neh­men, so würde dies im Aus­gangs­fall be­deu­ten, dass ein Ta­rif­ver­trag, der nur für Fahr­per­so­nal/Lokführer bei den Verfügungsklägern gel­ten soll, in Be­zug zu ei­nem kon­kur­rie­ren­den Ta­rif-ver­trag, der für al­le Beschäftig­ten der Bahn, ein­sch­ließlich Fahr­per­so­nal/Lokführer ab­ge­schlos­sen wur­de, auch dann, wenn ers­te­rer die Ar­beits­be­din­gun­gen der Ar­beit­neh­mer des Fahr­per­so­nals und der Lokführer ge­ra­de spe­zi­el­ler re­gelt, von dem um­fas­sen­de­ren Ta­rif­ver­trag im­mer ver­drängt wer­den würde. Denn der hier „spe­zi­el­le­re“ Ta­rif­ver­trag würde ei­ne ta­rif­li­che Ord­nung nicht für den Be­trieb ins­ge­samt zur Verfügung stel­len. Im Er­geb­nis würde sich ei­ne sol­che Aus­le­gung zur Ta­rif­ein­heit ins­be­son­de­re ge­gen Spe­zia­lis­ten- oder Spar­ten­ta­rif­verträge rich­ten (Grei­ner aaO; Buch­ner, BB 2003, 2121, 2124; Rieb­le, BB 2003, 1227, 1228). Dies lässt sich aber mit dem grund­ge­setz­lich geschütz­ten Recht der Ko­ali­tio­nen nach Art. 9 Abs. 3 GG nicht ver­ein­ba­ren. Ei­ne sol­che An­wen­dung des Be­griffs der Ta­rif­ein­heit würde in be­denk­li­cher Wei­se in die Ko­ali­ti­ons­frei­heit als sol­che ein­grei­fen.

5. Das Grund­recht des Art. 9 Abs. 3 GG be­schränkt sich nicht nur auf die Frei­heit des Ein­zel­nen, ei­ne der­ar­ti­ge Ver­ei­ni­gung zu gründen, ihr bei­zu­tre­ten oder fern­zu­blei­ben oder sie zu ver­las­sen. Es schützt eben­so die Ko­ali­ti­on sel­ber in ih­rem Be­stand, ih­rer or­ga­ni­sa­to­ri­schen Aus­ge­stal­tung und ih­rer Betäti­gung, so­weit die­se ge­ra­de in der Wah­rung und Förde­rung der Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen be­steht (BVerfG 26.06.1991 – 1 BvR 779/85 – BVerfGE 84, 212). Würde man je­de Kon­kur­renz von Ta­rif­verträgen dem Grund­satz der Ta­rif­ein­heit un­ter­stel­len, so würde dies da­zu führen, dass die sog. po­si­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit der Mit­glie­der ei­ner Ta­rif­ver­trags­par­tei, de­ren Ta­rif­verträge ver­drängt wer­den, in un­zulässi­ger Wei­se ein­ge­schränkt wird. Wol­len sie sich nicht als Un­or­ga­ni­sier­te be­han­deln las­sen, wären sie ge­zwun­gen, der Ta­rif­ver­trags­par­tei bei­zu­tre­ten, de­ren Ta­rif­ver­trag den ih­ren ver­drängt hat. Letzt­lich wer­den sie so um die in ih­rem Ta­rif­ver­trag erkämpf­ten Er-
 


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geb­nis­se ge­bracht (Däubler/Zwan­zi­ger aaO Rnr. 947). Kei­ne Lösung des Kon­flikts um die Ko­ali­ti­ons­frei­heit stellt auch die Möglich­keit dar, dass kon­kur­rie­ren­de Ge­werk­schaf­ten iden­ti­sche Ta­rif­verträge mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te ab­sch­ließen können.

6. Die strik­te An­wen­dung des Prin­zips der Ta­rif­ein­heit geht zu­dem an der Rea­lität vor­bei.

a) Das Sys­tem des Ta­rif­rechts und des da­mit kor­re­spon­die­ren­den Ar­beits­kampf­rechts ist letzt­lich auf das In­dus­trie­ver­bands­prin­zip aus­ge­rich­tet und geht von star­ken mit so­zia­ler und ge­samt­wirt­schaft­li­cher Ver­ant­wor­tung han­deln­den mäch­ti­gen DGB-Ge­werk­schaf­ten aus (Grei­ner, NZA 2007, 1023). Die Ge­werk­schafts­sei­te hat den Grund­satz der Ta­rif­ein­heit im Sinn von „ein Be­trieb – ei­ne Ge­werk­schaft“ auch lan­ge hoch­ge­hal­ten. In­so­weit hat die­ser Grund­satz auch in der Sat­zung des DGB sei­nen ent­spre­chen­den Nie­der­schlag ge­fun­den. So sieht § 16 der DGB-Sat­zung zur Durch­set­zung des Grund­sat­zes die Möglich­keit ei­nes Schieds­ge­richts vor, um die Zuständig­keit mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren­der DGB-Ge­werk­schaf­ten klären zu können. Selbst kon­kur­rie­ren­de Ge­werk­schaf­ten ha­ben sich zur Durch­set­zung von ge­mein­sa­men Zie­len und zur Erhöhung ih­rer Kampf­kraft zu Ta­rif­ge­mein­schaf­ten zu­sam­men­ge­schlos­sen. So ge­sche­hen auch bei der Bahn, wo die TRANS­NET, die GDBA so­wie die GDL bis zum Jah­re 2005 iden­ti­schen Ta­rif­verträge für ih­re je­wei­li­gen Mit­glie­der ab­ge­schlos­sen ha­ben.

b) In den letz­ten Jah­ren hat sich aber Streit ent­wi­ckelt, be­dingt durch die Fu­si­on von Ein­zel­ge­werk­schaf­ten zu ver.di, das Ne­ben­ein­an­der von DGB-Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten ei­ner­seits und von CGB-Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten an­de­rer­seits so­wie die Bil­dung von klei­nen Spe­zia­lis­ten- und Spar­ten­ge­werk­schaf­ten.

7. Nach Mei­nung der Kam­mer muss es prin­zi­pi­ell möglich sein, dass in ei­nem Be­trieb Ta­rif­verträge von kon­kur­rie­ren­der Ge­werk­schaft, für ih­re je­wei­li­gen Mit­glie­der zur An­wen­dung kom­men.
 



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a) Wenn die Recht­spre­chung das Ne­ben­ein­an­der meh­re­rer kon­kur­rie­ren­der Ge­werk­schaf­ten in ei­nem Be­trieb als Rea­lität an­sieht, dann muss sie kon­se­quen­ter-wei­se auch die ge­werk­schaft­li­che Betäti­gung in Form des Ab­schlus­ses von Ta­rif­verträgen für ih­re Mit­glie­der ak­zep­tie­ren und darf die An­wend­bar­keit der Ta­rif­verträge nicht am Prin­zip der Ta­rif­ein­heit schei­tern las­sen. Dies wäre mit der durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­ten Ko­ali­ti­ons­frei­heit ge­nau­so un­ver­ein­bar, wie wenn man die Ta­rifp­lu­ra­lität da­durch zu ver­mei­den ver­such­te, in dem ei­ner kon­kur­rie­ren­den Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung die Ge­werk­schafts­ei­gen­schaft ab­ge­spro­chen wird (BAG 14.12.2004 – 1 ABR 51/03 – NZA 2005, 697).
So­weit da­durch Pro­ble­me ent­ste­hen, die sich ins­be­son­de­re in Be­zug auf das Be­trVG oder von Ver­wei­sungs­klau­seln in Ar­beits­verträgen er­ge­ben, wird die Recht­spre­chung ent­spre­chen­de Lösun­gen fin­den. In die­sem einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren ist es je­den­falls nicht Auf­ga­be der Kam­mer, die­se Auf­ga­be zu über­neh­men.

b) In die­sem Zu­sam­men­hang kann auch nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Ta­rifp­lu­ra­lität als sol­che schon ei­ne Ge­fahr für die Funk­ti­onsfähig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie dar­stellt.
So wird in die­sem Zu­sam­men­hang an­geführt, die Ta­rifp­lu­ra­lität ber­ge die Ge­fahr ei­nes „ver­wir­ren­den Ge­wim­mels“ von Ta­rif­verträgen (Ha­nau NZA 2003, 128) und führe zu ei­ner „Bal­ka­ni­sie­rung der Un­ter­neh­mens­land­schaft“ (Bay­reu­ther BB 2005, 2641). Kla­re, durch­schau­ba­re und ein­heit­li­che Ta­rif­struk­tu­ren durch Ta­rif­ein­heit im Be­trieb sei­en ver­fas­sungs­recht­lich höher ein­zuschätzen als die ta­rif­recht­li­che Ab­si­che­rung je­des Ar­beit­neh­mers durch „sei­nen“ Ta­rif­ver­trag. Bei Zu­las­sung von Ta­rifp­lu­ra­lität dro­he ein „Über­bie­tungs­wett­be­werb“ um bes­se­re Ar­beits­be­din­gun­gen. Kei­ne Ge­werk­schaft wol­le die ers­te mit ei­nem Ta­rif­ab­schluss sein (Mey­er, DB 2006, 1271; Hromad­ka GS für Hein­ze, 2005, 388). Zunächst sei der Ab­schluss der Kon­kur­renz ab­zu­war­ten, um die­sen dann mit dem ei­ge­nen Ta­rif über­trump­fen zu können. Außer­dem be­ste­he bei Ta­rifp­lu­ra­lität für den Ar­beit­ge­ber ein erhöhtes Ar­beits­kamp­f­ri­si­ko, denn we­gen un­ter­schied­li­cher Lauf­zei­ten von Ta­rif­verträgen ver­schie­de­ner Ge­werk­schaf­ten dro­he dem Ar­beit­ge­ber ein Zu­stand per­ma­nen­ter Ta­rif­ver­hand­lun­gen und fortwähren­der Ar­beitskämp­fe (Mey­er, NZA 2006, 1390).
 

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c) Da­bei muss aber be­dacht wer­den, dass auch die Ko­ali­ti­ons­frei­heit ver­fas­sungs­im­ma­nen­ten Schran­ken un­ter­liegt. Ein­grif­fe in sie können auf­grund von kol­li­die­ren­den Grund­rech­ten Drit­ter oder an­de­rer mit Ver­fas­sungs­rang aus­ge­stat­te­ten Rechtsgütern ge­recht­fer­tigt sein, wenn die Ein­grif­fe ih­rer­seits verhält­nismäßig sind. Das be­deu­tet, dass der Ein­griff in das ei­ne Grund­recht durch das an­de­re Grund­recht ge­eig­net, er­for­der­lich und an­ge­mes­sen sein muss.
Da­von aus­ge­hend, stellt sich der Ein­griff in die Ko­ali­ti­ons­frei­heit durch das Prin­zip der Ta­rif­ein­heit im Be­trieb je­den­falls nicht als an­ge­mes­sen dar. Denn der mas­si­ve Ein­griff be­wirkt, dass das wich­tigs­te Recht, das Art. 9 Abs. 3 GG gewährt, nämlich ei­ge­ne Ta­rif­verträge zur Gel­tung zu brin­gen bzw. für die Ge­werk­schafts­mit­glie­der das Recht, die von der ei­ge­nen Ge­werk­schaft aus­ge­han­del­ten ta­rif­li­chen Ar­beits­be­din­gun­gen in An­spruch zu neh­men, entfällt. Die­sem mas­si­ven Grund­rechts­ein­griff ste­hen ge­genüber die In­ter­es­sen der Ar­beit­ge­ber­sei­te, möglichst nur mit ei­ner Ge­werk­schaft über Ta­rif­verträge zu ver­han­deln und ge­ge­be­nen­falls Ar­beitskämp­fe führen zu müssen, so­wie der Wunsch der eta­blier­ten Ge­werk­schaf­ten, kei­ne Mit­glie­der an Kon­kur­renz­or­ga­ni­sa­tio­nen zu ver­lie­ren. Die­se Zie­le wie­gen aber nicht schwe­rer als die Aus­schal­tung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges durch die Ta­rif­ein­heit im Be­trieb.
Letzt­lich kann es aber da­hin­ste­hen, ob das Prin­zip der Ta­rif­ein­heit gänz­lich auf­ge­ge­ben wer­den muss, um Kon­kur­renz­pro­ble­me wie im Aus­gangs­fall zu lösen.

8. Die Ko­ali­ti­ons­frei­heit gilt gemäß Art. 9 Abs. 3 GG für je­der­mann und für al­le Be­ru­fe (BVerfG 26.06.1991 – 1 BvR 779/85 – BVerfGE 84, 212).

a) Dar­aus folgt, dass Ge­werk­schaf­ten das Recht zu­steht, nur für be­stimm­te Be­ru­fe oder Spar­ten als Ko­ali­ti­on auf­zu­tre­ten. Zur Ko­ali­ti­ons­frei­heit nach Art. 9 Abs. 3 GG gehört als ko­ali­ti­onsmäßige Betäti­gung auch der Ab­schluss von Ta­rif­verträgen und Ar­beits­kampf­maßnah­men zu de­ren Er­zwin­gung (BVerfG 10.09.2004 – 1 BvR 1191/03 – NZA 2004, 1338).

b) Aber selbst wenn man an den Grundsätzen der strik­ten Ta­rif­ein­heit festhält,
 


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ge stets durch all­ge­mei­ne­re, al­le Ar­beit­neh­mer ei­nes Be­trie­bes er­fas­sen­de Ta­rif­verträge ver­drängt wer­den.

(1) In die­sem Sin­ne muss auch die Ent­schei­dung des BAG (Be­schluss vom 14.12.2004 – 1 ABR 51/03 – NZA 2005, 697) als Bestäti­gung der Rech­te von Min­der­heits- oder Spar­ten­ge­werk­schaf­ten ge­se­hen wer­den. Zur Ta­riffähig­keit ei­ner Ge­werk­schaft führt das BAG aus: Im Hin­blick auf die Durch­set­zungs­kraft ei­ner Min­der­heits- oder Spar­ten­ge­werk­schaft kann sich selbst bei ei­ner nur klei­nen Zahl von Mit­glie­dern die Möglich­keit, emp­find­li­chen Druck auf den so­zia­len Ge­gen­spie­ler aus­zuüben, dar­aus er­ge­ben, dass es sich bei den or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern um Spe­zia­lis­ten in Schlüssel­stel­lun­gen han­delt, die von der Ar­beit­ge­ber­sei­te im Fal­le ei­nes Ar­beits­kampfs kurz­fris­tig über­haupt nicht oder nur schwer er­setzt wer­den können. Dem kann nicht ent­ge­gen ge­hal­ten wer­den, durch die An­er­ken­nung „klei­ner“ Ge­werk­schaf­ten sei die den Ta­rif­part­nern ob­lie­gen­de sinn­vol­le Ord­nung des Ar­beits­le­bens gefähr­det. Viel­mehr ist auf Grund der durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­ten Ko­ali­ti­ons­frei­heit je­de Ge­werk­schaft be­rech­tigt, für sich zu ent­schei­den, für wel­che Ar­beit­neh­mer und in wel­chem Wirt­schafts­be­reich sie tätig wer­den will. Der von der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­te Grund­satz der Ta­rif­ein­heit steht aber dem Ne­ben­ein­an­der meh­re­rer kon­kur­rie­ren­der Ge­werk­schaf­ten nicht ent­ge­gen. Viel­mehr setzt er Ta­rifp­lu­ra­lität, al­so den Ab­schluss meh­re­rer Ta­rif­verträge über den­sel­ben Re­ge­lungs­ge­gen­stand, ge­ra­de vor­aus. Dem­ent­spre­chend ist es ei­ner Ko­ali­ti­on un­be­nom­men, sich um den Ab­schluss ei­nes spe­zi­el­le­ren, ei­nen kon­kur­rie­ren­den Ta­rif­ver­trag ver­drängen­den Ta­rif­ver­trags zu bemühen. Ta­rifp­lu­ra­lität kann da­ge­gen nicht da­durch ver­mie­den wer­den, dass ei­ner kon­kur­rie­ren­den Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung die Ge­werk­schafts­ei­gen­schaft ab­ge­spro­chen wird. Dies wäre mit der durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­ten Ko­ali­ti­ons­frei­heit un­ver­ein­bart (BAG aaO).

(2) Die vor­ste­hen­de Ent­schei­dung ist zwar we­der im Zu­sam­men­hang mit dem Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges er­gan­gen, noch muss­te über die Zulässig­keit von Ar­beits­kampf­mit­teln ent­schie­den wer­den. Sie stellt nicht ein­mal das Prin­zip der Ta­rif­ein­heit grundsätz­lich in Fra­ge. Wenn sie aber ei­ner Ge­werk­schaft das Recht ein-räumt zu ent­schei­den, für wel­che Ar­beit­neh­mer sie tätig sein will und auch „klei­nen“

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Ge­werk­schaf­ten, so­fern sie die nöti­ge Durch­schlags­kraft auf­wei­sen, das prin­zi­pi­el­le Recht einräumt in Kon­kur­renz zu an­de­ren Ge­werk­schaf­ten auf­zu­tre­ten und sich um den Ab­schluss ei­nes spe­zi­el­len Ta­rif­ver­trags zu bemühen, der ei­nen kon­kur­rie­ren¬den Ta­rif­ver­trag ver­drängt, so kann dies nur be­deu­ten, dass eben auch der Spe­zia­lis­ten- oder Spar­ten­ta­rif­ver­trag, je­den­falls für die von sei­nem Gel­tungs­be­reich er­fass­ten Ar­beit­neh­mer, der spe­zi­el­le­re und sachnähe­re sein kann. Die Ta­rif­ein­heit be­zieht sich so­mit nicht mehr auf den Be­trieb als gan­zen, son­dern auf die je­wei­li­gen vom Gel­tungs­be­reich ei­nes Ta­rif­ver­trags er­fass­ten Ar­beits­verhält­nis­se. Nur so lässt sich auch der Hin­weis ver­ste­hen, Ta­rifp­lu­ra­lität set­ze ge­ra­de den Ab­schluss meh­re­rer Ta­rif­verträge über den­sel­ben Re­ge­lungs­ge­gen­stand vor­aus. Würde man ei­ne an­de­re Be­trach­tungs­wei­se an­stel­len, dann könn­te ein Spe­zia­lis­ten- oder Spar­ten­ta­rif­ver­trag der von ei­ner klei­nen, aber schlag­kräfti­gen Ge­werk­schaft erstrit­ten wur­de, ei­nen an­de­ren, al­le Ar­beits­verhält­nis­se er­fas­sen­den Ta­rif­ver­trag, nicht ver­drängen. Dann wäre es auch nicht er­for­der­lich, zunächst kon­kur­rie­ren­de Ta­rif­verträge ab­sch­ließen zu las­sen, um dann fest­zu­stel­len, der Spe­zia­lis­ten- oder Spar­ten­ta­rif­ver­trag fin­de so­wie­so we­gen der Ta­rif­ein­heit kei­ne An­wen­dung.

(3) In die­se Rich­tung ten­diert auch jüngst das LAG Rhein­land-Pfalz (Ur­teil vom 14.06.2007 – 11 Sa 208/07 – DB 2007, 2432), wenn es da­von aus­geht, dass die An­er­ken­nung von Spar­ten­ge­werk­schaf­ten be­zo­gen auf Be­rufs­spar­ten ei­ner grundsätz­li­chen Ver­drängung von Spar­ten­ta­rif­verträgen durch im fach­li­chen/persönli­chen An­wen­dungs­be­reich brei­te­ren Ta­rif­verträgen ent­ge­gen­steht.


(4) Auch das Hes­si­sche LAG (Ur­teil vom 02.05.2003 – 9 Sa­Ga 637/03) stellt dar­auf ab, dass die Ta­rif­ein­heit nicht dem Betäti­gungs­recht kon­kur­rie­ren­der Ge­werk­schaf­ten in ei­nem Be­trieb ent­ge­gen­steht und, dass sich die Lösung des Pro­blems kon­kur­rie­ren­der Ta­rif­verträge erst dann stellt, wenn sol­che Ta­rif­verträge ab­ge­schlos­sen wur­den. Der Kern­be­reich des In­sti­tuts der Ta­rif­ver­trags­frei­heit wer­de ver­letzt, wenn ei­ner Ge­werk­schaft, der ei­ne Ta­riffähig­keit zu­kommt, durch Vor­ver­la­ge­rung ei­ner (ge­richt­li­chen) Über­prüfung ei­nes Ta­rif­vor­rangs ei­nes be­reits exis­tie­ren­den Ta­rif­ver­tra­ges in­ner­halb der Rechtmäßig­keitsprüfung ei­nes an­gekündig­ten Streiks, die for­mel­le Kom­pe­tenz, über­haupt Ta­rif­nor­men zu set­zen, ge­nom­men


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wird. Wel­chen In­halt ein Ta­rif­ver­trag im Rah­men von Ar­beits­kampf­maßnah­men letzt­end­lich erhält, las­se sich aber erst nach dem Ta­rif­ab­schluss be­stim­men (Hes­si­sches LAG aaO).

c) Selbst wenn man nicht da­von aus­ge­hen soll­te, dass in ei­nem Be­trieb kon­kur­rie­ren­de Ta­rif­verträge An­wen­dung fin­den können und am Prin­zip der Ta­rif­ein­heit festhält, so lässt sich im Aus­gangs­fall der­zeit (noch) nicht fest­stel­len, ob der von der GDL an­ge­streb­te Ta­rif­ver­trag für Fahr­per­so­nal/Lokführer ge­genüber den Ta­rif­verträgen mit der TG TRANSET/GDBA, was die Ar­beits­verhält­nis­se von Fahr­per­so­nal/Lokführer be­trifft, der spe­zi­el­le­re sein wird oder nicht. Das hängt letzt­lich von sei­nem ge­nau­en In­halt ab, über den die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en (ge­ra­de) strei­ten. Würde der Verfügungs­be­klag­ten zum jet­zi­gen Zeit­punkt das Ar­beits­kampf­mit­tel des Streiks un­ter­sagt, wäre es ihr aber ver­sperrt, ei­nen spe­zi­el­le­ren Ta­rif­ver­trag über­haupt zu er­rei­chen.

V.

Dem mit dem Ar­beits­kampf ver­folg­ten Ziel auf Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges steht auch nicht ei­ne gestörte Ta­rif­pa­rität sei­tens der Verfügungskläger ent­ge­gen.

1. Ein funk­tio­nie­ren­des Ta­rif­ver­trags­sys­tem setzt annähernd gleich­ge­wich­ti­ge Ver­hand­lungs­chan­cen der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en vor­aus. Die Aus­ge­stal­tung des Ar­beits­kampf­rechts hat des­halb zu gewähr­leis­ten, dass kei­ne Ta­rif­ver­trags­par­tei der an­de­ren von vorn­her­ein ih­ren Wil­len auf­zwin­gen kann (BAG 12.09.1984 – 1 AZR 342/83 – BA­GE 46, 322; BAG 10.07.1980 – 1 AZR 822/79 – BA­GE 33, 140).

a) Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts sind in­so­weit die rea­len Kräfte­verhält­nis­se maßge­bend, oh­ne dass al­le Be­son­der­hei­ten des Ar­beits­kamp­fes berück­sich­tigt wer­den müss­ten. Der Grund­satz der Pa­rität kann nur Kri­te­ri­en er­fas­sen, die ei­ner ty­pi­sie­ren­den Be­trach­tung zugäng­lich sind. Si­tua­ti­ons­be­ding­te Vor­tei­le blei­ben not­wen­di­ger­wei­se un­berück­sich­tigt (BAG 10.06.1980 – 1 AZR 822/79 – BA­GE 33, 140; BVerfG 26.06.1991 – 1 BvR 779/85 – BVerfGE 84,


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212). Die Pa­rität der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en im Ar­beits­kampf setzt ih­re Ab­wehrfähig­keit vor­aus. Die­se darf durch den Ar­beits­kampf nicht grund­le­gend be­ein­träch­tigt wer­den (BAG 24.04.2007 – 1 AZR 252/06 – NZA 2007, 987).

b) Kon­kre­te Maßstäbe, nach de­nen das Kräfte­gleich­ge­wicht der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en be­ur­teilt wer­den könn­te, las­sen sich Art. 9 Abs. 3 GG nicht ent­neh­men. Die Kampfstärke von Ko­ali­tio­nen hängt von ei­ner im Ein­zel­nen kaum über­schau­ba­ren Fülle von Fak­to­ren ab, die in ih­ren Wir­kun­gen schwer abschätz­bar sind (vgl. BVerfG 04.07.1995 – 1 BvF 2/86 u. a. – BVerfGE 92, 365). Die Vor­ga­be, möglichst für Pa­rität zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu sor­gen, genügt da­her als Hand­lungs­an­wei­sung für die kon­kre­te ge­richt­li­che Aus­ge­stal­tung des Ar­beits­kampf­rechts al­lein in der Re­gel nicht. Es be­zeich­net aber zu­min­dest ei­ne Gren­ze, die bei der ge­richt­li­chen Aus­ge­stal­tung nicht über­schrit­ten wer­den darf. Durch die­se darf die Pa­rität, de­ren Be­wah­rung oder Her­stel­lung sie ge­ra­de die­nen soll, nicht be­sei­tigt und ein vor­han­de­nes Gleich­ge­wicht der Kräfte nicht gestört oder ein Un­gleich­ge­wicht verstärkt wer­den (vgl. BVerfG 04.07.1995 aaO).

2. Den Vergütungs­klägern ist zu­zu­ge­ben, dass bei Auf­ga­be des Prin­zips der Ta­rif­ein­heit oder bei den ef­fi­zi­en­ten Streik­mo­del­len von Spar­ten- und Spe­zia­lis­ten­ge­werk­schaf­ten (Grei­ner aaO) auch die Ar­beits­kampf­pa­rität si­cher­ge­stellt wer­den muss. We­ni­ger dann, wenn ei­ne gleich mäch­ti­ge kon­kur­rie­ren­de Ge­werk­schaft zum Ar­beits­kampf auf­ruft, son­dern vor al­lem dann, wenn ei­ne klei­ne­re Spar­ten­ge­werk­schaft de­ren Mit­glie­der Schlüssel­po­si­tio­nen in­ne­ha­ben, ei­nen Be­trieb be­strei­ken, stellt sich die Fra­ge, wel­che Ab­wehrmöglich­kei­ten oder Ar­beits­kampf­mit­tel der Ar­beit­ge­ber­sei­te zur Verfügung ste­hen. Hin­sicht­lich denk­ba­rer Lösungsmöglich­kei­ten kann in­so­weit auf die Ausführun­gen von Grei­ner (NZA 2007, 1026 – 1028) Be­zug ge­nom­men wer­den.

a) Im Zu­sam­men­hang mit der An­er­ken­nung ei­ner klei­nen Ge­werk­schaft und im Rah­men der Prüfung de­ren Durch­schlags­kraft weist das BAG (14.12.2004 – 1 ABR 51/03 – NZA 2005, 697) dar­auf hin, bei ei­ner nur klei­nen Zahl von Mit­glie­dern könne sich die Möglich­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung, emp­find­li­chen Druck auf
 


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den so­zia­len Ge­gen­spie­ler aus­zuüben, auch dar­aus er­ge­ben, dass es sich bei den or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern um Spe­zia­lis­ten in Schlüssel­stel­lun­gen han­delt, die von der Ar­beit­ge­ber­sei­te im Fal­le ei­nes Ar­beits­kamp­fes kurz­fris­tig über­haupt nicht oder nur schwer er­setzt wer­den können. Es hat dar­in aber nicht schon ei­ne Gefähr­dung der den Ta­rif­part­nern ob­lie­gen­den sinn­vol­len Ord­nung des Ar­beits­le­bens ge­se­hen. Viel­mehr hat es der „klei­nen“ Ge­werk­schaft ge­ra­de zu­ge­bil­ligt, auf Grund der durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­ten Ko­ali­ti­ons­frei­heit für sich zu ent­schei­den, für wel­che Ar­beit­neh­mer und in wel­chem Wirt­schafts­be­reich sie tätig wer­den will. Es hat ei­ner sol­chen Ge­werk­schaft auch das aus­drück­li­che Recht zu­ge­bil­ligt, sich um den Ab­schluss ei­nes spe­zi­el­le­ren, ei­nen so­gar kon­kur­rie­ren­den Ta­rif­ver­trag ver­drängen­den Ta­rif­ver­trags zu bemühen (BAG aaO). Dar­aus lässt sich nur der Schluss zie­hen, dass der Ar­beits­kampf ei­ner klei­nen aber mäch­ti­gen Ge­werk­schaft, de­ren Mit­glie­der Schlüssel­po­si­tio­nen ein­neh­men, nicht schon zu Las­ten der Pa­rität auf Ar­beit­ge­ber­sei­te führt. Dass der Streik zur Exis­tenz­ver­nich­tung der Verfügungskläger führen könn­te, ist nicht ein­mal be­haup­tet wor­den.

b) Würde den Lokführern jeg­li­cher Streik für ei­nen ei­genständi­gen Ta­rif­ver­trag ver­bo­ten, würde dies ge­ra­de nicht zur Her­stel­lung der Pa­rität im Kräfte­verhält­nis, son­dern zur gänz­li­chen Aus­schal­tung des Streik­rechts der Lokführer­ge­werk­schaft führen. Dies würde aber nicht zur Pa­rität in Ver­hand­lung und Ar­beits­kampf, son­dern zum Schutz vor Ver­hand­lung und Ar­beits­kampf führen. Die Her­stel­lung von Pa­rität in der Aus­ge­stal­tung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit der wi­der­strei­ten­den So­zi­al­part­ner kann hier­auf schwer­lich gestützt wer­den (so Thüsing auf S. 31 des von der Verfügungs­be­klag­ten vor­ge­leg­ten Gut­ach­tens).

3. Im Übri­gen stellt sich für die Kam­mer im Rah­men die­ses Ver­fah­rens die Fra­ge nach ei­ner gestörten Kampf­pa­rität (noch) nicht und bleibt letzt­lich oh­ne Ein­fluss auf die ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung. An­ge­merkt sei aber, dass die Verfügungs­be­klag­te bis zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung nur be­fris­te­te und be­grenz­te Ar­beits­kampf­maßnah­men durch­geführt hat im Rah­men ih­rer Ta­rif­au­to­no­mie. In de­ren Ver­lauf hat sich je­den­falls nicht ge­zeigt, dass die Verfügungskläger in ei­ne der­art be­droh­li­che Si­tua­ti­on ge­ra­ten wären, dass nur mit ge­richt­li­cher Hil­fe und zwar durch Ver­bot des
 


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Streiks ei­ne wie auch im­mer ge­ar­te­te Pa­rität hätte wie­der her­ge­stellt wer­den müssen.
Es ist auch nicht er­kenn­bar, dass die Verfügungs­be­klag­te der Ar­beit­ge­ber­sei­te von vorn­her­ein ih­ren Wil­len auf­zwin­gen kann (BAG 10.06.1980 – 1 AZR 822/79 – BA­GE 33, 140). Viel­mehr ha­ben die Verfügungskläger auf den Ar­beits­kampf der Verfügungs­be­klag­ten hin durch den Ein­satz von ver­be­am­te­ten Lokführern und sol­chen von an­de­ren Ge­werk­schaf­ten oder or­ga­ni­sier­ten Kräften ih­ren Geschäfts­be­trieb, wenn auch in ein­ge­schränk­tem Um­fang, auf­recht­er­hal­ten. Sie selbst hat kei­ne Ar­beits­kampf­mit­tel ih­rer­seits er­grif­fen, ja nicht ein­mal be­haup­tet, sol­che er­grei­fen zu wol­len.

Es lässt sich al­ler­dings nicht aus­sch­ließen, dass bei ei­ner Es­ka­la­ti­on des Streiks und der Wir­kungs­lo­sig­keit bis­her an­er­kann­ter Ab­wehr­kampf­mit­teln von den Verfügungsklägern doch noch ei­ne ge­richt­li­che Un­ter­sa­gung in Be­tracht kom­men könn­te.

F.

Der Streik der Verfügungs­be­klag­ten kann auch nicht des­we­gen un­ter­sagt wer­den, weil er un­ter Berück­sich­ti­gung der Ge­mein­wohl­bin­dung of­fen­sicht­lich un­verhält­nismäßig im en­ge­ren Sin­ne und so­mit rechts­wid­rig wäre.

I.

1. Nach der Recht­spre­chung des BVerfG dürf­ten Ar­beitskämp­fe nur ein­ge­lei­tet und durch­geführt wer­den, so­weit sie zur Er­rei­chung rechtmäßiger Kampf­zie­le und des nach­fol­gen­den Ar­beits­frie­dens ge­eig­net und sach­lich er­for­der­lich sind. Auch bei der Durchführung des Ar­beits­kamp­fes selbst, und zwar so­wohl beim Streik als auch bei der Aus­sper­rung, ist der Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit zu be­ach­ten. Die Mit­tel des Ar­beits­kamp­fes dürf­ten ih­rer Art nach nicht über das hin­aus­ge­hen, was zur Durch­set­zung des er­streb­ten Zie­les je­weils er­for­der­lich ist. Der Ar­beits­kampf ist


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des­halb nur rechtmäßig, wenn und so­lan­ge er nach den Re­geln ei­nes fai­ren Kamp­fes geführt wird. Bei ei­ner Verhält­nismäßig­keitsprüfung, die al­ler­dings schon bei den An­griffs­kampf­mit­teln an­setzt, wäre ei­ne ge­richt­li­che Kon­trol­le der Ta­rif­zie­le kaum zu ver­mei­den. Ei­ne sol­che Kon­trol­le wi­derspräche aber dem Grund­ge­dan­ken der Ta­rif­au­to­no­mie (BVerfG 26.06.1991 – 1 BvR 779/85 – BVerfGE 84, 212). Selbst­verständ­lich müssen aber auch die Ge­werk­schaf­ten an­ge­sichts der Be­deu­tung ih­rer Tätig­keit für die ge­sam­te Wirt­schaft und ih­res Ein­flus­ses auf wei­te Be­rei­che des öffent­li­chen Le­bens bei all ih­ren Ak­ti­vitäten das ge­mei­ne Wohl berück­sich­ti­gen (BVerfG 18.12.1974 – 1 BvR 430/65 – BVerfGE 38, 281, 307). Die in Art. 9 Abs. 3 GG ga­ran­tier­te Ko­ali­ti­ons­frei­heit kann, ob­wohl sie oh­ne Ge­set­zes­vor­be­halt gewähr­leis­tet ist, je­den­falls zum Schutz von Ge­mein­wohl­be­lan­gen ein­ge­schränkt wer­den, de­nen glei­cher­maßen ver­fas­sungs­recht­li­cher Rang gebührt (BVerfG 27.04.1999 – 1 BvR 2203/93 – 1 BvR 897/95 – BVerfGE 100, 271 ).

Das BAG de­fi­niert die Verhält­nismäßig­keit im en­ge­ren Sinn (pro­por­tio­nal) als ein Ar­beits­kampf­mit­tel, das sich un­ter hin­rei­chen­der Würdi­gung der grund­recht­lich gewähr­leis­te­ten Betäti­gungs­frei­heit zur Er­rei­chung des an­ge­streb­ten Kampf­ziels un­ter Berück­sich­ti­gung der Rechts­po­si­tio­nen der von der Kampf­maßnah­me un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar Be­trof­fe­nen als an­ge­mes­sen dar­stellt. In­so­weit steht ei­ner Ar­beits­kampf­par­tei kei­ne Einschätzungs­präro­ga­ti­ve zu, geht es doch hier­bei nicht um ei­ne tatsächli­che Einschätzung, son­dern um ei­ne recht­li­che Abwägung. Al­ler­dings ist bei die­ser stets zu be­ach­ten, dass es ge­ra­de das We­sen ei­ner Ar­beits­kampf­maßnah­me ist, durch Zufügung wirt­schaft­li­cher Nach­tei­le Druck zur Er­rei­chung ei­nes le­gi­ti­men Ziels aus­zuüben. Un­verhält­nismäßig ist ein Ar­beits­kampf­mit­tel da­her erst, wenn es sich auch un­ter Berück­sich­ti­gung die­ses Zu­sam­men­hangs als un­an­ge­mes­se­ne Be­ein­träch­ti­gung ge­genläufi­ger, eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ter Rechts­po­si­tio­nen dar­stellt (BAG 19.06.2007 – 1 AZR 396/06 – NZA 2007, 1055). Da­bei sind die wirt­schaft­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten zu berück­sich­ti­gen, das Ge­mein­wohl darf nicht of­fen­sicht­lich ver­letzt wer­den (BAG GS 21.04.1971 – GS 1/68 – AP Nr. 43 zu Art. 9 GG Ar­beits­kampf).
In­wie­weit Streiks im Hin­blick auf das Ge­mein­wohl und As­pek­te der Da­seins­vor­sor­ge un­verhält­nismäßig sind, ist bis­her höchst­rich­ter­lich nicht ent­schie­den.

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2. In der Li­te­ra­tur wird die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass ein Ar­beits­kampf im Ex­trem­fall auch we­gen Ver­s­toßes ge­gen das Ge­mein­wohl rechts­miss­bräuch­lich sein kann. In der Re­gel wer­de man sich je­doch mit der Zurück­hal­tung der Kampf­par­tei­en im Hin­blick auf ge­schul­de­te Not­stands­ar­bei­ten be­gnügen müssen (Ot­to, Ar­beits­kampf und Sch­lich­tungs­recht, § 8 Rnr. 71; Thüsing, Gut­ach­ten S. 8). An­de­rer­seits sei die Ge­mein­wohl­bin­dung ei­nes Rechts oder ei­ner Rechts­ausübung durch­aus kein nur dem Ei­gen­tum an­haf­ten­des Phäno­men.
Viel­mehr ge­be die Rechts­ord­nung zahl­rei­che Be­le­ge dafür, dass die In­ter­es­sen­ver­fol­gung des Ein­zel­nen zurück­ste­hen müsse, wenn sie zu un­an­ge­mes­se­nen Nach­tei­len für die All­ge­mein­heit führe (Ha­nau/Thüsing in Thüsing, Ta­rif­au­to­no­mie im Wan­del, 2003, S. 35 ff). Zum Teil wird be­tont, dass ei­ne Be­gren­zung durch den Be­griff des „Ge­mein­wohls“ nur in dem Sin­ne zu ver­ste­hen sei, dass Ko­ali­tio­nen zur Rück­sicht­nah­me ver­pflich­tet wer­den könn­ten, wo sie in un­verhält­nismäßiger Wei­se Drit­t­in­ter­es­sen bzw. Schutzgüter der All­ge­mein­heit gefähr­den oder be­ein­träch­ti­gen (Scholz in Maunz/Dürig/Her­zog, Art. 9 GG, Rnr. 274). So­weit es im Ar­beits­kampf zu ei­nem Grund­rechts­kon­flikt zwi­schen der Ko­ali­ti­ons­frei­heit (Art. 9 Abs. 3 GG) und an­de­ren grundsätz­lich geschütz­ten Rechtsgütern un­be­tei­lig­ter Drit­ter, wie z. B. Le­ben, körper­li­che Un­ver­sehrt­heit, Ei­gen­tum und Be­rufs­frei­heit kom­me, müsse der Kon­flikt im We­ge der prak­ti­schen Grund­rechts­kon­kor­danz gelöst wer­den. Die Be­ein­träch­ti­gung des ei­nen Rechts­guts müsse dem le­gi­ti­men Zweck der Ver­wirk­li­chung des mit ihm kol­li­die­ren­den Grund­rechts die­nen; sie müsse hier­zu ge­eig­net, er­for­der­lich und an­ge­mes­sen sein (vgl. Grei­ner aaO m. w. N.).
Wich­tigs­ter An­wen­dungs­fall der Ge­mein­wohl­schran­ke sei der Be­reich der Da­seins­vor­sor­ge. Le­bens­not­wen­di­ge Be­trie­be könn­ten nicht in glei­cher Wei­se wie die an­de­ren still­ge­legt wer­den. Was zur Da­seins­vor­sor­ge gehört, wird meist in all­ge­mei­nen Wen­dun­gen um­schrie­ben. Es ge­he um die Si­che­rung ei­ner „Min­dest­ver­sor­gung der Bevölke­rung“ oder den „Vor­rang der Wah­rung ele­men­ta­rer Rechtsgüter“ (Ga­mill­scheg, aaO, S. 1176).

3. Was die Aus­wir­kun­gen des Streik­rechts und ih­re Gren­zen bei er­heb­li­cher Be­trof­fen­heit der All­ge­mein­heit im Be­reich der Da­seins­vor­sor­ge be­tref­fen, so wird so u. U. ein Streik­ver­bot für Ärz­te als ge­recht­fer­tigt an­ge­se­hen, wenn es um die
 


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Grund­ver­sor­gung der Kran­ken geht (Scholz in Maunz/Dürig/Her­zog, Art. 9 G G Rnr. 350). Auch dann, wenn le­bens­wich­ti­ge Ver­sor­gungs­be­trie­be, wie Strom, Gas und Was­ser be­trof­fen sind, wer­den Streik­ver­bo­te als zulässig an­er­kannt, auch wenn ei­ne War­nung vor­an­ge­hen soll­te (Zöll­ner/Lo­ritz, Ar­beits­recht, 5. Aufl., 1999, S. 464). Streiks im Be­reich des Ver­kehrs­we­sens sei­en nicht von vorn­her­ein un­zulässig, sie wer­den dies je­doch, wenn kein Aus­wei­chen mehr möglich oder wenn hier­durch sämt­li­che Dienst­leis­tun­gen gänz­lich zum Er­lie­gen kom­men. Mit Blick auf die Grund­ver­sor­gung dürf­te be­son­ders ein Streik im Nah­ver­kehrs­be­reich we­ni­ger da­ge­gen im Güter- und Fern­ver­kehr Aus­wir­kun­gen zei­gen. Hier dürf­te es pro­ble­ma­tisch sein, ak­tiv zu ver­hin­dern, dass Er­satz­diens­te und Er­satz­pläne auf­ge­stellt, durch­geführt und ein Mi­ni­mum an Ver­sor­gung si­cher­ge­stellt wer­den (Ga­mill­scheg aaO, S. 1179). Sch­ließlich kann auch die Dau­er der Streiks im Ein­zel­fall un­verhält­nismäßig sein, wenn dies et­wa in der Kon­se­quenz zu weit rei­chen­den Störun­gen auch an­de­rer Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men führt (Zöll­ner/Lo­ritz, S. 464).
Im Übri­gen setzt die Kri­tik an der Unschärfe des Ge­mein­wohl­be­griffs an. Zu Recht weist Thüsing (S. 7 des Gut­ach­tens) dar­auf hin, dass es ei­ne all­ge­mei­ne recht­lich an­er­kann­te De­fi­ni­ti­on des Ge­mein­wohls für das Ar­beits­recht nicht gibt.

II.

Von vor­ste­hen­den Grundsätzen aus­ge­hend, stellt ein Ar­beits­kampf der Verfügungs­be­klag­ten kei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­ein­träch­ti­gung an­de­rer ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ter Rechts­po­si­tio­nen, ins­be­son­de­re Drit­ter, dar. Je­den­falls ge­hen die Be­ein­träch­ti­gun­gen Drit­ter nicht über das Maß hin­aus, was er­for­der­lich ist, um durch Zufügung wirt­schaft­li­cher Nach­tei­le Druck zur Er­rei­chung ei­nes le­gi­ti­men Ziels aus­zuüben.

1. Mögli­che er­heb­li­che Aus­wir­kun­gen auf die All­ge­mein­heit führen nicht schon zu ei­nem ge­ne­rel­len Ver­bot von Streik­maßnah­men aus Gründen der Verhält­nismäßig­keit. Viel­mehr be­darf die Fra­ge, wann ein Streik bei er­heb­li­cher Be­trof­fen­heit der All­ge­mein­heit als nicht mehr von der Ko­ali­ti­ons­frei­heit ge­deckt an­zu­se­hen ist, ei­ner
 


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Ein­zel­fall­prüfung. Dafür müssen die tatsächli­chen Umstände her­an­ge­zo­gen wer­den. Zu berück­sich­ti­gen sind, ob es dem Streik­geg­ner möglich ist, Er­satz­dienst­leis­tun­gen an­zu­bie­ten, in wel­chem Um­fang tatsächlich Per­so­nen und die All­ge­mein­heit von ei­nem Streik be­trof­fen sind und ob bzw. wel­che Aus­weichmöglich­kei­ten für Be­trof­fe­ne be­ste­hen. Außer­dem ist re­le­vant, wel­che Rechtsgüter be­trof­fen sind (Ga­mill­scheg, aaO § 24 S. 1179).

a) Laut ei­ner of­fi­zi­el­len Zu­sam­men­stel­lung in der Broschüre „Ver­kehr in Zah­len“ (2005/2006), her­aus­ge­ge­ben vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung, vor­ge­legt von der Verfügungs­be­klag­ten­sei­te und im We­sent­li­chen von den Verfügungsklägern nicht be­strit­ten, be­sitzt die Bahn im Per­so­nen­ver­kehr ei­nen An­teil von 3 % des Ge­samt­ver­kehrs­auf­kom­mens (ge­mes­sen an der An­zahl der beförder­ten Per­so­nen pro Ver­kehr­sträger). Das sind 2,071 Mrd. Fahrgäste pro Jahr. Bei der Ver­kehrs­leis­tung (An­zahl der beförder­ten Per­so­nen mul­ti­pli­ziert mit der durch­schnitt­li­chen Beförde­rungs­wei­te) er­gibt sich ein An­teil von 6,6 %. Im Be­rufs­ver­kehr beträgt der An­teil der Ei­sen­bah­nen 4,7 %, im Aus­bil­dungs­ver­kehr 4,5 %, im Geschäfts­ver­kehr 2,3 %, im Frei­zeit­ver­kehr 1,7 % und im Ur­laubs­ver­kehr 6,9 %. Ins­ge­samt wer­den im schie­nen­ge­bun­de­nen Nah­ver­kehr täglich 4,6 Mio. Fahrgäste befördert, wo­bei die Trans­port­mit­tel in beträcht­li­chem Um­fang von Be­rufstäti­gen, Schülern und Stu­den­ten be­nutzt wer­den.
Im Fern­ver­kehr wer­den täglich 320.000 Rei­sen­de befördert. Das ent­spricht ei­nem Markt­an­teil der DB am Fern­rei­se­ver­kehr von 13 %.
Was den Güter­ver­kehr be­trifft, beträgt der An­teil der Ei­sen­bah­nen am Ver­kehrs­auf­kom­men rund 17,2 5 %, wo­bei die DB über ei­nen Markt­an­teil von 14,3 % verfügt. Auf den Straßen­ver­kehr ent­fal­len ca. 70 %, auf die Bin­nen­schiff­fahrt ca. 10 %, der Rest auf sons­ti­ge Ver­kehrs­we­ge. Beim grenzüber­schrei­ten­den Ver­kehr liegt der An­teil der Ei­sen­bah­nen am Ver­kehrs­auf­kom­men bei 10,6 %. Bei den bran­chen­spe­zi­fi­schen Spe­zi­al­trans­por­ten bei ca. 19,4 %. Außer­dem beträgt der Markt­an­teil pri­va­ter Güter­bah­nen in Deutsch­land ca. 15 %.

b) Die Verfügungskläger be­haup­ten, dass der bis­he­ri­ge Streik im Per­so­nen­nah-
 


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Bun­desländern, geführt hat. Die Verfügungskläger be­zif­fern die den Pend­lern an­ge­fal­le­nen Kos­ten für Ta­xis al­lein auf 10 Mio. EUR. Der Ver­kehrs­ver­bund Mit­tel-Sach­sen GmbH ha­be der Re­gio AG außer­dem an­gekündigt, bei künf­ti­gen Streiks, die im Rah­men von Not­fallplänen er­brach­ten Leis­tun­gen nicht mehr ab­zu­neh­men und dem­zu­fol­ge auch kein Be­stel­le­rent­gelt zu zah­len. Es müsse auch da­mit ge­rech­net wer­den, dass bei künf­ti­gen Streiks der Re­gio­nal­ver­kehr in Sach­sen völlig ein­ge­stellt wer­den müsse. Das hätte vor al­lem für Pend­ler, Schüler und Stu­den­ten schwer­wie­gen­de Fol­gen.
Was den Güter­ver­kehr be­trifft, so be­haup­tet die Ar­beit­ge­ber­sei­te, der volks­wirt­schaft­li­che Scha­den be­lau­fe sich pro Streik­tag auf 167 Mio. EUR. Nach spätes­tens zwei Streik­ta­gen wären gra­vie­ren­de Engpässe in den Be­rei­chen Koh­le, Me­tal­le, Che­mie und Fer­tig­tei­le für Fahr­zeug­bau zu er­war­ten, die zwangsläufig zu Werk­stillständen und Kraft­werks­ausfällen führen könn­ten. Ins­be­son­de­re wäre die Stahl­er­zeu­gung in den neu­en Bun­desländern be­trof­fen, Fol­ge wäre ei­ne Gefähr­dung von ca. 15.000 Ar­beitsplätzen. Außer­dem müsse berück­sich­tigt wer­den, dass der um­welt­freund­li­che Schie­nengüter­ver­kehr für vie­le Un­ter­neh­men ein zen­tra­ler Teil ih­res Lo­gis­tik­kon­zep­tes sei­en.
Im Hin­blick auf den Per­so­nen­ver­kehr ha­be be­reits ein mehrstündi­ger Streik die Fol­ge, dass die inländi­schen EC/ICE-Li­ni­en – von Aus­nah­men ab­ge­se­hen – nicht mehr ver­keh­ren könn­ten. Be­reits ge­star­te­te Züge könn­ten ih­re Rei­se nicht fort­set­zen, es entstünden ho­he psy­chi­sche Be­las­tun­gen für die Fahrgäste. Be­son­ders sei auch der in­ter­na­tio­na­le Per­so­nen­fern­ver­kehr be­trof­fen, so wären na­he­zu 80 ausländi­sche Städte di­rekt und ver­tak­tet mit­ein­an­der ver­bun­den.

2. Ab­ge­se­hen da­von, dass die Verfügungskläger ih­re Be­haup­tun­gen nicht glaub­haft ge­macht ha­ben, würde selbst dann, wenn die vor­ste­hen­den An­ga­ben zu­tref­fend wären, kein un­verhält­nismäßiger und so­mit rechts­wid­ri­ger Ar­beits­kampf vor­lie­gen, der die Un­ter­sa­gung von Streiks recht­fer­ti­gen könn­te, denn die Verfügungskläger sind in der La­ge ei­ne Grund­ver­sor­gung der vom Streik Be­trof­fe­nen auf­recht­zu­er­hal­ten.


– Sei­te 50 –

a) Dass der Ar­beits­kampf der Verfügungs­be­klag­ten vor al­lem das Le­ben und die Ge­sund­heit der All­ge­mein­heit als das am stärks­ten geschütz­te Rechts­gut be­ein­träch­ti­gen würde, be­haup­ten selbst die Verfügungskläger nicht. So­weit aus ih­ren Ausführun­gen hin­sicht­lich der Ver­sor­gung von Kraft­wer­ken her­ge­lei­tet wer­den könn­te, dass da­durch die Elek­tri­zitäts­ver­sor­gung er­heb­lich be­ein­träch­tigt wer­den könn­te, so sind die­se An­ga­ben zu va­ge und zu­dem nicht glaub­haft ge­macht.

b) Tatsächlich geht es um den Be­reich der Da­seins­vor­sor­ge in Be­zug auf die Beförde­rung der Bahn­kun­den und die Beförde­rung von Gütern.
Bei Ar­beits­kampf­maßnah­men im Be­reich der Da­seins­vor­sor­ge, wo­zu der Bahn­ver­kehr als sol­cher gehört, muss es zunächst, um ei­ne Grund­ver­sor­gung zu si­chern, ei­nen Not­dienst ge­ben. Denn ein Ar­beits­kampf be­las­tet die All­ge­mein­heit in be­son­de­rem Maße, wenn die aus­fal­len­den Diens­te nicht sub­sti­tu­ier­bar sind. Not­stands­ar­bei­ten sind die Ar­bei­ten, die die Ver­sor­gung der Bevölke­rung mit le­bens­not­wen­di­gen Diens­ten und Gütern während ei­nes Ar­beits­kampfs si­cher­stel­len sol­len (BAG 30.03.1982 – 1 AZR 265/80 – BA­GE 38, 207; BAG 31.01.1995 – 1 AZR 142/94 – BA­GE 79, 152). Würde man den Ar­beits­kampf gänz­lich ver­bie­ten, so würde ge­ra­de nicht die Auf­recht­er­hal­tung ei­nes Be­triebs im Min­dest­maß, son­dern ei­ne Voll­ver­sor­gung im Bahn­ver­kehr vor­lie­gen (Thüsing, Gut­ach­ten S. 10).

c) Im Aus­gangs­fall hat das Ar­beits­ge­richt we­der beim Per­so­nen­nah-, noch beim Per­so­nen­fern- und Güter­ver­kehr Fest­stel­lun­gen da­hin­ge­hend ge­trof­fen, ob es den Verfügungsklägern zunächst möglich ist, ein Min­dest­maß an Ver­sor­gung im Güter¬und Per­so­nen­ver­kehr auf­recht­zu­er­hal­ten.
Tat­sa­che ist aber, dass bei den Verfügungsklägern ne­ben den Lokführern der GDL ei­ne große Zahl von Lokführern beschäftigt ist, die ent­we­der Be­am­te oder An­gehöri­ge der TG TRANS­NET/GDBA sind. Sie be­tei­li­gen sich nicht am Ar­beits­kampf. Da­her be­ste­hen für die Be­ru­fungs­kam­mer kei­ne Zwei­fel dar­an, dass die Verfügungskläger mit den vor­ge­nann­ten Lokführern ei­nen ein­ge­schränk­ten Fahr­be­trieb im Sin­ne ei­nes Min­dest­maßes an Ver­sor­gung auf­recht­er­hal­ten können.
Letzt­lich ge­ben die Verfügungskläger selbst zu, wenn im Schrift­satz vom 01.11.2007 dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass die Fol­gen des Streiks im Nah­ver­kehr


– Sei­te 51 –

vor al­lem die neu­en Bun­desländer ge­trof­fen hat, weil dort nur we­ni­ge Be­am­te zur Si­cher­stel­lung ei­ner Min­dest­ver­sor­gung zur Verfügung stan­den. In die­sem Zu­sam­men­hang ist auch dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Bun­des­vor­sit­zen­de der Verfügungs­be­klag­ten im Ter­min der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Be­ru­fungs­ge­richt ein Schrei­ben vom 01.11.2007 an den Verfügungs­be­klag­ten zu 3. vor­ge­legt hat, aus dem sich die Be­reit­schaft der Verfügungs­be­klag­ten er­gibt, ei­nen Not­dienst zu or­ga­ni­sie­ren.
Im Übri­gen ha­ben die Verfügungskläger we­der dar­ge­legt, noch glaub­haft ge­macht, dass ih­nen trotz des Streiks die Ein­rich­tung ei­nes Not­diens­tes nicht möglich ist, um ei­ne Grund­ver­sor­gung der All­ge­mein­heit im Ver­kehrs­be­reich auf­recht­zu­er­hal­ten.

III.

Streiks der Verfügungs­be­klag­ten sind auch nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­ner „un­erträgli­chen Ge­mein­wohl­be­ein­träch­ti­gung“ zu un­ter­sa­gen.

1. Das Ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, dass das Streik­recht dann hin­ter den In­ter­es­sen der All­ge­mein­heit zurück­zu­tre­ten ha­be und schon ei­ne re­le­van­te Ge­mein­wohl­be­ein­träch­ti­gung vor­lie­ge, wenn die Be­lan­ge un­be­tei­lig­ter Drit­ter und der All­ge­mein­heit in un­erträgli­cher Wei­se in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen würden. Ge­nau­er ge­sagt, es müsse ein ge­stei­ger­tes sach­lich ob­jek­ti­ves öffent­lich In­ter­es­se an der Un­ter­las­sung der Streik­maßnah­men vor­han­den sein. Hier ins­be­son­de­re in ei­nem Fall von außer­gewöhn­li­cher Be­deu­tung. In An­be­tracht der Tat­sa­che, dass nicht nur die kon­kre­te Ar­beits­leis­tung Drit­ten ge­genüber un­mit­tel­bar zu er­brin­gen ist, son­dern auf­grund der Ge­ge­ben­hei­ten in Ge­stalt ei­ner eu­ro­pa­wei­ten Ver­net­zung wie zeit­li­chen Ver­zah­nung der Ausführung von bran­chen­spe­zi­fi­schen Spe­zi­al­trans­por­ten, die mit an­de­ren Ver­kehrs­mit­teln nicht möglich wären und ein Aus­wei­chen auf an­de­re An­bie­ter nicht möglich ist, lägen die vor­ste­hen­den Vor­aus­set­zun­gen teil­wei­se vor und des­halb müsse der Ar­beits­kampf ge­ra­de im Per­so­nen­fern- und Güter­ver­kehr un­ter­sagt wer­den.

– Sei­te 52 –

2. Ab­ge­se­hen da­von, dass die­se Auf­fas­sung nicht näher be­gründet wur­de, neigt die Be­ru­fungs­kam­mer da­zu, wenn über­haupt, dann eher da­von aus­zu­ge­hen, dass die Be­ein­träch­ti­gung der All­ge­mein­heit im Per­so­nen­nah­ver­kehr durch Streiks we­sent­li­cher größer ist. Dies schon al­lein un­ter dem Ge­sichts­punkt, dass der schie­nen­ge­bun­de­ne Per­so­nen­nah­ver­kehr, was un­strei­tig ist, von täglich 4, 6 Mio. Fahrgästen ge­nutzt wird, dar­un­ter ei­ner großen Zahl an Schülern, die nicht oh­ne wei­te­res auf an­de­re Ver­kehrs­mit­tel aus­wei­chen können.


a) Was die Un­ter­sa­gung des Streiks im Per­so­nen- und Güter­ver­kehr be­trifft, so muss zunächst be­ach­tet wer­den, dass zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung über die Un­ter­sa­gung von Streik­maßnah­men über die Aus­wir­kun­gen ei­nes Streiks nur Mut­maßun­gen an­ge­stellt wer­den können. Dies be­trifft so­wohl die er­war­te­ten Be­ein­träch­ti­gun­gen ge­genüber Drit­ten, als auch die da­mit ver­bun­de­nen fi­nan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen auf die Volks­wirt­schaft.
Tat­sa­che ist, dass nach den of­fi­zi­el­len An­ga­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ver­kehr, Bau- und Stadt­ent­wick­lung (vgl. „Ver­kehr in Zah­len“), der An­teil der Bahn an der Ge­samt­ver­kehrs­leis­tung im Per­so­nen­ver­kehr le­dig­lich 6,6 % beträgt. Selbst im Nah­ver­kehr beträgt der An­teil am Be­rufs­ver­kehr nur 4,7 % und der am Aus­bil­dungs­ver­kehr nur 4,5 %. Es mag stim­men, dass im schie­nen­ge­bun­de­nen Nah­ver­kehr täglich 4,6 Mio. Fahrgäste befördert wer­den, dass be­deu­tet aber noch lan­ge nicht, dass zu­min­dest ein nicht un­er­heb­li­cher Teil der Fahrgäste im Streik­fall auf an­de­re Ver­kehrs­mit­tel, wie Au­tos, Ta­xen oder Bus­se aus­wei­chen können. Die bis­he­ri­gen Streiks, die bis zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung von der Verfügungs­be­klag­ten durch­geführt wur­den, ha­ben je­den­falls nicht da­zu geführt, dass der Nah­ver­kehr in un­erträgli­cher Wei­se be­trof­fen wur­de. So konn­te, was un­strei­tig ist, auf­grund von Not­fahrplänen zu­min­dest ein be­schränk­ter Fahr­be­trieb auf­recht­er­hal­ten wer­den, wo­bei die Aus­wir­kun­gen des Streiks, be­dingt durch den Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad der Lokführer, re­gio­nal un­ter­schied­lich wa­ren. Da die Verfügungs­be­klag­te die Streiks auch vor­her recht­zei­tig an­gekündigt hat­te, war es den Fahrgästen möglich, recht­zei­tig für ei­ne Er­satz­beförde­rung zu sor­gen. Dass die Verfügungs­be­klag­ten in Zu­kunft oh­ne Vor­ankündi­gung Streiks durch­zuführen be­ab­sich­tigt, ist we­der be­haup­tet noch sonst wie er­sicht­lich.

– Sei­te 53 –


Was den Fern- und Güter­ver­kehr be­trifft, so beträgt der Markt­an­teil der DB am Fern­rei­se­ver­kehr un­strei­tig 13 %, am Güter­ver­kehr 14,3 % und bei bran­chen­spe­zi­fi­schen Spe­zi­al­trans­por­ten ca. 19,4 %. Auch in die­sem Zu­sam­men­hang las­sen sich über die Aus­wir­kun­gen von Streiks nur Mut­maßun­gen an­stel­len. Es ist auch hier in An­be­tracht der Möglich­keit der Verfügungskläger, an­ders or­ga­ni­sier­te Lokführer und Be­am­te ein­zu­set­zen, nicht er­sicht­lich, war­um durch ei­nen Streik der Verfügungs­be­klag­ten die Kun­den der Verfügungskläger in un­erträgli­cher Wei­se in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen würden.
So­weit die Verfügungskläger auf ei­nen ho­hen volks­wirt­schaft­li­chen Scha­den hin-ge­wie­sen ha­ben, so be­haup­ten sie ein­mal der tägli­che Scha­den be­tra­ge bis zu 500 Mio. EUR, an an­de­rer Stel­le bis zu 167 Mio. EUR. Schon die­se Dis­kre­panz zeigt die feh­len­de Aus­sa­ge­kraft, so dass sich ein nähe­res Ein­ge­hen dar­auf erübrigt.


b) So­weit die Verfügungs­be­klag­ten un­ter Be­ru­fung auf das von ih­nen vor­ge­leg­te Gut­ach­ten von Herrn Prof. Hu­fen die Auf­fas­sung ver­tre­ten, aus Art. 87 e Abs. 4 GG er­ge­be sich ei­ne be­son­de­re Ver­pflich­tung der Bahn ge­genüber der All­ge­mein­heit auf Beförde­rung im Güter- und Per­so­nen­fern­ver­kehr, so ist dem nicht zu fol­gen. Art. 87 e Abs. 4 GG be­trifft, den Aus­bau und Er­halt des Schie­nen­net­zes und die Vor­be­hal­tung des be­ste­hen­den Net­zes in ei­nem funk­ti­onsfähi­gen Zu­stand (Gers­dorf in v. Man­goldt/Klei­ne/St­arck, GG, 5. Auf­la­ge, Art. 87 e GG Rn. 63). Der ver­fas­sungs­recht­li­che Gewähr­leis­tungs­auf­trag des Art. 87 e Abs. 4 GG ver­pflich­tet al­lein den Bund. Art. 87 e Abs. 4 GG ent­fal­tet kei­ner­lei ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­re Bin­dun­gen ge­genüber den Ei­sen­bah­nen des Bun­des (Gers­dorf aaO Rnr. 68).

3. So­fern man der Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts in­so­weit den Sinn un­ter­stellt, dass die Streik­for­de­run­gen der GDL in kei­nem Verhält­nis zu den befürch­te­ten Be­ein­träch­ti­gun­gen ste­hen, so kann dem nicht ge­folgt wer­den. Das wi­der­spricht ein­deu­tig der Recht­spre­chung.
Bei ei­ner Verhält­nismäßig­keitsprüfung, die schon bei den An­griffs­kampf­mit­teln an-setz­te, wäre ei­ne ge­richt­li­che Kon­trol­le der Ta­rif­zie­le kaum zu ver­mei­den.
Ei­ne sol­che Kon­trol­le wi­derspräche aber dem Grund­ge­dan­ken der Ta­rif­au­to­no­mie (BVerfG 26.06.1991 – 1 BvR 779/85 – BVerfGE 84, 212). Auch das BAG geht da-


– Sei­te 54 –

von aus, mit der Rechts­kon­trol­le schon des Um­fangs der Streik­for­de­rung würde des­halb ei­ne nur po­ten­ti­el­le Norm in Un­kennt­nis ih­rer späte­ren Kon­kre­ti­sie­rung auf ei­ne mögli­che Grund­rechts­wid­rig­keit über­prüft. Das ist mit der Ko­ali­ti­ons­betäti­gungs­frei­heit der Ge­werk­schaf­ten aus Art. 9 Abs. 3 GG nicht zu ver­ein­ba­ren und wi­derspräche dem Grund­ge­dan­ken der Ta­rif­au­to­no­mie (BAG 24.04.2007 – 1 AZR 252/06 – NZA 2007, 987). Die­se be­steht auch dar­in, selbst über Ar­beits­kampf­mo­da­litäten und –stra­te­gi­en und da­mit u. a. über das als er­for­der­lich an­ge­se­he­ne Maß ei­ner Streik­for­de­rung ent­schei­den zu können. Ih­re Gren­ze liegt dort, wo die Streik­for­de­rung ge­zielt auf die wirt­schaft­li­che Exis­tenz­ver­nich­tung des Geg­ners ge­rich­tet wäre oder wenn sämt­li­che Dienst­leis­tun­gen gänz­lich zum Er­lie­gen kom­men (Ga­mill­scheg aaO Rnr. 1179). Ei­nen der­ar­ti­gen Vor­wurf ma­chen aber selbst die Verfügungskläger der Verfügungs­be­klag­ten nicht.

G.

I.

Der Streik der Verfügungs­be­klag­ten er­scheint aus vor­ste­hen­den Gründen un­ter kei­nem Ge­sichts­punkt als un­verhält­nismäßig und ist da­her auch nicht of­fen­sicht­lich rechts­wid­rig. Da­mit fehlt es an ei­nem Verfügungs­an­spruch.
Da auch kein Ver­s­toß ge­gen die Frie­dens­pflicht fest­ge­stellt wur­de, konn­te auch dem Hilfs­an­trag auf zeit­li­che Un­ter­sa­gung des Streiks nicht ent­spro­chen wer­den. Da schon kein Verfügungs­an­spruch für die be­gehr­te Un­ter­las­sung vor­liegt, be­durf­te es kei­nes Ein­ge­hens auf die Fra­ge des Verfügungs­grun­des.
 


– Sei­te 55 –

II.


Auf die Be­ru­fung der Verfügungs­be­klag­ten war da­her das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Chem­nitz vom 05.10.2007 ab­zuändern, so­weit es dem An­trag der Verfügungskläger statt­ge­ge­ben hat­te und die Kla­ge ins­ge­samt ab­zu­wei­sen. Die Be­ru­fung der Verfügungskläger war da­ge­gen zurück­zu­wei­sen.

Die Verfügungskläger tra­gen die Kos­ten des Rechts­streits, § 91 Abs. 1 ZPO. Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben, § 72 Abs. 4 ArbGG.


gez. Le­schnig, Vor­sit­zen­der Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt

 

gez. Preßer eh­ren­amt­li­cher Rich­te­rin

 

gez. Lip­ski eh­ren­amt­li­che Rich­ter

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