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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Tarifvertrag, Betriebsrat
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 4 ABR 8/08
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 01.07.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hagen (Westfalen) 3. Kammer, 22. Februar 2007, Az: 3 BV 68/06, Beschluss Landesarbeitsgericht Hamm (Westfalen) 13. Kammer, 9. November 2007, Az: 13 TaBV 48/07, Beschluss
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

4 ABR 8/08
13 TaBV 48/07
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Hamm

 

Im Na­men des Vol­kes!

 

Verkündet am

1. Ju­li 2009

BESCHLUSS

Frei­tag, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In dem Be­schluss­ver­fah­ren

mit den Be­tei­lig­ten


1.

An­trag­stel­ler, Be­schwer­deführer und Rechts­be­schwer­deführer,

2. 


hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 1. Ju­li 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Be­p­ler, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Creutz­feldt und Dr. Tre­ber so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Dierßen und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Grimm für Recht er­kannt:
 


- 2 -

Die Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­rats ge­gen den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 9. No­vem­ber 2007 - 13 TaBV 48/07 - wird zurück­ge­wie­sen.


Von Rechts we­gen!

Gründe

I. Die Be­tei­lig­ten - die Ar­beit­ge­be­rin und der bei ihr ge­bil­de­te an­trag­stel­len­de Be­triebs­rat - strei­ten über die Ta­rif­ge­bun­den­heit ei­ner Rechts­vorgänge­rin der Ar­beit­ge­be­rin an ei­nen Ge­halts­ta­rif­ver­trag der nord­rhei­ni­schen Tex­til­in­dus­trie.


Im räum­li­chen und fach­li­chen Tätig­keits­be­reich der Ar­beit­ge­be­rin ist der Ver­band der Rhei­ni­schen Tex­til­in­dus­trie e.V. mit Sitz in Wup­per­tal (im Fol­gen-den: Ar­beit­ge­ber­ver­band) für den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen zuständig. Ei­ne Rechts­vorgänge­rin der Ar­beit­ge­be­rin, die R GmbH & Co. KG (im Fol­gen­den: KG) gehörte dem Ar­beit­ge­ber­ver­band als Mit­glied an. Kom­ple­mentärin die­ser KG war die Fir­ma R-GmbH; die A GmbH (im Fol­gen­den: A GmbH) war de­ren Kom­man­di­tis­tin. Im Jah­re 2005 wur­de die R-GmbH auf die A GmbH ver­schmol­zen. Da­mit wuchs das ge­sam­te Ge­sell­schafts­vermögen der KG bei der ein­zig ver­blie­be­nen Ge­sell­schaf­te­rin an. Das Erlöschen der KG wur­de am 16. Fe­bru­ar 2005 im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen. Die A GmbH fir­mier­te mit Wir­kung ab 1. März 2005 in die A D GmbH um. Ei­nen ei­ge­nen aus­drück­li­chen Auf­nah­me­an­trag in den Ar­beit­ge­ber­ver­band hat die A GmbH zu kei­nem Zeit-punkt ge­stellt. Sie hat je­doch den Mit­glieds­bei­trag für das Jahr 2005 an den Ar­beit­ge­ber­ver­band ge­zahlt.


Am 3. März 2005 fan­den bei der A D GmbH Gespräche über den Ab­schluss ei­nes Fir­men­ta­rif­ver­tra­ges statt, an de­nen Re­präsen­tan­ten des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des und der IG Me­tall teil­nah­men. Zu die­sem Zeit­punkt gin­gen die Be­tei­lig­ten übe­rein­stim­mend da­von aus, dass die A D GmbH Ver­bands­mit­glied
 


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sei. In ei­nem Te­le­fo­nat am 4. Mai 2006 wur­de dies auch vom Geschäftsführer des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des dem Vor­sit­zen­den des an­trag­stel­len­den Be­triebs­ra­tes mit­ge­teilt. Das Un­ter­neh­men selbst erklärte mit Schrei­ben vom 21. Ju­ni 2006 ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber­ver­band „äußerst vor­sorg­lich“ die Kündi­gung der Mit­glied­schaft zum nächstmögli­chen Ter­min.

Am 22. De­zem­ber 2006 teil­te der Ar­beit­ge­ber­ver­band dem an­trag­stel­len­den Be­triebs­rat mit, dass die A D GmbH zu kei­nem Zeit­punkt Ver­bands­mit­glied ge­we­sen sei.

Der Be­triebs­rat hat die An­sicht ver­tre­ten, die A D GmbH sei je­den­falls bis zum 31. De­zem­ber 2006 Mit­glied des Ver­ban­des und da­mit an die von die­sem ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge ge­bun­den ge­we­sen. Die Mit­glied­schaft er­ge­be sich kon­klu­dent aus dem Ver­hal­ten des Un­ter­neh­mens, das durch den Ver­band im Jah­re 2005 bis zu dem Te­le­fo­nat zwi­schen dem Be­triebs­rats­vor-sit­zen­den und dem Geschäftsführer des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des bestätigt wor­den sei.

Der Be­triebs­rat hat zu­letzt be­an­tragt, 


fest­zu­stel­len, dass im Be­trieb der A D GmbH bis zum 31. De­zem­ber 2006 der Ge­halts­ta­rif­ver­trag der nord-rhei­ni­schen Tex­til­in­dus­trie vom 12. Mai 2006 galt.


Die Ar­beit­ge­be­rin hat be­an­tragt den An­trag zurück­zu­wei­sen.

Das Ar­beits­ge­richt hat den An­trag des Be­triebs­rats zurück­ge­wie­sen. Die hier­ge­gen ge­rich­te­te Be­schwer­de des Be­triebs­rats hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ge­wie­sen und die Rechts­be­schwer­de zu­ge­las­sen. Nach Ein­le­gung der Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­ra­tes ist die A D GmbH gemäß der Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter vom 30. Ju­li 2008 auf die P GmbH ver­schmol­zen wor­den, die am dar­auf­fol­gen­den Tag zu der jet­zi­gen Fir­ma der Ar­beit­ge­be­rin um­fir­miert wor­den ist. Der Be­triebs­rat ver­folgt mit der Rechts­be­schwer­de sein zu­letzt in der Rechts­be­schwer­de­instanz präzi­sier­tes An­lie­gen wei­ter. Die Ar­beit­ge­be­rin be­an­tragt, die Rechts­be­schwer­de zurück­zu­wei­sen.

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II. Die Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­ra­tes ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im Er­geb­nis zu Recht die Be­schwer­de des Be­triebs­ra­tes ge­gen den erst­in­stanz­li­chen Be­schluss zurück­ge­wie­sen. Der An­trag des Be­triebs­ra­tes ist un­zulässig.

1. Nach § 256 Abs. 1 ZPO ist ei­ne Kla­ge auf Fest­stel­lung des Be­ste­hens oder Nicht­be­ste­hens ei­nes Rechts­verhält­nis­ses dann zulässig, wenn der Kläger ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an hat, das Rechts­verhält­nis durch rich­ter­li­che Ent­schei­dung als­bald fest­stel­len zu las­sen. § 256 Abs. 1 ZPO setzt im All­ge­mei­nen vor­aus, dass zwi­schen den Par­tei­en ei­nes Fest­stel­lungs­pro­zes­ses ein klärungsfähi­ges und klärungs­bedürf­ti­ges kon­kre­tes Rechts­verhält­nis be­steht. Ein Rechts­verhält­nis im Sin­ne von § 256 Abs. 1 ZPO kann auch ein ein­zel­ner An­spruch sein, nicht da­ge­gen bloße Ele­men­te oder Vor­fra­gen ei­nes An­spruchs (BAG 24. Ja­nu­ar 2001 - 7 ABR 2/00 - mwN, AP ArbGG 1979 § 81 Nr. 50). Darüber hin­aus muss das Rechts­schutz­in­ter­es­se auch noch in der Rechts­be­schwer­de­instanz be­ste­hen. Es fehlt, wenn die be­gehr­te ge­richt­li­che Ent­schei­dung für die Be­tei­lig­ten kei­ne recht­li­che Wir­kung mehr ent­fal­ten kann (BAG 16. April 2008 - 7 ABR 4/07 - AP Be­trVG 1972 § 1 Ge­mein­sa­mer Be­trieb Nr. 32 = EzA Be­trVG 2001 § 1 Nr. 7; 13. März 1991 - 7 ABR 5/90 - BA­GE 67, 361).

2. Vor­lie­gend man­gelt es dem Be­triebs­rat an dem er­for­der­li­chen Rechts­schutz­in­ter­es­se für den zu­letzt ge­stell­ten Fest­stel­lungs­an­trag.

Da­bei ist nicht darüber zu be­fin­den, ob und un­ter wel­chen Be­din­gun­gen die Ta­rif­ge­bun­den­heit ei­nes Ar­beit­ge­bers Ge­gen­stand ei­nes Fest­stel­lungs­an­tra­ges sein kann (eben­falls of­fen­ge­las­sen in BAG 24. April 2007 - 1 ABR 27/06 - BA­GE 122, 121, 124 f.). Bei der Fra­ge der Ta­rif­ge­bun­den­heit der Ar­beit­ge­be­rin an ei­nen kon­kre­ten Ta­rif­ver­trag han­delt es sich um ei­ne Rechts­fra­ge, die sich in ei­ner Viel­zahl von Rechts­verhält­nis­sen, an de­nen die Ar­beit­ge­be­rin be­tei­ligt ist, in ganz un­ter­schied­li­cher Wei­se stel­len kann, zB bei § 3, § 77 Abs. 3, § 80 Abs. 1 Nr. 1, § 86, § 87 Abs. 1, § 99 Abs. 1 und 2 Be­trVG. Nicht je­de ma­te­ri­ell-recht­lich be­gründe­te Bin­dung ei­ner Ar­beit­ge­be­rin, die für be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Po­si­tio­nen des Be­triebs­ra­tes Wir­kung ent­fal­ten kann, ist als ein den
 


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Be­triebs­rat be­tref­fen­des Rechts­verhält­nis iSv. § 256 Abs. 1 ZPO an­zu­se­hen. Hin­sicht­lich ei­ner ei­ge­nen Rechts­po­si­ti­on des Be­triebs­ra­tes han­delt es sich bei der Ta­rif­ge­bun­den­heit der Ar­beit­ge­be­rin le­dig­lich um ei­ne Vor­fra­ge. Durch ei­ne statt­ge­ben­de Ent­schei­dung würde nicht endgültig geklärt, ob dem Be­triebs­rat ei­ne be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Rechts­po­si­ti­on tatsächlich zu­steht. Die abs­trak­te Be­ant­wor­tung der Fra­ge lie­fe auf die Er­stel­lung ei­nes Rechts­gut­ach­tens hin­aus. Das ist - mit der ge­son­dert nor­mier­ten Aus­nah­me nach § 9 TVG - grundsätz­lich nicht die Auf­ga­be der Ge­rich­te. Die­se ent­schei­den über das Be­ste­hen kon­kre­ter Rechts­verhält­nis­se, Ansprüche und Ver­pflich­tun­gen (BAG 3. Mai 2006 - 1 ABR 63/04 - AP Be­trVG 1972 § 81 Nr. 61). Ein sol­ches den Be­triebs­rat selbst be­tref­fen­des Rechts­verhält­nis ist im An­trag des Be­triebs­ra­tes aber nicht ge­nannt. Al­lein der Um­stand, dass die Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers für das Ver­hal­ten der Be­tei­lig­ten in zahl­rei­chen ver­schie­de­nen Fällen und Fall­kon­stel­la­tio­nen von Be­deu­tung sein kann, reicht für das Rechts­schutz­in­ter­es­se nicht aus (vgl. BAG 27. Ja­nu­ar 2004 - 1 ABR 5/03 - BA­GE 109, 227, 234). Dies gilt im Streit­fall um so mehr, als sich der zu­letzt ge­stell­te An­trag des Be­triebs­ra­tes auf die Rechts­la­ge in ei­nem be­reits seit mehr als zwei Jah­ren ab­ge­schlos­se­nen Zeit­raum be­schränkt und un­ter kei­nem Ge­sichts­punkt er­kenn­bar ist, wel­ches ak­tu­el­le be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Rechts­verhält­nis des Be­triebs­rats von der be­gehr­ten Fest­stel­lung er­fasst wer­den könn­te.


Be­p­ler 

Tre­ber 

Creutz­feldt

Dierßen 

Grimm

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