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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Tarifvertrag, Nachwirkung, Bezugnahmeklausel, Tarifvertrag: Bezugnahme
   
Gericht: Arbeitsgericht Mannheim
Akten­zeichen: 8 Ca 544/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 27.05.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   


Aus­fer­ti­gung
Ar­beits­ge­richt Mann­heim
Ak­ten­zei­chen: 8 Ca 544/09

(Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)

Verkündet am 27.05.2010


Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le 

 


Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In der Rechts­sa­che

- Kläg. -

ge­gen 

- Bekl. -

hat das Ar­beits­ge­richt Mann­heim - 8. Kam­mer -
durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt Gru­ber ,
d. eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Hu­cke­le
und d. eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Jann

auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 27.05.2010

für Recht er­kannt:


1. Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

2. Die Kos­ten des Rechts­streits trägt d. Kläg.

3. Der Streit­wert wird fest­ge­setzt auf € 73,42.

4. Die Be­ru­fung wird für d. Kläg. zu­ge­las­sen.

 

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A

T a t b e s t a n d

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die Kläge­rin An­spruch auf rest­li­ches zusätz­li­ches Ur­laubs­geld auf Grund An­wend­bar­keit der ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen für den Ein­zel­han­del für das Jahr 2007 in Höhe von € 73,42 brut­to hat.

Die Be­klag­te ist ein Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men, das mit Wir­kung vom 01.10.2007 in den Ein­zel­han­dels­ver­band in Ba­den-Würt­tem­berg ein­ge­tre­ten ist.

Die Kläge­rin, die Mit­glied der Ge­werk­schaft ver.di ist, ist seit dem 01.02.1992 bei der Be­klag­ten be­zie­hungs­wei­se bei de­ren recht­li­chen Vorgänge­rin­nen beschäftigt. Ursprüng­lich wur­de die Kläge­rin von der Fir­ma --- am Stand­ort Brühl ein­ge­stellt. Im Zu­ge ei­nes Be­triebsüber­g­an­ges des --- zum 01.02.1994 auf die Fir­ma --- schloss die Kläge­rin mit ih­rer da­ma­li­gen Ar­beit­ge­be­rin mit Da­tum vom 10.02.1994 ei­ne Über­lei­tungs­ver­ein­ba­rung, auf de­ren In­halt ver­wie­sen wird (Abl. 98). In der von Sei­ten der --- vor­for­mu­lier­ten und be­triebs­ein­heit­lich ver­wen­de­ten Ver­ein­ba­rung ist ge­re­gelt, dass dem Ar­beits­verhält­nis der Man­tel- und Ent­gelt­ta­rif­ver­trag für die Beschäftig­ten des Ein­zel­han­dels in Ba­den-Würt­tem­berg zu Grun­de ge­legt wird.

Im wei­te­ren Ver­lauf ging das Ar­beits­verhält­nis im We­ge ei­nes Be­triebsüber­gangs zum 01.10.1998 auf die Fir­ma --- und er­neut zum 01.04.2007 auf die Be­klag­te über. Die Fir­men --- so­wie --- wa­ren nicht Mit­glie­der des Ein­zel­han­dels­ver­ban­des Ba­den-Würt­tem­berg be­zie­hungs­wei­se des dies­bezüglich ta­rif­sch­ließen­den Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des.

Der Man­tel­ta­rif­ver­trag für die An­ge­stell­ten und ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer/-in­nen des Ein­zel­han­dels in Ba­den-Würt­tem­berg vom 13.01.1994 in der Fas­sung vom 11.10.1996 (künf­tig ge­nannt MTV 1996) war mit Wir­kung vom 01.01.1996 für all­ge­mein­ver­bind­lich

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erklärt wor­den. Er sah in § 19 Ab­schnitt A Ziff. 1 a ab dem 01.01.1996 ein zusätz­li­ches Ur­laubs­geld in Höhe von 55 Pro­zent des je­wei­li­gen ta­rif­li­chen Ent­gelt­an­spruchs für das letz­te ta­rif­lich ver­ein­bar­te Be­rufs­jahr ei­nes Verkäufers/ ei­ner Verkäufe­r­in mit ab­ge­schlos­se­ner Be­rufs­aus­bil­dung be­zo­gen auf das da­ma­li­ge Ta­rif­sche­ma vor. Fer­ner war in § 19 Ziff. 5 MTV 1996 ge­re­gelt, dass Ur­laubs­geld ent­spre­chend dem Ur­laubs­an­spruch zu gewähren ist.

Am 26.11.1997 schlos­sen die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­nen nicht für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Ände­rungs­ta­rif­ver­trag (fol­gend ÄTV 1997 ge­nannt), in dem un­ter an­de­rem ge­re­gelt war, dass das zusätz­li­che Ur­laubs­geld ab dem 01.01.2000 nur noch 50 Pro­zent der Be­mes­sungs­grund­la­ge be­tra­gen soll­te. Auch der im streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum im Jahr 2007 gel­ten­de Man­tel­ta­rif­ver­trag im Ein­zel­han­del Ba­den-Würt­tem­berg in der Fas­sung vom 28.07.2003 (im Fol­gen­den MTV 2003 ge­nannt ) sieht eben­so wie die neu­es­te Fas­sung von 2008 ei­nen An­spruch auf zusätz­li­ches Ur­laubs­geld in Höhe von 50 Pro­zent der Be­mes­sungs­grund­la­ge vor.

Der MTV 1996 wur­de von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zum 31.01.2000 gekündigt. Durch Ta­rif­ver­ein­ba­rung vom 04.04./ 06.06. 2000 wur­de der Man­tel­ta­rif­ver­trag in der Form des ÄTV 1997 wie­der in Kraft ge­setzt, aber nicht mehr für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt.

Bis ein­sch­ließlich des Jah­res 2006 er­hielt die Kläge­rin ein zusätz­li­ches Ur­laubs­geld in Höhe von 55 Pro­zent der ta­rif­ver­trag­li­chen Be­mes­sungs­grund­la­ge. Im Jah­re 2007 zahl­te die Be­klag­te nur Ur­laubs­geld in Höhe von 50 Pro­zent des maßgeb­li­chen ta­rif­li­chen Mo­nats­ent­gelts. Die Kläge­rin mach­te den Dif­fe­renz­be­trag in Höhe von 5 Pro­zent, der sich un­strei­tig auf € 73,42 brut­to beläuft, mit Schrei­ben vom 30.06.2007 (Abl. 5) gel­tend.

Die Kläge­rin ist der Auf­fas­sung, ihr An­spruch auf ein Ur­laubs­geld in Höhe von 55 Pro­zent der Be­mes­sungs­grund­la­ge er­ge­be sich aus dem nach­wir­ken­den MTV 1996. Die ori­ginäre Ta­rif­bin­dung der Be­klag­ten sei erst durch den Ein­tritt in den Ar­beit­ge­ber­ver­band zum 01.10.2007 ein­ge­tre­ten. Ab die­sem Zeit­punkt fänden die Ta­rif­verträge des Ein­zel­han­dels in Ba­den-Würt­tem­berg in der neu­en Fas­sung von 2003 be­zie­hungs­wei­se 2008 (das heißt mit zusätz­li­chem Ur­laubs­geld in Höhe von 50 Pro­zent der Be­mes-

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sungs­grund­la­ge) An­wen­dung. Zum Zeit­punkt der Fällig­keit des streit­ge­genständ­li­chen An­spruchs auf Ur­laubs­geld mit der Ju­lia­b­rech­nung 2007 sei je­doch die­se (bei­der­sei­ti­ge) Ta­rif­bin­dung noch nicht ein­ge­tre­ten.


Die Kläge­rin b e a n t r a g t ,  

1.
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin € 73,42 brut­to nebst 5 % Zin­sen aus dem sich hier­aus er­ge­ben­den Net­to­be­trag seit 13.06.2007 zu be­zah­len.

2. Die Be­klag­te trägt die Kos­ten des Ver­fah­rens

Die Be­klag­te b e a n t r a g t,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.


Sie ist der Auf­fas­sung, die For­mu­lie­rung in der Über­lei­tungs­ver­ein­ba­rung vom 10.02.1994, wo­nach dem Ar­beits­verhält­nis der Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Beschäftig­ten des Ein­zel­han­dels in Ba­den-Würt­tem­berg zu Grun­de ge­legt wur­de, stel­le ei­ne an­de­re Ab­ma­chung im Sinn des § 4 Abs. 5 TVG dar, wes­halb es nicht zur Nach­wir­kung des MTV 1996 ge­kom­men sei. Viel­mehr gel­te auf Grund der ver­trag­li­chen Ab­ma­chung § 19 A MTV Ein­zel­han­del in der Fas­sung vom 26.11.1997 mit dem ab dem 01.01.2000 ge­re­gel­ten In­halt, wo­nach das zusätz­li­che Ur­laubs­geld nur 50 % der Be­mes­sungs­grund­la­ge beträgt.

Die Kläge­rin er­wi­dert, die Aus­le­gung des § 4 Abs. 5 TVG er­ge­be nach des­sen ein­deu­ti­gem Wort­laut zwin­gend, dass ei­ne die Nach­wir­kung be­en­den­de sons­ti­ge Ver­ein­ba­rung erst nach Ein­tritt der Nach­wir­kung über­haupt ge­schlos­sen wer­den könne. Ins­be­son­de­re

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könne nicht un­ter­stellt wer­den, dass von den ursprüng­lich den Ar­beits­ver­trag schließen­den Par­tei­en im Jahr 1994 dar­an ge­dacht wor­den sei, im Jah­re 2000 die Nach­wir­kung ei­nes bis zu die­sem Zeit­punkt noch nicht all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Ta­rif­ver­tra­ges in der Fas­sung des Jah­res 1996 zu be­sei­ti­gen. Im Übri­gen wer­de an­ge­regt, auf Grund der grundsätz­li­chen Be­deu­tung der Rechts­sa­che die Be­ru­fung zu­zu­las­sen. Die Zu­las­sungs­re­ge­lung des § 64 III Ziff. 1 ArbGG müsse nämlich nicht nur für die Aus­le­gung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges, des­sen Gel­tungs­be­reich sich über den Be­zirk des an­ge­ru­fe­nen Ar­beits­ge­richts hin­aus er­streckt, gel­ten, son­dern auch für die vor­lie­gend vor­zu­neh­men­de Klärung, ob und wie­weit die Nach­wir­kung ei­nes sol­chen Ta­rif­ver­tra­ges an­zu­neh­men ist. Hin­zu kom­me noch der Um­stand, dass zwi­schen der in den Be­trie­ben der Be­klag­ten ver­tre­te­nen Ge­werk­schaft ver.di so­wie der Ar­beit­ge­be­rin ei­ne außer­ge­richt­li­che Pro­zess­ver­ein­ba­rung ge­trof­fen wor­den ist, wo­nach der Aus­gang die­ses Ver­fah­rens bin­den­den Pi­lot­cha­rak­ter für weit über hun­dert an­de­re, gleich­falls be­trof­fe­ne Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten hat.

Im Kam­mer­ter­min stell­ten die Par­tei­en un­strei­tig, dass der Kläge­rin zu­min­dest die Hälf­te des ta­rif­li­chen Jah­res­ur­lau­bes vor dem 01.10.2007 gewährt war.

Bezüglich des wei­te­ren Par­tei­vor­brin­gens wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze der Par­tei­en nebst de­ren An­la­gen, so­weit sie Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung wa­ren, so­wie auf die Sit­zungs­nie­der­schrif­ten über den Güte- und Kam­mer­ter­min ver­wie­sen.


B

Ent­schei­dungs­gründe:

I.

Die zulässi­ge Kla­ge ist un­be­gründet, da die Kläge­rin kei­nen An­spruch auf das ver­lang­te höhe­re zusätz­li­che Ur­laubs­geld hat.

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1.
Der von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­te Zah­lungs­an­spruch ist nicht be­reits des­halb aus­zu­sch­ließen, weil der ÄTV 1997 so­wie die dar­auf fol­gen­den Fas­sun­gen des Man­tel­ta­rif­ver­trags Ein­zel­han­del Ba­den-Würt­tem­berg die Höhe des zusätz­li­chen Ur­laubs­gel­des von 55 auf 50 Pro­zent der Be­mes­sungs­grund­la­ge her­ab­ge­setzt ha­ben. Die Rechts­wir­kung der man­tel­ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lungs­wer­ke setzt nämlich gemäß §§ 3 Abs. 1, 4 Abs. 1 TVG erst mit Ein­tritt der bei­der­sei­ti­gen Ta­rif­bin­dung, al­so mit Ein­tritt der Be­klag­ten in den Ein­zel­han­dels­ver­band mit Wir­kung zum 01.10.2007 ein - zu ei­nem Zeit­punkt, als un­strei­tig be­reits die Fällig­keit des streit­ge­genständ­li­chen An­spruchs auf Zah­lung des zusätz­li­chen Ur­laubs­gel­des für das Jahr 2007 ein­ge­tre­ten war.

2.
Die Höhe des ge­for­der­ten zusätz­li­chen Ur­laubs­gel­des für das Jahr 2007 kann ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin auch nicht un­ter Be­ru­fung auf die Re­ge­lung des § 19 Ab­schnitt A Ziff. 1 a MTV 1996 be­gründet wer­den. Die All­ge­mein­ver­bind­lich­keit des MTV 1996 en­de­te nämlich mit Ab­lauf des Ja­nu­ars 2000 und sei­ne Re­ge­lun­gen ha­ben vor­lie­gend kei­ne Nach­wir­kung ent­fal­tet.

Der MTV 1996 hat­te durch sei­ne Kündi­gung mit Wir­kung zum 31.01.2000 sein En­de ge­fun­den. Da­mit en­de­te auch sei­ne All­ge­mein­ver­bind­lich­keit, denn die Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges gel­ten für die Außen­sei­ter nicht mehr auf Grund der All­ge­mein­ver­bind­lich­keits­erklärung, so­bald sie ta­rif­lich nicht mehr in Kraft sind. Die ta­rif­li­chen Vor-schrif­ten ent­fal­ten dann al­len­falls Rechts­wir­kung in Form ei­ner Nach­wir­kung (vergl. ErfK-Fran­zen, 9. Auf­la­ge, § 5 TVG, Rd­nr. 25 ff. un­ter Hin­weis auf BAG vom 27.11.1991, AP Nr. 22 zu § 4 TVG Nach­wir­kung; BAG vom 25.10.2000, AP Nr. 38 zu § 4 TVG Nach­wir­kung; BAG vom 08.11.2006, AP Nr. 33 zu § 5 TVG; sie­he fer­ner Däubler-Lak­ies, TVG, 2. Auf­la­ge, § 5 Rd­nr. 184). Vor­lie­gend schei­tert ei­ne Nach­wir­kung der Ur­laubs­geld­re­ge­lung des MTV 1996 aber dar­an, dass die in § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 28.01.1982 ent­hal­te­ne Be­zug­nah­me­klau­sel nach Auf­fas­sung der Kam­mer ei­ne an­de­re Ab­ma­chung im Sinn des § 4 Abs. 5 TVG dar­stellt. Die­se in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Re­ge­lung hat die Ur­laubs­geld­re­ge­lung des MTV 1996 ab­gelöst und in­so­fern den Ein­tritt der

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Rechts­wir­kung der dies­bezügli­chen Nor­men des MTV 1996 im hier streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum 2007 ver­hin­dert.

a)
Nach dem Wort­laut des § 4 Abs. 5 TVG gel­ten nach Ab­lauf ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges sei­ne Rechts­nor­men wei­ter, bis sie durch ei­ne an­de­re Ab­ma­chung er­setzt wer­den. Mit der Nach­wir­kung soll im In­ter­es­se der Ver­trags- und Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­ne Über­brückungs­re­ge­lung ge­schaf­fen wer­den, die die zwi­schen­zeit­li­che Be­stim­mung der bis­her ver­trag­lich ge­re­gel­ten Ar­beits­be­din­gun­gen nach an­de­ren Re­ge­lun­gen ent­behr­lich macht. Die­se Nach­wir­kung entfällt, wenn ei­ne an­de­re Ab­ma­chung ge­trof­fen wird, die den­sel­ben Re­ge­lungs­be­reich er­fasst (so jüngst BAG vom 01.07.2009, 4 AZR 261/08, NZA 2010, Sei­te 54 (60) un­ter Hin­weis auf BAG vom 04.07.2007, NZA 2008, Sei­te 552; BAG vom 22.10.2008, NZA 2009, Sei­te 265). Da­bei be­steht kein Un­ter­schied, ob der Ta­rif­ver­trag zu­vor auf Grund bei­der­sei­ti­ger Or­ga­ni­sa­ti­ons­zu­gehörig­keit gemäß §§ 3 Abs. 1, 4 Abs. 1 Satz 1 TVG oder - wie vor­lie­gend - auf Grund ei­ner All­ge­mein­ver­bind­lich­keits­erklärung nach § 4 Abs. 5 TVG ge­gol­ten hat. Die ge­setz­lich an­ge­ord­ne­te Nach­wir­kung gemäß § 4 Abs. 5 TVG knüpft al­lein an den Ab­lauf des Ta­rif­ver­tra­ges an und enthält kei­ne Ein­schränkung auf die Ar­beits­verhält­nis­se kraft bei­der­sei­ti­ger Or­ga­ni­sa­ti­ons­zu­gehörig­keit ta­rif­ge­bun­de­ner Par­tei­en (so BAG vom 17.01.2009, AP Nr. 40 zu § 1 TVG Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag un­ter Hin­weis auf BAG vom 18.06.1980, AP Nr. 68 zu § 4 TVG Aus­schluss­fris­ten so­wie BAG vom 27.11.1991, AP Nr. 22 zu § 4 TVG Nach­wir­kung). Das Güns­tig­keits­prin­zip fin­det bezüglich ei­ner Ablösung im Nach­wir­kungs­zeit­raum kei­ne An­wen­dung (so BAG vom 17.01.2006, a.a.O., un­ter Hin­weis auf BAG vom 23.02.2005, AP Nr. 42 zu § 4 TVG Nach­wir­kung; eben­so BAG vom 22.04.10090, 4 AZR 100/08, NZA 2010, Sei­te 41 (43); BAG vom 11.05.2005, NZA 2005, Sei­te 1362). Bei ei­ner Nach­wir­kung gel­ten die Nor­men des Ta­rif­ver­tra­ges da­her wei­ter, bis sie für das ein­zel­ne Ar­beits­verhält­nis ver­bind­lich durch ei­ne ge­ra­de für das kon­kre­te Ar­beits­verhält­nis ein­schlägi­ge an­de­re Ab­ma­chung im ge­nann­ten Sin­ne er­setzt wer­den.

b)
Ei­ne sol­che, die Nach­wir­kung aus­sch­ließen­de Ver­ein­ba­rung hat die Kläge­rin mit ih­rer ursprüng­li­chen Ar­beit­ge­be­rin bei Be­gründung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­schlos­sen.

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Die da­ma­li­gen Ver­trags­par­tei­en ha­ben in § 4 der Über­lei­tungs­ver­ein­ba­rung vom 10.02.1994 ei­ne kon­sti­tu­ti­ve, zeit­dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me­klau­sel (vgl. zu die­sem Be-griff z.B. BAG vom 22.10.2008, NZA 2009, Sei­te 323 ff; BAG vom 18.04.2007, NZA 2007, Sei­te 965 ff. ; BAG v. 16.12.2009, 5 AZR 888/08, ju­ris; sie­he auch Bau­er/Günther, NZA 2008, Sei­te. 6 ff.; Rei­ne­cke, BB 2006; Sei­te 2637 ff.; Jor­dan/Bis­sels, NZA 2010, Sei­te 71 ff,; Cle­menz, NZA 2007, Sei­te 769 ff.) ver­ein­bart, die die Ur­laubs­geld­re­ge­lung des ÄTV 1997 be­zie­hungs­wei­se der nach­fol­gen­den Man­tel­ta­rif­verträge um­fasst. Die­se Ver­ein­ba­rung fin­det vor­lie­gend auch - zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig - An­wen­dung, da die ge­setz­li­che Re­ge­lung des § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB da­zu führt, dass auch die ein­zel­ver­trag­li­chen Ab­ma­chun­gen zwi­schen dem Ar­beit­neh­mer und dem Veräußerer im Zu­ge ei­nes Be­triebsüber­g­an­ges auf den Be­triebs­er­wer­ber über­ge­hen (vgl. jüngst BAG vom 22.04.2009, 4 AZR 100/08, a.a.O.). Die­se in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Ab­re­de hat zur Ablösung der Re­ge­lung des zusätz­li­chen Ur­laubs­gel­des nach MTV 1996 geführt.


aa)
Wie das BAG (vom 17.01.2006, a.a.O.; sie fer­ner BAG vom 23.02.2005, AP Nr. 42 zu § 4 TVG Nach­wir­kung; BAG vom 22.10.2008, NZA 2009, Sei­te 265; BAG vom 20.05.2009, DB 2009, Sei­te 2789 (2791); jüngst auch BAG vom 01.07.2009, 4 AZR 261/08, NZA 2010, Sei­te 54 (60)) be­reits in ei­nem in recht­li­cher so­wie tatsäch­li­cher Hin­sicht ver­gleich­ba­ren Fall zu­tref­fend aus­geführt hat, steht dem nicht ent­ge­gen, dass die Be­zug­nah­me­klau­sel be­reits vor Ab­lauf des Ta­rif­ver­tra­ges ver­ein­bart wur­de. Ei­ne an­de­re Ab­ma­chung kann nämlich wirk­sam schon vor Be­ginn der Nach­wir­kung ge­schlos­sen wer­den. § 4 Abs. 5 TVG schließt die Möglich­keit ei­ner die Nach­wir­kung ablösen­den und auf den Ablösungs­zeit­raum ge­rich­te­ten Ab­ma­chung vor Ab­lauf des Ta­rif­ver­tra­ges nicht aus. Nach dem Wort­laut des § 4 Abs. 5 TVG gel­ten nach Ab­lauf des Ta­rif­ver­tra­ges sei­ne Rechts­nor­men wei­ter „bis“ sie durch ei­ne an­de­re Ab­ma­chung er­setzt wer­den. Dar­aus könn­te man zwar durch­aus schließen, dass die Nach­wir­kung zeit­lich vor der an­de­ren Ab­ma­chung ein­ge­tre­ten sein müsse, (in die­sem Sinn wohl auch Däubler-Be­p­ler, a.a.O., § 4 Rd­nr. 908; MünchArbR/Löwisch/Rieb­le, 2. Aufl., § 273 Rn­dr. 13; Fröhlich, NZA 1992, Sei­te 1105(1111)).

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Es ist nach vor­ge­nann­ter Ent­schei­dung des BAG al­ler­dings kein recht­lich tragfähi­ger Grund dafür er­kenn­bar, dass ei­ne die Nach­wir­kung be­en­den­de ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung erst nach Ein­tritt der Nach­wir­kung ge­trof­fen wer­den kann. Von der Pri­vat­au­to­no­mie um­fasst sind nämlich grundsätz­lich auch Verträge, die erst in der Zu­kunft Wir­kung ent­fal­ten sol­len. Das muss auch für ei­ne Ver­ein­ba­rung gel­ten, die auf die Ablösung ei­ner Nach­wir­kung des Ta­rif­ver­tra­ges ge­rich­tet ist. Maßgeb­lich ist in­so­weit, dass die Ver­ein­ba­rung nach dem Wil­len der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en - zu­min­dest auch - die Nach­wir­kung des be­en­de­ten Ta­rif­ver­trags be­sei­ti­gen soll. Ist dies der Fall, wirkt sie als „an­de­re Ab­ma­chung“, so­bald die zwin­gen­de Wir­kung des Ta­rif­ver­tra­ges en­det. Der Schutz­zweck der Nach­wir­kung, die Ar­beits­verhält­nis­se nach dem Weg­fall der zwin­gen­den Gel­tung des Ta­rif­ver­tra­ges nicht in­halts­leer wer­den zu las­sen, wird auch durch ei­ne Ver­ein­ba­rung er­reicht, die schon vor dem En­de der nor­ma­ti­ven Wir­kung des Ta­rif­ver­trags ge­trof­fen wur­de und auch für die Zeit der Nach­wir­kung des Ta­rif­ver­tra­ges Gel­tung be­an­sprucht (so auch aus­drück­lich Bau­er/Günther, NZA 2008, Sei­te 6 (9) un­ter Hin­weis auf An­nuß, ZfA 2005, Sei­te 405 (448)).

Der Um­stand, dass vor­lie­gend die in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung vor Be­ginn der Nach­wir­kung des MTV 1996 ge­schlos­sen wur­de, steht nach den zu­tref­fen­den Ausfüh-run­gen des BAG der ablösen­den Rechts­wir­kung der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel folg­lich nicht ent­ge­gen.

bb)
Nun ist al­ler­dings rich­tig, dass - wie die Kläge­rin ein­wen­det - die da­ma­li­gen Ar­beits­ver­trags­par­tei­en bei Ab­schluss des Ver­tra­ges im Jah­re 1994 wohl nicht be­ab­sich­tigt hat­ten, die Nach­wir­kung ei­nes zu die­sem Zeit­punkt we­der ab­ge­schlos­se­nen noch gar für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Ta­rif­ver­tra­ges zu be­sei­ti­gen. Auf die­sen Um­stand kommt es nach Auf­fas­sung der Kam­mer vor­lie­gend aber ge­ra­de nicht ent­schei­dend an.

aaa)
Das BAG stellt nämlich in das Zen­trum sei­ner Über­le­gun­gen den Sinn und Zweck der ta­rif­ver­trag­li­chen Nach­wir­kung. So führt es un­ter Hin­weis auf Recht­spre­chung und Li­te-

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ra­tur (BAG vom 14.02.1991, NZA 1991, Sei­te 779; Däubler-Be­p­ler, a.a.O., § 4 Rn­dr. 908; Kem­pen/Za­chert/St­ein, TVG, 4. Auf­la­ge, § 4 Rn­dr. 16; ErfK-Fran­zen, 9. Auf­la­ge, § 4 TVG, Rn­dr. 64; Hromad­ka/Masch­mann/Wall­ner, Der Ta­rif­wech­sel, Rn­dr. 298; St­ein, Ta­rif­ver­trags­recht, Rn­dr.138; Ga­mill­scheg, Kol­lek­ti­ves ArbR, Band 1, Rn­dr. 878; Schmidt, RdA 2004, Sei­te 152, 159; Frie­ges, DB 1996, Sei­te 1281; Fröhlich, NZA 1992, Sei­te 1105 (1111)) aus, aus dem Er­for­der­nis der „an­de­ren Ab­ma­chung“ des § 4 Abs. 5 TVG zur Ablösung des nach­wir­ken­den Ta­rif­ver­tra­ges er­ge­be sich, dass frühe­re ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen, die während der un­mit­tel­ba­ren und zwin­gen­den Gel­tung des Ta­rif­ver­tra­ges ver­drängt wur­den, nicht au­to­ma­tisch wie­der auf­le­ben und das Ar-beits­verhält­nis im Nach­wir­kungs­zeit­raum ab­wei­chend vom ab­ge­lau­fe­nen Ta­rif­ver­trag ge­stal­ten könn­ten. Fer­ner ver­weist es un­ter Be­zug­nah­me auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 12.12.2007 (AP Nr. 29 zu § 4 TVG) dar­auf, dass die ver-dräng­ten ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen nur dann „au­to­ma­tisch“ wie­der Wir­kung er­lan­gen könn­ten, wenn die güns­ti­ge­ren Ta­rif­nor­men vollständig, al­so oh­ne Nach­wir-kung, weg­fie­len. Al­lein der Um­stand, dass während der nor­ma­ti­ven Gel­tung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ma­te­ri­el­le Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart wer­den, die we­gen der schützen­den Funk­ti­on des § 4 Abs. 3 TVG kei­ne Wir­kung er­zeu­gen könn­ten, rei­che nicht zur Ablösung nach­wir­ken­der Ta­rif­re­ge­lun­gen aus. Dies würde zu ei­nem au­to­ma­ti­schen Wie­der­auf­le­ben auch un­ter­ta­rif­li­cher Ver­ein­ba­run­gen führen, was der vom Ge­setz­ge­ber mit § 4 Abs. 5 TVG be­ab­sich­tig­ten be­stands­si­chern­den Über­brückungs­funk­ti­on des Ta­rif­ver­tra­ges wi­derspräche. Das Ar­beits­verhält­nis sol­le auch nach Be­en­di­gung des Ta­rif­ver­tra­ges grundsätz­lich auf dem ta­rif­ver­trag­li­chen Ni­veau wei­ter­geführt wer­den. Die Be­stands­si­che­rungs­funk­ti­on könne der Ta­rif­ver­trag nicht erfüllen, wenn schon in ei­ner nicht mit § 4 Abs. 3 TVG zu ver­ein­ba­ren­den ein­zel­ver­trag­li­chen Ab­re­de ei­ne auf den Ablösungs­zeit­raum ge­rich­te­te an­de­re Ab­ma­chung im Sin­ne des § 4 Abs. 5 TVG ge­se­hen wer­den könn­te.

bbb)
Zu­tref­fend stellt das Bun­des­ar­beits­ge­richt in den vor­zi­tier­ten Ent­schei­dun­gen auf die zwei Funk­tio­nen der in § 4 Abs. 5 TVG ge­re­gel­ten Nach­wir­kung ab. Zum ei­nen soll sie den Zeit­raum bis zum Ab­schluss ei­nes neu­en Ta­rif­ver­tra­ges über­brücken (so­ge­nann­te Über­brückungs­funk­ti­on, vgl. ErfK-Fran­zen a.a.O., § 4 TVG, Rn­dr. 55; vgl. auch jüngst

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hier­zu BAG vom 01.07.2009, 4 AZR 261/08, NZA 2010, Sei­te 53(60) so­wie BAG vom 15.10.2009, 4 AZR 573/02, AP Nr. 41 zu § 4 TVG). Zum an­de­ren soll sie die Ta­rif­un­ter­wor­fe­nen da­vor schützen, dass der bloße Ta­ri­fent­fall ihr Ar­beits­verhält­nis verändert, ins­be­son­de­re ver­schlech­tert (so­ge­nann­ter Ver­trags­in­halts­schutz, sie­he hier­zu Däubler-Be­p­ler, a.a.O., § 4 Rn. 908; Wie­de­mann-Wank, TVG, 7. Auf­la­ge, § 4, Rn. 327). Die­sem Schutz­zweck würde es zu­wi­der­lau­fen, wenn mit dem Ein­tritt der Nach­wir­kung au­to­ma­tisch vor­he­ri­ge nach­tei­li­ge In­di­vi­du­al­ver­ein­ba­run­gen auch wie­der in Kraft träten. Die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ha­ben nach der Recht­spre­chung ein schutzwürdi­ges Ver­trau­en dar­auf, dass die ta­rif­ver­trag­lich fest­ge­leg­ten Ar­beits­be­din­gun­gen so lan­ge wir­ken, bis sie durch ei­ne (in der Re­gel zukünf­ti­ge) an­der­wei­ti­ge Ab­ma­chung er­setzt wer­den. An­sons­ten könn­ten ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen wie­der auf­le­ben, die die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en vor lan­ger Zeit ge­trof­fen hat­ten und die im Ver­gleich zur ta­rif­li­chen Re­ge­lung deut­lich schlech­ter für die Ar­beit­neh­mer sind, aber durch ei­ne ge­ge­be­nen­falls langjähri­ge Ta­rif­bin­dung ver­drängt wur­den.

Die­ses Schut­zes bedürfen die Ar­beit­neh­mer je­doch nicht, wenn die in­di­vi­du­al­ver­trag­lich ge­trof­fe­ne „ab­wei­chen­de Ab­re­de“ im Sin­ne des § 4 Abs. 5 TVG ei­ne dy­na­mi­sche Ver­wei­sung auf das ein­schlägi­ge Ta­rif­recht dar­stellt. Wie jüngst Wil­lem­sen/Meh­rens (NZA 2010, Sei­te 307 (310); vgl. fer­ner Bau­er/Günther, NZA 2008, Sei­te 6 (9)) über­zeu­gend her­aus­ge­ar­bei­tet ha­ben, kommt in ei­nem sol­chen - hier vor­lie­gen­den - Fall dem Ver­trags­in­halts­schutz kei­ne Be­deu­tung zu, da über die Be­zug­nah­me­klau­sel wei­ter­hin ei­ne Bin­dung an das ein­schlägi­ge Ta­rif­recht si­cher­ge­stellt ist. Es droht auch kei­ne Be­nach­tei­li­gung der Ar­beit­neh­mer, da die Be­zug­nah­me­klau­sel nur zur An­wen­dung des ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­tra­ges führen kann und die­ser für sei­nen Gel­tungs­be­reich mit ei­ner an­er­kann­ten Rich­tig­keits­gewähr aus­ge­stat­tet ist (so auch Bau­er/Günther, a.a.O., vgl. auch BAG vom 03.04.2007, 9 AZR 867/06, AP Nr. 46 zu § 4 TVG). Mit der Nach­wir­kung soll im In­ter­es­se der Ver­trags- und Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­ne Über­brückungs­re­ge­lung ge­schaf­fen wer­den, die die zwi­schen­zeit­li­che Be­stim­mung der bis­her ta­rif­ver­trag­lich ge­re­gel­ten Ar­beits­be­din­gun­gen nach an­de­ren Re­ge­lun­gen ent­behr­lich macht (so BAG vom 01.07.2009, a.a.O., Sei­te 60; vgl. auch BAG vom 22.04.2009, NZA 2010, Sei­te 41(43 )) Die­ses Bedürf­nis für die Nach­wir­kung des ab­ge­lau­fe­nen Ta­rif­ver­tra­ges entfällt aber, wenn durch ei­ne an­de­re Ab­ma­chung auf ei­nen Ta­rif­ver­trag in wirk­sa­mer Wei­se Be­zug

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ge­nom­men wird, denn da­durch ist gewähr­leis­tet, dass das Ar­beits­verhält­nis auch nach Be­en­di­gung der Rechts­wir­kun­gen des all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Ta­rif­ver­tra­ges wei­ter­hin auf ta­rif­ver­trag­li­chem Ni­veau fort­geführt wird.

Dies gilt auch für den Fall, dass der neu ab­ge­schlos­se­ne, in­di­vi­du­al­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­ver­trag ungüns­ti­ger für den Ar­beit­neh­mer ist, denn während der Nach­wir­kung fin­det das Güns­tig­keits­prin­zip - wie zu­vor aus­geführt - kei­ne An­wen­dung. Völlig zu Recht wei­sen Wil­lem­sen/Meh­rens (a.a.O., Sei­te 310) dar­auf hin, dass das Bun­des­ar­beits­ge­richt (vom 17.01.2006, a.a.O.) - kon­se­quen­ter­wei­se und fol­ge­rich­tig bei ei­ner der hier streit­ge­genständ­li­chen ähn­li­chen Kon­stel­la­ti­on ent­schie­den hat, dass ei­ne kon­sti­tu­ti­ve zeit­dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me­klau­sel ei­ne an­de­re Ab­ma­chung im Sinn des § 4 Abs. 5 TVG dar­stellt, und auch zwar dann, wenn der in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­ver­trag­lich nach­tei­li­ger als der nach­wir­ken­de Ta­rif­ver­trag ist. Dies muss vor­lie­gend um­so mehr gel­ten, als die da­ma­li­gen Ar­beits­ver­trags­par­tei­en die Be­zug­nah­me ver­ein­bart hat­ten, als der MTV 1996 we­der ab­ge­schlos­sen noch gar für all­ge­mein ver­bind­lich erklärt war.


c)
Nach der Über­lei­tungs­ver­ein­ba­rung vom 10.02.1994 liegt dem Ar­beits­verhält­nis der Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Beschäftig­ten des Ein­hel­han­dels in Ba­den-Würtem­berg zu Grun­de. Da­mit ha­ben die da­ma­li­gen Ver­trags­par­tei­en ei­ne kon­sti­tu­ti­ve zeit­dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me­klau­sel ver­ein­bart, die zur Ablösung der Re­ge­lun­gen des zusätz­li­chen Ur­laubs­gel­des nach dem MTV 1996 geführt hat. Dies er­gibt die Aus­le­gung der in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen Ab­re­de.

Da die Be­zug­nah­me­klau­sel Be­stand­teil des Ar­beits­ver­tra­ges ist, fin­den die all­ge­mei-nen Grundsätze der Ver­trags­aus­le­gung und nicht et­wa die der Ta­rif­ver­trags­aus­le­gung An­wen­dung (so zu­tref­fend Rei­ne­cke, BB 2006, Sei­te 2637 (2638) un­ter Hin­weis auf BAG vom 26.09.2001, AP Nr. 21 zu § 1 TVG Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag, so­wie auf BAG vom 14.12.2005, BB 2006, Sei­te 1504; sie­he auch jüngst BAG vom 18.11.2009, 4 AZR 514/08, NZA 2010, Sei­te 170 (172 )). Nach §§ 133, 157 BGB sind Verträge so aus­zu­le-

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gen, wie die Par­tei­en sie nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te ver­ste­hen muss­ten. Da­bei ist zunächst vom Wort­laut der Re­ge­lung aus-zu­ge­hen. Zur Er­mitt­lung des wirk­li­chen Wil­lens der Par­tei­en sind aber auch die außer­halb der Ver­ein­ba­rung lie­gen­den Umstände ein­zu­be­zie­hen, so­weit sie ei­nen Schluss auf den Sinn der Erklärung zu­las­sen (so ständi­ge Recht­spre­chung, vergl. zum Bei­spiel BAG vom 22.10.2008, NZA 2009, Seite151, jüngst auch BAG vom 22.04.2009, NZA 2010, Sei­te 41(44)). Vor­for­mu­lier­te Ar­beits­ver­trags­be­din­gun­gen sind nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie vom verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­ner un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei die Verständ­nismöglich­kei­ten ei­nes durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu Grun­de zu le­gen sind (so BAG vom 04.06.2008, AP Nr. 64 zu § 1 TVG Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag; vgl. auch Jor­dan/Bis­sels, NZA 2010, S. 71 (73) un­ter Hin­weis auf BAG vom 17.10.2007, NZA-RR 2008, Sei­te 329 so­wie BAG vom 09.11.2005, NZA 2006, S. 202)). Dies gilt auch für dy­na­mi­sche Ver­wei­sungs­klau­seln (so BAG vom 22.04.2009, a.a.O., un­ter Hin­weis auf BAG vom 18.04.2007, NZA 2007, Sei­te 965).
aa)
Der Wort­laut der ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel lässt zwar nicht er­ken­nen, ob die Ver­trags­part­ner be­ab­sich­tig­ten, an der künf­ti­gen Ta­ri­fent­wick­lung teil­zu­ha­ben. Ins­be­son­de­re enthält die ge­trof­fe­ne Ab­re­de we­der ei­ne aus­drück­li­che so­ge­nann­te Je­wei­lig­keits­klau­sel noch nimmt sie auf ei­ne be­stimm­te Fas­sung des ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­tra­ges kon­kret Be­zug. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des BAG ist bei feh­len­der An­ga­be ei­ner kon­kret nach Da­tum fest­ge­leg­ten Fas­sung des in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­tra­ges je­doch re­gelmäßig an­zu­neh­men, der Ta­rif­ver­trag sol­le in der je­wei­li­gen Fas­sung - das heißt dy­na­misch - gel­ten (vgl. BAG vom 17.01.2006, a.a.O., un­ter Hin­weis auf BAG vom 20.03.1991, 4 AZR 455/90, AP Nr. 20 zu § 4 TVG Ta­rif­kon­kur-renz; BAG vom 27.02.2001, 9 AZR 562/00, AP Nr. 36 zu § 1 TVG Ta­rif­verträge: Rund-funk; BAG vom 09.11.2005, 5 AZR 128/05, AP Nr. 4 zu § 305 c BGB). Nach dem Re­ge-lungs­wil­len der Par­tei­en ist die Ver­ein­ba­rung dem­nach dar­auf ge­rich­tet, den man­tel­ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen und de­ren zukünf­ti­ge Ent­wick­lung auf das vor­lie­gen­de Ar­beits­verhält­nis recht­li­che Gel­tung zu ver­schaf­fen.

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bb)
Auch die wei­te­ren Ver­trags­umstände spre­chen dafür, ei­nen für ei­ne „an­de­re Ab­ma­chung“ im Sin­ne des § 4 Abs. 5 TVG er­for­der­li­chen Re­ge­lungs­wil­len an­zu­neh­men. Die Si­tua­ti­on im vor­lie­gen­den Sach­ver­halt ist nämlich ei­ne ganz an­de­re als die, auf die die Kläge­rin un­ter Hin­weis auf die Ent­schei­dun­gen des BAG, wo­nach der Wil­le der Ver­trags­par­tei­en auf die Ver­hin­de­rung oder Be­sei­ti­gung ei­ner zukünf­ti­gen ta­rif­ver­trag­li­chen Nach­wir­kung ge­rich­tet sein müsse, Be­zug ge­nom­men hat. Bei Ab­schluss der Über­lei­tungs­ver­ein­ba­rung am 10.02.1994 war der MTV 1996 nämlich we­der all­ge­mein­ver­bind­lich noch war er zu die­sem Zeit­punkt über­haupt schon exis­tent. Wie die Kläge­rin zu­tref­fend in der Kla­ge­be­gründung aus­geführt hat, kann da­her auch nicht un­ter­stellt wer­den, dass von den ursprüng­lich den Ar­beits­ver­trag schließen­den Par­tei­en da­mals dar­an ge­dacht wor­den sei, bei Aus­lau­fen der All­ge­mein­ver­bind­lich­keit des ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lungs­wer­kes im Jahr 2000 des­sen Nach­wir­kung aus­zu­sch­ließen. Ein sol­cher Wil­le kann aber auf Grund die­ser Umstände auch gar nicht ge­for­dert wer­den. Den da­ma­li­gen Ver­trags­par­tei­en ging es er­sicht­lich dar­um, an der Ent­wick­lung der Ta­rif­verträge der Bran­che, nämlich des Ein­zel­han­dels in Ba­den-Würt­tem­berg, teil­zu­ha­ben und die je­weils gülti­gen Vor­schrif­ten zum In­halt der ar­beits­ver­trag­li­chen Ab­re­de zu ma­chen. Die Ver­wei­sung im Ar­beits­ver­trag ver­schafft nach dem Wil­len der Par­tei­en des­halb ei­ner dem für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Ta­rif­ver­trag zeit­lich nach­fol­gen­den Re­ge­lung im Sin­ne des § 4 Abs. 5 TVG Gel­tung. Wie das BAG (vom 17.01.2006, a.a.O., Ziff. III 2 (3) der Ent­schei­dungs­gründe) in­so­weit völlig zu Recht aus­geführt hat, kann in ei­nem sol­chen Fall auch nicht da­von ge­spro­chen wer­den, dass ei­ne dem all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­ver­trag ent­ge­gen­ste­hen­de in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung wie­der auf­lebt und da­durch die Rück­kehr auf ein frühe­res - un­ter­ta­rif­li­ches - Ni­veau be­wirkt würde.

Zu­sam­men­fas­send bleibt da­her fest­zu­hal­ten, dass ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin die Nach­wir­kung des all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten MTV 1996 mit Ab­lauf des 31.01.2000 auf Grund ablösen­der in­di­vi­du­al­ver­trag­li­cher Ab­re­de en­de­te be­zie­hungs­wei­se nicht ein­griff. Ab dem 01.02.2000 hat­ten die je­weils gel­ten­den Man­tel­ta­rif­verträge für die Beschäftig­ten des Ein­zel­han­dels - und so­mit für den streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum 2007 die Re­ge­lung des MTV 2003 - recht­li­che Gel­tung auf das Ar­beits­verhält­nis Da der MTV in der vor­ge­nann­ten Fas­sung zusätz­li­ches Ur­laubs­geld in Höhe von 50 % der Be-

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mes­sungs­grund­la­ge vor­sieht und die Be­klag­te die­sen An­spruch un­strei­tig erfüllt hat, steht der Kläge­rin der gel­tend ge­macht über­schießen­de Zah­lungs­an­spruch nicht zu. Die Kla­ge ist da­her als un­be­gründet ab­zu­wei­sen.


II.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 46 Abs. 2 ArbGG i.V. mit § 91 ZPO.


III.

Die Streit­wert­fest­set­zung be­ruht dem Grun­de nach auf § 61 Abs. 1 ArbGG; die Höhe rich­tet sich nach dem Wert der be­zif­fer­ten Leis­tungs­kla­ge.

 

 

 

IV.

Die Be­ru­fung ist für die Kläge­rin gemäß §§ 64 Abs. 1 i.V. mit Abs. 2 a, Abs. 3 Ziff. 1 ArbGG zu­zu­las­sen, da die Rechts­sa­che nach Auf­fas­sung der Kam­mer auf Grund der auf­ge­wor­fe­nen Rechts­fra­gen und den Aus­wir­kun­gen der Ent­schei­dung auf die Viel­zahl der dem Pi­lot­ver­fah­ren an­ge­schlos­se­nen Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten grundsätz­li­che Be­deu­tung hat.

 


- 16 -


Ur­teil vom 27.05.2010 - 8 Ca 544/09 -
~~~~~

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

1. Ge­gen die­ses Ur­teil kann d. Kläg. Be­ru­fung ein­le­gen.

Wird das Ur­teil nicht in dem Um­fang an­ge­foch­ten, in dem d. Kläg. un­ter­le­gen ist, hängt die Zulässig­keit der Be­ru­fung da­von ab, dass der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des 600,00 EUR über­steigt.

Die Ein­le­gung der Be­ru­fung hat bin­nen ei­nes Mo­nats nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - Kam­mern Mann­heim -, E 7, 21, 68159 Mann­heim zu er­fol­gen. Die Be­ru­fungs­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Be­ru­fung ge­rich­tet wird, so­wie die Erklärung, dass ge­gen die­ses Ur­teil Be­ru­fung ein­ge­legt wer­de, ent­hal­ten. Die Be­ru­fung ist, so­fern nicht be­reits in der Be­ru­fungs­schrift er­folgt, bin­nen zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich ge­genüber dem Lan­des­ar­beits­ge­richt zu be­gründen.

Der Be­ru­fungskläger muss sich vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt durch ei­nen bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt ver­tre­ten las­sen, ins­be­son­de­re müssen Be­ru-fungs- und ei­ne even­tu­el­le Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift von ei­nem sol­chen un­ter­zeich­net sein.
An sei­ne Stel­le kann auch ein Ver­tre­ter ei­nes Ver­ban­des (Ge­werk­schaf­ten, Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gun­gen) oder ei­nes Spit­zen­ver­ban­des (Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände) tre­ten, so­fern er kraft Sat­zung oder Voll­macht zur Ver­tre­tung be­fugt und die Par­tei Mit­glied des Ver­ban­des oder Spit­zen­ver­ban­des ist. An die Stel­le der vor­ge­nann­ten Ver­tre­ter können auch An­ge­stell­te ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner die­ser Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, tre­ten, so­fern die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung der Ver­bands­mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und der Ver­band für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet. Ist die Par­tei Mit­glied ei­nes Ver­ban­des oder Spit­zen­ver­ban­des, kann sie sich auch durch ei­nen Ver­tre­ter ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder An­ge­stell­ten ei­ner der oben ge­nann­ten ju­ris­ti­schen Per­so­nen mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ver­tre­ten las­sen.

Mit der Be­ru­fungs­schrift soll ei­ne Aus­fer­ti­gung oder be­glau­big­te Ab­schrift des an­ge­foch­te­nen Ur­teils vor­ge­legt wer­den. Die Geschäfts­stel­le des Lan­des­ar­beits­ge­richts bit­tet, Schriftsätze in fünf­fa­cher Fer­ti­gung ein­zu­rei­chen.

2. Für d. Bekl. ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

 

D.Vor­sit­zen­de:


Aus­ge­fer­tigt
Mann­heim, den 21.01.2013


Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

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