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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Urlaub, Urlaubsabgeltung
   
Gericht: Arbeitsgericht Wuppertal
Akten­zeichen: 7 Ca 2453/09
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 19.11.2009
   
Leit­sätze:

Dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof wird gemäß Ar­ti­kel 234 EGV fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

Um­fasst der Be­griff des Ar­beit­neh­mers im Sin­ne des Ar­ti­kel 7 Abs. 1 und 2 der Richt­li­nie 2003/88/EG (= Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 93/104/EG) (Ju­ris: EGRL 88/2003 und EGRL 104/93) auch ei­nen Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten ei­ner Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts, de­ren auf Grund bun­des­ge­setz­li­cher Ermäch­ti­gung (§ 351 RVO) er­las­se­nes au­to­no­mes Sat­zungs­recht für die Ur­laubs­ansprüche des Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten auf die für Be­am­te gel­ten­den Vor­schrif­ten (hier: § 101 Lan­des­be­am­ten­ge­setz NW i.V.m. der Ver­ord­nung über den Er­ho­lungs­ur­laub der Be­am­tin­nen und Be­am­ten und Rich­te­rin­nen und Rich­ter im Lan­de Nord­rhein West­fa­len) ver­weist?

Vor­ins­tan­zen:
   

Ar­beits­ge­richt Wup­per­tal, 7 Ca 2453/09

 

Te­nor:

Das Ver­fah­ren wird aus­ge­setzt und dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof wird gemäß Ar­ti­kel 234 EGV fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

Um­fasst der Be­griff des Ar­beit­neh­mers im Sin­ne des Ar­ti­kel 7 Abs. 1 und 2 der Richt­li­nie 2003/88/EG (= Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 93/104/EG) (Ju­ris: EGRL 88/2003 und EGRL 104/93) auch ei­nen Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten ei­ner Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts, de­ren auf Grund bun­des­ge­setz­li­cher Ermäch­ti­gung (§ 351 RVO) er­las­se­nes au­to­no­mes Sat­zungs­recht für die Ur­laubs­ansprüche des Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten auf die für Be­am­te gel­ten­den Vor­schrif­ten (hier: § 101 Lan­des­be­am­ten­ge­setz NW i.V.m. der Ver­ord­nung über den Er­ho­lungs­ur­laub der Be­am­tin­nen und Be­am­ten und Rich­te­rin­nen und Rich­ter im Lan­de Nord­rhein West­fa­len) ver­weist.

 

Gründe:

I.

Die Par­tei­en strei­ten über Ur­laubs­ab­gel­tungs­ansprüche. 

Der am 28.03.1949 ge­bo­re­ne Kläger war vom 01.04.1966 bis 31.03.2009 bei der Be­klag­ten beschäftigt. Der An­stel­lungs­ver­trag vom 30. März 1966 hat un­ter an­de­rem fol­gen­den In­halt:

§ 1

Art des An­stel­lungs­verhält­nis­ses 

Herr E. wird der Dienst­ord­nung für die An­ge­stell­ten der B. un­ter­stellt und in den Vor­be­rei­tungs­dienst über­nom­men (§§ 8 bis 10 der Dienst­ord­nung).

§ 3

Dienst­be­zeich­nung 

Herr E. führt die Dienst­be­zeich­nung „Ver­wal­tungs­anwärter“. 

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§ 5 

An­la­ge 

Die Dienst­ord­nung ist die­sem Ver­trag als An­la­ge bei­gefügt. 

Der sieb­te Nach­trag zum Dienst­ver­trag vom 31.03.1976 sieht un­ter An­de­rem fol­gen­de Re­ge­lun­gen vor: 

§ 1 

Art des An­stel­lungs­verhält­nis­ses 

Herr E. wird in ein An­stel­lungs­verhält­nis auf Le­bens­zeit (planmäßiges An­stel­lungs­verhält­nis) über­nom­men (§§ 18 bis 22 der Dienst­ord­nung); ihm wird ei­ne Plan­stel­le ei­nes Ver­wal­tungs­ober­inspek­tors über­tra­gen.

§ 3 

Dienst­be­zeich­nung 

Herr E. führt die Dienst­be­zeich­nung „Ver­wal­tungs­ober­inspek­tor“. 

§ 4

Be­sol­dung 

Die Be­sol­dung er­folgt nach der Be­sol­dungs­grup­pe A 10 BBO. 

Das Be­sol­dungs­dienst­al­ter wird auf den 01. März 1970 fest­ge­setzt. 

Der Kläger, der in der Zeit vom 24.04.2006 bis zum Aus­schei­den am 31.03.2009 wei­test­ge­hend ar­beits­unfähig er­krankt war, be­gehrt von der Be­klag­ten Ur­laubs­ab­gel­tung für 11 Ur­laubs­ta­ge aus dem Jahr 2006 so­wie für 28 Ur­laubs­ta­ge aus dem Jahr 2007. Zwi­schen den Par­tei­en steht außer Streit, dass dem Kläger der Ur­laub für die Ka­len­der­jah­re 2008 und 2009 in na­tu­ra gewährt wur­de. Der Kläger hat­te sich in­so­weit “ge­sund schrei­ben“ las­sen und die Be­klag­te hat­te aus­drück­lich erklärt, den Ur­laub für die Ka­len­der­jah­re 2008 und 2009 zu gewähren, da ih­rer Auf­fas­sung nach die Ur­laubs­ansprüche für die Ka­len­der­jah­re 2006 und 2007 ver­fal­len wa­ren.

Un­ter Be­zug­nah­me auf die Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vom 20.01.2009 (C-350/06 - Schultz-Hoff, NZA 2009, 135 = NJW 2009, 495) ist der Kläger der Auf­fas­sung, dass ihm die Ur­laubs­ta­ge, die er bis zur Be­en­di­gung des An­stel­lungs­verhält­nis­ses auf Grund sei­ner Er­kran­kung nicht neh­men konn­te, von der Be­klag­ten ab­zu­gel­ten sei­en.

Der Kläger be­an­tragt, 

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 6.705,30 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 20.06.2009 zu zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt, 

die Kla­ge ab­zu­wei­sen. 

Sie ist der Auf­fas­sung, dass bei ei­nem Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten, des­sen Rechts­verhält­nis sich im We­sent­li­chen nach den für Be­am­te gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten rich­tet, ein An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung nicht ge­ge­ben sei.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze so­wie auf den sons­ti­gen Ak­ten­in­halt Be­zug ge­nom­men.

II. 

1. Recht­li­cher Rah­men 

a) Ge­mein­schafts­recht 

Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 04.11.2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (Ar­beits­zeit­richt­li­nie):

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Ar­ti­kel 1 Ge­gen­stand und An­wen­dungs­be­reich

(1) Die­se Richt­li­nie enthält Min­dest­vor­schrif­ten für Si­cher­heit und Ge­sund­heits­schutz bei der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung.

[...] 

(3) Die­se Richt­li­nie gilt un­be­scha­det ih­rer Ar­ti­kel 14, 17, 18 und 19 für al­le pri­va­ten oder öffent­li­chen Tätig­keits­be­rei­che im Sin­ne des Ar­ti­kels 2 der Richt­li­nie 89/391/EWG

Ar­ti­kel 7 Jah­res­ur­laub 

(1) Die Mit­glied­staa­ten tref­fen die er­for­der­li­chen Maßnah­men da­mit je­der Ar­beit­neh­mer ei­nen be­zahl­ten Min­dest­jah­res­ur­laub von 4 Wo­chen nach Maßga­be der Be­din­gun­gen für die In­an­spruch­nah­me und die Gewährung erhält, die in den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder nach den ein­zel­staat­li­chen Ge­pflo­gen­hei­ten vor­ge­se­hen sind.

(2) Der be­zahl­te Min­dest­jah­res­ur­laub darf außer bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht durch ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung er­setzt wer­den.

Ar­ti­kel 17 re­gelt, un­ter wel­chen Be­din­gun­gen die Mit­glied­staa­ten von ver­schie­de­nen Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie ab­wei­chen dürfen. Für Ar­ti­kel 7 ist kei­ne Ab­wei­chungsmöglich­keit vor­ge­se­hen.

Richt­li­nie 89/391/EWG des Ra­tes vom 12. Ju­ni 1989 über die Durchführung von Maßnah­men zur Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes der Ar­beit­neh­mer bei der Ar­beit:

Ar­ti­kel 2 An­wen­dungs­be­reich 

(1) Die­se Richt­li­nie fin­det An­wen­dung auf al­le pri­va­ten oder öffent­li­chen Tätig­keits­be­rei­che (ge­werb­li­che, land­wirt­schaft­li­che, kaufmänni­sche, ver­wal­tungsmäßige so­wie dienst­leis­tungs- oder aus­bil­dungs­be­zo­ge­ne, kul­tu­rel­le und Frei­zeittätig­kei­ten usw.)

(2) Die­se Richt­li­nie fin­det kei­ne An­wen­dung, so­weit dem Be­son­der­hei­ten be­stimm­ter spe­zi­fi­scher Tätig­kei­ten im öffent­li­chen Dienst, zum Bei­spiel bei den Streit­kräften oder der Po­li­zei, oder be­stimm­ter spe­zi­fi­scher
Tätig­kei­ten bei den Ka­ta­stro­phen­schutz­diens­ten zwin­gend ent­ge­gen­ste­hen.

In die­sen Fällen ist dafür Sor­ge zu tra­gen, dass un­ter Berück­sich­ti­gung der Zie­le die­ser Richt­li­nie ei­ne größtmögli­che Si­cher­heit und ein größtmögli­cher Ge­sund­heits­schutz der Ar­beit­neh­mer gewähr­leis­tet ist.

b) Na­tio­na­les Ge­set­zes­recht 

Min­des­t­ur­laubs­ge­setz für Ar­beit­neh­mer - Bun­des­ur­laubs­ge­setz (BurlG) vom 08.01.1963 (BGBl. I, S. 2) i.d.F. vom 07.05.2002 (BGBl. I, S. 1529):

§ 1 Ur­laubs­an­spruch 

Je­der Ar­beit­neh­mer hat in je­dem Ka­len­der­jahr An­spruch auf be­zahl­ten Er­ho­lungs­ur­laub. 

§ 3 Dau­er des Ur­laubs 

(1) Der Ur­laub beträgt jähr­lich min­des­tens 24 Werk­ta­ge. 

§ 7 Zeit­punkt, Über­trag­bar­keit und Ab­gel­tung des Ur­laubs 

(1) Bei der zeit­li­chen Fest­le­gung des Ur­laubs sind die Ur­laubswünsche des Ar­beit­neh­mers zu berück­sich­ti­gen, es sei denn, dass ih­rer Berück­sich­ti­gung drin­gen­de be­trieb­li­che Be­lan­ge oder Ur­laubswünsche an­de­rer Ar­beit­neh­mer, die un­ter so­zia­len Ge­sichts­punk­ten den Vor­rang ver­die­nen, ent­ge­gen­ste­hen.

[...] 

(3) Der Ur­laub muss im lau­fen­den Ka­len­der­jahr gewährt und ge­nom­men wer­den. Ei­ne Über­tra­gung des Ur­laubs auf das nächs­te Ka­len­der­jahr ist nur statt­haft, wenn drin­gen­de be­trieb­li­che oder in der Per­son des Ar­beit­neh­mers lie­gen­de Gründe dies recht­fer­ti­gen. Im Fall der Über­tra­gung muss der Ur­laub in den ers­ten drei Mo­na­ten des fol­gen­den Ka­len­der­jah­res gewährt und ge­nom­men wer­den. [...]

(4) Kann der Ur­laub we­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ganz oder teil­wei­se nicht mehr gewährt wer­den, so ist er ab­zu­gel­ten.

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Reichs­ver­si­che­rungs­ord­nung (RVO) v. 19.7.1911, zu­letzt geändert durch G. v. 17.3.2009 (BGBl. I, S. 550): 

§ 349 Be­set­zung der Stel­len 

Bei den Kran­ken­kas­sen wer­den die aus Mit­teln der Kas­sen be­zahl­ten Stel­len der Be­am­ten und der­je­ni­gen An­ge­stell­ten, für wel­che die Dienst­ord­nung (§ 351) gilt, mit 2/3 Mehr­heit durch den Vor­stand be­setzt.

§ 351 Dienst­ord­nung 

(1) Für die von den Kran­ken­kas­sen be­sol­de­ten An­ge­stell­ten, die nicht nach Lan­des­recht staat­li­che oder ge­meind­li­che Be­am­te sind, wird ei­ne Dienst­ord­nung auf­ge­stellt.

(2) Für An­ge­stell­te die nur auf Pro­be, zu vorüber­ge­hen­der Dienst­leis­tung oder zur Vor­be­rei­tung beschäftigt wer­den oder die das Amt oh­ne Ent­gelt ne­ben­her ausüben, gilt die Dienst­ord­nung nur, so­weit sie es
aus­drück­lich vor­sieht.

§ 352 In­halt der Dienst­ord­nung 

Die Dienst­ord­nung re­gelt die Rechts- und die all­ge­mei­nen Dienst­verhält­nis­se der An­ge­stell­ten, ins­be­son­de­re den Nach­weis ih­rer fach­li­chen Befähi­gung, ih­re Zahl, die Art der An­stel­lung, die Kündi­gung oder Ent­las­sung und die Fol­gen der Nich­terfüllung von Pflich­ten. Hier­bei dürfen kei­ne wei­ter­ge­hen­den Rechts­nach­tei­le vor­ge­se­hen wer­den, als sie das Dis­zi­pli­nar­recht für Be­am­te zulässt.

§ 353 Be­sol­dungs­plan 

(1) Die Dienst­ord­nung enthält ei­nen Be­sol­dungs­plan. Da­bei re­gelt sie: 

1.Wie­weit bei un­ver­schul­de­ter Ar­beits­be­hin­de­rung das Ge­halt fort­ge­zahlt wird, 

2.In wel­chen Fris­ten Dienst­al­ters­zu­la­gen gewährt wer­den. 

3.Un­ter wel­chen Be­din­gun­gen An­stel­lung auf Le­bens­zeit oder nach Lan­des­recht un­wi­der­ruf­lich er­folgt und Ru­he­ge­halt und Hin­ter­blie­be­nenfürsor­ge gewährt wer­den.

(2) Sie re­gelt fer­ner, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Beförde­rung statt­fin­det.

§ 354 An­stel­lung, Kündi­gung und Ent­las­sung von DO-An­ge­stell­ten 

(1) Wer der Dienst­ord­nung un­ter­ste­hen soll, wird durch schrift­li­chen Ver­trag an­ge­stellt. 

§ 358 Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­te 

Verträge mit An­ge­stell­ten, die der Dienst­ord­nung un­ter­ste­hen sol­len (§ 349, 354 Abs. 1), dürfen ab dem 01. Ja­nu­ar 1993 nicht mehr ab­ge­schlos­sen wer­den, es sei denn, der An­ge­stell­te un­ter­stand am 31. De­zem­ber 1992 be­reits ei­ner Dienst­ord­nung.

Zwei­tes Ge­setz zur Ver­ein­heit­li­chung und Neu­re­ge­lung des Be­sol­dungs­rechts in Bund und Ländern (2. Bes­VNG) vom 23.5.1975 (BGBl. I S. 1173):

Art. VIII

§ 1 

(1) Bun­des­un­mit­tel­ba­re Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts im Be­reich der So­zi­al­ver­si­che­rung ha­ben bei Auf­stel­lung ih­rer Dienst­ord­nun­gen nach den §§ 351 bis 357, § 413 Abs. 2, § 414b Reichs­ver­si­che­rungs­ord­nung, §§ 144 bis 147 des Sieb­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch, § 52 Abs. 2 und § 56 Abs. 3 des Ge­set­zes über die Al­ters­si­che­rung der Land­wir­te, § 58 des Zwei­ten Ge­set­zes über die Kran­ken­ver­si­che­rung der Land­wir­te für die dienst­ord­nungsmäßig An­ge­stell­ten

1.den Rah­men des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes, ins­be­son­de­re das für die Bun­des­be­am­ten gel­ten­de Be­sol­dungs- und Stel­len­gefüge, ein­zu­hal­ten,

2.al­le wei­te­ren Geld- und geld­wer­ten Leis­tun­gen so­wie die Ver­sor­gung im Rah­men und nach den Grundsätzen der für die Bun­des­be­am­ten gel­ten­den Be­stim­mun­gen zu re­geln

§ 2 

(1) Für lan­des­un­mit­tel­ba­re Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts im Be­reich der So­zi­al­ver­si­che­rung gel­ten 

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1.§ 1 Abs. 1 mit der Maßga­be, dass an die Stel­le des für Bun­des­be­am­te gel­ten­den Rechts das für Lan­des­be­am­te gel­ten­de Recht tritt, so­wie [...]

Be­am­ten­ge­setz für das Land Nord­rhein-West­fa­len - Lan­des­be­am­ten­ge­setz (LBG) v. 1.5.1981 (GV.NRW S. 234), zu­letzt geändert durch G. v. 18.11.2008 (GV.NRW S. 706):

§ 101

Dem Be­am­ten steht jähr­lich ein Er­ho­lungs­ur­laub un­ter Fort­gewährung der Leis­tung des Dienst­herrn zu. Die Lan­des­re­gie­rung re­gelt durch Rechts­ver­ord­nung Ein­zel­hei­ten der Ur­laubs­gewährung; sie re­gelt ins­be­son­de­re:

1.die Dau­er des nach dem Le­bens­al­ter zu be­mes­se­nen Er­ho­lungs­ur­laubs,

2.die Er­tei­lung des Ur­laubs (Gewähr­leis­tung des Dienst­be­trie­bes, Tei­lung und Über­tra­gung, Wi­der­ruf und Ver­le­gung),

3.die Gewährung von Zu­satz­ur­laub.

c) Rechts­ver­ord­nun­gen:

Ver­ord­nung über den Er­ho­lungs­ur­laub der Be­am­tin­nen und Be­am­ten und Rich­te­rin­nen und Rich­ter im Lan­de Nord­rhein West­fa­len (Er­ho­lungs­ur­laubs­ver­ord­nung - EUV) in der Fas­sung vom 14.09.1993: 87

§ 8 

Der Er­ho­lungs­ur­laub soll im Lau­fe des Ur­laubs­jah­res nach Möglich­keit voll aus­ge­nutzt wer­den. Der Ur­laub ist auf Wunsch ge­teilt zu gewähren; je­doch ist im All­ge­mei­nen die Tei­lung in mehr als zwei Ab­schnit­te zu ver­mei­den.

Ur­laub der nicht in­ner­halb von neun Mo­na­ten nach dem En­de des Ur­laubs­jah­res in An­spruch ge­nom­men wor­den ist, verfällt. Im Fal­le des § 5 Abs. 3 Satz 1, ers­ter Al­ter­na­ti­ve ... (Be­ginn oder En­de des Be­am­ten­verhält­nis­ses im Lau­fe des Ur­laubs­jah­res)... verfällt der Ur­laub erst am En­de des fol­gen­den Jah­res.

d) Sat­zungs­recht 

Dienst­ord­nung für die Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten der AOK Rhein­land/Ham­burg - Die Ge­sund­heits­kas­se vom 24.6.2006:

§ 2 Über­g­angs­re­ge­lun­gen 

[...] 

Für An­ge­stell­te, die am 30.06.2006 der Dienst­ord­nung der AOK Rhein­land un­ter­stan­den, gel­ten die bis­he­ri­gen Re­ge­lun­gen der Dienst­ord­nung der AOK Rhein­land (An­la­ge 2).

§ 3 Ablösung 

Die­se Dienst­ord­nung gilt so­lan­ge fort, bis sie durch ei­ne neue Dienst­ord­nung ab­gelöst wird. 

Dienst­ord­nung für die An­ge­stell­ten der AOK Rhein­land vom 01.01.1999: 

§ 20 An­pas­sung an be­am­ten­recht­li­che Vor­schrif­ten 

(1) So­weit nicht durch be­son­de­re ge­setz­li­che Vor­schrif­ten oder in die­ser Dienst­ord­nung et­was an­de­res be­stimmt ist, gel­ten für die An­ge­stell­ten und für die Ver­sor­gungs­empfänger ent­spre­chend oder sinn­gemäß die je­wei­li­gen Vor­schrif­ten über Lan­des­be­am­te über:

[...] 

f) Ur­laub

3. Die Vor­la­ge­fra­ge:

Fol­gen­de Erwägun­gen ha­ben das Ge­richt ver­an­lasst, dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof die im Be­schluss­te­nor be­zeich­ne­te Fra­ge vor­zu­le­gen.

Für das Ge­richt war ent­schei­dungs­er­heb­lich, ob der Kläger als Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ter dem

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Schutz­be­reich des Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 2003/88/EG un­terfällt, da nur in die­sem Fall dem Kläger ein An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung - zu­min­dest in Höhe des in Ar­ti­kel 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88/EG ent­hal­te­nen Min­des­t­ur­laubs - zu­steht.

a)Nach Auf­fas­sung der Kam­mer er­gibt sich ein An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung nicht aus § 7 Abs. 4 BUrlG, da das BUrlG auf das Rechts­verhält­nis des Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten kei­ne An­wen­dung fin­det. Das BUrlG wird durch die Re­ge­lun­gen in § 20 der Dienst­ord­nung in Ver­bin­dung mit § 101 LBG NRW in Ver­bin­dung mit § 8 der Ver­ord­nung über den Er­ho­lungs­ur­laub der Be­am­tin­nen und Be­am­ten und Rich­te­rin­nen und Rich­ter des Lan­des Nord­rhein West­fa­len (EUV) ver­drängt.

Bei der Dienst­ord­nung han­delt es sich um von der Be­klag­ten auf Grund ge­setz­li­cher Ermäch­ti­gung nach den Be­stim­mun­gen der RVO er­las­se­nes au­to­no­mes Sat­zungs­recht (ständi­ge Recht­spre­chung, vgl. et­wa BAG Ur­teil vom 20.2.2008, 10 AZR 440/07, ZTR 2008, 323; BAG Ur­teil vom 17.12.1987, 6 AZR 747/85, NZA 1988, 801 = AP Nr. 65 zu § 611 BGB Dienst­ord­nungs-An­ge­stell­te; BAG Ur­teil vom 05.03.1980, 4 AZR 245/78, BA­GE 33, 34 = AP Nr. 50 zu § 611 BGB Dienst­ord­nungs-An­ge­stell­te; BAG Ur­teil vom 25.04.1979, 4 AZR 791/77, BA­GE 31, 381 = AP Nr. 49 zu § 611 BGB Dienst­ord­nungs-An­ge­stell­te).

Nach § 351 RVO wird für die von den Kran­ken­kas­sen be­sol­de­ten An­ge­stell­ten ei­ne Dienst­ord­nung auf­ge­stellt, die nach § 353 Abs. 1 RVO ei­nen Be­sol­dungs­plan enthält. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­nimmt die­sen Vor­schrif­ten, dass Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­te be­sol­det wer­den und da­her wie Be­am­te vergütet wer­den (vgl. BAG Ur­teil vom 20.2.2008, 10 AZR 440/07, ZTR 2008, 323; BAG Ur­teil vom 15.11.2001, 6 AZR 382/00, NZA 2002, 447 = AP Nr. 74 zu § 611 BGB Dienst­ord­nungs-An­ge­stell­te). Dies ent­spricht dem Grund­satz, dass Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­te, die bei So­zi­al­ver­si­che­rungs­trägern grundsätz­lich Tätig­kei­ten ver­rich­ten, die bei all­ge­mei­nen staat­li­chen Behörden in der Re­gel Be­am­ten über­tra­gen sind, hin­sicht­lich der ma­te­ri­el­len Ge­stal­tung ih­rer Rechts­verhält­nis­se ei­nen Sta­tus ein­neh­men sol­len, der weit­ge­hend dem der Be­am­ten ent­spricht (vgl. BAG Ur­teil vom 25.04.1979, 4 AZR 791/77, a.a.O.).

Auch die Be­stim­mun­gen in Ar­ti­kel VIII des Zwei­ten Ge­set­zes zur Ver­ein­heit­li­chung und Neu­re­ge­lung des Be­sol­dungs­rechts in Bund und Ländern (2. Bes­VNG) set­zen die Gel­tung des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips für Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­te vor­aus. Nach Ar­ti­kel VIII § 1 Abs. 1 des 2. Bes­VNG ha­ben bun­des­un­mit­tel­ba­re Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts im Be­reich der So­zi­al­ver­si­che­rung bei der Auf­stel­lung ih­rer Dienst­ord­nun­gen den Rah­men des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes, ins­be­son­de­re das für die Bun­des­be­am­ten gel­ten­de Be­sol­dungs- und Stel­len­gefüge ein­zu­hal­ten und al­le wei­te­ren Geld- und geld­wert­leis­tun­gen so­wie die Ver­sor­gung im Rah­men und nach den Grundsätzen der für die Bun­des­be­am­ten gel­ten­den Be­stim­mun­gen zu re­geln. Für lan­des­un­mit­tel­ba­re Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts im Be­reich der So­zi­al­ver­si­che­rung wie die Be­klag­te gilt dies gemäß Ar­ti­kel VIII § 2 Abs. 1 Nr. 1 des 2. Bes­VNG mit der Maßga­be, dass an die Stel­le des für Bun­des­be­am­te gel­ten­den Rechts das für Lan­des­be­am­te gel­ten­de Recht tritt. Der Zweck die­ser Re­ge­lung be­steht nach der Ge­set­zes­be­gründung dar­in, das Be­sol­dungs- und Ver­sor­gungs­recht in al­len Be­rei­chen des öffent­li­chen Diens­tes zu ver­ein­heit­li­chen und da­bei möglichst al­le Be­diens­te­ten zu er­fas­sen, die Ho­heits­be­fug­nis­se ausüben, für die Be­am­ten­recht maßgeb­lich ist und für die bun­des­ein­heit­li­che Maßstäbe ge­fun­den wer­den können (BT-Drucks. 7/1906, Sei­te 75, 130). Da­nach sol­len die Geld- und geld­wer­ten Leis­tun­gen von Be­am­ten und Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten gleich und nicht un­gleich sein. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist es aus die­sem Grund nicht zulässig, Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten Leis­tun­gen zu gewähren, die nach be­am­ten­recht­li­chen Be­stim­mun­gen für Be­am­te nicht vor­ge­se­hen sind (vgl. BAG Ur­teil vom 20.2.2008, 10 AZR 440/07, ZTR 2008, 323; BAG Ur­teil vom 17.12.1987, 6 AZR 747/85, NZA 1988, 801 = AP Nr. 65 zu § 611 BGB Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­te; BAG Ur­teil vom 12.08.1981, 4 AZR 918/78, BA­GE 36, 52 = AP Nr. 51 zu § 611 BGB Dienst­ord­nungs-An­ge­stell­te; BAG Ur­teil vom 05.03.1980, 4 AZR 245/78, BA­GE 33, 34 = AP Nr. 50 zu § 611 BGB Dienst­ord­nungs-An­ge­stell­te). Dies muss auch für Ur­laubs­ab­gel­tungs­ansprüche gel­ten, da auch die­se ei­ne geld­wer­te Leis­tung be­gründen (so BAG Ur­teil vom 25.4.1979, 4 AZR 791/77, BA­GE 31, 381 = AP Nr. 49 zu § 611 BGB Dienst­ord­nungs-An­ge­stell­te). Aus der ge­setz­li­chen Sys­te­ma­tik er­gibt sich da­her, dass für Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­te Re­ge­lun­gen zum Ur­laub nicht durch das BUrlG son­dern über die bun­des­ge­setz­li­che Ermäch­ti­gung in § 351 RVO nach be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten zu er­fol­gen ha­ben.

Die Er­ho­lungs­ur­laubs­ver­ord­nung für Be­am­tin­nen und Be­am­te so­wie Rich­te­rin­nen und Rich­ter im Land Nord­rhein-West­fah­len sieht je­doch für Lan­des­be­am­te kei­nen An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung vor.

b)Ein An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung könn­te sich für den Kläger da­her al­len­falls un­mit­tel­bar aus Ar­ti­kel 7 Abs. 1 und 2 der Richt­li­nie 2003/88/EG er­ge­ben, wenn der dor­ti­ge Be­griff des Ar­beit­neh­mers auch ei­nen Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten er­fasst.

aa)Der Kläger kann sich un­mit­tel­bar auf Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 2003/88/EG als An­spruchs­grund­la­ge be­ru­fen. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs und des Bun­des­ar­beits­ge­richts können sich Ein­zel­ne ge­genüber dem Staat, ins­be­son­de­re in des­sen Ei­gen­schaft als Ar­beit­ge­ber, wie auch ge­genüber Or­ga­ni­sa­tio­nen oder Ein­rich­tun­gen, die dem Staat oder des­sen Auf­sicht un­ter­ste­hen oder mit be­son­de­ren Rech­ten aus­ge­stat­tet sind, die über die­je­ni­gen hin­aus­ge­hen, die nach den Vor­schrif­ten für die

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Be­zie­hun­gen zwi­schen Pri­vat­per­so­nen gel­ten, im­mer dann auf die Be­stim­mun­gen ei­ner Richt­li­nie be­ru­fen, wenn sich die­se als in­halt­lich un­be­dingt und hin­rei­chend ge­nau dar­stel­len (vgl. EuGH Ur­teil vom 15.04.2008, C-268/06 - Im­pekt, NZA 2008, 581, Rn. 57 des Ur­teils; EuGH Ur­teil vom 26.05.2005, C-297/03 - So­zi­al­hil­fe­ver­band Ruhr­bach, Slg. 2005 I 4305, Rn. 27 des Ur­teils; BAG Ur­teil vom 09.04.2008, 4 AZR 104/07, AP Nr. 43 zu § 1 TVG; BAG Ur­teil vom 16.6.2005, 6 AZR 108/01, BA­GE 113, 115).

Die Be­klag­te ist als Ver­si­che­rungs­träger ei­ne un­ter staat­li­cher Auf­sicht ste­hen­de rechtsfähi­ge Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts (§ 29 Abs. 1, § 90 Abs. 2a SGB IV, § 143 Abs. 1 SGB VI) und kann sich als öffent­li­cher Ar­beit­ge­ber der von der Bun­des­re­pu­blik über­nom­me­nen Ver­pflich­tung, die Richt­li­nie durch­zuführen, nicht ent­zie­hen. Ar­ti­kel 7 der Richt­li­nie 2003/88/EG erfüllt auch al­le Vor­aus­set­zun­gen, um un­mit­tel­ba­re Wir­kung zu ent­fal­ten und ist ins­be­son­de­re in­halt­lich un­be­dingt und hin­rei­chend ge­nau (vgl. LAG Düssel­dorf Ur­teil vom 02.02.2009, 12 Sa 486/06, NZA-RR 2009, 242).

bb)Aus Ar­ti­kel 7 Abs. 2 der Richt­li­nie 2003/88 EG er­gibt sich auch ein An­spruch auf Ab­gel­tung des Ur­laubs­an­spruchs in fi­nan­zi­el­ler Form, wenn der Ur­laub bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses we­gen Ar­beits­unfähig­keit nicht mehr ge­nom­men wer­den kann. Dies hat der Eu­ropäische Ge­richts­hof mit Ur­teil vom 20.1.2009 (Az.: C 350/06 - Schultz-Hoff, NZA 2009, 135 = NJW 2009, 495) ent­schie­den und ex­pli­zit aus­geführt, dass dann, wenn das Ar­beits­verhält­nis en­det und es nicht mehr möglich ist, tatsächlich be­zahl­ten Jah­res­ur­laub zu neh­men, Ar­ti­kel 7 Abs. 2 der Richt­li­nie 2003/88/EG vor­sieht, dass der Ar­beit­neh­mer An­spruch auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung hat, um zu ver­hin­dern, dass ihm we­gen die­ser Unmöglich­keit je­der Ge­nuss die­ses An­spruchs, selbst in fi­nan­zi­el­ler Form, ver­wehrt wird (vgl. Rn. 56 des Ur­teils).

cc)Ent­schei­dungs­er­heb­lich ist da­her, ob der Kläger als Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ter Ar­beit­neh­mer im Sin­ne des Ar­ti­kels 1 Abs. 3 der Richt­li­nie 2003/88/EG ist.

Gemäß Ar­ti­kel 1 Abs. 3 der Richt­li­nie 2003/88/EG gilt die­se für al­le pri­va­ten oder öffent­li­chen Tätig­keits­be­rei­che i.S.d. Ar­ti­kels 2 der Richt­li­nie 89/391/EWG. Auch Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 89/391/EWG be­stimmt zunächst, dass die­se auf al­le öffent­li­chen und pri­va­ten Tätig­keits­be­rei­che An­wen­dung fin­det, wo­bei gemäß Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie 89/391/EWG die­se aus­nahms­wei­se kei­ne An­wen­dung fin­det, so­weit dem Be­son­der­hei­ten be­stimm­ter spe­zi­fi­scher Tätig­kei­ten im öffent­li­chen Dienst, zum Bei­spiel bei den Streit­kräften oder der Po­li­zei [...] zwin­gend ent­ge­gen­ste­hen. Auf­grund die­ser Aus­nah­me­vor­schrift wird zum Teil die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass auch Be­am­te dem An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie un­ter­fal­len (vgl. OVG NRW Ur­teil vom 07.05.2009, 1 A 2652/07, ZBR 2009, 352, zi­tiert nach Ju­ris, VG Gel­sen­kir­chen, Be­schluss vom 04.08.2009, 1 L 667/09 zi­tiert nach ju­ris, bestätigt durch OVG NRW, Be­schluss vom 21.09.2009, 6 B 1236/09, zi­tiert nach ju­ris). Der­ar­ti­ge ein­schränken­de Nor­men wären nicht er­for­der­lich, wenn die Richt­li­ni­en von vor­ne­her­ein für öffent­lich-recht­li­che Dienst­verhält­nis­se kei­ne Gel­tung be­an­spruch­ten.

Die­se Aus­le­gung er­scheint je­doch nicht zwin­gend und könn­te zu den ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­son­der­hei­ten in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in Wi­der­spruch ste­hen. Dem bun­des­deut­schen Be­am­ten­recht ist ein Aus­tausch­verhält­nis zwi­schen Dienst­leis­tung ei­ner­seits und Vergütung an­de­rer­seits nämlich fremd. Ein Be­am­ter wird nicht für sei­ne Dienst­leis­tung ent­lohnt, son­dern sei­nem Amt an­ge­mes­sen ali­men­tiert. Es han­delt sich nicht um ein Ver­trags­verhält­nis, wel­ches den Aus­tausch von Leis­tun­gen zum In­halt hat. Zweck des Er­ho­lungs­ur­laubs ist es, dem Be­am­ten die Auf­fri­schung und Er­hal­tung sei­ner Ar­beits­kraft zu ermögli­chen. Die­ser Zweck würde bei ei­ner Ab­gel­tung in Geld nicht er­reicht. Aus die­sen Erwägun­gen wird trotz der Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­ho­fes in Sa­chen Schultz-Hoff (Ur­teil vom 20.1.2009, C-350/06, NZA 2009, 135 = NJW 2009, 495) von den In­stanz­ge­rich­ten ein An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung zum Teil ver­neint (vgl. VG Han­no­ver, Ur­teil vom 15.10.2009, 13 A 2003/09, zi­tiert nach ju­ris; VG Ko­blenz, Ur­teil vom 21.7.2009, 6 K 1253/08.Ko, zi­tiert nach ju­ris).

Nach Auf­fas­sung der Kam­mer ist die Fra­ge, ob ein Be­am­ter - oder ein nach be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten zu be­han­deln­der Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ter - Ar­beit­neh­mer i.S.d. Art. 1 Abs. 3 der Richt­li­nie 2003/88/EG ist, durch den Eu­ropäischen Ge­richts­hof nicht hin­rei­chend geklärt. Zwar hat der Eu­ropäische Ge­richts­hof mit Be­schluss vom 14.07.2005 (C 52/04 - Per­so­nal­rat der Feu­er­wehr Ham­burg/Lei­ter der Feu­er­wehr Ham­burg, NZA 2005, 921) bei ei­nem Feu­er­wehr­be­am­ten die Richt­li­nie 89/391/EWG für an­wend­bar erklärt. Der Ent­schei­dung lag je­doch die Pro­ble­ma­tik zu­grun­de, ob die spe­zi­fi­schen Tätig­kei­ten des Feu­er­wehr­diens­tes im Sin­ne des Ar­ti­kels 2 Abs. 2 der Richt­li­nie 89/391/EWG der An­wen­dung der Richt­li­nie zwin­gend ent­ge­gen­ste­hen. Vor­lie­gend geht es in­des um die Fra­ge, ob die bun­des­deut­schen Be­son­der­hei­ten des Be­rufs­be­am­ten­tums und da­mit die Art des Rechts­verhält­nis­ses die An­wen­dung der Richt­li­nie aus­sch­ließen.

 

Dr. Elz

Rich­ter am Ar­beits­ge­richt
 

 

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