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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte:
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Bremen
Akten­zeichen: 2 Sa 271/06
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 31.01.2007
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bremen-Bremerhaven
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Bre­men


Ak­ten­zei­chen: 2 Sa 271/06
9 Ca 9509/04 Bre­men-Bre­mer­ha­ven

Verkündet am: 31.01.2007

Im Na­men des Vol­kes

Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le 

U r t e i l

In dem Be­ru­fungs­ver­fah­ren

Be­klag­te und Be­ru­fungskläge­rin

Pro­zess­be­vollm.:

ge­gen

Kläge­rin und Be­ru­fungs­be­klag­te

Pro­zess­be­vollm.:

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Bre­men - Zwei­te Kam­mer - auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 31. Ja­nu­ar 2007

durch

den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt

als Vor­sit­zen­den

und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter

2

für Recht er­kannt:

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bre­men-Bre­mer­ha­ven vom 27.04.2005 - Az.: 9 Ca 9509/04 - wird zurück­ge­wie­sen.

Die Kos­ten der Be­ru­fung trägt die Be­klag­te.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Be­klag­ten

R e v i s i o n

ein­ge­legt wer­den.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb

ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

schrift­lich beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den. Sie ist gleich­zei­tig oder in­ner­halb

ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten

schrift­lich zu be­gründen.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.


Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.

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Die An­schrift des Bun­des­ar­beits­ge­richts lau­tet:

Bun­des­ar­beits­ge­richt,
99113 Er­furt.

Per Te­le­fax ist das Bun­des­ar­beits­ge­richt un­ter der

Te­le­fax-Nr. (0361) 26 36 – 20 00

zu er­rei­chen.

Für die Kläge­rin ist ge­gen die Ent­schei­dung kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Hin­weis der Geschäfts­stel­le

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt bit­tet, sämt­li­che Schriftsätze in sie­ben­fa­cher Aus­fer­ti­gung - für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ei­ne Aus­fer­ti­gung mehr - bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­zu­rei­chen.

T A T B E S T A N D :

Die Par­tei­en strei­ten über Vergütungs­ansprüche aus ei­nem be­en­de­ten Ar­beits­verhält­nis.

Die Kläge­rin war seit 01.11.1992 bei der Be­klag­ten als Sach­be­ar­bei­te­rin in der Be­triebs­ab­rech­nung zu ei­ner mo­nat­li­chen Brut­to­vergütung von zu­letzt 3.050,28 € tätig. Bei­de Par­tei­en sind ta­rif­ge­bun­den.

Seit 08.10.2003 war die Kläge­rin ar­beits­unfähig er­krankt. Die Be­klag­te hat bis 18.11.2003 Ent­gelt­fort­zah­lung ge­leis­tet, da­nach hat die Kläge­rin bis 14.12.2003 Kran­ken­geld be­zo­gen.

Mit Schrei­ben vom 24.10.2003, zu­ge­gan­gen an die­sem Tag, hat die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis mit der Kläge­rin frist­ge­recht zum 31.03.2004 gekündigt.

Am 11.11.2003 hat die Kläge­rin hier­ge­gen Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben (9 Ca 9650/03). Im Rah­men die­ses Ver­fah­rens hat die Be­klag­te die Kündi­gung mit be­triebs­be­ding­ten und ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen be­gründet.

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Im Güte­ter­min am 28.11.2003 hat das Ge­richt den Par­tei­en fol­gen­den Ver­gleichs­vor­schlag ge­macht:

„1. Das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis wird auf­grund frist­gemäßer, ar­beit­ge­ber­sei­ti­ger Kündi­gung aus be­triebs­be­ding­ten Gründen mit dem 31.03.2004 sein En­de fin­den.

Bis zu die­sem Zeit­punkt wird das Ar­beits­verhält­nis ord­nungs­gemäß ab­ge­rech­net, wo­bei die Kläge­rin ab 15.12.2003 un­wi­der­ruf­lich un­ter Fort­zah­lung der Bezüge und un­ter An­rech­nung auf be­ste­hen­de Ur­laubs­ansprüche von der Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt wird.

2. Die Be­klag­te zahlt an die Kläge­rin als Ab­fin­dung für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes in ent­spre­chen­der An­wen­dung der §§ 9, 10 KSchG i.V.m. § 3 Nr. 9 EStG ei­nen Be­trag von 12.500,00 € brut­to, fällig mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses.

3. Die Be­klag­te wird der Kläge­rin ein wohl­wol­len­des, qua­li­fi­zier­tes Ar­beits­zeug­nis und auf Wunsch ein dem ent­spre­chen­des Zwi­schen­zeug­nis er­stel­len.

4. Mit die­sem Ver­gleich ist der Rechts­streit 9 Ca 9650/03 er­le­digt.“

Die Be­klag­te hat dem Ver­gleichs­vor­schlag mit Schrift­satz vom 08.12.2003, an die Kläger­sei­te über­sandt am 09.12.2003, zu­ge­stimmt. Die Kläge­rin hat ih­re Zu­stim­mung mit Schrift­satz der Be­vollmäch­tig­ten vom 15.12.2003, ein­ge­gan­gen an die­sem Tag, erklärt. Am 16.12.2003 wur-de das Zu­stan­de­kom­men des Ver­glei­ches durch Be­schluss fest­ge­stellt.

Ei­ne Ent­gelt­zah­lung hat die Be­klag­te ab 15.12.2003 zunächst nicht ge­leis­tet, Kran­ken­geld hat die Kläge­rin ab 15.12.2003 nicht mehr be­zo­gen.

En­de Ja­nu­ar 2004 hat die Kläge­rin ei­ne am 26.01.2004 aus­ge­stell­te ärzt­li­che Be­schei­ni­gung von Dr. med. J. H. bei der Be­klag­ten ein­ge­reicht in der es heißt: „Frau A. ist ab 15.12.2003 wie­der ar­beitsfähig.“

Hin­sicht­lich wei­te­rer Ein­zel­hei­ten wird auf Blatt 52 der Ak­te Be­zug ge­nom­men.

Die Be­klag­te hat dann zunächst ab Fe­bru­ar 2004 die Vergütungs­zah­lung wie­der auf­ge­nom-

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Mit Schrei­ben vom 02.03.2004 ha­ben die Be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin un­ter Frist­set­zung bis 15.03.2004 Vergütungs­zah­lung für den Zeit­raum vom 15.12.2003 bis ein­sch­ließlich Ja­nu­ar 2004 be­gehrt.

Mit der Ab­rech­nung März 2004 hat die Be­klag­te ei­ne Ab­rech­nung für Ja­nu­ar 2004 über­sandt und sechs Ar­beits­ta­ge nebst Kon­toführungs­gebühr mit ins­ge­samt 591,41 € brut­to vergütet.

Mit Schrift­satz vom 06.10.2004, ein­ge­gan­gen am 07.10.2004, hat die Kläge­rin das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet.

Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, Vergütungs­ansprüche für den streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum stünden ihr zu und hat vor­ge­tra­gen, dass sie – wäre sie nicht frei­ge­stellt wor­den – in der La­ge ge­we­sen wäre, Bürotätig­kei­ten und Sach­be­ar­bei­te­rin­nentätig­kei­ten im Rech­nungs­we­sen durch­zuführen. Der die Kläge­rin be­han­deln­de Arzt ha­be sie ab 15.12.2003 für ar­beitsfähig ge­sund und in der La­ge ge­se­hen, bei­spiels­wei­se Bürotätig­kei­ten wie Ein­gangs­rech­nungs­prüfung, Kon­tie­ren von Rech­nun­gen und Gut­schrif­ten, Vor­be­rei­tung und Er­stel­lung von Jah­res­ab­schlüssen und Ar­bei­ten am PC zu ver­rich­ten. Im Übri­gen sei die Be­klag­te ver­pflich­tet, aus dem ge­richt­li­chen Ver­gleich die Kläge­rin un­ter Fort­zah­lung der Bezüge von der Ar­beits­leis­tung frei­zu­stel­len, so dass sich ein Vergütungs­zah­lungs­an­spruch aus dem Ver­gleich er­ge­be.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin EUR 3.985,29 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 16.03.2004 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat vor­ge­tra­gen, sie ge­he da­von aus, dass die Kläge­rin auch über den 15.12.2003 hin­aus ar­beits­unfähig ge­we­sen sei und da­her ih­re ver­trag­li­che Ar­beits­leis­tung ha­be nicht er­brin­gen können. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass dem sechs Wo­chen später ein­ge­hol­ten Gefällig­keit­sat­test ei­ne in­di­zi­el­le Wir­kung nicht zu­kom­me. Des­we­gen ha­be die Kläge­rin auch kei­nen An­spruch auf die Ge­gen­leis­tung. Der Ver­gleich set­ze Ar­beitsfähig­keit

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der Ar­beit­neh­me­rin vor­aus. Ei­nen über den Ver­zicht der Ent­ge­gen­nah­me der Ge­gen­leis­tung des Ar­beit­neh­mers hin­aus­ge­hen­den Wil­len des Ar­beit­ge­bers, sei­ne ver­trag­li­che Leis­tung auch dann be­din­gungs­los er­brin­gen zu wol­len, wenn ge­setz­li­che oder ver­trag­li­che Vor­aus­set­zun­gen nicht mehr vorlägen, könne nicht un­ter­stellt wer­den. Ein ent­spre­chen­der Wil­le zu darüber hin­aus­ge­hen­der Leis­tung hätte der ein­deu­ti­gen For­mu­lie­rung be­durft.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en in ers­ter In­stanz wird auf den In­halt der dort ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen ver­wie­sen.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Ak­te des Rechts­streits 9 Ca 9650/03 bei­ge­zo­gen und zum Ge­gen­stand der Ver­hand­lung ge­macht.

Das Ar­beits­ge­richt Bre­men-Bre­mer­ha­ven hat am 27.04.2005 fol­gen­des Ur­teil verkündet:

1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 3,985,29 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 %-Punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 16.03.2004 zu zah­len.

2. Die Be­klag­te trägt die Kos­ten des Rechts­streits.

3. Der Streit­wert wird auf 3.985,29 € fest­ge­setzt.

4. Die Be­ru­fung wird – so­weit sie nicht be­reits kraft Ge­set­zes statt­haft ist (§ 64 Abs. 2 Buchst. b) bis d) ArbGG) – zu­ge­las­sen.

Das Ar­beits­ge­richt hat zur Be­gründung sei­ner Ent­schei­dung aus­geführt, un­abhängig von der Fra­ge, ob die Kläge­rin im streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum ar­beitsfähig ge­we­sen sei oder nicht, er­ge­be sich der An­spruch der Kläge­rin di­rekt aus Ziff. 1 Abs. 2 des ab­ge­schlos­se­nen Ver­gleichs. Bei Be­ach­tung der all­ge­mei­nen Grundsätze für die Aus­le­gung von Verträgen, wo­zu auch ge­richt­li­che Ver­glei­che gehörten, wo­nach der wirk­li­che Wil­le der Par­tei­en maßgeb­lich sei, wie er im Ver­gleichs­text zum Aus­druck kom­me, ge­he die Kam­mer da­von aus, dass die Ver­gleichs­re­ge­lung un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände, die zum Ver­gleichs­abchluss geführt hätten, ei­ne ei­genständi­ge An­spruchs­grund­la­ge dar­stel­le. An­halts­punk­te für ei­ne an­de­re Aus­le­gung hätten im Ver­gleichs­text kei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den. Es sei nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass der Wil­len bei­der Par­tei­en dar­auf ge­rich­tet ge­we­sen sei, ei­nen Vergütungs­an­spruch nur ent­ste­hen zu las­sen, wenn die Kläge­rin tatsächlich ar­beitsfähig sei. Das
 


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Ar­beits­verhält­nis sei er­heb­lich be­las­tet ge­we­sen. Ge­ra­de vor die­sem Hin­ter­grund die­ne die Frei­stel­lungs­ver­ein­ba­rung da­zu, wei­te­ren Streit im Ar­beits­verhält­nis zu ver­mei­den und dem Ar­beit­neh­mer Vergütungs­ansprüche für den Rest der Vergütungs­frist zu gewähren, oh­ne dass im Ein­zel­nen ge­prüft wer­de, ob ihm der Vergütungs­an­spruch auch tatsächlich zu­ste­he.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der Be­gründung der Ent­schei­dung wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­grif­fe­nen Ur­teils (Blatt 75 bis 80 der Ak­te) ver­wie­sen.

Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bre­men-Bre­mer­ha­ven wur­de der Be­klag­ten am 17.05.2005 zu­ge­stellt. De­ren Be­ru­fung ging am 31.05.2005, die Be­ru­fungs­be­gründung am 18.07.2005 nach ent­spre­chen­der Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Bre­men ein.

Die Be­klag­te greift die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung un­ter Ver­tie­fung ih­res Sach­vor­tra­ges mit Rechts­ausführun­gen an.

Die Be­klag­te be­an­tragt:

1. Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bre­men-Bre­mer­ha­ven vom 27. April 2005 zum Ak­ten­zei­chen 9 Ca 9509/04, zu­ge­stellt am 17. Mai 2005, wird ab­geändert.

2. Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen. Die Kläge­rin be­an­tragt,

die Be­ru­fung der Be­ru­fungskläge­rin und Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin ver­tei­digt die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung un­ter Ver­tie­fung ih­res Sach­vor­tra­ges mit Rechts­ausführun­gen.

Nach dem Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Bre­men vom 23.11.2005 wur­de ei­ne schrift­li­che Aus­kunft der Han­dels­kran­ken­kas­se darüber ein­ge­holt, auf­grund wel­cher Umstände, die Kran­ken­geld­zah­lun­gen für die Kläge­rin ab 15.12.2003 ein­ge­stellt wor­den sei, so­wie ei­ne schrift­li­che Aus­kunft des die Kläge­rin be­han­deln­den Arz­tes, wor­auf sei­ne Fest­stel­lung vom 26.01.2004 be­ru­he, die Kläge­rin sei ab dem 15.12.2004 ar­beitsfähig.


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Die Han­dels­kran­ken­kas­se teil­te dem Ge­richt mit, zah­lungs­be­gründen­de Un­ter­la­gen für die Zeit nach dem 14.12.2003 lägen nicht vor.

Der Arzt teil­te mit, ihm sei­en ein­leuch­ten­de Bei­spie­le vor­ge­legt wor­den, die zu er­heb­li­chen psy­cho­so­ma­ti­schen Be­schwer­den der Kläge­rin geführt hätten. Die Be­schwer­den hätten sich im No­vem­ber 2003 ge­bes­sert, da die Kläge­rin kei­nen Kon­takt mehr zu den Ar­beits­kol­le­gin­nen bzw. Vor­ge­setz­ten ge­habt ha­be. Die körper­li­chen und psy­cho­so­ma­ti­schen Be­schwer­den be­ruh­ten ein­zig und al­lein auf die­ser Kon­flikt­si­tua­ti­on. Ab Mit­te De­zem­ber 2003 sei die Kläge­rin für ihn so­weit sta­bi­li­siert ge­we­sen, dass sie in je­der an­de­ren Fir­ma so­fort ih­re Tätig­keit hätte auf­neh­men können.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en in zwei­ter In­stanz wird auf den In­halt der dort ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen und die schrift­li­chen Stel­lung­nah­men der Han­dels­kran­ken­kas­se und des Dr. H. ver­wie­sen.

E N T S C H E I D U N G S G R Ü N D E :

I.

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten war im Hin­blick auf den in ers­ter In­stanz fest­ge­setz­ten Streit­wert, der dem Be­schwer­de­wert ent­spricht, statt­haft. Sie ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den und so­mit ins­ge­samt zulässig.


II.

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist un­be­gründet.

1. Die Be­ru­fungs­kam­mer teilt die Rechts­auf­fas­sun­gen des Ar­beits­ge­richts im an­ge­grif­fe­nen Ur­teil und sieht in­so­weit von der Dar­stel­lung un­ter Ver­weis auf die Ent­schei­dungs­gründe gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG ab.
 


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2. Un­abhängig von die­ser Rechts­auf­fas­sung steht ei­ner für die Kläge­rin po­si­ti­ven Ent­schei­dung die Er­mitt­lung des ob­jek­ti­ven In­halts des Ver­gleichs­tex­tes, den das Ar­beits­ge­richt Bre­men-Bre­mer­ha­ven den Par­tei­en vor­ge­schla­gen hat, durch das BAG (Ur­teil vom 29.09.2004 - 5 AZR 99/04 -) nicht im We­ge. Das BAG sieht die Be­deu­tung die­ser Ver­ein­ba­rung dar­in, dass mit ihr kein Rechts­grund für die Ent­gelt­zah­lungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers ge­schaf­fen wer­den soll, die über die ge­setz­lich ge­re­gel­ten Fälle der Ent­gelt­zah­lung bei krank­heits­be­ding­ter Ar­beits­unfähig­keit hin­aus­ge­hen.

a) Im vor­lie­gen­den Fall ist die aty­pi­sche Si­tua­ti­on ein­ge­tre­ten, dass die Ver­mu­tung der Be­klag­ten, die Kläge­rin sei über den 15.12.2003 hin­aus ar­beits­unfähig ge­we­sen, für den Fall ei­ner wei­ter be­ste­hen­den Ar­beits­ver­pflich­tung zu­träfe, nicht aber für den im Ver­gleich ge­re­gel­ten Fall des Weg­falls der Ar­beits­ver­pflich­tung der Kläge­rin. Im Hin­blick auf die­se im Ver­gleich ver­ein­bar­te, den Ar­beits­ver­trag mo­di­fi­zie­ren­de Re­ge­lung kann die Kläge­rin nach den Fest­stel­lun­gen des sie be­han­delt ha­ben­den Arz­tes nicht als ar­beits­unfähig im Sin­ne des Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­set­zes an­ge­se­hen wer­den. Ar­beits­unfähig­keit ist stets be­zo­gen auf die Tätig­keit des Ar­beit­neh­mers fest­zu­stel­len (Sch­mitt, Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz 5. Aufl. § 3 EFZG Anm. 59 m.w.Nw.). Ar­beits­unfähig­keit ist auch dann an­zu­neh­men, wenn der Ar­beit­neh­mer sei­ner kon­kre­ten Tätig­keit nur auf die Ge­fahr hin nach­ge­hen kann, dass sich sein Ge­sund­heits­zu­stand ver­schlech­tert (Sch­mitt a.a.O.).

Nach Auf­fas­sung des Arz­tes war die Kläge­rin in Be­zug auf von ihm fest­ge­stell­te Kon­flikt­si­tua­ti­on an ih­rem Ar­beits­platz nicht ar­beitsfähig. Bei je­dem an­de­ren Ar­beit­ge­ber hätte sie al­ler­dings die ihr über­tra­ge­nen Ver­wal­tungs­auf­ga­ben erfüllen können. Nach sei­ner Einschätzung hätte er der Kläge­rin Ar­beits­unfähig­keit at­tes­tie­ren müssen, wenn sie ver­pflich­tet ge­we­sen wäre, ab 15. De­zem­ber 2003 ih­ren Ar­beits­platz wie­der auf­zu­su­chen, da­mit ei­ne Ver­schlech­te­rung Ih­res Ge­sund­heits­zu­stands nicht ein­tre­ten kann. Da die Kläge­rin je­doch nicht mehr ver­pflich­tet war, bei der Be­klag­ten bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist zu ar­bei­ten, konn­te in Be­zug auf die ihr ob­lie­gen­den Ver­pflich­tun­gen ge­genüber der Be­klag­ten we­der ob­jek­tiv der Zu­stand von Krank­heit fest­ge­stellt wer­den, noch war ei­ne Ver­schlech­te­rung ih­res Ge­sund­heits­zu­stan­des zu befürch­ten.

Da die Kläge­rin nach den Vor­schrif­ten des Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­set­zes nicht als ar­beits­unfähig an­zu­se­hen war, ist die Be­klag­te ver­pflich­tet, ent­spre­chend den Re­ge­lun­gen im ge­richt­li­chen Ver­gleich das ver­ein­bar­te Ent­gelt zu zah­len.

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Dass die Kläger ob­jek­tiv nach den Fest­stel­lun­gen des Arz­tes nicht in der La­ge war, ih­re Ar­beits­kraft ord­nungs­gemäß an­zu­bie­ten (§§ 294, 295, 297 BGB) ist nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich, da die Kläge­rin kei­nen An­spruch aus An­nah­me­ver­zug gel­tend macht, son­dern ih­ren An­spruch aus dem ab­ge­schlos­se­nen Ver­gleich ab­lei­tet.

b) Selbst wenn man mit der Be­klag­ten die Kläge­rin für wei­ter­hin ar­beits­unfähig i. S. von § 3 EFZG hält, er­gibt sich für die Be­klag­te kein güns­ti­ge­res Er­geb­nis.

Der vor­lie­gen­de Fall gibt nämlich Ver­an­las­sung, die ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en un­ter Berück­sich­ti­gung der Umstände, die zu ihr geführt ha­ben, ein­zel­fall­be­zo­gen, ge­ge­be­nen­falls ergänzend aus­zu­le­gen. Da­bei ist zu berück­sich­ti­gen, dass nach den all­ge­mei­nen Re­ge­lun­gen über Verträge - und um ei­nen sol­chen han­delt es sich bei dem Ver­gleich - Par­tei­en ver­bind­lich ei­nen vom ob­jek­ti­ven Erklärungs­in­halt ab­wei­chen­den Wil­len als In­halt des Ver­tra­ges fest­le­gen können. Im vor­lie­gen­den Fall spricht die durch den Ver­gleich be­rei­nig­te Kon­flikt­si­tua­ti­on im Ar­beits­verhält­nis dafür, an­zu­neh­men, dass mit der Frei­stel­lungs­ver­ein­ba­rung vor al­lem si­cher­ge­stellt wer­den soll­te, dass die Kläge­rin den Be­trieb nicht mehr auf­sucht. Dies zeigt die Zu­stim­mung der Be­klag­ten vom 8. De­zem­ber 2003 zum ge­richt­li­chen Ver­gleichs­vor­schlag, in der als Mo­tiv für die Zu­stim­mung zum ge­richt­li­chen Ver­gleichs­vor­schlag die er­heb­li­che Zerrüttung des Ar­beits­verhält­nis­ses an­ge­ge­ben wur­de.

Im Vor­der­grund stand so­mit die de­fi­ni­ti­ve Be­en­di­gung ei­nes für bei­de Par­tei­en be­las­te­ten­den Ar­beits­verhält­nis­ses, oh­ne dass bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist von der Kläge­rin noch Leis­tun­gen zu er­brin­gen wa­ren. An­halts­punk­te dafür, dass die Par­tei­en den In­halt des Ver­gleichs so ver­stan­den ha­ben, dass mit der fest­ge­leg­ten Ent­gelt­zah­lungs­ver­pflich­tung der Be­klag­ten die Vor­stel­lung ver­bun­den war, die­se be­ste­he nur dann, wenn die Kläge­rin be­zo­gen auf die kon­kre­ten Be­din­gun­gen ih­res Ar­beits­plat­zes in der La­ge ge­we­sen wäre, Ar­beits­leis­tung zu er­brin­gen, er­ge­ben sich we­der aus der Ak­te des Vor­pro­zes­ses, noch aus der vor­lie­gen­den. Der Ver­gleich ist in­so­fern den, ob­jek­ti­ven Erklärungs­in­halt ein­schränkend so aus­zu­le­gen, dass zwar im Grund­satz die ge­setz­li­che Re­ge­lung zur Ent­gelt­fort­zah­lung maßgeb­lich ist, da­von aber der­ar­ti­ge ge­sund­heit­li­che Störun­gen aus­zu­neh­men sind, die nach den bis­he­ri­gen Er­fah­run­gen ty­pi­scher­wei­se mit der Si­tua­ti­on der Kläge­rin im Ar­beits­verhält­nis ver­bun­den war.

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Ei­ne an­de­re Aus­le­gung würde bei An­nah­me von Ar­beits­unfähig­keit der Kläge­rin im Sin­ne der ärzt­li­chen Stel­lung­nah­me den hier ge­ge­be­nen Umständen nicht ge­recht wer­den.

Ei­ne Aus­le­gung des Ver­gleichs in der von der Be­klag­ten für rich­tig ge­hal­te­nen Wei­se hätte bei nachträgli­cher Be­wer­tung ih­res da­ma­li­gen Zu­stan­des er­heb­li­che Schwie­rig­kei­ten mit sich ge­bracht, weil der die Kläge­rin be­han­deln­de Arzt sie ab dem 14.12. nicht mehr hat ar­beits­unfähig mit der Fol­ge der Ein­stands­pflicht der Kran­ken­kas­se für das Kran­ken­geld hat schrei­ben wol­len, da er hierfür kei­nen An­lass ge­se­hen hat. Da­durch würde die merkwürdi­ge Si­tua­ti­on ein­tre­ten, dass in Be­zug auf das Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten die Kläge­rin als ar­beits-unfähig an­zu­se­hen wäre, in Be­zug auf die Kran­ken­kas­se al­ler­dings nicht. Dies hätte wei­ter zur Fol­ge, dass die Kläge­rin vom Ar­beit­ge­ber kei­ne Ent­gelt­fort­zah­lung und von der Kran­ken­kas­se kein Kran­ken­geld ver­lan­gen kann. Dass die Par­tei­en mit die­sem Ver­gleich ei­ne der­ar­ti­ge Fol­ge ha­ben er­rei­chen wol­len, kann nicht an­ge­nom­men wer­den.

Da­bei kann nicht un­be­ach­tet blei­ben, dass die Kläge­rin bei Ih­rem Be­such des Arz­tes am 12.12.2003 von der Zu­stim­mung der Be­klag­ten zum ge­richt­li­chen Ver­gleichs­vor­schlag ge­wusst ha­ben muss. Die Zu­stim­mung der Be­klag­ten wur­de durch das Ar­beits­ge­richt am 09.12.2003 an die Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin wei­ter­ge­lei­tet. Ih­re ei­ge­ne Zu­stim­mung dürf­te zu die­sem Zeit­punkt eben­falls fest ge­stan­den ha­ben, da ih­re Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten die­se mit Schrift­satz vom 15.12. dem Ge­richt mit­ge­teilt ha­ben. Die Kläge­rin wird des-halb un­abhängig da­von, ob sie sich für krank hält oder nicht, auch kei­nen An­lass ge­habt ha­ben, dafür zu sor­gen, dass der Arzt ihr ei­ne Be­schei­ni­gung aus­stellt, die sie zum wei­te­ren Kran­ken­geld­be­zug be­rech­tigt. Die For­mu­lie­rung des Ver­glei­ches steu­ert so­mit das Ver­hal­ten der Kläge­rin in Be­zug auf das, was sie zu tun hat, um sich für die Zeit der Kündi­gungs­frist ei­ne fi­nan­zi­el­le Grund­la­ge für ih­re Exis­tenz zu schaf­fen. Dem Ver­gleichs­text konn­te die Kläge­rin nicht ent­neh­men, dass sie den Arzt hätte ver­an­las­sen müssen, sie zur Si­che­rung von Kran­ken­geld­ansprüchen wei­ter ar­beits­unfähig zu schrei­ben. Im Übri­gen ist nicht er­sicht­lich, dass der Kläge­rin be­wusst ge­we­sen ist, der Arzt hal­te sie nur un­ter der Ein­schränkung für ge­sund, nicht bei der Be­klag­ten ar­bei­ten zu müssen.
 

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten war da­her zurück­zu­wei­sen.


12

III.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 ZPO.


Die Be­ru­fungs­kam­mer sah sich ver­an­lasst, die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen.

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