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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: AGB, Verschwiegenheitspflicht
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern
Akten­zeichen: 2 Sa 183/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 21.10.2009
   
Leit­sätze: Ei­ne Klau­sel, wo­nach der Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet ist, über sei­ne Ar­beits­vergütung auch ge­genüber Ar­beits­kol­le­gen Ver­schwie­gen­heit zu be­wah­ren, ist un­wirk­sam, da sie den Ar­beit­neh­mer dar­an hin­dert, Verstöße ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz im Rah­men der Lohn­ge­stal­tung ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber er­folg­reich gel­tend zu ma­chen. Darüber hin­aus verstößt sie ge­gen Art. 9 Abs. 3 GG.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Schwerin, Urteil vom 12.05.2009, 3 Ca 549/09
   

Te­nor

I. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

II. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten um die Wirk­sam­keit ei­ner Ab­mah­nung we­gen Ver­s­toß ge­gen ei­ne Ver­schwie­gen­heits­ver­pflich­tung.

Der Kläger ist bei der Be­klag­ten seit dem 1. Sep­tem­ber 2007 auf­grund ei­nes An­stel­lungs­ver­tra­ges beschäftigt, in dem es un­ter § 4 Nr. 4 heißt:

"Der Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet sich, die Höhe der Bezüge ver­trau­lich zu be­han­deln, im In­ter­es­se des Ar­beits­frie­dens auch ge­genüber an­de­ren Fir­men­an­gehöri­gen."

Der Kläger gab an ei­nen Ar­beits­kol­le­gen - Herrn K. - die In­for­ma­ti­on wei­ter, dass die Be­klag­te sein Net­to­ge­halt in den Mo­na­ten Ja­nu­ar und Fe­bru­ar 2009 um ins­ge­samt 2.995,00 EUR gekürzt und ihm im Ja­nu­ar le­dig­lich 435,00 EUR net­to aus­ge­zahlt ha­be. Der Kläger er­hielt des­halb ei­ne Ab­mah­nung, hin­sicht­lich de­ren In­halt auf Blatt 4 der Ge­richts­ak­te Be­zug ge­nom­men wird.

Mit Ur­teil vom 12.05.2009 - 3 Ca 549/09 - hat das Ar­beits­ge­richt Schwe­rin auf­grund ei­ner ent­spre­chen­den Kla­ge die Be­klag­te ver­ur­teilt, die Ab­mah­nung vom 11.03.2009 aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen und die Kos­ten des Rechts­streits der Be­klag­ten auf­er­legt. Der Streit­wert ist auf 4.000,00 EUR fest­ge­setzt wor­den.

Hin­sicht­lich der Ent­schei­dungs­gründe wird auf die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung Be­zug ge­nom­men.

Die­ses Ur­teil ist der Be­klag­ten am 22.05.2009 zu­ge­stellt wor­den. Sie hat da­ge­gen Be­ru­fung ein­ge­legt, die am 22.06.2009 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen ist. Die Be­ru­fungs­be­gründung ist am 22.07.2009 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen.

Die Be­klag­te ist der Auf­fas­sung, sie ha­be ein schützens­wer­tes In­ter­es­se dar­an, dass der Ar­beit­neh­mer sich nicht mit an­de­ren Kol­le­gen über die Höhe der Bezüge bzw. der ge­mach­ten Abzüge aus­tau­sche. Auf ei­ne Mei­nungs­frei­heit könn­te der Kläger sich nicht be­ru­fen, da es sich le­dig­lich um ei­ne Mit­tei­lung von Tat­sa­chen han­de­le.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Schwe­rin vom 12.05.2009 ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Der Kläger tritt der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung bei.

Hin­sicht­lich des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die vor­be­rei­ten­den Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

1. Die Be­ru­fung ist zulässig.

Die Be­ru­fungs­schrift trägt im Ru­brum zwar nicht den Na­men ei­nes Rechts­an­walts, son­dern den Na­men ei­ner Fir­ma, die mit der Be­klag­ten und Be­ru­fungsführe­rin of­fen­sicht­lich durch ein Hol­ding­verhält­nis ver­bun­den ist. Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Be­klag­ten sind je­doch - wie sich aus dem Ru­brum er­gibt - nicht die­se Ge­sell­schaft, son­dern Rechts­anwälte, bei de­nen es sich of­fen­sicht­lich um Syn­di­kus-Anwälte han­delt.

Die Pro­zess­hand­lung ist auch wirk­sam; ein mögli­cher Ver­s­toß ge­gen § 46 Abs. 2 Nr. 1 BRAO führt nicht zur Nich­tig­keit des zwi­schen An­walt und Man­dant ab­ge­schlos­se­nen Geschäfts­be­sor­gungs­ver­tra­ges gemäß § 134 BGB (BGH vom 25.02.1999, IX ZR 384/97, m. w. N.).

2. Die Be­ru­fung ist nicht be­gründet.

Die Ab­mah­nung vom 11.03.2009 ist aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen, da sie nicht ge­recht­fer­tigt ist. Ei­ne Pflicht­ver­let­zung des Klägers liegt nicht vor.

Die Klau­sel in § 4 Nr. 4 des An­stel­lungs­ver­tra­ges, wo­nach der Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet ist, die Höhe der Bezüge ver­trau­lich zu be­han­deln und auch ge­genüber an­de­ren Fir­men­an­gehöri­gen Still­schwei­gen darüber zu be­wah­ren, ist un­wirk­sam. Sie stellt ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben im Sin­ne von § 307 BGB dar.

Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (zu­letzt: Ur­teil vom 15.07.2009, 5 AZR 486/08) ist der Ar­beit­ge­ber auch bei der Lohn­ge­stal­tung dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­pflich­tet. Die ein­zi­ge Möglich­keit für den Ar­beit­neh­mer fest­zu­stel­len, ob er Ansprüche aus dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz hin­sicht­lich sei­ner Lohnhöhe hat, ist das Gespräch mit Ar­beits­kol­le­gen. Ein sol­ches Gespräch ist nur er­folg­reich, wenn der Ar­beit­neh­mer selbst auch be­reit ist, über sei­ne ei­ge­ne Lohn­ge­stal­tung Aus­kunft zu ge­ben. Könn­te man ihm der­ar­ti­ge Gespräche wirk­sam ver­bie­ten, hätte der Ar­beit­neh­mer kein er­folg­ver­spre­chen­des Mit­tel, Ansprüche we­gen Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes im Rah­men der Lohn­ge­stal­tung ge­richt­lich gel­tend zu ma­chen.

Darüber hin­aus wird das Ver­bot auch ge­gen die Ko­ali­ti­ons­frei­heit gemäß Art. 9 Abs. 3 GG ver­s­toßen, da sie auch Mit­tei­lun­gen über die Lohnhöhe ge­genüber ei­ner Ge­werk­schaft ver­bie­tet, de­ren Mit­glied der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer sein könn­te. Sinn­vol­le Ar­beitskämp­fe ge­gen ein Un­ter­neh­men wären so nicht möglich, da die Ge­werk­schaft die Lohn­struk­tur nicht in Er­fah­rung brin­gen kann.

3. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 64 Abs. 6 ArbGG in Ver­bin­dung mit § 97 ZPO.

Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­ruht auf § 72 Abs. 2 Ziff. 1 ArbGG

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