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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Betriebliche Altersversorgung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 3 AZR 269/06
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 21.08.2007
   
Leit­sätze:

1. Die Ant­wort auf die Fra­ge, ob der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­letzt ist, hängt nicht da­von ab, ob die Gründe für ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung in ei­ner Ver­sor­gungs­ord­nung ge­nannt sind, son­dern da­von, ob die Un­gleich­be­hand­lung in der Sa­che ge­recht­fer­tigt ist.

 

2. Es ist nicht er­for­der­lich, dass in dem lau­fen­den Ent­gelt der Ar­beit­neh­mer­grup­pe, die kei­ne Ver­sor­gungs­zu­sa­ge er­hal­ten hat, Be­stand­tei­le ent­hal­ten sind, die ei­nen gleich­wer­ti­gen Aus­gleich für die Be­nach­tei­li­gung in der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung be­zwe­cken (Auf­ga­be von BAG 9. De­zem­ber 1997 - 3 AZR 661/96 - AP Be­trAVG § 1 Gleich­be­hand­lung Nr. 40 = EzA Be­trAVG § 1 Gleich­be­hand­lung Nr. 16).

 

3. Un­ter­schied­li­che Vergütungs­sys­te­me können den Aus­schluss von Ver­sor­gungs­leis­tun­gen recht­fer­ti­gen, wenn die aus­ge­schlos­se­ne Ar­beit­neh­mer­grup­pe durch­schnitt­lich ei­ne er­heb­lich höhe­re Vergütung als die begüns­tig­te Ar­beit­neh­mer­grup­pe erhält.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Wiesbaden Hessisches Landesarbeitsgericht
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


3 AZR 269/06
8 Sa 941/05

Hes­si­sches
Lan­des­ar­beits­ge­richt

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

21. Au­gust 2007

UR­TEIL

Kauf­hold, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Drit­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 21. Au­gust 2007 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Rei­ne­cke, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Krem­hel­mer und die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Schlewing so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Hauschild und Dr. Rau für Recht er­kannt:


1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 2. No­vem­ber 2005 - 8 Sa 941/05 - wird zurück­ge­wie­sen.
 


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2. Der Kläger hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die Be­klag­te dem Kläger Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung zu gewähren hat.


Der am 9. Fe­bru­ar 1943 ge­bo­re­ne Kläger war seit dem 9. Ju­ni 1978 bei der Be­klag­ten aus­sch­ließlich auf ausländi­schen Bau­stel­len als (Ab­schnitts-)Bau­lei­ter beschäftigt. Es wa­ren je­weils be­fris­te­te „Aus­lands­dienst­verträge“ ab­ge­schlos­sen wor­den. Der letz­te Aus­lands­dienst­ver­trag (AV), der un­ter dem 23./30. No­vem­ber 2000 ab­ge­schlos­sen wor­den war, enthält - so­weit für den vor­lie­gen­den Rechts­streit von Be­deu­tung - fol­gen­de Be­stim­mun­gen:


„§ 3 Vergütung und Ar­beits­zeit


Der Ar­beit­neh­mer erhält für sei­ne in § 1 erwähn­te Aus­landstätig­keit während der Dau­er die­ses Ver­tra­ges die mo­nat­lich nachträglich zu zah­len­den Brut­to­bezüge:


a) Bezüge von DM 11.000,00 zahl­bar in Deutsch­land

b) Aus­lands­zu­la­ge von DM 2.090,00 zahl­bar im Ein­satz­land in lo­ka­ler Währung. Die Um­rech­nung er­folgt zum Mo­nats­mit­tel­kurs.

Mit den Bezügen nach Buch­sta­be a) und der Aus­lands­zu­la­ge für Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dun­gen während des Auf­ent­halts im Ein­satz­land nach Buch­sta­be b), sind al­le Leis­tun­gen, die mit der Tätig­keit im Zu­sam­men­hang ste­hen, ins­be­son­de­re die im Ein­satz­land zu er­brin­gen­den Ar­beits­stun­den, ab­ge­gol­ten.

...

Den Bezügen nach § 3 Buch­sta­be a) liegt ei­ne Ba­sis­vergütung von zur Zeit DM 8.300,00 brut­to/Mo­nat zu­grun­de, die ent­spre­chend den Richt­li­ni­en des Ar­beit­ge­bers zur Ge­halts­an­pas­sung, während der Dau­er des Aus­lands­ein­sat­zes fort­ge­schrie­ben wird.

...


§ 7 Steu­ern ...

An­fal­len­de lo­ka­le Steu­ern und lo­ka­le So­zi­al­ab­ga­ben wer­den vom Ar­beit­ge­ber ge­tra­gen, wo­bei ei­ne Be­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers in Höhe von pau­schal DM 200,00 mo­nat­lich er­folgt.

...


§ 11 Un­ter­kunft

Der Ar­beit­neh­mer erhält im Ein­satz­land freie Un­ter­kunft (in­cl. Rei­ni­gung) nach Wahl des Ar­beit­ge­bers.
...

§ 15 Ver­si­che­run­gen


a. Kran­ken­ver­si­che­rung

...

b. Ren­ten­ver­si­che­rung

Für den Ar­beit­neh­mer, der im In­land ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­tig ist oder von der Möglich­keit zur frei­wil­li­gen Wei­ter­ver­si­che­rung Ge­brauch macht, wird der Ar­beit­ge­ber die Hälf­te des Bei­tra­ges un­ter Zu­grun­de­le­gung der Bezüge über­neh­men.

Das glei­che gilt für den Ar­beit­neh­mer, der auf­grund des Ren­ten­ver­si­che­rungs-Ände­rungs­ge­set­zes auf An­trag für die Dau­er der Beschäfti­gung im Aus­land in die Ren­ten­ver­si­che­rung ein-be­zo­gen wird.

...

c. Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung

...

d. Un­fall­ver­si­che­rung

Für die Zeit des Dienst­verhält­nis­ses ver­si­chert der Ar­beit­ge­ber im Rah­men der ge­setz­li­chen Möglich­kei­ten auf sei­ne Kos­ten den Ar­beit­neh­mer bei der T-Be­rufs­ge­nos­sen­schaft ge­gen Ar­beits­un­fall und Be­rufs­krank­hei­ten.

Auf Kos­ten des Ar­beit­ge­bers wird für den Ar­beit­neh­mer zusätz­lich ei­ne Un­fall­ver­si­che­rung ab­ge­schlos­sen. Die Ver­si­che­rungs­sum­men be­tra­gen:

DM 100.000,- für den To­des­fall,

DM 200.000,- für den In­va­li­ditäts­fall.

...

e. Zu­satz­ver­sor­gungs­kas­se des Bau­ge­wer­bes

Die für den Ar­beit­neh­mer zu ent­rich­ten­den Beiträge zur Zu­satz­ver­sor­gungs­kas­se des Bau­ge­wer­bes wer­den vom Ar­beit­ge­ber ge­tra­gen.


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f. Vermögens­wirk­sa­me Leis­tun­gen


Beiträge zur Vermögens­bil­dung gemäß dem Ge­setz zur Förde­rung der Vermögens­bil­dung der Ar­beit­neh­mer (‚Vermögens­bil­dungs­ge­setz’ in der je­weils gülti­gen Fas­sung) wer­den auf An­trag des Ar­beit­neh­mers ab­geführt.

§ 16 Ab­gren­zung so­zia­ler Leis­tun­gen

Über die in § 14 für Krank­heitsfälle und in § 15 für In­va­li­dität und Al­ters­ver­sor­gung, für zusätz­li­che Al­ters- und In­va­li­den­bei­hil­fe, für Unfälle und Be­rufs­krank­hei­ten ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen hin­aus be­ste­hen kei­ne wei­te­ren Ansprüche des Ar­beit­neh­mers und sei­ner Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen aus Unfällen oder Er­kran­kun­gen ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber.

...


§ 18 Schrift­form al­ler Ver­ein­ba­run­gen, Ver­fall­fris­ten, Ge­richts­stand

...

Grund­la­ge die­ses Ver­tra­ges ist das je­weils gel­ten­de deut­sche Ar­beits­recht.
Die deut­schen ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen fin­den kei­ne An­wen­dung.

...“

Ei­ne § 18 AV ent­spre­chen­de Be­stim­mung ent­hiel­ten auch die zu­vor ab­ge­schlos­se­nen AVe.
 

Bei der Be­klag­ten be­stand seit 1976 ei­ne Ver­sor­gungs­ord­nung für Ar­beit­neh­mer, auf de­ren Ar­beits­verhält­nis das deut­sche Ta­rif­recht An­wen­dung fin­det. Zum 1. Ja­nu­ar 1995 ist ei­ne neue Ver­sor­gungs­ord­nung (im Fol­gen­den Ver­sO 95) in Kraft ge­tre­ten. Die­se wur­de im Mai 1995 durch die Be­klag­te und den Ge­samt­be­triebs­rat mit der zum 1. Ju­li 1994 in Kraft ge­tre­te­nen all­ge­mei­nen Be­triebs­ver­ein­ba­rung zu ei­ner „All­ge­mei­nen Be­triebs­ver­ein­ba­rung und Ver­sor­gungs­ord­nung“ zu­sam­men­ge­fasst. In der „All­ge­mei­nen Be­triebs­ver­ein­ba­rung und Ver­sor­gungs­ord­nung“ heißt es ua.:

„Vor­wort

...

Die Ver­sor­gungs­ord­nung 1995 stellt die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung auf ein neu­es Fun­da­ment und er­setzt die bis­her gel-ten­den kol­lek­ti­ven Ver­ein­ba­run­gen.

...


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§ 1 Abs. 1 der All­ge­mei­nen Be­triebs­ver­ein­ba­rung

Die­se Be­triebs­ver­ein­ba­rung gilt für al­le Mit­ar­bei­ter des Un­ter­neh­mens im In­land. ...

2. Gel­tungs­be­reich der Ver­sor­gungs­ord­nung

Die­se Ver­sor­gungs­ord­nung gilt für al­le Mit­ar­bei­ter, die am 1. Ja­nu­ar 1995 in ei­nem Beschäfti­gungs­verhält­nis mit der Fir­ma ste­hen oder da­nach ein sol­ches be­gründen. Aus­ge­nom­men sind Mit­ar­bei­ter, die bei Ein­tritt in die Fir­ma das 55. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, so­wie Aus­hilfs­kräfte oder ge­ringfügig oder un­re­gelmäßig Beschäftig­te.

Wird die die­ser Ver­sor­gungs­ord­nung zu­grun­de lie­gen­de Be­triebs­ver­ein­ba­rung gekündigt, so gilt sie nicht mehr für die­je­ni­gen Mit­ar­bei­ter, die nach dem Zeit­punkt des Wirk­sam­wer­dens der Kündi­gung in das Un­ter­neh­men ein­tre­ten.“

Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­klag­te sei ver­pflich­tet, an ihn bei Ein­tritt in den Ru­he­stand Ver­sor­gungs­leis­tun­gen gemäß der Ver­sO 95 zu er­brin­gen. Je­den­falls fol­ge sein An­spruch aus dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz. Der Aus­schluss der Aus­lands­mit­ar­bei­ter von den Ver­sor­gungs­leis­tun­gen sei nicht ge­recht­fer­tigt. Die Aus­landstätig­keit und die Höhe sei­ner Vergütung sei­en kei­ne sach­li­chen Gründe für ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen den Aus­lands­mit­ar­bei­tern und den im In­land täti­gen Mit­ar­bei­tern. Zu­dem müsse sich der Dif­fe­ren­zie­rungs­grund aus der Ver­sor­gungs­ord­nung selbst er­ge­ben. War­um die im Aus­land beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter von der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung aus­ge­nom­men sei­en, sei aus der Ver­sor­gungs­ord­nung nicht er­kenn­bar.

Der Kläger hat sinn­gemäß be­an­tragt 


fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, ihm bei Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls un­ter Berück­sich­ti­gung ei­ner Be­triebs­zu­gehörig­keit seit dem 9. Ju­ni 1978 Ver­sor­gungs­leis­tun­gen gemäß der Ver­sO 95 zu gewähren.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Kläger un­ter­fal­le als Aus­lands­mit­ar­bei­ter nicht der Ver­sO 95. Der persönli­che Gel­tungs­be­reich der Ver­sor­gungs­ord­nung ent­spre­che dem­je­ni­gen der All­ge­mei­nen Be­triebs­ver­ein­ba­rung und sei da­mit auf al­le Mit­ar­bei­ter des Un­ter­neh­mens im In­land be­schränkt. Nur für die­se sei­en die deut­schen Bau­ta­rif­verträge gültig. Die Dif­fe­ren­zie­rung ver­s­toße nicht ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz. Die Aus­lands­mit­ar­bei­ter hätten auf Grund ih­res weit über den deut­schen Ta­rif­grup­pen lie­gen­den Ein-

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kom­mens, güns­ti­ge­rer Ur­laubs­re­ge­lun­gen und ei­ner güns­ti­ge­ren Ver­steue­rung ei­nen an­de­ren Sta­tus als die In­lands­mit­ar­bei­ter. Zu­dem sei der Ge­samt­be­triebs­rat für die­se Ar­beit­neh­mer nicht zuständig. Be­reits dies recht­fer­ti­ge den Aus­schluss der Aus­lands­mit­ar­bei­ter vom persönli­chen Gel­tungs­be­reich der Ver­sor­gungs­ord­nung.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die Be­ru­fung des Klägers blieb er­folg­los. Mit der zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sein Kla­ge­ziel wei­ter.


Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on des Klägers ist un­be­gründet. Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Dem Kläger steht der gel­tend ge­mach­te Ver­sor­gungs­an­spruch nicht zu.


A. Die Kla­ge ist zulässig. Der Kläger hat für sei­nen Fest­stel­lungs­an­trag das nach 10 § 256 ZPO er­for­der­li­che be­son­de­re Fest­stel­lungs­in­ter­es­se. Die Be­klag­te hat ein ge­genwärti­ges Rechts­verhält­nis in Ab­re­de ge­stellt, nämlich be­strit­ten, dass sie ihm Ver­sor­gung schul­det. Da­mit be­steht für den Kläger ein Bedürf­nis, die Ver­sor­gungs­la­ge als­bald recht­lich zu klären. Er muss be­reits vor dem Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls wis­sen, wel­che Ver­sor­gungs­ansprüche ihm zu­ste­hen.

B. Die Kla­ge ist je­doch un­be­gründet. Der Kläger kann von der Be­klag­ten nicht 11 ver­lan­gen, dass sie ihm bei Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls ei­ne Ver­sor­gung ent­spre­chend der Ver­sO 95 gewährt. Er kann sei­nen An­spruch nicht auf die Ver­sO 95 selbst stützen. Wie die Vor­in­stan­zen rich­tig er­kannt ha­ben, er­gibt sich für den Kläger, der ei­ne ein­zel­ver­trag­li­che Ver­sor­gungs­zu­sa­ge nicht er­hal­ten hat, auch kein An­spruch aus dem hier al­lein noch in Be­tracht kom­men­den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz.


I. Der Kläger hat ge­genüber der Be­klag­ten kei­nen Ver­sor­gungs­an­spruch aus der Ver­sO 95. Er fällt als Aus­lands­mit­ar­bei­ter nicht un­ter de­ren persönli­chen An­wen­dungs­be­reich.


1. Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Klägers gilt die Ver­sor­gungs­ord­nung 1995 nur für Mit­ar­bei­ter des Un­ter­neh­mens im In­land.


Zwar ist in der Ver­sO 95 ei­ne der­ar­ti­ge Ein­schränkung nicht aus­drück­lich ge­re­gelt. Dass nur Mit­ar­bei­ter des Un­ter­neh­mens im In­land vom persönli­chen Gel­tungs-



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be­reich die­ser Ver­sor­gungs­ord­nung er­fasst sind, er­gibt je­doch ei­ne Aus­le­gung der Ver­sor­gungs­ord­nung in An­wen­dung sys­te­ma­ti­scher und te­leo­lo­gi­scher Kri­te­ri­en.


Aus dem nor­ma­ti­ven Cha­rak­ter der Ver­sor­gungs­ord­nung als Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung folgt, dass ih­re Aus­le­gung - ähn­lich wie beim Ta­rif­ver­trag - den Re­geln über die Aus­le­gung von Ge­set­zen folgt. Da­bei ist vom Wort­laut der Re­ge­lun­gen aus-zu­ge­hen, wo­bei es nicht auf den buchstäbli­chen Wort­sinn an­kommt. Über den rei­nen Wort­laut hin­aus ist der wirk­li­che Wil­le im Hin­blick auf Sinn und Zweck der Re­ge­lun­gen zu berück­sich­ti­gen, so­fern die­ser er­kenn­bar zum Aus­druck ge­kom­men ist. Zu be­ach­ten ist da­bei der Ge­samt­zu­sam­men­hang der Re­ge­lung, weil er auf den wirk­li­chen Wil­len und da­mit auf den Zweck der Re­ge­lung schließen las­sen kann (BAG 15. Fe­bru­ar 2005 - 3 AZR 237/04 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Me­tall­in­dus­trie Nr. 194 = EzA TVG § 4 Me­tall­in­dus­trie Nr. 131 mit zahl­rei­chen wei­te­ren Nach­wei­sen).

Nr. 2 Abs. 2 Ver­sO 95 nimmt die All­ge­mei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung nicht nur in Be­zug, son­dern erklärt sie zur Grund­la­ge der Ver­sor­gungs­ord­nung selbst und bringt da­mit zum Aus­druck, dass der Gel­tungs­be­reich der Ver­sor­gungs­ord­nung kei­nes­falls wei­ter reicht als der der All­ge­mei­nen Be­triebs­ver­ein­ba­rung. Für letz­te­re er­gibt sich aus § 1 Nr. 1 aus­drück­lich, dass sie nur für al­le Mit­ar­bei­ter des Un­ter­neh­mens im In­land gilt. Das­sel­be er­gibt sich aus dem Vor­wort zur „All­ge­mei­nen Be­triebs­ver­ein­ba­rung und Ver­sor­gungs­ord­nung“. Die „bis­her gel­ten­den kol­lek­ti­ven Ver­ein­ba­run­gen“, die die Ver­sO 95 er­setzt, hat­ten al­le­samt nur die Un­terstützung von Be­triebs­an­gehöri­gen, mit de­nen ein Ar­beits­verhält­nis be­gründet wur­de, auf wel­ches das deut­sche Ta­rif­recht (bzw. das Ta­rif­recht für West­ber­lin) An­wen­dung fin­det, und da­mit nicht die Un­terstützung von Aus­lands­mit­ar­bei­tern zum Ziel. Dies ist auch bei der Ver­sO 95 der Fall. Nach Nr. 5 Ver­sO 95 rich­tet sich die Höhe der Ver­sor­gungs­leis­tun­gen ua. nach der maßgeb­li­chen Ver­sor­gungs­grup­pe und die­se wie­der­um nach der Ein­grup­pie­rung der Mit­ar­bei­ter in ei­ne be­stimm­te Ta­rif- bzw. Lohn­grup­pe der Bau­ta­rif­verträge. Die Ver­sO 95 setzt al­so die An­wend­bar­keit des deut­schen Ta­rif­rechts vor­aus. Hier­ge­gen spricht auch nicht, dass der höchs­ten Ver­sor­gungs­grup­pe auch An­ge­stell­te mit „je­weils frei­er Ver­ein­ba­rung“ zu­ge­ord­net sind. Die Ver­sO 95 geht vom Re­gel­fall der ta­rif­li­chen Ein­grup­pie­rung aus. Da­mit sind nicht die zahl­rei­chen auf Aus­lands­bau­stel­len beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer ge­meint.


Letzt­lich ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Ar­beits­verhält­nis­se der Ar­beit­neh­mer, die aus­sch­ließlich für Aus­lands­bau­stel­len ein­ge­stellt sind, nicht dem persönli­chen Gel­tungs­be­reich des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes und da­mit auch nicht der Re­ge-
 


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lungs­kom­pe­tenz des Be­triebs­rats bzw. Ge­samt­be­triebs­rats un­ter­fal­len. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts rich­tet sich der räum­li­che An­wen­dungs­be­reich des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes nach dem Ter­ri­to­ria­litätsprin­zip. Das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz gilt für al­le in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ansässi­gen Be­trie­be un­abhängig vom Ver­trags­sta­tut der in ih­nen beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer. Ob es auch im Aus­land täti­ge Ar­beit­neh­mer deut­scher Be­trie­be er­fasst, ist ei­ne Fra­ge des persönli­chen An­wen­dungs­be­reichs die­ses Ge­set­zes (vgl. BAG 20. Fe­bru­ar 2001 - 1 ABR 30/00 - AP Be­trVG 1972 § 101 Nr. 23 = EzA Be­trVG 1972 § 99 Ein­stel­lung Nr. 7; 22. März 2000 - 7 ABR 34/98 - BA­GE 94, 144; 7. De­zem­ber 1989 - 2 AZR 228/89 - AP In­ter­nat. Pri­vat­recht - Ar­beits­recht Nr. 27 = EzA Be­trVG 1972 § 102 Nr. 74). Er­fasst wer­den nur sol­che Mit­ar­bei­ter, bei de­ren Tätig­keit es sich um ei­ne „Aus­strah­lung“ des In­lands­be­triebs han­delt. Er­for­der­lich ist ei­ne Be­zie­hung zum In­lands­be­trieb, die es recht­fer­tigt, die Aus­landstätig­keit der im In­land ent­fal­te­ten Be­triebstätig­keit zu­zu­rech­nen (BAG 20. Fe­bru­ar 2001 - 1 ABR 30/00 - aaO; zu den Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Aus­strah­lungs­wir­kung vgl. BAG 7. De­zem­ber 1989 - 2 AZR 228/89 - aaO). Dies ist bei den Mit­ar­bei­tern, die aus­sch­ließlich für ei­ne ausländi­sche Bau­stel­le ein­ge­stellt wur­den, nicht der Fall.

2. Der Kläger ist nicht Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten im In­land, son­dern Aus­lands­mit­ar­bei­ter im og. Sin­ne. Er wur­de seit dem 9. Ju­ni 1978 bei der Be­klag­ten oh­ne Un­ter­bre­chung aus­sch­ließlich auf ausländi­schen Bau­stel­len beschäftigt, so dass sich sei­ne Aus­landstätig­keit auch nicht als „Aus­strah­lung“ des In­lands­be­triebs dar­stellt. Ei­ne ma­te­ri­el­le Be­zie­hung zu ei­nem In­lands­be­trieb ist nicht im An­satz fest­zu­stel­len.


II. Der Kläger hat ge­genüber der Be­klag­ten auch kei­nen An­spruch auf die be­gehr­te Ver­sor­gung auf Grund des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes.


1. Der An­wen­dung des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes steht nicht ent­ge­gen, dass die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung der Be­klag­ten durch ei­ne Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­re­gelt ist und die Re­ge­lungs­macht des Ge­samt­be­triebs­rats auf inländi­sche Be­trie­be be­schränkt ist. Die­se Be­schränkung ändert nämlich nichts an der Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, bei ei­ner von ihm aus­ge­hen­den pri­vat­au­to­no­men Re­gel­set­zung die Grundsätze der Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit zu wah­ren und die Re­geln so auf­zu­stel­len und an­zu­wen­den, dass nicht Ar­beit­neh­mer oder Ar­beit­neh­mer­grup­pen oh­ne sach­li­chen Grund von Begüns­ti­gun­gen aus­ge­nom­men wer­den. Nur bei an­der­wei­tig auf­ge­stell­ten Re­geln, die der Ar­beit­ge­ber an­zu­wen­den hat, fin­det der ar-
 


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beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz kei­ne An­wen­dung (BAG 15. Ju­ni 2004 - 3 AZR 414/03 - ZTR 2005, 95). Der Re­ge­lungs­ge­gen­stand „Al­ters­ver­sor­gung“ ist je­doch nur teil­mit­be­stimmt. Die Be­klag­te als Ar­beit­ge­ber be­stimmt ei­gen­ver­ant­wort­lich, ob sie ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung schaf­fen und wel­chen Per­so­nen­kreis sie begüns­ti­gen will (vgl. BAG 26. April 1988 - 3 AZR 168/86 - BA­GE 58, 156). Da­mit geht die Ver­sor­gungs­ord­nung letzt­lich auf sie zurück, so dass sie an den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ge­bun­den ist.


2. Der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ist die pri­vat­recht­li­che Aus­prägung des Gleich­heits­sat­zes, Art. 3 Abs. 1 GG. Gemäß § 1b Abs. 1 Satz 4 Be­trAVG können Ver­sor­gungs­ver­pflich­tun­gen nicht nur auf ei­ner Ver­sor­gungs­zu­sa­ge, son­dern auch auf dem Grund­satz der Gleich­be­hand­lung be­ru­hen. Der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­bie­tet so­wohl die sach­frem­de Schlech­ter­stel­lung ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer in ver­gleich­ba­rer La­ge als auch ei­ne sach­frem­de Grup­pen­bil­dung (ständi­ge Recht­spre­chung, vgl. ua. BAG 13. Fe­bru­ar 2002 - 5 AZR 713/00 - AP BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 184 = EzA BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 87 mwN). Die Dif­fe­ren­zie­rungs­gründe, dh. die Gründe für die Un­gleich­be­hand­lung, müssen auf vernünf­ti­gen, ein­leuch­ten­den Erwägun­gen be­ru­hen und dürfen nicht ge­gen ver­fas­sungs­recht­li­che oder sons­ti­ge über­ge­ord­ne­te Wer­tent­schei­dun­gen ver­s­toßen (BAG 18. Sep­tem­ber 2001 - 3 AZR 656/00 - BA­GE 99, 53).

3. In An­wen­dung die­ser Grundsätze kann die Be­klag­te sich nicht mit Er­folg da­auf be­ru­fen, die Aus­lands­dienst­verträge sei­en je­weils pro­jekt­be­zo­gen und be­fris­tet, des­halb be­ste­he zu Aus­lands­mit­ar­bei­tern ei­ne we­ni­ger en­ge Bin­dung als zu den In­lands­mit­ar­bei­tern, was auch ge­wollt sei. Die­ser Dif­fe­ren­zie­rungs­grund trägt den Aus­schluss des Klägers von den be­trieb­li­chen Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nicht. Aus die­sem Grun­de konn­te of­fen­blei­ben, ob sich die Be­klag­te noch in der Re­vi­si­ons­in­stanz auf die­sen Dif­fe­ren­zie­rungs­grund be­ru­fen konn­te.


Zwar ist in der Recht­spre­chung des Se­nats an­er­kannt, dass der be­son­de­re Wert der Be­triebs­zu­gehörig­keit ei­ner be­stimm­ten Ar­beit­neh­mer­grup­pe ein zulässi­ger Dif­fe­ren­zie­rungs­grund sein kann. Der Ar­beit­ge­ber darf aus sei­ner Sicht be­son­ders wich­ti­ge Ar­beit­neh­mer durch die Zu­sa­ge von Ver­sor­gungs­leis­tun­gen en­ger an sein Un­ter­neh­men bin­den. Sei­ne Einschätzung muss al­ler­dings nach­voll­zieh­bar sein. Die Ab­gren­zung der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten muss auf die Be­deu­tung der aus­geübten Tätig­kei­ten für das Un­ter­neh­men zu­ge­schnit­ten sein (BAG 18. No­vem­ber 2003 - 3 AZR 655/02 -). Dies hat die Be­klag­te nicht plau­si­bel dar­ge­legt.
 


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Nach­voll­zieh­bar ist zwar oh­ne wei­te­res, dass sie kein In­ter­es­se dar­an hat, die je­weils vor Ort im Aus­land für ein zeit­lich be­fris­te­tes spe­zi­el­les Pro­jekt an­ge­wor­be­nen und beschäftig­ten Orts­kräfte en­ger an das Un­ter­neh­men zu bin­den. Ob der von der Be­klag­ten an­ge­ge­be­ne Dif­fe­ren­zie­rungs­grund ei­nen Aus­schluss der ausländi­schen Orts­kräfte von den Ver­sor­gungs­leis­tun­gen recht­fer­tigt, brauch­te der Se­nat in­des nicht zu ent­schei­den. Je­den­falls recht­fer­tigt der von der Be­klag­ten an­ge­ge­be­ne Grund nicht ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen In­lands­mit­ar­bei­tern und deut­schen Aus­lands­mit­ar­bei­tern, die in ver­gleich­ba­ren Po­si­tio­nen tätig sind wie der Kläger, nämlich Lei­tungs­auf­ga­ben wahr­zu­neh­men ha­ben. Die Be­klag­te beschäftigt im Aus­land nicht nur Orts­kräfte, son­dern zu 1/3, und da­mit zu ei­nem nicht un­er­heb­li­chen An­teil, deut­sche Ar­beit­neh­mer. Ge­ra­de die­se sind, da sie nicht erst vor Ort an­ge­lernt wer­den müssen, für ei­ne er­folg­rei­che Ar­beit der Be­klag­ten im Aus­land, dh. vor Ort, von maßgeb­li­cher Be­deu­tung. Ins­be­son­de­re Mit­ar­bei­ter, die - wie der Kläger - an ganz un­ter­schied­li­chen Or­ten und in ganz un­ter­schied­li­chen Pro­jek­ten in Lei­tungs­funk­tio­nen tätig sind, gehören zu dem für ein in­ter­na­tio­nal täti­ges Bau­un­ter­neh­men wich­ti­gen Per­so­nal. Zu berück­sich­ti­gen ist, dass ei­ne Ein­ar­bei­tung und An­lei­tung von Per­so­nal im Aus­land stets mit größeren Schwie­rig­kei­ten ver­bun­den ist und es des­halb im wohl­ver­stan­de­nen In­ter­es­se der Be­kla­gen liegt, hierfür auf be­kann­te und bewähr­te Mit­ar­bei­ter zurück­zu­grei­fen und sich de­ren Er­fah­rung zu­nut­ze ma­chen zu können. Dies schließt es aus, dass die Be­klag­te an der Be­triebs­zu­gehörig­keit der Grup­pe der deut­schen Aus­lands­mit­ar­bei­ter, die in mit dem Kläger ver­gleich­ba­rer oder höhe­rer Po­si­ti­on tätig sind, ein ge­rin­ge­res In­ter­es­se hat als an der Be­triebs­zu­gehörig­keit von im In­land täti­gen Mit­ar­bei­tern, die ein­fa­che Tätig­kei­ten ausüben und des­halb oh­ne wei­te­res er­setz­bar sind.


4. Eben­so we­nig gehört wer­den kann die Be­klag­te auch al­lein mit der Be­gründung, der (zusätz­li­che) Ver­sor­gungs­be­darf der Aus­lands­mit­ar­bei­ter las­se sich nicht vor­her­sa­gen, da sich die Grup­pe der Aus­lands­mit­ar­bei­ter zu 2/3 aus An­gehöri­gen der ver­schie­dens­ten Na­tio­nen zu­sam­men­set­ze, de­ren Ver­sor­gung je­weils un­ter­schied­li­chen staat­li­chen Ver­sor­gungs­sys­te­men, so­weit sol­che exis­tier­ten, oder ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen un­ter­lie­ge, sich für die we­nigs­ten Aus­lands­mit­ar­bei­ter der Ver­sor­gungs-be­darf nach den wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Verhält­nis­sen in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land rich­te und es auch für deut­sche Aus­lands­mit­ar­bei­ter kei­nes­falls selbst­verständ­lich sei, dass die­se ih­ren Ru­he­stand in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­bräch­ten. Auch die­se Gründe vermögen die von der Be­klag­ten vor­ge­nom­me­ne Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen In­lands- und Aus­lands­mit­ar­bei­tern nicht zu recht­fer­ti­gen.

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Nach der Ver­sO 95 steht die Höhe der Ver­sor­gung in kei­ner­lei Zu­sam­men­hang mit et­wai­gen Ansprüchen der Mit­ar­bei­ter aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung. Es han­delt sich nicht um ein Ge­samt­ver­sor­gungs­sys­tem. Viel­mehr er­rech­net sich die Höhe der Ver­sor­gungs­leis­tun­gen al­lein nach der „ver­sor­gungs­wirk­sa­men Be­triebs­zu­gehörig­keit“, der maßgeb­li­chen Ver­sor­gungs­grup­pe, dem ent­spre­chen­den Stei­ge­rungs­satz, dem Teil­zeit­fak­tor und der Art und dem Zeit­punkt des Leis­tungs­falls. Ei­ne An­rech­nung der Leis­tun­gen der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung fin­det nicht statt.


5. Die Be­klag­te konn­te den Kläger als Aus­lands­mit­ar­bei­ter je­doch aus ei­nem an­de­ren Grun­de wirk­sam von Ver­sor­gungs­leis­tun­gen aus­sch­ließen. Aus­lands­mit­ar­bei­ter wie der Kläger wer­den nach ei­nem Vergütungs­sys­tem vergütet, das sich grundsätz­lich von dem der In­lands­mit­ar­bei­ter un­ter­schei­det. Un­ter­schied­li­che Vergütungs­sys­te­me können den Aus­schluss von Ver­sor­gungs­leis­tun­gen recht­fer­ti­gen, wenn die aus­ge­schlos­se­ne Ar­beit­neh­mer­grup­pe durch­schnitt­lich ei­ne er­heb­lich höhe­re Vergütung als die begüns­tig­te Ar­beit­neh­mer­grup­pe erhält. Das ist hier der Fall.

a) Der Kläger wur­de - eben­so wie die an­de­ren Aus­lands­mit­ar­bei­ter - nicht nach den Bau­ta­rif­verträgen vergütet. Er wur­de al­so nicht ein­grup­piert, son­dern be­zog ein er­heb­lich über dem Ta­rif­ni­veau lie­gen­des Ge­halt, das zwi­schen ihm und der Be­klag­ten je­weils frei aus­ge­han­delt wur­de. Sei­ne Bezüge be­lie­fen sich zu­letzt auf 11.000,00 DM und die Aus­lands­zu­la­ge auf 2.090,00 DM. Die Ar­beits­verträge ent­hiel­ten be­son­de­re, auf den Aus­lands­ein­satz zu­ge­schnit­te­ne Be­stim­mun­gen, ua. zur frei­en Un­ter­kunft im Ein­satz­land, zur Über­nah­me der lo­ka­len Steu­ern und lo­ka­len So­zi­al­ab­ga­ben durch die Be­klag­te, zur Fort­zah­lung der Bezüge bei Krank­heit und Un­fall und zur ärzt­li­chen Be­hand­lung so­wie zu Ver­si­che­run­gen. Die Be­klag­te war da­nach ver­pflich­tet, für die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne zusätz­li­che Un­fall­ver­si­che­rung ab­zu­sch­ließen. Vergütun­gen in die­ser Größen­ord­nung ermöglich­ten es Aus­lands­mit­ar­bei­tern wie dem Kläger oh­ne wei­te­res, Ei­gen­vor­sor­ge für das Al­ter zu be­trei­ben. Da­bei war zu berück­sich­ti­gen, dass sich die Ei­gen­beiträge für ei­ne ver­gleich­ba­re Zu­satz­ver­sor­gung an­ge­sichts der ge­rin­gen Höhe der nach der Ver­sO 95 er­reich­ba­ren Be­triebs­ren­te in ei­nem durch­aus über­schau­ba­ren Rah­men be­we­gen. Für den Kläger, der un­ter die höchs­te Ver­sor­gungs­grup­pe fal­len würde, ergäbe sich nach der Ver­sO 95 im Ver­sor­gungs­fall ei­ne mo­nat­li­che Al­ters­ren­te in Höhe von ca. 150,00 Eu­ro.

Dass die Be­klag­te Aus­lands- und In­lands­mit­ar­bei­ter nach er­heb­lich un­ter­schied­li­chen Sys­te­men vergütet, ist nach­voll­zieh­bar und ein­leuch­tend. Sie trägt hier­mit dem Um­stand Rech­nung, dass die Aus­lands­mit­ar­bei­ter an völlig un­ter­schied­li­chen



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Or­ten mit höchst un­ter­schied­li­chen An­for­de­run­gen, aber auch völlig un­ter­schied­li­chen Le­bens­hal­tungs­kos­ten zum Ein­satz kom­men. Zu­dem hat sie berück­sich­tigt, dass der Ein­satz der Aus­lands­mit­ar­bei­ter je­weils pro­jekt­be­zo­gen war. Da­mit konn­te die Be­klag­te mit gu­ten Gründen da­von aus­ge­hen, dass das In­ter­es­se der Aus­lands­mit­ar­bei­ter eher da­hin geht, ei­ne deut­lich höhe­re als die ta­rif­li­che Vergütung zu er­hal­ten und über de­ren Ver­wen­dung selbst zu be­stim­men.

b) Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Klägers muss sich der gel­tend ge­mach­te Dif­fe­ren­zie­rungs­grund nicht aus der Ver­sor­gungs­ord­nung selbst er­ge­ben. Zwar hat der Se­nat noch in sei­ner Ent­schei­dung vom 19. März 2002 (- 3 AZR 229/01 -, zu B II 2 der Gründe) die­se For­de­rung aus­drück­lich er­ho­ben; al­ler­dings hat er be­reits in sei­nem Ur­teil vom 18. No­vem­ber 2003 (- 3 AZR 655/02 -, zu B II 1 a der Gründe) for­mu­liert, die Dif­fe­ren­zie­rungs­gründe müss­ten mit dem In­halt der Ver­sor­gungs­re­ge­lun­gen übe­rein­stim­men; der Ar­beit­ge­ber müsse sich an die von ihm be­haup­te­ten Ord­nungs­grundsätze hal­ten. Die­se An­for­de­run­gen sind durch das Ur­teil des Se­nats vom 15. Fe­bru­ar 2005 (- 3 AZR 237/04 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Me­tall­in­dus­trie Nr. 194 = EzA TVG § 4 Me­tall­in­dus­trie Nr. 131, zu II 1 der Gründe) da­hin­ge­hend kon­kre­ti­siert wor­den, dass die Ver­sor­gungs­ord­nung nicht im Wi­der­spruch zu dem gel­tend ge­mach­ten Dif­fe­ren­zie­rungs­grund ste­hen darf. Dies reicht aus. Die Ant­wort auf die Fra­ge, ob der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­letzt ist, hängt nicht da­von ab, ob die Gründe für ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung in ei­ner Ver­sor­gungs­ord­nung ge­nannt sind, son­dern da­von, ob die Un­gleich­be­hand­lung in der Sa­che ge­recht­fer­tigt ist. Das ist hier der Fall.


c) Der Kläger hat­te sei­ne Vergütung je­weils selbst aus­ge­han­delt und wuss­te, dass er nicht nach Ta­rif, son­dern deut­lich darüber vergütet wur­de. Er wuss­te auch, dass wei­te­re als die in § 15 AV ins­ge­samt auf­geführ­ten so­zia­len Leis­tun­gen - hier war auch die Al­ters­ver­sor­gung ge­nannt - durch die Be­klag­te nicht ge­zahlt wur­den. Dies er­gab sich aus § 16 AV. Nach al­le­dem war ihm das an­de­re Vergütungs­sys­tem der Aus­lands­mit­ar­bei­ter, mit­hin der Grund der Be­klag­ten für den Aus­schluss der Aus­lands­mit­ar­bei­ter von Ver­sor­gungs­leis­tun­gen, oh­ne wei­te­res er­kenn­bar. Aus die­sem Grun­de stellt sich nicht die Fra­ge, ob die Be­klag­te, die nicht be­reits vor dem Ar­beits­ge­richt, son­dern erst in der Be­ru­fungs­in­stanz die­sen Dif­fe­ren­zie­rungs­grund of­fen­ge­legt hat­te, mit die­sem Vor­brin­gen ver­spätet war (vgl. BAG 17. Fe­bru­ar 1998 - 3 AZR 783/96 - BA­GE 88, 23).
 


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d) Letzt­lich steht ei­nem Aus­schluss des Klägers von den Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nicht ent­ge­gen, dass sich we­der sei­nen Ar­beits­verträgen noch den ihm er­teil­ten Ab­rech­nun­gen ent­neh­men lässt, ob und in wel­cher Höhe in sei­nem lau­fen­den Ent­gelt Be­stand­tei­le für ei­ne Ei­gen­vor­sor­ge ent­hal­ten wa­ren. Zwar hat der Se­nat in sei­nem Ur­teil vom 9. De­zem­ber 1997 (- 3 AZR 661/96 - AP Be­trAVG § 1 Gleich­be­hand­lung Nr. 40 = EzA Be­trAVG § 1 Gleich­be­hand­lung Nr. 16) aus­geführt, dass ein Ge­samt­ver­gleich der den Ar­beit­neh­mer­grup­pen in un­ter­schied­li­cher Form zu­fließen­den Ent­gel­te über­haupt nur dann in Be­tracht kom­me, wenn den be­trieb­li­chen Ent­gelt­fest­le­gun­gen ent­nom­men wer­den kann, dass in dem lau­fen­den Ent­gelt der aus dem aus­sch­ließlich ar­beit­ge­ber­fi­nan­zier­ten be­trieb­li­chen Ver­sor­gungs­werk aus­ge­nom­me­nen Ar­beit­neh­mer­grup­pe Be­stand­tei­le ent­hal­ten sind, die ei­nen gleich­wer­ti­gen Aus­gleich für die Be­nach­tei­li­gung im Be­reich der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung be­zwe­cken. Dar­an hält der Se­nat nicht mehr fest. Die­se An­for­de­rung lässt sich aus dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht her­lei­ten.


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