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Ver­zugs­zin­sen sind aus dem Brut­to­lohn zu be­rech­nen

Ist der Ar­beit­ge­ber mit der Lohn­zah­lung in Ver­zug, kann der Ar­beit­neh­mer Ver­zugs­zin­sen aus dem Brut­to­lohn be­rech­nen und ein­kla­gen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Gro­ßer Se­nat, Be­schluss vom 07.03.2001, GS 1/00

03.05.2001. Ist der Ar­beit­ge­ber mit der Zah­lung von Lohn bzw. Ge­halt in Ver­zug, hat der Ar­beit­neh­mer ver­schie­de­ne recht­li­che Mög­lich­kei­ten, dar­auf zu re­agie­ren. Er kann ei­ne Ab­mah­nung we­gen des Zah­lungs­ver­zugs aus­spre­chen, bei hö­he­ren Rück­stän­den von sei­nem Zu­rück­be­hal­tungs­recht Ge­brauch ma­chen, d.h. bis zur Zah­lung die Ar­beit ver­wei­gern, und er kann na­tür­lich auch Lohn­kla­ge er­he­ben.

Bei ei­ner Lohn­kla­ge und bei vor­ge­richt­li­chen Zah­lungs­auf­for­de­run­gen steht es dem Ar­beit­neh­mer frei, ent­we­der den Net­to­lohn oder den Brut­to­lohn ein­zu­for­dern. Der Brut­to­lohn be­inhal­tet den Net­to­lohn, d.h. den an den Ar­beit­neh­mer an den Ar­beit­neh­mer aus­zu­zah­len­den Be­trag, und dar­über hin­aus die Lohn­steu­er und den vom Ar­beit­neh­mer zu tra­gen­den An­teil am So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag. Da die Hö­he des Net­to­lohns schwie­ri­ger zu be­rech­nen ist als die des Brut­to­lohns, sind die meis­ten Lohn­kla­gen auf Zah­lung des Brut­to­lohns ge­rich­tet, und das ist auch aus Ar­beit­neh­mer­sicht ver­nünf­tig.

Frag­lich und in der Recht­spre­chung der Ar­beits­ge­rich­te um­strit­ten ist die Fra­ge, ob der Ar­beit­neh­mer die ihm nach dem Ge­setz zu­stehn­den Ver­zugs­zin­sen aus dem Brut­to­lohn be­rech­nen kann (was zu hö­he­ren Zins­for­de­run­gen führt) oder nur aus dem Net­to­lohn.

Da man als Ar­beit­neh­mer die Lohn­steu­er und den ei­ge­nen An­teil am So­zi­al­bei­trag im Nor­mal­fall, d.h. bei kor­rek­ter Lohn­ab­rech­nung und Zah­lung des Net­to­lohns durch den Ar­beit­ge­ber, „nicht sieht“, könn­te man der Mei­nung sein, dass dem Ar­beit­neh­mer auch nur die Ver­zugs­zin­sen zu­ste­hen, die auf den Net­to­lohn be­rech­net sind. Denn in der Tat: Die Lohn­steu­er muss der Ar­beit­ge­ber ja di­rekt an das Fi­nanz­amt ab­füh­ren und die So­zi­al­bei­trä­ge an die Kran­ken­kas­se, d.h. das Geld, das den Un­ter­schied zwi­schen Brut­to und Net­to aus­macht, soll letzt­lich nicht dem Ar­beit­neh­mer zu­flie­ßen.

Da­ge­gen spricht aber, dass der Ar­beit­neh­mer un­be­strit­ten ei­nen An­spruch auf den vol­len Brut­to­lohn hat, d.h. es ist "sein Geld" bzw. sein Zah­lungs­an­spruch. Und au­ßer­dem kann es ziem­lich kom­pli­ziert sein, den kor­rek­ten Net­to­lohn als Ar­beit­neh­mer aus­zu­rech­nen, ins­be­son­de­re bei mo­nat­lich schwan­ken­der Lohn­hö­he, z.B. auf­grund von Pro­vi­sio­nen oder Zu­schlä­gen für Nacht-, Sonn­tags- und Fei­er­tags­ar­beit, da die Lohn­hö­he den Lohn­steu­er­satz be­ein­flusst. Au­ßer­dem kön­nen sich Bei­trags­sät­ze der Kran­ken­kas­sen än­dern und/oder die Steu­er­merk­ma­le des Ar­beit­neh­mers. Hät­te der Ar­beit­neh­mer nur die Mög­lich­keit, sei­ne Ver­zugs­zin­sen aus dem Net­to­lohn zu be­rech­nen, wä­re das ein er­heb­li­ches prak­ti­sches Hin­der­nis, Ver­zugs­zin­sen ef­fek­tiv bei­zu­trei­ben.

Bei al­le­dem muss man auch be­den­ken, dass es gar nicht die Auf­ga­be des Ar­beit­neh­mers ist, ei­ne kor­rek­te Lohn­ab­rech­nung zu er­stel­len und mit ihr aus­ge­hend vom Brut­to­lohn das rich­ti­ge Net­to aus­zu­rech­nen, son­dern dass der Ar­beit­ge­ber da­zu ver­pflich­tet ist.

Vor die­sem Hin­ter­grund hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (Gro­ßer Se­nat) in ei­ner Grund­satz­ent­schei­dung klar­ge­stellt, dass der Ar­beit­neh­mer da­zu be­rech­tigt ist, die ihm zu­ste­hen­den Ver­zugs­zin­sen aus dem Brut­to­lohn zu be­rech­nen (Bun­des­ar­beits­ge­richt, Gro­ßer Se­nat, Be­schluss vom 07.03.2001, GS 1/00).

Fa­zit: Die Klar­stel­lung des Gro­ßen Se­nats des BAG kann zwar auf Sei­ten des säu­mi­gen Ar­beit­ge­bers zu dop­pel­ten fi­nan­zi­el­len Be­las­tun­gen in­fol­ge des Zah­lungs­ver­zugs füh­ren, da ja auch die Kran­ken­kas­sen und das Fi­nanz­amt Säum­nis- und Ver­spä­tungs­zu­schlä­ge ver­lan­gen kön­nen, ist aber letzt­lich die rich­ti­ge Vor­ge­hens­wei­se, da sie ei­ne un­kom­pli­zier­te Bei­trei­bung of­fe­ner Lohn­for­de­run­gen er­mög­licht.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 26. Januar 2014

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