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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Weiterbeschäftigung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 3 AZB 93/08
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 15.04.2009
   
Leit­sätze: 1. Ein in ei­nem Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren aus­ge­ur­teil­ter Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch ist hin­rei­chend be­stimmt, wenn die Art der aus­ge­ur­teil­ten Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers aus dem Ti­tel er­sicht­lich ist.

2. Im Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren können ge­gen die Zwangs­voll­stre­ckung Gründe, aus de­nen die Beschäfti­gung des Voll­stre­ckungsgläubi­gers unmöglich sein soll, nicht an­geführt wer­den, so­weit sie be­reits Ge­gen­stand des Er­kennt­nis­ver­fah­rens bis zum Er­lass des Ti­tels wa­ren.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bayreuth, Beschluss vom 27.08.2008, 5 Ca 405/07

Landesarbeitsgericht Nürnberg, Beschluss vom 15.10.2008, 7 Ta 181/08
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

3 AZB 93/08
7 Ta 181/08
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Nürn­berg

BESCHLUSS

In Sa­chen

Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin, Be­schwer­deführe­rin und Rechts­be­schwer­deführe­rin,

pp.

Voll­stre­ckungsgläubi­ger, Be­schwer­de­geg­ner und Rechts­be­schwer­de­geg­ner,

hat der Drit­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts am 15. April 2009 be­schlos­sen:

Die Rechts­be­schwer­de der Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin ge­gen den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nürn­berg vom 15. Ok­to­ber 2008 - 7 Ta 181/08 - wird zurück­ge­wie­sen.
 


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Die Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin hat die Kos­ten des Rechts­be­schwer­de­ver­fah­rens zu tra­gen.

Gründe

I. Die Par­tei­en führen ei­nen Kündi­gungs­schutz­pro­zess. Die­ser ist erst­in­stanz­lich ab­ge­schlos­sen. Mit Ih­rer Rechts­be­schwer­de wen­det sich die Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin - Ar­beit­ge­be­rin und Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin im Kündi­gungs­schutz­pro­zess - ge­gen die Fest­set­zung ei­nes Zwangs­gel­des, das der Durch­set­zung ei­ner vom Ar­beits­ge­richt aus­ge­ur­teil­ten Ver­pflich­tung zur Wei­ter­beschäfti­gung des Voll­stre­ckungsgläubi­gers - Ar­beit­neh­mer und Voll-stre­ckungsgläubi­ger im Kündi­gungs­schutz­pro­zess - dient.

Nach den Fest­stel­lun­gen des Ar­beits­ge­richts ist der Voll­stre­ckungsgläubi­ger seit dem 1. Sep­tem­ber 1974 bei der Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin und de­ren Rechts­vorgängern tätig und Mit­glied so­wie Vor­sit­zen­der des dort ge­bil­de­ten Be­triebs­rats. Ei­ne be­reits früher aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en wur­de rechts­kräftig für un­wirk­sam erklärt. Im hier maßgeb­li­chen Ver­fah­ren geht es um ei­ne er­neu­te Kündi­gung, die die Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin am 28. März 2007 aus­ge­spro­chen hat. Die­se hat sie dar­auf gestützt, dass die vom Voll­stre­ckungsgläubi­ger wahr­ge­nom­me­nen Ar­beits­auf­ga­ben weg­ge­fal­len sei­en und sie ihn we­gen der Sch­ließung ei­ner Be­triebs­ab­tei­lung auch oh­ne das Ver­fah­ren nach § 103 Be­trVG kündi­gen könne, da die Vor­aus­set­zun­gen von § 15 Abs. 5 KSchG vorlägen. Zwi­schen­zeit­lich hat die Ar­beit­ge­be­rin ein ge­son­der­tes Ver­fah­ren nach § 103 Be­trVG ein­ge­lei­tet. Im hier maßgeb­li­chen Ver­fah­ren hat sie in der Be­ru­fungs­in­stanz hilfs­wei­se ei­nen Auflösungs­an­trag ge­stellt.

Das Ar­beits­ge­richt hat der da­ge­gen ge­rich­te­ten Kündi­gungs­schutz­kla­ge mit Ur­teil vom 14. No­vem­ber 2007 statt­ge­ge­ben. Es hat im Te­nor zu 2. gleich­zei­tig Fol­gen­des aus­ge­spro­chen:


„Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, den Kläger zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen als An­ge­stell­ter über den Ab­lauf der Kündi­gungs­frist hin­aus bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss

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des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens wei­ter­zu­beschäfti­gen.“

Ne­ben der Fest­stel­lung, dass der Voll­stre­ckungsgläubi­ger als An­ge­stell­ter für zu­letzt 3.300,00 Eu­ro brut­to mo­nat­lich beschäftigt war, enthält das Ur­teil die Fest­stel­lung, dass er im Kun­den­dienst ein­ge­setzt war. Aus dem Ur­teil er­gibt sich fer­ner Sach­vor­trag des Voll­stre­ckungsgläubi­gers, er sei ins­be­son­de­re in der Be­treu­ung ei­ner Hot­line für Kun­den di­gi­ta­ler Dik­tier­sys­te­me tätig ge­we­sen. In­so­weit ha­be er auch Re­pa­ra­tur­an­wei­sung be­ar­bei­tet und In­stal­la­ti­ons­an­wei­sun­gen ge­ge­ben so­wie Be­die­nungs­an­lei­tun­gen re­dak­tio­nell er­stellt. Er ha­be zu­dem tech­ni­sche Schu­lun­gen für di­gi­ta­le Dik­tier­geräte durch­geführt. Dem­ge­genüber hat die Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin vor­ge­tra­gen, der Voll­stre­ckungsgläubi­ger sei im Be­reich ana­lo­ger Dik­tier­sys­te­me tätig ge­we­sen, in­so­fern aber nicht be­strit­ten, dass er Hot­line­an­fra­gen be­han­delt hat. In Schriftsätzen, die das Ar­beits­ge­richt durch Ver­wei­sung in Be­zug ge­nom­men hat, hat die Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin wei­ter vor­ge­tra­gen, dass der Voll­stre­ckungsgläubi­ger Re­pa­ra­tur­an­wei­sun­gen für Fachhänd­ler und Ser­vice­mit­tei­lun­gen - Mit­tei­lun­gen über Feh­ler­quel­len - er­stellt hat so­wie ge­le­gent­lich Schu­lun­gen vor­be­rei­tet und dafür auch Schu­lungs­un­ter­la­gen er­stellt hat. Bis 1996 ha­be der Voll­stre­ckungsgläubi­ger auch Re­pa­ra­tu­ren an tech­ni­schen Geräten durch­geführt so­wie Feh­ler­da­ten­er­fas­sung und -aus­wer­tung vor­ge­nom­men. In die­sem Zu­sam­men­hang ha­be er auch am EDV-Sys­tem für SAP ge­ar­bei­tet.

Das Ar­beits­ge­richt hat von sei­nem Ur­teil am 14. De­zem­ber 2007 ei­ne voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gung oh­ne Gründe er­stellt. Am 28. Au­gust 2008 hat es ei­ne voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gung des Ur­teils mit Ent­schei­dungs­gründen er­teilt. Die ab­gekürz­te Aus­fer­ti­gung wur­de der Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin zu Händen ih­rer Be­vollmäch­tig­ten am 7. De­zem­ber 2007 und die mit Gründen ver­se­he­ne am 13. Fe­bru­ar 2008 zu­ge­stellt.


Der Voll­stre­ckungsgläubi­ger wird von der Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin nicht beschäftigt.

Das Ar­beits­ge­richt er­ließ zunächst auf der Ba­sis der Kurz­aus­fer­ti­gung ge­gen die Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin ei­nen Zwangs­geld­be­schluss über 1.000,00 Eu­ro. Die­ser wur­de im Be­schwer­de­ver­fah­ren vom Lan­des­ar­beits-

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ge­richt auf­ge­ho­ben, da al­lein auf­grund der Aus­fer­ti­gung oh­ne Gründe der Beschäfti­gungs­ti­tel zu un­be­stimmt sei, um als Grund­la­ge ei­ner Voll­stre­ckung zu die­nen.


Auf er­neu­ten An­trag des Voll­stre­ckungsgläubi­gers er­ließ das Ar­beits­ge­richt nach der Er­tei­lung der voll­streck­ba­ren Aus­fer­ti­gung mit Gründen ei­nen Zwangs­geld­be­schluss über 3.000,00 Eu­ro und für den Fall, dass die­ses nicht bei­ge­trie­ben wer­den könne für je 300,00 Eu­ro ei­nen Tag Zwangs­haft, zu voll-stre­cken an den Geschäftsführern der Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin. Auf die so­for­ti­ge Be­schwer­de änder­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt die­sen Be­schluss in­so­fern ab, als es das Zwangs­geld auf 1.000,00 Eu­ro ver­rin­ger­te und Zwangs­haft für den Fall, dass das Zwangs­geld nicht bei­ge­trie­ben wer­den konn­te, von 10 Ta­gen fest­setz­te. Es hat im Te­nor des Be­schlus­ses die Rechts­be­schwer­de oh­ne Ein­schränkun­gen zu­ge­las­sen und - be­zug­neh­mend auf die Ar­gu­men­ta­ti­on der Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin - in den Gründen da­zu an­geführt, die Fra­ge, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen sich ein Ar­beit­ge­ber auf die Unmöglich­keit ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung be­ru­fen könne, sei von grundsätz­li­cher Be­deu­tung.


Mit ih­rer Rechts­be­schwer­de wen­det sich die Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin da­ge­gen, dass ein Zwangs­geld ge­gen sie fest­ge­setzt wur­de. Sie ver­tritt die Auf­fas­sung der Voll­stre­ckungs­ti­tel sei zu un­be­stimmt und ihr die Wei­ter­beschäfti­gung des Voll­stre­ckungsgläubi­gers aus den be­reits im Kündi­gungs-schutz­ver­fah­ren vor dem Ar­beits­ge­richt vor­ge­tra­ge­nen Gründen unmöglich.

II. Die Be­schwer­de hat kei­nen Er­folg. 


1. Die Rechts­be­schwer­de ist voll­umfäng­lich statt­haft. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sie im Te­nor sei­nes Be­schlus­ses oh­ne Ein­schränkun­gen zu­ge­las­sen. Die Ausführun­gen in den Gründen sol­len die Rechts­be­schwer­de nicht ein­schränken, son­dern le­dig­lich ver­deut­li­chen, war­um das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­las­sung der Rechts­be­schwer­de als ge­ge­ben an­sah. Es be­darf des­halb kei­ner Erörte­rung, in­wie­weit ei­ne Be­schränkung der Zu­las­sung der Rechts­be­schwer­de möglich ge­we­sen wäre.
 


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2. Der Zwangs­geld­be­schluss des Ar­beits­ge­richts in der Form, wie er sie auf­grund der Be­schwer­de­ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ge­fun­den hat, be­geg­net kei­nen recht­li­chen Be­den­ken.

a) Bei dem aus­ge­ur­teil­ten Beschäfti­gungs­an­spruch han­delt es sich um ei­ne un­ver­tret­ba­re Hand­lung, zu der der Schuld­ner, wenn er sie - wie hier die Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin - nicht vor­nimmt, durch Zwangs­geld und Zwangs­haft an­ge­hal­ten wer­den kann (§ 888 ZPO). Dies ist durch den vor­lie­gen­den Be­schluss ge­sche­hen.

b) Die all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen der Zwangs­voll­stre­ckung lie­gen vor. Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts stellt ei­nen Kraft Ge­set­zes vorläufig voll­streck­ba­ren Ti­tel dar (§ 62 Abs. 1 Satz 1 ArbGG). Ei­ne voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gung ist er­teilt (§ 724 Abs. 1 ZPO) und die Zu­stel­lung er­folgt (§ 750 Abs. 1 ZPO).

c) Zu Un­recht rügt die Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin, dass der Ent­schei­dungs­aus­spruch zu un­be­stimmt für ei­ne Zwangs­voll­stre­ckung ist.

aa) § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO ver­langt, dass die Kla­ge­schrift ne­ben der be­stimm­ten An­ga­be des Ge­gen­stan­des und des Grun­des des er­ho­be­nen An­spruchs auch ei­nen be­stimm­ten An­trag enthält. Da­mit wird zum ei­nen der Streit­ge­gen­stand ab­ge­grenzt, zum an­de­ren wird ei­ne Vor­aus­set­zung für die et­wa er­for­der­lich wer­den­de Zwangs­voll­stre­ckung ge­schaf­fen. Ge­mes­sen an die­sen Zie­len ist ein Kla­ge­an­trag grundsätz­lich hin­rei­chend be­stimmt, wenn er den er­ho­be­nen An­spruch kon­kret be­zeich­net, da­durch den Rah­men der ge­richt­li­chen Ent­schei­dungs­be­fug­nis (§ 308 ZPO) ab­steckt, In­halt und Um­fang der ma­te­ri­el­len Rechts­kraft der be­gehr­ten Ent­schei­dung (§ 322 ZPO) er­ken­nen lässt und das Ri­si­ko ei­nes Un­ter­lie­gens des Klägers nicht durch ver­meid­ba­re Un­ge­nau­ig­keit auf den Be­klag­ten abwälzt und schließlich ei­ne Zwangs­voll­stre­ckung aus dem Ur­teil oh­ne ei­ne Fort­set­zung des Strei­tes im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren er­war­ten lässt (vgl. BGH 14. De­zem­ber 1998 - II ZR 330/97 - zu I 2 a der Gründe, NJW 1999, 954). Un­klar­hei­ten über den In­halt der Ver­pflich­tung dürfen des­halb nicht aus dem Er­kennt­nis­ver­fah­ren ins Voll-stre­ckungs­ver­fah­ren ver­la­gert wer­den. Des­sen Auf­ga­be ist es zu klären, ob der

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Schuld­ner ei­ner fest­ge­leg­ten Ver­pflich­tung nach­ge­kom­men ist, nicht aber wor­in die­se be­steht (BAG 28. Fe­bru­ar 2003 - 1 AZB 53/02 - zu B II 1 der Gründe, BA­GE 105, 195).


Zu­dem ist das Rechts­staats­prin­zip zu be­ach­ten. Der Schuld­ner muss wis­sen, in wel­chen Fällen er mit ei­nem Zwangs­mit­tel zu rech­nen hat (vgl. BAG 28. Fe­bru­ar 2003 - 1 AZB 53/02 - zu B II 1 der Gründe, BA­GE 105, 195). An­de­rer­seits er­for­dert es aber ge­ra­de auch das Rechts­staats­prin­zip und das dar­aus fol­gen­de Ge­bot ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes (BVerfG 12. Fe­bru­ar 1992 - 1 BvL 1/89 - zu C I der Gründe, BVerfGE 85, 337), dass ma­te­ri­ell-recht­li­che Ansprüche ef­fek­tiv, auch in der Zwangs­voll­stre­ckung, durch­ge­setzt wer­den können. Das kann es recht­fer­ti­gen, auch das Voll­stre­ckungs­ge­richt nicht der Not­wen­dig­keit zu ent­he­ben, ei­ne mögli­cher­wei­se schwie­ri­ge Klärung der Fra­ge her­bei­zuführen, ob ge­gen die aus ei­nem Ti­tel fol­gen­de Ver­pflich­tung ver­s­toßen wur­de (vgl. BAG 25. Au­gust 2004 - 1 AZB 41/03 - zu B II 2 c bb der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 23 Nr. 41 = EzA ArbGG 1979 § 78 Nr. 7).

Bei der Prüfung, wel­che Ver­pflich­tun­gen durch den Voll­stre­ckungs­ti­tel fest­ge­legt wer­den, kann grundsätz­lich nur auf die­sen selbst, nicht da­ge­gen auf an­de­re Schriftstücke zurück­ge­grif­fen wer­den (BAG 28. Fe­bru­ar 2003 - 1 AZB 53/02 - zu B II 2 der Gründe, BA­GE 105, 195). Geht es - wie hier - um ein Ur­teil, ist da­bei zu berück­sich­ti­gen, dass § 313 Abs. 2 ZPO in Ur­tei­len ei­ne Ver­wei­sung auf Schriftsätze, Pro­to­kol­le und an­de­re Un­ter­la­gen aus­drück­lich vor­sieht. So­weit das Ge­richt da­von Ge­brauch ge­macht hat, sind die­se Un­ter­la­gen des­halb als Teil des voll­streck­ba­ren Ti­tels zu be­trach­ten.


bb) Geht es - wie im vor­lie­gen­den Fall - um die Ti­tu­lie­rung des dem Ar­beit­neh­mer un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen während des Lau­fes ei­nes Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses zu­ste­hen­den An­spruchs auf Wei­ter­beschäfti­gung (grund­le­gend: BAG Großer Se­nat 27. Fe­bru­ar 1985 - GS 1/84 - BA­GE 48, 122) muss des­halb der Voll­stre­ckungs­ti­tel ver­deut­li­chen, um wel­che Art von Beschäfti­gung es geht, da der Ar­beit­ge­ber vor un­be­rech­tig­ten Zwangs­voll-stre­ckungs­maßnah­men geschützt wer­den muss. An­de­rer­seits kann der Ti­tel aus ma­te­ri­ell-recht­li­chen Gründen nicht so ge­nau sein, dass er auf ei­ne ganz


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be­stimm­te im Ein­zel­nen be­schrie­be­ne Tätig­keit oder Stel­le zu­ge­schnit­ten ist. Dar­auf hat der Ar­beit­neh­mer nämlich re­gelmäßig kei­nen An­spruch, weil dem Ar­beit­ge­ber das Wei­sungs­recht nach § 106 der Ge­wer­be­ord­nung zu­steht. So­weit nicht die Ausübung die­ses Wei­sungs­rechts im Ein­zel­fall Ge­gen­stand des Er­kennt­nis­ver­fah­rens ist, gibt es des­halb kei­ne recht­li­che Hand­ha­be, um den Ar­beit­ge­ber durch ei­nen Beschäfti­gungs­aus­spruch zur Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers in ei­ner be­stimm­ten, eng be­grenz­ten Wei­se zu ver­pflich­ten (LAG Ba­den-Würt­tem­berg 21. Fe­bru­ar 2007 - 17 Ta 1/07 - zu II 1 b der Gründe).

Um die­sen Ge­sichts­punk­ten ge­recht zu wer­den, ist es er­for­der­lich aber auch aus­rei­chend, wenn die Art der aus­ge­ur­teil­ten Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers aus dem Ti­tel er­sicht­lich ist. Ein­zel­hei­ten hin­sicht­lich der Art der Beschäfti­gung oder sons­ti­gen Ar­beits­be­din­gun­gen muss der Ti­tel dem­ge­genüber nicht ent­hal­ten (LAG Ba­den-Würt­tem­berg 21. Fe­bru­ar 2007 - 17 Ta 1/07 - zu II 1 b der Gründe). Dafür reicht es aus, wenn das Be­rufs­bild, mit dem der Ar­beit­neh­mer beschäftigt wer­den soll, sich aus dem Ti­tel er­gibt (Hes­si­sches LAG 23. Ok­to­ber 2008 - 12 Ta 383/08 - zu II der Gründe; aA LAG Nie­der­sach­sen 2. Fe­bru­ar 2007 - 12 Ta 621/06 - zu II 2 c der Gründe, AE 2008, 71) oder sich in ver­gleich­ba­rer Wei­se er­gibt, wor­in die Tätig­keit be­ste­hen soll.


Dar­aus folgt zu­gleich, dass der Ar­beit­ge­ber so­lan­ge kei­nen Zwangs­voll­stre­ckungs­maßnah­men aus­ge­setzt ist, als er den Ar­beit­neh­mer in der Art beschäftigt, wie es sich aus dem Ti­tel er­gibt. Strei­tig­kei­ten darüber, ob im Ein­zel­fall das Wei­sungs­recht nach § 106 Ge­wO ord­nungs­gemäß aus­geübt wur­de, gehören nicht ins Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren und sind ggf. in ei­nem ge­son­der­ten Er­kennt­nis­ver­fah­ren zu klären.


cc) Im vor­lie­gen­den Fall ist das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil in die­sem Sin­ne be­stimmt ge­nug.

Schon aus dem Te­nor des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils er­gibt sich, dass der Voll­stre­ckungsgläubi­ger als An­ge­stell­ter, al­so nicht als ge­werb­li­cher Ar­beit­neh­mer, wei­ter beschäftigt wer­den soll. Aus den un­strei­ti­gen An­ga­ben zur bis­he­ri­gen Beschäfti­gung folgt wei­ter, dass der Voll­stre­ckungsgläubi­ger im tech­ni­schen Be­reich, ein­sch­ließlich der kon­zep­tio­nel­len Er­stel­lung von
 


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Schu­lungs­un­ter­la­gen und Ähn­li­chem beschäftigt war. Da­mit ist die Art der Tätig­keit, mit der der Voll­stre­ckungsgläubi­ger ein­zu­set­zen ist, aus­rei­chend be­stimmt: Er ist mit Tätig­kei­ten als tech­ni­scher An­ge­stell­ter zu be­fas­sen, die die ei­genständi­ge An­wen­dung tech­ni­scher Fer­tig­kei­ten vor­aus­set­zen.


d) Die von der Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin ins Feld geführ­ten Gründe dafür, dass ihr die Beschäfti­gung des Voll­stre­ckungsgläubi­gers unmöglich ist, sind un­be­acht­lich.


Zu Recht ist die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung da­von aus­ge­gan­gen, dass Gründe, die be­reits Ge­gen­stand des Er­kennt­nis­ver­fah­rens bis zum Er­lass des Ti­tels wa­ren, in­so­weit nicht her­an­ge­zo­gen wer­den können. Et­was an­de­res wi­derspräche ge­ra­de der dar­ge­leg­ten Auf­tei­lung der Funk­tio­nen von Er­kennt­nis- und Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren. Wel­che Ver­pflich­tun­gen be­ste­hen, ist un­ter Berück­sich­ti­gung des ein­schlägi­gen Sach­vor­trags im Er­kennt­nis­ver­fah­ren fest­zu­stel­len, im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren geht es nur noch um die Fest­stel­lung, wel­che Ver­pflich­tun­gen tatsächlich ti­tu­liert wur­den (wie hier: Hes­si­sches LAG 23. Ok­to­ber 2008 - 12 Ta 383/08 - zu II der Gründe; LAG Ba­den-Würt­tem­berg 21. Fe­bru­ar 2007 - 17 Ta 1/07 - zu II 1 c (1) der Gründe; aA LAG Hamm 21. Fe­bru­ar 2007 - 7 Ta 90/07 - zu II der Gründe; Säch­si­sches LAG 20. No­vem­ber 2006 - 4 Ta 240/06 (8) - zu II 2 c der Gründe, LA­GE ZPO 2002 § 888 Nr. 6). Wenn ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung ti­tu­liert wur­de, folgt dar­aus, dass die in­so­weit an­geführ­ten Gründe dem Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag für den Er­lass des kraft ge­setz­li­cher Wer­tung vorläufig voll­streck­ba­ren Ur­teils aus der Sicht des ent­schei­den­den Ge­richts nicht ent­ge­gen­stan­den.


Der Voll­stre­ckungs­schuld­ner ist da­durch nicht schutz­los. Es bleibt ihm un­be­nom­men, nach Be­ru­fungs­ein­le­gung gemäß § 719 und § 707 ZPO iVm. § 62 Abs. 1 Satz 2 und 3 ArbGG vor­zu­ge­hen und gel­tend zu ma­chen, die Zwangs­voll­stre­ckung führe zu ei­nem nicht zu er­set­zen­den Nach­teil.


3. Sons­ti­ge Gründe ste­hen der Rechtmäßig­keit der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung nicht ent­ge­gen.
 


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Auf die Ausführun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts im ers­ten Be­schwer­de­ver­fah­ren kommt es nicht an. Sie wa­ren auf ei­ne Si­tua­ti­on ge­rich­tet, die seit Vor­lie­gen des Ur­teils mit vollständi­gen Ur­teils­gründen nicht mehr ge­ge­ben ist und ent­fal­ten schon des­halb in­so­weit kei­ne Rechts­kraft.


Die Höhe des Zwangs­gel­des greift die Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin zu Recht nicht an.

III. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 ZPO. 


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