Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Zielvereinbarung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Düsseldorf
Akten­zeichen: 11 Sa 1504/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 30.04.2009
   
Leit­sätze: Ist in der für ein Ka­len­der­jahr von den Par­tei­en ge­trof­fe­nen Ziel­ver­ein­ba­rung de­ren Nach­wir­kung für den Fall des Nicht­zu­stan­de­kom­mens ei­ner Fol­ge­ver­ein­ba­rung vor­ge­se­hen, ist jeg­li­cher Ent­las­tungs­nach­weis des Ar­beit­ge­bers, er ha­be den Nicht­ab­schluss ei­ner neu­en Ziel­ver­ein­ba­rung nicht zu ver­tre­ten, ent­behr­lich.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 24.09.2008, 4 Ca 7771/07
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.05.2010, 10 AZR 390/09
   

11 Sa 1504/08

4 Ca 7771/07
Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf 

Verkündet

am 30. April 2009

gez.: Lind­ner Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT DÜSSEL­DORF

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

des Herrn T. L., H. str. 28, C.,

- Kläger und Be­ru­fungskläger -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter: Rechts­an­walt Dr. D. S.,
L. damm 187, C.,

g e g e n

die J. Tele­com GmbH, ver­tre­ten durch den Geschäftsführer V. O., T.-Str. 68, E.,

- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte V. X. & Part­ner H.,
H. str. 16, L.,

hat die 11. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 05.03.2009
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Vos­sen als Vor­sit­zen­den so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Nauck und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schörnich

für R e c h t er­kannt:

Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 24.09.2008 – 4 Ca 7771/07 – wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

- 2 -

T A T B E S T A N D :

Die Par­tei­en strei­ten über Ansprüche auf va­ria­ble Ar­beits­vergütung.

Der Kläger war vom 01.02.2003 bis zum 31.05.2007 bei der Be­klag­ten als Pro­jekt­lei­ter C. Pro­jekt E-Plus beschäftigt. Dem Ar­beits­verhält­nis lag der schrift­li­che An­stel­lungs­ver­trag vom 06.01.2003 zu­grun­de. In Art. 3 „Vergütung“ un­ter lit. a) heißt es:

„Der Mit­ar­bei­ter erhält für sei­ne Tätig­keit ein Jah­res­ge­halt in Höhe von 61.350,-- € brut­to. Die­ses setzt sich wie folgt zu­sam­men:

75,79 % Jah­res­fest­ge­halt = 46.500,-- € brut­to. Die Aus­zah­lung er-folgt in 12 mo­nat­lich glei­chen Beträgen in Höhe von mo­nat­lich 3.875,-- € brut­to.

25,21 % va­ria­bles Jah­res­ge­halt = 14.850,-- € brut­to gemäß Ziel­ver­ein­ba­rung.

Im Jahr des Ein­tritts bzw. Aus­tritts wird das Ge­halt an­tei­lig, pro ra­ta tem­po­ris, be­zahlt.“

Für den va­ria­blen Ge­halts­be­stand­teil schlos­sen die Par­tei­en für das Ka­len­der­jahr 2003 am 06.01.2003 so­wie für das Ka­len­der­jahr 2004 am 28.05.2004 je­weils ei­ne Ziel­ver­ein­ba­rung. In der Ziel­ver­ein­ba­rung vom 28.05.2004 heißt es un­ter der Über­schrift „Va­ria­ble Ziel­vergütung“:

„Das Jah­res­ziel­ein­kom­men (100 %) wird auf 61.354 € brut­to fest­ge­legt. Es setzt sich wie folgt zu­sam­men:

Fest­ge­halt = 48.500 € brut­to
Die Aus­zah­lung er­folgt in 12 mo­nat­lich glei­chen Beträgen in Höhe von 3.875 € brut­to.

Va­ria­bler Bo­nus­an­teil = 14.854 € brut­to.

Der va­ria­ble An­teil des Jah­res­ge­hal­tes wird nach fol­gen­der Ma­trix er­mit­telt:

 

- 3 -

- 20 % bei Er­rei­chung der Un­ter­neh­mens­zie­le in Um­satz und Ge­winn. (26. Mio. € Um­satz, 800K→Ebit). - 40 % bei Er­zie­lung ei­nes durch­schnitt­li­chen De­ckungs­bei­tra­ges über al­le be­treu­ten Pro­jek­te von 20 %.
- 40 % bei der Ab­nah­me von 273 Mel­len­stei­nen M4 durch den Kun­den F. in der Re­gi­on C. für das Ka­len­der­jahr 2004.

Der va­ria­ble An­teil des Jah­res­ge­halts wird nach Vor­la­ge des tes­tier­ten Jah­res­ab­schlus­ses der J. Tele­com GmbH ge­zahlt.
Die Ziel­ver­ein­ba­rung gilt ab dem 1. Ja­nu­ar 2004 für min­des­tens ein Jahr bis zur Un­ter­zeich­nung ei­ner neu­en Ziel­ver­ein­ba­rung. Ansprüche auf Prämi­en­zah­lun­gen für den zurück­lie­gen­den Zeit­raum be­ste­hen nicht.
Die Geschäfts­lei­tung behält sich vor, die Stück­zahl der zu er­rei­chen­den Mel­len­stei­ne M4 an ei­ne sich im Ver­lauf des Ka­len­der­jah­res ändern­de Kun­den­zu­sa­ge ge­genüber F. an­zu­pas­sen.
Im Fal­le des Aus­schei­dens des Mit­ar­bei­ters, sei es auf Ver­an­las­sung des Un­ter­neh­mens oder des Mit­ar­bei­ters selbst, gilt für die Be­rech­nung des zu zah­len­den Bo­nus aus der Ziel­ver­ein­ba­rung, die bis zum letz­ten Ar­beits­tag er­brach­te Leis­tung.

Al­le an­de­ren Be­stim­mun­gen des Ver­tra­ges blei­ben un­verändert.“

Die Zahl „273“ ist durch­ge­stri­chen und dafür hand­schrift­lich die Zahl „260“ ge­setzt mit dem hand­schrift­li­chen Hin­weis: „sie­he Mail von G. I.“. Für das Jahr 2004 er­hielt der Kläger ei­ne va­ria­ble Vergütung in Höhe von 9.000,-- €.

Der Kläger war in ei­nem Pro­jekt­team für den Kun­den E-Plus tätig. Die­ses Team ko­or­di­nier­te den Auf­bau von Ba­sis­sta­tio­nen. Der in der Ziel­ver­ein­ba­rung ge­nann­te Mei­len­stein „M4“ stellt die In­be­trieb­nah­me ei­nes Stand­or­tes im Netz dar.

Für das Jahr 2005 un­ter­brei­te­te die Be­klag­te dem Kläger ei­ne Ziel­ver­ein­ba­rung, in der das Ziel sich zu 10 % aus Un­ter­neh­mens­ziel­er­rei­chung, zu 60 % aus Neu­kun­den­ge­win­nung so­wie zu 30 % aus der Er­rei­chung von 71 Mei­len­stei­nen un­ter ei­nem be­stimm­ten De­ckungs­bei­trag zu­sam­men­setz­te. Die­ses An­ge­bot nahm der Kläger nicht an. Auch das ihm am 11.02.2006 sei­tens der Be­klag­ten un­ter­brei­te­te Ände­rungs­an­ge­bot ak­zep­tier­te er nicht. Statt­des­sen bot der Kläger von sich aus mit Schrei­ben vom 13.03.2006 für 2006 ei­ne Ziel­ver­ein­ba­rung an, nach der 40 % durch Un­ter­neh­mens­zie­le so­wie 60 % durch Pro­jekt­zie­le er-

 

- 4 -

reicht wer­den soll­ten. Für die Jah­re 2005 bis 2007 wur­de letzt­lich kei­ne Ziel­ver­ein­ba­rung ab­ge­schlos­sen.

Mit sei­ner beim Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf am 24.10.2007 ein­ge­reich­ten Kla­ge hat der Kläger zunächst die Zah­lung der va­ria­blen Vergütung für die Jah­re 2005 und 2006 in Höhe von je­weils 14.850,-- € und hilfs­wei­se Aus­kunft über den Grad der Ziel­er­rei­chung in den Jah­ren 2005 und 2006 auf der Ba­sis der zwi­schen den Par­tei­en für das Jahr 2004 ver­ein­bar­ten Ziel­ver­ein­ba­rung ver­langt. Gemäß dem am 17.12.2007 vor dem Ar­beits­ge­richt ge­schlos­se­nen Teil­ver­gleich hat die Be­klag­te dem Kläger für die Jah­re 2005 und 2006 ei­ne Aus­kunft er­teilt, nach der kei­ne va­ria­ble Vergütung ver­dient wor­den sei. Im We­ge der Kla­ge­er­wei­te­rung be­gehrt der Kläger außer­dem die Zah­lung von 6.187,50 € an­tei­lig für die Mo­na­te Ja­nu­ar bis Mai 2007.

Der Kläger hat im We­sent­li­chen gel­tend ge­macht:

Er könne die be­gehr­te va­ria­ble Vergütung für die Jah­re 2005 bis 2007 be­an­spru­chen, da die Be­klag­te die Initia­ti­ve für den Ab­schluss von Ziel­ver­ein­ba­run­gen nicht er­grif­fen ha­be. Die Be­klag­te sei ihm des­halb zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet, weil sie ihm die Möglich­keit ge­nom­men ha­be, auf rea­lis­ti­scher Grund­la­ge sein Ziel zu er­rei­chen. Auf die Ziel­ver­ein­ba­rung vom 28.05.2004 könne sich die Be­klag­te nicht be­ru­fen, da die­se Zie­le ent­hal­te, die von ihm nicht be­ein­fluss­bar sei­en. We­der der 20 %-ige Ziel­an­teil aus Um­satz und Ge­winn noch der 40 %-ige An­teil ver­schie­de­ner De­ckungs­beiträge könn­ten von ihm be­ein­flusst wer­den. Le­dig­lich die Vor­ga­be von Mei­len­stei­nen sei durch ihn be­ein­fluss­bar. Die Be­klag­te ha­be auch ei­nen zwei­mo­na­ti­gen Pro­jekt­auf­ent­halt in den Nie­der­lan­den nicht berück­sich­tigt. Zu­dem sei er be­reits seit 2005 nicht mehr in der La­ge ge­we­sen, die Mei­len­stein­vor­ga­be von 260 zu er­rei­chen, da sich die Markt- und Auf­trags­la­ge verändert ha­be. Dies sei be­reits ein Jahr zu­vor ab­seh­bar ge­we­sen. Die Be­klag­te hätte da­her min­des­tens ih­re mit der Ver­ein­ba­rung vor­be­hal­te­ne Ände­rungs­be­fug­nis bei den Mei­len­stei­nen in An­spruch neh­men müssen.

 

- 5 -

Der Kläger hat zu­letzt be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 29.700,-- € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 14.850,-- € seit dem 01.01.2006 und aus wei­te­ren 14.850,-- € seit dem 01.01.2007 zu zah­len;

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 6.187,50 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.01.2008 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat vor al­lem die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Ziel­ver­ein­ba­rung vom 28.05.2004 sei auch in den Jah­ren 2005 bis 2007 an­zu­wen­den ge­we­sen.

Mit sei­nem am 24.09.2008 verkünde­ten Ur­teil hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen und dies im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet:

Der Kläger könne sei­nen An­spruch nicht auf ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch gemäß § 280 Abs. 1 BGB stützen. Die Be­klag­te ha­be es nämlich nicht schuld­haft un­ter­las­sen, ge­mein­sam mit dem Kläger für die Ziel­pe­ri­oden 2005 bis 2007 Zie­le fest­zu­le­gen. Viel­mehr exis­tie­re mit der Ver­ein­ba­rung vom 28.05.2004 ei­ne Ziel­ver­ein­ba­rung auch für die Fol­ge­jah­re. Die in die­ser Ver­ein­ba­rung ver­ab­re­de­te Fort­gel­tung der Ziel­ver­ein­ba­rung für 2004 über die­ses Jahr hin­aus be­nach­tei­li­ge den Kläger nicht un­an­ge­mes­sen i. S. von § 307 Abs. 1 BGB. Auch sei die vor­ge­nann­te Ver­ein­ba­rung nicht in­so­weit un­wirk­sam, als die Par­tei­en in die­ser als Kom­po­nen­ten der Ziel­ver­ein­ba­rung teil­wei­se Zie­le des Un­ter­neh­mens ver­ein­bart hätten. Al­lei­ne aus dem Be­griff der „Ziel­ver­ein­ba­rung“ las­se sich nicht der Schluss zie­hen, dass die Zie­le al­lein persönli­cher Art bzw. die ei­ge­ne Leis­tung be­tref­fend ge­steckt wer­den soll­ten. Ein an­de­rer recht­li­cher Ge­sichts­punkt, der ge­gen die wirk­sa­me Ver­ein­ba­rung der in der Ziel­ver­ein­ba­rung vom 28.05.2004 de­fi­nier­ten Zie­le spre­che, sei nicht er­sicht­lich. Ein An-

 

- 6 -

spruch und ei­ne dar­aus re­sul­tie­ren­de Ver­pflich­tung der Be­klag­ten, ei­ne ein­sei­ti­ge Ände­rung der Ziel­ver­ein­ba­rung vom 28.05.2004 vor­zu­neh­men, ha­be aus­sch­ließlich durch das ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ände­rungs­recht für die Teil­kom­po­nen­te „Mei­len­stei­ne M4“ bei ei­ner sich ändern­den Kun­den­zu­sa­ge be­stan­den. In­so­weit sei aber nicht fest­zu­stel­len, dass die Vor­aus­set­zun­gen der sich ändern­den Kun­den­zu­sa­gen ge­ge­ben sei. Der Kläger ha­be hier­zu kei­ne für die Be­klag­te ein­las­sungsfähi­ge kon­kre­te Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen. Über das ver­trag-li­che An­pas­sungs­recht be­tref­fend die Teil­kom­po­nen­te „Mei­len­stei­ne M4“ hin­aus sei ein ein­sei­ti­ges Leis­tungs­be­stim­mungs­recht nicht er­sicht­lich. Ins­be­son­de­re ha­be der Kläger kei­nen An­spruch dar­auf, dass die Be­klag­te bei Nicht­zu­stan­de­kom­men der ver­trag­lich vor­ge­se­he­nen Ziel­ver­ein­ba­rung ein­sei­tig Zie­le vor­ge­be. Auch kom­me ein An­spruch auf Ver­trags­an­pas­sung nach § 313 BGB nicht in Be­tracht. Der Kläger ha­be nicht im An­satz Ge­sichts­punk­te dafür dar­ge­legt, dass die der Ver­ein­ba­rung zu­grun­de lie­gen­den Vor­ga­ben ins­be­son­de­re für die Un­ter­neh­mens­zie­le sich von 2004 auf 2005 bzw. die Fol­ge­jah­re der­ar­tig gra­vie­rend geändert hätten, dass ei­ne An­pas­sung er­for­der­lich ge­wor­den sei. Sch­ließlich sei der Ver­trag ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers auch nicht ergänzend im Sin­ne ei­nes ein­sei­ti­gen Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts ei­ner Par­tei aus­zu­le­gen. Der Ver­trag spre­che deut­lich da­von, dass – mit der Aus­nah­me des An­pas­sungs­rechts für die Be­klag­te im Be­reich der Mei­len­stei­ne für ei­ne be­stimm­te Kon­stel­la­ti­on – ei­ne Ver­ein­ba­rungslösung ge­wollt sei.

Ge­gen das ihm am 29.09.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 29.10.2008 ein­ge­reich­ten Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se – nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 02.01.2009 – mit ei­nem hier am 02.01.2009 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.

Der Kläger hat un­ter teil­wei­ser Wie­der­ho­lung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens im We­sent­li­chen gel­tend ge­macht:

Zu Un­recht ha­be das Ar­beits­ge­richt ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch nach § 280 Abs. 1 BGB zu sei­nen Guns­ten ab­ge­lehnt. Die Klau­sel in der Ver­ein­ba­rung vom

 

- 7 -

28.05.2004, nach der sich die Ziel­ver­ein­ba­rung man­gels Neu­ab­schlus­ses ei­ner ablösen­den Ver­ein­ba­rung au­to­ma­tisch verlängern sol­le, ver­s­toße ge­gen §§ 305 ff. BGB. Mit dem Ver­weis auf § 313 Abs. 1 BGB ge­he das Ar­beits­ge­richt eben­falls fehl. Sei­ne Auf­fas­sung würde da­zu führen, dass der ver­trag­lich ab­ge­si­cher­te An­spruch auf ei­ne va­ria­ble Ab­fin­dung aus­ge­he­belt würde, dass die Kri­te­ri­en auf Jah­re hin­aus nicht mehr er­reicht wer­den könn­ten und an die Stel­le des An­spruchs auf Ver­ein­ba­rung rea­lis­ti­scher­wei­se zu er­rei­chen­der Zie­le ein viel schwie­ri­ger durch­zu­set­zen­der An­spruch auf An­pas­sung gemäß § 313 Abs. 1 BGB träte. Es wi­der­spre­che darüber hin­aus der Rechts­si­cher­heit, wenn Ziel­ver­ein­ba­run­gen un­abhängig vom In­halt der Ar­beits­leis­tung fort­gel­ten soll­ten. Er sei im Jah­re 2005 für cir­ca sechs Wo­chen in den Nie­der­lan­den ein­ge­setzt wor­den und ha­be des­halb nicht in ir­gend­ei­ner Wei­se auf die Un­ter­neh­mens­zie­le Ein­fluss neh­men können.

Der Kläger be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 24.09.2008, 4 Ca 7771/07, ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 35.887,50 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 14.850,-- € seit dem 01.01.2006, aus wei­te­ren 14.850,-- € seit dem 01.01.2007 und aus wei­te­ren 6.187,50 € seit dem 01.01.2008 zu zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te ver­tei­digt in ers­ter Li­nie das an­ge­foch­te­ne Ur­teil und führt un­ter teil­wei­ser Wie­der­ho­lung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens ergänzend aus:

Zu Recht ha­be die Vor­in­stanz die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Sie ha­be rich­tig ge­se­hen, dass ge­ra­de kein Fall der un­ter­blie­be­nen Ziel­ver­ein­ba­rung vor­ge­le­gen ha­be. Der Kläger wen­de sich wei­ter­hin ge­gen ein­deu­ti­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, in­dem er be­an­stan­de, dass in sei­ner Ziel­ver­ein­ba­rung auch

 

- 8 -

Kom­po­nen­ten ent­hal­ten ge­we­sen sei­en, die an Un­ter­neh­mens­zie­le an­ge­knüpft hätten. Der Kläger tra­ge wei­ter­hin nicht schlüssig vor, dass die ihm an­ge­bo­te­ne Ziel­ver­ein­ba­rung für 2005 hin­sicht­lich der Er­rei­chung der Zie­le für ihn unmöglich ge­we­sen wäre. So­weit der Kläger in die­sem Zu­sam­men­hang sei­nen Auf­ent­halt in den Nie­der­lan­den ein­brin­ge, ha­be die­ser nur drei Wo­chen ge­dau­ert. Im Übri­gen sei durch sei­ne Ab­we­sen­heit die Erfüllung sei­ner Zie­le nicht er­schwert wor­den. Denn die­se sei­en iden­tisch ge­we­sen mit den Grup­pen­zie­len der Ar­beits­grup­pe des Dr. H. I., der der Kläger an­gehört und die während sei­ner Ab­we­sen­heit un­verändert wei­ter­ge­ar­bei­tet ha­be. Was den Mei­len­stein M4, hin­sicht­lich des­sen sie laut der Ver­ein­ba­rung vom 28.05.2004 ein An­pas­sungs­recht ge­habt ha­be, be­tref­fe, ha­be der Kläger selbst in sei­nem Schrift­satz vom 15.07.2008 ein­geräumt, dass die Mei­len­stei­ne M4, die ihm vor­ge­schla­gen – von ihm aber ab­ge­lehnt wor­den sei­en – im Jah­re 2005 weit über­trof­fen und 2007 et­was über­trof­fen, nur im Jah­re 2006 nicht er­reicht wor­den sei­en.

We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en im Ein­zel­nen wird auf den münd­lich vor­ge­tra­ge­nen In­halt der Ak­te ergänzend Be­zug ge­nom­men.

E N T S C H E I D U N G S G R Ü N D E :

A.

Die Be­ru­fung des Klägers, ge­gen de­ren Zulässig­keit kei­ner­lei Be­den­ken be­ste­hen, ist un­be­gründet. Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

I. Der Kläger kann die von ihm für die Jah­re 2005 bis 2007 ver­lang­te va­ria­ble Vergütung in ei­ner Ge­samthöhe von 35.887,50 € brut­to we­gen ei­ner nicht ab­ge­schlos­se­nen Ziel­ver­ein­ba­rung nach Ab­lauf der für sie ge­dach­ten Ziel­pe­ri­ode al­len­falls im We­ge ei­nes Scha­dens­er­satz­an­spruchs gemäß § 280 Abs. 1 und Abs. 3 BGB i. V. m. §§ 283 Satz 1, 252 BGB we­gen der ent­gan­ge­nen Ver-

 

- 9 -

gütung ver­lan­gen (vgl. näher BAG 12.12.2007 – 10 AZR 97/07 – Rz. 14, EzA § 611 BGB 2002 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 22). Die Fest­le­gung von Zie­len wird je­den­falls mit Ab­lauf der Ziel­pe­ri­ode unmöglich i. S. von § 275 Abs. 1 BGB.

II. Die Fra­ge, ob und ge­ge­be­nen­falls in wel­cher Höhe ein Ar­beit­neh­mer ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch we­gen der ihm ent­gan­ge­nen er­folgs­abhängi­gen Vergütung hat, wenn die Par­tei­en ent­ge­gen ei­ner Ab­re­de im Ar­beits­ver­trag für ei­ne Ziel­pe­ri­ode nicht ge­mein­sam Zie­le fest­ge­legt ha­ben, kann al­ler­dings oh­ne die Berück­sich­ti­gung der Gründe für das Nicht­zu­stan­de­kom­men der für ein Ka­len­der­jahr ge­dach­ten Ziel­ver­ein­ba­rung nicht ent­schie­den wer­den (vgl. BAG 10.12.2008 – 10 AZR 889/07 – Rz. 7, EzA § 611 BGB 2002 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 23 im An­schluss an BSG 23.03.2006 – B 11 a AL 29/05 – R–NZA–RR 2007, 101).

1. Ob­lag es dem Ar­beit­ge­ber, die Initia­ti­ve zur Führung ei­nes Gesprächs mit dem Ar­beit­neh­mer über ei­ne Ziel­ver­ein­ba­rung zu er­grei­fen und hat er ein sol­ches Gespräch nicht an­be­raumt, hat er ei­ne ver­trag­li­che Ne­ben­pflicht ver­letzt. Al­ler­dings ist der Ar­beit­ge­ber nach § 280 Abs. 1 Satz 2 BGB nicht zur Leis­tung von Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet, wenn er das Nicht­zu­stan­de­kom­men ei­ner Ziel­ver­ein­ba­rung nicht zu ver­tre­ten hat. Weist der Ar­beit­ge­ber nach, dass er sei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung, für je­de Ziel­pe­ri­ode ge­mein­sam mit dem Ar­beit­neh­mer Zie­le fest­zu­le­gen, nach­ge­kom­men ist und dem Ar­beit­neh­mer Zie­le vor­ge­schla­gen hat, die die­ser nach ei­ner auf den Zeit­punkt des An­ge­bots be­zo­ge­nen Pro­gno­se hätte er­rei­chen können, fehlt es an ei­ner Ver­let­zung der Ver­hand­lungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers und da­mit an ei­ner Vor­aus­set­zung für ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch des Ar­beit­neh­mers (BAG 10.12.2008 – 10 AZR 889/07 – Rz. 14, a. a. O.).

2. In der Re­gel reicht es für den Ent­las­tungs­nach­weis des Ar­beit­ge­bers noch nicht aus, wenn die­ser nach­weist, dass er dem Ar­beit­neh­mer die Fortführung ei­ner ab­ge­lau­fe­nen Ziel­ver­ein­ba­rung an­ge­bo­ten und der Ar­beit­neh­mer die­ses An­ge­bot ab­ge­lehnt hat. Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn sich die für den Ab­schluss der ab­ge­lau­fe­nen Ziel­ver­ein­ba­rung maßge­ben­den Rah­men­be-

 

- 10 -

din­gun­gen der Leis­tungs­er­brin­gung durch in­ner- oder außer­be­trieb­li­che Ein­flüsse geändert ha­ben. Ei­ne veränder­te in­ner­be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on und/oder ei­ne an­de­re Wett­be­werbs­si­tua­ti­on oder Wirt­schafts­la­ge können da­zu führen, dass die bis­he­ri­gen Zie­le vom Ar­beit­neh­mer nicht mehr oder auch leich­ter er­reicht wer­den können und die Par­tei­en sich des­halb im Ver­gleich zur ab­ge­lau­fe­nen Ziel­pe­ri­ode auf we­ni­ger ehr­gei­zi­ge­re oder auf an­spruchs­vol­le­re Zie­le verständi­gen müssen, um dem mit dem Ab­schluss ei­ner Ziel­ver­ein­ba­rung ver­bun­de­nen Sinn und Zweck ge­recht zu wer­den. Ist nicht ver­ein­bart, dass ei­ne ge­trof­fe­ne Ziel­ver­ein­ba­rung nach Ab­lauf der Ziel­pe­ri­ode nach­wirkt, bis sie durch ei­ne an­de­re Ab­ma­chung er­setzt wird, ist die­ser Wil­le der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en zu ach­ten (BAG 10.12.2008 – 10 AZR 889/07 – Rz. 16, a. a. O.).

3. Ist al­ler­dings in der für ein Ka­len­der­jahr von den Par­tei­en ge­trof­fe­nen Ziel­ver­ein­ba­rung de­ren Nach­wir­kung für den Fall des Nicht­zu­stan­de­kom­mens ei­ner Fol­ge­ver­ein­ba­rung vor­ge­se­hen, ist nach Auf­fas­sung der Kam­mer jeg­li­cher Ent­las­tungs­nach­weis des Ar­beit­ge­bers, er ha­be den Nicht­ab­schluss ei­ner neu­en Ziel­ver­ein­ba­rung nicht zu ver­tre­ten, ent­behr­lich. Denn eben­so wie der Wil­le der Ver­trags­par­tei­en zu ach­ten ist, dass ei­ne neue Ziel­ver­ein­ba­rung ge­trof­fen wer­den soll, falls die bis­he­ri­ge kei­ne Nach­wir­kungs­klau­sel enthält, muss dies im um­ge­kehr­ten Fall gel­ten. Denn die Par­tei­en können ge­mein­sa­me Zie­le nicht nur für ein be­stimm­tes Ka­len­der­jahr, son­dern auch für künf­ti­ge Jah­re ver­ein­ba­ren (vgl. BAG 12.12.2007 – 10 AZR 97/07 – Rz. 18, a. a. O.).

4. Im Streit­fall be­stand ei­ne der­ar­ti­ge nach­wir­ken­de Ziel­ver­ein­ba­rung auf­grund der am 28.05.2004 ge­trof­fe­nen Ab­re­de. Denn die Par­tei­en hat­ten in der Ziel­ver­ein­ba­rung für das Ka­len­der­jahr 2004 die Re­ge­lung ge­trof­fen, dass die­se Ziel­ver­ein­ba­rung ab dem 01.01.2004 für min­des­tens ein Jahr bis zur Un­ter­zeich­nung ei­ner neu­en Ziel­ver­ein­ba­rung gilt.

III. Die für die Jah­re 2005 bis 2007 man­gels ei­ner an­der­wei­tig ge­trof­fe­nen Ziel­ver­ein­ba­rung wei­ter­gel­ten­de Ziel­ver­ein­ba­rung vom 28.05.2004 un­ter­liegt kei­ner all­ge­mei­nen Bil­lig­keits- oder In­halts­kon­trol­le nach den §§ 307 ff. BGB. Denn ist, wie im Streit­fall, ver­ein­bart, dass die Zah­lung ei­ner va­ria­blen Vergü-

 

- 11 -

tung durch die Er­rei­chung von Zie­len in­ner­halb ei­ner Ziel­pe­ri­ode auf­schie­bend be­dingt ist (§ 158 Abs. 1 BGB), und sind, wie vor­lie­gend, nach der ver­trag­li­chen Re­ge­lung die Zie­le von den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ge­mein­sam fest­zu­le­gen, un­ter­liegt die ge­trof­fe­ne Ziel­ver­ein­ba­rung als Ent­gelt­re­ge­lung grundsätz­lich kei­ner all­ge­mei­nen Bil­lig­keits- oder In­halts­kon­trol­le nach den §§ 307 ff. BGB (BAG 12.12.2007 – 10 AZR 97/07 – Rz. 16, EzA § 611 BGB 2002 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 22; vgl. auch An­nuß NZA 2007, 290). Es fin­den die Grundsätze über die freie Ent­gelt­ver­ein­ba­rung un­ein­ge­schränkt An­wen­dung (BAG 12.12.2007 – 10 AZR 97/07 – Rz. 16, a. a. O.; Bau­er/Dil­ler/Göpfert BB 2002, 882, 884; Bau­er FA 2002, 295, 297). Denn es ist nicht Auf­ga­be des Ge­richts, über die §§ 305 ff. BGB den „ge­rech­ten Preis“ zu er­mit­teln (BAG 31.08.2005 – 5 AZR 545/04 – EzA § 6 Arb­ZG Nr. 6; vgl. auch BAG 20.02.2008 – 10 AZR 125/07 – Rz. 14, EzA § 307 BGB 2002 Nr. 31). Al­ler­dings muss die Ziel­ver­ein­ba­rung dem Trans­pa­renz­ge­bot (§ 307 Abs. 3 Satz 2 BGB i. V. m § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB) ent­spre­chen (BAG 12.12.2007 – 10 AZR 97/07 – Rz. 16, a. a. O.). Hier­von ist im Streit­fall aus­zu­ge­hen.

1. Nach § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB kann sich ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung auch dar­aus er­ge­ben, dass die Be­stim­mung nicht klar und verständ­lich ist. Sinn des in die­ser Vor­schrift ge­re­gel­ten Trans­pa­renz­ge­bots ist es, der Ge­fahr vor­zu­beu­gen, dass der Ver­trags­part­ner des Klau­sel­ver­wen­ders von der Durch­set­zung be­ste­hen­der Rech­te ab­ge­hal­ten wird (BAG 03.04.2007 – 9 AZR 867/06 – Rz. 30, NZA 2007, 1046, 1048; BAG 24.10.2007 – 10 AZR 825/06 – Rz. 14, NZA 2008, 40, 41). Ein Ver­s­toß ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot liegt des­halb nicht schon dann vor, wenn der Ar­beit­neh­mer kei­ne oder nur ei­ne er­schwer­te Möglich­keit hat, die be­tref­fen­de Re­ge­lung zu ver­ste­hen. Erst in der Ge­fahr, dass der Ver­trags­part­ner des Klau­sel­ver­wen­ders we­gen un­klar ab­ge­fass­ter All­ge­mei­ner Ver­trags­be­din­gun­gen sein Recht nicht wahr­nimmt, liegt ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung i. S. von § 307 Abs. 1 BGB (BAG 14.03.2007 – 5 AZR 630/06 – Rz. 27, EzA § 307 BGB, 2002, Nr. 18; BAG 24.10.2007 – 10 AZR 825/06 – Rz. 14, a. a. O).

 

- 12 -

2. Un­ter Be­ach­tung die­ser Ausführun­gen kann im Streit­fall nicht von ei­nem Ver­s­toß ge­gen das in § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB nor­mier­te Trans­pa­renz­ge­bot aus­ge­gan­gen wer­den. Der Kläger hat zu kei­nem Zeit­punkt gel­tend ge­macht, ihm sei es kaum möglich ge­we­sen, den In­halt der Ziel­ver­ein­ba­rung vom 28.05.2004 zu ver­ste­hen. Im Ge­gen­teil: Der Kläger hat für 2004 auf der Grund­la­ge die­ser Ver­ein­ba­rung 9.000,-- € als va­ria­ble Vergütung er­hal­ten, oh­ne hier­ge­gen zu de­mons­trie­ren.

IV. Un­ter­liegt die auch für die Jah­re 2005 bis 2007 gel­ten­de Ziel­ver­ein­ba­rung vom 28.05.2004 dem­nach kei­ner all­ge­mei­nen Bil­lig­keits- oder In­halts­kon­trol­le nach den §§ 307 ff. BGB, bleibt, was ih­re Wirk­sam­keit be­trifft, nur die für je­den Ver­trag gel­ten­de Rechts­kon­trol­le be­zo­gen auf all­ge­mein gel­ten­de Nich­tig­keits- bzw. Un­wirk­sam­keits­nor­men, wie z. B. § 138 Abs. 1 oder Abs. 2 BGB (vgl. An­nuß NZA 2007, 290; Bau­er/Dil­ler/Göpfert BB 2002, 882, 884; vgl. auch BAG 21.06.2000 – 5 AZR 806/98 – DB 2000, 1920, 1921). Die­ser Rechts­kon­trol­le hält die Ziel­ver­ein­ba­rung vom 28.05.2004 ins­be­son­de­re auch im Hin­blick auf die Re­ge­lung, wo­nach die Par­tei­en als Kom­po­nen­ten für die Ziel­er­rei­chung teil­wei­se auch Zie­le des Un­ter­neh­mens (die Er­rei­chung ei­nes be­stimm­ten Um­sat­zes, Er­rei­chen ei­nes be­stimm­ten EBITs, Er­rei­chen ei­nes durch­schnitt­li­chen De­ckungs­bei­tra­ges) ver­ein­bart ha­ben, stand. Es ist all­ge­mein an­er­kannt, dass die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en Un­ter­neh­mens­zie­le und da­mit Zie­le fest­le­gen können, die an den Er­folg des Un­ter­neh­mens, z. B. den Ge­winn oder den Um­satz, an­knüpfen. Sie können be­stim­men, dass für die Ziel­er­rei­chung der Er­folg ei­ner Ab­tei­lung oder ei­nes „Teams“ maßge­bend sein soll. Ge­gen­stand ei­ner Ziel­ver­ein­ba­rung können aber auch persönli­che Zie­le sein, die in­di­vi­du­el­le Leis­tun­gen im Blick ha­ben (BAG 12.12.2007 – 10 AZR 97/07 – Rz. 26, a. a. O.; vgl. auch Hess. LAG 14.08.2008 – 20 Sa 1172/07 – Rz. 37, ju­ris; An­nuß NZA 2007, 290; Hei­den DB 2006, 2401, 2403; Lembke BB 2008, 170).

V. Ei­ne Un­ver­bind­lich­keit der Ziel­ver­ein­ba­rung vom 28.05.2004 für die Jah­re 2005 bis 2007 folgt auch nicht dar­aus, dass die Be­klag­te in den ge­nann­ten Jah­ren von ih­rem in der vor­ge­nann­ten Ziel­ver­ein­ba­rung ent­hal­te­nen Recht, die Stück­zahl der zu er­rei­chen­den Mei­len­stei­ne M4 an ei­ne sich im Ver­lau­fe des

 

- 13 -

Ka­len­der­jah­res ändern­de Kun­den­zu­sa­ge ge­genüber F. an­zu­pas­sen, kei­nen Ge­brauch ge­macht hat. Bei die­ser An­pas­sungs­klau­sel han­delt es sich um ein sog. ein­sei­ti­ges Leis­tungs­be­stim­mungs­recht der Be­klag­ten, auf des­sen Ausübung der Kläger kei­nen An­spruch hat. In­so­fern teilt die Kam­mer auch nicht die Auf­fas­sung der Vor­in­stanz, dass erst, wenn fest­ste­he, die Kun­den­zu­sa­ge ha­be sich geändert, die Be­klag­te ver­pflich­tet sei, ei­ne ent­spre­chen­de Ände­rung un­ter Ausübung des bil­li­gen Er­mes­sens durch­zuführen. Ei­nen An­pas­sungs­an­spruch zu­guns­ten des Klägers ha­ben die Par­tei­en in der Ziel­ver­ein­ba­rung vom 28.05.2004 ge­ra­de nicht ver­ein­bart. Der Kläger hätte nur dann, wenn die Be­klag­te von ih­rem ein­sei­ti­gen An­pas­sungs­recht Ge­brauch ge­macht hätte, das Er­geb­nis auf sei­ne Bil­lig­keit gemäß § 315 Abs. 3 Satz 1 BGB über­prüfen las­sen können. Die­se Bil­lig­keits­kon­trol­le erübrigt sich im Streit­fall, da die Be­klag­te, wie be­reits erwähnt, von ih­rem An­pas­sungs­recht in den Jah­ren 2005 bis 2007 kei­nen Ge­brauch ge­macht hat.

VI. Ei­ne An­pas­sung der in der Ziel­ver­ein­ba­rung vom 28.05.2004 ent­hal­te­nen Kom­po­nen­ten für die Ziel­er­rei­chung könn­te der Kläger be­zo­gen auf die Jah­re 2004 bis 2007 al­ler­dings, wor­auf die Vor­in­stanz zu Recht hin­weist, nach § 313 Abs. 1 Satz 1 BGB ver­lan­gen (vgl. auch Bau­er/Dil­ler/Göpfert BB 2002, 882, 884). Da­nach kann, so­fern sich Umstände, die zur Grund­la­ge des Ver­trags ge­wor­den sind, nach Ver­trags­schluss schwer­wie­gend verändert ha­ben und die Par­tei­en den Ver­trag nicht oder mit an­de­rem In­halt ge­schlos­sen hätten, wenn sie die­se Verände­rung vor­aus­ge­se­hen hätten, die An­pas­sung des Ver­trags ver­langt wer­den, so­weit ei­nem Teil un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les, ins­be­son­de­re der ver­trag­li­chen oder ge­setz­li­chen Ri­si­ko­ver­tei­lung, das Fest­hal­ten am un­veränder­ten Ver­trag nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann. Der in­so­weit dar­le­gungs­pflich­ti­ge Kläger hat je­doch we­der erst noch zweit­in­stanz­lich Ge­sichts­punk­te dafür vor­ge­tra­gen, dass die der Ziel­ver­ein­ba­rung vom 28.05.2004 zu­grun­de lie­gen­den Vor­ga­ben, ins­be­son­de­re für die Un­ter­neh­mens­zie­le, sich im Ver­gleich des Jah­res 2004 mit den Jah­ren 2005 bis 2007 der­ar­tig gra­vie­rend geändert ha­ben, dass ei­ne An­pas­sung nach § 313 Abs. 1 Satz 1 BGB er­for­der­lich ge­we­sen wäre.

 

- 14 -

B.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO i. V. m. § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG.

Die Kam­mer hat der Rechts­sa­che grundsätz­li­che Be­deu­tung bei­ge­mes­sen und des­halb die Re­vi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt gemäß § 72 Abs. 1 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen.

R E C H T S M I T T E L B E L E H R U N G :

Ge­gen die­ses Ur­teil kann vom Kläger

R E V I S I O N

ein­ge­legt wer­den.
Die Re­vi­si­on muss inner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt

Fax: 0361 2636 2000

ein­ge­legt wer­den.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte,
2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Nr. 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju-

 

- 15 -

ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung der Mit­glie­der die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on oder ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder Zu­sam­men­schlus­ses mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.

* ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

 

gez.: Prof. Dr. Vos­sen 

gez.: Nauck 

gez.: Schörnich

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 11 Sa 1504/08  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880