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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Betriebliche Altersversorgung, Zillmerung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 3 AZR 17/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 15.09.2009
   
Leit­sätze:

1. Es ist recht­lich pro­ble­ma­tisch, wenn der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner Ent­gelt­um­wand­lung dem Ar­beit­neh­mer an­stel­le von Bar­lohn ei­ne Di­rekt­ver­si­che­rung mit (voll) ge­zill­mer­ten Ta­ri­fen zu­sagt. Die Zill­me­rung verstößt zwar nicht ge­gen das Wert­gleich­heits­ge­bot des § 1 Abs. 2 Nr. 3 Be­trAVG. Es spricht je­doch ei­ni­ges dafür, dass die auf ge­zill­mer­te Ver­si­che­rungs­ta­ri­fe ab­stel­len­de be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung iSd. § 307 BGB enthält. An­ge­mes­sen könn­te es sein, die bei der Di­rekt­ver­si­che­rung an­fal­len­den ein­ma­li­gen Ab­schluss- und Ver­triebs­kos­ten auf fünf Jah­re zu ver­tei­len.

2. So­weit die Ver­wen­dung ge­zill­mer­ter Ver­si­che­rungs­ta­ri­fe bei ei­ner Ent­gelt­um­wand­lung der Rechts­kon­trol­le nicht standhält, führt dies nicht zur Un­wirk­sam­keit der Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­rung und nicht zur Nach­zah­lung von Ar­beits­ent­gelt, son­dern zu ei­ner höhe­ren be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Siegburg 2. Kammer, 27. Februar 2008, Az: 2 Ca 2831/07, Urteil Landesarbeitsgericht Köln 7. Kammer, 13. August 2008, Az: 7 Sa 454/08, Urteil
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


3 AZR 17/09
7 Sa 454/08
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Köln

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
15. Sep­tem­ber 2009

UR­TEIL

Kauf­hold, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Drit­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 15. Sep­tem­ber 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Rei­ne­cke, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt
 


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Krem­hel­mer und Dr. Zwan­zi­ger so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Sche­pers und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Sucka­le für Recht er­kannt:


1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des-ar­beits­ge­richts Köln vom 13. Au­gust 2008 - 7 Sa 454/08 - wird zurück­ge­wie­sen.

2. Der Kläger hat die Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob der Kläger von der Be­klag­ten Zah­lung in Höhe des Ar­beits­ent­gelts ver­lan­gen kann, das auf­grund ei­ner Ent­gelt­um­wand­lung für ei­ne zu sei­nen Guns­ten ge­schlos­se­ne Di­rekt­ver­si­che­rung mit ei­nem ge­zill­mer­ten Ta­rif ver­wandt wur­de.


Der am 13. Au­gust 1974 ge­bo­re­ne Kläger war vom 1. Ju­li 2000 bis ein­sch­ließlich 30. Sep­tem­ber 2007 bei der Be­klag­ten beschäftigt. Bis zum 30. Ju­ni 2001 war er als Trainee im Be­reich Per­so­nal und ab 1. Ju­li 2001 auf­grund des Ar­beits­ver­trags vom 17. Mai 2001 als „Per­so­nal­re­fe­rent für Grund­satz­fra­gen“ tätig. Nr. 11 (Schluss­be­stim­mun­gen) die­ses Ar­beits­ver­trags ent­hielt ua. fol­gen­de Ver­ein­ba­run­gen:


„...


Al­le Ansprüche aus dem Beschäfti­gungs­verhält­nis müssen in­ner­halb ei­ner Frist von drei Mo­na­ten nach Fällig­keit schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den. Ansprüche, die nicht in­ner­halb die­ser Frist gel­tend ge­macht wor­den sind, sind ver­wirkt.


Die­se Re­ge­lung gilt so­wohl für die Ansprüche des Mit-ar­bei­ters wie auch für die Ansprüche der Fir­ma.

...“

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Als im Jah­re 2002 bei der Be­klag­ten ein Mo­dell zur Ent­gelt­um­wand­lung ein­geführt wer­den soll­te, wirk­te der Kläger dar­an mit. In­wie­weit und auf wel­che Wei­se er ein­ge­bun­den war, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig. Zunächst schloss die Be­klag­te mit der Ver­si­che­rung ei­nen Rah­men­ver­trag ab. Ihm la­gen eben­so wie dem späte­ren mit der Pen­si­ons­kas­se (im Fol­gen­den: Pen­si­ons­kas­se) ge­schlos­se­nen Grup­pen­ver­si­che­rungs­ver­trag (voll) ge­zill­mer­te Ta­ri­fe zu­grun­de.

Mit Wir­kung zum 1. April 2004 änder­ten die Par­tei­en den Ar­beits­ver­trag vom 17. Mai 2001. Der Kläger über­nahm die Po­si­ti­on „Per­so­nal­re­fe­rent Re­gi­on West“ in der Zen­tra­le der Be­klag­ten. Außer­dem wur­de ei­ne Ge­halts­erhöhung ver­ein­bart. Al­le übri­gen Be­stim­mun­gen des bis­he­ri­gen Ar­beits­ver­trags blie­ben un­berührt.

Am 2./3. No­vem­ber 2004 schlos­sen die Par­tei­en ei­ne Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­rung. Sie lau­tet aus­zugs­wei­se:

„...

2. In Abände­rung des Ar­beits­ver­tra­ges vom 01.07.2000 wird ... mit Wir­kung vom 01.12.2004 ver­ein­bart, dass der An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf Zah­lung von Bar­lohn in Höhe von 7 4 % der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze ... in ei­nen An­spruch auf Ver-schaf­fung von Ver­si­che­rungs­schutz um­ge­wan­delt wird. Hier­durch geht der An­spruch auf Bar­aus-zah­lung die­ses Be­tra­ges un­ter.

3. Der Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet sich, in Höhe des laut Ziff. 2 um­ge­wan­del­ten Be­tra­ges 1/12 jähr­li­che Beiträge zu der von ihm ab­zu­sch­ließen­den Ren­ten­ver­si­che­rung zu zah­len. Die Ren­ten­ver­si­che­rung mit Be­ginn­da­tum 01.12.2004 bei der Pen­si­ons­kas­se ab­ge­schlos­sen. Die Ver­si­che­rungs­beiträge wird der Ar­beit­ge­ber in der ver­ein­bar­ten Höhe so­lan­ge und in­so­weit ent­rich­ten, wie ein ak­ti­ves Dienst­verhält­nis be­steht, und er zur Zah­lung von Bezügen dar­aus ver­pflich­tet ist.
...

8. Im übri­gen re­geln sich die Rechts­be­zie­hung nach dem In­halt des mit der Pen­si­ons­kas­se ge­schlos­se­nen Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges.

...“



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In der Ver­si­che­rungs­ur­kun­de der Pen­si­ons­kas­se ist als Ver­si­che­rungs­neh­mer die Be­klag­te und als ver­si­cher­te Per­son der Kläger an­ge­ge­ben. Die­se Ur­kun­de enthält fol­gen­de Ver­ein­ba­run­gen und Hin­wei­se:

„...
Ga­ran­tier­te Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen


Al­ters­ren­ten­ver­si­che­rung

le­bens­lan­ge mo­nat­li­che Al­ters­ren­te 736,49 EUR

oder

ein­ma­li­ge Ka­pi­tal­ab­fin­dung 146.290,77 EUR

Bei Tod der ver­si­cher­ten Per­son vor Al­ters­ren­ten­be­ginn wer­den die für die Al­ters­ren­te ge­zahl­ten Beiträge er­stat­tet, so­fern die ver­si­cher­te Per­son bei ih­rem Tod ver­sor­gungs­be­rech­tig­te Hin­ter­blie­be­ne hin­terläßt.

...

Aus­schei­den der ver­si­cher­ten Per­son

Schei­det ei­ne ver­si­cher­te Per­son vor Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­fal­les aus dem Grup­pen­ver­si­che­rungs­ver­trag aus, so mel­det der Ver­trags­part­ner un­verzüglich die auf das Le­ben die­ser Per­son ab­ge­schlos­se­ne Ver­si­che­rung ab. Zu dem in der Ab­mel­dung ge­nann­ten Zeit­punkt, frühes­tens aber zum En­de der bei der Ab­mel­dung lau­fen­den Bei­trags­zah­lungs­pe­ri­ode wan­delt sich die Ver­si­che­rung in ei­ne bei­trags­freie um, so­fern nach den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne sol­che Um­wand­lung ge­ge­ben sind;

...

Der Ver­si­che­rungs­neh­mer überläßt der ver­si­cher­ten Per­son die Rechts­stel­lung des Ver­si­che­rungs­neh­mers. Die­se kann bis zum En­de der lau­fen­den Bei­trags­zah­lungs­pe­ri­ode, min­des­tens aber bis zum Ab­lauf von drei Mo­na­ten ab dem in der Ab­mel­dung ge­nann­ten Zeit­punkt die Ver­si­che­rung oh­ne Ge­sund­heits­prüfung nach ei­nem für Fort­set­zungs­verträge vor­ge­se­he­nen Ta­rif fort­set­zen. Be­reits ab­ge­lau­fe­ne War­te­zei­ten wer­den an­ge­rech­net.

...

Auf Ver­lan­gen der aus­ge­schie­de­nen ver­si­cher­ten Per­son überträgt der Ver­si­che­rungs­neh­mer frühes­tens ab Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses das für den Über­tra­gungs­zeit­punkt be­rech­ne­te De­ckungs­ka­pi­tal der Ver­si­che­rung auf den neu­en Ar­beit­ge­ber oder des­sen Ver-
 

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sor­gungs­träger. Vor­aus­set­zung ist, daß der neue Ar­beit­ge­ber der aus­ge­schie­de­nen ver­si­cher­ten Per­son ei­ne wertmäßig ent­spre­chen­de Ver­sor­gungs­zu­sa­ge er­teilt.


Be­zugs­be­rech­ti­gung

Der ver­si­cher­ten Per­son wird auf die Leis­tung aus der auf ihr Le­ben ab­ge­schlos­se­nen Ver­si­che­rung so­wohl für den To­des- als auch für den Er­le­bens­fall ein nicht über­trag-ba­res und nicht be­leih­ba­res un­wi­der­ruf­li­ches Be­zugs­recht ein­geräumt.

...

Ga­ran­tie­wer­te

Bei ei­ner Ge­genüber­stel­lung der Wer­te der nach­fol­gen­den Über­sicht und der Sum­me der ein­ge­zahl­ten Beiträge ist zu berück­sich­ti­gen, daß für die bei­trags­frei­en Leis­tun­gen und die Rück­kaufs­wer­te nicht die vol­len Beiträge ver­wen­det wer­den können.

Zunächst wer­den die Kos­ten für das Ein­zie­hen der Bei-träge und die Ver­wal­tung der Ver­si­che­rung aus den Beiträgen be­strit­ten. Für die Be­ra­tung beim Ab­schluß ei­ner Ver­si­che­rung und das Ein­rich­ten ei­nes Ver­tra­ges ent­ste­hen eben­falls Kos­ten. Die­se wer­den Ih­nen nicht ge­son­dert in Rech­nung ge­stellt. Sie müssen aus den ers­ten Beiträgen be­strit­ten wer­den.

Nur der ver­blei­ben­de Teil des Bei­trags steht für die Bil­dung der bei­trags­frei­en Leis­tun­gen und des Rück­kaufs­wer­tes zur Verfügung.

Die Ta­bel­len­wer­te ge­ben die ga­ran­tier­ten Leis­tun­gen an; darüber hin­aus er­brin­gen wir noch Leis­tun­gen aus der Über­schußbe­tei­li­gung.

...

Die An­ga­ben der Über­sicht be­zie­hen sich auf den 01.12. des je­wei­li­gen Jah­res.

...

Jahr ga­ran­tier­te freie Al­ters­ren­te in EUR bei­trags­ga­ran­tier­ter Rück­kaufs­wert in EUR
2005 0,00 0,00
2006 14,63 1.192,39
2007 48,24 3.690,65

...“
 


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In der An­la­ge zur Ver­si­che­rungs­ur­kun­de wur­den die All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen auf­geführt und wie folgt erläutert:

„...

§ 5 Bei­trags­freie Ver­si­che­rung ...


Die Bei­trags­frei­stel­lung der Ver­si­che­rung ist mit Nach-tei­len ver­bun­den. In der An­fangs­zeit der Ver­si­che­rung ist we­gen der Ver­rech­nung von Ab­schluss­kos­ten kei­ne bei­trags­freie Ren­te vor­han­den. Auch da­nach steht nicht un­be­dingt ein Be­trag in Höhe der Sum­me der ein­ge­zahl­ten Beiträge für die Bil­dung der bei­trags­frei­en Ren­te zur Verfügung.

...

§ 6 Kündi­gungs­recht des Ver­si­che­rungs­neh­mers, Rück­kaufs­wert

...


Die Kündi­gung der Ver­si­che­rung ist mit Nach­tei­len ver­bun­den. In der An­fangs­zeit der Ver­si­che­rung ist we­gen der Ver­rech­nung von Ab­schluss­kos­ten kein Rück­kaufs-wert vor­han­den. Der Rück­kaufs­wert er­reicht auch da­nach nicht un­be­dingt die Sum­me der ein­ge­zahl­ten Beiträge. Der Rück­kaufs­wert er­reicht je­doch min­des­tens ei­nen bei Ver­trags­ab­schluss ver­ein­bar­ten Ga­ran­tie­be­trag, des­sen Höhe so­wohl vom Kündi­gungs­ter­min als auch vom Zeit-punkt der Ein­stel­lung der Bei­trags­zah­lung abhängt.

...“

Für die Zeit vom 1. De­zem­ber 2004 bis ein­sch­ließlich 30. Sep­tem­ber 2007 zahl­te die Be­klag­te auf­grund der ge­trof­fe­nen Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­rung Ver­si­che­rungs­beiträge von mo­nat­lich 206,00 Eu­ro und da­mit ins­ge­samt 7.004,00 Eu­ro in die Ren­ten­ver­si­che­rung bei der Pen­si­ons­kas­se ein. In­so­weit er­hielt der Kläger ei­ne ent­spre­chend ver­rin­ger­te Bar­vergütung.

Die Par­tei­en be­en­de­ten das Ar­beits­verhält­nis zum 30. Sep­tem­ber 2007 durch Auf­he­bungs­ver­ein­ba­rung vom 13. Ju­li 2007. Die­se ent­hielt fol­gen­de Ab­re­de:
 


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„...


Das Beschäfti­gungs­verhält­nis wird bis zum Be­en­di­gungs­zeit­punkt ord­nungs­gemäß ab­ge­rech­net.

Mit der Erfüllung die­ser Ver­ein­ba­rung sind al­le wech­sel-sei­ti­gen Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis und des­sen Be­en­di­gung aus­ge­gli­chen.

...“

Mit Schrei­ben vom 30. Ju­li 2008 teil­te die Pen­si­ons­kas­se dem Kläger mit:

„...

für Sie be­steht im Rah­men des o.g. Grup­pen­ver­si­che­rungs­ver­tra­ges ei­ne Ren­ten­ver­si­che­rung. Die Ih­nen dar­aus zu­ste­hen­den ga­ran­tier­ten Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen erhöhen sich durch zu­ge­teil­te Über­schussan­tei­le. Ihr Ver­si­che­rungs­schutz setzt sich der­zeit wie folgt zu­sam­men.


Bei­trags­zah­lung


Ihr Ver­trag ist seit dem 01.10.2007 bei­trags­frei ge­stellt.

Ver­si­che­rungs­leis­tung ga­ran­tier­te zusätz­li­che Leis­tung aus Über­schussan­tei­len

le­bens­lan­ge mo­nat­li­che Al­ters­ren­te zum
Ren­ten­be­ginn 62,96 EUR 0,03 EUR

oder ein­ma­li­ge Ka­pi­tal­leis­tung 12.505,96 EUR 60,07 EUR

Bei­tragsrück­gewähr bei Tod vor Al­ters­ren­ten­be­ginn 7.004,00 EUR

...“

Laut Schrei­ben der Pen­si­ons­kas­se vom 5. Au­gust 2008 be­lief sich das De­ckungs­ka­pi­tal zum 1. Ok­to­ber 2007 auf ins­ge­samt 4.712,47 Eu­ro. Dar­in wa­ren Über­schussan­tei­le in Höhe von 22,19 Eu­ro ent­hal­ten.

Der Kläger hat erst­mals im Au­gust 2007 Nach­zah­lungs­ansprüche in Höhe von ins­ge­samt 7.004,00 Eu­ro (= 34 x 206,00 Eu­ro) schrift­lich gel­tend ge­macht. Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein-

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ba­rung sei un­wirk­sam mit der Fol­ge, dass ihm für die Zeit vom 1. De­zem­ber 2004 bis ein­sch­ließlich 30. Sep­tem­ber 2007 ein mo­nat­li­ches Ge­halt von wei­te­ren 206,00 Eu­ro zu­ste­he. Die ver­ein­bar­te Ver­wen­dung ge­zill­mer­ter Ver­si­che­rungs­ta­ri­fe ver­s­toße ge­gen das Wert­gleich­heits­ge­bot, be­hin­de­re in un­zulässi­ger Wei­se die Por­ta­bi­lität, wi­der­spre­che der so­for­ti­gen ge­setz­li­chen Un­ver­fall­bar­keit und stel­le ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung dar, weil sie mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken des Be­triebs­ren­ten­ge­set­zes nicht zu ver­ein-ba­ren sei. Auch Scha­den­er­satz­ansprüche führ­ten zu der ge­for­der­ten Nach­zah­lung. Die Be­klag­te ha­be so­wohl ih­re Fürsor­ge­pflicht als auch In­for­ma­ti­ons-pflich­ten ver­letzt. Der Kläger hat be­haup­tet, er sei über die Funk­ti­ons­wei­se der Zill­me­rung nicht aus­rei­chend in­for­miert ge­we­sen. Die er­for­der­li­chen Er­kennt­nis­se ha­be er auch nicht durch sei­ne be­ruf­li­che Stel­lung er­langt. Bei der Einführung des Ent­gelt­um­wand­lungs­mo­dells ha­be sich sei­ne Tätig­keit auf den ope­ra­ti­ven Be­reich, nämlich der Ko­or­di­nie­rung von Auf­ga­ben und Ter­mi­nen be­schränkt. Er ha­be deutsch­land­weit Sam­mel­ter­mi­ne für Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten or­ga­ni­siert, um die Grup­pen­ver­si­che­rung der Pen­si­ons­kas­se vor­zu­stel­len. Auch er ha­be an ei­nem sol­chen Vor­stel­lungs­ter­min teil­ge­nom­men. Da­bei sei aber nicht ver­tieft be­spro­chen wor­den, zu wel­chen Nach­tei­len die vor­ge­se­he­ne Zill­me­rung bei ei­nem vor­zei­ti­gen Aus­schei­den aus dem Ar­beits­verhält­nis führen könne. Der Kläger ist der An­sicht, die Scha­den­er­satz­ansprüche bestünden un­abhängig von ei­nem Ver­schul­den der Be­klag­ten. Die gel­tend ge­mach­ten Zah­lungs­ansprüche sei­en, gleichgültig auf wel­che An­spruchs­grund­la­ge sie gestützt würden, we­der durch Versäum­ung der in Nr. 11 des Ar­beits­ver­trags ver­ein­bar­ten Aus­schluss­frist ver­wirkt noch auf­grund der im Auf­he­bungs­ver­trag ent­hal­te­nen Aus­gleichs­klau­sel er­lo­schen. Die ver­trag­li­che Aus­schluss­frist er­stre­cke sich nicht auf die Kla­ge­for­de­rung. Auch die Aus­gleichs­klau­sel sei eng aus­zu­le­gen. Außer­dem feh­le die dar­in vor­ge­se­he­ne ord­nungs­gemäße Ab­rech­nung für die sich aus der Un­wirk­sam­keit der Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­rung er­ge­ben­den Ansprüche.

Der Kläger hat be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, 

an ihn 7.004,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus

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a) dem Net­to­be­trag von je­weils 206,00 Eu­ro für den Zeit­raum vom 1. De­zem­ber 2004 bis ein­sch­ließlich 1. Sep­tem­ber 2007 je­weils ab dem Ers­ten ei­nes Mo­nats so­wie

b) aus dem Net­to­be­trag von 7.004,00 Eu­ro ab dem 2. Sep­tem­ber 2007 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, Ge­halts­ansprüche des Klägers sei­en nicht mehr of­fen, weil die Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­rung wirk­sam sei und die Ver­si­che­rungs­bei-träge ver­ein­ba­rungs­gemäß ab­geführt wor­den sei­en. Das Wert­gleich­heits­ge­bot des § 1 Abs. 2 Nr. 3 Be­trAVG sei nicht ver­letzt. So­wohl aus der Ge­set­zes­his­to­rie als auch aus der Ge­set­zes­sys­te­ma­tik er­ge­be sich, dass nach dem Wil­len des Ge­setz­ge­bers der Be­griff der Wert­gleich­heit im Sin­ne ei­ner ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Äqui­va­lenz zu ver­ste­hen sei. Die­se sei auch bei ei­nem ge­zill­mer­ten Ta­rif ge­ge­ben. Ein Ver­bot der Zill­me­rung sei dem Be­triebs­ren­ten­ge­setz nicht zu ent­neh­men. Eben­so we­nig lie­ge ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung der­be­zugs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer vor. Selbst wenn das Wert­gleich­heits­ge­bot ver­letzt sei, führe dies nicht zu ei­nem „Wie­der­auf­le­ben“ der Ge­halts­ansprüche, son­dern zu ei­ner Äqui­va­lenzstörung. Der Kläger könne al­len­falls de­ren Be­sei­ti­gung ver­lan­gen. Im Übri­gen stünden den Nach­zah­lungs­ansprüchen, bei de­nen es sich nicht um Ver­sor­gungs-, son­dern um Ge­halts­ansprüche han­deln würde, so­wohl die ver­ein­bar­te Aus­schluss­frist als auch die im Auf­he­bungs­ver­trag ent­hal­te­ne Aus­gleichs­klau­sel ent­ge­gen. Sie, die Be­klag­te ha­be die ver­lang­te Zah­lung auch nicht als Scha­den­er­satz zu leis­ten. Sie ha­be kei­ne ver­trag­li­chen Pflich­ten ver­letzt. Über die Fol­gen ei­nes vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens aus dem Ar­beits­verhält­nis und die Aus­wir­kun­gen der Zill­me­rung der Ver­si­che­rungs­ta­ri­fe ha­be sie den Kläger nicht wei­ter in­for­mie­ren müssen. Ab­ge­se­hen da­von, dass die Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­rung und die Ver­si­che­rungs­ur­kun­de aus­rei­chen­de Hin­wei­se ent­hiel­ten, ha­be er auf­grund sei­ner be­ruf­li­chen Stel­lung über be­son­de­re Kennt­nis­se verfügt. Die Be­klag­te hat be­haup­tet, er sei als ei­ner von zwei Pro­jekt­lei­tern an der Einführung des Rah­men­ver­trags mit der Ver­si­che­rung be­tei­ligt ge­we­sen. Die­ser ha­be eben­falls ge­zill­mer­te Ta­ri­fe vor­ge­se­hen. Der Kläger selbst ha­be den Ab­schluss die­ses


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Rah­men­ver­trags emp­foh­len. Die Be­klag­te ist der An­sicht, der Scha­den­er­satz­an­spruch könne auch nicht auf ei­ne feh­ler­haf­te Aus­wahl des ex­ter­nen Ver­sor­gungs­trägers gestützt wer­den. So­weit die Be­klag­te den ge­zill­mer­ten Ver­si­che­rungs­ta­rif der Pen­si­ons­kas­se zu­grun­de ge­legt ha­be, feh­le zu­min­dest das für ei­nen Scha­den­er­satz­an­spruch er­for­der­li­che Ver­schul­den. Zum da­ma­li­gen Zeit­punkt sei die Zill­me­rung ei­ne ab­so­lut übli­che und an­er­kann­te Ver­rech­nungs­me­tho­de ge­we­sen. Dem­ent­spre­chend ha­be es na­he­zu kei­ne un­ge­zill­mer­ten Ta­ri­fe ge­ge­ben. Im Übri­gen ha­be der Kläger den gel­tend ge­mach­ten Scha­den über­haupt nicht dar­ge­legt. Kei­nes­falls könne er ne­ben den ihm zu­ste­hen­den Ver­sor­gungs­ansprüchen die ursprüng­li­che, um­ge­wan­del­te Vergütung ver­lan­gen.


Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klägers zurück­ge­wie­sen. Mit sei­ner Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sein bis­he­ri­ges Kla­ge­be­geh­ren wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on des Klägers ist un­be­gründet. Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Die Kla­ge­for­de­rung kann we­der auf Erfüllungs-noch auf Scha­den­er­satz­ansprüche gestützt wer­den.

A. Ge­gen­stand des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens ist die ge­for­der­te Zah­lung ei­nes Geld­be­trags in Höhe des Ar­beits­ent­gelts, das nach der Ver­ein­ba­rung vom 2./3. No­vem­ber 2004 „in ei­nen An­spruch auf Ver­schaf­fung von Ver­si­che­rungs­schutz um­ge­wan­delt“ wur­de. Der Kläger hat we­der höhe­re künf­ti­ge Ver­sor­gungs­leis­tun­gen noch die Fest­stel­lung ei­ner höhe­ren Ver­sor­gungs­an­wart­schaft be­gehrt. Da­bei han­delt es sich we­gen der an­ders­ar­ti­gen Rechts­fol­ge um an­de­re Streit­ge­genstände. Die­se sind vom vor­lie­gen­den Kla­ge­an­trag nicht um­fasst.
 


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B. Die Be­klag­te ist nicht ver­pflich­tet, dem Kläger den ein­ge­klag­ten Geld­be­trag für die Zeit vom 1. De­zem­ber 2004 bis ein­sch­ließlich 30. Sep­tem­ber 2007 zu zah­len.

I. Dem Kläger steht für die­se Zeit kein wei­te­res Ar­beits­ent­gelt zu. Bei ei­ner Ent­gelt­um­wand­lung ver­ein­ba­ren die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en, dass der An­spruch auf Bar­aus­zah­lung endgültig un­ter­geht und durch ei­ne Ver­sor­gungs­an­wart­schaft er­setzt wird (vgl. BAG 26. Ju­ni 1990 - 3 AZR 641/88 - zu I 2 a aa der Gründe, BA­GE 65, 215; 17. Ok­to­ber 1995 - 3 AZR 622/94 - zu I 1 b der Gründe, AP Be­trAVG § 1 Le­bens­ver­si­che­rung Nr. 23 = EzA Be­trAVG § 1 Le­bens­ver­si­che­rung Nr. 7; vgl. auch Nr. 2 der Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­rung vom 2./3. No­vem­ber 2004). Wie die­ser Vor­gang rechts­dog­ma­tisch ein­zu­ord­nen ist, kann da­hin­ste­hen. So­weit der Kläger ei­ne der Höhe nach un­zu­rei­chen­de Ver­sor­gungs­an­wart­schaft erhält und so­weit des­halb die Ent­gelt­um­wand­lung ei­ner Rechts­kon­trol­le nicht standhält, löst die­ser Rechts­man­gel le­dig­lich ei­ne Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur „Auf­sto­ckung“ der Ver­sor­gung aus. Ent­ge­gen der An­sicht des Klägers ist die Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­rung nicht ins­ge­samt un­wirk­sam, so dass die ursprüng­li­chen Vergütungs­ansprüche nicht „wie­der­auf­le­ben“.

1. Wenn bei ei­ner Ent­gelt­um­wand­lung die er­teil­te Ver­sor­gungs­zu­sa­ge auf ei­nen sog. ge­zill­mer­ten Ver­si­che­rungs­ta­rif ab­stellt, kann dies bei frühzei­ti­ger Bei­trags­frei­stel­lung zu recht­lich pro­ble­ma­ti­schen Ein­bußen des ver­sor­gungs-be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mers führen.

a) Die Höhe der dem Kläger zu­ge­sag­ten Be­triebs­ren­te hängt vom gewähl­ten Ver­si­che­rungs­ta­rif ab. Nach Nr. 8 Satz 1 der Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­rung vom 2./3. No­vem­ber 2004 re­geln sich die ver­sor­gungs­recht­li­chen Rechts­be­zie­hun­gen der Par­tei­en „nach dem In­halt des mit der Pen­si­ons­kas­se ge­schlos­se­nen Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges“. Die ver­si­che­rungs­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen sind in das Ver­sor­gungs­verhält­nis über­nom­men wor­den. Da­mit soll ein Gleich­klang von Ver­si­che­rungs- und Ver­sor­gungs­verhält­nis her­ge­stellt wer­den.
 


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b) Der von der Pen­si­ons­kas­se zu­grun­de ge­leg­te und auch für das Ver­sor­gungs­verhält­nis der Par­tei­en maßge­ben­de Ver­si­che­rungs­ta­rif ist un­strei­tig „ge­zill­mert“. Bei der „Zill­me­rung“ han­delt es sich um ein Kos­ten­ver­tei­lungs­ver­fah­ren, das von dem Ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­ker Dr. Au­gust Zill­mer ent­wi­ckelt wur­de. Die beim Zu­stan­de­kom­men des Ver­si­che­rungs­ver­trags an­fal­len­den ein­ma­li­gen Ab­schluss- und Ver­triebs­kos­ten wer­den mit den sog. Spa­r­an­tei­len der ers­ten Ver­si­che­rungs­prämi­en ver­rech­net. Dies führt da­zu, dass der Rück­kaufs­wert an­fangs sehr ge­ring, in den ers­ten bei­den Jah­ren häufig so­gar gleich Null ist (vgl. da­zu ua. BVerfG 15. Fe­bru­ar 2006 - 1 BvR 1317/96 - zu B I 2 b bb der Gründe, NJW 2006, 1783; BGH 9. Mai 2001 - IV ZR 121/00 - zu I 2 b bb der Gründe, BGHZ 147, 354). Die Zill­me­rung wirkt sich zwar nicht zwangsläufig auf den Rück­kaufs­wert aus, weil des­sen Höhe ver­trag­lich ver­ein­bart wer­den muss. In der Re­gel sind aber die Ver­ein­ba­run­gen so aus­ge­stal­tet, dass der Rück­kaufs­wert der Le­bens­ver­si­che­rung an die nach dem Zill­me­rungs­ver­fah­ren ge­bil­de­te De­ckungsrück­stel­lung an­knüpft (BVerfG 15. Fe­bru­ar 2006 - 1 BvR 1317/96 - NJW 2006, 1783 zu dem auch im vor­lie­gen­den Fall maßgeb­li­chen § 176 VVG aF). Der Sach­vor­trag der Par­tei­en enthält kei­ne An­halts­punk­te dafür, dass hier ein Aus­nah­me­fall vor­liegt.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten ist es un­er­heb­lich, dass es bei der im Zu­ge ei­ner Ent­gelt­um­wand­lung ge­schlos­se­nen Di­rekt­ver­si­che­rung nicht zur Aus­zah­lung des Rück­kaufs­werts kommt. Nach § 2 Abs. 2 Satz 5 Be­trAVG darf der Rück­kaufs­wert bei ei­ner Kündi­gung des Ver­si­che­rungs­ver­trags nicht in An­spruch ge­nom­men wer­den; die Ver­si­che­rung wird in die­sem Fall in ei­ne prämi­en­freie um­ge­wan­delt, so­fern nicht der aus­ge­schie­de­ne Ar­beit­neh­mer von sei­nem Recht zur Fort­set­zung der Ver­si­che­rung mit ei­ge­nen Beiträgen (vgl. § 1b Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 Be­trAVG) Ge­brauch macht. Die Zill­me­rung wirkt sich je­doch nicht nur auf den Rück­kaufs­wert, son­dern auch auf ei­ne bei­trags­freie Ver­si­che­rung nach­tei­lig aus.

Da bei der Um­wand­lung in ei­ne bei­trags­freie Ver­si­che­rung kei­ne Mit­tel aus der De­ckungsrück­stel­lung des Ver­si­che­rers ab­fließen, sind die Ver­si­che­rer nach § 174 iVm. § 178 Abs. 2 VVG in der bis zum 31. De­zem­ber 2007 gel­ten­den Fas­sung (aF) ver­pflich­tet ge­we­sen, die prämi­en­frei­en Ver­si­che­rungs-
 


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leis­tun­gen ähn­lich wie bei ei­ner tech­ni­schen Bei­trags­um­stel­lung zu be­rech­nen (vgl. BT.-Drucks. 12/6959 S. 102). Die für den Ver­si­che­rungs­ver­trag ge­bil­de­ten De­ckungsrück­stel­lun­gen wa­ren nach den an­er­kann­ten Re­geln der Ver­si­che­rungs­ma­the­ma­tik und in Übe­rein­stim­mung mit dem Geschäfts­plan un­ter Berück­sich­ti­gung des Weg­falls der Bei­trags­zah­lung um­zu­rech­nen (vgl. Koll­hos­ser in Prölss/Mar­tin VVG 27. Aufl. § 174 Rn. 6 mwN). Da­bei hat die Zill­me­rung zu ei­ner ge­rin­ge­ren De­ckungsrück­stel­lung geführt.


c) Ob die Ver­ein­ba­rung ge­zill­mer­ter Verträge ge­gen das Wert­gleich­heits­ge­bot (§ 1 Abs. 2 Nr. 3 Be­trAVG) verstößt, ist in Recht­spre­chung und Schrift­tum um­strit­ten (vgl. ua. LAG München 15. März 2007 - 4 Sa 1152/06 - zu II 1 b aa der Gründe, NZA 2007, 813; LAG Köln 13. Au­gust 2008 - 7 Sa 454/08 - zu 2 der Gründe, VersR 2009, 851; Blo­mey­er/Rolfs/Ot­to Be­trAVG 4. Aufl. § 1 Rn. 146; Höfer Be­trAVG Stand Mai 2008 § 1 Rn. 2567.3; Lang­ohr-Pla­to Be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung 4. Aufl. Rn. 1615; ErfK/St­ein­mey­er 9. Aufl. § 1 Be­trAVG Rn. 26; Schaub/Vo­gel­sang ArbR-Hdb. 13. Aufl. § 84 Rn. 67; Bud­den­brock/Man­hart BB 2009, 1129, 1130 ff., Cisch/Kruip NZA 2007, 786, 787 ff.; De­ist/Lan­ge Be­trAV 2008, 26; Dil­ler NZA 2008, 338, 339 f.; Döring/Grau BB 2007, 1564, 1567 f.; Hartsoe Be­trAV 2006, 323, 329; Koll­roß/Frank DB 2007, 1146 f.; Mat­t­hießen EWiR 2009, 369 f.; Rei­ne­cke DB 2006, 555, 562; Schwin­tow­ski VuR 2007, 272 f.; Veit VersR 2008, 324, 327; Wie­le VW 2008, 382). Der Se­nat teilt die Auf­fas­sung, dass die vor­lie­gen­de Zill­me­rung nicht am Wert­gleich­heits­ge­bot schei­tert.

aa) Zu­tref­fend sieht die herr­schen­de Mei­nung in § 1 Abs. 2 Nr. 3 Be­trAVG kei­ne De­fi­ni­ti­ons­norm für den Be­griff der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung (so aber ua. LAG Köln 13. Au­gust 2008 - 7 Sa 454/08 - zu 2 der Gründe, VersR 2009, 851), son­dern ein auf Wert­gleich­heit ge­rich­te­tes Ge­bot (vgl. ua. An­d­re­sen/Förs­ter/Rößler/Rühmann Ar­beits­recht der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung Stand No­vem­ber 2007 Teil 4 A Rn. 179; Blo­mey­er/Rolfs/Ot­to Be­trAVG 4. Aufl. § 1 Rn. 164 und 195; Höfer Be­trAVG Stand Mai 2008 § 1 Rn. 2565; ErfK/St­ein­mey­er 9. Aufl. § 1 Be­trAVG Rn. 25 ff.; Schaub/Vo­gel­sang ArbR-Hdb. 13. Aufl. § 84 Rn. 68). Ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung kann auch dann
 


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vor­lie­gen, wenn die­ses Ge­bot nicht ein­ge­hal­ten ist. Dar­an ändert der miss­verständ­li­che Wort­laut der ge­setz­li­chen Vor­schrift nichts. Ent­schei­dend ist der sich aus den Re­ge­lungs­zu­sam­menhängen und der Ent­ste­hungs­ge­schich­te er­ge­ben­de Ge­set­zes­zweck.

(1) Der Ge­setz­ge­ber woll­te die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zum Be­griff der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung bestäti­gen und den be­triebs-ren­ten­recht­li­chen Ar­beit­neh­mer­schutz nicht ver­rin­gern, son­dern verstärken.

Der Se­nat hat­te be­reits mit Ur­teil vom 26. Ju­ni 1990 (- 3 AZR 641/88 - zu I der Gründe, BA­GE 65, 215) ent­schie­den, dass für ei­ne Ein­schränkung des Be­griffs der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung bei Ent­gelt­um­wand­lun­gen kein stich­hal­ti­ger Grund be­steht und auch die­se Form der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung in­sol­venz­geschützt ist. Im Ren­ten­re­form­ge­setz 1999 vom 16. De­zem­ber 1997 (BGBI. I 1997, 2998) hat der Ge­setz­ge­ber klar­ge­stellt, dass „un­abhängig von der gewähl­ten Rechts­grund­la­ge und dem gewähl­ten Durch-führungs­weg be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung vor­liegt, wenn künf­ti­ge Ent­gelt­ansprüche in An­wart­schaf­ten auf Ver­sor­gungs­leis­tun­gen um­ge­wan­delt wer­den“ (BT-Drucks. 13/8011 S. 69 f.). Da­mit soll­te un­ter an­de­rem si­cher­ge­stellt wer­den, dass „Ge­halts­um­wand­lun­gen ... grundsätz­lich im glei­chen Um­fang wie Zu­sa­gen nach bis­he­ri­gen Recht dem ge­setz­li­chen In­sol­venz­schutz un­ter­lie­gen“. Außer­dem wur­de in der Ge­set­zes­be­gründung be­tont, dass „durch die­se Re­ge­lung die Möglich­keit ei­ner stärke­ren Ver­brei­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nach­hal­tig und da­mit zu­gleich das Ziel ei­ner wei­te­ren, zusätz­li­chen Al­ters­si­che­rung gefördert“ wer­den soll­te.


(2) Die­sem ge­setz­li­chen Ziel ent­spricht es, dass der in der frühe­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ent­wi­ckel­te Be­griff der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nicht durch zusätz­li­che, neue Merk­ma­le ein­ge­schränkt wird. Eben­so wie nach der frühe­ren Recht­spre­chung liegt ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung auch dann vor, wenn das um­ge­wan­del­te Ent­gelt und die an des­sen Stel­le tre­ten­de Ver­sor­gungs­an­wart­schaft nicht wert­gleich sind. Das ge­setz­li­che Er­for­der­nis der Wert­gleich­heit dient dem Schutz des Ar­beit­neh­mers. Dem
 


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ent­spre­chend han­delt es sich um ein ge­setz­li­ches Ge­bot. Von ihm kann nach § 17 Abs. 3 Be­trAVG nicht ab­ge­wi­chen wer­den, auch nicht durch Ta­rif­ver­trag.


bb) Ei­ne De­fi­ni­ti­on der Wert­gleich­heit enthält das Be­triebs­ren­ten­ge­setz nicht. Die Fra­ge, ob dem Er­for­der­nis der Wert­gleich­heit Rech­nung ge­tra­gen ist, muss bei Ab­schluss der Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­rung be­ant­wor­tet wer­den. In die­sem Zeit­punkt müssen die künf­ti­gen Ent­gelt­ansprüche ei­ner­seits und die durch die Ent­gelt­um­wand­lung zu er­zie­len­de An­wart­schaft auf Ver­sor­gungs­leis­tun­gen an­de­rer­seits mit­ein­an­der ver­gli­chen wer­den. De­ren Wert muss sich bei ob­jek­ti­ver wirt­schaft­li­cher Be­trach­tung ent­spre­chen und da­mit „gleich“ sein. Da­bei kommt ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Grundsätzen je­den­falls bei Ab­schluss ei­ner Di­rekt­ver­si­che­rung ent­schei­den­de Be­deu­tung zu. Da­von aus­ge­hend sind auch auf ge­zill­mer­ten Ta­ri­fen be­ru­hen­de Di­rekt­ver­si­che­run­gen als wert­gleich an­zu­se­hen.

(1) Zum Teil wird die Wert­gleich­heit sub­jek­tiv be­trach­tet (vgl. ua. Cisch/Kruip NZA 2007, 786, 787; Do­e­tsch/Förs­ter/Rühmann DB 1998, 258 f.; Hartsoe Be­trAV 2005, 629, 631). Wert­gleich sei, was die Par­tei­en bei Ab­schluss des Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­trags als wert­gleich an­ge­se­hen hätten. Nach die­ser Auf­fas­sung würde das dem Ar­beit­neh­mer­schutz die­nen­de, nach § 17 Abs. 3 Be­trAVG zwin­gen­de Ge­bot weit­ge­hend leer­lau­fen und be­deu­tungs­los sein. Dem Sinn und Zweck des Ge­bots wird nur ei­ne ob­jek­ti­ve Be­trach­tung ge­recht, die der Ver­trags­ge­stal­tung Gren­zen setzt (für ei­nen ob­jek­ti­ven Maßstab ua. Blo­mey­er/Rolfs/Ot­to Be­trAVG 4. AufI. § 1 Rn. 145; ErfK/St­ein­mey­er 9. Aufl. § 1 Be­trAVG Rn. 26 f.; Höfer Be­trAVG Stand Mai 2008 § 1 Rn. 2566 f.; Reich/Rutz­mo­ser DB 2007, 2314, 2316).

(2) Der Be­griff „gleich­wer­tig“ deu­tet je­doch dar­auf hin, dass ei­ne wirt­schaft­li­che Be­trach­tung ge­bo­ten ist. Da­bei ist zu berück­sich­ti­gen, dass ver­si­che­rungsförmi­ge Leis­tun­gen nach ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Grundsätzen zu be­rech­nen sind. Fol­ge­rich­tig ist es, die­se Grundsätze auch beim er­for­der­li­chen Wert­ver­gleich zu­grun­de zu le­gen. Die Zill­me­rung ist ei­ne ver­si­che­rungs­ma­the­ma­tisch an­er­kann­te Me­tho­de zur Ver­rech­nung der Ab­schluss- und Ver­triebs­kos­ten, die vom Ver­si­che­rungs­neh­mer und wirt­schaft­lich vom


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be­zugs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer zu tra­gen sind. Bei der Zill­me­rung han­delt es sich um ein in § 65 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 VAG, § 4 Abs. 1 Deck­RV ge­re­gel­tes Ver­fah­ren, das auf­sichts­recht­lich oh­ne Wei­te­res zulässig ist.

d) Das Vor­lie­gen von Wert­gleich­heit be­deu­tet je­doch nicht, dass die Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­rung der ge­bo­te­nen um­fas­sen­den Rechts­kon­trol­le standhält. Die Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­rung ist nicht nur am Gleich­wer­tig­keits­ge­bot zu mes­sen, son­dern ins­be­son­de­re auch an­hand der §§ 305 ff. BGB (Recht der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen) zu über­prüfen. Es spricht ei­ni­ges dafür, dass ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­lung iSd. § 307 BGB vor­liegt, wenn bei ei­ner auf Ent­gelt­um­wand­lung be­ru­hen­den be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ein (voll) ge­zill­mer­ter Ver­si­che­rungs­ta­rif ver­wen­det wird und da­durch den vor­zei­tig aus­schei­den­den Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten er­heb­li­che Nach­tei­le ent­ste­hen können.

aa) Un­er­heb­lich ist es, dass § 307 BGB eben­so we­nig wie früher § 8 AGBG ei­ne Kon­trol­le des Leis­tungs­an­ge­bots und des Prei­ses ermöglicht, so­weit nicht aus­nahms­wei­se nor­ma­ti­ve Vor­ga­ben be­ste­hen. Die Ver­trags­part­ner können zwar grundsätz­lich Leis­tung und Ge­gen­leis­tung im Ver­trag frei be­stim­men. Der ge­richt­li­chen In­halts­kon­trol­le sind aber le­dig­lich Ab­re­den über den un­mit­tel­ba­ren Ge­gen­stand der Haupt­leis­tung ent­zo­gen. Ei­ne der­ar­ti­ge Leis­tungs­be­schrei­bung legt Art, Um­fang und Güte der ge­schul­de­ten Leis­tung fest. Oh­ne sie kann man­gels Be­stimmt­heit oder Be­stimm­bar­keit des we­sent­li­chen Ver­trags­in­halts ein wirk­sa­mer Ver­trag nicht mehr an­ge­nom­men wer­den (st. Rspr. des BGH, vgl. ua. 13. Ju­li 1994 - IV ZR 107/93 - zu 4 der Gründe, BGHZ 127, 35; 22. No­vem­ber 2000 - IV ZR 235/99 - A zu II 1 a der Gründe, VersR 2001, 184). Re­ge­lun­gen über die Höhe der Ver­sor­gungs­leis­tun­gen bei vor­zei­ti­gem Aus­schei­den und Bei­trags­frei­stel­lung mo­di­fi­zie­ren je­doch nur das Haupt-leis­tungs­ver­spre­chen (vgl. BGH 9. Mai 2001 - IV ZR 121/00 - zu I 1 c der Gründe, BGHZ 147, 354). Klau­seln, die das Haupt­leis­tungs­ver­spre­chen ein-schränken, verändern, aus­ge­stal­ten oder mo­di­fi­zie­ren, sind in­halt­lich zu über-prüfen (BGH 9. Mai 2001 - IV ZR 121/00 - aaO).
 


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bb) Die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen, die durch die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­wei­sung auch als Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen für die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung gel­ten, un­ter­lie­gen nach § 307 Abs. 3 BGB nur dann der in § 307 Abs. 1 und 2 BGB vor­ge­se­he­nen In­halts­kon­trol­le, wenn sie von Rechts­vor­schrif­ten ab­wei­chen oder die­se ergänzen. Da­nach sind Klau­seln, die Rechts­vor­schrif­ten nur wie­der­ho­len oder in je­der Hin­sicht mit ih­nen übe­rein­stim­men (sog. de­kla­ra­to­ri­sche Klau­seln) der In­halts­kon­trol­le ent­zo­gen. Die ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen be­las­sen je­doch der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft nicht nur bei der Er­mitt­lung des Rück­kaufs­werts, son­dern auch bei der Be­rech­nung der Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen nach Bei­trags­frei­stel­lung ei­nen Spiel­raum. Die Frei­hei­ten des Ar­beit­ge­bers bei der Aus­ge­stal­tung der Ver­sor­gungs­ord­nung sind nicht ge­rin­ger, son­dern größer. Klau­seln, die ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen ergänzen, un­ter­lie­gen der In­halts­kon­trol­le. Dies führt nicht zu ei­ner von § 307 Abs. 3 BGB nicht ge­woll­ten Kon­trol­le ge­setz­li­cher Vor­schrif­ten (vgl. da­zu BGH 9. Mai 2001 - IV ZR 121/00 - BGHZ 147, 354).

cc) Nach § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB ist im Zwei­fel ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung an­zu­neh­men, wenn ei­ne Be­stim­mung mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken der ge­setz­li­chen Re­ge­lung, von der ab­ge­wi­chen wird, nicht zu ver­ein­ba­ren ist. Die Re­ge­lun­gen des Be­triebs­ren­ten­ge­set­zes deu­ten dar­auf hin, dass der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­te nach ei­ner Ent­gelt­um­wand­lung auch in sog. Störfällen - al­so bei vor­zei­ti­gem Aus­schei­den aus dem Ar­beits­verhält­nis und ei­ner da­durch ver­an­lass­ten Bei­trags­frei­stel­lung in der Le­bens­ver­si­che­rung - ei­ne Ver­sor­gungs­leis­tung von aus­rei­chen­dem wirt­schaft­li­chen Wert er­hal­ten muss. Dies er­gibt sich zwar nicht iso­liert aus ein­zel­nen be­triebs­ren­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten, lässt sich aber mit der ge­bo­te­nen Ge­samt­schau be­gründen.

Den Re­ge­lun­gen zur so­for­ti­gen Un­ver­fall­bar­keit der Ver­sor­gungs­an­wart­schaft (§ 1b Abs. 5 Be­trAVG) ist zu ent­neh­men, dass dem Ver­sor­gungs-be­rech­tig­ten trotz des vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens aus dem Ar­beits­verhält­nis ei­ne An­wart­schaft von adäqua­ter wirt­schaft­li­cher Be­deu­tung ver­blei­ben muss. Oh­ne ent­spre­chen­de Wert­hal­tig­keit würde die Un­ver­fall­bar­keit aus­gehöhlt. Die Un­ver-
 


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fall­bar­keit fördert nicht nur die Mo­bi­lität, son­dern trägt auch dem Grund­recht auf freie Wahl des Ar­beits­plat­zes (Art. 12 GG) Rech­nung.


Bei ei­nem durch das vor­zei­ti­ge Aus­schei­den aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­gelösten sog. Störfall ge­nießt der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­te ei­nen be­son­de­ren be­triebs­ren­ten­recht­li­chen Schutz und zwar un­abhängig vom gewähl­ten Durchführungs­weg. Der ge­setz­li­che Schutz und das zu­grun­de lie­gen­de Schutz­bedürf­nis ent­fal­len nicht, wenn das um­ge­wan­del­te Ar­beits­ent­gelt für ei­ne Di­rekt­ver­si­che­rung ver­wen­det wird. Selbst bei pri­va­ten Le­bens­ver­si­che­run­gen wird ein ganz er­heb­li­cher Teil die­ser Ver­si­che­run­gen be­reits in den ers­ten Jah­ren nach Ver­trags­schluss be­en­det (vgl. BVerfG 15. Fe­bru­ar 2006 - 1 BvR 1317/96 - zu B I 2 b aa der Gründe, NJW 2006, 1783; der BGH ist in sei­nem Ur­teil vom 12. Ok­to­ber 2005 - IV ZR 162/03 - [zu B IV 2 b dd der Gründe, BGHZ 164, 297] da­von aus­ge­gan­gen, dass et­wa die Hälf­te die­ser Verträge da­von be­trof­fen ist). Bei ei­ner durch Ent­gelt­um­wand­lung er­wor­be­nen be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung kommt die Ver­knüpfung mit dem Ar­beits­verhält­nis hin­zu. Das Fort­be­ste­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ein­tritt des Ver­si­che­rungs- und Ver­sor­gungs­falls ist nicht die Re­gel. Vor­zei­ti­ge Be­en­di­gun­gen des Ar­beits­verhält­nis­ses sind häufig und un­ter­lie­gen nur sehr be­grenzt dem Ein­fluss des Ar­beit­neh­mers. Je­der Ar­beit­neh­mer muss mit ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung rech­nen. Selbst wenn er aus ei­ge­nem An­trieb den Ar­beits­platz wech­selt, nimmt er da­mit ein Grund­recht (Art. 12 GG) wahr.

Der Ge­setz­ge­ber setzt Mo­bi­lität auf dem Ar­beits­markt vor­aus und fördert sie. Die Be­deu­tung der Mo­bi­lität ist durch die am 1. Ju­li 2002 in Kraft ge­tre­te­ne und ab 1. Ja­nu­ar 2005 er­heb­lich ver­bes­ser­te Por­ta­bi­litäts­re­ge­lung des § 4 Be­trAVG noch un­ter­stri­chen wor­den. Da der Über­tra­gungs­wert dem ge­bil­de­ten Ka­pi­tal im Zeit­punkt der Über­tra­gung ent­spricht, wird nur bei aus-rei­chen­der Wert­hal­tig­keit die an­ge­streb­te Mo­bi­litätser­leich­te­rung er­zielt.

Außer­dem ist das Ziel ei­ner Ent­gelt­um­wand­lung zu berück­sich­ti­gen. Dem Ar­beit­neh­mer soll es ermöglicht wer­den, ei­ne be­triebs­ren­ten­recht­lich be­son­ders ge­si­cher­te zusätz­li­che Al­ters­ver­sor­gung auf­zu­bau­en. Auch bei ei­nem vor­zei­ti­gen Aus­schei­den aus dem Ar­beits­verhält­nis will der Ge­setz­ge­ber

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die Ein­bußen in der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung be­gren­zen. Dem­ent­spre­chend ist dem Ver­sor­gungs­in­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers ei­ne we­sent­li­che Be­deu­tung bei­zu­mes­sen.


dd) Zwei­fel­haft er­scheint es, ob die Zill­me­rung des Ver­si­che­rungs­ta­rifs, die bei frühzei­ti­gen Bei­trags­frei­stel­lun­gen zu Null­leis­tun­gen oder sehr ge­rin­gen Leis­tun­gen führt, mit der be­triebs­ren­ten­recht­li­chen Re­ge­lungs­kon­zep­ti­on und dem Zweck der durch Ent­gelt­um­wand­lung er­wor­be­nen be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung zu ver­ein­ba­ren ist. Di­rekt­ver­si­che­run­gen zur Ab­wick­lung ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung sind von pri­va­ten Le­bens­ver­si­che­run­gen zu un­ter­schei­den. Die Ur­tei­le des Bun­des­ge­richts­hofs vom 9. Mai 2001 (- IV ZR 121/00 - BGHZ 147, 354) und vom 12. Ok­to­ber 2005 (- IV ZR 162/03 - BGHZ 164, 297 und - IV ZR 177/03 -) können nicht un­be­se­hen auf Di­rekt­ver­si­che­run­gen, die der Durchführung ei­ner Ent­gelt­um­wand­lung die­nen, über­tra­gen wer­den.


(1) Im Ur­teil vom 9. Mai 2001 (- IV ZR 121/00 - BGHZ 147, 354) hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass bei ei­ner pri­va­ten ka­pi­tal­bil­den­den Le­bens­ver­si­che­rung die Ver­rech­nung der Ab­schluss- und Ver­triebs­kos­ten mit den Beiträgen bei Be­ginn der Ver­trags­lauf­zeit nicht von we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken ei­ner ge­setz­li­chen Re­ge­lung in un­an­ge­mes­se­ner Wei­se ab­wei­che. Die Zill­me­rung sei ge­setz­lich nicht un­ter­sagt, son­dern wer­de in § 65 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 VAG als grundsätz­lich zulässig vor­aus­ge­setzt. Im da­mals ent­schie­de­nen Fall genügten al­ler­dings die All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen nicht den An­for­de­run­gen des Trans­pa­renz­ge­bots. Nur des­halb wur­de die Ver­ein­ba­rung der Zill­me­rung für un­wirk­sam er­ach­tet. Auch die Ur­tei­le vom 12. Ok­to­ber 2005 (- IV ZR 162/03 - BGHZ 164, 297 und - IV ZR 177/03 -) wa­ren auf feh­len­de Trans­pa­renz gestützt wor­den.

Mit der grundsätz­li­chen Zulässig­keit der Zill­me­rung war je­doch we­der ge­sagt, dass Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men im Verhält­nis zu ih­ren Ver­trags­part­nern, den Ver­si­che­rungs­neh­mern, von der Möglich­keit die­ser Art der Ver­rech­nung der Ab­schluss- und Ver­triebs­kos­ten stets und un­be­grenzt Ge­brauch ma­chen durf­ten, noch war es aus­ge­schlos­sen, bei be­son­de­ren For­men der
 


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Le­bens­ver­si­che­rung - hier: bei den im Zu­ge ei­ner Ent­gelt­um­wand­lung ab­ge­schlos­se­nen Di­rekt­ver­si­che­run­gen - An­for­de­run­gen zu stel­len, die den recht­li­chen und tatsächli­chen Be­son­der­hei­ten ge­recht wur­den.


(2) Di­rekt­ver­si­che­run­gen bil­den ei­nen Durchführungs­weg für die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung. Dem trägt § 2 Abs. 2 Satz 4 Be­trAVG Rech­nung. Für Ent­gelt­um­wand­lun­gen gel­ten zusätz­li­che Schutz­vor­schrif­ten (vgl. ua. § 1b Abs. 5 Be­trAVG). Di­rekt­ver­si­che­run­gen die­nen nicht der Vermögens­bil­dung, son­dern in ers­ter Li­nie der Ab­de­ckung bio­me­tri­scher Ri­si­ken. Die Vermögens­bil­dung ist dem­ent­spre­chend von der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ab­zu­gren­zen (vgl. ua. BAG 18. März 2003 - 3 AZR 313/02 - zu I 4 der Gründe, BA­GE 105, 240). Nach dem Be­triebs­ren­ten­ge­setz muss auch der mit ei­ner un­ver­fall­ba­ren Ver­sor­gungs­an­wart­schaft aus­schei­den­de Ar­beit­neh­mer ei­ne in an­ge­mes­se­nem Um­fang wert­hal­ti­ge Ver­sor­gung er­hal­ten. Bei Ent­gelt­um­wand­lun­gen wird die Ver­sor­gungs­an­wart­schaft so­fort un­ver­fall­bar. Es er­scheint frag­lich, ob die­sen be­triebs­ren­ten­recht­li­chen Zu­sam­menhängen bei ge­zill­mer­ten Ver­si­che­rungs­ta­ri­fen aus­rei­chend Rech­nung ge­tra­gen ist.

(3) So­weit die (vol­le) Zill­me­rung ei­ner Rechts­kon­trol­le nicht standhält, ist zu prüfen, wie mit den ein­ma­li­gen Ab­schluss- und Ver­triebs­kos­ten zu ver­fah­ren ist. Da die­se Kos­ten durch Leis­tun­gen des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens bei Ab­schluss der Di­rekt­ver­si­che­rung aus­gelöst wer­den und die Ver­si­che­rung dem Ar­beit­neh­mer zu­gu­te kommt, ist es an­ge­mes­sen, dass die­se Kos­ten letzt­lich der be­zugs­be­rech­tig­te Ar­beit­neh­mer trägt. Wie der Bun­des­ge­richts­hof in den Ur­tei­len vom 12. Ok­to­ber 2005 (- IV ZR 162/03 - BGHZ 164, 297 und - IV ZR 177/03 - je­weils zu B III 2 der Gründe) näher aus­geführt hat, ist es sach­ge­recht, dass auch die ein­ma­li­gen Ab­schluss- und Ver­triebs­kos­ten in die Prämi­en­kal­ku­la­tio­nen ein­fließen. Pro­ble­ma­tisch ist le­dig­lich, wie die­se Kos­ten bei Ent­gelt­um­wand­lun­gen zu ver­rech­nen sind.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in den Ur­tei­len vom 12. Ok­to­ber 2005 (- IV ZR 162/03 - BGHZ 164, 297 und - IV ZR 177/03 - je­weils zu B IV 2 der Gründe) für die pri­va­te Le­bens­ver­si­che­rung ein Lösungs­mo­dell ent­wi­ckelt. We­der der Rück­kaufs­wert noch die bei­trags­freie Ver­si­che­rungs­sum­me dürfen


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ei­nen Min­dest­be­trag un­ter­schrei­ten. In­so­weit hat der Bun­des­ge­richts­hof den Vor­schlag der Kom­mis­si­on zur Re­form des Ver­si­che­rungs­ver­trags­rechts über­nom­men. Da­nach beläuft sich der Min­dest­be­trag auf die Hälf­te des un­ge­zill­mer­ten De­ckungs­ka­pi­tals, das nach den an­er­kann­ten Re­geln der Ver­si­che­rungs­ma­the­ma­tik mit den Rech­nungs­grundsätzen der Prämi­en­kal­ku­la­ti­on zum Schluss der lau­fen­den Ver­si­che­rungs­pe­ri­ode be­rech­net wird (BGH 12. Ok­to­ber 2005 - IV ZR 162/03 - zu B IV 2 b ee der Gründe, aaO).


Bei der Di­rekt­ver­si­che­rung er­scheint es aber erwägens­wert, an ein auf die Al­ters­vor­sor­ge zu­ge­schnit­te­nes Lösungs­mo­dell an­zu­knüpfen. Ein der­ar­ti­ges Lösungs­mo­dell fin­det sich in § 1 Abs. 1 Nr. 8 des Ge­set­zes über die Zer­ti­fi­zie­rung von Al­ters­vor­sor­ge­verträgen (Alt­ZertG). Da­nach müssen grundsätz­lich die in An­satz ge­brach­ten Ab­schluss- und Ver­triebs­kos­ten über ei­nen länge­ren Zeit­raum in gleichmäßigen Jah­res­beträgen ver­teilt wer­den. Die­ser Zeit­raum be­lief sich bis zum 31. De­zem­ber 2004 auf zehn Jah­re und beläuft sich seit dem 1. Ja­nu­ar 2005 auf fünf Jah­re. § 169 Abs. 3 VVG nF enthält mit Wir­kung zum 1. Ja­nu­ar 2008 ei­ne in­halts­glei­che Re­ge­lung für den Rück­kaufs­wert von Le­bens­ver­si­che­run­gen. Nach § 165 Abs. 2 VVG nF wirkt sich die­ser Wert auch auf die Höhe ei­ner prämi­en­frei­en Ver­si­che­rungs­leis­tung aus.


Es spricht viel dafür, bei dem für die Ver­tei­lung der Kos­ten maßgeb­li­chen Zeit­raum nicht zu dif­fe­ren­zie­ren und nicht auf die bei Ab­schluss des Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­trags maßgeb­li­che Fas­sung des Alt­ZertG ab­zu­stel­len, son­dern ein­heit­lich ei­nen Zeit­raum von fünf Jah­ren zu­grun­de zu le­gen. Wenn der Ge­setz­ge­ber auf­grund späte­rer Er­fah­run­gen ei­nen Zeit­raum von fünf Jah­ren für aus­rei­chend hält, lässt sich dar­aus ab­lei­ten, dass die­ser Zeit­raum bei der In­halts­kon­trol­le ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung nicht als „un­an­ge­mes­sen“ an­zu­se­hen ist.


e) Der vor­lie­gen­de Fall - es ist in den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen von ei­nem be­son­de­ren Fort­set­zungs­ta­rif die Re­de - gibt An­lass, dar­auf hin­zu-wei­sen, dass es den Re­ge­lungs­zu­sam­menhängen und dem Zweck der durch das Be­triebs­ren­ten­ge­setz geförder­ten Ent­gelt­um­wand­lung ent­spricht, die vor­zei­tig aus­schei­den­den Ar­beit­neh­mer auch dann vor un­an­ge­mes­se­nen

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Nach­tei­len zu be­wah­ren, wenn sie ihr Recht nach § 1b Abs. 5 Satz 1 Halbs. 2 Nr. 2 Be­trAVG ausüben, die Ver­si­che­rung mit ei­ge­nen Beiträgen fort­zuführen. Es spricht viel dafür, dass die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen nach ei­ner „Fort­set­zung der Ver­si­che­rung“ im We­sent­li­chen un­verändert blei­ben müssen und ein ungüns­ti­ge­rer Fort­set­zungs­ta­rif le­dig­lich durch zusätz­li­chen Auf­wand des Ver­si­che­rers ge­recht­fer­tigt wer­den kann. Es er­scheint sehr zwei­fel­haft, ob von ei­ner „Fort­set­zung“ der Ver­si­che­rung im be­triebs­ren­ten­recht­li­chen Sin­ne noch die Re­de sein kann, wenn die aus­ge­schie­de­nen Ar­beit­neh­mer die Vor­tei­le ei­ner Grup­pen­ver­si­che­rung auch in­so­weit ver­lie­ren, als dem Ver­si­che­rer kei­ne zusätz­li­chen Kos­ten ent­ste­hen.

2. Bei ei­ner Ent­gelt­um­wand­lung führt we­der ein Ver­s­toß ge­gen das Wert­gleich­heits­ge­bot des § 1 Abs. 2 Nr. 3 Be­trAVG noch ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung iSd. § 307 BGB zu ei­nem „Wie­der­auf­le­ben“ der um-ge­wan­del­ten Ent­gelt­ansprüche. Dem Ar­beit­neh­mer steht al­len­falls ei­ne höhe­re Ver­sor­gungs­an­wart­schaft zu, die nicht Ge­gen­stand die­ses Rechts­streits ist.

a) § 1 Abs. 2 Nr. 3 Be­trAVG ge­bie­tet es, dass der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer an­stel­le des um­ge­wan­del­ten Ar­beits­ent­gelts ei­ne wert­glei­che Al­ters­ver­sor­gung zu­sagt. Wenn die zu­ge­sag­te Ver­sor­gung nach den Maßstäben des § 1 Abs. 2 Nr. 3 Be­trAVG un­zu­rei­chend ist, hat der Ar­beit­ge­ber die Ver­sor­gung so­weit auf­zu­sto­cken, dass dem Wert­gleich­heits­ge­bot genügt ist (vgl. ua. Ha­nau/Ar­tea­ga/Rieb­le/Veit Ent­gelt­um­wand­lung 2. Aufl. Teil A Rn. 271; Höfer Be­trAVG Stand Mai 2008 § 1 Rn. 2565; Rei­ne­cke DB 2006, 555, 562; für ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung ua. Blo­mey­er/Rolfs/Ot­to Be­trAVG 4. Aufl. § 1 Rn. 164; für Un­wirk­sam­keit der Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­rung LAG München 15. März 2007 - 4 Sa 1152/06 - zu II 1 der Gründe, DB 2007, 1143; für ei­nen ergänzen­den Vergütungs­an­spruch, so­weit die zu­ge­sag­te Ver­sor­gung nicht gleich­wer­tig ist ErfK/St­ein­mey­er 9. Aufl. § 1 Be­trAVG Rn. 27). Die Auf­sto­ckung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ent­spricht dem ge­setz­li­chen Ziel, so­wohl für ei­nen Aus­bau der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung zu sor­gen als auch den Ar­beit­neh­mer vor un­zu­rei­chen­den Ver­sor­gungs­zu­sa­gen zu schützen.
 


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Zum sel­ben Er­geb­nis würde auch ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung führen. Die Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­rung ist dar­auf ge­rich­tet, mit dem um­ge­wan­del­ten Ar­beits­ent­gelt ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung zu fi­nan­zie­ren. Je­den­falls in al­ler Re­gel ent­spricht es dem Ver­trags­zweck, dem Ar­beit­neh­mer Ver­sor­gungs­leis­tun­gen in an­ge­mes­se­ner Höhe zu gewähren.

Außer­dem könn­ten den Ar­beit­neh­mern er­heb­li­che Nach­tei­le ent­ste­hen, wenn Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­run­gen bei Verstößen ge­gen das Wert­gleich­heits­ge­bot un­wirk­sam wären und in­so­weit die Ent­gelt­ansprüche fort-bestünden. So­weit Aus­schluss­fris­ten gel­ten, wären die Vergütungs­ansprüche häufig ver­fal­len.

b) Auch wenn die in der zu­grun­de ge­leg­ten Ver­rech­nungs­klau­sel ent­hal­te­ne (vol­le) Zill­me­rung nach § 307 BGB un­wirk­sam ist, bleibt die Ent­gelt­um­wand­lungs­ver­ein­ba­rung im Übri­gen nach § 306 Abs. 1 BGB wirk­sam.

Die un­wirk­sa­me Ver­rech­nungs­klau­sel fällt nicht er­satz­los weg, son­dern es be­darf ei­ner ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung (vgl. da­zu BGH 12. Ok­to­ber 2005 - IV ZR 162/03 - zu B II 2 a und IV der Gründe, BGHZ 164, 297). Un­abhängig da­von, zu wel­chem Ver­rech­nungs­zeit­raum die ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung führt, erhöht sich die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung ent­spre­chend. Über die Höhe der dem Kläger zu­ste­hen­den be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ist je­doch in die­sem Rechts­streit nicht zu ent­schei­den.


3. Da dem Kläger die gel­tend ge­mach­ten Vergütungs­ansprüche nicht zu­ste­hen, kommt es we­der auf die Wirk­sam­keit und den An­wen­dungs­be­reich der ver­ein­bar­ten Aus­schluss­frist noch auf die Aus­le­gung der im Auf­he­bungs-ver­trag ent­hal­te­nen Aus­gleichs­klau­sel an.


II. Der Kläger kann die Zah­lung des um­ge­wan­del­ten Ar­beits­ent­gelts auch nicht als Scha­den­er­satz ver­lan­gen. Die Be­klag­te hat ih­re ar­beits­ver­trag­li­chen Ne­ben­pflich­ten nicht schuld­haft ver­letzt. Zu­dem be­steht der Scha­den des Klägers al­len­falls in ei­ner zu ge­rin­gen Ver­sor­gung, nicht aber in der Kürzung sei­ner Ar­beits­vergütung.
 


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1. Die Be­klag­te hat kei­ne Be­ra­tungs- oder In­for­ma­ti­ons­pflich­ten ver­letzt. Im vor­lie­gen­den Fall geht es nicht um die Ne­ben­pflich­ten des Ver­si­che­rers, son­dern um die Ne­ben­pflich­ten der Ar­beit­ge­be­rin. Die­se muss­te dem Kläger nicht die ver­si­che­rungs­recht­li­chen Ta­ri­fe erläutern, son­dern konn­te sich dar­auf be­schränken, die In­for­ma­tio­nen des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens wei­ter­zu­lei­ten, zu­mal es sich beim Kläger um ei­nen geschäfts­ge­wand­ten Mit­ar­bei­ter han­del­te und er so­gar selbst mit der Einführung des Ent­gelt­um­wand­lungs­mo­dells be­fasst war. Von ihm konn­te er­war­tet wer­den, dass er sich vor Ver­trags­un­ter­zeich­nung mit den wirt­schaft­li­chen Fol­gen der vor­ge­se­he­nen Ent­gelt­um­wand­lung be­fasst. Ab­ge­se­hen da­von erläuter­te der Ver­si­che­rer die Zill­me­rung und ih­re Fol­gen aus­rei­chend deut­lich. In der Ver­si­che­rungs­ur­kun­de wur­de un­ter der Über­schrift „Ga­ran­tie­wer­te“ dar­auf hin­ge­wie­sen, dass für die Be­ra­tun­gen beim Ab­schluss ei­ner Ver­si­che­rung und das Er­rich­ten ei­nes Ver­trags Kos­ten entstünden, die aus den ers­ten Beiträgen be­strit­ten würden. Nur der ver­blei­ben­de Teil des Bei­trags ste­he für die Bil­dung der bei­trags­frei­en Leis­tun­gen und des Rück­kaufs­werts zur Verfügung. In ei­ner bei­gefügten Ta­bel­le wur­de die Ent­wick­lung der ga­ran­tier­ten bei­trags­frei­en Al­ters­ren­te und des ga­ran­tier­ten Rück­kaufs­werts für die Jah­re 2005 bis ein­sch­ließlich 2038 auf den 1. De­zem­ber des je­wei­li­gen Jah­res auf­ge­lis­tet. In der An­la­ge zur Ver­si­che­rungs­ur­kun­de wur­de un­ter der Über­schrift „bei­trags­freie Ver­si­che­rung“ dar­auf auf­merk­sam ge­macht, dass die Bei­trags­frei­stel­lung der Ver­si­che­rung mit Nach­tei­len ver­bun­den sei. In der An­fangs­zeit der Ver­si­che­rung sei we­gen der Ver­rech­nung von Ab­schluss­kos­ten kei­ne bei­trags­freie Ren­te vor­han­den. Auch da­nach ste­he nicht un­be­dingt ein Be­trag in Höhe der Sum­me der ein­ge­zahl­ten Beträge für die Bil­dung der bei­trags­frei­en Ren­te zur Verfügung. Ent­spre­chen­de Ausführun­gen fin­den sich in § 6 (Kündi­gungs­recht des Ver­si­che­rungs­neh­mers, Rück­kaufs­wert).

2. So­weit der Kläger gel­tend macht, die Be­klag­te ha­be ei­nen be­darfs­ge­rech­ten Ver­si­che­rungs­ver­trag mit ei­ner recht­lich zulässi­gen Ver­rech­nungs­klau­sel ab­sch­ließen müssen, kann of­fen­blei­ben, ob die Ar­beit­ge­be­rin ih­re ar­beits­ver­trag­li­chen Ne­ben­pflich­ten ver­letzt hat.
 


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Selbst wenn sie ver­pflich­tet ge­we­sen wäre, auf ei­nen Ver­si­che­rungs­ver­trag mit ei­ner be­darfs­ge­rech­ten Ver­rech­nungs­klau­sel hin­zu­wir­ken, und ein der Be­klag­ten zu­zu­rech­nen­des schuld­haf­tes Ver­hal­ten vorläge, könn­te der Kläger nur ei­ne ent­spre­chen­de Ver­sor­gungs­leis­tung ver­lan­gen. Im vor­lie­gen­den Rechts­streit ist je­doch über der­ar­ti­ge Ansprüche nicht zu ent­schei­den. Im Übri­gen würde die ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung oh­ne­hin zu an­ge­mes­se­nen Ver­sor­gungs­pflich­ten der Ar­beit­ge­be­rin führen, so dass dem Kläger kein recht­lich re­le­van­ter Scha­den ent­ste­hen würde.

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