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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Befristung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern
Akten­zeichen: 5 Sa 298/05
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 25.04.2006
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Rostock, Urteil vom 31.05.2005, 1 Ca 649/05
   

Te­nor

  1. Un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­rich­tes wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf Grund der Be­fris­tung auf den 28.02.2005 sein En­de ge­fun­den hat, son­dern un­be­fris­tet fort­be­steht.
  2. Die Kos­ten des Rechts­streits trägt das be­klag­te Land.
  3. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.


Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten um die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses und um die Fra­ge, ob zwi­schen ih­nen nach § 15 Abs. 5 Tz­B­frG ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis ent­stan­den ist.

Der Kläger ist be­reits seit den 80er Jah­ren an der Hoch­schu­le als Wis­sen­schaft­ler tätig. Seit Be­en­di­gung sei­nes Be­am­ten­verhält­nis­ses auf Zeit als Hoch­schul­do­zent zum 30.09.1998 war er zunächst auf Ba­sis ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter bis zum 31.01.2004 tätig. So­dann war er wie­der­um als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter be­fris­tet bis zum 28.02.2005 un­ter Aus­nut­zung von § 57 f HRG in der Fas­sung vom 23.02.2002 tätig. Die­se zu­letzt erwähn­te Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses ist zwi­schen den Par­tei­en im Streit.

Der Kläger hat­te sich zunächst dar­um bemüht, dass sein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über den 28.02.2005 hin­aus rechts­geschäft­lich verlängert wird (Schrei­ben an die Uni­ver­sität vom 29.09.2004, Ko­pie Blatt 17 d. A.). Dies hat die Uni­ver­sität mit Schrei­ben vom 22.12.2004, un­ter­zeich­net durch den Per­so­nal­de­zer­nen­ten Herrn T., ab­ge­lehnt (Blatt 18 d. A., es wird Be­zug ge­nom­men). Es heißt dort ein­lei­tend:

"Das mit Ih­nen be­gründe­te Ar­beits­verhält­nis en­det frist­gemäß am 28.02.2005."

Auch der Lehr­stuhl­in­ha­ber, für den der Kläger vor­ran­gig ge­ar­bei­tet hat­te, und wei­te­re Pro­fes­so­ren mit Lei­tungs­auf­ga­ben am In­sti­tut und in der Fa­kultät ha­ben sich für die Verlänge­rung des Ver­tra­ges zwi­schen den Par­tei­en ein­ge­setzt. Der Per­so­nal­de­zer­nent hat mit Schrift­satz vom 08.02.2005 an den De­kan der Ma­the­ma­tisch-Na­tur-Wis­sen­schaft­li­chen Fa­kultät Herrn Prof. Dr. K. die­se Wünsche zurück­ge­wie­sen (Ko­pie Blatt 22 d. A., es wird Be­zug ge­nom­men). In dem Schrei­ben heißt es ab­sch­ließend:

"Le­dig­lich der Vollständig­keit hal­ber sei erwähnt, dass sich der Ab­schluss ei­nes wei­te­ren be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges auch auf­grund des lau­fen­den Ar­beits­rechts­strei­tes von selbst ver­bie­tet."

Die Be­mer­kung be­zieht sich auf ei­nen Vor­pro­zess der Par­tei­en, den sie vor dem Ar­beits­ge­richt Ros­tock zum Ak­ten­zei­chen 3 Ca 374/04 geführt hat­ten.

Die Vor­le­sungs­zeit des Win­ter­se­mes­ters 2004/2005 en­de­te mit Ab­lauf des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses En­de Fe­bru­ar 2005. Wie in den frühe­ren Se­mes­tern auch wa­ren al­ler­dings noch nach Ab­schluss der Vor­le­sun­gen die Prüfun­gen ab­zu­neh­men, die Ab­schluss­klau­su­ren zu kor­ri­gie­ren und die No­ten be­kannt zu ge­ben. In die­se Tätig­kei­ten war auch der Kläger wie all die Jah­re zu­vor ein­ge­bun­den.

So führ­te der Kläger am 01.03.2005 im In­sti­tut für Che­mie die Ab­schluss­ver­an­stal­tung "Ma­the­ma­tik für Che­mi­ker 2" für Nachzügler durch.

Am 1. und 2. März 2005 nahm der Kläger außer­dem die Zweit­kor­rek­tur der Prüfungs­klau­su­ren in "Ma­the­ma­tik für In­for­ma­ti­ker" vor, an die sich ei­ne ge­mein­sa­me No­ten­kon­fe­renz mit Frau Prof. Dr. L. an­ge­schlos­sen hat­te.  

Eben­falls am 1. und 2. März 2005 hat der Kläger die Klau­sur "All­ge­mei­ne Al­ge­bra" für Frau Prof. Dr. L. vor­be­rei­tet und an­sch­ließend während der Klau­sur Auf­sicht geführt.

Bis zum 2. März 2005 war der Kläger auch noch mit der Kor­rek­tur für die Fach­prüfung "Ma­the­ma­tik für LKU (Teil 1)" beschäftigt. An je­nem Tag fand die Be­spre­chung der Ge­samt­no­ten für die Stu­den­ten ge­mein­sam mit Herrn Prof. L. statt.

Bis zum 01.04.2005 war der Kläger außer­dem mit der Vor­be­rei­tung, Durchführung und Kor­rek­tur der Prüfungs­ar­bei­ten "Ma­the­ma­tik für LKU" beschäftigt.

Am 23.03.2005 hat der Kläger schließlich noch an zwei münd­li­chen Prüfun­gen bei Frau Prof. Dr. L. im Fach "Ma­the­ma­tik für In­for­ma­ti­ker" teil­ge­nom­men.

Ursprüng­lich war so­gar vor­ge­se­hen, dass der Kläger - wie im Vor­le­sungs­ver­zeich­nis für das Som­mer­se­mes­ter 2005 aus­ge­wie­sen - ab dem 01.04.2005 wie­der Vor­le­sun­gen und sons­ti­ge Lehr­ver­an­stal­tun­gen wie in den Se­mes­tern zu­vor durchführt. Auf Bit­ten der De­ka­nats­se­kretärin hat der Kläger dies al­ler­dings un­ter­las­sen. Gleich­wohl war der Kläger wie in den Jah­ren zu­vor in die Pla­nung der Ver­an­stal­tun­gen des Som­mer­se­mes­ters 2005 ein­ge­bun­den. Ins­be­son­de­re die Pro­fes­so­ren der an­de­ren In­sti­tu­te, für die der Kläger tätig war, hat­ten sich An­fang April 2005 mit dem Kläger über die zeit­li­che und in­halt­li­che Aus­ge­stal­tung der ge­mein­sa­men Lehr­ver­an­stal­tun­gen mit dem Kläger ab­ge­spro­chen. 

In der Kla­ge­schrift vom 21.03.2005, Ge­richts­ein­gang am sel­ben Tag, hat der Kläger sei­ne Tätig­kei­ten nach dem 28.02.2005 wie folgt dar­ge­stellt:

"Der Kläger wur­de über den ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Be­en­di­gungs­zeit­punkt hin­aus fort­lau­fend im Rah­men der ar­beits­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Ar­beits­pflich­ten an sei­nem bis­he­ri­gen Ar­beits­platz wei­ter beschäftigt. Die von ihm an­ge­bo­te­nen Diens­te wur­de aus­drück­lich an­ge­nom­men bzw. er wei­ter­hin in die Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on ein­sch­ließlich Klau­sur­auf­sicht, Durchführung von Kon­sul­ta­tio­nen, Be­wer­tung und Prüfun­gen ein­be­zo­gen.

Die Be­klag­te hat nicht nur rüge­los die Ar­beits­kraft des Klägers wei­ter an­ge­nom­men, son­dern die­sen auch für lau­fen­de und künf­ti­ge Ar­beits­auf­ga­ben aus­drück­lich in den Dienst­plan mit auf­ge­nom­men.

Dem Kläger steht un­verändert sein Ar­beits­platz zur Verfügung."

Die Kla­ge­schrift ist dem be­klag­ten Land nebst La­dung zum Güte­ter­min an 30.03.2005 zu­ge­stellt wor­den. Das Emp­fangs­be­kennt­nis ist von Herrn V., Jus­ti­zi­ar der Uni­ver­sität, ge­zeich­net (Blatt 25, es wird Be­zug ge­nom­men). 

Die Güte­ver­hand­lung fand am 07.04.2005 statt. Auch dort war die wei­te­re Tätig­keit des Klägers nach Ab­lauf des 28.02.2005 Ge­gen­stand der Erörte­rung. Mit Schrei­ben an den Kläger vom 08.04.2005 hat der Per­so­nal­de­zer­nent der Uni­ver­sität förm­lich der wei­te­ren Beschäfti­gung des Klägers wi­der­spro­chen. Wann und auf wel­chem We­ge die­ses Schrei­ben dem Kläger zu­ge­gan­gen ist, ist nicht mit­ge­teilt.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge mit Ur­teil vom 31.05.2005 ab­ge­wie­sen. Auf die­ses Ur­teil wird we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des ers­ter In­stanz ein­sch­ließlich der dort vor­ge­nom­me­nen An­trag­stel­lung Be­zug ge­nom­men.

Das Ur­teil ist dem Kläger am 09.06.2005 zu­ge­stellt wor­den. Die hier­ge­gen ge­rich­te­te Be­ru­fung vom 21.06.2005 ist beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 23.06.2005 ein­ge­gan­gen. Auf Grund ei­nes An­tra­ges, der hier am 02.08.2005 ein­ge­gan­gen war, ist die Frist zur Be­gründung der Be­ru­fung bis zum 09.09.2005 verlängert wor­den. Die Be­ru­fung ist mit Schrift­satz vom 07.09.2005, Ge­richts­ein­gang am 08.09.2005, be­gründet wor­den.

Der Kläger hält die Be­fris­tungs­ab­re­de für un­wirk­sam. Außer­dem ist er der Auf­fas­sung, er ha­be nach Treu und Glau­ben ei­nen An­spruch auf aber­ma­li­ge Verlänge­rung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der neu fest­ge­setz­ten Höchst­frist aus dem neu for­mu­lier­ten § 57 f HRG 2004.

Letzt­lich ha­be je­den­falls die wei­te­re In­an­spruch­nah­me sei­ner Ar­beits­kraft da­zu geführt, dass zwi­schen den Par­tei­en in­zwi­schen ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­ste­he.

Der Kläger be­an­tragt,

auf die Be­ru­fung des Klägers das Ur­teil des Ar­beits­ge­rich­tes Ros­tock vom 31.05.2005 zum Ak­ten­zei­chen 1 Ca 649/05 ab­zuändern und fest­zu­stel­len, dass das An­stel­lungs­verhält­nis der Par­tei­en auf Grund der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­fris­tung im Ände­rungs­ver­trag vom 25.11.2003 bzw. 18.12.2003 nicht mit Ab­lauf des 28.02.2005 ge­en­det hat, son­dern mit Aus­nah­me der Be­fris­tungs­ab­re­de zu im Übri­gen un­veränder­ten Be­din­gun­gen fort­be­steht. 

Das be­klag­te Land be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Das be­klag­te Land schließt sich dem ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teil an. Ins­be­son­de­re sei es nicht nach § 15 Abs. 5 Tz­B­frG zu ei­nem un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en ge­kom­men. Zum ei­nen ha­be der Per­so­nal­de­zer­nent der Uni­ver­sität dem Kläger schon vor­ab mit dem Schrei­ben vom 22.12.2004 klar ge­macht, dass das Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf des 28.02.2005 endgültig en­den wer­de. Zum an­de­ren ha­be die Uni­ver­sität erst­mals in der Güte­ver­hand­lung vom 07.04.2005 von der wei­te­ren In­an­spruch­nah­me des Klägers er­fah­ren und ha­be die­se als­dann so­fort un­ter­bun­den. Die Zu­stel­lung der Kla­ge­schrift ha­be noch kein An­lass zum so­for­ti­gen Han­deln ge­ge­ben, da die An­deu­tun­gen des Klägers zu sei­ner wei­te­ren In­an­spruch­nah­me dort un­sub­stan­ti­iert vor­ge­tra­gen ge­we­sen sei­en. Man ha­be da­her vor ei­nem Ein­schrei­ten zunächst die Güte­ver­hand­lung vor dem Ar­beits­ge­richt ab­war­ten dürfen.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die über­reich­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf das Pro­to­koll der münd­li­chen Ver­hand­lung Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

Die dem Streit­ge­gen­stand nach statt­haf­te Be­ru­fung, die auch im Übri­gen kei­nen Zulässig­keits­be­den­ken un­ter­liegt, hat in der Sa­che Er­folg.  

I.

Die vom Kläger be­gehr­te Fest­stel­lung, dass zwi­schen den Par­tei­en des Rechts­strei­tes ein Ar­beits­verhält­nis be­steht, ist be­gründet.

Dafür kann of­fen blei­ben, ob die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf den 28.02.2005 wirk­sam war, denn zwi­schen den Par­tei­en ist durch die wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit nach dem 28.02.2005 nach § 15 Abs. 5 Tz­B­frG ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis ent­stan­den.

Nach § 15 Abs. 5 Tz­B­frG ent­steht ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis, wenn ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis - hier vor­lie­gend - mit Wis­sen des Ar­beit­ge­bers über den ver­ein­bar­ten End­zeit­punkt hin­aus fort­ge­setzt wird und der Ar­beit­ge­ber die­ser Fort­set­zung nicht un­verzüglich wi­der­spricht.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier ge­ge­ben.

1. Der Kläger wur­de über den ver­ein­bar­ten End­zeit­punkt hin­aus zur Ar­beits­leis­tung her­an­ge­zo­gen. So wur­de der Kläger auch nach dem 28.02.2005 noch zu Klau­su­ren, zu Kor­rek­tu­ren, zu No­ten­ab­spra­chen und zu Prüfungs­gesprächen her­an­ge­zo­gen. Mit Be­ginn des neu­en Se­mes­ters ab 01.04.2005 wur­de er zusätz­lich in die Pla­nung der ein­zel­nen Lehr­ver­an­stal­tun­gen ein­ge­bun­den und der wei­te­re Ab­lauf des Se­mes­ters wur­de mit ihm durch an­de­re be­tei­lig­te Pro­fes­so­ren ab­ge­spro­chen.

Den ge­sam­ten da­hin­ge­hen­den Vor­trag des Klägers hat das be­klag­te Land zwar mit Nicht­wis­sen be­strit­ten. Da es dem be­klag­ten Land je­doch oh­ne wei­te­res möglich ge­we­sen wäre, durch Rück­spra­che mit den vom Kläger be­nann­ten Pro­fes­so­ren den Wahr­heits­ge­halt des kläge­ri­schen Sach­vor­tra­ges zu klären, ist das Be­strei­ten mit Nicht­wis­sen un­er­heb­lich. Da­mit gilt der Vor­trag als zu­ge­stan­den, wes­halb er hier im Tat­be­stand des Ur­teils auch als un­strei­tig dar­ge­stellt ist.

Die Leis­tun­gen, die der Kläger nach dem 28.02.2005 er­bracht hat, hat der Kläger in Erfüllung sei­ner Ar­beits­pflicht er­bracht. Dem be­klag­ten Land ist der Nach­weis nicht ge­lun­gen, dass der Kläger die­se Leis­tun­gen oh­ne Ar­beits­verhält­nis al­lein aus kol­le­gia­ler Ver­bun­den­heit er­bracht hat. Die wis­sen­schaft­li­chen Dienst­leis­tun­gen, die der Kläger auch noch nach dem 28.02.2005 in der Leh­re er­bracht hat, wer­den übli­cher­wei­se im Rah­men von Ar­beits­verhält­nis­sen ge­gen Ent­gelt er­bracht. Dem be­klag­ten Land ist der Nach­weis nicht ge­lun­gen, dass hier ab­wei­chend von der Re­gel die Leis­tun­gen durch den Kläger un­ent­gelt­lich und auf an­de­rer Rechts­grund­la­ge er­bracht wer­den soll­ten bzw. er­bracht wur­den.

2. Der Kläger hat die Leis­tun­gen auch mit Wis­sen sei­nes Ar­beit­ge­bers, des be­klag­ten Lan­des, er­bracht.

Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes kommt es in­so­weit al­lein auf das Wis­sen der Per­son(en) an, die die Per­so­nal­be­fug­nis­se in­ne ha­ben, hier al­so Ar­beits­verhält­nis­se be­gründen und be­en­den können. Im Hoch­schul­be­reich sind das in ers­ter Li­nie der Rek­tor und der Kanz­ler oder von die­sen be­vollmäch­tig­te Per­so­nen (vgl. nur Bun­des­ar­beits­ge­richt 20.02.2002 - 7 AZR 662/00 - PersR 2002, 352 = ZTR 2002, 439).

a) Vor­lie­gend muss da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Rek­tor der Uni­ver­sität Kennt­nis von der wei­te­ren Tätig­keit des Klägers hat­te, denn er hat in dem von ihm her­aus­ge­ge­be­nen Vor­le­sungs­ver­zeich­nis für das Som­mer­se­mes­ter 2005 an­gekündigt, dass der Kläger - wie auch in den Jah­ren zu­vor - sei­ne Lehr­ver­an­stal­tun­gen durchführen würde.

Da­bei ist es nicht ent­schei­dend, ob der Rek­tor der Uni­ver­sität als natürli­che Per­son tatsächlich po­si­ti­ve Kennt­nis von der wei­te­ren Ver­pla­nung des Klägers im Lehr­be­trieb hat­te, denn § 15 Abs. 5 Tz­B­frG ist ei­ne Zu­rech­nungs­norm, bei der es le­dig­lich dar­auf an­kommt, ob sich die zur Ent­schei­dung be­fug­te Per­son als wis­send be­han­deln las­sen muss. Das ist hier der Fall. Denn der Rek­tor ist in der La­ge, durch sei­ne Fach­leu­te in der zen­tra­len Hoch­schul­ver­wal­tung si­cher stel­len zu las­sen, dass im Vor­le­sungs­ver­zeich­nis nur Per­so­nen auf­geführt wer­den, die für die be­wor­be­nen Ver­an­stal­tun­gen auch tatsächlich zur Verfügung ste­hen. Ste­hen die Per­so­nen für be­stimm­te Ver­an­stal­tun­gen noch nicht fest, kann und wird dies übli­cher­wei­se im Vor­le­sungs­ver­zeich­nis ent­spre­chend aus­ge­wie­sen.

b) Selbst wenn man die­se Haupt­be­gründung des Ge­rich­tes nicht fol­gen mag, hat­te der Rek­tor vor­lie­gend je­den­falls seit der Zu­stel­lung der Kla­ge am 30.03.2005 Kennt­nis von der wei­te­ren Beschäfti­gung des Klägers er­langt.

In der Kla­ge­schrift sind zwar kei­ne kon­kre­ten Dienst­leis­tun­gen ge­nannt und auch kei­ne Na­men von Per­so­nen, mit de­nen der Kläger kon­kret wei­ter zu­sam­men­ge­ar­bei­tet hat. Die Aus­sa­ge in der Kla­ge­schrift ist den­noch deut­lich ge­nug, denn es heißt dort sinn­gemäß, der Kläger sei fort­lau­fend im Rah­men der ver­ein­bar­ten Ar­beits­auf­ga­ben wei­ter ein­ge­setzt wor­den. Ergänzend wer­den ein­zel­ne Dienst­leis­tun­gen bei­spiel­haft auf­geführt (Klau­sur­auf­sicht, Kon­sul­ta­tio­nen, Prüfun­gen). Das reicht aus, um den gu­ten Glau­ben des Rek­tors in die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Kläger mit Ab­lauf des 28.02.2005 zu zerstören.

Mit der Zu­stel­lung der Kla­ge war die­se Kennt­nis zwar nicht beim Rek­tor selbst, son­dern nur bei sei­nem Jus­ti­zi­ar, Herrn V., vor­han­den. Des­sen Wis­sen muss aber dem Rek­tor zu­ge­rech­net wer­den, da das Jus­ti­zi­a­ri­at in der Uni­ver­sität teil der zen­tra­len Hoch­schul­ver­wal­tung ist, die sich der Rek­tor zur Erfüllung sei­ner ei­ge­nen Führungs­auf­ga­ben selbst ge­schaf­fen hat. So­mit ist er auch in der La­ge, die Ver­wal­tung so zu or­ga­ni­sie­ren, dass die not­wen­di­gen und wich­ti­gen In­for­ma­tio­nen ihm zeit­nah über­mit­telt wer­den. Ge­schieht dies im Ein­zel­fall nicht, muss er sich so be­han­deln las­sen, wie wenn er zeit­nah in­for­miert wor­den wäre.

3. Zwi­schen den Par­tei­en ist ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis zu Stan­de ge­kom­men, da das be­klag­te Land der wei­te­ren Zu­sam­men­ar­beit mit dem Kläger nicht un­verzüglich wi­der­spro­chen hat.

a) Ein un­verzügli­cher Wi­der­spruch bzw. Pro­test ge­gen die vor­ge­se­he­ne zukünf­ti­ge wei­te­re Ar­beits­leis­tung des Ar­beit­neh­mers kann auch be­reits im Vor­we­ge vor Ab­lauf der Ver­trags­lauf­zeit er­fol­gen.

Das Schrei­ben des Per­so­nal­de­zer­nen­ten der Uni­ver­sität an den Kläger vom 22.12.2004 kann aber nicht als ei­ne sol­che vor­sorg­li­che Ver­wah­rung ge­gen die Rechts­fol­ge wei­te­rer Ar­beits­leis­tun­gen des Klägers als Ar­beit­neh­mer an­ge­se­hen wer­den.

Denn zum ei­nen steht das Schrei­ben in ei­nem ganz an­de­ren Kon­text. Es ist ei­ne Ant­wort der Uni­ver­sität auf ei­ne Bit­te des Klägers, das Ver­trags­verhält­nis rechts­geschäft­lich zu verlängern. Die Haupt­aus­sa­ge des Schrei­bens liegt al­so in dem Ab­schla­gen die­ser Bit­te des Klägers. Der Hin­weis auf das En­de der Zu­sam­men­ar­beit am 28.02.2005 ist da­her le­dig­lich als ei­ne Be­kräfti­gung des Haupt­an­lie­gens des Schrei­bens, Ab­sa­ge an ei­ne rechts­geschäft­li­che Verlänge­rung des Ar­beits­verhält­nis­ses, an­zu­se­hen.

Zum an­de­ren hat der Kläger noch in der Zeit nach die­ser Ab­sa­ge durch den Per­so­nal­de­zer­nen­ten sei­nen Lehr­stuhl­in­ha­ber so­wie den In­sti­tuts­lei­ter und den De­kan dafür ge­win­nen können, sich bei der zen­tra­len Hoch­schul­ver­wal­tung für sei­ne Ver­trags­verlänge­rung stark zu ma­chen. Da­her muss­te der Kläger nicht not­wen­dig da­von aus­ge­hen, dass das Ab­schla­gen der Bit­te um wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit mit Schrei­ben vom 22.12.2004 das letz­te Wort der Hoch­schul­ver­wal­tung sein soll­te. Er konn­te viel­mehr mit Fug die wei­te­re In­an­spruch­nah­me sei­ner Diens­te im März und April 2005 auch als Zei­chen ei­nes Sin­nes­wan­dels in Fol­ge der Führ­spra­che durch sei­ne di­rek­ten Vor­ge­setz­ten deu­ten.

b)Lässt man mit der Haupt­be­gründung des Ge­rich­tes be­reits das vom Rek­tor veröffent­lich­te Vor­le­sungs­ver­zeich­nis aus­rei­chen, liegt es auf der Hand, dass die Zurück­wei­sung der wei­te­ren Zu­sam­men­ar­beit mit Schrei­ben an den Kläger vom 08.04.2005 nicht mehr als un­verzüglich an­ge­se­hen wer­den kann.

c) Das gilt im Er­geb­nis aber auch dann, wenn man mit der Hilfs­be­gründung des Ge­rich­tes da­von aus­geht, dass der Rek­tor der Uni­ver­sität spätes­tens mit Zu­stel­lung der Kla­ge am 30.03.2005 Kennt­nis von der wei­te­ren Ar­beits­leis­tung des Klägers er­langt hat.

Denn auch dann war die Zurück­wei­sung der wei­te­ren Zu­sam­men­ar­beit mit Schrei­ben vom 08.04.2005 nicht mehr un­verzüglich im Sin­ne von § 15 Abs. 5 Tz­B­frG. Dies gilt selbst dann, wenn man zu Guns­ten des be­klag­ten Lan­des da­von aus­geht - was al­ler­dings so nicht ein­mal be­haup­tet wird - dass die­ses Schrei­ben dem Kläger noch am 08.04.2005 zu­ge­gan­gen war.

Un­verzüglich heißt oh­ne schuld­haf­tes Zögern (vgl. § 121 Abs. 1 BGB). Oh­ne Vor­lie­gen be­son­de­rer Umstände wird man die­se An­for­de­rung mit drei Ar­beits­ta­gen kon­kre­ti­sie­ren können, nämlich ei­nem Tag zur Prüfung des Sach­ver­hal­tes, ei­nem wei­te­ren Tag zur Ent­schei­dungs­fin­dung so­wie ei­nem drit­ten Tag zur Über­mitt­lung des Wi­der­spruchs an den Ar­beit­neh­mer

Da der 30.03.2005 ein Mitt­woch war, hätte ei­ne un­verzügli­che Re­ak­ti­on al­so bis spätes­tens Mon­tag 4. April 2005 er­fol­gen müssen. Selbst wenn man we­gen der ge­richts­be­kann­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­me zwi­schen der zen­tra­len Hoch­schul­ver­wal­tung und den ein­zel­nen In­sti­tu­ten und Lehrstühlen für die Er­mitt­lung des Sach­ver­hal­tes noch ei­nen wei­te­ren Ar­beits­tag hin­zu­rech­net, hätte der Wi­der­spruch des be­klag­ten Lan­des den­noch spätes­tens am Diens­tag 5. April 2005 beim Kläger ein­ge­gan­gen sein müssen. Der Wi­der­spruch un­ter dem Da­tum des 08.04.2005 war da­her nicht mehr un­verzüglich und konn­te da­her den Ein­tritt der Rechts­fol­ge aus § 15 Abs. 5 Tz­B­frG nicht mehr ver­hin­dern.

Es ist nicht möglich, den Maßstab der Un­verzüglich­keit mit Blick auf die vom Ar­beits­ge­richt auf den 07.04.2005 an­ge­setz­te Güte­ver­hand­lung an­ders aus­zu­le­gen, denn die Güte­ver­hand­lung war un­ge­eig­net, die not­wen­di­ge Aufklärung des Sach­ver­hal­tes aus der Sicht des be­klag­ten Lan­des wei­ter vor­an­zu­trei­ben. Von Nöten war ein­zig und al­lein die Rück­spra­che mit dem De­kan oder ge­ge­be­nen­falls dem In­sti­tuts­lei­ter, um sich Si­cher­heit über die un­ge­heu­er­li­chen Be­haup­tun­gen des Klägers in sei­ner Kla­ge­schrift über die wei­te­re Ent­ge­gen­nah­me sei­ner Diens­te zu ver­schaf­fen.

II.

Da kei­ne Er­eig­nis­se er­sicht­lich sind, die das durch die wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit be­gründe­te un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en wie­der ha­ben ent­fal­len las­sen, ist die vom Kläger be­gehr­te all­ge­mei­ne Fest­stel­lung zum Fort­be­ste­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen den Par­tei­en be­gründet.

Da die­ser all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­an­trag be­gründet ist, steht der wei­te­re Streit der Par­tei­en, ob die rechts­geschäft­lich vor­ge­nom­me­ne Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses wirk­sam vor­ge­nom­men wur­de, nicht mehr zur Ent­schei­dung an. 

III.

Die Kos­ten des Rechts­streits trägt das be­klag­te Land, da die Kla­ge er­folg­reich war (§ 91 ZPO).

Das Ge­richt hat die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen, da das Bun­des­ar­beits­ge­richt bis­her noch kei­ne Möglich­keit hat­te, zu der Fra­ge Stel­lung zu neh­men, in wel­chem Um­fang ei­ne Wis­sens­zu­rech­nung in­ner­halb der zen­tra­len Hoch­schul­ver­wal­tung im Sin­ne von § 15 Abs. 5 Tz­B­frG möglich und er­for­der­lich ist.

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