Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Handbuch Arbeitsrecht
Nach Alphabet

Ar­beits­ver­trag und all­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen (AGB) - Man­ko­ab­re­de

In­for­ma­tio­nen zum The­ma Ar­beits­ver­trag und all­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen (AGB) und Man­ko­ab­re­de: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht

Auf die­ser Sei­te fin­den Sie In­for­ma­tio­nen dar­über, was un­ter ei­ner Man­ko­ab­re­de zu ver­ste­hen ist, wo­zu die­se die­nen und ob es sich da­bei um All­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen (AGB) des Ar­beit­ge­bers han­delt.

Au­ßer­dem er­fah­ren Sie hier, wel­che Vor­aus­set­zun­gen zur Wirk­sam­keit ei­ner Man­ko­ab­re­de ge­ge­ben sein müs­sen und wann die­se ei­ner In­halts­kon­trol­le nicht stand­hält und da­mit un­wirk­sam ist.

von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin

Was versteht man unter einer Mankoabrede?

Ei­ne Man­ko­ab­re­de ist ei­ne Ver­ein­ba­rung zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer, die die­sem ei­ne verschärf­te recht­li­che Ver­ant­wor­tung für ei­nen Kas­sen­be­stand auf­er­legt. Auf­grund ei­ner sol­chen Ver­ein­ba­rung über­nimmt der Ar­beit­neh­mer die Haf­tung für ei­nen Kas­sen­be­stand und muss da­her für ei­nen Kas­sen­fehl­be­stand bzw. ein Man­ko auf­kom­men, oh­ne dass der Ar­beit­ge­ber ihm dafür ein Ver­schul­den nach­wei­sen müss­te.

Wozu dienen arbeitsvertragliche Mankoabreden?

Man­ko­ab­re­den sind nur sinn­voll, wenn ein Ar­beit­neh­mer die al­lei­ni­ge Ver­ant­wor­tung für ei­ne be­stimm­te, von ihm zu be­treu­en­de Kas­se hat, und wenn der Ar­beit­ge­ber nicht da­zu in der La­ge ist und/oder nicht be­ab­sich­tigt, den Ar­beit­neh­mer beim Um­gang mit der Kas­se „auf Schritt und Tritt“ zu über­wa­chen.

Dann ist es aus Sicht des Ar­beit­ge­bers nach­voll­zieh­bar, die Kas­sen­ver­ant­wor­tung des Ar­beit­neh­mers auch recht­lich fest­zu­schrei­ben: Denn wenn kei­ne an­de­re Per­son Zu­gang zu der Kas­se hat und wenn sich ein Fehl­be­stand er­gibt, dann ist es auf den ers­ten Blick nicht un­an­ge­mes­sen, den „kas­sen­ver­ant­wort­li­chen“ Ar­beit­neh­mer für den Fehl­be­stand haft­bar zu ma­chen.

Sind Mankoabreden allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) des Arbeitgebers?

All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) sind gemäß § 305 Abs.1 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB):

  • vor­for­mu­lier­te Ver­trags­be­din­gun­gen,
  • die für ei­ne Viel­zahl von Verträgen aus­ge­ar­bei­tet wur­den, und
  • die ei­ne Ver­trags­par­tei, der AGB-Ver­wen­der, der an­de­ren Ver­trags­par­tei bei Ab­schluss ei­nes Ver­trags stellt.

Die­se De­fi­ni­ti­on macht deut­lich, dass AGB das „Klein­ge­druck­te“ ei­nes Ver­trags sind. Auch in Ar­beits­verträgen kom­men AGB oft vor, wo­bei der Ar­beit­ge­ber der­je­ni­ge ist, der die AGB in sei­nem In­ter­es­se ent­wirft und dem Ar­beit­neh­mer zur An­nah­me stellt. Ver­trags­be­stim­mun­gen sind kei­ne AGB, wenn sie in­di­vi­du­ell aus­ge­han­delt sind, was bei Ar­beits­verträgen meist nur bei Haupt­leis­tungs­pflich­ten wie z.B. dem Ar­beits­lohn oder der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit der Fall ist - wenn über­haupt, da in vie­len Fällen auch Ar­beits­zei­ten und Be­zah­lung ein­sei­tig und per For­mu­lar­ver­trag vom Ar­beit­ge­ber vor­ge­ge­ben wer­den. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den Sie un­ter Hand­buch Ar­beits­recht: Ar­beits­ver­trag und all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB).

Man­ko­ab­re­den sind ty­pi­sche AGB. Sie be­tref­fen kei­ne aus Ar­beit­neh­mer­sicht wirk­lich wich­ti­ge Fra­gen, son­dern „nur“ die Ne­ben­pflicht zum Scha­dens­er­satz im Fal­le ei­nes Kas­sen­fehl­be­stan­des. Da­her sind Man­ko­ab­re­den für Ar­beit­neh­mer nicht so wich­tig, dass sie über ih­re Ein­zel­hei­ten mit dem Ar­beit­ge­ber kon­kre­te Ver­hand­lun­gen führen würden. Man­ko­ab­re­den wer­den da­her prak­tisch im­mer ein­sei­tig vom Ar­beit­ge­ber für vie­le Verträge vor­for­mu­liert und dann vom Ar­beit­neh­mer „ab­ge­nickt“.

Als AGB müssen Man­ko­ab­re­den ins­be­son­de­re fol­gen­de An­for­de­run­gen erfüllen:

  • Sie dürfen nicht an ver­steck­ter Stel­le in den Ver­trag hin­ein­ge­mo­gelt wer­den (sonst sind sie als „über­ra­schen­de Klau­seln“ zu be­wer­ten und wer­den nicht Ver­trags­be­stand­teil, § 305c Abs.1 BGB). Am bes­ten wer­den Man­ko­ab­re­den un­ter ei­ner Über­schrift wie z.B. „Man­ko­ab­re­de“ oder „Ver­ein­ba­rung zu Kas­sen­fehl­beständen“ in den Ver­trag auf­ge­nom­men.
  • Man­ko­ab­re­den müssen für ei­nen „durch­schnitt­li­chen“ Ar­beit­neh­mer klar und verständ­lich sein (sonst sind sie nicht „trans­pa­rent“ und ha­ben aus die­sem Grund kei­ne Gel­tung, § 307 Abs.1 Satz 2 BGB).
  • Man­ko­ab­re­den dürfen kei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers ent­hal­ten (sonst ha­ben sie aus die­sem Grund kei­ne Gel­tung, § 307 Abs.1 Satz 1, Abs.2 BGB).

Wann ist eine arbeitsvertragliche Mankoabrede wirksam?

Vom Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­lier­te Man­ko­ab­re­den, d.h. AGB- Man­ko­ab­re­den, stel­len ei­ne „un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung“ des Ar­beit­neh­mers dar und sind da­her gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB un­wirk­sam, wenn nicht die fol­gen­den, von der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) ver­lang­ten Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind:

  • Der Ar­beit­neh­mer muss den al­lei­ni­gen Zu­gang zur Kas­se ha­ben. Wenn an­de­re Per­so­nen eben­falls Zu­gang zur Kas­se ha­ben, ist ei­ne Man­ko­ab­re­de un­wirk­sam.
  • Der Ar­beit­ge­ber muss dem Ar­beit­neh­mer ei­ne an­ge­mes­sen ho­he zusätz­li­che Vergütung für die Über­nah­me des Man­ko­ri­si­kos zah­len, d.h. ein an­ge­mes­se­nes Man­ko­geld.
  • Die Haf­tung des Ar­beit­neh­mers für Kas­sen­fehl­bestände aus der Man­ko­ab­re­de darf nicht höher sein als die Sum­me der er­hal­te­nen Man­ko­gel­der, d.h. die Sum­me der er­hal­te­nen Man­ko­gel­der be­grenzt die Haf­tung (BAG, Ur­teil vom 17.09.1998, 8 AZR 175/97, Rn.67).

Im Er­geb­nis ist ei­ne Man­ko­ab­re­de da­mit ei­ne Prämie, die der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer zur Ver­mei­dung von Kas­sen­fehl­beständen zahlt. Auf­grund der Man­ko­ab­re­de hat der Ar­beit­neh­mer die Möglich­keit, durch die er­folg­rei­che Ver­wal­tung des ihm an­ver­trau­ten Kas­sen­be­stan­des ein zusätz­li­ches Ein­kom­men zu er­zie­len.

Erfüllt ei­ne Man­ko­ab­re­de nicht die o.g. Vor­aus­set­zun­gen, ist ei­ne Haf­tung des Ar­beit­neh­mers für Kas­sen­fehl­bestände nicht aus­ge­schlos­sen. Sie er­gibt sich dann aber nicht aus der Man­ko­ab­re­de als der recht­li­chen An­spruchs­grund­la­ge, son­dern aus den all­ge­mei­nen recht­li­chen Re­ge­lun­gen zur Ar­beit­neh­mer­haf­tung. In­fol­ge­des­sen muss der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer ein Ver­schul­den für die Ent­ste­hung des Fehl­be­stan­des nach­wei­sen, und die Haf­tung des Ar­beit­neh­mers ist auch dann, wenn dem Ar­beit­ge­ber die­ser Ver­schul­dens­nach­weis ge­lingt, zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers er­heb­lich ein­ge­schränkt. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den Sie un­ter Hand­buch Ar­beits­recht: Haf­tung des Ar­beit­neh­mers und un­ter Hand­buch Ar­beits­recht: All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) - Haf­tungs­be­schränkung und Haf­tungs­verschärfung.

Wo finden Sie mehr zum Thema Arbeitsvertrag und allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) - Mankoabrede?

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen, die Sie im Zu­sam­men­hang mit dem The­ma Ar­beits­ver­trag und all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) - Man­ko­ab­re­de in­ter­es­sie­ren könn­ten, fin­den Sie hier:

Kom­men­ta­re un­se­res An­walts­teams zu ak­tu­el­len Fra­gen rund um das The­ma Ar­beits­ver­trag und all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) - Man­ko­ab­re­de fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 14. Juli 2016

Bewertung: Ar­beits­ver­trag und all­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen (AGB) - Man­ko­ab­re­de 5.0 von 5 Sternen (1 Bewertung)

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Autorenprofil

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880