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Re­form des Mut­ter­schutz­ge­set­zes

Die gro­ße Ko­ali­ti­on will den ge­setz­li­chen Mut­ter­schutz mo­der­ni­sie­ren und ver­ein­heit­li­chen: Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Neu­re­ge­lung des Mut­ter­schutz­rechts, Ge­setz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung, BT Drucks. 18/8963

10.06.2016. Die Gro­ße Ko­ali­ti­on will das Mut­ter­schutz­ge­setz (MuSchG) re­for­mie­ren.

Künf­tig wer­den nicht nur Ar­beit­neh­me­rin­nen, son­dern auch Prak­ti­kan­tin­nen, Schü­le­rin­nen und Stu­den­tin­nen grund­sätz­lich in den ge­setz­li­chen Mut­ter­schutz ein­be­zo­gen.

Au­ßer­dem wer­den die nach­ge­burt­li­chen Schutz­fris­ten bei der Ge­burt ei­nes Kin­des mit Be­hin­de­rung auf zwölf Wo­chen ver­län­gert und der Kün­di­gungs­schutz ver­bes­sert: Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Neu­re­ge­lung des Mut­ter­schutz­rechts, Ge­setz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung, BT Drucks. 18/8963.

Anwendungsbereich des Mutterschutzgesetzes

Nach der bis­her gel­ten­den Ge­set­zes­fas­sung (§ 1 MuSchG) gilt der ge­setz­li­che Mut­ter­schutz nur für Ar­beit­neh­me­rin­nen und Heim­ar­bei­te­rin­nen.

Der Ge­setz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung sieht dem­ge­genüber vor, dass künf­tig al­le Frau­en, die in ei­ner Beschäfti­gung im Sin­ne von § 7 Ab­satz 1 des Vier­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IV) ste­hen, un­ter das Ge­setz fal­len, wo­mit z.B. auch Fremd­geschäftsführe­rin­nen ei­ner GmbH er­fasst sind.

Darüber hin­aus wer­den künf­tig acht wei­te­re Per­so­nen­grup­pen vom An­wen­dungs­be­reich des MuSchG er­fasst, nämlich

  1. Aus­zu­bil­den­de und Prak­ti­kan­tin­nen,
  2. be­hin­der­te Frau­en, die in ei­ner Werk­statt für be­hin­der­te Men­schen beschäftigt sind,
  3. Ent­wick­lungs­hel­fe­rin­nen (für sie gibt es al­ler­dings auch künf­tig kei­ne Lohn­er­satz­leis­tun­gen)
  4. Frau­en, die ein Frei­wil­li­ges So­zia­les Jahr ab­sol­vie­ren,
  5. An­gehöri­ge ei­ner geist­li­chen Ge­nos­sen­schaft, z.B. Dia­ko­nis­sen,
  6. Heim­ar­bei­te­rin­nen,
  7. ar­beit­neh­merähn­li­che Frau­en,
  8. Schüle­rin­nen und Stu­den­tin­nen, so­weit die Aus­bil­dungs­stel­le Ort, Zeit und Ab­lauf der Aus­bil­dungs­ver­an­stal­tung
    ver­pflich­tend vor­gibt oder die ein im Rah­men der schu­li­schen oder hoch­schu­li­schen Aus­bil­dung ver­pflich­tend vor­ge­ge­be­nes Prak­ti­kum ab­leis­ten (für sie gibt es al­ler­dings auch künf­tig kei­nen Kündi­gungs­schutz und kei­ne Lohn­er­satz­leis­tun­gen).

Dem­ent­spre­chend steht die Abkürzung "Mut­ter­schutz­ge­setz" bzw. "MuSchG" künf­tig nicht mehr für "Ge­setz zum Schut­ze der er­werbstäti­gen Mut­ter", son­dern für "Ge­setz zum Schutz von Müttern bei der Ar­beit, in der Aus­bil­dung und im Stu­di­um".

Die Ein­be­zie­hung der Schüle­rin­nen und Stu­den­tin­nen in das MuSchG war zunächst zwi­schen SPD und CDU um­strit­ten, doch konn­te sich hier die SPD durch­set­zen. Um un­ge­woll­te ne­ga­ti­ve Fol­gen ei­nes zwin­gen­den nach­ge­burt­li­chen Tätig­keits­ver­bots (acht Wo­chen) für Stu­den­tin­nen zu ver­hin­dern, enthält § 3 Abs.3 MuSchG neue Fas­sung (n.F.) fol­gen­de Klar­stel­lung:

"Die Aus­bil­dungs­stel­le darf ei­ne Frau im Sin­ne von § 1 Ab­satz 2 Satz 2 Num­mer 8 be­reits in der Schutz­frist nach der Ent­bin­dung im Rah­men der schu­li­schen oder hoch­schu­li­schen Aus­bil­dung tätig wer­den las­sen, wenn die Frau dies aus­drück­lich ge­genüber ih­rer Aus­bil­dungs­stel­le ver­langt. Die Frau kann ih­re Erklärung je­der­zeit mit Wir­kung für die Zu­kunft wi­der­ru­fen."

Da­durch ist si­cher­ge­stellt, dass Stu­den­tin­nen auch künf­tig kurz nach der Ge­burt wich­ti­ge Klau­su­ren mit­schrei­ben dürfen, um nicht durch ei­nen auf­ge­dräng­ten nach­ge­burt­li­chen Mut­ter­schutz Zeit zu ver­lie­ren.

Für Be­am­tin­nen, Sol­da­tin­nen und Rich­te­rin­nen gel­ten wie bis­her ver­gleich­ba­re Schutz­vor­schrif­ten außer­halb des MuSchG.

Gesetzliche Schutzfristen

Die ge­setz­li­chen Schutz­fris­ten von sechs Wo­chen vor der Ent­bin­dung und von acht Wo­chen da­nach wer­den im We­sent­li­chen un­verändert bei­be­hal­ten, al­ler­dings künf­tig in ei­nem ein­heit­li­chen Pa­ra­gra­phen zu­sam­men­ge­fasst (§ 3 MuSchG n.F.).

Über die bis­he­ri­ge Re­ge­lung hin­aus gilt die auf zwölf Wo­chen verlänger­te nach­ge­burt­li­che Schutz­frist nicht mehr nur bei Früh- und Mehr­lings­ge­bur­ten, son­dern auch dann, wenn vor Ab­lauf von acht Wo­chen nach der Ent­bin­dung bei dem Kind ei­ne Be­hin­de­rung im Sin­ne von § 2
Abs.1 Satz 1 Neun­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IX)
ärzt­lich fest­ge­stellt wird.

Kündigungsschutz

Wie nach bis­he­ri­ger Rechts­la­ge ist auch in Zu­kunft die Kündi­gung ei­ner schwan­ge­ren Frau im All­ge­mei­nen un­zulässig, es sei denn, die zuständi­ge Ar­beits­schutz­behörde erklärt im Aus­nah­me­fall ei­ne Kündi­gung vor­ab für zulässig.

Ergänzend zu die­sem Son­derkündi­gungs­schutz zu­guns­ten von Schwan­ge­ren und frisch­ge­ba­cke­nen Müttern gilt künf­tig auch ein Kündi­gungs­ver­bot zu­guns­ten von Frau­en, die ei­ne Fehl­ge­burt nach der zwölf­ten Schwan­ger­schafts­wo­che durch­ge­macht ha­ben. Sie dürfen bis zum Ab­lauf von vier Mo­na­ten nach ei­ner sol­chen Fehl­ge­burt nicht gekündigt wer­den (§ 16 Abs.1 Satz 1 Nr.3 MuSchG n.F.).

Et­was über­ra­schend fällt ein bis­her be­ste­hen­des Son­derkündi­gungs­recht, das zu­guns­ten von Schwan­ge­ren und jun­gen Müttern gilt, künf­tig weg. Nach bis­he­ri­ger Rechts­la­ge (§ 10 Abs.1 MuSchG) kann ei­ne Frau während der Schwan­ger­schaft und während der nach­ge­burt­li­chen Schutz­frist oh­ne Be­ach­tung von Kündi­gungs­fris­ten zum En­de der nach­ge­burt­li­chen Schutz­frist kündi­gen. Die­ses spe­zi­el­le Kündi­gungs­recht hat nach Einschätzung des Ge­setz­ge­bers auf­grund der Möglich­keit, im An­schluss an die Schutz­fris­ten ei­ne El­tern­zeit zu neh­men, kei­ne prak­ti­sche Be­deu­tung mehr.

Arbeitsschutz

Ein wich­ti­ger Be­stand­teil des ge­setz­li­chen Mut­ter­schut­zes sind ar­beits­schutz­recht­li­che Re­ge­lun­gen und Ver­bo­te, z.B. in Be­zug auf Über­stun­den, Nacht­ar­beit, Ar­beit un­ter großer Hit­ze usw.

Die­se Vor­schrif­ten wa­ren bis­lang teil­wei­se im MuSchG ent­hal­ten (und zwar in § 4 MuSchG), teil­wei­se in der Ver­ord­nung zum Schut­ze der Mütter am Ar­beits­platz (MuSch­ArbV), und zwar in §§ 4 und 5 so­wie in zwei An­la­gen zu die­ser Ver­ord­nung.

Die­se Vor­schrif­ten wer­den künf­tig im MuSchG ent­hal­ten sein, nämlich in den §§ 10 und 11 MuSchG n.F.

Ausschuss für Mutterschutz beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

Künf­tig wird es beim Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fa­mi­lie, Se­nio­ren, Frau­en und Ju­gend (BM­FSFJ) ei­nen Aus­schuss für Mut­ter­schutz ge­ben. Ge­setz­li­che Grund­la­ge für sei­ne Ar­beit ist § 27 MuSchG n.F.

In dem höchs­tens 15köpfi­gen Aus­schuss sol­len die Ar­beit­ge­ber, die Aus­bil­dungs­stel­len, die Ge­werk­schaf­ten, die Stu­die­ren­den­ver­tre­tun­gen so­wie Lan­des­behörden und die Wis­sen­schaft ver­tre­ten sein.

Der Aus­schuss soll mögli­che Gefähr­dun­gen von schwan­ge­ren und stil­len­den Frau­en und ih­rem (un­ge­bo­re­nen) Kind nach wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­sen er­mit­teln. Außer­dem soll der Aus­schuss si­cher­heits­tech­ni­sche, ar­beits­me­di­zi­ni­sche und hy­gie­ni­sche Re­geln zum Schutz der schwan­ge­ren und stil­len­den Frau­en am Ar­beits­platz er­stel­len.

Der Ge­setz­ge­ber ver­spricht sich von dem Aus­schuss, dass auf neue­re wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­se in an­ge­mes­se­ner Zeit re­agiert wer­den kann.

Fazit: Sinnvolle Aktualisierung und Ergänzung des gesetzlichen Mutterschutzes

An­ge­sichts des be­reits vor­han­de­nen und im We­sent­li­chen aus­rei­chen­den Schut­zes von Schwan­ge­ren und Frau­en nach der Ent­bin­dung kann es der­zeit nur die Auf­ga­be der Po­li­tik sein, den ge­setz­li­chen Mut­ter­schutz zu ak­tua­li­sie­ren und in ei­ni­gen Punk­ten zu ergänzen.

Das ist mit dem jetzt vor­lie­gen­den Ent­wurf ge­lun­gen. Das be­trifft ins­be­son­de­re die po­li­tisch um­strit­te­ne Ein­be­zie­hung von Schüle­rin­nen und Stu­den­tin­nen. In­dem es § 3 Abs.3 MuSchG neue Fas­sung (n.F.) zulässt, dass Stu­den­tin­nen nach der Ent­bin­dung auf die nach­ge­burt­li­che Schutz­frist ver­zich­ten, ver­hin­dert die ge­plan­ten Neu­re­ge­lung an die­ser Stel­le ei­nen zu star­ren und da­mit im Ein­zel­fall mögli­cher­wei­se kon­tra­pro­duk­ti­ven "Schutz".

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Letzte Überarbeitung: 30. Juni 2016

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