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Re­gie­rung will Flut von Zeit­ver­trä­gen an Unis per Ge­setz ein­däm­men

Hoch­schul­wis­sen­schaft­ler, die sich auch noch mit An­fang 40 von ei­nem Kurz­frist­ver­trag zum nächs­ten han­geln - sol­che Aus­wüch­se soll es nach dem Wil­len der Bun­des­re­gie­rung bald nicht mehr ge­ben. Doch Kri­ti­ker war­nen: Die Ge­set­zes­re­form las­se noch zu vie­le Schlupf­lö­cher

03.09.2015. (dpa) - An den deut­schen Hoch­schu­len sol­len ex­trem kur­ze und dau­er­haf­te Be­fris­tun­gen von Ar­beits­ver­trä­gen bald der Ver­gan­gen­heit an­ge­hö­ren.

Das Bun­des­ka­bi­nett ver­ab­schie­de­te am Mitt­woch ei­nen Ge­setz­ent­wurf, der sol­che Aus­wüch­se ver­hin­dern und Zehn­tau­sen­den jün­ge­ren Do­zen­ten und For­schern ver­läss­li­che­re Kar­rie­re­we­ge er­mög­li­chen soll.

Bun­des­tags-Op­po­si­ti­on und Ge­werk­schaft kri­ti­sier­ten die schwarz-ro­te Re­form als zu lasch.

Die Hoch­schul­ex­per­ten der gro­ßen Ko­ali­ti­on hat­ten sich im Ju­ni auf ei­ne Re­form des um­strit­te­nen Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­set­zes ge­ei­nigt, das nach Ein­schät­zung vie­ler Ex­per­ten zum Miss­brauch an den Unis ein­lädt. Es ge­be "kei­nen sach­li­chen Grund da­für, dass mehr als die Hälf­te der jun­gen Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler bei ih­rem ers­ten Ver­trag kür­zer als ein Jahr an­ge­stellt wer­den", sag­te Bun­des­for­schungs­mi­nis­te­rin Jo­han­na Wan­ka (CDU) am Mitt­woch. "Sol­chen Fehl­ent­wick­lun­gen in der Be­fris­tungs­pra­xis tre­ten wir mit der Re­form ent­ge­gen, oh­ne je­doch die in der Wis­sen­schaft er­for­der­li­che Fle­xi­bi­li­tät und Dy­na­mik zu be­ein­träch­ti­gen."

So soll sich die Lauf­zeit von Ver­trä­gen an Unis und Hoch­schu­len im we­sent­li­chen dar­an ori­en­tie­ren, wie lang ei­ne Pro­mo­ti­on oder ein For­schungs­pro­jekt dau­ert. Mit dem Ge­setz wer­de auch un­ter­bun­den, dass Uni-Dau­er­auf­ga­ben durch be­fris­tet ein­ge­stell­tes Per­so­nal er­le­digt wer­den, das gar kei­ne wis­sen­schaft­li­che Qua­li­fi­zie­rung an­strebt. Zu­sätz­li­che Än­de­run­gen be­tref­fen fa­mi­li­en- und be­hin­der­ten­po­li­ti­sche As­pek­te - bei­spiels­wei­se ver­län­gert sich die Be­fris­tungs­dau­er bei der Be­treu­ung min­der­jäh­ri­ger Kin­der um zwei Jah­re pro Kind.

Die Re­form sei nur ein "Teil des Ge­samt­kon­zep­tes für den wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuchs", be­ton­te Wan­ka. Über ei­ne Initia­ti­ve zur För­de­rung dau­er­haf­ter Kar­rie­re­per­spek­ti­ven in der Wis­sen­schaft ver­han­de­le ihr Mi­nis­te­ri­um der­zeit mit den Bun­des­län­dern. Denn: "Die Ba­lan­ce zwi­schen be­fris­te­ten und un­be­fris­te­ten Stel­len ist nicht mehr in Ord­nung", sag­te die Mi­nis­te­rin der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

Die Ge­werk­schaft Er­zie­hung und Wis­sen­schaft (GEW) sprach sich da­für aus, den Ge­setz­ent­wurf noch­mals zu über­ar­bei­ten. Der stell­ver­tre­ten­de GEW-Vor­sit­zen­de An­dre­as Kel­ler äu­ßer­te ne­ben Zu­stim­mung auch Kri­tik: Die No­vel­le las­se wei­ter­hin "zu vie­le Schlupf­lö­cher für ei­ne Fort­set­zung des Hi­re-and-Fi­re-Prin­zips an Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen". Die Trip­pel­schrit­te der Ko­ali­ti­on führ­ten nicht zu der Re­form, auf die die Wis­sen­schaft­ler war­te­ten. Nach GEW-Zah­len ha­ben der­zeit über 80 Pro­zent der For­scher und Do­zen­ten oft nur kurz­fris­ti­ge Zeit­ver­trä­ge.

Die Lin­ke-Po­li­ti­ke­rin Ro­se­ma­rie Hein kri­ti­sier­te: "Über ei­ne sehr brei­te De­fi­ni­ti­on von "wis­sen­schaft­li­cher Qua­li­fi­zie­rung" schafft die Re­gie­rung auch wei­ter­hin die Mög­lich­keit, dass nicht wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal auf der Grund­la­ge des Ge­set­zes be­fris­tet be­schäf­tigt wer­den kann." Der Grü­nen-Ex­per­te Kai Geh­ring: "Nach zwei Jah­ren Hän­gen und Wür­gen hat das Bun­des­ka­bi­nett ei­ne Mi­ni­mal-No­vel­le (...) auf den Weg ge­bracht. Sie ge­nügt dem kleins­ten ge­mein­sa­men Nen­ner der Ko­ali­ti­on, bringt aber kei­nen struk­tu­rel­len Fort­schritt für ver­läss­li­che Wis­sen­schafts­kar­rie­ren." Da­ge­gen freu­te sich der stell­ver­tre­ten­de SPD-Frak­ti­ons­chef Hu­ber­tus Heil über die Re­form von Schwarz-Rot: "Die Ko­ali­ti­on hält Wort."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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