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Re­gie­rung legt Prio­ri­tät auf schnel­les In­ter­net auf dem Land

Auch Dör­fer und klei­ne Städ­te sol­len end­lich schnel­les In­ter­net er­hal­ten: Das ver­spricht die Bun­des­re­gie­rung. Kri­ti­ker hal­ten ih­re "Di­gi­ta­le Agen­da" für zu spät und zu un­kon­kret - nicht nur beim Geld

21.08.2014. (dpa) - Beim Aus­bau des schnel­len In­ter­nets in Deutsch­land sol­len noch im­mer ab­ge­schnit­te­ne länd­li­che Re­gio­nen Vor­rang be­kom­men.

In­fra­struk­tur­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) sag­te am Mitt­woch bei der Vor­stel­lung der "Di­gi­ta­len Agen­da" der Bun­des­re­gie­rung in Ber­lin, För­der­mit­tel soll­ten als ers­tes in wei­ße Fle­cken in­ves­tiert wer­den.

Auf dem Land lie­ge der Breit­band-Aus­bau­grad bei un­ter 20 Pro­zent, in Städ­ten be­reits bei 80 Pro­zent.

Ziel ist, bis 2018 flä­chen­de­ckend Über­tra­gungs­ge­schwin­dig­kei­ten von 50 Me­ga­bit pro Se­kun­de zu er­rei­chen.

Bun­des­weit sind sol­che schnel­len Zu­gän­ge für 64 Pro­zent der Haus­hal­te ver­füg­bar.

Von Kom­mu­nen, Ver­bän­den und der Op­po­si­ti­on kam Kri­tik.

Die vom Bun­des­ka­bi­nett be­schlos­se­ne "Agen­da" für die Jah­re bis 2017 nennt Vor­ha­ben zur För­de­rung jun­ger IT-Fir­men, zur Ver­bes­se­rung der IT-Si­cher­heit und des Da­ten­schut­zes. Bür­ger sol­len mehr Mög­lich­kei­ten be­kom­men, Be­hör­den­gän­ge elek­tro­nisch zu er­le­di­gen. Sen­si­ble En­er­gie- und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­ze sol­len bes­ser vor Cy­ber­an­grif­fen ge­schützt wer­den. Wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­bri­el (SPD) sag­te, die 36-sei­ti­ge Zu­sam­men­stel­lung sei "kein neu­es Sub­ven­ti­ons­pro­gramm", son­dern sol­le Hand­lungs­fel­der ab­ste­cken. In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) ent­geg­ne­te auf Kri­tik, dass ein sol­ches Kon­zept erst jetzt vor­ge­legt wer­de: "Lie­ber spät als nie."

Zu den Kern­vor­ha­ben ge­hört, schnel­le In­ter­net­ver­bin­dun­gen auch in schwach ver­sorg­te Ge­gen­den zu brin­gen. Für ei­ne vol­le Ab­de­ckung mit 50 Me­ga­bit pro Se­kun­de wä­ren laut Schät­zun­gen In­ves­ti­tio­nen von 20 Mil­li­ar­den Eu­ro nö­tig. Do­brindt ver­wies dar­auf, dass Bau­kos­ten aber durch ei­ne künf­ti­ge Mit­nut­zung lee­rer Roh­re an Au­to­bah­nen oder Gleis­an­la­gen re­du­ziert wer­den könn­ten. Mit Un­ter­neh­men, die sich in ei­ner "Netz­al­li­anz" der Re­gie­rung en­ga­gie­ren, will er bis Ok­to­ber Zah­len zu Aus­bau­zie­len, Kos­ten und Ei­gen­an­tei­len der Fir­men klä­ren.

An der ge­plan­ten Fi­nan­zie­rung wur­den er­neut Zwei­fel laut. Vor­ge­se­hen ist, dass Er­lö­se aus der Ver­stei­ge­rung von Funk­fre­quen­zen im nächs­ten Jahr zu ei­nem gro­ßen Teil wie­der als An­rei­ze in den Breit­band­aus­bau flie­ßen sol­len. Wie viel Geld da­bei her­ein­kommt, ist of­fen. Die SPD brach­te zu­sätz­li­che Mit­tel aus dem Bun­des­haus­halt ins Ge­spräch. Ga­bri­el sag­te, es ge­be in die­sem Zu­sam­men­hang kei­ne De­bat­te über ei­nen mög­li­chen Ver­kauf von An­tei­len des Bun­des an der Te­le­kom.

Der Bun­des­ver­band der Deut­schen In­dus­trie (BDI) nann­te die "Agen­da" ei­nen ers­ten Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung, dem aber kon­kre­te Maß­nah­men fol­gen müss­ten. Der IT-Bran­chen­ver­band Bit­kom for­der­te Fi­nan­zie­rungs­zu­sa­gen zur Breit­band­för­de­rung. "Le­dig­lich am­bi­tio­nier­te Zie­le zu for­mu­lie­ren, reicht nicht aus, um Deutsch­land auf die Gi­ga­bit-Ge­sell­schaft vor­zu­be­rei­ten." Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) kri­ti­sier­te, Ri­si­ken für Ar­beit­neh­mer bei der Di­gi­ta­li­sie­rung der Wirt­schaft sei­en ver­nach­läs­sigt wor­den. Der Land­kreis­tag mo­nier­te, dass die Kom­mu­nen bis­her nicht ein­ge­bun­den wor­den sei­en.

Die Op­po­si­ti­on nann­te die Plä­ne der gro­ßen Ko­ali­ti­on sub­stanz­los. Die Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­ten Ta­bea Röß­ner und Kon­stan­tin von Notz spra­chen von ei­nem "Sam­mel­su­ri­um längst be­kann­ter Po­si­tio­nen". Lin­ke-Po­li­ti­ke­rin Ha­li­na Wa­wzy­ni­ak ver­miss­te un­ter an­de­rem, wie für die rund 900 000 Be­schäf­tig­ten in der IT-Bran­che gu­te Ar­beits­be­din­gun­gen und be­trieb­li­che Mit­be­stim­mung ge­währ­leis­tet wer­den könn­ten. Die drei Mi­nis­ter wie­sen Kri­tik zu­rück. "Es ist nicht un­ser An­spruch, dass wir in der 'Di­gi­ta­len Agen­da' auf al­le Fra­gen be­reits ab­schlie­ßen­de Ant­wor­ten ha­ben", sag­te Ga­bri­el.

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Letzte Überarbeitung: 27. Mai 2016

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