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Re­gie­rung, Wirt­schaft und Ge­werk­schaf­ten be­ra­ten Zu­kunfts­kurs

Die Zei­chen für ei­ne kon­junk­tu­rel­le Ein­trü­bung meh­ren sich: Will die Re­gie­rung trotz­dem mehr Ge­set­ze zum Wohl von Ar­beit­neh­mern ma­chen - oder neue Re­gu­lie­rung ver­mei­den? Stoff für ein neu­es Spit­zen­ge­spräch der Kanz­le­rin mit Wirt­schaft und Ge­werk­schaf­ten

02.09.2014. (dpa) - Un­ter dem Vor­zei­chen ei­ner schwä­che­ren Kon­junk­tur will Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) mit Wirt­schaft und Ge­werk­schaf­ten über die Ab­si­che­rung des öko­no­mi­schen Er­folgs in Deutsch­land be­ra­ten.

Da­zu trifft Mer­kel an die­sem Diens­tag mit Spit­zen­ver­tre­tern von Wirt­schafts­ver­bän­den und Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern zu­sam­men.

Auf der Ta­ges­ord­nung des fünf­ten Ge­sprächs die­ser Art im Gäs­te­haus der Bun­des­re­gie­rung auf Schloss Me­se­berg bei Ber­lin ste­hen un­ter an­de­rem die In­no­va­ti­ons- und In­ves­ti­ti­ons­be­din­gun­gen im Land.

In vie­len deut­schen Un­ter­neh­men brö­ckelt Un­ter­su­chun­gen zu­fol­ge an­ge­sichts von Kri­sen und der schwa­chen Kon­junk­tur in Tei­len Eu­ro­pas die Zu­ver­sicht. Das Brut­to­in­lands­pro­dukt (BIP) sank von April bis En­de Ju­ni 2014 im Ver­gleich zum Vor­quar­tal preis-, sai­son- und ka­len­der­be­rei­nigt be­reits um 0,2 Pro­zent. SPD-Chef und Vi­ze­kanz­ler Sig­mar Ga­bri­el - eben­falls in Me­se­berg da­bei - hat­te sei­ne Par­tei zu­letzt auf ei­nen auch wirt­schafts­freund­li­chen Kurs ein­ge­schwo­ren. "Wir kön­nen nicht nur der Be­triebs­rat der Na­ti­on sein", mahn­te er.

Er­war­tet wird nun, dass bei dem Spit­zen­tref­fen die Spra­che auch auf den Fach­kräf­te­man­gel kommt. Die schwä­che­re Kon­junk­tur­ent­wick­lung mil­der­te den Fach­kräf­te­man­gel zu­letzt et­was ab. Laut Bun­des­agen­tur für Ar­beit gibt es aber Eng­päs­se in Be­rufs­fel­dern wie Ma­schi­nen­bau oder Me­tall- und Elek­tro­tech­nik, bei Ge­sund­heit und Pfle­ge. Laut Dach­ver­band DIHK wird es für Un­ter­neh­men da­bei im­mer schwie­ri­ger, ih­re Aus­bil­dungs­plät­ze mit ge­eig­ne­ten Be­wer­bern zu be­set­zen. Im ver­gan­ge­nen Jahr blie­ben im Be­reich der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mern (IHK) 80 000 Aus­bil­dungs­plät­ze un­be­setzt.

An­ne­lie Bun­ten­bach vom DGB-Vor­stand for­der­te, den Blick nicht nur auf den Nach­wuchs zu len­ken. Die Ar­beit­ge­ber müss­ten sich auch mehr auf die im­mer zahl­rei­che­ren Äl­te­ren ein­stel­len. "Ein gro­ßes Pro­blem ist, dass die Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de die De­mo­gra­fie jah­re­lang als Schreck­ge­spenst miss­braucht ha­ben, um Kos­ten zu sen­ken", sag­te sie der Nach­rich­ten­agen­tur dpa. Wür­den die Ar­beits­be­din­gun­gen nicht an die de­mo­gra­fi­sche Ent­wick­lung an­ge­passt, droh­ten Pro­duk­ti­ons­ein­brü­che und ei­ne Kri­se auf dem Ar­beits­markt. "Und da­für braucht es In­no­va­tio­nen und In­ves­ti­tio­nen."

Nö­tig sei­en Re­for­men für ei­ne Hu­ma­ni­sie­rung der Ar­beit, mehr Mit­ein­an­der von Jung und Alt, von Chef und Mit­ar­bei­ter. Bun­ten­bach: "Ar­beits­plät­ze müs­sen al­tersad­äquat um­ge­baut, Stress ab­ge­baut, Ar­beits­zei­ten auch im In­ter­es­se der Be­schäf­tig­ten fle­xi­bi­li­siert und Le­bens­pha­sen be­rück­sich­tigt wer­den."

Die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de (BDA) hielt sol­chen For­de­run­gen ent­ge­gen, dass die Be­schäf­tig­ten ih­re Si­tua­ti­on po­si­tiv sä­hen. Laut Um­fra­ge der Kran­ken- und Un­fall­ver­si­che­run­gen emp­fän­den et­wa je­weils mehr als 80 Pro­zent ih­re Ar­beit als ab­wechs­lungs­reich und als Quel­le von An­er­ken­nung.

Auch in­fol­ge von Be­mü­hun­gen um hö­he­re Be­schäf­ti­gung Äl­te­rer sei die Er­werbs­tä­ti­gen­quo­te der 55- bis un­ter 65-Jäh­ri­gen zwi­schen 2000 und 2012 von 37,4 auf 61,5 Pro­zent ge­stie­gen. Laut ei­ner Er­he­bung der IG Me­tall hal­ten in­des nur 33 Pro­zent der Be­frag­ten den ei­ge­nen Be­trieb für gut vor­be­rei­tet auf die äl­ter wer­den­de Ge­sell­schaft, mehr als die Hälf­te ist skep­tisch.

Ne­ben den Re­gie­rungs­ver­tre­tern wer­den Spit­zen­leu­te der Wirt­schaft und des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des in Me­se­berg er­war­tet. Kon­kre­te Be­schlüs­se wer­den nicht er­war­tet. Auch die Plä­ne der schwarz-ro­ten Bun­des­re­gie­rung zur Ta­rif­ein­heit in den Be­trie­ben ge­gen die star­ke Stel­lung klei­ner Spar­ten­ge­werk­schaf­ten könn­ten am Ran­de an­ge­spro­chen wer­den. Of­fen ist hier­bei, wie die Re­gie­rung ihr Vor­ha­ben so ge­stal­ten kann, dass das Streik­recht und die Ko­ali­ti­ons­frei­heit der Ar­beit­neh­mer nicht ge­fähr­det sind.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 14. März 2015

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