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14/385a Run auf Ren­te mit 63 - Rund 110 000 An­trä­ge ge­neh­migt

Vie­le lang­jäh­rig Ver­si­cher­te kön­nen seit Som­mer frü­her in Ren­te ge­hen - oh­ne Ab­schlä­ge: Die Mög­lich­keit wird re­ge ge­nutzt. Die Grü­nen ver­lan­gen von der Re­gie­rung Klar­heit über die Mil­li­ar­den­kos­ten

21.11.2014. (dpa) - Die neue ab­schlags­freie Ren­te mit 63 wird stark ge­nutzt und kommt teu­rer als von der Re­gie­rung zu­nächst be­zif­fert.

Von den 163 000 An­trä­gen, die bis En­de Ok­to­ber ge­stellt wur­den, sind bis­her rund 110 000 be­ar­bei­tet und fast aus­nahms­los be­wil­ligt wor­den.

Das be­stä­tig­te am Don­ners­tag ein Spre­cher der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund in Ber­lin, nach­dem zu­nächst die "Rhei­ni­sche Post" dar­über be­rich­tet hat­te.

Nach frü­he­ren An­ga­ben der Ren­ten­ver­si­che­rung kos­tet die Ren­te mit 63 in die­sem Jahr vor­aus­sicht­lich knapp 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro. Die Bun­des­re­gie­rung hat­te in ih­rem Ge­setz­ent­wurf 0,9 Mil­li­ar­den ge­nannt. Auf zu­sätz­li­che Be­las­tun­gen durch die weg­fal­len­den Bei­trä­ge der Früh­rent­ner wies sie da­mals hin, oh­ne die­se aber kon­kret zu be­zif­fern.

Nun wand­te sich das So­zi­al­mi­nis­te­ri­um ge­gen den Ein­druck, dass die Ren­te mit 63 teu­rer sei als im Som­mer an­ge­ge­ben. Die Bei­trags­aus­fäl­le wür­den mitt­ler­wei­le auf rund 250 Mil­lio­nen Eu­ro für 2014 ge­schätzt. Zu­dem sei im Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren ent­schie­den wor­den, dass für die Min­dest­war­te­zeit von 45 Bei­trags­jah­ren für die ab­schlags­freie Früh­ren­te auch Zei­ten der frei­wil­li­gen Ver­si­che­rung zäh­len soll­ten. Da­durch ent­stün­den Mehr­kos­ten von 250 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr. Tat­säch­lich un­er­war­te­te Mehr­kos­ten durch mehr Ren­ten­zu­gän­ge be­lie­fen sich le­dig­lich auf 100 Mil­lio­nen Eu­ro.

Nicht aus­führ­lich dar­ge­legt hat­te die Re­gie­rung in ih­rem Ge­setz­ent­wurf al­ler­dings die Grund­an­nah­men für ih­re Kos­ten­schät­zung. Ge­rech­net wur­de da­mit, dass die Ren­ten­ver­si­che­rung wohl et­wa 240 000 Fäl­le pro Jahr be­ar­bei­ten wer­de. In­so­fern könn­ten die An­trä­ge und be­wil­lig­ten Fäl­le seit Ein­füh­rung der Re­ge­lung im Ju­li als eher hoch be­wer­tet wer­den.

Der Vi­ze-Di­rek­tor des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB) in Nürn­berg, Ul­rich Wal­wei, sag­te der "Rhei­ni­schen Post", da et­wa ein Drit­tel der ge­bur­ten­star­ken Jahr­gän­ge 1950 bis 1963 die Vor­aus­set­zun­gen der ab­schlags­frei­en Früh­ren­te er­fül­le, "könn­ten in den kom­men­den Jah­ren jähr­lich in ei­ner Grö­ßen­zahl von 300 000 bis 450 000 Per­so­nen an­spruchs­be­rech­tigt sein". Die­se Ein­schät­zung wies das Mi­nis­te­ri­um als nicht nach­voll­zieh­bar zu­rück. Dau­er und Kos­ten des mög­li­chen Vor­zie­hens wür­den län­ger­fris­tig wie­der sin­ken.

Der Prä­si­dent der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung, Axel Rei­mann, sag­te erst vor we­ni­gen Ta­gen, die ab­schlags­freie Ren­te mit 63 ver­ur­sa­che ins­ge­samt kei­ne hö­he­ren Be­las­tun­gen für die Ren­ten­kas­se als ge­dacht. "Die Bun­des­re­gie­rung hat­te für den An­fang et­was ge­rin­ge­re Kos­ten vor­aus­ge­sagt und spä­ter et­was mehr, als es die Ren­ten­ver­si­che­rung ver­mu­te­te", sag­te er der "Lau­sit­zer Rund­schau". "Nun scheint sich un­se­re An­nah­me zu be­stä­ti­gen." Für 2030 hat­te die Re­gie­rung Mehr­aus­ga­ben von 3,1 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­nannt, die Ren­ten­ver­si­che­rung ging zu­letzt von 2,75 Mil­li­ar­den Eu­ro aus.

Un­ab­hän­gig da­von be­kräf­tig­te Rei­mann die For­de­rung, dass die ab­schlags­freie Ren­te mit 63 über Steu­ern fi­nan­ziert wer­den soll­te, weil der ver­bes­ser­ten Leis­tung kei­ne Bei­trä­ge ge­gen­über­stün­den.

Der Grü­nen-Ren­ten­ex­per­te Mar­kus Kurth warf der Re­gie­rung vor, nur scheib­chen­wei­se mit den wah­ren Kos­ten der Ren­te ab 63 her­aus­zu­rü­cken. "Selbst für Ein­ge­weih­te ist voll­kom­men un­klar, wie vie­le Per­so­nen lang­fris­tig ab­schlags­frei mit 63 Jah­ren in Ren­te ge­hen und wel­che fi­nan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen das im Ein­zel­nen hat."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 18. August 2015

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