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Ruf nach mehr Mit­ar­bei­ter-Be­tei­li­gung an Un­ter­neh­men

Die Be­tei­li­gung von Mit­ar­bei­tern an Un­ter­neh­men spielt in Deutsch­land kaum ei­ne Rol­le: Ein Hin­der­nis ist die ge­rin­ge steu­er­li­che För­de­rung. Das kri­ti­siert auch Sie­mens-Chef Joe Ka­e­ser

21.11.2015. (dpa) - Ge­werk­schaf­ter und Ar­beit­ge­ber sind sich ei­nig: In Deutsch­land wer­den Be­schäf­tig­te viel zu sel­ten am Ka­pi­tal ih­res Un­ter­neh­mens be­tei­ligt.

Da­bei stär­ke das Mo­ti­va­ti­on und Bin­dung an die Fir­ma.

Auf der Kon­fe­renz "Tag der Teil­ha­be" such­ten sie am Frei­tag in Ber­lin zu­sam­men mit Re­gie­rungs­ver­tre­tern nach We­gen, um das zu än­dern.

Um­strit­ten blieb, ob Un­ter­neh­mens­an­tei­le auch als Bei­trag zur Al­ters­vor­sor­ge von Ar­beit­neh­mern ge­eig­net sind.

Der Vor­sit­zen­de des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des (DGB), Rei­ner Hoff­mann, nann­te das The­ma am­bi­va­lent. Für die Mit­ar­bei­ter kön­ne ei­ne Ka­pi­tal­be­tei­li­gung ein Ve­hi­kel sein, "um lang­fris­tig Ein­fluss auf die Stra­te­gie ei­nes Un­ter­neh­mens zu ge­win­nen". Sie müss­ten aber auch über­le­gen, ob im Zwei­fel nicht ei­ne kräf­ti­ge Lohn­er­hö­hung wert­vol­ler sei als ei­ni­ge Be­leg­schafts­ak­ti­en.

Bei der Ka­pi­tal­be­tei­li­gung von Mit­ar­bei­tern be­fin­de sich Deutsch­land noch in den An­fän­gen, sag­te Wirt­schafts­staats­se­kre­tär Mat­thi­as Mach­nig (SPD). "Wir ha­ben es in den let­zen Jah­ren nicht ge­schafft, das zu ver­brei­ten." Nur zwei Pro­zent der Un­ter­neh­men hät­ten Pro­gram­me für Ka­pi­tal­be­tei­li­gung, zehn Pro­zent bö­ten Er­folgs­be­tei­li­gun­gen an. Le­dig­lich 800 000 Be­schäf­tig­te be­sä­ßen Be­leg­schafts­ak­ti­en. "Die steu­er­li­chen An­rei­ze sind mi­ni­mal", räum­te er ein.

Sie­mens-Chef Joe Ka­e­ser warb für ei­nen hö­he­ren Steu­er­frei­be­trag. Die­ser liegt in Deutsch­land bei 360 Eu­ro pro Jahr und Mit­ar­bei­ter. Der Sie­mens-Ma­na­ger hält ei­nen Frei­be­trag zwi­schen dem Ni­veau von Ita­li­en (2065 Eu­ro) und Groß­bri­tan­ni­en (3500 Eu­ro) für rea­li­sier­bar. Im Ge­gen­zug soll­ten spe­ku­la­ti­ve Ge­schäf­te mit Ak­ti­en und an­de­ren Wert­pa­pie­ren deut­lich hö­her als bis­her be­steu­ert wer­den, sag­te er.

Sie­mens ha­be in­zwi­schen welt­weit 144 000 Mit­ar­bei­ter, die auch Ak­tio­nä­re sei­en. Ih­nen ge­hör­ten fünf Pro­zent der Ge­sell­schaft. Bis 2020 will der Elek­tro­kon­zern mehr als 200 000 Ar­beit­neh­mer als Ak­tio­nä­re ha­ben, wie Ka­e­ser sag­te. Sie­mens plant da­zu die Aus­ga­be von Gra­tis­ak­ti­en aus ei­nem Be­leg­schafts­fonds, den der Kon­zern in den kom­men­den Jah­ren mit 400 Mil­lio­nen Eu­ro fül­len will.

Für klei­ne­re Un­ter­neh­men sieht die Hans-Böck­ler-Stif­tung des DGB noch ei­ni­ge Hür­den für ei­ne Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung. Für sie sei es zu teu­er und zu kom­pli­ziert, ein ent­spre­chen­des Pro­gramm auf­zu­le­gen, sag­te die Öko­no­min Ma­ri­on We­ckes. Es fehl­ten Mo­del­le, auf die Un­ter­neh­men oh­ne viel Auf­wand zu­rück­grei­fen könn­ten. Die ho­hen Kos­ten für ju­ris­ti­sche und steu­er­li­che Be­ra­tung sei­en ab­schre­ckend.

We­ckes er­läu­ter­te, ei­ne Ka­pi­tal­be­tei­li­gung für Be­schäf­tig­te las­se "sich im Prin­zip bei je­der Rechts­form ma­chen". Ent­we­der wer­de der Mit­ar­bei­ter Mit­ei­gen­tü­mer, et­wa über Ak­ti­en, oder Fremd­ka­pi­tal­ge­ber, zum Bei­spiel in­dem er sei­ner Fir­ma ein ver­zins­tes Dar­le­hen gibt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 31. Oktober 2016

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