Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Befristung: Verlängerung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 7 Sa 1275/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 28.09.2010
   
Leit­sätze: 1. Die Ver­ein­ba­rung ei­ner Kündi­gungsmöglich­keit, die im Aus­gangs­ver­trag nicht ent­hal­ten war, ist ei­ne Ver­tragsände­rung, die ei­ner zulässi­gen Verlänge­rung des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG ent­ge­gen­steht.(Rn.20)
2. Al­lein mit der Be­zug­nah­me auf den TVöD wird für die Ar­beits­verträge, die nicht un­ter die Re­ge­lung nach § 30 Abs. 1 Satz 2 TVöD fal­len, nicht schon ei­ne Kündi­gungsmöglich­keit im be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis ver­ein­bart.(Rn.21)
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Cottbus, Urteil vom 27.04.2010, 6 Ca 86/10
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

 

Verkündet

am 28.09.2010

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)

7 Sa 1275/10

6 Ca 86/10
Ar­beits­ge­richt Cott­bus

F., VA als Ur­kunds­be­am­ter/in
der Geschäfts­stel­le


Im Na­men des Vol­kes

 

Ur­teil

In Sa­chen

pp 

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 7. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 28. Sep­tem­ber 2010
durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt R. als Vor­sit­zen­de
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter H. und H.

für Recht er­kannt:

I.
Die Be­ru­fung des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Cott­bus vom 27.04.2010 – 6 Ca 86/10 - wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

II.
Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

- 3 -

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung des zwi­schen ih­nen be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses.

Die Kläge­rin wur­de zunächst auf der Grund­la­ge ei­nes für den Zeit­raum vom 01.02.2008 bis zum 31.12.2008 be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges, für des­sen Ein­zel­hei­ten auf Bl. 9 d. A. Be­zug ge­nom­men wird, bei dem be­klag­ten Amt als Beschäftig­te der all­ge­mei­nen Ver­wal­tung mit ei­ner durch­schnitt­li­chen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 30 St­un­den ein­ge­stellt. Die­ser Ver­trag enthält we­der ei­ne Pro­be­zeit­ver­ein­ba­rung noch ei­ne aus­drück­li­che Ver­ein­ba­rung ei­ner Kündi­gungsmöglich­keit während der Lauf­zeit des Ver­tra­ges. Un­ter § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges wird auf das Ta­rif­recht für den öffent­li­chen Dienst für das Ta­rif­ge­biet Ost Be­zug ge­nom­men.

Un­ter dem Da­tum des 16.12.2008 un­ter­zeich­ne­ten die Par­tei­en ei­nen als „be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag“ ti­tu­lier­ten wei­te­ren Ver­trag (Bl. 10 f. d. A.), wo­nach die Kläge­rin ab dem 01.01.2009 be­fris­tet bis zum 31.12.2009 als Beschäftig­te in der all­ge­mei­nen Ver­wal­tung des Am­tes L./O. ein­ge­stellt wur­de. Auch in die­sem Ar­beits­ver­trag ist un­ter § 4 auf die Ta­rif­verträge des öffent­li­chen Diens­tes für das Ta­rif­ge­biet Ost Be­zug ge­nom­men. § 5 die­ses Ver­tra­ges lau­tet wie folgt:

„Die Pro­be­zeit beträgt für Beschäftig­te (Ar­bei­ter gem. § 35 Abs. 5 TVöD, Beschäftig­te Ta­rif­ge­biet Ost) vier Wo­chen. Während der Pro­be­zeit ist ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung zulässig.

Ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung ist auch nach Ab­lauf der Pro­be­zeit zulässig. Die Kündi­gungs­fris­ten rich­ten sich nach § 34 TVöD.“

Da das be­klag­te Amt das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin nicht über den 31.12.2009 hin­aus fort­ge­setzt hat, wen­det sich die Kläge­rin mit ih­rer am 21.01.2010 beim Ar­beits­ge­richt Cott­bus ein­ge­gan­ge­nen und am 01.02.2010 zu­ge­stell­ten Kla­ge ge­gen die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung.

Das Ar­beits­ge­richt Cott­bus hat mit Ur­teil vom 27.04.2010, auf des­sen Tat­be­stand we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Par­tei­vor­brin­gens Be­zug ge­nom­men wird, fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Be­fris­tung im Ar­beits­ver­trag vom 16.12.2008 nicht auf­gelöst wor­den ist. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, die Be­fris­tung in dem Ar­beits­ver­trag vom 16.12.2008 sei un­wirk­sam, weil sie

 

- 4 -

ge­gen das An­schluss­ver­bot des § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG ver­s­toße. Bei dem Ver­trag vom 16.12.2008 han­de­le es sich nicht um die Verlänge­rung ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges. Ge­genüber dem Aus­gangs­ver­trag vom 30.01.2008 hätten die Par­tei­en geänder­te Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart, nämlich ei­ne Pro­be­zeit von vier Wo­chen, die im Aus­gangs­ver­trag nicht ent­hal­ten ge­we­sen sei.

Ge­gen die­ses dem be­klag­ten Amt am 4. Ju­ni 2010 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich sei­ne Be­ru­fung, die es mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg am 14. Ju­ni 2010 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz ein­ge­legt und mit ei­nem am 26. Ju­li 2010 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet hat.

Das be­klag­te Amt be­ruft sich dar­auf, ei­ne Ände­rung der Ver­trags­be­din­gun­gen sei nicht ver­ein­bart wor­den, weil die Par­tei­en des Ar­beits­ver­tra­ges zu kei­nem Zeit­punkt den Wil­len ge­habt hätten, die Ar­beits­be­din­gun­gen zu ändern. Dies er­ge­be ei­ne Aus­le­gung der Wil­lens­erklärung un­ter Berück­sich­ti­gung des Ge­samt­ver­hal­tens der Par­tei­en. In Erfüllung der ta­rif­ver­trag­li­chen Pflich­ten ha­be das be­klag­te Amt noch vor Ab­lauf der Be­fris­tung das Er­for­der­nis und die Möglich­keit der Verlänge­rung des be­fris­te­ten An­stel­lungs­verhält­nis­ses eru­iert und sich da­bei mit der Kläge­rin in ei­nem ge­mein­sa­men Gespräch am 09.12.2008 darüber ge­ei­nigt, das be­ste­hen­de be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis bis zum 31.12.2009 zu verlängern. An­de­re Ände­run­gen ha­be es in die­sem Ver­trag nicht ge­ge­ben. Ent­spre­chend sei die münd­lich ge­trof­fe­ne Ab­re­de un­ter dem 16.12.2008 in Schrift­form ge­fasst und von bei­den Par­tei­en un­ter­zeich­net wor­den. Von ei­nem neu­en Ver­trag sei zu kei­nem Zeit­punkt die Re­de ge­we­sen. Durch die­se von den Par­tei­en ge­woll­te al­lein zu re­geln­de Be­fris­tungs­dau­er sei der sons­ti­ge Ver­trags­in­halt un­berührt ge­blie­ben.

Das be­klag­te Amt be­an­tragt,

das an­ge­foch­te­ne Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Cott­bus zum Gz. 6 Ca 86/10 ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin und Be­ru­fungs­be­klag­te be­an­trag­te,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin und Be­ru­fungs­be­klag­te be­strei­tet auch in der Be­ru­fungs­in­stanz ein Gespräch über ei­ne Verlänge­rung des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges. Das be­klag­te Amt ha­be ihr

 

- 5 -

- ent­ge­gen der ursprüng­li­chen Zu­sa­ge, sie in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis zu über­neh­men - am 16.12.2008 den Ent­wurf des zwei­ten Ar­beits­ver­tra­ges mit der Bit­te um Un­ter­zeich­nung über­sandt. Bei Prüfung des Ver­tra­ges ha­be sie fest­ge­stellt, dass sich die Ver­trags­be­din­gun­gen geändert und es sich nicht um ei­ne Verlänge­rung ge­han­delt ha­be. Im Hin­blick auf die be­reits seit Jah­ren an­hal­ten­den Bemühun­gen um ih­re Mit­ar­beit im Amt sei sie da­von aus­ge­gan­gen, dass der Über­gang in ei­ne un­be­fris­te­te Tätig­keit auch sei­tens des Be­klag­ten ge­wollt und mögli­cher­wei­se letzt­lich durch ei­nen sol­chen for­ma­len Feh­ler ha­be be­wirkt wer­den sol­len.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des zweit­in­stanz­li­chen Par­tei­vor­brin­gens wird auf den Schrift­satz des be­klag­ten Am­tes vom 23.07.2010 (Bl. 89 - 93 d. A.) so­wie auf den­je­ni­gen der Kläge­rin und Be­ru­fungs­be­klag­ten vom 16.09.2010 (Bl. 115 - 117 d. A.) Be­zug ge­nom­men.

 

Ent­schei­dungs­gründe

1. Die gem. §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1 und 2 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung des be­klag­ten Am­tes ist von ihm frist­gemäß und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO, § 66 Abs. 1 Satz 1 und 2 ArbGG).

Die Be­ru­fung des be­klag­ten Am­tes ist da­her zulässig.

2. Die Be­ru­fung ist in­des in der Sa­che un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht fest­ge­stellt, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund der Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges vom 16.12.2008 zum 31.12.2009 ge­en­det hat. Die­se Be­fris­tung er­weist sich als rechts­un­wirk­sam, weil sie nicht durch ei­nen sach­li­chen Grund im Sin­ne von § 14 Abs. 1 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt war und ei­ner Be­fris­tung oh­ne sach­li­chen Grund nach § 14 Abs. 2 das An­schluss­ver­bot in § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG ent­ge­gen­stand. Mit dem be­klag­ten Amt hat nämlich be­reits zu­vor ein bis zum 31.12.2008 be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­stan­den. Ei­ne Verlänge­rung im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG lag - ent­ge­gen der Auf­fas­sung des be­klag­ten Am­tes - nicht vor.

2.1 Nach § 14 Abs. 2 Satz 1 1. Hs. Tz­B­fG ist die ka­len­dermäßige Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges oh­ne Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des bis zur Dau­er von zwei Jah­ren

 

- 6 -

zulässig. In die­sem zeit­li­chen Rah­men kann das be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis nach § 14 Abs. 2 Satz 1 2. Hs. Tz­B­fG auch bis zu drei­mal verlängert wer­den. Vor­aus­set­zung ei­ner sol­chen Verlänge­rung ist – wor­auf das Ar­beits­ge­richt Cott­bus be­reits un­ter Be­zug­nah­me auf die ein­schlägi­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts hin­ge­wie­sen hat – dass sich die Ver­trags­lauf­zeit des Fol­ge­ver­trags un­mit­tel­bar an die Lauf­zeit des zu verlängern­den Ver­trags an­sch­ließt, die Verlänge­rung noch vor Ab­lauf der Ver­trags­lauf­zeit des zu verlängern­den Ver­trags ver­ein­bart wird und nur die Ver­trags­dau­er un­ter Bei­be­hal­tung der übri­gen Ver­trags­be­din­gun­gen geändert wird An­dern­falls han­delt es sich um den Neu­ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags, des­sen Be­fris­tung oh­ne Sach­grund nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG un­zulässig ist (vgl. z. B. BAG vom 12.08.2009 - 7 AZR 270/08 – n.v; BAG vom 23.08.2006 - 7 AZR 12/06 - AP Nr. 1 zu § 14 Tz­B­fG; BAG 26. Ju­li 2006 - 7 AZR 514/05 - BA­GE 119, 149).

2.2 Un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Grundsätze er­weist sich der hier maßgeb­li­che Ver­trag nicht als Verlänge­rung des ursprüng­lich ab­ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges iSv § 14 Abs. 2 Satz 1 1. Hs. Tz­B­fG. Die Par­tei­en ha­ben über die Verände­rung der Lauf­zeit des Ver­tra­ges hin­aus wei­te­re Ver­tragsände­run­gen vor­ge­nom­men, ins­be­son­de­re in § 5 so­wohl ei­ne Pro­be­zeit als auch ei­ne Kündi­gungsmöglich­keit während der Ver­trags­lauf­zeit ver­ein­bart, die im vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­trag nicht vor­ge­se­hen war.

Der Aus­gangs­ver­trag vom 30.01.2008 war während sei­ner Lauf­zeit nicht künd­bar. Ein vor­zei­ti­ges or­dent­li­ches Kündi­gungs­recht war dort we­der aus­drück­lich ver­ein­bart noch er­gab sich die Ver­ein­ba­rung ei­nes sol­chen Kündi­gungs­rechts aus an­de­ren Re­ge­lun­gen des Ver­tra­ges. Der Ver­trag enthält ins­be­son­de­re kei­ne Pro­be­zeit­ver­ein­ba­rung, in der nach ganz herr­schen­der Mei­nung ei­ne still­schwei­gen­de Ver­ein­ba­rung der ge­setz­li­chen bzw. ta­rif­lich zulässi­gen Min­destkündi­gungs­frist ge­se­hen wird (vgl. BAG vom 4.7.2001 – 2 AZR 88/00 – ZTR 2002, 172 - 173 m. w. N). Ei­ne sol­che Kündi­gungsmöglich­keit er­gab sich auch nicht aus der In­be­zug­nah­me der Ta­rif­verträge des öffent­li­chen Diens­tes. So­weit § 30 Abs. 4 TVöD-V bei be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen oh­ne sach­li­chen Grund ei­ne Pro­be­zeit von sechs Wo­chen mit der Möglich­keit der Kündi­gung mit ei­ner Frist von zwei Wo­chen zum Mo­nats­schluss vor­sieht und § 20 Abs. 5 TVöD nach Ab­lauf der Pro­be­zeit ein Kündi­gungs­recht für sol­che Verträge einräumt, de­ren Ver­trags­dau­er min­des­tens 12 Mo­na­te beträgt, fin­den die­se Re­ge­lun­gen auf das vor­lie­gen­de Ver­trags­verhält­nis, das dem Ta­rif­ge­biet Ost un­terfällt, kei­ne An­wen­dung. Nach § 30 Abs. 1 Satz 2 TVöD gel­ten die­se Re­ge­lun­gen nur für die be­stimm­te Beschäftig­ten des Ta­rif­ge­bie­tes West (vgl. auch Cle­mens/Scheu­ring/St­ein­gen/Wie­se TVÖD § 30 Rz. 381). Al­lein der Um­stand, dass in § 34 TVöD Kündi­gungs­fris­ten ge­re­gelt sind, enthält nicht zu­gleich die Ver­ein­ba­rung ei­nes

 

- 7 -

Kündi­gungs­rechts während der Be­fris­tung (Brei­er/Das­sau/Kie­fer TV-L § 30 Rz. 213). Die Re­ge­lung von Kündi­gungs­fris­ten be­stimmt nur die Dau­er der Kündi­gungs­frist im Fal­le ei­ner nach dem Ver­trag zulässi­gen Kündi­gung, nicht in­des grundsätz­lich die Kündi­gungsmöglich­keit in­ner­halb ei­nes be­fris­te­ten Ver­tra­ges. Dies wird schon durch die Son­der­re­ge­lung in § 30 Abs. 4 und 5 TVöD deut­lich, der es nicht be­durft hätte, wenn be­reits die Be­zug­nah­me auf die Kündi­gungs­fris­ten auch die Möglich­keit ei­nes Kündi­gungs­rechts be­inhal­tet hätte. Oh­ne die Ver­ein­ba­rung ei­nes vor­zei­ti­gen, or­dent­li­chen Kündi­gungs­rechts ist ein be­fris­te­ter Ver­trag vor Ab­lauf sei­ner Lauf­zeit nicht künd­bar (vgl. z. B. BAG vom 04.07.2001 - 2 AZR 88/00 - ZTR 2002, 172 ff.).

Dem­ge­genüber enthält der un­ter dem Da­tum vom 16.12.2008 ab­ge­schlos­se­ne Ar­beits­ver­trag für die Zeit vom 01.01. bis zum 31.12.2009 so­wohl ei­ne Pro­be­zeit als auch aus­drück­lich die Ver­ein­ba­rung ei­ner Kündi­gungsmöglich­keit während des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses. § 5 des Ar­beits­ver­tra­ges er­laubt zum ei­nen die Kündi­gung während der Pro­be­zeit, zum an­de­ren auch die Kündi­gung nach Ab­lauf der Pro­be­zeit. Ei­ne sol­che Kündi­gungsmöglich­keit verändert aber den In­halt des Ver­tra­ges.

Die­se Verände­rung des Ver­trags­in­halts war auch nicht et­wa des­halb unschädlich, weil die Ver­trags­par­tei­en die Ver­trags­be­din­gun­gen an die zum Zeit­punkt der Verlänge­rung gel­ten­de Rechts­la­ge hätten an­pas­sen wol­len (vgl. da­zu BAG vom 12.08.2009 - 7 AZR 270/08 a. a. O.). Der Ta­rif­ver­trag enthält kei­ne zwin­gen­den Be­stim­mun­gen zur Ver­ein­ba­rung ei­nes Kündi­gungs­rechts. Die­se Ver­ein­ba­rung ist auch Ver­trags­in­halt ge­wor­den. Dass die Par­tei­en da­bei ver­se­hent­lich nur die Strei­chung von § 5 un­ter­las­sen hätten, lässt sich ge­ra­de im Hin­blick auf die da­mit ein­geräum­ten Kündi­gungsmöglich­kei­ten während der Lauf­zeit des Ver­tra­ges, die an­sons­ten nicht bestünden, nicht er­ken­nen.

So­weit das be­klag­te Amt meint, die Re­ge­lung in § 5 des Ar­beits­ver­tra­ges sei schon des­halb nicht Ver­trags­in­halt ge­wor­den, weil in dem von ihm be­haup­te­ten Gespräch nur über ei­ne Ver­trags­verlänge­rung nicht aber über Ver­tragsände­run­gen ge­spro­chen wor­den sei, hat das Ar­beits­ge­richt zu Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die maßgeb­li­chen Wil­lens­erklärun­gen der Par­tei­en in dem im An­schluss von ih­nen un­ter­zeich­ne­ten und ab­ge­schlos­sen Ver­trag fest­ge­hal­ten wur­den. Im Hin­blick auf die weit­rei­chen­de Aus­wir­kung von § 5 des Ver­tra­ges wird hier ge­ra­de nicht of­fen­bar, dass die Par­tei­en nur ver­ges­sen ha­ben, die­sen Ver­trags­teil zu strei­chen. Dies mag für die of­fen­sicht­lich un­wirk­sa­me Pro­be­zeit­ver­ein­ba­rung gel­ten, nicht aber für das da­mit ver­ein­bar­te Kündi­gungs­recht, das im vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­trag ge­ra­de

 

- 8 -

nicht be­stan­den hat­te. Im Er­geb­nis mag zu Guns­ten der für das be­klag­te Amt han­deln­den Per­son un­ter­stellt wer­den, dass sie ei­ne (rechts­wirk­sa­me) Verlänge­rung mit dem Ver­trag er­rei­chen woll­ten. Dass ih­nen dies mit dem von ih­nen gewähl­ten Ver­trags­text nicht ge­lin­gen konn­te, wäre dann al­len­falls ein Rechts­fol­ge­irr­tum, der in­des un­be­acht­lich wäre.

3. Ha­ben die Ver­trags­par­tei­en aber im Fol­ge­ver­trag Ände­run­gen der Ver­trags­be­din­gun­gen wie dar­ge­stellt vor­ge­nom­men, liegt ei­ne Verlänge­rung im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Tz­B­fG nicht vor. Die Be­fris­tung im Fol­ge­ver­trag er­weist sich als An­schluss­be­fris­tung un­wirk­sam.

Aus die­sen Gründen war die Be­ru­fung des be­klag­ten Am­tes zurück­zu­wei­sen mit der Fol­ge, dass es die Kos­ten sei­nes er­folg­lo­sen Rechts­mit­tels zu tra­gen hat.

4. Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on kam nicht in Be­tracht, da die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen dafür nicht vor­la­gen.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­se Ent­schei­dung ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

 

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 7 Sa 1275/10  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880