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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Befristung: Verlängerung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 7 Sa 1275/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 28.09.2010
   
Leit­sätze: 1. Die Ver­ein­ba­rung ei­ner Kündi­gungsmöglich­keit, die im Aus­gangs­ver­trag nicht ent­hal­ten war, ist ei­ne Ver­tragsände­rung, die ei­ner zulässi­gen Verlänge­rung des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG ent­ge­gen­steht.(Rn.20)
2. Al­lein mit der Be­zug­nah­me auf den TVöD wird für die Ar­beits­verträge, die nicht un­ter die Re­ge­lung nach § 30 Abs. 1 Satz 2 TVöD fal­len, nicht schon ei­ne Kündi­gungsmöglich­keit im be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis ver­ein­bart.(Rn.21)
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Cottbus, Urteil vom 27.04.2010, 6 Ca 86/10
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

 

Verkündet

am 28.09.2010

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)

7 Sa 1275/10

6 Ca 86/10
Ar­beits­ge­richt Cott­bus

F., VA als Ur­kunds­be­am­ter/in
der Geschäfts­stel­le


Im Na­men des Vol­kes

 

Ur­teil

In Sa­chen

pp 

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 7. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 28. Sep­tem­ber 2010
durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt R. als Vor­sit­zen­de
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter H. und H.

für Recht er­kannt:

I.
Die Be­ru­fung des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Cott­bus vom 27.04.2010 – 6 Ca 86/10 - wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

II.
Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung des zwi­schen ih­nen be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses.

Die Kläge­rin wur­de zunächst auf der Grund­la­ge ei­nes für den Zeit­raum vom 01.02.2008 bis zum 31.12.2008 be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges, für des­sen Ein­zel­hei­ten auf Bl. 9 d. A. Be­zug ge­nom­men wird, bei dem be­klag­ten Amt als Beschäftig­te der all­ge­mei­nen Ver­wal­tung mit ei­ner durch­schnitt­li­chen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 30 St­un­den ein­ge­stellt. Die­ser Ver­trag enthält we­der ei­ne Pro­be­zeit­ver­ein­ba­rung noch ei­ne aus­drück­li­che Ver­ein­ba­rung ei­ner Kündi­gungsmöglich­keit während der Lauf­zeit des Ver­tra­ges. Un­ter § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges wird auf das Ta­rif­recht für den öffent­li­chen Dienst für das Ta­rif­ge­biet Ost Be­zug ge­nom­men.

Un­ter dem Da­tum des 16.12.2008 un­ter­zeich­ne­ten die Par­tei­en ei­nen als „be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag“ ti­tu­lier­ten wei­te­ren Ver­trag (Bl. 10 f. d. A.), wo­nach die Kläge­rin ab dem 01.01.2009 be­fris­tet bis zum 31.12.2009 als Beschäftig­te in der all­ge­mei­nen Ver­wal­tung des Am­tes L./O. ein­ge­stellt wur­de. Auch in die­sem Ar­beits­ver­trag ist un­ter § 4 auf die Ta­rif­verträge des öffent­li­chen Diens­tes für das Ta­rif­ge­biet Ost Be­zug ge­nom­men. § 5 die­ses Ver­tra­ges lau­tet wie folgt:

„Die Pro­be­zeit beträgt für Beschäftig­te (Ar­bei­ter gem. § 35 Abs. 5 TVöD, Beschäftig­te Ta­rif­ge­biet Ost) vier Wo­chen. Während der Pro­be­zeit ist ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung zulässig.

Ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung ist auch nach Ab­lauf der Pro­be­zeit zulässig. Die Kündi­gungs­fris­ten rich­ten sich nach § 34 TVöD.“

Da das be­klag­te Amt das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin nicht über den 31.12.2009 hin­aus fort­ge­setzt hat, wen­det sich die Kläge­rin mit ih­rer am 21.01.2010 beim Ar­beits­ge­richt Cott­bus ein­ge­gan­ge­nen und am 01.02.2010 zu­ge­stell­ten Kla­ge ge­gen die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung.

Das Ar­beits­ge­richt Cott­bus hat mit Ur­teil vom 27.04.2010, auf des­sen Tat­be­stand we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Par­tei­vor­brin­gens Be­zug ge­nom­men wird, fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Be­fris­tung im Ar­beits­ver­trag vom 16.12.2008 nicht auf­gelöst wor­den ist. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, die Be­fris­tung in dem Ar­beits­ver­trag vom 16.12.2008 sei un­wirk­sam, weil sie

 

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ge­gen das An­schluss­ver­bot des § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG ver­s­toße. Bei dem Ver­trag vom 16.12.2008 han­de­le es sich nicht um die Verlänge­rung ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges. Ge­genüber dem Aus­gangs­ver­trag vom 30.01.2008 hätten die Par­tei­en geänder­te Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart, nämlich ei­ne Pro­be­zeit von vier Wo­chen, die im Aus­gangs­ver­trag nicht ent­hal­ten ge­we­sen sei.

Ge­gen die­ses dem be­klag­ten Amt am 4. Ju­ni 2010 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich sei­ne Be­ru­fung, die es mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg am 14. Ju­ni 2010 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz ein­ge­legt und mit ei­nem am 26. Ju­li 2010 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet hat.

Das be­klag­te Amt be­ruft sich dar­auf, ei­ne Ände­rung der Ver­trags­be­din­gun­gen sei nicht ver­ein­bart wor­den, weil die Par­tei­en des Ar­beits­ver­tra­ges zu kei­nem Zeit­punkt den Wil­len ge­habt hätten, die Ar­beits­be­din­gun­gen zu ändern. Dies er­ge­be ei­ne Aus­le­gung der Wil­lens­erklärung un­ter Berück­sich­ti­gung des Ge­samt­ver­hal­tens der Par­tei­en. In Erfüllung der ta­rif­ver­trag­li­chen Pflich­ten ha­be das be­klag­te Amt noch vor Ab­lauf der Be­fris­tung das Er­for­der­nis und die Möglich­keit der Verlänge­rung des be­fris­te­ten An­stel­lungs­verhält­nis­ses eru­iert und sich da­bei mit der Kläge­rin in ei­nem ge­mein­sa­men Gespräch am 09.12.2008 darüber ge­ei­nigt, das be­ste­hen­de be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis bis zum 31.12.2009 zu verlängern. An­de­re Ände­run­gen ha­be es in die­sem Ver­trag nicht ge­ge­ben. Ent­spre­chend sei die münd­lich ge­trof­fe­ne Ab­re­de un­ter dem 16.12.2008 in Schrift­form ge­fasst und von bei­den Par­tei­en un­ter­zeich­net wor­den. Von ei­nem neu­en Ver­trag sei zu kei­nem Zeit­punkt die Re­de ge­we­sen. Durch die­se von den Par­tei­en ge­woll­te al­lein zu re­geln­de Be­fris­tungs­dau­er sei der sons­ti­ge Ver­trags­in­halt un­berührt ge­blie­ben.

Das be­klag­te Amt be­an­tragt,

das an­ge­foch­te­ne Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Cott­bus zum Gz. 6 Ca 86/10 ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin und Be­ru­fungs­be­klag­te be­an­trag­te,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin und Be­ru­fungs­be­klag­te be­strei­tet auch in der Be­ru­fungs­in­stanz ein Gespräch über ei­ne Verlänge­rung des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges. Das be­klag­te Amt ha­be ihr

 

- 5 -

- ent­ge­gen der ursprüng­li­chen Zu­sa­ge, sie in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis zu über­neh­men - am 16.12.2008 den Ent­wurf des zwei­ten Ar­beits­ver­tra­ges mit der Bit­te um Un­ter­zeich­nung über­sandt. Bei Prüfung des Ver­tra­ges ha­be sie fest­ge­stellt, dass sich die Ver­trags­be­din­gun­gen geändert und es sich nicht um ei­ne Verlänge­rung ge­han­delt ha­be. Im Hin­blick auf die be­reits seit Jah­ren an­hal­ten­den Bemühun­gen um ih­re Mit­ar­beit im Amt sei sie da­von aus­ge­gan­gen, dass der Über­gang in ei­ne un­be­fris­te­te Tätig­keit auch sei­tens des Be­klag­ten ge­wollt und mögli­cher­wei­se letzt­lich durch ei­nen sol­chen for­ma­len Feh­ler ha­be be­wirkt wer­den sol­len.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des zweit­in­stanz­li­chen Par­tei­vor­brin­gens wird auf den Schrift­satz des be­klag­ten Am­tes vom 23.07.2010 (Bl. 89 - 93 d. A.) so­wie auf den­je­ni­gen der Kläge­rin und Be­ru­fungs­be­klag­ten vom 16.09.2010 (Bl. 115 - 117 d. A.) Be­zug ge­nom­men.

 

Ent­schei­dungs­gründe

1. Die gem. §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1 und 2 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung des be­klag­ten Am­tes ist von ihm frist­gemäß und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO, § 66 Abs. 1 Satz 1 und 2 ArbGG).

Die Be­ru­fung des be­klag­ten Am­tes ist da­her zulässig.

2. Die Be­ru­fung ist in­des in der Sa­che un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht fest­ge­stellt, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund der Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges vom 16.12.2008 zum 31.12.2009 ge­en­det hat. Die­se Be­fris­tung er­weist sich als rechts­un­wirk­sam, weil sie nicht durch ei­nen sach­li­chen Grund im Sin­ne von § 14 Abs. 1 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt war und ei­ner Be­fris­tung oh­ne sach­li­chen Grund nach § 14 Abs. 2 das An­schluss­ver­bot in § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG ent­ge­gen­stand. Mit dem be­klag­ten Amt hat nämlich be­reits zu­vor ein bis zum 31.12.2008 be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­stan­den. Ei­ne Verlänge­rung im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG lag - ent­ge­gen der Auf­fas­sung des be­klag­ten Am­tes - nicht vor.

2.1 Nach § 14 Abs. 2 Satz 1 1. Hs. Tz­B­fG ist die ka­len­dermäßige Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges oh­ne Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des bis zur Dau­er von zwei Jah­ren

 

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zulässig. In die­sem zeit­li­chen Rah­men kann das be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis nach § 14 Abs. 2 Satz 1 2. Hs. Tz­B­fG auch bis zu drei­mal verlängert wer­den. Vor­aus­set­zung ei­ner sol­chen Verlänge­rung ist – wor­auf das Ar­beits­ge­richt Cott­bus be­reits un­ter Be­zug­nah­me auf die ein­schlägi­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts hin­ge­wie­sen hat – dass sich die Ver­trags­lauf­zeit des Fol­ge­ver­trags un­mit­tel­bar an die Lauf­zeit des zu verlängern­den Ver­trags an­sch­ließt, die Verlänge­rung noch vor Ab­lauf der Ver­trags­lauf­zeit des zu verlängern­den Ver­trags ver­ein­bart wird und nur die Ver­trags­dau­er un­ter Bei­be­hal­tung der übri­gen Ver­trags­be­din­gun­gen geändert wird An­dern­falls han­delt es sich um den Neu­ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags, des­sen Be­fris­tung oh­ne Sach­grund nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG un­zulässig ist (vgl. z. B. BAG vom 12.08.2009 - 7 AZR 270/08 – n.v; BAG vom 23.08.2006 - 7 AZR 12/06 - AP Nr. 1 zu § 14 Tz­B­fG; BAG 26. Ju­li 2006 - 7 AZR 514/05 - BA­GE 119, 149).

2.2 Un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Grundsätze er­weist sich der hier maßgeb­li­che Ver­trag nicht als Verlänge­rung des ursprüng­lich ab­ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges iSv § 14 Abs. 2 Satz 1 1. Hs. Tz­B­fG. Die Par­tei­en ha­ben über die Verände­rung der Lauf­zeit des Ver­tra­ges hin­aus wei­te­re Ver­tragsände­run­gen vor­ge­nom­men, ins­be­son­de­re in § 5 so­wohl ei­ne Pro­be­zeit als auch ei­ne Kündi­gungsmöglich­keit während der Ver­trags­lauf­zeit ver­ein­bart, die im vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­trag nicht vor­ge­se­hen war.

Der Aus­gangs­ver­trag vom 30.01.2008 war während sei­ner Lauf­zeit nicht künd­bar. Ein vor­zei­ti­ges or­dent­li­ches Kündi­gungs­recht war dort we­der aus­drück­lich ver­ein­bart noch er­gab sich die Ver­ein­ba­rung ei­nes sol­chen Kündi­gungs­rechts aus an­de­ren Re­ge­lun­gen des Ver­tra­ges. Der Ver­trag enthält ins­be­son­de­re kei­ne Pro­be­zeit­ver­ein­ba­rung, in der nach ganz herr­schen­der Mei­nung ei­ne still­schwei­gen­de Ver­ein­ba­rung der ge­setz­li­chen bzw. ta­rif­lich zulässi­gen Min­destkündi­gungs­frist ge­se­hen wird (vgl. BAG vom 4.7.2001 – 2 AZR 88/00 – ZTR 2002, 172 - 173 m. w. N). Ei­ne sol­che Kündi­gungsmöglich­keit er­gab sich auch nicht aus der In­be­zug­nah­me der Ta­rif­verträge des öffent­li­chen Diens­tes. So­weit § 30 Abs. 4 TVöD-V bei be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen oh­ne sach­li­chen Grund ei­ne Pro­be­zeit von sechs Wo­chen mit der Möglich­keit der Kündi­gung mit ei­ner Frist von zwei Wo­chen zum Mo­nats­schluss vor­sieht und § 20 Abs. 5 TVöD nach Ab­lauf der Pro­be­zeit ein Kündi­gungs­recht für sol­che Verträge einräumt, de­ren Ver­trags­dau­er min­des­tens 12 Mo­na­te beträgt, fin­den die­se Re­ge­lun­gen auf das vor­lie­gen­de Ver­trags­verhält­nis, das dem Ta­rif­ge­biet Ost un­terfällt, kei­ne An­wen­dung. Nach § 30 Abs. 1 Satz 2 TVöD gel­ten die­se Re­ge­lun­gen nur für die be­stimm­te Beschäftig­ten des Ta­rif­ge­bie­tes West (vgl. auch Cle­mens/Scheu­ring/St­ein­gen/Wie­se TVÖD § 30 Rz. 381). Al­lein der Um­stand, dass in § 34 TVöD Kündi­gungs­fris­ten ge­re­gelt sind, enthält nicht zu­gleich die Ver­ein­ba­rung ei­nes

 

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Kündi­gungs­rechts während der Be­fris­tung (Brei­er/Das­sau/Kie­fer TV-L § 30 Rz. 213). Die Re­ge­lung von Kündi­gungs­fris­ten be­stimmt nur die Dau­er der Kündi­gungs­frist im Fal­le ei­ner nach dem Ver­trag zulässi­gen Kündi­gung, nicht in­des grundsätz­lich die Kündi­gungsmöglich­keit in­ner­halb ei­nes be­fris­te­ten Ver­tra­ges. Dies wird schon durch die Son­der­re­ge­lung in § 30 Abs. 4 und 5 TVöD deut­lich, der es nicht be­durft hätte, wenn be­reits die Be­zug­nah­me auf die Kündi­gungs­fris­ten auch die Möglich­keit ei­nes Kündi­gungs­rechts be­inhal­tet hätte. Oh­ne die Ver­ein­ba­rung ei­nes vor­zei­ti­gen, or­dent­li­chen Kündi­gungs­rechts ist ein be­fris­te­ter Ver­trag vor Ab­lauf sei­ner Lauf­zeit nicht künd­bar (vgl. z. B. BAG vom 04.07.2001 - 2 AZR 88/00 - ZTR 2002, 172 ff.).

Dem­ge­genüber enthält der un­ter dem Da­tum vom 16.12.2008 ab­ge­schlos­se­ne Ar­beits­ver­trag für die Zeit vom 01.01. bis zum 31.12.2009 so­wohl ei­ne Pro­be­zeit als auch aus­drück­lich die Ver­ein­ba­rung ei­ner Kündi­gungsmöglich­keit während des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses. § 5 des Ar­beits­ver­tra­ges er­laubt zum ei­nen die Kündi­gung während der Pro­be­zeit, zum an­de­ren auch die Kündi­gung nach Ab­lauf der Pro­be­zeit. Ei­ne sol­che Kündi­gungsmöglich­keit verändert aber den In­halt des Ver­tra­ges.

Die­se Verände­rung des Ver­trags­in­halts war auch nicht et­wa des­halb unschädlich, weil die Ver­trags­par­tei­en die Ver­trags­be­din­gun­gen an die zum Zeit­punkt der Verlänge­rung gel­ten­de Rechts­la­ge hätten an­pas­sen wol­len (vgl. da­zu BAG vom 12.08.2009 - 7 AZR 270/08 a. a. O.). Der Ta­rif­ver­trag enthält kei­ne zwin­gen­den Be­stim­mun­gen zur Ver­ein­ba­rung ei­nes Kündi­gungs­rechts. Die­se Ver­ein­ba­rung ist auch Ver­trags­in­halt ge­wor­den. Dass die Par­tei­en da­bei ver­se­hent­lich nur die Strei­chung von § 5 un­ter­las­sen hätten, lässt sich ge­ra­de im Hin­blick auf die da­mit ein­geräum­ten Kündi­gungsmöglich­kei­ten während der Lauf­zeit des Ver­tra­ges, die an­sons­ten nicht bestünden, nicht er­ken­nen.

So­weit das be­klag­te Amt meint, die Re­ge­lung in § 5 des Ar­beits­ver­tra­ges sei schon des­halb nicht Ver­trags­in­halt ge­wor­den, weil in dem von ihm be­haup­te­ten Gespräch nur über ei­ne Ver­trags­verlänge­rung nicht aber über Ver­tragsände­run­gen ge­spro­chen wor­den sei, hat das Ar­beits­ge­richt zu Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die maßgeb­li­chen Wil­lens­erklärun­gen der Par­tei­en in dem im An­schluss von ih­nen un­ter­zeich­ne­ten und ab­ge­schlos­sen Ver­trag fest­ge­hal­ten wur­den. Im Hin­blick auf die weit­rei­chen­de Aus­wir­kung von § 5 des Ver­tra­ges wird hier ge­ra­de nicht of­fen­bar, dass die Par­tei­en nur ver­ges­sen ha­ben, die­sen Ver­trags­teil zu strei­chen. Dies mag für die of­fen­sicht­lich un­wirk­sa­me Pro­be­zeit­ver­ein­ba­rung gel­ten, nicht aber für das da­mit ver­ein­bar­te Kündi­gungs­recht, das im vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­trag ge­ra­de

 

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nicht be­stan­den hat­te. Im Er­geb­nis mag zu Guns­ten der für das be­klag­te Amt han­deln­den Per­son un­ter­stellt wer­den, dass sie ei­ne (rechts­wirk­sa­me) Verlänge­rung mit dem Ver­trag er­rei­chen woll­ten. Dass ih­nen dies mit dem von ih­nen gewähl­ten Ver­trags­text nicht ge­lin­gen konn­te, wäre dann al­len­falls ein Rechts­fol­ge­irr­tum, der in­des un­be­acht­lich wäre.

3. Ha­ben die Ver­trags­par­tei­en aber im Fol­ge­ver­trag Ände­run­gen der Ver­trags­be­din­gun­gen wie dar­ge­stellt vor­ge­nom­men, liegt ei­ne Verlänge­rung im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Tz­B­fG nicht vor. Die Be­fris­tung im Fol­ge­ver­trag er­weist sich als An­schluss­be­fris­tung un­wirk­sam.

Aus die­sen Gründen war die Be­ru­fung des be­klag­ten Am­tes zurück­zu­wei­sen mit der Fol­ge, dass es die Kos­ten sei­nes er­folg­lo­sen Rechts­mit­tels zu tra­gen hat.

4. Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on kam nicht in Be­tracht, da die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen dafür nicht vor­la­gen.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­se Ent­schei­dung ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

 

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