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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Schadensersatz, Mobbing
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 11 Sa 722/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 19.01.2012
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Dortmund, Urteil vom 13.01.2010, 10 Ca 584/09
   

11 Sa 722/10

10 Ca 584/09 ArbG Dort­mund 

 

Verkündet am 19.01.2012:

Hof­mann
als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In Sa­chen

hat die 11. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 18.11.2011
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Lim­berg
so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Hoff­mei­er und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Bött­ger

für Recht er­kannt:

Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des ArbG Dort­mund vom 13.01.2010 – 10 Ca 584/09 – wird auf Kos­ten des Klägers zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

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Tat­be­stand

Der Kläger be­gehrt Scha­dens­er­satz mit der Be­gründung, der Be­klag­te ha­be ihn ab et­wa dem Jah­res­wech­sel von 2001 auf 2002 wie­der­holt und häufig un­an­ge­mes­sen be­han­delt (Mob­bing) und schul­de des­halb Scha­dens­er­satz für nach­fol­gen­de Zei­ten krank­heits­be­ding­ter Ar­beits­unfähig­keit.

Der am 11.04.1950 ge­bo­re­ne Kläger ist seit dem 15.08.1987 im St. M3-Hos­pi­tal in L1 beschäftigt. Zum 01.12.1990 wur­de der Kläger Ober­arzt und zum 01.07.1992 Ers­ter Ober­arzt. Nach Aus­schei­den des da­ma­li­gen Chef­arz­tes Dr. T1 wur­de dem Kläger An­fang 2001 die kom­mis­sa­ri­sche Lei­tung der Neu­ro­chir­ur­gi­schen Kli­nik über­tra­gen. Der Kläger be­warb sich für die Chef­arzt­stel­le. Die Be­wer­bung hat­te kei­nen Er­folg. Als Ers­ter Ober­arzt be­zog der Kläger zu­letzt im Jahr 2003 ei­ne Ge­samt­vergütung von 114.972,41 € (Lohn­steu­er­be­schei­ni­gung 2003, Bl. 246 GA).

Ab dem 01.10.2001 wur­de der Be­klag­te als ex­ter­ner Be­wer­ber als Chef­arzt ein­ge­stellt. Der Kläger macht gel­tend, er sei ab An­fang 2002 von dem Be­klag­ten un­an­ge­mes­sen be­han­delt wor­den, er sei sys­te­ma­tisch de­gra­diert und schi­ka­niert wor­den. Im März 2003 er­hob der Kläger ers­te Mob­bing­vorwürfe ge­gen den Be­klag­ten und schal­te­te im Som­mer 2003 ei­nen Rechts­an­walt ein. Auf das Schrei­ben der Rechts­anwälte K1 und M1 an das St.-M3-Hos­pi­tal L1 vom 18.06.2003 wird Be­zug ge­nom­men (An­la­ge B 1, Bl. 410 b – 410 f GA). Die Ar­beit­ge­be­rin führ­te Gespräche mit den Par­tei­en die­ses Rechts­streits und an­de­ren Ärz­ten und Mit­ar­bei­tern der neu­ro­chir­ur­gi­schen Kli­nik und ver­such­te durch die Be­auf­tra­gung ei­nes ex­ter­nen Ver­mitt­lers Strei­tig­kei­ten zwi­schen dem Kläger und dem Be­klag­ten zu schlich­ten. Ab dem 13.11.2003 war der Kläger ar­beits­unfähig er­krankt. Er be­gab sich in sta­ti­onäre psych­ia­tri­sche Be­hand­lung. Nach dem 11.02.2004 er­folg­te die Be­hand­lung am­bu­lant. Am 07.05.2004 nahm der Kläger sei­ne Tätig­keit wie­der auf. Vom 19.05.2004 bis zum 17.06.2004 ar­bei­te­te der Kläger krank­heits­be­dingt nicht. Nach ei­nem Ur­laub nahm der Kläger am 20.07.2004 sei­ne Ar­beit wie­der auf. Im

 

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Ok­to­ber 2004 wur­de der Kläger er­neut krank­ge­schrie­ben und war fort­an durch­ge­hend bis Mit­te Ok­to­ber 2008 ar­beits­unfähig er­krankt. Das St. M3-Hos­pi­tal zahl­te im ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Um­fang Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall. Der Kläger be­zif­fert sei­ne vom Kran­ken­haus tatsächlich be­zo­ge­nen Jah­res­einkünf­te des Jah­res 2004 mit 52.750,00 € und des Jah­res 2005 mit 3.236,00 €. In den Jah­ren 2006 und 2007 und bis Mit­te Ok­to­ber 2008 ha­be er kein Ent­gelt vom Kran­ken­haus er­hal­ten. Während der Ar­beits­unfähig­keit er­hielt der Kläger Leis­tun­gen aus ei­ner von ihm ab­ge­schlos­se­nen Kran­ken­ta­ge­geld­ver­si­che­rung.

Der Kläger hat­te zunächst ge­gen die Ar­beit­ge­be­rin, das St. M3-Hos­pi­tal L1, Kla­ge er­ho­ben mit dem An­trag, die Ar­beit­ge­be­rin zu ver­ur­tei­len, den Be­klag­ten zu ent­las­sen und hilfs­wei­se ihm - dem Kläger - ei­nen auch hin­sicht­lich der Vergütung gleich­wer­ti­gen Ar­beits­platz an­zu­bie­ten, an dem ei­ne Wei­sungs­ge­bun­den­heit ge­genüber dem Be­klag­ten nicht be­ste­he. Darüber hin­aus hat er Schmer­zens­geld von der Ar­beit­ge­be­rin ge­for­dert. Die Kla­ge ist in ers­ter In­stanz ab­ge­wie­sen wor­den Die Be­ru­fung ist vom LAG Hamm zunächst zurück­ge­wie­sen wor­den (Urt. 06.03.06 - 16 Sa 76/05 -). Ei­ne Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Chef­arzt - dem jet­zi­gen Be­klag­ten – könne der Kläger nicht ver­lan­gen. Wenn auch da­von aus­zu­ge­hen sei, dass das Ver­hal­ten des Chef­arz­tes – des hie­si­gen Be­klag­ten – dem Kläger ge­genüber mehr­mals durch nicht aus­rei­chen­den Re­spekt und un­zu­rei­chen­de Rück­sicht­nah­me ge­kenn­zeich­net ge­we­sen sei und der Kläger des­halb im No­vem­ber 2003 er­krankt sei, ste­he dem Kläger ein Schmer­zens­geld­an­spruch nicht zu. Ei­ne Haf­tung des Chef­arz­tes – des jet­zi­gen Be­klag­ten – und da­mit der Ar­beit­ge­be­rin, die sich des Chef­arz­tes als ih­res Erfüllungs­hil­fen be­dient ha­be, schei­te­re dar­an, dass den Chef­arzt - den jet­zi­gen Be­klag­ten – kein Ver­schul­den an der Ge­sund­heitsschädi­gung des Klägers tref­fe. Es sei für ihn nicht er­kenn­bar ge­we­sen, dass durch sein Ver­hal­ten die Krank­heit des Klägers aus­gelöst wer­de. Er ha­be nicht da­mit rech­nen müssen, dass der Kläger auf­grund der Aus­ein­an­der­set­zung, die die­ser sei­ner­seits eben­falls nicht ge­scheut ha­be, „ in die Knie ge­hen wer­de". Ab dem Zeit­punkt, ab dem der Chef­arzt von der psy­chi­schen Er­kran­kung des Klägers auf­grund der be­ruf­li­chen Si­tua­ti­on Kennt­nis ge­habt ha­be und ab dem des­halb ei­ne be­son­de­re Rück­sicht­nah­me ge­genüber dem Kläger ge­bo­ten ge­we­sen sei, sei­en Hand­lun­gen des Chef­arz­tes, die den Rechts­kreis des Klägers ver­letzt hätten, nicht mehr fest­zu­stel­len. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 25.10.2007 – 8 AZR

 

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593/06 – das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf­ge­ho­ben und aus­geführt, dass der Kläger zwar ent­spre­chend den Ausführun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts kei­nen An­spruch dar­auf ha­be, dass dem Chef­arzt – dem jet­zi­gen Be­klag­ten – gekündigt wer­de und die Ar­beit­ge­be­rin ihm auch nicht in zu­mut­ba­rer Wei­se ei­nen an­de­ren ent­spre­chen­den Ar­beits­platz zur Verfügung stel­len könne. Der Rechts­streit sei je­doch an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen, so­weit das Lan­des­ar­beits­ge­richt die vom Kläger gel­tend ge­mach­ten Zah­lungs­ansprüche mit der Be­gründung zurück­ge­wie­sen ha­be, dass den Chef­arzt kein Ver­schul­den an der Ge­sund­heitsschädi­gung tref­fe, da für ihn nicht er­kenn­bar ge­we­sen sei, dass durch sein ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten die Krank­heit des Klägers aus­gelöst wer­de. Der Kläger hat sich dann mit der Ar­beit­ge­be­rin über die Kon­di­tio­nen ei­ner an­der­wei­ti­gen Wei­ter­beschäfti­gung ge­ei­nigt und ist seit­dem im me­di­zi­ni­schen Con­trol­ling tätig. Der Rechts­streit ge­gen das Kran­ken­haus ist schließlich hin­sicht­lich der er­ho­be­nen Zah­lungs­ansprüche durch Ab­schluss ei­nes Ver­gleichs be­en­det wor­den.

Mit der hier vor­lie­gen­den bei dem Ar­beits­ge­richt am 27.12.2007 ein­ge­reich­ten Kla­ge hat der Kläger von dem Be­klag­ten zunächst Scha­dens­er­satz in Höhe ei­nes Be­tra­ges von 403.902,00 € ver­langt und die Fest­stel­lung be­gehrt, dass der Be­klag­te ver­pflich­tet sei, ihm al­le ma­te­ri­el­len und im­ma­te­ri­el­len Schäden zu er­set­zen, die ihm aus der seit dem 19.05.2004 ein­ge­tre­te­nen Ar­beits­unfähig­keit durch sei­ne vom Be­klag­ten ver­ur­sach­te psy­chi­sche Er­kran­kung ent­stan­den sei­en bzw. noch ent­ste­hen würden, so­weit der An­spruch nicht auf ei­nen So­zi­al­ver­si­che­rungs­träger oder ei­nen Drit­ten über­ge­gan­gen sei und fest­zu­stel­len, dass der Be­klag­te aus un­er­laub­ter Hand­lung haf­te. Mit Schrift­satz vom 31.07.2009 hat der Kläger die Kla­ge er­wei­tert und als Er­satz für Ver­dienst­ausfälle von Ja­nu­ar bis Sep­tem­ber und hälf­tig für Ok­to­ber 2008 wei­te­re 91.019,79 € ein­ge­klagt (9 Mo­na­te x 9.581,03 € zzgl. 4.790,52 €).

Der Kläger hat sich im We­sent­li­chen auf die von ihm be­reits in dem Rechts­streit ge­gen sei­ne Ar­beit­ge­be­rin vor­ge­tra­ge­nen Be­haup­tun­gen gestützt so­wie auf ei­ne Be­schei­ni­gung des Dipl.-Psy­cho­lo­gen S1 und ein psych­ia­tri­sches Gut­ach­ten des Arz­tes für Psych­ia­trie A. W1, das vom Lan­des­ar­beits­ge­richt in dem vor­an­ge­gan­ge­nen Rechts­streit ge­gen die Ar­beit­ge­be­rin ein­ge­holt wor­den ist, so­wie auf wei­te­re Gut­ach­ten, die von sei­ner pri­va­ten Kran­ken­ta­ge­geld­ver­si­che­rung in

 

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Auf­trag ge­ge­ben wor­den wa­ren (s.u.). Nach Wie­der­auf­nah­me der Ar­beit am 07.05.2004 ha­be er sei­ne Tätig­keit am 19.05.2004 wie­der ein­stel­len müssen, da er er­neut durch wei­te­re Überg­rif­fe des Be­klag­ten mas­siv er­krankt sei und ar­beits­unfähig ge­wor­den sei. In­fol­ge der Überg­rif­fe sei ein Vermögens­scha­den auf sei­ner Sei­te ein­ge­tre­ten, der sich zunächst aus der vom Ar­beit­ge­ber nicht ge­zahl­ten Vergütung ab ein­sch­ließlich Ju­li 2004 er­ge­be. Während im Jah­re 2003 laut Lohn­steu­er­be­schei­ni­gung (Bl. 264 GA) sei­ne Jah­res­ge­samt­b­rut­to­vergütung noch 114.972,41 € be­tra­gen ha­be, ha­be er im Jah­re 2004 nur noch 52.750,00 €, im Jah­re 2005 nur noch 3.236,00 € ver­dient und in den Jah­ren 2006 und 2007 kei­ne Einkünf­te aus nicht­selbstständi­ger Tätig­keit er­hal­ten. Dar­aus er­ge­be sich der ein­ge­klag­te be­zif­fer­te Be­trag. Die Beiträge zur Ren­ten­ver­si­che­rung ha­be er in die­ser Zeit di­rekt be­zahlt. Zwar be­ste­he die Kran­ken­ta­ge­geld­ver­si­che­rung, die­se ste­he je­doch sei­nem An­spruch nicht ent­ge­gen, da es sich nicht um ei­ne Scha­dens- son­dern um ei­ne so­ge­nann­te Sum­men­ver­si­che­rung han­de­le. In­fol­ge des­sen sei sein Kla­ge­an­spruch we­der über­ge­gan­gen noch sei die Ver­si­che­rungs­leis­tung auf den Kla­ge­an­spruch an­zu­rech­nen. Nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung kom­me das Be­ste­hen ei­ner der­ar­ti­gen Ver­si­che­rung nicht dem Schädi­ger zu Gu­te.

Der Kläger hat zur Be­gründung sei­ner Kla­ge 29 Vorfälle ge­schil­dert und hier­zu im Ein­zel­nen be­haup­tet:

1. Be­reits En­de Ja­nu­ar/An­fang Fe­bru­ar 2002 ha­be er sei­nen Jah­res­ur­laub für die Zeit vom 09.08.2002 bis zum 30.08.202 an­ge­mel­det ge­habt. Sein Ur­laubs­wunsch sei von dem Be­klag­ten ak­zep­tiert wor­den. Er ha­be ei­nen Pau­schal­ur­laub in der Türkei ge­bucht. Kurz vor Ur­laubs­an­tritt ha­be der Be­klag­te ver­langt, er sol­le den Ur­laub ändern, da er, der Be­klag­te, selbst bis zum 10.08.2002 in Ur­laub sei. Er, der Kläger, ha­be nach­ge­ge­ben und sei­ne Ur­laubs­rei­se um­ge­bucht, um ei­nen Kon­flikt zu ver­mei­den.

2. Sei­nen Ur­laub in den Herbst­fe­ri­en 2002 ha­be er be­reits An­fang des Jah­res für die Zeit vom 11. bis 27.10.2002 an­ge­mel­det ge­habt. Dies sei mit dem Be­klag­ten ab­ge­spro­chen ge­we­sen. Er­neut ha­be der Be­klag­te später ver­langt, dass der Ur­laub zum 18.10.2002 ab­zu­bre­chen sei, weil ihm als Chef­arzt der Vor­rang gebühre und er, der Be­klag­te, selbst ab 19.10.2002 in Ur­laub sei.

 

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3. Zum Jah­res­wech­sel 2001/2002 ha­be er im Rah­men ei­ner um­fang­rei­chen Dis­kus­si­on im Haus des Ar­beit­ge­bers ei­ne Me­tho­de auf­ge­zeigt, bei der an­stel­le von in­dus­tri­ell vor­ge­fer­tig­ten Dübeln ei­ge­nes Kno­chen­ma­te­ri­al der Pa­ti­en­ten als Kno­chendübel ein­ge­setzt wer­de. Sein um­fas­send vor­be­rei­te­ter Vor­trag sei durch den Be­klag­ten in Ge­gen­wart Drit­ter ver­wor­fen wor­den, oh­ne dass sei­tens des Be­klag­ten auch nur ver­sucht wor­den sei, sich in­halt­lich da­mit zu beschäfti­gen.

4. Der Be­klag­te ha­be ihm for­mell wie auch in­halt­lich un­zu­tref­fen­de Ab­mah­nun­gen er­teilt. Im Rah­men der Be­hand­lung ei­ner Pa­ti­en­tin, die im Ver­lau­fe des sta­ti­onären Auf­ent­halts stark an­triebs­ge­min­dert ge­we­sen sei und ständi­ger Be­treu­ung der In­ten­siv­sta­ti­on be­durft ha­be, ha­be der Be­klag­te auf ei­ner Ver­le­gung der Pa­ti­en­tin auf ei­ne Nor­mal­sta­ti­on be­stan­den. Sämt­li­che be­han­deln­den Ärz­te, auch der Lei­ten­de Ober­arzt der Anästhe­sie, ha­ben ei­ner der­ar­ti­gen Ver­le­gung wi­der­spro­chen, da die­se mit ei­ner nicht ver­ant­wort­ba­ren Gefähr­dung der Pa­ti­en­tin ein­her­ge­gan­gen wäre. Dies ha­be der Be­klag­te zum An­lass an­ge­nom­men, ihm ei­ne schrift­li­che Ab­mah­nung vom 27.02.2003 zu for­mu­lie­ren, mit der er er­mahnt wor­den sei, der­ar­ti­ges Fehl­ver­hal­ten - ge­meint sei die von ihm geäußer­te und so­wohl sach­lich ge­bo­te­ne wie auch re­spekt­voll vor­ge­tra­ge­ne Kri­tik - in Zu­kunft zu un­ter­las­sen (Ko­pie der „Ab­mah­nung" vom 27.02.2003, Bl. 20 GA).

5. Im Rah­men ei­ner Hirn­tu­mo­ro­pe­ra­ti­on ha­be er als an­we­sen­der Ober­arzt die Ope­ra­teu­rin vier Bohrlöcher zur Tre­pa­na­ti­on durchführen las­sen, was an­ge­sichts des Al­ters des Pa­ti­en­ten und der La­ge des Tu­mors den Re­geln der ärzt­li­chen Kunst ent­spro­chen ha­be. Am 04.06.2003 sei er dar­auf­hin von dem Be­klag­ten auf dem Flur vor den Aufzügen in Ge­gen­wart von vier Kol­le­gen her­ab­las­send ag­gres­siv an­ge­spro­chen wor­den, dass ma­xi­mal zwei Bohrlöcher ge­reicht hätten. Falls der Kläger dies nicht könne, wer­de er, der Be­klag­te, es ihm demnächst bei ei­ner Ope­ra­ti­on zei­gen. Die von ihm gewähl­te Ope­ra­ti­ons­me­tho­de sei all­ge­mein an­er­kannt ge­we­sen. Trotz­dem ha­be ihn der Be­klag­te im Kreis sei­ner Kol­le­gen mit der be­nann­ten Äußerung bloßge­stellt.

6. Während des Mit­tag­es­sens am 04.06.2003 sei ein Pa­ti­ent mit ei­nem chro­ni­schen sub­du­ra­len Häma­tom an­gekündigt wor­den. Der Be­klag­te ha­be erklärt, er ste­he nicht

 

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zur Verfügung. Er, der Kläger, ha­be erklärt, dass er die­sen Pa­ti­en­ten an­neh­men wer­de. Dem ha­be der Be­klag­te nicht wi­der­spro­chen. Kurz dar­auf sei er von der Zen­tra­le in­for­miert wor­den, dass der Pa­ti­ent be­reits von der Kol­le­gin Dr. S2 emp­fan­gen wor­den sei. Sein Ver­such, sich über den Zu­stand des Pa­ti­en­ten zu in­for­mie­ren, ha­be mit der Mit­tei­lung ge­en­det, dass der Be­klag­te ver­bind­lich mit­ge­teilt ha­be, dass nicht er, der Kläger, son­dern Frau Dr. S2 den Pa­ti­en­ten ope­rie­ren sol­le, wo­von wie­der­um er nicht in­for­miert wor­den sei.

7. Der Be­klag­te ha­be die un­zu­tref­fen­de Aus­sa­ge über ihn ver­brei­tet, dass er, der Kläger, den vor­ma­li­gen Chef­arzt, Herrn Dr. T1, hin­ter­gan­gen ha­be und des­sen Raus­wurf aus dem Be­trieb des Ar­beit­ge­bers ver­an­lasst ha­be. Als die­se Be­haup­tung Herrn Dr. T1 zu Oh­ren ge­kom­men sei, ha­be Herr Dr. T1 ei­ne der­ar­ti­ge Ver­mu­tung ein­deu­tig zurück­ge­wie­sen. Un­ge­ach­tet der Rich­tig­stel­lung des Sach­ver­halts durch den Zeu­gen ha­be der Be­klag­te wei­ter­hin ihm ge­genüber be­haup­tet, er, der Kläger, ha­be den vor­ma­li­gen Chef­arzt hin­ter­gan­gen und des­sen Raus­wurf ver­an­lasst.

8. Im Rah­men ei­ner Dis­kus­si­on über fachüberg­rei­fen­de Be­reit­schafts­diens­te ha­be der Be­klag­te ihm vor ei­ner Viel­zahl an­we­sen­der Ärz­te un­lau­te­re Mo­ti­ve un­ter­stellt. Es sei dis­ku­tiert wor­den, die neu­ro­lo­gi­schen und neu­ro­chir­ur­gi­schen Be­reit­schafts­diens­te zu­sam­men­zu­le­gen, wo­bei über­legt wor­den sei, dass der nicht im Be­reit­schafts­dienst be­find­li­che Fach­ver­tre­ter im Fal­le von Pro­ble­men ins Haus kom­men sol­le, wo­bei die Ober­arzt­diens­te wie bis­her im Hin­ter­grund blie­ben soll­ten. Er ha­be sei­ne Ar­gu­men­te vor­ge­tra­gen und dar­auf hin­ge­wie­sen, dass bei der Ver­wal­tung Be­schwer­den über die verzöger­te Ein­satz­be­reit­schaft der neu­ro­lo­gi­schen As­sis­tenzärz­te vorlägen, die Zeit zwi­schen Ein­tref­fen des Not­fall­pa­ti­en­ten und der CT-Dia­gnos­tik bei neu­ro­lo­gi­schen As­sis­tenzärz­ten zu um­fang­reich sei. Im Ge­gen­satz zu die­sen sei die Kennt­nis der CT-Dia­gnos­tik bei neu­ro­chir­ur­gi­schen As­sis­tenzärz­ten vor­han­den, so dass die­se im All­ge­mei­nen schnell und ziel­ge­rech­ter han­deln würden. Auf die­se Ar­gu­men­te ha­be er vom Be­klag­ten vor ver­sam­mel­ter Mann­schaft die Ant­wort er­hal­ten, er ar­gu­men­tie­re nur so, „um sei­nen Arsch im Bett las­sen zu können, des Wei­te­ren um sei­ne Pfründe zu si­chern".

9. In ei­nem Kon­flikt­gespräch, das am 24.06.2003 auf­grund des von ihm ver­an­lass­ten An­walts­schrei­bens vom Ju­ni 2003 an­be­raumt wor­den sei, ha­be der Be­klag­te erklärt,

 

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nach sei­ner Be­ru­fung zum Chef­arzt ha­be er sich bei den nie­der­ge­las­se­nen Fach­kol­le­gen vor­ge­stellt. Hier­bei hätten sich ei­ni­ge der nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te über den Kläger sehr ne­ga­tiv geäußert und des­sen fach­li­chen ärzt­li­chen Fähig­kei­ten in Fra­ge ge­stellt. Zur Aufklärung der ver­meint­li­chen Be­haup­tun­gen Drit­ter sei der Be­klag­te auf­ge­for­dert wor­den, kon­kre­te Ein­z­elfälle, ins­be­son­de­re Na­men und An­schrif­ten der Per­so­nen, zu nen­nen, die der­ar­ti­ge Äußerun­gen getätigt hätten. Dies sei von dem Be­klag­ten ins­ge­samt ver­wei­gert wor­den.

10. Im Rah­men des Gesprächs sei am 24.06.2003 als Er­geb­nis er­zielt wor­den, dass zur Be­rei­ni­gung der Kon­flikt­si­tua­ti­on ein Coa­ching durch­geführt wer­den sol­le. Die­ses sei nicht durch­geführt wor­den, da der Be­klag­te ent­ge­gen sei­ner ursprüng­lich am 24.06.2003 erklärten Be­reit­schaft zur Teil­nah­me später die Teil­nah­me ka­te­go­risch ab­ge­lehnt ha­be.

11. Am 26.09.2003 ha­be er ein Schrei­ben des Be­klag­ten er­hal­ten, in dem die­ser ihm vor­ge­wor­fen ha­be, sich selbst Ur­laub gewährt zu ha­ben und hier­durch ei­nen per­so­nel­len Eng­pass ver­ur­sacht zu ha­ben. Da die­ser Vor­wurf un­zu­tref­fend ge­we­sen sei, ha­be er mit Schrei­ben vom 28.09.2003 ge­ant­wor­tet und dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Ur­laubs­pla­nung zu­vor ab­ge­stimmt ge­we­sen sei und der Ur­laub vom Be­klag­ten ge­neh­migt wor­den sei (Ko­pie der Schrei­ben vom 26.09.2003 und vom 28.09.2003 Bl. 21 - 23 GA).

12. Am 29.09.2003 ha­be der Be­klag­te ihn zu Un­recht be­schul­digt, im Hin­blick auf die Be­hand­lung ei­ner Pa­ti­en­tin während sei­ner Ur­laubs­ab­we­sen­heit ei­genmäch­tig und ent­ge­gen sei­ner Wei­sung ge­han­delt zu ha­ben. Der Be­klag­te ha­be erklärt, er ha­be dem Kläger vor dem Ur­laub kla­re An­wei­sun­gen ge­ge­ben, dass er die Pa­ti­en­ten nach dem Ur­laub ope­rie­ren wol­le und das Ver­hal­ten des Klägers ei­ne Un­verschämt­heit sei. Er, der Kläger, ha­be ver­sucht, die An­ge­le­gen­heit rich­tig zu stel­len. Er sei al­ler­dings von dem Be­klag­ten barsch und verärgert zurück­ge­wie­sen wor­den. Ei­ne Rück­spra­che mit der Se­kretärin ha­be er­ge­ben, dass der Kläger sich im Hin­blick auf die Pa­ti­en­ten­be­hand­lung an die ab­ge­spro­che­ne The­ra­pie­maßnah­me ge­hal­ten ha­be.

13. Im Ok­to­ber 2003 sei er von dem Be­klag­ten ge­fragt wor­den, ob er be­reit sei, mit dem Kol­le­gen Dr. K3 in ei­nem Zim­mer zu­sam­men zu ar­bei­ten. Er ha­be erklärt, dass

 

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dies prin­zi­pi­ell kein Pro­blem sei, be­ruf­lich be­dingt sei dies je­doch nicht möglich, da bei­de auch am­bu­lan­te Pa­ti­en­ten in ih­ren je­wei­li­gen Zim­mern un­ter­such­ten, so dass für den an­de­ren je­weils kei­ne Möglich­keit mehr be­stan­den hätte, in die­ser Zeit Dik­ta­te ab­zu­fas­sen. Trotz die­ses Hin­wei­ses, dass ei­ne Un­ter­brin­gung von zwei Ärz­ten in ei­nem Zim­mer sehr pro­ble­ma­tisch sei, sei ei­ni­ge Ta­ge später im Zim­mer des Klägers ein Schreib­tisch für den Kol­le­gen Dr. K3 auf­ge­stellt wor­den. Sein Pro­test beim stell­ver­tre­ten­den Ver­wal­tungs­di­rek­tor ha­be zu der Er­kennt­nis geführt, dass die Ver­wal­tung des Ar­beit­ge­bers von der Zu­sam­men­le­gung durch den Be­klag­ten über­haupt nicht in­for­miert wor­den sei und es sich hier­bei um ei­ne ei­genmäch­ti­ge Maßnah­me des Be­klag­ten ge­han­delt ha­be.

14. Ein wei­te­rer Vor­fall ha­be sich am 04./05.11.2003 er­eig­net. Ei­ne Pa­ti­en­tin sei am 05.11.2003 ope­riert wor­den, nach­dem sie am 04.11.2003 vollständig über die Ope­ra­ti­on auf­geklärt wor­den sei. Die­ser Aufklärung nach hätte in sit­zen­der La­ge ope­riert wer­den sol­len. Ent­ge­gen der zu­vor erklärten Aufklärung sei die Pa­ti­en­tin am Fol­ge­tag in Bauch­la­ge ope­riert wor­den, was das Ri­si­ko erhöht ha­be. Als die Ope­ra­ti­on be­reits weit fort­ge­schrit­ten ge­we­sen sei, sei er vom Be­klag­ten te­le­fo­nisch an­ge­wie­sen wor­den, dass er an­stel­le des be­han­deln­den Arz­tes die Ope­ra­ti­on fort­set­zen müsse, da die­ser ei­nen un­auf­schieb­ba­ren Un­ter­richt zu ge­ben ha­be. An­ge­sichts der Dring­lich­keit ha­be er, der Kläger, die Ope­ra­ti­on der Pa­ti­en­tin zu En­de geführt. In der Frühbe­spre­chung am fol­gen­den Tag, dem 06.11.2003, ha­be er sei­ne Be­den­ken an­ge­sichts der me­di­zi­nisch-recht­li­chen Pro­ble­ma­tik ei­ner Ope­ra­ti­on in ei­ner La­ge­rung, über die zu­vor nicht auf­geklärt wor­den sei, mit­ge­teilt. Während er noch sei­ne Be­den­ken ge­gen die­se Vor­ge­hens­wei­se vor­ge­tra­gen ha­be, sei er von dem Be­klag­ten an­ge­schrien wor­den mit den Wor­ten „Ich bin hier der Ope­ra­teur und Sie sind mein Hand­lan­ger. Sie ha­ben zu tun, was ich Ih­nen sa­ge!". Mit die­ser Äußerung ha­be der Be­klag­te ihn zum Schwei­gen ge­bracht. Nach Ab­schluss der Be­spre­chung ha­be der Be­klag­te ihm ge­genüber erklärt: „Se­hen Sie, Sie lau­fen bei mir vor die Wand. War­um ma­chen Sie das im­mer wie­der?". Ge­meint ge­we­sen sei die Äußerung von sach­li­cher Kri­tik durch ihn, den Kläger.

In der Zeit vom 13.11.2003 bis 11.02.2004 sei er er­krankt ge­we­sen und sta­ti­onär be­han­delt wor­den, da die Viel­zahl der durch den Be­klag­ten ge­gen sei­ne Per­son ge­rich­te­ten An­griff zu ei­ner ernst­haf­ten psy­chi­schen Er­kran­kung geführt hätten. Als

 

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er in der Zeit vom 07.05.2004 bis zum 19.05.2004 sei­ne Tätig­keit im Kran­ken­haus wie­der auf­ge­nom­men ha­be, sei er während die­ser Zeit durch den Be­klag­ten er­neut per­ma­nent an­ge­grif­fen wor­den:

15. Mit Schrei­ben vom 15.05.2004 ha­be der Ver­wal­tungs­di­rek­tor des Kran­ken­hau­ses dem Be­klag­ten mit­ge­teilt, dass ein Rechts­an­walt von An­gehöri­gen ei­ner Wo­chen zu­vor nach zwei Ope­ra­tio­nen ver­stor­be­nen Pa­ti­en­tin Scha­dens­er­satz­ansprüche er­he­be. Die Ope­ra­tio­nen sei­en von ihm, dem Kläger, durch­geführt ge­we­sen. Der Be­klag­te sei auf­ge­for­dert wor­den, Stel­lung zu neh­men und ei­ne Ab­lich­tung der Kran­ken­ak­ten an den An­walt zu sen­den. Ei­ne Re­ak­ti­on des Be­klag­ten auf die­se Auf­for­de­rung sei nicht er­folgt, ob­wohl er drei­mal an de­ren Er­le­di­gung er­in­nert wor­den sei. Von Be­deu­tung sei auch, dass der Be­klag­te ge­zielt da­von ab­ge­se­hen ha­be, den von dem Vor­gang be­trof­fe­nen Kläger in ir­gend­ei­ner Wei­se zu un­ter­rich­ten. In ei­nem Schrei­ben an den An­walt ha­be der Be­klag­te mit­ge­teilt, dass die ge­for­der­ten Ope­ra­ti­ons­be­rich­te nicht exis­tie­ren würden, und ha­be als Be­gründung aus­geführt, der Kläger ha­be die Be­rich­te nicht um­ge­hend nach dem Ein­griff, wie all­ge­mein üblich, ver­fasst, son­dern ha­be die­se zu ei­nem späte­ren Ter­min ab­fas­sen wol­len, sei aber seit dem 07.11.2003 ar­beits­unfähig er­krankt. Der ge­sam­te Vor­gang sei von dem Be­klag­ten ge­genüber ihm, dem Kläger, der als Ope­ra­teur un­mit­tel­bar be­trof­fen ge­we­sen sei, über vie­le Wo­chen ge­heim ge­hal­ten wor­den, ob­wohl er be­reits im März des Jah­res und trotz sei­ner Er­kran­kung ha­be an­fra­gen las­sen, ob Post für ihn vor­lie­ge und ob al­les in Ord­nung sei, was re­gelmäßig be­jaht wor­den sei. Dem­zu­fol­ge ha­be er erst am 27.04.2004 über ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren der ört­li­chen Staats­an­walt­schaft er­fah­ren, dass der Pa­ti­ent ver­stor­ben sei und ihm die Schuld an­ge­las­tet wer­de. Zwar hätten die Er­mitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft er­ge­ben, dass der Pa­ti­ent nicht an den Fol­gen der bei­den Ope­ra­tio­nen son­dern an­der­wei­tig be­gründet ver­stor­ben sei, al­ler­dings sei­en ihm wich­ti­ge In­for­ma­tio­nen sei­tens des Be­klag­ten ge­zielt vor­ent­hal­ten wor­den.

16. Am 07.05.2004 ha­be er von dem Be­klag­ten die te­le­fo­ni­sche Mit­tei­lung er­hal­ten, dass der neue von ihm ge­fer­tig­te Dienst­plan für die Hin­ter­grund­diens­te in sei­nem Zim­mer lie­ge. Die bis­her über Jah­re geübte Pra­xis, die Hin­ter­grund­diens­te ge­mein­sam ab­zu­spre­chen, sei von dem Be­klag­ten ein­sei­tig ab­geändert wor­den.

 

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17. In ei­ner Be­spre­chung am 07.05.2004 ge­gen 15:00 Uhr ha­be er an­ge­fragt, ob er sei­nen Dienst am 20.05.2004 tau­schen und hierfür zwei an­de­re Diens­te über­neh­men könne, da er an die­sem Tag an ei­ner seit lan­gem ge­plan­ten Fa­mi­li­en­fei­er ha­be teil­neh­men wol­len. Oh­ne dass ein sach­li­cher Grund die­sem Wunsch ent­ge­gen­ge­stan­den ha­be, ha­be der Be­klag­te erklärt, das ge­he nicht, des Wei­te­ren ha­be der Kläger den Dienst­plan und die Diens­te so zu ma­chen, wie er, der Be­klag­te, es sa­ge.

18. Am Vor­mit­tag des 07.05.2004 sei er in das Ar­beits­zim­mer des Be­klag­ten zu ei­nem Vier­au­gen­gespräch zi­tiert wor­den, wo­bei er vom Be­klag­ten mit der her­ab­las­sen­den und iro­ni­schen Be­mer­kung „Sie können ja Ih­ren An­walt di­rekt mit­brin­gen" be­dacht wor­den sei.

19. Am Vor­tag des 10.05.2004 ha­be die Se­kretärin des Be­klag­ten ihm mit­ge­teilt, er ha­be sein Ar­beits­zim­mer zu ver­las­sen, da ei­ne Teil­zeit­kraft für drei St­un­den mit dem Com­pu­ter den Raum brau­che, um Ar­beit zu er­le­di­gen. Auf sei­ne Ant­wort, dass dies zur Zeit tech­nisch nicht möglich sei, ha­be er kurz dar­auf von dem Be­klag­ten die te­le­fo­ni­sche An­wei­sung er­hal­ten, sein Zim­mer so­fort zu ver­las­sen und in das Zim­mer des Kol­le­gen K3 um­zu­zie­hen. Dies sei ver­bun­den ge­we­sen mit dem Hin­weis, dort ste­he auch ein Com­pu­ter und er, der Be­klag­te, wer­de das Zim­mer für den Kläger auf­sch­ließen.

20. Eben­falls am Vor­mit­tag des 10.05.2004 hätten ihn die Ar­beits­kol­le­gen E2 und Dr. E1 ge­be­ten, sie auf ei­ner Vi­si­te zu be­glei­ten. Als der Be­klag­te die­se Ärz­te in sei­ner Be­glei­tung auf der Sta­ti­on an­ge­trof­fen ha­be, sei er von dem Be­klag­ten an­ge­fah­ren wor­den, was er denn bei der Vi­si­te zu tun ha­be. Auf die Ant­wort, dass die Kol­le­gen ihn ge­be­ten hätten mit­zu­ge­hen, ha­be der Be­klag­te ihn er­neut an­ge­fah­ren, er ha­be am Frei­tag kla­re An­wei­sun­gen ge­ge­ben, dass er, der Kläger, Ope­ra­ti­ons­be­rich­te dik­tie­ren sol­le, die Kol­le­gen hätten ihm nichts zu sa­gen, nur er.

21. Am 10.05.2004 ha­be er ge­gen 15:00 Uhr fest­ge­stellt, dass die Tür zwi­schen Sta­ti­ons­zim­mer und Arzt­zim­mer ver­schlos­sen ge­we­sen sei. Als er ein­ge­tre­ten sei, ha­be er fest­ge­stellt, dass dort oh­ne ihn ei­ne Dienst­be­spre­chung durch­geführt wor­den sei, die nach sei­nen In­for­ma­tio­nen um 15:45 Uhr hätte statt­fin­den sol­len. Auf

 

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An­wei­sung des Be­klag­ten sei der Kläger von der Ter­minände­rung nicht in­for­miert wor­den und mit­hin aus­ge­grenzt wor­den.

22. Am Mon­tag, dem 19.07.2004, ha­be er nach ei­ner krank­heits­be­ding­ten Ab­we­sen­heit sei­ne Ar­beit wie­der auf­ge­nom­men. An die­sem Tag sei er nicht im Dienst­plan ein­ge­tra­gen ge­we­sen. Am Fol­ge­tag, dem 20.07.2004, ha­be der Be­klag­te mit­ge­teilt, ein geänder­ter Dienst­plan lie­ge seit dem ver­gan­ge­nen Tag im Post­fach des Klägers. Nach Durch­sicht des Pla­nes ha­be er den Be­klag­ten ge­fragt, ob er ei­nen seit länge­rem ge­plan­ten Ter­min am Fol­ge­tag zwi­schen 17:00 Uhr und 19:00 Uhr noch wahr­neh­men könne, die Kol­le­gin L3 sei be­reit, sei­nen Dienst in­so­weit zu über­neh­men. Oh­ne dass ein sach­li­cher Grund er­sicht­lich ge­we­sen sei, ha­be der Be­klag­te so­fort wi­der­spro­chen und her­ab­las­send erklärt, er ent­schei­de Der­ar­ti­ges, der Kläger ha­be den Dienst so zu ma­chen.

23. Am Mor­gen des 06.08.2004 sei er er­neut zu ei­nem Vier­au­gen­gespräch in das Zim­mer des Be­klag­ten ge­be­ten wor­den. Der Be­klag­te ha­be die Tür ge­schlos­sen und ihn auf­ge­for­dert, ihm dar­zu­le­gen, wie er sich die wei­te­re Zu­kunft in der Ab­tei­lung vor­stel­le, da er nicht das Ver­trau­en der wei­te­ren Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen besäße. Die­se Äußerung sei un­wahr, da er im Kreis der wei­te­ren Kol­le­gen je­der­zeit geschätzt und ge­ach­tet ge­we­sen sei. Erklärun­gen, er ha­be das Ver­trau­en der Kol­le­gen nicht, ha­be es in der Ver­gan­gen­heit nicht ge­ge­ben. Im wei­te­ren Ver­lauf ha­be der Be­klag­te erklärt, er wer­de sei­ner Fürsor­ge­pflicht nach­kom­men und ihm, dem Kläger, je­der­zeit be­hilf­lich sein, ei­nen an­de­ren adäqua­ten Ar­beits­platz zu fin­den. Hin­zu kom­me, dass der Be­klag­te das Gespräch mit den Wor­ten ge­schlos­sen ha­be, ob der Kläger sich nicht be­ruf­lich an­der­wei­tig ori­en­tie­ren wol­le, nach­dem er sich bei den Mit­ar­bei­tern unmöglich ge­macht ha­be und sich durch ver­schie­de­ne An­ru­fe ge­gen den Be­klag­ten und durch vor­an­ge­gan­ge­ne An­walts­schrei­ben un­glaubwürdig ge­macht ha­be.

24. En­de Ju­li/An­fang Au­gust 2003 ha­be der Be­klag­te die Be­haup­tung auf­ge­stellt, ein Pa­ti­ent wol­le we­gen der Per­son des Klägers nicht in die Kli­nik zurück. Die­se Be­haup­tung sei von dem Be­klag­ten frei er­fun­den und auch un­wahr, da er den in Re­de ste­hen­den Pa­ti­en­ten zu kei­ner Zeit ge­se­hen ge­habt ha­be.

 

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25. Im Ver­lauf ei­nes wei­te­ren Vor­falls En­de Mai/An­fang Ju­ni 2003 ha­be ei­ne Pa­ti­en­tin am Tag nach ei­nem Ein­griff ei­ne gro­be Lähmung ent­wi­ckelt. Er ha­be vor­ge­schla­gen, die Pa­ti­en­tin mit ei­nem Kern­spin zu un­ter­su­chen. Im Rah­men der Un­ter­su­chung sei deut­lich ge­wor­den, dass ei­ne Ner­ven­wur­zel nicht frei ge­we­sen sei, so dass er ei­ne Re­vi­si­ons­ope­ra­ti­on mit der Pa­ti­en­tin be­spro­chen ha­be. Die Ope­ra­ti­on sei durch Dr. K3 ein­ge­lei­tet, im An­schluss dann vom Be­klag­ten über­nom­men wor­den. Die­ser ha­be ei­nen Dübel ent­fernt und ihm, dem Kläger, pro­vo­zie­rend zu­ge­ru­fen: „Se­hen Sie Dr. B2, hier ist doch gar nichts." Ent­ge­gen die­ser Dar­stel­lung ha­be er je­doch an der Ner­ven­wur­zel ein wei­te­res Ge­we­be aus dem Körper der Pa­ti­en­tin ge­holt. Im An­schluss an die Ope­ra­ti­on sei der Be­klag­te zur Pa­ti­en­tin ge­gan­gen und ha­be ihr wahr­heits­wid­rig mit­ge­teilt, die­se Ope­ra­ti­on sei nicht nötig ge­we­sen, man ha­be nichts ge­fun­den. Sie selbst sei zwar von dem Kläger auf­geklärt wor­den, aber das Gan­ze wäre nicht nötig ge­we­sen.

26. Am 09.09.2004 sei er durch den Be­klag­ten auf­ge­for­dert wor­den, ei­ne Pa­ti­en­tin mit of­fe­nem Schädel­trau­ma, die zwei Ta­ge zu­vor von Dr. K3 ope­riert wor­den sei, nach ei­nem am Rand der Ver­let­zung ver­blie­be­nen Glas­split­ter zu un­ter­su­chen und die­sen so­dann ope­ra­tiv zu ent­fer­nen. Er, der Kläger, ha­be den Be­klag­ten an­ru­fen sol­len, so­bald er ei­nen Split­ter ge­fun­den ha­be, da­mit der Be­klag­te selbst kom­men und sich ein Bild von der La­ge ma­chen könne. Bei der Durchführung des Ein­griffs ha­be er ei­ne So­no­gra­phie durch­geführt, um die La­ge des Split­ters ex­akt be­stim­men zu können. Da­bei ha­be sich ge­zeigt, dass der Split­ter 1 mm bis 2 mm außer­halb des Ver­let­zungs­be­reichs ge­steckt ha­be. Während er das Ge­biet des Ein­griffs vor­sich­tig mit dem Mi­kro­sau­ger ge­rei­nigt ha­be, sei der Split­ter plötz­lich und un­er­war­tet mit an­ge­saugt wor­den. Nach ent­spre­chen­der te­le­fo­ni­scher In­for­ma­ti­on über das Ge­sche­hen sei der Be­klag­te im Ope­ra­ti­ons­saal er­schie­nen und ha­be ihn vor ver­sam­mel­ter Mann­schaft an­ge­fah­ren, wes­halb er den Split­ter nicht ent­spre­chend der An­wei­sung be­las­sen ha­be.

27. Am Mor­gen des 20.09.2004 ha­be er vom Be­klag­ten die te­le­fo­ni­sche An­wei­sung er­hal­ten, dass sei­ne Kol­le­gin, Frau E1, ei­ne ex­ter­ne Ven­tri­kel­d­rai­na­ge le­ge und er ihr da­bei as­sis­tie­ren sol­le. Be­glei­tet wor­den sei die­se An­wei­sung von den Wor­ten „Sie wis­sen ja schon, ge­ra­der Haut­schnitt, Bohr­loch über der Ko­ro­nar­naht." Ihm sei da­durch ei­ne schlicht as­sis­tie­ren­de Stel­le zu­ge­wie­sen wor­den, des Wei­te­ren ha­be

 

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die Be­gleit­be­mer­kung ge­zeigt, mit der schul­meis­ter­haft nur chir­ur­gi­sches Ba­sis­wis­sen mit­ge­teilt wor­den sei, dass der Be­klag­te es er­neut für nötig ge­hal­ten ha­be, ihm, dem Kläger, sei­ne fach­li­che Ge­ringschätzung mit­zu­tei­len.

28. Am 22.09.2004 ge­gen 15:30 Uhr sei er vom Be­klag­ten zu ei­nem Vier­au­gen­gespräch zi­tiert wor­den. Im Ver­lau­fe des Gesprächs sei ihm vom Be­klag­ten in ei­nem ag­gres­si­ven Ton­fall vor­ge­wor­fen wor­den, er ha­be ge­gen die aus­drück­li­che An­wei­sung, kei­ne Pri­vat­pa­ti­en­ten zu be­han­deln, ver­s­toßen, da dies nur Frau Dr. S2 tun sol­le. In der Ur­laubs­ab­we­sen­heit des Be­klag­ten ha­be er, der Kläger, wie­der­holt da­ge­gen ver­s­toßen. Auch ha­be der Kläger ei­nen Ent­las­sungs­brief über ei­nen Pri­vat­pa­ti­en­ten ge­schrie­ben, ob­wohl er nur auf persönli­che di­rek­te An­wei­sung des Be­klag­ten et­was mit Pri­vat­pa­ti­en­ten zu tun ha­be und sonst nicht. Die­se Hand­ha­bung sei, so der Be­klag­te, von der Ver­wal­tung ab­ge­seg­net. Ent­ge­gen die­ser Dar­stel­lung sei je­doch kurz vor dem Ur­laub aus­drück­lich zwi­schen Herrn B3, Frau R1 und dem Be­klag­ten ver­ein­bart wor­den, dass Pa­ti­en­ten, die bis zum Ur­laubs­an­tritt vor­han­den ge­we­sen sei­en, von Frau S2 be­han­delt würden und die neu an­kom­men­den Pa­ti­en­ten je­doch vom Kläger be­han­delt würden. Dies zei­ge, dass er ge­zielt und ent­ge­gen der vor­her ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­rung durch den Be­klag­ten von Pri­vat­pa­ti­en­ten fern­ge­hal­ten wor­den sei.

29. Am 27.09.2004 ha­be er ei­nen Ein­griff an ei­ner Pa­ti­en­tin durch­zuführen ge­habt. Nach Ein­lei­tung der Nar­ko­se sei ei­ne Fron­to-Pa­rie­ta­le-Ra­sur vor­ge­nom­men wor­den. Als der Anästhe­sist mit­ge­teilt ha­be, dass die An­zahl der Trom­bo­zy­ten sich auf 60.000 be­lau­fe, mit­hin im Fall der Fort­set­zung des Ein­griffs die Ge­fahr ei­ner schädi­gen­den Ge­sund­heitsstörung be­stan­den ha­be, ha­be er den Be­klag­ten an­ge­ru­fen und ihm die Wer­te mit­ge­teilt und ihn über die da­durch nicht durchführ­ba­re Ope­ra­ti­on in­for­miert. Oh­ne wei­te­re Erklärung ha­be der Be­klag­te ihn auf­ge­for­dert, ihn mit den Anästhe­sis­ten zu ver­bin­den. Der Be­klag­te ha­be sich von dem Anästhe­sis­ten den Wert bestäti­gen las­sen und ha­be so­dann über den Anästhe­sis­ten be­foh­len, die Ope­ra­ti­on ab­zu­bre­chen.

Durch sein Ver­hal­ten ha­be der Be­klag­te sei­ne Er­kran­kung nach­weis­lich ver­ur­sacht, was da­zu geführt ha­be, dass er wie dar­ge­stellt wie­der­holt ar­beits­unfähig er­krankt ge­we­sen sei.

 

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Der Kläger hat be­an­tragt,

1. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an ihn 403.902,00 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 %-Punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Kla­ge­zu­stel­lung (15.01.2008) zu zah­len und an ihn 91.019,79 € nebst Zin­sen in Höhe von 5%-Punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Zu­stel­lung der Kla­ge­er­wei­te­rung (05.08.2009) zu zah­len,

2. fest­zu­stel­len, dass der Be­klag­te ver­pflich­tet ist, ihm al­le ma­te­ri­el­len und im­ma­te­ri­el­len Schäden zu er­set­zen, die ihm aus der seit dem 19.05.2004 ein­ge­tre­te­nen Ar­beits­unfähig­keit durch sei­ne vom Be­klag­ten ver­ur­sach­te psy­chi­sche Er­kran­kung ent­stan­den sind bzw. noch ent­ste­hen wer­den, so­weit der An­spruch nicht auf ei­nen So­zi­al­ver­si­che­rungs­träger oder ei­nen Drit­ten über­ge­gan­gen ist.

3. fest­zu­stel­len, dass der Be­klag­te ihm aus un­er­laub­ter Hand­lung haf­tet.

Der Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Be­klag­te hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, er ha­be sich ge­genüber dem Kläger nicht pflicht­wid­rig ver­hal­ten. Zu den ein­zel­nen vom Kläger ge­schil­der­ten Vorfällen hat er be­haup­tet (Über­schrif­ten stam­men aus der Kla­ge­er­wi­de­rung):

1. Ur­laub 09.08. - 30.08.2002
Der an­geb­li­che Vor­fall bezüglich des Som­mer­ur­laubs 2002 wer­de be­strit­ten. Zu­tref­fend sei le­dig­lich, dass er den Kläger da­mals ge­be­ten ha­be, sei­nen Ur­laub am 09.08.2002 erst abends nach Be­en­di­gung sei­nes Diens­tes an­zu­tre­ten, weil er selbst erst am 10.08.2002 aus sei­nem Ur­laub zurück­keh­ren wer­de.

2. Ur­laub Herbst­fe­ri­en 2002
Un­zu­tref­fend sug­ge­rie­re der Kläger, sein Ur­laub sei zunächst ver­bind­lich gewährt und erst an­sch­ließend von ihm, dem Be­klag­ten, wi­der­ru­fen wor­den. Die

 

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Ur­laubs­gewährung im St.-M3-Hos­pi­tal L1 ver­lau­fe so, dass sämt­li­che Beschäftig­ten bei ih­rer je­wei­li­gen Ab­tei­lungs­lei­tung be­reits zu Be­ginn ei­nes je­den Jah­res ih­ren vor­aus­sicht­li­chen Jah­res­ur­laub an­mel­de­ten. Ei­ne for­ma­le Gewährung des Ur­laubs sei mit die­ser An­mel­dung noch nicht ver­bun­den. Die for­ma­le Ur­laubs­be­wil­li­gung er­fol­ge da­ge­gen erst et­wa zwei bis drei Wo­chen vor dem vor­ge­se­he­nen Ur­laubs­an­tritt durch die je­wei­li­ge Ab­tei­lungs­lei­tung. Bis zu die­sem Zeit­punkt sei der Ur­laub des­halb noch nicht endgültig gewährt. In dem vom Kläger ge­schil­der­ten Fall sei es so ge­we­sen, dass der Kläger am 16.09.2002 zu ihm, dem Be­klag­ten, ge­kom­men sei und bei ihm Ur­laub für den Zeit­raum vom 10. bis 28.10.2002 be­an­tragt ha­be, für den ge­sam­ten Zeit­raum der Herbst­fe­ri­en 2002. Es ha­be sich im Nach­hin­ein her­aus­ge­stellt, dass der Kläger die­sen Ur­laub zu­vor auch be­reits im Rah­men der Jah­res­ur­laubs­pla­nung an­ge­mel­det ge­habt ha­be. Dies sei ihm, dem Be­klag­ten, zu die­sem Zeit­punkt je­doch nicht be­kannt ge­we­sen. Von da­her sei es un­wahr, dass ein sol­cher Ur­laub „ab­ge­spro­chen" ge­we­sen sei. Er, der Be­klag­te, ha­be viel­mehr erst­mals am 16.09.2002 von der da­ma­li­gen Ur­laubs­pla­nung des Klägers er­fah­ren. Al­ler­dings ha­be er in Un­kennt­nis der Ur­laubs­an­mel­dung des Klägers da­mals be­reits selbst Ur­laub für die 2. Herbst­fe­ri­en­wo­che (21. - 25.10.2002) ge­plant ge­habt. Da der Kläger als Ers­ter Ober­arzt nicht gleich­zei­tig mit dem Chef­arzt ha­be Ur­laub neh­men können, ha­be er dem Kläger des­halb mit­ge­teilt, dass der Kläger sei­nen Ur­laub auf die 1. Fe­ri­en­wo­che be­schränken müsse. Der Kläger ha­be dies ak­zep­tiert. Je­den­falls ha­be er dies oh­ne wei­te­ren Wi­der­spruch hin­ge­nom­men und erklärt, dass er in die­sem Fall Ur­laub für den Zeit­raum 10.10. bis 18.10.2002 be­an­tra­ge. Dar­auf­hin ha­be er für den Kläger ei­nen ent­spre­chend geänder­ten Ur­laubs­schein un­ter­schrie­ben. Ir­gend­wel­chen Streit oder Dis­kus­sio­nen ha­be es hierüber nicht ge­ge­ben. Aus sei­ner Sicht ha­be es sich um ein ganz alltägli­ches Gespräch mit dem Kläger ge­han­delt. Dem­ent­spre­chend sei für ihn die An­ge­le­gen­heit auch be­reits un­mit­tel­bar nach Be­en­di­gung die­ses Gespräches er­le­digt ge­we­sen. Nicht nach­voll­zieh­bar sei, wie der Kläger in die­sem Vor­fall ein wie auch im­mer ge­ar­te­tes „Mob­bing" er­ken­nen wol­le. Die von ihm vor­ge­nom­me­ne Auf­tei­lung der Schul­fe­ri­en zwi­schen dem Kläger und ihm sei aus sei­ner Sicht nur ge­recht ge­we­sen, um bei­den Par­tei­en die Möglich­keit zu ge­ben, mit ih­ren Fa­mi­li­en in den Fe­ri­en in Ur­laub fah­ren zu können. Er, der Be­klag­te, sei zum da­ma­li­gen Zeit­punkt al­lein­er­zie­hen­der Va­ter (Wit­wer) zwei­er Kin­der im Al­ter von 17 und 14 Jah­ren ge­we­sen. Er sei des­halb eben­falls zwin­gend auf die Schul­fe­ri­en an­ge­wie­sen

 

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ge­we­sen, um ge­mein­sam mit sei­nen Kin­dern Ur­laub ma­chen zu können. Dies ha­be der Kläger ge­nau ge­wusst. Aus die­sem Grund sei­en zu­vor be­reits die Os­ter- und Som­mer­schul­fe­ri­en 2002 zwi­schen den Par­tei­en auf­ge­teilt wor­den. Zu­sam­men­ge­fasst sei fest­zu­stel­len, dass er sich ge­ra­de nicht ein­sei­tig über die In­ter­es­sen des Klägers hin­weg­ge­setzt ha­be und des­sen Wünsche et­wa völlig miss­ach­tet oder ge­ring­geschätzt ha­be. Es sei ihm dar­um ge­gan­gen, dass so­wohl der Kläger als auch er selbst in den Herbst­fe­ri­en in Ur­laub hätten fah­ren können. Ab­sch­ließend sei dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es in den al­ler­meis­ten Kran­kenhäusern durch­aus an­ge­mes­sen und üblich sei, dass zunächst ein­mal der „Chef" be­stim­me, wann er in Ur­laub fah­re, al­so den ab­so­lu­ten Vor­rang für die Ur­laubs­pla­nung ha­be und sich da­bei nicht nach sei­nen Oberärz­ten rich­te oder rich­ten müsse. In­so­weit gel­te ein streng hier­ar­chi­sches Prin­zip. So sei es auch in sei­nem Dienst­ver­trag in § 12 Abs. 1 Zif­fer 1 ver­ein­bart wor­den. Die nach­ge­ord­ne­ten Ärz­te müss­ten ih­ren Ur­laub da­ge­gen durch­aus mit dem Chef­arzt ab­stim­men. Dies ha­be der Kläger un­strei­tig ge­ra­de nicht ge­tan. Vor die­sem Hin­ter­grund könne in der Ur­laubs­ver­wei­ge­rung ins­ge­samt kein ziel­ge­rich­te­ter oder sys­te­ma­tisch ge­gen die Per­son des Klägers ge­rich­te­ter An­griff und kei­ne „Belästi­gung" ge­se­hen wer­den.

3. An­geb­li­che Ver­wer­fung von Ein­spar­vor­schlägen
Der Vor­wurf des Klägers, sein Vor­schlag zur Ver­wen­dung ei­ge­nen Kno­chen­ma­te­ri­als der Pa­ti­en­ten als Kno­chendübel sei ver­wor­fen wor­den, oh­ne dass nur ver­sucht wor­den sei, sich in­halt­lich da­mit zu beschäfti­gen, sei nicht verständ­lich. Bei den da­ma­li­gen Über­le­gun­gen sei es um wirt­schaft­li­che Fra­gen ge­gan­gen, die er als Chef­arzt und Lei­ter der Ab­tei­lung in Ab­stim­mung mit dem Kran­ken­haus­träger zu ent­schei­den ge­habt ha­be. Zu­tref­fend sei zwar, dass er zu die­sem The­ma des­halb auch kei­ne lan­ge Dis­kus­si­on mit den ihm un­ter­stell­ten Ärz­ten gewünscht ha­be. Ein in ir­gend­ei­ner Wei­se un­an­ge­mes­se­nes oder ver­let­zen­des Ver­hal­ten ge­genüber dem Kläger sei je­doch nicht er­kenn­bar und sei zu be­strei­ten. Im vor­an­ge­gan­ge­nen Pro­zess vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm ha­be le­dig­lich der Zeu­ge Dr. K3 erklären können, dass er, der Be­klag­te, da­mals ei­ne ent­spre­chen­de Dis­kus­si­on ab­ge­bro­chen ha­be, da er sei­ne Ent­schei­dung be­reits ge­trof­fen ge­habt ha­be. Ein in ir­gend­ei­ner Wei­se un­an­ge­mes­se­nes Ver­hal­ten sei in­so­weit nicht zu er­ken­nen.

 

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4. An­geb­li­che Ab­mah­nun­gen
Die von dem Kläger hier­zu vor­ge­tra­ge­ne Sicht­wei­se sei schlich­ter Un­sinn. Es ge­he nicht dar­um, dass dem Kläger mit der Ab­mah­nung vor­ge­wor­fen wer­de, dass er ei­ne An­ord­nung des Chef­arz­tes zur Ver­le­gung ei­nes Pa­ti­en­ten wi­der­spro­chen ha­be. Wenn man das Schrei­ben vom 27.02.2003 durch­le­se, wer­de deut­lich, dass aus­drück­lich gerügt wer­de, dass der Kläger in An­we­sen­heit der Pa­ti­en­tin geäußert ha­be, die­se sei „zu pan­ne", um auf die Nor­mal­sta­ti­on über­nom­men zu wer­den. Der Kläger könne nicht er­war­ten, dass er, der Be­klag­te, als Chef­arzt ein der­ar­tig un­an­ge­mes­se­nes und be­lei­di­gen­des Ver­hal­ten ei­nes ihm un­ter­stell­ten Ober­arz­tes ge­genüber ei­ner Pa­ti­en­tin wi­der­spruchs­los hin­neh­me. An dem Schrei­ben vom 27.02.2003 sei nichts zu be­an­stan­den. Zu­dem sei dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das Schrei­ben vom 27.02.2003 auch kei­nes­wegs ei­ne „Ab­mah­nung" im rechts­tech­ni­schen Sin­ne dar­stell­te. Es han­de­le sich er­sicht­lich um ei­ne bloße „Er­mah­nung" und die Auf­for­de­rung, gleich­ar­ti­ge oder ähn­li­che Äußerun­gen ge­genüber und in An­we­sen­heit von Pa­ti­en­ten künf­tig zu un­ter­las­sen. Für die Er­tei­lung von Ab­mah­nun­gen sei die Per­so­nal­ab­tei­lung des Kran­ken­hau­ses zuständig.

5. Vier Bohrlöcher
Zu­tref­fend sei, dass er im An­schluss an die Be­spre­chung ei­ner Ope­ra­ti­on, in wel­cher der Kläger als zuständi­ger Ope­ra­teur vier Bohrlöcher zur Durchführung ei­ner Tre­pa­na­ti­on vor­ge­nom­men ha­be, zu den bei der Be­spre­chung an­we­sen­den Ärz­ten ge­sagt ha­be, künf­tig soll­ten möglichst nur ein oder zwei Bohrlöcher vor­ge­nom­men wer­den. Zu­tref­fend sei auch, dass er an­ge­bo­ten ha­be, die­se Ope­ra­ti­ons­me­tho­de je­dem zu zei­gen, der sie nicht be­herr­sche. Nicht rich­tig sei al­ler­dings, dass die­se Äußerung in ir­gend­ei­ner Wei­se „her­ab­las­send" oder „ag­gres­siv" ge­we­sen sei oder er den Kläger hier­mit in ir­gend­ei­ner Wei­se ha­be bloßstel­len wol­len. Viel­mehr sei es ihm le­dig­lich dar­um ge­gan­gen, dass er die Vor­nah­me von der­art vie­len Bohrlöchern als ver­al­tet und me­di­zi­nisch nicht ge­bo­ten be­wer­tet ha­be und des­halb die ihm un­ter­ste­hen­den Ärz­te da­zu ha­be an­hal­ten wol­len, zukünf­tig ei­ne mo­der­ne­re Ope­ra­ti­ons­me­tho­de an­zu­wen­den, bei der we­ni­ger Bohrlöcher er­for­der­lich sei­en. Hin­ter­grund sei, dass ein­mal in den Schädel­kno­chen ein­ge­brach­te Bohrlöcher sich nie wie­der knöchern ver­sch­ließen würden, son­dern nur bin­de­ge­we­big durch­baut würden. Sie sei­en des­halb le­bens­lang als „häss­li­che" Ver­tie­fun­gen der Haut sicht-

 

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und tast­bar. Die­se ästhe­tisch unschöne Fol­ge sei auf­grund der heu­te zur Verfügung ste­hen­den mo­der­nen Ope­ra­ti­ons­mit­tel und der dar­aus fol­gen­den Ent­behr­lich­keit der­art vie­ler Bohrlöcher gut ver­meid­bar. Mit der Äußerung sei der Kläger - weil er die da­ma­li­ge Ope­ra­ti­on als zuständi­ger Ope­ra­teur ge­lei­tet ha­be - zwar persönlich an­ge­spro­chen ge­we­sen. Zu­gleich ha­be er da­mals je­doch mit sämt­li­chen an­we­sen­den Ärz­ten ge­re­det, für die die ent­spre­chen­de Hand­lungs­an­wei­sung glei­cher­maßen ge­gol­ten ha­be.

6. Zu­wei­sung ei­ner Ope­ra­ti­on an Dr. S2
Der in­so­weit vom Kläger er­ho­be­ne Vor­wurf sei nicht verständ­lich. Ihm sei nicht be­kannt, dass der Kläger sei­ner­zeit erklärt hätte, er wer­de den frag­li­chen Pa­ti­en­ten „an­neh­men". Der vom Kläger ge­schil­der­te Sach­ver­halt las­se es na­he­lie­gend er­schei­nen, dass er ei­ne der­ar­ti­ge Erklärung des Klägers, falls sie denn tatsächlich ab­ge­ge­ben wor­den sein soll­te, ver­mut­lich gar nicht mit­be­kom­men ha­be. Letzt­lich kom­me es dar­auf je­doch nicht an. Die von dem Kläger ge­schil­der­te Erklärung be­deu­te nicht, dass der Kläger für die Ope­ra­ti­on be­reits fest ein­ge­teilt ge­we­sen wäre und erst an­sch­ließend hier­von wie­der ab­ge­zo­gen wor­den wäre. Wie der Kläger aus ei­ner un­wi­der­spro­chen ge­blie­be­nen ei­ge­nen Erklärung, er wer­de „die­sen Pa­ti­en­ten an­neh­men", ir­gend­wel­che Ansprüche her­lei­ten wol­le, sei nicht nach­voll­zieh­bar. Es sei nicht er­sicht­lich, wie­so er als Chef­arzt ge­hin­dert ge­we­sen sein soll­te, die Zeu­gin Dr. S2 für die frag­li­che Ope­ra­ti­on ein­zu­tei­len. Ein Wert­ur­teil oder ei­ne Ag­gres­si­on ge­genüber dem Kläger sei hier­mit je­den­falls nicht ver­bun­den.

7. Hin­ter­ge­hen des vor­ma­li­gen Chef­arz­tes Dr. T1
Wenn der Kläger ihm vor­wer­fe, er ha­be ver­brei­tet, der Kläger hätte den vor­ma­li­gen Chef­arzt Dr. T1 hin­ter­ge­gan­gen und des­sen Raus­wurf ver­an­lasst, so sei­en die­se Vorwürfe frei er­fun­den. Im Par­al­lel­ver­fah­ren ha­be der Kläger hier­zu nur von ei­nem Vier­au­gen­gespräch ge­spro­chen. Von ei­ner Ver­brei­tung die­ser Vorwürfe sei bis­her nie die Re­de ge­we­sen. Zu­dem sei die Dar­stel­lung des Klägers, die er im vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­fah­ren gar nicht auf­ge­stellt ha­be, auch noch völlig un­sub­stan­ti­iert. Der Kläger möge ein­mal kon­kret mit­tei­len, wem ge­genüber er die frag­li­che Aus­sa­ge an­geb­lich getätigt ha­ben sol­le. Hier­zu blei­be der Kläger je­de An­ga­be schul­di­ge. Zu kei­nem Zeit­punkt ha­be er in ir­gend­ei­ner Form be­haup­tet, der Kläger ha­be Herrn Dr. T1 hin­ter­gan­gen, und zwar we­der ge­genüber dem Kläger

 

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persönlich noch ge­genüber ir­gend­je­mand an­ders. Zu­tref­fend sei viel­mehr, dass er nach Auf­nah­me sei­ner Tätig­keit im St.-M3-Hos­pi­tal L1 von ver­schie­de­nen Sei­ten gehört ha­be, dass der Kläger schon ge­gen den vor­ma­li­gen Chef­arzt Dr. T1 ge­wet­tert und an des­sen Stuhl­bein gesägt ha­be. Al­lein um den Kläger Ge­le­gen­heit zu ge­ben, hier­zu Stel­lung zu neh­men und um sich ein ei­ge­nes Bild von der Sicht des Klägers auf die­se An­ge­le­gen­heit zu ma­chen, ha­be er die­se Vorwürfe dann in ei­nem Vier­au­gen­gespräch mit dem Kläger erörtert. Zu kei­nem Zeit­punkt ha­be er sich die Vorwürfe selbst zu Ei­gen ge­macht oder gar als ei­ge­ne Be­haup­tung ge­genüber dem Kläger er­ho­ben. Er ha­be dem Kläger durch die­se Vor­ge­hens­wei­se deut­lich ma­chen wol­len, dass er Gerüch­ten und Vorwürfen von Sei­ten Drit­ter schon aus Prin­zip kei­nen Glau­ben schen­ke, son­dern sich im­mer erst ein ei­ge­nes Bild ma­che, und hier­zu ins­be­son­de­re auch die von den Gerüch­ten und Vorwürfen be­trof­fe­ne Per­son zunächst ein­mal selbst zu Wort kom­men las­se.

8. Vor­wurf un­lau­te­rer Mo­ti­ve
Nicht rich­tig sei, dass er zu dem Kläger bei der frag­li­chen Si­tua­ti­on ge­sagt ha­be, er ar­gu­men­tie­re nur so, „um sei­nen Arsch im Bett las­sen zu können, des Wei­te­ren um sei­ne Pfründe zu si­chern". Rich­tig sei viel­mehr, dass er da­mals zu dem Kläger ge­sagt ha­be: „Nur weil Sie zu bräsig sind, nachts auf­zu­ste­hen, wol­len Sie mit den Neu­ro­lo­gen kei­ne Diens­te ma­chen." Die­se Äußerung sei auch sei­ner­zeit im Rah­men der Be­weis­auf­nah­me vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm im vor­an­ge­gan­ge­nen Rechts­streit ge­gen das Kran­ken­haus durch die Zeu­gen Dr. K3 und Dr. E1 aus­drück­lich bestätigt wor­den. Hin­ter­grund sei ge­we­sen, dass er persönlich sich außer­or­dent­lich darüber geärgert ha­be, wie der Kläger vor­her über die neu­ro­lo­gi­schen Kol­le­gen ge­spro­chen ha­be. Der Kläger ha­be aus sei­ner, des Be­klag­ten, Sicht ein­deu­tig be­lei­di­gen­de und rufschädi­gen­de Äußerun­gen über die neu­ro­lo­gisch täti­gen Kol­le­gen ab­ge­ge­ben, un­ter an­de­rem die Be­haup­tung, es sei­en be­reits Pa­ti­en­ten ver­stor­ben, weil die Kol­le­gen das Krank­heits­bild nicht er­kannt hätten. Dies ha­be ihn, den Be­klag­ten, er­heb­lich auf­ge­bracht. Die Be­zeich­nung „bräsig" be­deu­te „dick­fel­lig" oder „nicht im Stan­de, sich zu be­we­gen" (so die ent­spre­chen­de De­fi­ni­ti­on im Du­den). In die­sem Sin­ne ha­be er das Wort ver­stan­den und be­nutzt. Natürlich sol­le nicht in Zwei­fel ge­zo­gen wer­den, dass auch die­se For­mu­lie­rung un­an­ge­mes­sen ge­we­sen sei. Dies sei ihm auch un­mit­tel­bar nach der Äußerung be­wusst ge­wor­den. Er ha­be sich des­halb so­fort ent­schul­digt, und zwar

 

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noch während der Be­spre­chung. An­sch­ließend ha­be er sich so­gar noch ein zwei­tes Mal ent­schul­digt, weil er nicht ge­wollt ha­be, dass die­se gänz­lich un­be­dach­te und in der Hit­ze der Dis­kus­si­on ge­fal­le­ne Äußerun­gen zu ei­ner Ver­schlech­te­rung des Verhält­nis­ses zwi­schen den Par­tei­en führe. So ha­be der Kläger we­ni­ge Ta­ge später im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Ein­schal­tung des Kon­flikt­be­auf­trag­ten des Kran­ken­hau­ses in ei­ner Gesprächs­no­tiz an­ge­ge­ben, dass er, der Be­klag­te, sich für sei­ne Äußerun­gen „um­ge­hend ent­schul­digt" ha­be (An­la­ge B 2, Bl. 410 a GA).

9. Ne­ga­ti­ve Äußerun­gen nie­der­ge­las­se­ner Ärz­te
Zu­tref­fend sei, dass er in ei­nem Kon­flikt­gespräch vom 24.06.2003 an­ge­ge­ben ha­be, dass er sich kurz nach sei­ner Be­ru­fung zum Chef­arzt bei den nie­der­ge­las­se­nen Fach­kol­le­gen im Um­kreis des Kran­ken­hau­ses vor­ge­stellt ha­be und sich hier­bei ei­ni­ge die­ser nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te sehr ne­ga­tiv über den Kläger geäußert hätten. Hier­in lie­ge kei­ne Pflicht­ver­let­zung. Er ha­be die­se ne­ga­ti­ven Äußerun­gen schließlich nicht er­fun­den. In der Tat hätten sich da­mals ei­ne gan­ze Rei­he Ärz­te über den Kläger be­schwert. Zu nen­nen sei ins­be­son­de­re Herr Dr. M2. Die­ser ha­be sich of­fen­bar re­gelmäßig stark durch den Kläger be­vor­mun­det gefühlt. Dies ha­be Dr. M2 nicht nur ge­genüber ihm, dem Be­klag­ten, son­dern gleich mehr­fach ge­genüber Frau Dr. S2 geäußert. Im Übri­gen sei dem Kläger ganz ge­nau be­kannt, dass es auch schon zu Zei­ten des vor­ma­li­gen Chef­arz­tes Dr. T1 zahl­rei­che ne­ga­ti­ve Äußerun­gen von nie­der­ge­las­se­nen Ärz­ten über den Kläger ge­ge­ben ha­be. Da­bei sei es nie um die fach­li­chen ärzt­li­chen Fähig­kei­ten des Klägers ge­gan­gen, son­dern stets um sei­nen Ton­fall ge­genüber den Ärz­ten so­wie um den Ton­fall ge­genüber den be­han­del­ten Pa­ti­en­ten. Bei dem Kon­flikt­gespräch vom 24.06.2003 ha­be er sich die Be­schwer­den der nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te kei­nes­wegs selbst zu Ei­gen ge­macht. Er ha­be le­dig­lich den Kläger über die ne­ga­ti­ven Äußerun­gen der Ärz­te in­for­miert. Hier­in lie­ge kei­ne Pflicht­ver­let­zung.

10. Ver­wei­ge­rung von Coa­ching-Gesprächen
Zu­tref­fend sei, dass da­mals ver­ein­bart ge­we­sen sei, ein so­ge­nann­tes Coa­ching un­ter Mo­de­ra­ti­on der Her­ren D3 und S3 durch­zuführen, um zu ver­su­chen, die be­ste­hen­den Kon­flik­te zu lösen. Tatsächlich hätten auch zwei sol­cher Coa­ching-Ter­mi­ne statt­ge­fun­den. Ge­gen En­de des zwei­ten Gespräches hätten die Her­ren D3 und S3 ihn nach sei­ner ehr­li­chen Einschätzung ge­fragt, ob im Rah­men die­ses

 

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Coa­chings ei­ne dau­er­haf­te Kon­fliktlösung zu er­rei­chen sei. Hier­auf ha­be er wahr­heits­gemäß ge­ant­wor­tet, dass er nicht glau­be, dass Coa­ching die Pro­ble­me, die der Kläger of­fen­sicht­lich mit ihm ha­be, lösen könne. Mit ei­ner an­geb­li­chen „ka­te­go­ri­schen Ab­leh­nung" der Coa­ching-Gespräche ha­be dies je­doch nichts zu tun. Ganz im Ge­gen­teil wäre er durch­aus be­reit ge­we­sen, an wei­te­ren Coa­ching-Ter­mi­nen teil­zu­neh­men. Er ha­be le­dig­lich beträcht­li­che Zwei­fel ge­habt, ob die Gespräche tatsächlich als zielführend an­zu­se­hen ge­we­sen sei­en. Dem­ent­spre­chend ha­be er sich ei­gent­lich dar­auf ein­ge­stellt, dass das drit­te be­reits an­be­raum­te Gespräch eben­falls wie ver­ein­bart statt­fin­den wer­de. Am En­de der zwei­ten Sit­zung sei so­gar noch aus­drück­lich darüber ge­spro­chen wor­den, dass ins­ge­samt vor­aus­sicht­lich sie­ben oder acht Gespräche er­for­der­lich sein würden. Auch hier­mit sei er ein­ver­stan­den ge­we­sen. Hier­zu sei es al­ler­dings nicht mehr ge­kom­men, weil das Kran­ken­haus die Fortführung der Gespräche zu­vor ab­ge­bro­chen ha­be (ver­mut­lich man­gels Er­folgs­aus­sicht). Er ha­be kei­nes­falls zum Aus­druck brin­gen wol­len, dass er ei­ne Kon­fliktlösung mit dem Kläger et­wa ab­leh­ne.

11. Ei­genmäch­ti­ge Ur­laubs­gewährung
Wenn der Kläger als Be­leg für ein an­geb­li­ches „Mob­bing" das Schrei­ben vom 26.09.2003 vor­le­ge, sei die­ser Vor­wurf nicht nach­voll­zieh­bar. In die­sem Schrei­ben ha­be er le­dig­lich in sach­li­cher Form mo­niert, dass es auf­grund ei­ner sehr kurz­fris­ten Ur­laubs­be­an­tra­gung durch den Kläger so­wie auf­grund des Um­stan­des, dass ihm die gleich­zei­ti­ge Ab­we­sen­heit des wei­te­ren Ober­arz­tes Dr. K3 hätte be­kannt sein müssen, zu ei­ner per­so­nel­len Un­ter­be­set­zung der neu­ro­chir­ur­gi­schen Be­reichs ge­kom­men sei. Ein Vor­wurf, der Kläger hätte sich „selbst be­ur­laubt", sei dem Schrei­ben nicht zu ent­neh­men. Auch ent­hal­te das Schrei­ben kei­ner­lei ag­gres­si­ve oder den Kläger miss­ach­ten­de Wort­wahl. Ganz im Ge­gen­teil sei es für ei­nen un­vor­ein­ge­nom­me­nen Le­ser - trotz der sach­li­chen Kri­tik am da­ma­li­gen Ver­hal­ten des Klägers - so­gar äußerst freund­lich for­mu­liert. So sei auf den letz­ten Ab­satz des Schrei­bens zu ver­wei­sen, in dem er aus­drück­lich sei­ner Er­war­tung ei­ner „wei­te­ren gu­ten Zu­sam­men­ar­beit mit mir und den Kol­le­gen der Kli­nik" sei­nen Aus­druck ge­ge­ben ha­be. Es sei nicht nach­voll­zieh­bar, in­wie­weit der Kläger die­ses Schrei­ben als „Schi­ka­ne" oder De­gra­die­rung auf­fas­sen könne. Viel­mehr müsse vom Kläger er­war­tet wer­den, sich im Rah­men sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auch mit sach­lich

 

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be­gründe­ter Kri­tik aus­ein­an­der­zu­set­zen, oh­ne dies gleich als Ag­gres­si­on oder Miss­ach­tung sei­ner Per­son zu ver­ste­hen.

12. Ei­genmäch­ti­ge Be­hand­lung ei­ner Pa­ti­en­tin
Die da­hin ge­hen­den Be­haup­tun­gen des Klägers zum Vor­fall am 29.09.2003 sei­en ins­ge­samt zu be­strei­ten. Die Zeu­gin W2 ha­be be­reits im Rah­men der Be­weis­auf­nah­me im vor­an­ge­gan­ge­nen Pro­zess vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm ein­deu­tig be­kun­det, sich an ein der­ar­ti­ges Vor­kom­men nicht er­in­nern zu können.

13. Zu­sam­men­le­gung Kläger - Dr. K3
So­weit der Kläger rüge, im Ok­to­ber 2003 sei ei­ne Zu­sam­men­set­zung mit dem Ober­arzt Dr. K3 er­folgt, sei das in kei­ner Wei­se zu be­an­stan­den. Hin­ter­grund der Um­or­ga­ni­sa­ti­on sei zunächst ge­we­sen, dass die neu­ro­chir­ur­gi­sche Am­bu­lanz be­reits im Frühjahr 2003 in ei­nen neu ge­bau­ten Kran­ken­haus­flügel um­ge­zo­gen ge­we­sen sei. Dort hätten al­ler­dings nur zwei Ober­arzt-Zim­mer zur Verfügung ge­stan­den. Die­se sei­en so­dann von dem Kläger ei­ner­seits so­wie Frau Dr. S2 an­de­rer­seits be­legt wor­den. Der drit­te Ober­arzt Dr. K3 sei da­ge­gen bis auf Wei­te­res in sei­nem Zim­mer auf der Sta­ti­on ver­blie­ben. Dort sei Herr Dr. K3 auf­grund der räum­li­chen Ent­fer­nung nur un­zu­rei­chend in die Or­ga­ni­sa­ti­on der Ab­tei­lung ein­ge­bun­den ge­we­sen. So sei es bei­spiels­wei­se im­mer wie­der vor­ge­kom­men, dass Pa­ti­en­ten un­mit­tel­bar bei Herrn Dr. K3 vor­ge­spro­chen hätten, oh­ne zu­vor ord­nungs­gemäß an­ge­mel­det wor­den zu sein, etc. Fer­ner sei­en auf der Sta­ti­on ins­ge­samt fünf As­sis­tenzärz­te (dar­un­ter ei­ni­ge Fachärz­te) in ei­nem ein­zi­gen Ar­beits­zim­mer un­ter­ge­bracht ge­we­sen. Aus die­sem Grund ha­be er sich im Herbst 2003 ent­schlos­sen, al­le drei Oberärz­te auf der neu­ro­chir­ur­gi­schen Am­bu­lanz im Neu­bau zu­sam­men­zuführen. Er ha­be durch die­se Maßnah­me nicht nur er­rei­chen wol­len, dass Herr Dr. K3 wie­der stärker in die Ab­tei­lungs­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­bun­den wer­de. Viel­mehr ha­be den As­sis­tenzärz­ten durch den Um­zug von Herrn Dr. K3 auch ein wei­te­res Zim­mer zur Verfügung ge­stellt und da­durch die Si­tua­ti­on auf der Sta­ti­on deut­lich ent­las­tet wer­den können. Für die kon­kre­te Zim­mer­ver­tei­lung sei dann aus­schlag­ge­bend ge­we­sen, dass Herr Dr. K3 und der Kläger be­reits zu­vor zwölf Jah­re lang (und bis zwar noch bis zum März 2001) ge­mein­sam in ei­nem Zim­mer ge­ar­bei­tet hätten. Aus die­sem Grund ha­be er kei­ner­lei Hin­de­rungs­gründe ge­se­hen, die­se Be­set­zung wie­der so vor­zu­neh­men, wie

 

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es die­se zwölf Jah­re lang pro­blem­los ge­hand­habt wor­den sei. Zum an­de­ren sei es na­he­lie­gend ge­we­sen, der ein­zi­gen weib­li­chen Oberärz­tin ein ei­ge­nes Zim­mer zu­zu­ge­ste­hen, weil sich die Ärz­te in der Pra­xis auch in ih­ren Zim­mern umzögen. Er ha­be sein Vor­ge­hen so­wohl Herrn Dr. K3 als auch dem Kläger ge­genüber erläutert. Bei­de hätten sich mit der ge­plan­ten Zu­sam­menführung in ei­nem Büro ein­ver­stan­den erklärt. Mit die­ser Maßnah­me sei des­halb aber auch we­der ei­ne Her­abwürdi­gung des Klägers noch des Dr. K3 ver­bun­den ge­we­sen. Auch in an­de­ren Ab­tei­lun­gen des Kran­ken­hau­ses (et­wa in der Uro­lo­gie) säßen teil­wei­se zwei Oberärz­te auf ei­nem Zim­mer. Dem­ent­spre­chend ha­be auch Herr Dr. K3 dies nicht als persönli­chen An­griff ge­se­hen. Eben­so we­nig ha­be es sich um ei­nen persönli­chen An­griff ge­gen den Kläger ge­han­delt. Die Maßnah­me sei ar­beits­recht­lich ab­so­lut „neu­tral".

14. An­ord­nung von Ope­ra­tio­nen in Bauch­la­ge
Die Be­haup­tun­gen des Klägers hin­sicht­lich ei­nes Vor­falls vom 04./05.11.2003 sei­en ins­ge­samt zu be­strei­ten. Nicht rich­tig sei, dass die Pa­ti­en­tin am 05.11.2003 in ei­ner La­ge­rung ope­riert wor­den sei, über die sie zu­vor nicht auf­geklärt wor­den sei. Dies sei schlicht falsch. Die Ope­ra­ti­on vom 05.11.2003 sei ex­akt so durch­geführt wor­den, wie dies vor­her der Pa­ti­en­tin dar­ge­legt wor­den sei. Falsch sei auch die Dar­stel­lung des Klägers, durch die Ope­ra­ti­on in Bauch­la­ge sei ein „erhöhtes Ri­si­ko" ein­ge­tre­ten. Wie der Kläger ge­nau wis­se, ha­be die da­ma­li­ge Dis­kus­si­on darüber, ob be­stimm­te Ope­ra­tio­nen künf­tig in sit­zen­der La­ge oder aber in Bauch­la­ge vor­ge­nom­men wer­den soll­ten, nicht et­wa auf ei­ner bloßen „Vor­lie­be" sei­ner­seits für ei­ne be­stimm­te Po­si­ti­on be­ruht, son­dern auf ei­nem ent­spre­chen­den An­s­toß des Chef­arz­tes der Anästhe­sie. Die­ser ha­be ihn, den Be­klag­ten, da­mals dar­auf an­ge­spro­chen, dass ihm die La­ge­rung in Sitz­po­si­ti­on „ein Dorn im Au­ge" sei, da er die­se für äußerst gefähr­lich hal­te. So könne es auf­grund des Nar­ko­se­zu­stands der Pa­ti­en­ten in die­ser Po­si­ti­on zu Herz-Kreis­lauf-Kom­pli­ka­tio­nen kom­men, die bis zum To­de führen könn­ten. Er ha­be dem Arzt Dr. W3 dar­auf­hin zu­ge­sagt, der­ar­ti­ge Ope­ra­tio­nen künf­tig so­weit wie möglich in Bauch­la­ge vor­zu­neh­men. Ent­ge­gen der Dar­stel­lung des Klägers sei die Um­stel­lung auf die Bauch­la­ge­rung des­halb so­gar aus­drück­lich zum Zwe­cke der Ri­si­ko­mi­ni­mie­rung er­folgt. Zur wei­te­ren Erläute­rung sei dar­auf hin­zu­wei­sen, dass am 03.03.2008 ein wei­te­res Gespräch zwi­schen ihm und dem Ers­ten Ober­arzt der Anästhe­sie, dem Chef­arzt der Kar­dio­lo­gi­schen Kli­nik und des­sen Ober­arzt statt­ge­fun­den ha­be. In die­sem Tref­fen sei sei­tens die­ser Ärz­te noch ein­mal

 

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ein­dring­lich um die Ab­schaf­fung der ri­si­koträch­ti­gen Sitz­la­ge­rung ge­be­ten wor­den. Nicht rich­tig sei, dass er in der Frühbe­spre­chung vom 06.11.2003 zum Kläger ge­sagt ha­be „Ich bin hier der Ope­ra­teur und Sie sind mein Hand­lan­ger. Sie ha­ben zu tun, was ich Ih­nen sa­ge!". Ei­ne sol­che Äußerung ha­be er nie getätigt. Glei­ches gel­te für die Aus­sa­ge „Se­hen Sie, Sie lau­fen bei mir vor die Wand. War­um ma­chen Sie das im­mer wie­der?". Auch ei­ne sol­che Äußerung ha­be er nie getätigt. Im vor­an­ge­gan­ge­nen Pro­zess vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm ha­be kei­ner der Zeu­gen die an­geb­li­chen Äußerun­gen bestäti­gen können.

15. Nicht­wei­ter­lei­tung von Post an den Kläger
Der in die­sem Zu­sam­men­hang von dem Kläger er­ho­be­ne Vor­wurf sei nicht ge­recht­fer­tigt. In der Tat ha­be er da­mals von ei­ner In­for­ma­ti­on des Klägers ab­ge­se­hen. Dies sei al­ler­dings ein­zig und al­lein aus dem Grund er­folgt, weil der Kläger zum da­ma­li­gen Zeit­punkt be­reits psy­chisch er­krankt ge­we­sen sei und von sei­nem Arzt ar­beits­unfähig ge­schrie­ben ge­we­sen sei. Er, der Be­klag­te, ha­be den Kläger nicht wei­te­rem Stress durch ei­ne Kon­fron­ta­ti­on mit den Vorwürfen ei­nes ärzt­li­chen Kunst­feh­lers so­wie ei­ner fahrlässi­gen Tötung aus­set­zen wol­len, da er hier­durch die Ge­fahr ei­ner wei­te­ren Verzöge­rung der Ge­ne­sung ge­se­hen ha­be. Dies ha­be im Vor­pro­zess auch die Zeu­gin W2 vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm ein­deu­tig bestätigt. Es sei er­staun­lich, wie der Kläger aus ei­ner sei­nem Schutz die­nen­den Vor­ge­hens­wei­se nun­mehr den Vor­wurf ei­nes ge­ziel­ten Mob­bings ma­chen wol­le.

16. Fest­le­gung des Dienst­plans oh­ne Ab­spra­che
Die­ser Vor­wurf sei eben­falls nicht be­rech­tigt. Zu be­ach­ten sei, dass der Kläger in der ge­sam­ten Zeit vom 13.11.2003 bis zum 06.05.2004 ar­beits­unfähig er­krankt ge­we­sen sei. Erst am 07.05.2004 ha­be er sei­nen Dienst wie­der an­ge­tre­ten. Ent­ge­gen je­der Üblich­keit ha­be sich der Kläger im Vor­feld die­ses Wie­der­an­tritts zu kei­nem Zeit­punkt bei ihm ge­mel­det und sich bei ihm et­wa über die La­ge sei­nes Diens­tes in­for­miert. Er sei sich des­halb nicht si­cher ge­we­sen, ob der Kläger sei­nen Dienst am 07.05.2004 (nach im­mer­hin Jahr krank­heits­be­ding­ter Ab­we­sen­heit) über­haupt wie­der auf­neh­men wer­de. Völlig un­an­ge­mel­det sei der Kläger an je­nem Mor­gen dann wie­der zum Dienst er­schie­nen. Der Kläger ha­be nicht ernst­haft er­war­ten können, dass er mit der Fest­le­gung der Diens­te so lan­ge war­ten wer­de. Wenn der Kläger ei­ne vor­he­ri­ge

 

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Ab­spra­che sei­ner Diens­te gewünscht hätte, hätte er sich des­halb selbst bei ihm mel­den müssen. Hier­aus ei­ne Mob­bing-Hand­lung kon­stru­ie­ren zu wol­len, bedürfe ei­ni­ger Phan­ta­sie.

17. Ver­wei­ge­rung ei­nes Diens­te-Tau­sches
Die Dar­stel­lung des Klägers wer­de be­strit­ten. Es sei dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es da­mals in der Tat nicht oh­ne Wei­te­res möglich ge­we­sen sei, die­sen Dienst zu tau­schen. Sämt­li­che in Fra­ge kom­men­den an­de­ren Ärz­te sei­en be­reits an­der­wei­tig ver­hin­dert ge­we­sen. Die Be­haup­tung des Klägers, sei­ne Bit­te nach ei­nem Tausch der Diens­te sei ab­ge­lehnt wor­den, sei aber auch schlicht falsch. Im Ge­gen­teil sei es im Er­geb­nis nämlich er, der Be­klag­te selbst, ge­we­sen, wel­cher sich - und zwar ge­ra­de weil kein an­de­rer Arzt den Dienst mit dem Kläger ha­be tau­schen können - be­reit erklärt ha­be, den frag­li­chen Dienst für den Kläger zu über­neh­men.

18. Äußerung bezüglich „An­walt mit­brin­gen"
Die Dar­stel­lung des Klägers bezüglich des Vor­falls vom 07.05.2004 und sei­ner da­ma­li­gen Be­mer­kung, der Kläger könne „ja sei­nen An­walt mit­brin­gen", wer­de be­strit­ten. Der Kläger stel­le die­se Äußerung of­fen­sicht­lich be­wusst in ei­nen fal­schen Zu­sam­men­hang. Tatsächlich sei es so ge­we­sen: Als der Kläger nach der lan­gen Ar­beits­unfähig­keit am 07.05.2004 wie­der zu sei­ner Ar­beit er­schie­nen sei, ha­be er sich ins­be­son­de­re im Hin­blick auf den Um­stand, dass die­se Ar­beits­unfähig­keit auf ei­ner psy­chi­schen Er­kran­kung des Klägers be­ruht ha­be, zunächst in ei­nem persönli­chen Gespräch vom ge­sund­heit­li­chen Zu­stand des Klägers und sei­ner wie­der­her­ge­stell­ten Be­las­tungsfähig­keit über­zeu­gen wol­len. Auf die­se Bit­te zu ei­nem persönli­chen Gespräch ha­be der Kläger ge­ra­de­zu im Sin­ne ei­ner Ar­beits­ver­wei­ge­rung re­agiert. Er ha­be ihm mit­ge­teilt, dass er mit ihm kei­ne Vier­au­gen­gespräche mehr führe und des­halb künf­tig bei jeg­li­chen Be­spre­chun­gen auf der An­we­sen­heit Drit­ter, und zwar ins­be­son­de­re sei­nes An­walts, be­ste­hen wer­de. Verständ­li­cher­wei­se sei er über die­se Mit­tei­lung des Klägers sehr ver­wun­dert ge­we­sen. Sei­ne Hoff­nun­gen auf ei­ne künf­ti­ge kol­le­gia­le Zu­sam­men­ar­beit mit dem Kläger und ei­ne Ver­bes­se­rung des Verhält­nis­ses ha­be er enttäuscht ge­se­hen. Er ha­be dem Kläger nur re­si­gniert ge­ant­wor­tet, dass er sei­nen An­walt dann eben di­rekt mit­brin­gen sol­le. Die­se Be­mer­kung sei we­der „her­ab­las­send" noch „iro­nisch" ge­meint ge­we­sen. Der For­de­rung des Klägers, bei künf­ti­gen Be­spre­chun­gen auf

 

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an­walt­li­chem Bei­stand zu be­ste­hen, ha­be er fas­sungs­los ge­genüber­ge­stan­den, da ihm ein sol­ches Ver­lan­gen in sei­ner ge­sam­ten be­ruf­li­chen Lauf­bahn noch nicht un­ter­ge­kom­men sei.

19. Se­kretärin im Büro des Klägers
Der Vor­fall vom 10.05.2004 wer­de von dem Kläger of­fen­sicht­lich wi­der bes­se­res Wis­sen dar­ge­stellt. Be­reits vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm ha­be die Zeu­gin W2 klar­ge­stellt, dass der dies­bezügli­che Vor­wurf le­dig­lich auf ei­nem Miss­verständ­nis des Klägers be­ru­he. Bei der vom Kläger an­ge­spro­che­nen Teil­zeit­kraft ha­be es sich um die auf der neu­ro­chir­ur­gi­schen Ab­tei­lung als Schreib­kraft ein­ge­setz­te Frau W4 ge­han­delt. Die­se Zeu­gin ha­be sich zunächst in El­tern­zeit be­fun­den ge­habt und ha­be ih­re Ar­beit dann An­fang Mai 2004 für ei­nen hal­ben Tag pro Wo­che (je­weils mon­tags für vier St­un­den) wie­der auf­ge­nom­men. Während der El­tern­zeit sei der ursprüng­lich von Frau W4 ge­nutz­te Com­pu­ter an den Kläger wei­ter­ge­ge­ben und in des­sen Büro in­stal­liert wor­den. Im Schreib­zim­mer der Ab­tei­lung sei dafür ein neu­er PC auf­ge­stellt wor­den. Nach der Rück­kehr von Frau W4 ha­be es die EDV-Ab­tei­lung des Kran­ken­hau­ses nicht ge­schafft, der Mit­ar­bei­te­rin W4 recht­zei­tig ei­ne Nut­zer­ken­nung für den neu­en PC zu­zu­wei­sen. Dem­ent­spre­chend sei Frau W4 zunächst nicht in der La­ge ge­we­sen, an die­sem neu­en PC zu ar­bei­ten. An ih­rem ers­ten Ar­beits­tag (03.05.2004) ha­be Frau W4 des­halb „zur Über­brückung" Ar­chi­vie­rungs­ar­bei­ten er­le­digt. Der vom Kläger an­ge­spro­che­ne 10.05.2004 sei dann der zwei­te Ar­beits­tag ge­we­sen. Auch an die­sem Tag sei der neue PC im­mer noch nicht für Frau W4 ein­ge­rich­tet ge­we­sen. Da über­dies kei­ner­lei „Über­brückungs­ar­bei­ten" mehr zu er­le­di­gen ge­we­sen sei­en, ha­be zu befürch­ten ge­stan­den, dass Frau W4 an die­sem Tag ins­ge­samt nicht ar­bei­ten könne. Dar­auf­hin ha­be die Zeu­gin W2 ihn, den Be­klag­ten, ge­fragt, ob sie den Kläger dar­um bit­ten dürfe, Frau W4 ih­ren al­ten PC im Büro des Klägers kurz­zei­tig zur Verfügung zu stel­len. Hier­mit sei er, der Be­klag­te, ein­ver­stan­den ge­we­sen. Die Zeu­gin W2 ha­be den Kläger auf­ge­sucht und ihn dar­um ge­be­ten, sei­nen PC vorüber­ge­hend Frau W4 zu über­las­sen. Der Kläger ha­be dar­auf­hin oh­ne wei­te­re Dis­kus­si­on sein Büro ver­las­sen, so dass Frau W4 ih­re Ar­beit dort ha­be auf­neh­men können. Da­mit sei die An­ge­le­gen­heit so­wohl für Frau W2 als auch für ihn er­le­digt ge­we­sen. Nicht rich­tig sei, dass der Kläger zunächst geäußert ha­be, es sei „zur Zeit tech­nisch nicht möglich", sei­nen PC Frau W4 zur Verfügung zu stel­len. Nicht rich­tig sei, dass er den Kläger schließlich te­le­fo­nisch an­ge­wie­sen ha­be,

 

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„sein Zim­mer so­fort zu ver­las­sen und in das Zim­mer des Kol­le­gen K3 um­zu­zie­hen". Rich­tig sei: Der Kläger ha­be sein Büro da­mals un­mit­tel­bar auf die ent­spre­chen­de Bit­te der Zeu­gin W2 hin ver­las­sen.

20. An­geb­li­che Äußerung: „Was ha­ben Sie bei der Vi­si­te zu su­chen?"
Die Be­haup­tun­gen des Klägers zum an­geb­li­chen Vor­fall vom 10.05.2004, in wel­chem er dem Kläger „an­ge­fah­ren" ha­ben sol­le, „was er denn bei der Vi­si­te zu tun hätte", sei­en ins­ge­samt zu be­strei­ten.

21. Aus­gren­zung von Dienst­be­spre­chung
Es sei falsch, dass er den Kläger am 10.05.2004 von ei­ner an­geb­lich vor­ge­zo­ge­nen Dienst­be­spre­chung aus­ge­grenzt hätte. Der Kläger möge sei­nen dies­bezügli­chen Vor­wurf zunächst ein­mal hin­rei­chend sub­stan­ti­ie­ren. Nicht deut­lich sei, wem ge­genüber und in wel­cher Wei­se er denn über­haupt „an­ge­wie­sen" ha­ben sol­le, dass der Kläger von der an­geb­li­chen Ter­minsände­rung nicht ha­be in­for­miert wer­den sol­len. Da­von ab­ge­se­hen ha­be er an die frag­li­che Dienst­be­spre­chung vom 10.05.2004 aber auch kei­ne Er­in­ne­rung mehr. Zu be­strei­ten sei da­her, dass die da­ma­li­ge Be­spre­chung tatsächlich vor­ge­zo­gen wor­den sei. Hier­an könne er sich nicht er­in­nern. Auch die Zeu­gin Dr. S2 ha­be bei ih­rer Aus­sa­ge im Vor­pro­zess sich nicht dar­an er­in­nern können. Die Zeu­gin Dr. S2 ha­be sei­ner­zeit aus­ge­sagt, selbst wenn ein­mal ei­ne Dienst­be­spre­chung vor­ge­zo­gen würde, könne es durch­aus vor­kom­men, dass ei­ni­ge Ärz­te hierüber ver­se­hent­lich nicht in­for­miert würden. Ins­be­son­de­re könne dies dann vor­kom­men, wenn letzt­lich nichts zu be­spre­chen sei. Dann ge­he dies schon ein­mal un­ter.

22. Ver­wei­ge­rung ei­nes Dienst-Tau­sches
Für den von dem Kläger für den 19.07.2004 be­haup­te­ten Vor­fall gel­te das, was be­reits zum Vor­fall 17. ge­sagt wor­den sei. Der Kläger sei in der Zeit vom 19.05. bis zum 18.07.2004 er­neut krank­heits­be­dingt ab­we­send ge­we­sen. Des­halb sei er zunächst nicht im Dienst­plan ein­ge­tra­gen ge­we­sen. Da der Kläger vor sei­nem Wie­der­an­tritt zur Ar­beit wie­der­um kei­ner­lei Kon­tak­te zu ihm auf­ge­nom­men ha­be, um die Ein­tei­lung sei­ner Diens­te zu be­spre­chen, ha­be er die Ein­tei­lung schließlich oh­ne er­neu­te Rück­spra­che mit dem Kläger vor­ge­nom­men. In die­sem Zu­sam­men­hang sei dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Kläger nicht ernst­haft er­war­ten könne, dass er vor der

 

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Er­tei­lung der Dienst­pläne von sich aus an ihn her­an­tre­te und sich bei ihm darüber in­for­mie­re, wann er sei­ne Diens­te gern wie ge­legt hätte. Er ha­be schließlich die Diens­te für ei­ne Viel­zahl von Ärz­ten ein­zu­tei­len. Er könne des­halb nicht zunächst sämt­li­che Ärz­te nach ih­ren persönli­chen Wünschen fra­gen. Es sei da­her im Kran­ken­haus­be­trieb all­ge­mein und ins­be­son­de­re auch im St.-M3-Hos­pi­tal L1 üblich, dass sich Mit­ar­bei­ter, wel­che ei­nen wich­ti­gen Ter­min wahr­zu­neh­men hätten, recht­zei­tig mit dem Chef­arzt in Ver­bin­dung setz­ten, so dass dies bei der Ein­tei­lung der Diens­te berück­sich­tigt wer­den könne. Ei­ne sol­che Bit­te ha­be der Kläger je­doch im Vor­feld nicht geäußert ge­habt. Des­halb könne er sich nicht darüber be­schwe­ren, dass der Dienst­plan „oh­ne Rück­spra­che" mit ihm ein­ge­teilt wor­den sei. So­weit der Kläger be­haup­te, ein von ihm gewünsch­ter Dienst­tausch sei von ihm, dem Be­klag­ten, ab­ge­lehnt wor­den, sei dies eben­falls falsch. Als der Kläger am 19.07.2004 mit­ge­teilt ha­be, dass er am Fol­ge­tag ei­nen seit länge­rem ge­plan­ten Ter­min wahr­neh­men müsse, sei zwi­schen ih­nen bei­den aus­drück­lich darüber ge­spro­chen wor­den, dass der Kläger hierfür kei­nen hal­ben AZV-Tag neh­men müsse, son­dern die­sen Ter­min so­gar oh­ne Aus­gleich wahr­neh­men könne. Sein ent­spre­chen­der Dienst sei so­dann durch an­de­re Kol­le­gen über­nom­men wor­den. Dem Kläger sei sein Wunsch nach Ver­le­gung des Diens­tes al­so ge­ra­de nicht ver­wei­gert wor­den. Im Ge­gen­teil ha­be der Kläger nicht nur sei­nen pri­va­ten Ter­min wahr­neh­men können, viel­mehr ha­be er hierfür so­gar noch nicht ein­mal ei­nen hal­ben AZV-Tag in An­spruch neh­men müssen.

23. Gespräch über Zu­kunft in der Ab­tei­lung
Zu­tref­fend sei, dass am Mor­gen des 06.08.2004 ein Gespräch zwi­schen ih­nen bei­den statt­ge­fun­den ha­be. An­lass für die­ses Gespräch sei­en die zu die­sem Zeit­punkt be­reits schrift­lich for­mu­lier­ten An­schul­di­gun­gen des Klägers ge­gen ihn, den Be­klag­ten, we­gen an­geb­li­chen Mob­bings ge­we­sen so­wie die lan­ge Ar­beits­unfähig­keit des Klägers und die von ihm of­fen pro­pa­gier­te Be­wer­bung bei an­de­ren Kli­ni­ken. Vor die­sem Hin­ter­grund ha­be er als Chef­arzt und Lei­ter der Ab­tei­lung sich verständ­li­cher­wei­se darüber in­for­mie­ren wol­len, ob und wie sich der Kläger sei­ne Zu­kunft im St.-M3-Hos­pi­tal vor­stel­le. Un­wahr sei, dass er im Rah­men die­ses Gespräches geäußert hätte, dass der Kläger nicht das Ver­trau­en der wei­te­ren Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen besäße. Ei­ne sol­che Äußerung ha­be es nie ge­ge­ben. Viel­mehr ha­be er dem Kläger höflich und sach­lich mit­ge­teilt, dass er ihm - soll­te er

 

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tatsächlich Ab­wan­de­rungs­ge­dan­ken he­gen - bei der Su­che ei­nes an­de­ren Ar­beits­plat­zes ge­ge­be­nen­falls auch be­hilf­lich sein könne. Ei­nen Ar­beits­platz­wech­sel na­he­ge­legt oder den Kläger gar zu ei­nem Wech­sel auf­ge­for­dert ha­be er nicht. Auch ha­be der Kläger nie ge­sagt, dass er, der Be­klag­te, sich bei den Mit­ar­bei­tern unmöglich und un­glaubwürdig ge­macht ha­be. Im Er­geb­nis wer­de nicht ganz klar, was der Kläger ihm in­so­weit über­haupt vor­wer­fen wol­le: Un­strei­tig hätten zu die­sem Zeit­punkt be­reits er­heb­li­che Span­nun­gen zwi­schen den Par­tei­en be­stan­den. Die­se sei­en von Sei­ten des Klägers un­ter Zu­hil­fe­nah­me an­walt­li­chen Bei­stands aus­ge­tra­gen wor­den. Un­strei­tig sei der Kläger da­mals be­reits über ei­nen länge­ren Zeit­raum hin­weg ar­beits­unfähig er­krankt ge­we­sen und ha­be zu­dem geäußert ge­habt, sich bei an­de­ren Kran­kenhäusern be­wer­ben zu wol­len. In An­be­tracht all die­ser Umstände könne es ihm nicht ernst­haft vor­ge­wor­fen wer­den, dass er den Kläger nach sei­ner wei­te­ren be­ruf­li­chen Pla­nung in­ner­halb oder außer­halb des St.-M3-Hos­pi­tals L1 be­fragt ha­be.

24. Pa­ti­ent kommt we­gen Kläger nicht in die Kli­nik zurück
Zu dem Vor­wurf des Klägers, er, der Be­klag­te, ha­be im Zeit­raum Ju­li/An­fang Au­gust 2003 be­haup­tet, „ein Pa­ti­ent wol­le we­gen der Per­son des Klägers nicht in die Kli­nik zurück", sei ihm ei­ne sach­li­che Stel­lung­nah­me kaum möglich. So sei be­reits nicht klar, wem ge­genüber er die­se Be­haup­tung über­haupt auf­ge­stellt ha­ben sol­le. Auch fehl­ten jeg­li­che nähe­re An­ga­ben zu der Per­son des frag­li­chen Pa­ti­en­ten. Äußerst vor­sorg­lich wer­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es durch­aus möglich sei, dass sich zur da­ma­li­gen Zeit (mal wie­der) ein Pa­ti­ent über den Kläger be­schwert oder so­gar ei­ne Be­hand­lung durch den Kläger ab­ge­lehnt ge­habt ha­be. Der­ar­ti­ge Vorfälle ha­be es im­mer wie­der ge­ge­ben. Stich­punkt­ar­tig könn­ten hier­zu Vorfälle vom 05.03.2002, vom 07.03.2002, vom 15.04.2002, vom 10.12.2002, vom 07.01.2003 und vom 03.03.2003 ge­schil­dert wer­den. We­gen der Ein­zel­hei­ten zu die­sen Vorfällen wird auf die Sei­ten 37 - 39 der Kla­ge­er­wi­de­rung an das Ar­beits­ge­richt Dort­mund vom 13.03.2008 Be­zug ge­nom­men (Bl. 77 - 79 GA).

25. An­geb­li­che Äußerung: „Hier ist doch gar nichts"
Die Äußerung „Se­hen Sie Dr. B2, hier ist doch gar nichts!" ha­be er nie getätigt. Erst recht sei er nicht im An­schluss an die Ope­ra­ti­on zu der Pa­ti­en­tin ge­gan­gen und ha­be ihr mit­ge­teilt, dass die Ope­ra­ti­on „nicht nötig ge­we­sen" sei, da man „nichts ge­fun­den"

 

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ha­be. Auch ei­ne sol­che Äußerung ha­be es nie ge­ge­ben. Der Vor­trag des Klägers er­ge­be auch kei­nen Sinn: Sch­ließlich würde er als ver­ant­wort­li­cher Chef­arzt sich letzt­lich selbst scha­den und ei­ne Scha­dens­er­satz­for­de­rung der Pa­ti­en­tin ris­kie­ren, wenn er ei­ne Ope­ra­ti­on ei­ner Pa­ti­en­tin ge­genüber als „unnötig" dar­stel­len würde - dies um­so mehr, wenn die be­tref­fen­de In­for­ma­ti­on tatsächlich noch nicht ein­mal der Wahr­heit entspräche.

26. Ent­fer­nung ei­nes Glas­split­ters
Es sei nicht rich­tig, dass er den Kläger am 09.09.2004 „vor ver­sam­mel­ter Mann­schaft an­ge­fah­ren" ha­be sol­le, wie­so er ei­nen Glas­split­ter nicht im Schädel ei­nes Pa­ti­en­ten ge­las­sen ha­be. Die­ser Vor­wurf ha­be sich auch im Vor­pro­zess nicht bestätigt ge­fun­den. Kein ein­zi­ger der ver­nom­me­nen Zeu­gen ha­be sich an ei­ne der­ar­ti­ge Äußerung er­in­nern können. Nun­mehr ver­zich­te der Kläger auf jeg­li­ches Be­weis­an­ge­bot.

27. „Ge­ra­der Haut­schnitt, Bohr­loch über der Ko­ro­nar­naht"
So­weit der Kläger rüge, ihm sei am 20.09.2004 ei­ne „schlicht as­sis­tie­ren­de Stel­le zu­ge­wie­sen" so­wie „schul­meis­ter­haft nur chir­ur­gi­sches Ba­sis­wis­sen mit­ge­teilt" wor­den, zei­ge auch die­ser Vor­wurf, dass der Kläger nicht in der La­ge sei, sich ko­ope­ra­tiv in ein Team von Ärz­ten zu in­te­grie­ren. So möge sich der Kläger in Er­in­ne­rung ru­fen, dass auch er als Chef­arzt re­gelmäßig an­de­ren Kol­le­gen bei Ope­ra­tio­nen as­sis­tie­re. Dies sei in ei­nem Team von Ärz­ten nicht nur üblich, son­dern ent­spre­che darüber hin­aus sämt­li­chen gängi­gen Be­hand­lungs­stan­dards. Aus die­sem Grund wer­de es auch in der Neu­ro­chir­ur­gie des St.-M3-Hos­pi­tals L1 be­reits seit je­her so ge­hand­habt, dass sämt­li­che Ärz­te un­ge­ach­tet ih­rer Stel­lung als Chef-, Ober- oder As­sis­tenz­arzt ein­an­der re­gelmäßig bei Ope­ra­tio­nen as­sis­tier­ten. Der Kläger könne dies nicht ernst­haft be­strei­ten. Dass der Kläger die Zu­wei­sung ei­ner sol­chen as­sis­tie­ren­den Tätig­keit bei ei­ner Ope­ra­ti­on als Her­abwürdi­gung sei­ner Per­son auf­fas­se, be­le­ge sei­ne man­geln­de Teamfähig­keit, kei­nes­falls je­doch ein ir­gend­wie ge­ar­te­tes Mob­bing durch ihn, den Be­klag­ten. Mit dem be­haup­te­ten Hin­weis auf die vor­zu­neh­men­de Schnitt­wei­se sei ihm auch kei­nes­wegs „schul­meis­ter­haft neu­ro­chir­ur­gi­sche Ba­sis­wis­sen mit­ge­teilt" wor­den. Im Vor­feld die­ser Ope­ra­ti­on ha­be es viel­mehr wie­der­holt Dis­kus­sio­nen zwi­schen den Par­tei­en über die Art und Wei­se die­ser Haut­schnit­te ge­ge­ben. So ha­be der Kläger bei der­ar­ti­gen Ope­ra­tio­nen - wie er

 

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im Kol­le­gen­kreis mehr­fach pro­pa­giert ha­be - ei­nen run­den Haut­schnitt be­vor­zugt, während er, der Be­klag­te, Wert auf ei­nen ge­ra­den Schnitt ge­legt ha­be, da hier­durch ei­ner­seits das In­fek­ti­ons­ri­si­ko für den Pa­ti­en­ten nach­weis­lich ge­rin­ger sei so­wie an­de­rer­seits bei den ge­run­de­ten Haut­schnit­ten der Ver­schluss der Wun­de im­mer ein ästhe­tisch unschönes Er­geb­nis hin­ter­las­se. Letzt­lich han­de­le es sich hier­bei al­so um ei­ne me­di­zi­ni­sche Fach­fra­ge, wel­che er mit sei­ner - oh­ne­hin nur verkürzt wie­der­ge­ge­be­nen - Be­mer­kung ha­be klären wol­len. Mit der an­geb­li­chen Mit­tei­lung ei­ner „fach­li­chen Ge­ringschätzung" ha­be dies nichts zu tun. Viel­mehr würden an die­ser Stel­le wie­der­um nur zwei Din­ge deut­lich. Der Kläger könne of­fen­sicht­lich nicht ak­zep­tie­ren, dass es hin­sicht­lich be­stimm­ter me­di­zi­ni­scher Fra­gen un­ter­schied­li­che An­sich­ten zwi­schen den Par­tei­en ge­ge­ben ha­be, wel­chen der Kläger sich im Ein­zel­fall auf­grund sei­ner un­ter­ge­ord­ne­ten Po­si­ti­on zu un­ter­wer­fen ge­habt ha­be. Zum an­de­ren be­le­ge der Vor­wurf er­neut, dass der Kläger nicht in der La­ge sei, sich kon­struk­tiv in ein Team ein­zu­ord­nen und in die Ab­tei­lung un­ter Führung ei­nes Chef­arz­tes ein­bin­den zu las­sen.

28. Fern­hal­ten von Pri­vat­pa­ti­en­ten
Ei­ne Ver­ein­ba­rung zwi­schen ihm, dem Be­klag­ten, und Herrn B3 und Frau R1, nach der während der Ur­laubs­zeit ein­ge­wie­se­ne Pa­ti­en­ten vom Kläger be­han­delt wer­den soll­ten, ha­be es nie ge­ge­ben. Sie sei frei er­fun­den. Im Übri­gen ha­be die Ver­wal­tungs­lei­tung des Kran­ken­hau­ses mit der Be­hand­lung von Pri­vat­pa­ti­en­ten oh­ne­hin nichts zu tun. Dies sei aus­sch­ließlich sei­ne Sa­che als zuständi­gem Chef­arzt. Er al­lein ha­be des­halb auch fest­zu­le­gen, wer im Fal­le sei­ner Ab­we­sen­heit als sein Ver­tre­ter tätig wer­den sol­le. Da es des­halb kei­ner­lei „An­spruch" des Klägers auf Be­hand­lung von Pri­vat­pa­ti­en­ten ge­be, ha­be auch die Ent­schei­dung, den Kläger nicht als sei­nen dies­bezügli­chen Ver­tre­ter ein­zu­set­zen, nichts mit ei­nem „Fern­hal­ten" des Klägers von sol­chen Pri­vat­pa­ti­en­ten zu tun.

29. Throm­bo­zy­ten­zahl 60.000
Der an­geb­li­che Vor­fall vom 27.09.2004, in wel­chem er den Kläger auf­ge­for­dert ha­ben sol­le, ihn mit dem Anästhe­sis­ten zu ver­bin­den und sich von die­sem den Throm­bo­zy­ten­wert bestäti­gen zu las­sen, sei ins­ge­samt zu be­strei­ten. Ei­nen sol­chen Vor­fall ha­be es nie ge­ge­ben. Es spre­che für sich selbst, dass der Kläger für die­sen Vor­fall kei­ner­lei Zeu­gen be­nen­ne. An­sons­ten sei oh­ne­hin nicht ganz klar, was der

 

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Kläger ihm in­so­weit vor­wer­fen wol­le. Es sei letzt­lich nor­mal, dass der Chef­arzt bei Kom­pli­ka­tio­nen während ei­ner Ope­ra­ti­on die Einschätzung meh­re­rer Ärz­te, ins­be­son­de­re je­doch des zuständi­gen Anästhe­sis­ten, der letzt­end­lich auch ver­ant­wort­lich über den Ab­bruch ei­ner Ope­ra­ti­on zu ent­schei­den ha­be, ein­ho­le. Dies ent­spre­che dem ge­bo­te­nen ärzt­li­chen Vor­ge­hen und sämt­li­chen me­di­zi­ni­schen Stan­dards. Selbst un­ter Zu­grun­de­le­gung des Vor­brin­gens des Klägers ha­be das be­haup­te­te Ver­hal­ten des­halb nichts mit „Mob­bing" zu tun.

[30.] Fehl­ver­hal­ten des Klägers
Im Ge­gen­teil zur Dar­stel­lung des Klägers ha­be er viel­mehr ursprüng­lich im­mer größten Wert auf ei­ne kol­le­gia­le und kon­struk­ti­ve Ar­beits­at­mo­sphäre mit dem Kläger ge­legt. Be­reits auf­grund der Stel­lung des Klägers als Ers­ter Ober­arzt sei er auf ein vernünf­ti­ges und vom ge­gen­sei­ti­gen Re­spekt ge­tra­ge­nes Verhält­nis zum Kläger ge­ra­de­zu an­ge­wie­sen ge­we­sen. Ur­sa­che der Be­las­tun­gen im Verhält­nis zum Kläger sei viel­mehr die Unfähig­keit (oder Un­wil­lig­keit) des Klägers, die Au­to­rität und Wei­sungs­be­fug­nis des ihm vor­ge­setz­ten Chef­arz­tes an­zu­er­ken­nen. Of­fen­bar ha­be der Kläger es nicht ver­win­den können, dass sei­ne ei­ge­ne Be­wer­bung um den Chef­arzt­pos­ten nicht von Er­folg ge­krönt ge­we­sen sei son­dern das Kran­ken­haus dem ihn, den Be­klag­ten, dem Kläger vor­ge­zo­gen ha­be. Noch be­vor er, der Be­klag­te sei­nen Dienst an­ge­tre­ten ha­be, ha­be der Kläger ge­genüber der Zeu­gin N1 geäußert, er ha­be sich über den Be­klag­ten er­kun­digt, der Be­klag­te könne nicht so viel, der Be­klag­te ha­be sei­nen OP-Ka­ta­log geschönt. Darüber hin­aus sei es schon an sei­nem – des Be­klag­ten - ers­ten Ar­beits­tag bei der An­tritts­vi­si­te zu ei­nem ein­deu­ti­gen Af­front und ei­ner Ver­deut­li­chung feh­len­den Re­spekts durch den Kläger ge­kom­men.

Ers­te Vi­si­te
Schon beim zwei­ten Pa­ti­en­ten ha­be sich der Kläger un­an­ge­mes­sen ver­hal­ten. Die­ser Pa­ti­ent ha­be sei­ner­zeit ei­ne un­kla­re Dia­gno­se ge­habt. Der Kläger ha­be sich zunächst die Dis­kus­si­on der an­we­sen­den Ärz­te an­gehört und ha­be dann ihn, den Be­klag­ten, zur Sei­te ge­scho­ben mit der Be­mer­kung „Ge­hen Sie mal zur Sei­te, las­sen Sie mich mal!". In völlig un­an­ge­mes­se­nem Ton­fall ha­be der Kläger dann zu dem Pa­ti­en­ten ge­meint: „He­ben Sie mal das Bein­chen, he­ben Sie mal das Füßchen". Die­se ge­ra­de­zu ab­sur­de Art mit dem Patein­ten zu re­den ha­be of­fen­sicht­lich aus­sch­ließlich da­zu ge­dient, den Be­klag­ten und die vor­an­ge­gan­ge­ne me­di­zi­ni­sche

 

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Dis­kus­si­on lächer­lich zu ma­chen als „Kin­der­kram" und Zei­chen feh­len­den me­di­zi­ni­schen Sach­ver­stands her­ab­zuwürdi­gen. Im An­schluss an die kur­ze Un­ter­su­chung ha­be der Kläger dann in her­ab­las­sen­dem Ton­fall in äußerst abfälli­ger Art und Wei­se zu ihm ge­meint: „Der hat ein Tars­al­tun­nel-Syn­drom." Er, der Be­klag­te, sei von die­sem Ver­hal­ten des Klägers völlig ge­schockt ge­we­sen, ha­be hier­zu an­ge­sichts des Fak­tums des ers­ten Ar­beits­ta­ges hier­zu zunächst nichts ge­sagt und nur „tief Luft ge­holt". Auch die Zeu­gin N1, die bei der Vi­si­te an­we­sen­de Ober­schwes­ter, sei vom Ver­hal­ten des Klägers ge­schockt ge­we­sen. Nach der Vi­si­te im drit­ten Pa­ti­en­ten­zim­mer ha­be der Kläger dem Be­klag­ten dann un­ver­mit­telt mit­ge­teilt, dass er jetzt ge­he, da er „ei­ne Aufklärung ma­chen" müsse. Die­ses Ver­hal­ten ge­genüber dem Chef­arzt bei des­sen An­tritts­vi­si­te sei ein Zei­chen ab­so­lu­ter Re­spekt­lo­sig­keit. Aufklärun­gen würden übli­cher­wei­se erst vor­ge­nom­men, wenn der OP-Plan fest­ste­he, was re­gelmäßig erst nach dem Mit­tag­es­sen und weit nach Ab­schluss der Vi­si­te der Fall sei. Für je­der­mann sei of­fen­sicht­lich ge­we­sen, dass die an­geb­li­che Aufklärung nur vor­ge­scho­ben ge­we­sen sei. Oh­ne­hin sei die „Aufklärung" frei er­fun­den ge­we­sen. Der Kläger ha­be sich nämlich nach Ver­las­sen der Vi­si­te ins Schwes­tern­zim­mer zurück­ge­zo­gen und dort ei­ne Zi­ga­ret­te ge­raucht. Als die Zeu­gin N1 ihn dort er­wischt und zur Re­de ge­stellt ha­be, ha­be der Kläger mit­ge­teilt, dass ihn „das al­les an­kot­ze" und er „kein In­ter­es­se [ha­be] an der Vi­si­te teil­zu­neh­men. Dies be­le­ge, mit wel­cher ag­gres­si­ven Grund­hal­tung der Kläger ihm von vorn­her­ein ent­ge­gen ge­tre­ten sei.

Vier bis sechs Wo­chen nach Ar­beits­an­tritt sei es zwi­schen den Par­tei­en zu ei­ner fach­li­chen Dis­kus­si­on über die Ein­la­ge ei­nes Sh­unts zur Ver­rin­ge­rung des Hirn­drucks ge­kom­men. Nach­dem der Kläger sich mit sei­ner Mei­nung nicht ha­be durch­set­zen können, sei der Kläger er­regt aus dem Zim­mer ge­lau­fen, ha­be die Tür ge­schmis­sen und zur Zeu­gin N1 ge­sagt, dass er „ärzt­li­che Hil­fe brau­che".

Die Zeu­gin N1 ha­be das Ver­hal­ten des Klägers bei ih­rer Ver­neh­mung im vor­an­ge­gan­ge­nen Pro­zess vor dem LAG Hamm zu­sam­men­ge­fasst da­hin­ge­hend be­schrie­ben, dass der Kläger „völlig quer im Stall" ge­stan­den ha­be.

Das Be­stre­ben des Klägers, ihn, den Be­klag­ten, zu dis­kre­di­tie­ren und in der Ar­beit zu beschädi­gen ha­be so­gar zu dem Ver­such des Klägers geführt, den wei­te­ren

 

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Ober­arzt zum Vortäuschen ei­ner an­geb­lich von ihm, dem Be­klag­ten, ver­an­lass­ten Er­kran­kung zu ver­an­las­sen. Dr. K3 ha­be zu der Zeu­gin N1 ge­sagt: „H1, hören Sie mal, Dr. B2 hat mich an­ge­ru­fen. Ich soll mich krank­schrei­ben las­sen, da­mit man et­was ge­gen Dr. H3 in der Hand hat." Al­ler­dings ha­be sich Dr. K3 nicht in die­ser Wei­se in­stru­men­ta­li­sie­ren las­sen und das An­sin­nen rund­her­aus zurück­ge­wie­sen.

Ent­ge­gen der Dar­stel­lung des Klägers sei es der Kläger selbst ge­we­sen, der von An­fang an deut­lich ge­macht ha­be, dass er ihn als neu­en Chef­arzt we­der fach­lich noch persönlich re­spek­tie­re und die Führungs­rol­le als Chef­arzt nicht an­er­ken­nen wer­de. An­ge­sichts des­sen sei es wohl kaum zu er­war­ten, dass er der­ar­ti­ge wie­der­hol­te An­grif­fe gleichmütig hin­neh­me, oh­ne dass sich auch hier­durch das ei­ge­ne Ver­hal­ten ände­re. Re­ak­tio­nen auf vor­an­ge­gan­ge­ne Pro­vo­ka­tio­nen könn­ten nach der Recht­spre­chung des BAG kei­nen „Mob­bing"-Vor­wurf be­gründen. Ins­ge­samt ha­be er sich ge­genüber dem Kläger nicht pflicht­wid­rig ver­hal­ten. Dies gel­te ins­be­son­de­re für die Zeit nach Rück­kehr des Klägers auf sei­nen Ar­beits­platz im Mai 2004. Er ha­be dem Kläger ge­genüber le­dig­lich die Auf­ga­ben und Rech­te ei­nes Chef­arz­tes wahr­ge­nom­men. Der Kläger stel­le die Sach­ver­hal­te, auf die er sei­ne Kla­ge stütze, falsch oder zu­min­dest ein­sei­tig und ver­zerrt dar. Dass es teil­wei­se zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen und Ver­stim­mun­gen ge­kom­men sei, sei al­lein dar­auf zurück­zuführen, dass der Kläger ihn als Chef­arzt und Vor­ge­setz­ten mit Wei­sungs­be­fug­nis­sen nicht ha­be ak­zep­tie­ren wol­len.

Der Scha­den, der da­durch ent­stan­den sei, dass der Kläger noch nach dem 18.05.2004 ar­beits­unfähig krank­ge­schrie­ben ge­we­sen sei, könne nicht al­lein durch ei­nen Ver­weis auf das Ein­kom­men im Jahr 2003 be­rech­net wer­den und zu­dem nicht oh­ne An­rech­nung der durch die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung ge­leis­te­ten Zah­lun­gen und der von der Ar­beit­ge­be­rin zu be­an­spru­chen­den Zah­lun­gen.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge mit Ur­teil vom 13.01.2010 als un­be­gründet ab­ge­wie­sen. Der Kläger ha­be ge­gen den Be­klag­ten kei­nen An­spruch gemäß §§ 823 ff. BGB auf Scha­dens­er­satz für die nach sei­nem Vor­brin­gen nach dem 18.05.2004 ein­ge­tre­te­nen er­neu­ten Ar­beits­unfähig­keits­zei­ten. Aus dem Vor­brin­gen des Klägers, so­weit er Be­weis an­ge­tre­ten ha­be, er­ge­be sich nicht, dass der Be­klag­te nach der

 

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Er­kran­kung des Klägers im Jahr 2003 noch Ver­hal­tens­wei­sen ge­zeigt ha­be, die be­wirkt hätten, dass die Würde des Klägers wei­ter­hin ver­letzt und ein von Einschüchte­run­gen, An­fein­dun­gen, Er­nied­ri­gun­gen, Entwürdi­gun­gen oder Be­lei­di­gun­gen ge­zeich­ne­tes Um­feld er­hal­ten ge­blie­ben sei. Zu den um­fang­rei­che­ren Dar­stel­lun­gen der Sach­ver­hal­te durch den Be­klag­ten neh­me der Kläger kei­ner­lei Stel­lung und tre­te in­so­fern bezüglich des ergänzen­den Vor­brin­gens des Be­klag­ten auch kei­nen Ge­gen­be­weis an. Je­den­falls sei der vom Kläger gel­tend ge­mach­te Scha­den in der Zeit nach dem 19.05.2004 nicht mehr adäquat kau­sal durch ein Ver­hal­ten des Be­klag­ten ver­ur­sacht wor­den. Sch­ließlich müsse sich der Kläger auf ei­nen An­spruch und Er­satz al­ler ma­te­ri­el­len und im­ma­te­ri­el­len Schäden, die ihm aus der Zeit seit dem 19.05.2004 we­gen der Ar­beits­unfähig­keit ent­stan­den sei­en bzw. noch ent­ste­hen würden, auch die Leis­tung an­rech­nen las­sen, die von der Ar­beit­ge­be­rin er­bracht wor­den sei­en oder er­bracht würden. Ergänzend wird auf den Text der ar­beits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung ver­wie­sen (Bl. 276 – 287 GA).

Das Ur­teil ist dem Kläger am 18.05.2010 zu­ge­stellt wor­den. Der Kläger hat am 20.05.2010 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­gründungs­frist bis zum 19.08.2010 am 16.08.2010 be­gründet.

Der Kläger wen­det ein, zu Un­recht ha­be das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge für un­be­gründet er­ach­tet. Das Ar­beits­ge­richt hätte berück­sich­ti­gen müssen, dass un­strei­tig sei­ne Er­kran­kung im Jahr 2003, die bis zum 06.05.2004 an­ge­dau­ert ha­be, durch Hand­lun­gen des Be­klag­ten aus­gelöst wor­den sei. In­so­fern kom­me es über­haupt nicht mehr dar­auf an, ob da­nach noch Hand­lun­gen durch den Be­klag­ten statt­ge­fun­den hätten, die die be­reits ein­ge­tre­te­ne Rechts­ver­let­zung wei­ter ver­tieft hätten. Un­rich­tig sei­en die Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts, er ha­be kei­nen Vor­trag und kei­nen Be­weis­an­tritt dafür er­bracht, dass nach der Er­kran­kung im Jah­re 2003 noch Ver­hal­tens­wei­sen des Be­klag­ten vor­ge­le­gen hätten, die ihn wei­ter­hin be­ein­träch­tigt hätten. Ab Sei­te 11 der Kla­ge­schrift, Zif­fer 16, sei­en wei­te­re ein­zel­ne Sach­ver­hal­te un­ter Be­weis­an­tritt be­schrie­ben wor­den. Es würden wei­te­re ein­zel­ne Mob­bing-Vorwürfe ge­schil­dert bis auf Sei­te 17 der Kla­ge­schrift mit der Nr. 29. Der letz­te ge­schil­der­te Vor­wurf stam­me vom 27.09.2004. Es sei so­mit durch­ge­hend

 

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vor­ge­tra­gen und be­legt, dass das Mob­bing durch den Be­klag­ten wei­ter fort­geführt wor­den sei. So­weit er zwi­schen den sta­ti­onären Kran­ken­haus­auf­ent­hal­ten in­ner­halb des Ge­samt­krank­heits­zeit­rau­mes von 2003 bis 2009 sei­ner Ar­beitstätig­keit nach­ge­gan­gen sei, las­se sich dar­aus nicht ent­neh­men, dass er ge­sund ge­we­sen sei. Er ha­be le­dig­lich - nach dem ers­ten sta­ti­onären Auf­ent­halt psy­chisch sta­bi­li­siert - ver­sucht, sei­ner Ar­beitstätig­keit wie­der nach­zu­ge­hen. Sei­ne Er­kran­kung ha­be in den Jah­ren 2003 bis 2009 durch­ge­hend be­stan­den. Die­se Er­kran­kung sei durch den Be­klag­ten kau­sal und schuld­haft aus­gelöst wor­den. Des­halb lie­ge so­wohl die Kau­sa­lität für die Rechts­gut­ver­let­zung als auch für den ein­ge­tre­te­nen Scha­den vor. Es feh­le auch nicht an der adäqua­ten Kau­sa­lität zwi­schen der Ver­let­zungs­hand­lung und dem Ver­dienst­aus­fall. Der Ver­dienst­aus­fall stel­le kei­ne gänz­lich un­wahr­schein­li­che Si­tua­ti­on dar, mit der der Be­klag­te in kei­ner Wei­se hätte rech­nen können und die ihm des­we­gen nicht mehr hätte zu­ge­rech­net wer­den können. Ihm, dem Kläger, könne ein Mit­ver­schul­den gemäß § 254 BGB nicht an­ge­las­tet wer­den. Ihm könne nicht vor­ge­wor­fen wer­den, dass er ver­sucht ha­be, sich an­walt­lich und ge­richt­lich ge­genüber dem Be­klag­ten zu weh­ren durch un­verzügli­che Fest­stel­lun­gen und Nach­wei­se der Mob­bing-Vorwürfe. Ge­nau dies ha­be er von An­fang an ge­tan. Hin­sicht­lich ge­ge­be­nen­falls an­zu­rech­nen­der Vor­tei­le ob­lie­ge die Dar­le­gungs- und Be­weis­last dem Be­klag­ten. Der Be­klag­te sei in dem Par­al­lel­pro­zess nicht un­be­tei­ligt ge­we­sen. Die dor­ti­ge Be­klag­te (das Kran­ken­haus) ha­be dem hie­si­gen Be­klag­ten den Streit verkündet. Der Be­klag­te sei dem Streit dort bei­ge­tre­ten. Da­nach sei durch das Ge­richt das Sach­verständi­gen­gut­ach­ten Dr. W1/B4 ein­ge­holt wor­den, um die Fra­ge der Kau­sa­lität der Mob­bing-Hand­lun­gen für die auf­ge­tre­te­ne Er­kran­kung zu klären. Der Gut­ach­ter sei be­kannt­lich zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass die kläge­ri­sche Er­kran­kung ein­deu­tig auf die Hand­lun­gen des Be­klag­ten zurück­zuführen sei. Der Kläger nimmt Be­zug auf die Ausführun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts im Vor­pro­zess 8 AZR 593/06 un­ter 4 c (dort Rn. 80 ff. / wört­lich zi­tier­ter Aus­zug auf S. 2 - 4 des Schrift­sat­zes vom 14.09.2010 / Bl. 325 - 327 GA). Er, der Kläger, sei zwar mitt­ler­wei­le wie­der ar­beitsfähig, die Er­kran­kung sei je­doch trotz ärzt­li­cher Be­hand­lung und Me­di­ka­ti­on noch nicht völlig ge­heilt. Der Be­klag­te ha­be die vom Ar­beit­ge­ber ver­an­lass­ten Kon­flikt­ver­mitt­lungs­gespräche un­ter Be­tei­li­gung ei­nes Coachs ein­sei­tig mit den Wor­ten „Für so et­was ha­be er kei­ne Zeit" be­en­det. Nicht zu­tref­fend sei­en die Ausführun­gen des Be­klag­ten, es sei kein Scha­den ent­stan­den, weil Vergütungs­ansprüche nicht be­ein­flusst wor­den sei­en. Die vom Be­klag­ten hier­zu

 

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an­geführ­te Be­stim­mung des § 326 Abs. 2 BGB ge­he am zu­grun­de lie­gen­den Sach­ver­halt vor­bei. Die An­wen­dung die­ser Be­stim­mung würde vor­aus­set­zen, dass er selbst leis­tungsfähig ge­we­sen wäre, dies im Hin­blick auf den kon­kret vor­lie­gen­den Ar­beits­ver­trag mit sei­nem Ar­beit­ge­ber. Ob man so­dann in dem Vor­han­den­sein des Be­klag­ten in der Chef­arzt­po­si­ti­on ein Leis­tungs­hin­der­nis im Sin­ne des Ge­set­zes se­hen könne, brau­che nicht wei­ter ge­prüft zu wer­den, da er je­den­falls nicht in­fol­ge des Vor­han­den­seins des Be­klag­ten am Ar­beits­platz, son­dern in­fol­ge ei­ner ärzt­lich gut­ach­ter­lich fest­ge­stell­ten Er­kran­kung nicht ar­beitsfähig ge­we­sen sei. Nicht rich­tig sei die Dar­stel­lung des Be­klag­ten, bei der ers­ten Vi­si­te im Ok­to­ber 2001 ha­be ei­ne hoch­bri­san­te Stim­mung wie auf dem Pul­ver­fass ge­herrscht. Herr F1 sei als As­sis­tenz­arzt bei der ers­ten Vi­si­te an­we­send ge­we­sen. Herr F1 könne bestäti­gen, dass es während der Vi­si­te kei­ner­lei Ag­gres­sio­nen durch ihn, den Kläger, ge­ge­ben ha­be. Er ha­be we­der den Be­klag­ten an die Sei­te ge­scho­ben noch ha­be er an die­sem vor­bei Dia­gno­sen ge­stellt und die Vi­si­te ver­las­sen. Der Zeu­ge F1 wer­de bestäti­gen, dass in den ers­ten Mo­na­ten ei­ne gu­te und har­mo­ni­sche Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen ihm, dem Kläger, und dem Be­klag­ten statt­ge­fun­den ha­be. Er ha­be we­der über den Be­klag­ten be­haup­tet, die­ser ha­be sei­nen OP-Ka­ta­log geschönt noch ha­be er zu ir­gend­ei­ner Zeit ge­gen den Be­klag­ten Stim­mung ge­macht. Der Zeu­ge Dr. K3 könne bestäti­gen, dass er, der Kläger, die­sen nicht auf­ge­for­dert ha­be, sich krank­schrei­ben zu las­sen, um et­was ge­gen den Be­klag­ten in der Hand zu ha­ben. In­so­weit ha­be die Zeu­gin N1 falsch aus­ge­sagt. Der Gut­ach­ter Dr. W1 sei in sei­nem Gut­ach­ten im Vor­pro­zess zu dem Er­geb­nis ge­kom­men, dass die Hand­lun­gen des Be­klag­ten ursächlich für die Er­kran­kung ge­we­sen sei­en. Da der Be­klag­te dem vor­ge­nann­ten Ver­fah­ren zum da­ma­li­gen Zeit­punkt be­reits bei­ge­tre­ten ge­we­sen sei, müsse er das Be­wei­s­er­geb­nis auch hier ge­gen sich gel­ten las­sen. Ge­ge­be­nen­falls sei ein neu­es Sach­verständi­gen­gut­ach­ten zum Be­weis der Tat­sa­che ein­zu­ho­len, dass er auf­grund der dar­stell­ten Hand­lun­gen des Be­klag­ten für den in Re­de ste­hen­den Zeit­raum ar­beits­unfähig er­krankt sei. Es könne da­hin­ste­hen, ob sich tatsächlich in der Ver­gan­gen­heit Per­so­nen über ihn, den Kläger, be­schwert hätten. Je­den­falls ha­be der Be­klag­te die Be­haup­tung in den Raum ge­stellt, es hätten sich Ärz­te über sei­ne (des Klägers) Per­son be­schwert, oh­ne ihm durch ei­ne Kon­kre­ti­sie­rung Ge­le­gen­heit zur Ver­tei­di­gung zu ge­ben. Das ent­schei­den­de und auch mob­bing­ty­pi­sche Ver­hal­ten des Be­klag­ten lie­ge dar­in, Vorwürfe in den Raum zu stel­len, die ihn beträfen, oh­ne dass er die Ge­le­gen­heit er­hal­te, sein An­se­hen wie­der­her­zu­stel­len. Die im Schrift­satz

 

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des Be­klag­ten vom 12.09.2011 dar­ge­stell­ten Be­schwer­den (Bl. 498 ff GA) über ihn, den Kläger, so­wie de­ren Be­gründet­heit würden be­strit­ten.

Der Kläger be­an­tragt,

1. das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Dort­mund - 10 Ca 584/09 - vom 13.01.2010 ab­zuändern,

2. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 403.902,00 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 %-Punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Kla­ge­zu­stel­lung zu zah­len,

3. fest­zu­stel­len, dass der Be­klag­te ver­pflich­tet ist, dem Kläger al­le ma­te­ri­el­len und im­ma­te­ri­el­len Schäden zu er­set­zen, die ihm aus der seit dem 19.05.2004 ein­ge­tre­te­nen Ar­beits­unfähig­keit durch sei­ne vom Be­klag­ten ver­ur­sach­te psy­chi­sche Er­kran­kung ent­stan­den sind bzw. noch ent­ste­hen wer­den, so­weit der An­spruch nicht auf ei­nen So­zi­al­ver­si­che­rungs­träger oder ei­nen Drit­ten über­g­an­gen ist,

4. fest­zu­stel­len, dass der Be­klag­te dem Kläger aus un­er­laub­ter Hand­lung haf­tet,


5. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an den Kläger wei­te­re 91.019,79 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 %-Punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Zu­stel­lung der Kla­ge­er­wei­te­rung zu zah­len.

Der Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Der Be­klag­te ver­tei­digt das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts. Die Be­ru­fungs­be­gründung ge­he zu Un­recht da­von aus, dass die an­geb­li­chen Ver­let­zungs­hand­lun­gen, die Er­kran­kung des Klägers, die (adäqua­te) Kau­sa­lität der Ver­let­zungs­hand­lung für die Er­kran­kung und das dar­auf be­zo­ge­ne Ver­schul­den „un­strei­tig" oder „un­zwei­fel­haft"

 

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sei­en. Wenn der Kläger sich auf den „Par­al­lel­rechts­streit" zwi­schen dem Kläger und dem Ar­beit­ge­ber be­ru­fe, so sei dar­auf hin­zu­wei­sen, dass er, der Be­klag­te, nicht Par­tei die­ses Rechts­streits ge­we­sen sei und an des­sen Er­geb­nis­se nicht ge­bun­den sei. Darüber hin­aus sei der „Par­al­lel­rechts­streit" nicht rechts­kräftig ent­schie­den wor­den, so dass ver­bind­li­che, ver­wert­ba­re Fest­stel­lun­gen dar­aus oh­ne­hin nicht zu ge­win­nen sei­en. Zu­tref­fend ha­be das Ar­beits­ge­richt die Würdi­gung der Kon­flikt­si­tua­ti­on zwi­schen den Par­tei­en als rechts­wid­ri­gen Ein­griff ver­neint. Zu Recht ha­be das Ar­beits­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass in ei­nem Ar­beits­verhält­nis bei­der­seits be­rech­tig­te In­ter­es­sen bestünden. Zu­tref­fend ha­be das Ar­beits­ge­richt als nicht mehr adäquat kau­sal be­wer­tet, dass der Kläger of­fen­sicht­lich dau­er­haft nicht mehr in der La­ge ge­we­sen sei, im Be­trieb tätig zu wer­den, so­lan­ge der Be­klag­te dort beschäftigt ge­we­sen sei. Der Kläger hab nach sei­ner Dar­stel­lung und nach der Auf­fas­sung der von ihm zi­tier­ten Gut­ach­ten nur so lan­ge nichts ar­bei­ten können, wie er, der Be­klag­te, sein Vor­ge­setz­ter ge­we­sen sei. Nicht der Ar­beits­platz als sol­cher oder ein steu­er­ba­res Ver­hal­ten des Be­klag­ten, son­dern die bloße Exis­tenz des Be­klag­ten am ei­ge­nen Ar­beits­platz ha­be den Kläger an der Ausübung sei­ner ver­trag­lich ge­schul­de­ten Tätig­keit ge­hin­dert. Ei­ne sol­che ab­so­lut un­gewöhn­li­che Krank­heits­fol­ge sei nicht mehr adäquat. Je­den­falls sei sie nach dem Schutz­zweck der Norm und all­ge­mei­nen Wer­tun­gen der Rechts­ord­nung nicht mehr der an­geb­li­chen Schädi­gungs­hand­lung zu­re­chen­bar. Im Er­geb­nis müsse er sonst nicht mehr für ein Ver­hal­ten, son­dern für sein bloßes „Da­sein" haf­ten. Der Hin­weis des Ar­beits­ge­richts auf § 254 BGB sei zu­tref­fend. Durch die Ge­sund­heits­be­ein­träch­ti­gung sei dem Kläger un­mit­tel­bar kein Vermögens­scha­den ent­stan­den, weil sei­ne Vergütungs­ansprüche da­von nicht be­ein­flusst ge­we­sen sei­en. Der Kläger ha­be gemäß ei­ge­nem Vor­trag ge­gen sei­nen Ar­beit­ge­ber den vol­len Vergütungs­an­spruch gemäß § 326 Abs. 2 Satz 1 BGB be­hal­ten. Die Be­ru­fungs­anträge zu Zif­fer 3. und 4. sei­en un­zulässig. Al­le vom Kläger be­haup­te­ten Hand­lun­gen be­weg­ten sich noch in ei­nem Be­reich des all­ge­mei­nen Le­bens­ri­si­kos und der all­ge­mei­nen Le­bens­er­fah­rung. Es han­de­le sich um „nor­ma­le" Aus­ein­an­der­set­zun­gen, die die Gren­ze des nor­ma­len Le­bens­ri­si­kos nicht über­schrit­ten. Bei al­len ge­nann­ten Hand­lun­gen über den ge­sam­ten Zeit­raum hin­weg sei es kei­ne verhält­nismäßige Re­ak­ti­on mehr, wenn der Kläger sich schlicht­weg auf Le­bens­zeit außer Stan­de se­he, in der glei­chen Ab­tei­lung wie der Be­klag­te zu ar­bei­ten. Zu­tref­fend sei die Dar­stel­lung, dass sich nie­der­ge­las­se­ne Ärz­te ihm, dem

 

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Be­klag­ten, ge­genüber bei Vor­stel­lungs­gesprächen ne­ga­tiv geäußert hätten. In die­sem Sin­ne hätten sich die Zeu­gen Dr. M2, Dr. R2 und Dr. P3 geäußert (Ein­zel­hei­ten S 1 u. 2 des Schrift­sat­zes vom 12.09.2011 = Bl. 498 - 499 GA). Auch in der Zeit da­vor ha­be es ent­spre­chen­de Be­schwer­den ge­ge­ben. In­so­weit wird auf S. 3 bis 6 des Schrift­sat­zes vom 12.09.2011 so­wie die da­zu vor­ge­leg­ten An­la­gen Be­zug ge­nom­men (Bl. 500 - 511 GA). We­gen der ein­zel­nen Vorfälle nimmt der Be­klag­te auf sein Vor­brin­gen ers­ter In­stanz Be­zug.

Nach­fol­gen­de in Ko­pie vor­ge­leg­te Un­ter­la­gen wer­den ergänzend in Be­zug ge­nom­men:

- „Er­stel­lung ei­nes spez. Gut­ach­ten Mob­bing Gut­ach­tens", Al­li­anz-Ver­si­che­rung vom 25.05.2007, Bl. 127 – 132 GA
- „Nach­un­ter­su­chungs­be­richt zum Gut­ach­ten `Mob­bing´", Al­li­anz-Ver­si­che­rung vom 31.10.2007, Bl. 123 – 126 GA
- „Be­schei­ni­gung (zur Vor­la­ge beim Ar­beits­ge­richt)" Psy­cho­lo­go­s­cher Psy­cho­the­ra­peut S1 vom 08.04.2008, Bl. 120 – 122 GA
- „Wis­sen­schaft­lich-psych­ia­tri­sches Gut­ach­ten" Dr. A. W1 vom 15.10.2008, Bl. 142 – 166 GA
- Gut­ach­ter­li­che Stel­lung­nah­me Dr. H4 vom 24.03.2009 zum Rechts­streit LAG Hamm 16 Sa 103/08, Bl. 185 – 223 GA

We­gen wei­te­rer Ein­zel­hei­ten des Sach­vor­trags der Par­tei­en und we­gen wei­te­rer Ein­zel­hei­ten ih­rer recht­li­chen Ar­gu­men­ta­ti­on wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen ergänzend Be­zug ge­nom­men.

Die Be­ru­fungs­kam­mer hat am 11.04.2011 Be­weis er­ho­ben durch Ver­neh­mung der Zeu­gen Dr. K3, E2, Dr. T1, B1, B3, N1, L3. We­gen des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me wird auf das Sit­zungs­pro­to­koll vom 11.04.2011 Be­zug ge­nom­men (Bl. 392 - 410 GA).

Am 25.07.2011 hat die Kam­mer Be­weis er­ho­ben durch Ver­neh­mung der Zeu­gen E1, G1-W2. We­gen des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me wird auf das Sit­zungs­pro­to­koll vom 25.07.2011 Be­zug ge­nom­men (Bl. 468 - 471 GA).

 

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In der Sit­zung am 18.11.2011 ist Be­weis er­ho­ben wor­den durch Ver­neh­mung der Zeu­gen Dr. K3 (er­neut), Dr. S2 und F1. We­gen des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me wird auf das Sit­zungs­pro­to­koll vom 18.11.2011 Be­zug ge­nom­men (Bl. 548 - 554 R GA).

Am Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 18.11.2011 hat der Kläger­ver­tre­ter erklärt:

„Es wird nicht be­strit­ten, dass es Be­schwer­den von nie­der­ge­las­se­nen Ärz­ten ge­ge­ben hat. Al­ler­dings sind sol­che Be­schwer­den nicht be­gründet. Ins­be­son­de­re ist nicht mehr aufklärbar, von wel­chen Pa­ti­en­ten und aus wel­chen Gründen es zu Be­schwer­den ge­kom­men sein soll. Der zen­tra­le Vor­wurf in die­sem Kon­text geht da­hin, dass der Be­klag­te den Kläger in die­sem Gespräch pau­schal an­ge­grif­fen hat und dann dem Kläger nicht die Möglich­keit eröff­net hat, sach­lich dar­auf zu er­wi­dern, weil er Na­men und In­halt der Be­schwer­den nicht spe­zi­fi­ziert hat."

Ent­schei­dungs­gründe

Die Be­ru­fung des Klägers ist statt­haft und zulässig gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1, Abs. 2 b ArbGG. Der Kläger hat sei­ne Be­ru­fung form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet, §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG, 519, 520 ZPO. Die Be­ru­fung ist je­doch in der Sa­che un­be­gründet. Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge als un­be­gründet ab­ge­wie­sen.

A. Die Kla­ge ist mit al­len Anträgen zulässig. Dies ist für die be­zif­fer­ten Zah­lungs­anträge un­pro­ble­ma­tisch. Zulässig ist aber auch der Fest­stel­lungs­an­trag zu 3). Da auf der Grund­la­ge der Sach­dar­stel­lung des Klägers ein wei­te­rer Scha­den­s­ein­tritt möglich er­scheint und dafür ei­ne ge­wis­se Wahr­schein­lich­keit be­steht, kann der Kläger ei­ne ent­spre­chen­de ge­richt­li­che Fest­stel­lung nach § 256 Abs. 1 ZPO be­an­tra­gen (vgl. BAG 19.08.2010 – 8 AZR 315/09 - NZA 2010, 1443 Rn. 29). Im Hin­blick auf die er­wei­ter­ten Möglich­kei­ten der Zwangs­voll­stre­ckung we­gen ei­ner For­de­rung aus un­er­laub­ter Hand­lung nach Maßga­be des § 850 f Abs. 2 ZPO

 

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ist auch der Fest­stel­lungs­an­trag zu 4) zulässig (Zöller-Stöber, ZPO, 29.Aufl. 2012, § 850 f ZPO Rn. 9a mwN).

B. Bei der Prüfung, ob dem Kläger Er­satz­ansprüche der gel­tend ge­mach­ten Art zu­ste­hen, geht die Kam­mer geht von der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts aus (z.B. BAG 28.10.2010 – 8 AZR 546/09 - mwN).

Da­nach ist „Mob­bing" kein Rechts­be­griff und da­mit auch kei­ne mit ei­ner Rechts­norm ver­gleich­ba­re selbständi­ge An­spruchs­grund­la­ge für Ansprüche ei­nes Ar­beit­neh­mers ge­gen sei­nen Ar­beit­ge­ber oder ge­gen Vor­ge­setz­te bzw. Ar­beits­kol­le­gen. Macht ein Ar­beit­neh­mer kon­kre­te Ansprüche auf­grund von Mob­bing gel­tend, muss vom Ge­richt je­weils ge­prüft wer­den, ob der in An­spruch Ge­nom­me­ne in den vom Kläger ge­nann­ten Ein­z­elfällen ar­beits­recht­li­che Pflich­ten, ein ab­so­lu­tes Recht des Ar­beit­neh­mers i. S. d. § 823 Abs. 1 BGB, ein Schutz­ge­setz i. S. d. § 823 Abs. 2 BGB ver­letzt oder ei­ne sit­ten­wid­ri­ge Schädi­gung i. S. d. § 826 BGB be­gan­gen hat. In die­sem Zu­sam­men­hang ist zu be­ach­ten, dass es Fälle gibt, in wel­chen die ein­zel­nen, vom Ar­beit­neh­mer dar­ge­leg­ten Hand­lun­gen oder Ver­hal­tens­wei­sen sei­ner Ar­beits­kol­le­gen, Vor­ge­setz­ten oder sei­nes Ar­beit­ge­bers für sich al­lein be­trach­tet noch kei­ne Rechts­ver­let­zun­gen dar­stel­len, je­doch die Ge­samt­schau der ein­zel­nen Hand­lun­gen oder Ver­hal­tens­wei­sen zu ei­ner Ver­trags- oder Rechts­guts­ver­let­zung führt, weil de­ren Zu­sam­men­fas­sung auf­grund der ih­nen zu­grun­de lie­gen­den Sys­te­ma­tik und Ziel­rich­tung zu ei­ner Be­ein­träch­ti­gung ei­nes geschütz­ten Rech­tes des Ar­beit­neh­mers führt. Letz­te­res ist ins­be­son­de­re dann der Fall, wenn un­erwünsch­te Ver­hal­tens­wei­sen be­zwe­cken oder be­wir­ken, dass die Würde des Ar­beit­neh­mers ver­letzt und ein durch Einschüchte­run­gen, An­fein­dun­gen, Er­nied­ri­gun­gen, Entwürdi­gun­gen oder Be­lei­di­gun­gen ge­kenn­zeich­ne­tes Um­feld ge­schaf­fen wird. Dies ent­spricht der in § 3 Abs. 3 AGG er­folg­ten De­fi­ni­ti­on des Be­grif­fes „Belästi­gung", die ei­ne Be­nach­tei­li­gung i. S. d. § 1 AGG dar­stellt. Da ein Um­feld grundsätz­lich nicht durch ein ein­ma­li­ges son­dern durch ein fort­dau­ern­des Ver­hal­ten ge­schaf­fen wird, sind al­le Hand­lun­gen bzw. Ver­hal­tens­wei­sen, die dem sys­te­ma­ti­schen Pro­zess der Schaf­fung ei­nes be­stimm­ten Um­fel­des zu­zu­ord­nen sind, in die Be­trach­tung mit ein­zu­be­zie­hen. Dem­zu­fol­ge dürfen ein­zel­ne zurück­lie­gen­de Hand­lun­gen/Ver­hal­tens­wei­sen bei der Be­ur­tei­lung nicht

 

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un­berück­sich­tigt ge­las­sen wer­den (BAG 28.10.2010 AP BGB § 611 Mob­bing Nr. 7; BAG 24.04.2008 AP BGB § 611 Haf­tung des Ar­beit­ge­bers Nr. 42; BAG 25.10.2007 AP BGB § 611 Mob­bing Nr. 6; BAG 16.05.2007 AP BGB § 611 Mob­bing Nr. 5).

Bei der Prüfung von Er­satz­ansprüchen nach den vor­ste­hen­den Grundsätzen ist al­ler­dings zu berück­sich­ti­gen, dass im Ar­beits­le­ben übli­che Kon­flikt­si­tua­tio­nen, die sich durch­aus auch über ei­nen länge­ren Zeit­raum er­stre­cken können, nicht ge­eig­net sind, der­ar­ti­ge recht­li­che Tat­bestände zu erfüllen. Es gilt da­her, so­ge­nann­tes fol­gen­lo­ses oder so­zi­al- und recht­s­adäqua­tes Ver­hal­ten auf Grund ei­ner ob­jek­ti­ven Be­trach­tungs­wei­se, d. h. oh­ne Rück­sicht auf das sub­jek­ti­ve Emp­fin­den des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers, von der recht­li­chen Be­wer­tung aus­zu­neh­men. Wei­sun­gen, die sich im Rah­men des dem Ar­beit­ge­ber zu­ste­hen­den Di­rek­ti­ons­rechts be­we­gen und bei de­nen sich nicht ein­deu­tig ei­ne schi­kanöse Ten­denz ent­neh­men lässt, dürf­ten nur in sel­te­nen Fällen ei­ne Ver­let­zung des Persönlich­keits­rechts dar­stel­len. Glei­ches kann für den Rah­men des Di­rek­ti­ons­rechts über­schrei­ten­de Wei­sun­gen gel­ten, de­nen je­doch sach­lich nach­voll­zieh­ba­re Erwägun­gen des Ar­beit­ge­bers zu­grun­de lie­gen (BAG 16.05.2007 AP BGB § 611 Mob­bing Nr. 5). In ähn­li­cher Wei­se kann der Aus­spruch ei­ner un­wirk­sa­men Kündi­gung Ansprüche des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers nach den auf­ge­zeig­ten Grundsätzen nur recht­fer­ti­gen, wenn der Ar­beit­neh­mer im Scha­dens­er­satz- bzw. Schmer­zens­geld­pro­zess kon­kret dar­legt, dass der Ar­beit­ge­ber bei An­wen­dung der er­for­der­li­chen Sorg­falt die Rechts­un­wirk­sam­keit der Kündi­gung hätte er­ken­nen können, und auch hätte er­ken­nen können, dass der Ar­beit­neh­mer auf­grund die­ser Kündi­gung er­kran­ken wer­de (BAG 24.04.2008 AP BGB § 611 Haf­tung des Ar­beit­ge­bers Nr. 42). Auch können Ver­hal­tens­wei­sen von Ar­beit­ge­bern oder Vor­ge­setz­ten nicht in die Prüfung ein­be­zo­gen wer­den, die le­dig­lich ei­ne Re­ak­ti­on auf Pro­vo­ka­tio­nen durch den ver­meint­lich ge­mobb­ten Ar­beit­neh­mer dar­stel­len (BAG 16.05.2007 AP BGB § 611 Mob­bing Nr. 5).

Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für das Vor­lie­gen der tatsächli­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­nes so be­gründe­ten Er­satz­an­spru­ches trägt der Ar­beit­neh­mer, der Scha­dens­er­satz oder Schmer­zens­geld we­gen un­an­ge­mes­se­ner Be­hand­lung ein­for­dert (BAG 24.04.2008 AP BGB § 611 Haf­tung des Ar­beit­ge­bers Nr. 42; BAG 16.05.2007 AP BGB § 611 Mob­bing Nr. 5)

 

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C. Da­von aus­ge­hend kann hier ei­ne dem Be­klag­ten vor­werf­ba­re Ver­let­zung ar­beits­recht­li­cher Pflich­ten, ei­nes ab­so­lu­ten Rechts des Klägers i. S. d. § 823 Abs. 1 BGB, ei­nes Schutz­ge­set­zes i. S. d. § 823 Abs. 2 BGB oder ei­ne von dem Be­klag­ten be­gan­ge­ne sit­ten­wid­ri­ge Schädi­gung i. S. d. § 826 BGB nicht be­jaht wer­den. Ei­nen Teil der er­ho­be­nen Vorwürfe hat der Kläger nicht schlüssig oder nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert auf­ge­zeigt. Für ei­nen Teil der be­haup­te­ten Mob­bing­vorfälle hat der Kläger nicht den ihm ob­lie­gen­den Be­weis an­ge­tre­ten oder den Be­weis nicht er­folg­reich geführt. An­de­re be­haup­te­te Vorfälle ha­ben sich nach der Aus­sa­ge der ver­nom­me­nen Zeu­gen nicht so er­eig­net, wie der Kläger es be­haup­tet hat. Ins­ge­samt tra­gen die durch die Be­ru­fungs­kam­mer fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen nicht den Vor­wurf des Mob­bings. Es ist nicht fest­zu­stel­len, dass der Be­klag­te durch pflicht­wid­ri­ges Ver­hal­ten die Würde des Klägers ver­letzt und ein durch Einschüchte­run­gen, An­fein­dun­gen, Er­nied­ri­gun­gen, Entwürdi­gun­gen oder Be­lei­di­gun­gen ge­kenn­zeich­ne­tes Um­feld ge­schaf­fen hat. Bei den fest­ge­stell­ten Kon­flik­ten sind schi­kanöse Ver­hal­tens­wei­sen des Be­klag­ten nicht nach­ge­wie­sen wor­den. Die fest­ge­stell­ten Vorfälle erschöpfen sich in Kon­flikt­si­tua­tio­nen, wie sie im Ar­beits­le­ben üblich sind und wie sie sich durch­aus auch über ei­nen länge­ren Zeit­raum er­stre­cken können, die aber nicht ge­eig­net sind, ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch nach der ein­schlägi­gen Recht­spre­chung des BAG (s.o.) zu be­gründen. Dies gilt so­wohl bei ei­ner Ein­zel­be­trach­tung der Vorfälle (II) wie auch bei ei­ner zu­sam­men­fas­sen­den Ge­samt­schau des Ge­sche­hens (III).

I. Bei der Prüfung der Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen der ver­folg­ten Scha­dens­er­satz­ansprüche ist von den Grundsätzen der Dar­le­gungs- und Be­weis­last und vom Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me zu den ein­zel­nen Vorfällen aus­zu­ge­hen. Die Grundsätze der Dar­le­gungs- und Be­weis­last be­sa­gen, dass es im Zi­vil­pro­zess und da­mit auch im Ur­teils­ver­fah­ren vor den Ar­beits­ge­rich­ten den Par­tei­en ob­liegt, den Stoff zu­sam­men­zu­tra­gen, der Ent­schei­dungs­grund­la­ge wer­den soll. Die Tat­sa­chen wer­den nicht „von Amts we­gen" durch das Ge­richt er­mit­telt. Die Par­tei­en ha­ben den Tat­sa­chen­stoff bei­zu­brin­gen und im Be­strei­tens­fall die Be­wei­se dafür zu be­schaf­fen und an­zu­bie­ten (Be­weis­an­tritt). Um­fang und Be­weis­bedürf­tig­keit des Streitstof­fes

 

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hängen vom Ver­hal­ten der Par­tei­en ab. Tat­sa­chen, die die Par­tei­en nicht mit­tei­len, oder Be­haup­tun­gen, die sie zurück­neh­men, dürfen nicht Ur­teils­grund­la­ge sein. Tat­sa­chen, die die Ge­gen­sei­te nicht be­strei­tet, bedürfen kei­nes Be­wei­ses. Blei­ben Tat­sa­chen strei­tig, so wirkt es sich zum Nach­teil der be­weis­be­las­te­ten Par­tei aus, wenn sie den ihr ob­lie­gen­den Be­weis nicht führen kann. Bei Nich­ter­weis­lich­keit der auf­ge­stell­ten und von der Ge­gen­sei­te be­strit­te­nen rechts­er­heb­li­chen Tat­sa­chen droht der be­weis­be­las­te­ten Par­tei der Rechts­nach­teil des Pro­zess­ver­lusts (zum Vor­ste­hen­den: vgl. § 138 ZPO; Ro­sen­berg/Schwab/Gott­wald, Zi­vil­pro­zess­recht, 11. Auf­la­ge 2010, §77 I, II = S. 397-400 mwN; Zöller-Gre­ger, ZPO, 29.Auf­la­ge 2012, vor § 284 ZPO Rn. 18 - je­weils mit um­fang­rei­chen wei­te­ren Nach­wei­sen).

II. Nach die­sen Grundsätzen der Dar­le­gungs- und Be­weis­last und nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me ist bei der Prüfung der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen von der nach­ste­hend dar­ge­stell­ten Tat­sa­chen­la­ge aus­zu­ge­hen. Da­bei er­gibt sich, dass bei ei­ner auf den je­wei­li­gen Ein­zel­fall be­schränk­ten Sicht­wei­se die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen nach den Grundsätzen zu B. nicht erfüllt sind.

1. Der Kläger wirft dem Be­klag­ten vor, die­ser ha­be im Som­mer 2002 rück­sichts­los sei­ne ei­ge­nen Ur­laubswünsche zu­las­ten der be­reits be­ste­hen­den und zu­vor im Ja­nu­ar 2002 ak­zep­tier­ten Ur­laubs­pla­nung des Klägers für den 09.08.2002 bis zum 30.08.2002 durch­ge­setzt. Er, der Kläger, ha­be nach­ge­ge­ben und sei­nen Ur­laub um­ge­bucht. Der Be­klag­te ist dem ent­ge­gen ge­tre­ten und hat dar­auf hin­ge­wie­sen, es sei nur um ei­ne Über­schnei­dung am 09.08. / 10.08.2002 ge­gan­gen. Er, der Be­klag­te, sei erst am 10.08.2002 aus sei­nem Ur­laub zurück­ge­kehrt, wes­halb er den Kläger ge­be­ten ha­be, dass die­ser sei­nen Ur­laub erst am 09.08.2002 nach Be­en­di­gung sei­nes Diens­tes an­tre­te. Da der Kläger für die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen des gel­tend ge­mach­ten Er­satz­an­spru­ches dar­le­gungs- und be­weis­pflich­tig ist, hätte es ihm ob­le­gen, für ei­nen ab­wei­chen­den Tat­sa­chen­her­gang Be­weis an­zu­tre­ten. Da er dies nicht ge­tan hat, ist bei der Prüfung der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen von der Dar­stel­lung des Be­klag­ten aus­zu­ge­hen. Wenn der Kläger in der von dem Be­klag­ten dar­ge­stell­ten Si­tua­ti­on der von dem Be­klag­ten for­mu­lier­ten Bit­te ent­spro­chen hat und sei­nen Ur­laub nicht be­gin­nend mit dem 09.08.2002 son­dern erst nach Ab­leis­tung

 

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sei­nes Diens­tes am 09.08.2002 an­ge­tre­ten hat, kann die Be­ru­fungs­kam­mer ein un­an­ge­mes­se­nes rück­sichts­lo­ses Ver­hal­ten des Be­klag­ten nicht fest­stel­len.

2. In ähn­li­cher Wei­se bringt der Kläger Be­an­stan­dun­gen vor, der Be­klag­te ha­be ei­nen Kon­flikt zur zeit­li­chen La­ge des Ur­laubs in den Herbst­fe­ri­en 2002 rück­sichts­los zu ei­ge­nen Guns­ten ent­schie­de­nen. Der Be­klag­te hat hin­ge­gen aus­geführt, der Kläger ha­be sei­nen Ur­laub zwar An­fang 2002 an­ge­mel­det, dies sei ihm in­des nicht be­kannt ge­we­sen, bei der not­wen­di­gen ver­bind­li­chen Ur­laubs­be­wil­li­gung ha­be er dann selbst Ur­laubspläne für die Herbst­fe­ri­en ge­habt, wes­halb man den Ur­laub der Herbst­fe­ri­en ge­teilt ha­be, was der Kläger oh­ne Streit und Dis­kus­sio­nen in ei­nem alltägli­chen Gespräch ak­zep­tiert ha­be. So ha­be für bei­de Sei­ten die Möglich­keit be­stan­den, mit der Fa­mi­lie Ur­laub zu ma­chen, wor­auf er, der Be­klag­te, da­mals als Wit­wer mit zwei Kin­dern im Al­ter von 17 und 14 Jah­ren in be­son­de­rer Wei­se an­ge­wie­sen ge­we­sen sei. Die hier­zu ver­nom­me­ne Zeu­gin G1-W2, sei­ner­zeit Se­kretärin bei dem Be­klag­ten, ver­moch­te sich an den Vor­gang als sol­chen zu er­in­nern, nicht aber dar­an, dass laut oder barsch ge­spro­chen ge­wor­den wäre. Die Zeu­gin hat sich da­hin er­in­nert, dass der Kläger sei­nen Ur­laub be­reits ge­plant hat­te, dass der Be­klag­te nach Of­fen­bar­wer­den der Kol­lu­si­on auf ei­ne Wo­che Ur­laub ver­zich­tet hat und nur ei­ne Wo­che Ur­laub während der Herbst­fe­ri­en ge­macht hat. Auf Vor­halt hat die Zeu­gin auch bestätigt, dass für den Be­klag­ten da­mals ei­ne an­ge­spann­te Si­tua­ti­on be­stand, weil ne­ben der ei­ge­nen fa­mi­liären Si­tua­ti­on noch der Bru­der des Be­klag­ten schwer er­krankt war und nach­fol­gend ver­stor­ben ist und zu­gleich die Mut­ter des Be­klag­ten krank war und der Be­klag­te des­halb ver­mehrt zu sei­nen El­tern nach O1 fuhr. Dies al­les berück­sich­ti­gend kann der ge­fun­de­ne Kom­pro­miss nicht als un­an­ge­mes­sen rück­sichts­lo­se und vor­werf­bar ein­sei­ti­ge In­ter­es­sen­wah­rung durch den Be­klag­ten qua­li­fi­ziert wer­den. Das Ver­hal­ten des Klägers trägt ei­nen Vor­wurf der Persönlich­keits- oder Ge­sund­heits­ver­let­zung nicht, und zwar auch nicht als Be­stand­teil ei­nes mehr­glied­ri­gen Mob­bing­ge­sche­hens (s.u. C.III).

3. Als zu­tref­fend hat sich er­wie­sen, dass der Be­klag­te En­de 2001 / An­fang 2002 ei­nen Vor­schlag des Klägers ver­gleichs­wei­se kurz zurück­ge­wie­sen hat, an­stel­le der sei­ner­zeit ak­tu­ell ge­nutz­ten in­dus­tri­ell ge­fer­tig­ten Dübel sol­che aus ei­ge­nem Kno­chen­ma­te­ri­al der Pa­ti­en­ten ein­zu­set­zen. Al­ler­dings hat die Aus­sa­ge des Zeu­gen

 

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Dr. K3 auch er­ge­ben, dass es sich da­bei nicht um ei­nen in­no­va­ti­ven Vor­schlag des Klägers han­del­te, son­dern es le­dig­lich dar­um ging, zu ei­ner zu­vor geübten Pra­xis zurück­zu­keh­ren, zu ei­nem Ver­fah­ren, das - nach Einschätzung des Zeu­gen Dr. K3 - zwar kostengüns­ti­ger ist aber we­ni­ger zeit­gemäß und heu­te in zu­neh­mend we­ni­ger Kran­kenhäusern über­haupt noch ein­ge­setzt wird und ge­gen das der Be­klag­te sich zu­vor be­reits aus­ge­spro­chen hat­te:

„An ein der­ar­ti­ges Gespräch kann ich mich er­in­nern. In der Si­tua­ti­on 2001/2002 war es so, dass zu dem Zweck re­gelmäßig Ze­ment ein­ge­setzt wur­de und al­ter­na­tiv Kno­chendübel. Letz­te­res aber sel­te­ner. Der Be­klag­te hat dann vor­ge­ge­ben, dass zukünf­tig Ca­ges (in­dus­tri­ell vor­ge­fer­tig­te Dübel) ein­ge­setzt würden. Es hat ei­ne Dis­kus­si­on ge­ge­ben, ob man das so oder so ma­chen sol­le. Ich ha­be das so ge­macht, wie der Be­klag­te es be­vor­zug­te. Der Kläger hat­te geäußert, es sol­le wei­ter Ze­ment ein­ge­setzt wer­den, weil das bil­li­ger sei. Ich kann mich nicht ge­nau er­in­nern, was da­mals be­spro­chen wor­den ist. Der Be­klag­te hat aber im Er­geb­nis den Kläger an­ge­wie­sen, zukünf­tig Ca­ges ein­zu­set­zen. Ich sel­ber hielt das auch für bes­ser al­so das, was der Be­klag­te be­vor­zug­te. Ich weiß nicht, ob der Be­klag­te das dem Kläger in un­an­ge­mes­se­ner Wei­se ver­mit­telt hat. Es gab des Öfte­ren der­ar­ti­ge Dis­kus­sio­nen. Ich ha­be wel­che mit­be­kom­men und wel­che auch nicht. ... Wenn ich da­mals ge­sagt ha­be, dass der Be­klag­te es meist so hand­ha­be, dass er et­was Be­stimm­tes so oder so ha­ben wol­le und dass er dann darüber kei­ne wei­te­re Dis­kus­si­on wünsche, dann stimmt das. Das fin­de ich auch in Ord­nung so, weil er der Chef ist und er die Ent­schei­dung tref­fen muss. Es ist auch so, dass die von dem Be­klag­ten be­vor­zug­te Me­tho­de die zeit­gemäßere ist. In­zwi­schen ist es so, dass viel­leicht noch zwei oder drei Kli­ni­ken in Deutsch­land über­haupt nur nach dem al­ten Ver­fah­ren vor­ge­hen (Kno­chen/Ze­ment). Es ist rich­tig, dass das al­te Ver­fah­ren viel bil­li­ger war." (Bl.394 GA).

Aus­weis­lich die­ser Aus­sa­ge ging es le­dig­lich dar­um, das Für und Wi­der ei­ner von dem Be­klag­ten be­reits ge­trof­fe­nen Ent­schei­dung ein wei­te­res Mal zu dis­ku­tie­ren. Dann aber ist es nicht zu be­an­stan­den, wenn der Be­klag­te sich als Chef­arzt der Ab­tei­lung auf kei­ne länge­re Dis­kus­si­on ein­ließ und das Gespräch ver­gleichs­wei­se knapp hielt. Dass der Be­klag­te sich bei dem Gespräch in der Wort­wahl oder im Ton ver­grif­fen hätte oder sich sonst un­an­ge­mes­sen ge­genüber dem Kläger ver­hal­ten hätte, lässt sich der Aus­sa­ge des Zeu­gen Dr. K3 nicht ent­neh­men. Das vom Zeu­gen Dr. K3 ge­schil­der­te Ver­hal­ten des Be­klag­ten ist si­tua­ti­ons­an­ge­mes­sen. Auch die wei­te­ren von dem Kläger für die­sen Vor­fall auf­ge­bo­te­nen Zeu­gen ha­ben kein Fehl­ver­hal­ten des Be­klag­ten be­kun­det. Die Zeu­gen E2 und Dr. S2 hat­ten kei­ne Er­in­ne­rung an ei­nen der­ar­ti­gen Vor­fall („An den mir vor­ge­tra­ge­nen Vor­fall Nr. 3 ha­be ich kei­ne Er­in­ne­rung. Ich weiß nicht, ob ich über­haupt an­we­send war.", Bl. 400 GA, bzw. „Bei die­sem Vor­fall war ich nicht zu­ge­gen. Ich muss da­zu sa­gen, dass ich nur bis En­de 2001 im Kran­ken­haus tätig war. Ich bin dann zum 31.12.2001

 

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aus­ge­schie­den. Zu­vor hat­te ich mei­nen ge­sam­ten Rest­ur­laub ge­nom­men. Später bin ich dann wie­der im Kran­ken­haus an­ge­fan­gen. Ich glau­be im Fe­bru­ar 2003 und dann als Oberärz­tin." Bl. 548, 549 GA ).

4. Ent­ge­gen der Ar­gu­men­ta­ti­on des Klägers ist der In­halt des Schrei­bens des Be­klag­ten vom 27.02.2003, vom Kläger als „Ab­mah­nung" be­zeich­net, nicht zu be­an­stan­den. Der Kläger miss­ver­steht das Schrei­ben, wenn er aus ihm ent­nimmt, der Be­klag­te ha­be ihm „sach­lich ge­bo­te­ne, wie auch re­spekt­voll vor­ge­tra­ge­ne Kri­tik" für die Zu­kunft un­ter­sagt. Be­an­stan­det fin­det sich viel­mehr, dass der Kläger „im Rah­men der Be­spre­chung am Bett der Pa­ti­en­tin ste­hend deut­lich ge­sagt [hat], die Pa­ti­en­tin sei zu ´pan­ne´, um auf die Nor­mal­sta­ti­on B 5 über­nom­men wer­den zu können." (Bl. 20 GA). Der Be­klag­te hat sich mit dem Schrei­ben aus­weis­lich sei­nes Tex­tes nicht „sach­lich ge­bo­te­ne, wie auch re­spekt­voll vor­ge­tra­ge­ne Kri­tik" ver­be­ten son­dern zum Aus­druck ge­bracht, dass er „der­ar­ti­ge, ehr­ab­schnei­den­de Äußerun­gen und Ton­la­gen nicht re­spek­tie­re und auf kei­nen Fall hin­neh­men möch­te". Dass der Be­klag­te sich da­ge­gen wen­det, dass der Kläger ei­ne Pa­ti­en­tin in de­ren Bei­sein als „zu pan­ne" be­zeich­net, ist recht­lich nicht zu be­an­stan­den.

5. An die kon­kre­ten Be­haup­tun­gen des Klägers zum Vor­fall 5 („vier Bohrlöcher" / Gespräch vor dem Auf­zug) hat­te der Zeu­ge Dr. K3 kei­ne ei­ge­ne Er­in­ne­rung. Er hat be­rich­tet, dass man bei den in Re­de ste­hen­den Ope­ra­tio­nen früher häufig vier oder fünf Bohrlöcher an­ge­legt hat, während jetzt nach neue­rem Stand der Me­di­zin eher we­ni­ger als vier oder fünf Bohrlöcher ge­macht wer­den. Bis zum Ein­tritt des Be­klag­ten als Chef­arzt wur­de im Kran­ken­haus in L1 nach al­ter Vor­ge­hens­wei­se mit der größeren An­zahl an Bohrlöchern ope­riert, auch vom Kläger. Der Zeu­ge konn­te sich an Gespräche zur The­ma­tik im Auf­ent­halts­raum er­in­nern und dar­an, dass der Be­klag­te dem Kläger an­ge­bo­ten hat, ihm die neue Ope­ra­ti­ons­me­tho­de zu zei­gen – wie er dies auch ge­genüber dem Zeu­gen bei an­de­rer Ge­le­gen­heit ge­macht hat­te. Der Zeu­ge E2 konn­te sich zwar er­in­nern, dass es ein Gespräch ins­be­son­de­re des Klägers und des Be­klag­ten im Kran­ken­haus vor dem Auf­zug über die Zahl der an­zu­brin­gen­den Bohrlöcher ge­ge­ben hat, nicht aber dar­an, dass der Be­klag­te mit dem Kläger „ab­kan­zelnd oder von man­geln­dem Re­spekt ge­tra­gen" über die An­zahl der Bohrlöcher ge­spro­chen hätte. Al­ler­dings hat er, als ihm sei­ne Aus­sa­ge aus dem

 

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Vor­pro­zess vor­ge­hal­ten wor­den ist, an­ge­ge­ben, dass er da­mals die Wahr­heit ge­sagt ha­be:

Wenn mir mei­ne da­ma­li­ge Aus­sa­ge vor­ge­hal­ten wird, so ist es rich­tig, dass der Be­klag­te laut war (Aus­sa­ge No­vem­ber 2005: „An den Vor­fall mit den Bohrlöchern kann ich mich er­in­nern. Es war nach der Rönt­gen­be­spre­chung und fand vor den Aufzügen statt. Herr Dr. H3 war auf dem Weg zur Am­bu­lanz. Er hat Herrn Dr. B2 dar­auf an­ge­spro­chen, war­um er vier Bohrlöcher ge­setzt hätte, eins oder zwei hätten ge­reicht. Ge­nau­er kann ich mich an den Wort­laut nicht er­in­nern. Er war sehr laut. Herr Dr. H3 hat ge­sagt, dass ein Bohr­loch ge­reicht hätte, Herr Dr. B2, dass er es mit den vier Bohrlöchern wie üblich ge­macht hätte. Die Ge­fahr, die Hirn­haut zu ver­let­zen, sei mit älte­ren Leu­ten bei vier Bohrlöchern ge­rin­ger. Der Vor­gang war ins­ge­samt sehr kurz. Die In­ter­ven­tio­nen er­folg­ten hin­ter­ein­an­der ab. Herr Dr. H3 war sehr laut. Bei­de ha­ben ih­re Mei­nung geäußert. Ich kann mich dar­an er­in­nern, dass Herr Dr. H3 zu Herrn Dr. B2 ge­sagt hat, wenn er das nicht könne, würde er ihm das bei der nächs­ten Ope­ra­ti­on zei­gen. Die­se Äußerung war zu­min­dest in der Run­de nicht an­ge­mes­sen. Bei­de Kol­le­gen sind Fachärz­te. Für mei­ne Per­son muss ich sa­gen, dass ich ge­schluckt hätte, wenn mir das ge­sagt wor­den wäre.).
Ja, es ist rich­tig, es hätte mich to­tal fer­tig ge­macht, wenn ich in die­ser Si­tua­ti­on so an­ge­spro­chen wor­den wäre. Da­mals ha­be ich, so­weit ich mich dar­an er­in­ne­re, die Wahr­heit ge­sagt. Wenn ich mich heu­te we­ni­ger de­tail­reich er­in­ne­re, dann liegt das an der ver­stri­che­nen Zeit und dar­an, dass ich mich mit den Vorgängen lan­ge nicht mehr beschäftigt ha­be.
(Bl. 401 GA)

Die Zeu­gin S2 hat - ent­ge­gen der Be­haup­tung des Klägers - aus­ge­sagt, bei die­sem Vor­fall nicht zu­ge­gen ge­we­sen zu sein. Sie ha­be al­ler­dings vom Hören­sa­gen Kennt­nis er­langt, dass es ei­nen der­ar­ti­gen Vor­fall ge­ge­ben ha­be und zwar in dem Sin­ne, dass die Si­tua­ti­on für den Kläger un­an­ge­nehm ge­we­sen sei.

6. Nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me ist dem Be­klag­ten im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Pa­ti­en­ten­auf­nah­me zur Mit­tags­zeit am 04.06.2003 kein Vor­wurf zu ma­chen. Die nach Dar­stel­lung des Klägers zen­tra­le Zeu­gin zu die­sem Ge­sche­hen, Frau Dr. S2, hat­te an ei­ne Be­ge­ben­heit, dass der Kläger sich während des Mit­tag­es­sens zur Be­hand­lung ei­ner so­eben ein­ge­lie­fer­ten Pa­ti­en­tin be­reit erklärt hätte und die­se dann doch von der Zeu­gin Dr. S2 be­han­delt wor­den wäre, kei­ne Er­in­ne­rung. Wei­ter hat sie nach Vor­halt der schriftsätz­li­chen Dar­stel­lung des Klägers an­ge­ge­ben:

„Un­abhängig da­von würde ich den Vor­gang, so wie er ge­schil­dert ist, auch nicht so un­gewöhn­lich fin­den. Man guckt in ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on, wer ge­ra­de frei ist." ( Bl. 549 GA)

Auch die wei­te­re vom Kläger be­nann­te Zeu­gin L3 hat die Dar­stel­lung des Klägers nicht bestätigt („An so et­was kann ich mich nicht er­in­nern.", Bl. 409 GA). Bei die­sem Be­wei­s­er­geb­nis kann der Vor­fall nicht an­ders in die recht­li­che Prüfung ein­be­zo­gen

 

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wer­den, als er sich nach der un­wi­der­legt ge­blie­be­nen Dar­stel­lung des Be­klag­ten dar­stellt: Es kann da­nach we­der da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass durch ei­nen Wort­wech­sel am Mit­tags­tisch ei­ne Zuständig­keit des Klägers für die Be­hand­lung der ein­ge­lie­fer­ten Pa­ti­en­tin ver­bind­lich fest­ge­legt wor­den wäre, noch da­von, dass ei­ne der­art be­gründe­te Zuständig­keit nach­fol­gend durch ei­ne ge­gen­tei­li­ge Wei­sung des Be­klag­ten auf­ge­ho­ben wor­den wäre. Es ist nicht be­wie­sen wor­den, dass ei­ne Be­hand­lung der Pa­ti­en­tin durch den Kläger durch ei­ne ändern­de Wei­sung des Be­klag­ten aus un­sach­li­chen Gründen hin­ter­trie­ben wor­den wäre.

7. Der Zeu­ge Dr. T1, der vor­ma­li­ge Chef­arzt der Ab­tei­lung, hat nicht die Be­haup­tung des Klägers bestätigt, der Be­klag­te ha­be die (un­zu­tref­fen­de) Aus­sa­ge über den Kläger ver­brei­tet, der Kläger ha­be Herrn Dr. T1 hin­ter­gan­gen und des­sen Raus­wurf aus dem Be­trieb des Ar­beit­ge­bers ver­an­lasst. Der Zeu­ge Dr. T1 hat - ent­ge­gen dem Be­weis­an­tritt des Klägers - be­kun­det, er könne sich nicht an ein Gespräch mit dem Be­klag­ten er­in­nern, in dem die­ses the­ma­ti­siert wor­den wäre. Ein „Ver­brei­ten" der frag­li­chen Aus­sa­ge ist durch die Zeu­gen­aus­sa­ge des Dr. T1 nicht be­wie­sen. Nach der – nach den Grundsätzen der Dar­le­gungs- und Be­weis­last zu­grun­de zu le­gen­den - Dar­stel­lung des Be­klag­ten ist ein vor­werf­ba­res Fehl­ver­hal­ten nicht fest­zu­stel­len. Der Be­klag­te hat nach sei­ner un­wi­der­legt ge­blie­be­nen Dar­stel­lung le­dig­lich in ei­nem Vier­au­gen­gespräch mit dem Kläger erörtert, dass ihm, dem Be­klag­ten, von ver­schie­de­nen Stel­len zu­ge­tra­gen wor­den sei, der Kläger ha­be sei­ner­zeit ge­gen den da­ma­li­gen Chef­arzt Dr. T1 ge­wet­tert und „an des­sen Stuhl­bein gesägt". Er ha­be dies dem Kläger mit­ge­teilt, oh­ne sich die Dar­stel­lung zu ei­gen zu ma­chen, um sich ein ei­ge­nes Bild von der Sicht des Klägers von die­ser An­ge­le­gen­heit ma­chen zu können. Er ha­be den Kläger mit von Drit­ten auf­ge­stell­ten Be­haup­tun­gen ver­traut ge­macht und da­mit kein ei­ge­nes Wert­ur­teil ver­bun­den. Er ha­be den Kläger aus Gründen der Fair­ness selbst zu den Gerüch­ten und Vorwürfen zu Wort kom­men las­sen wol­len. Ein un­an­ge­mes­se­nes und re­spekt­lo­ses Ver­hal­ten des Be­klag­ten kann in die­ser Vor­ge­hens­wei­se nicht ge­se­hen wer­den.

8. Zur strit­ti­gen Dis­kus­si­on über die Durchführung von Be­reit­schafts­diens­ten ge­mein­sam mit der neu­ro­lo­gi­schen Ab­tei­lung hat der Zeu­ge Dr. K3 sich bei sei­ner Ver­neh­mung durch die Be­ru­fungs­kam­mer am 11.04.2011 nicht an die vom Kläger

 

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be­an­stan­de­ten For­mu­lie­run­gen des Be­klag­ten zu er­in­nern ver­mocht. Er hat al­ler­dings auf Vor­halt an­ge­ge­ben:

„Wenn mir vor­ge­hal­ten wird, dass ich sei­ner­zeit ge­nau die mir so­eben vor­ge­hal­te­ne Äußerung („bräsig") be­kun­det ha­be, so sa­ge ich, dass ich mich dar­an heu­te nicht er­in­nern kann. Wenn ich das da­mals so ge­sagt ha­be, war das die Wahr­heit - [ge­meint: bei sei­ner Ver­neh­mung im vor­an­ge­gan­ge­nen Pro­zess ge­gen das Kran­ken­haus vor der 16. Kam­mer des LAG Hamm] -."

Der Zeug E2 hat dem­ge­genüber im We­sent­li­chen die Dar­stel­lung des Klägers bestätigt:

„Dem Zeu­gen wur­de der Vor­fall 8 und ins­be­son­de­re die For­mu­lie­rung „um sei­nen Arsch im Bett las­sen zu können, des Wei­te­ren um sei­ne Pfründe zu si­chern". Der Zeu­ge erklärte: Ja, an die­sen Satz er­in­ne­re ich mich. Das ist so ge­sagt wor­den. .... Ich er­in­ne­re mich auch dar­an, dass das Wort „bräsig" ge­fal­len ist. ... Viel­leicht kann ich mich an das Wort „bräsig" von der da­ma­li­gen Ver­hand­lung her er­in­nern. Es könn­te sein, dass es in mei­ner Er­in­ne­rung an das Ori­gi­nal­gespräch nicht ent­hal­ten war."

Am de­tail­lier­tes­ten war die Er­in­ne­rung der Zeu­gin Dr. S2:

„An die Dis­kus­si­on kann ich mich er­in­nern. Das war da­mals ei­ne leb­haf­te Dis­kus­si­on, nicht nur in un­se­rem Haus, son­dern auch in an­de­ren Kran­kenhäusern. Ich hat­te mich bei Kol­le­gen, die an an­de­ren Häusern ar­bei­te­ten, er­kun­digt, wie das dort ge­hand­habt wer­de. Wir drei Oberärz­te, der Kläger, Herr Dr. K3 und ich wa­ren eher da­ge­gen, während der Be­klag­te ei­ne eher der Kli­nik­lei­tung ver­schrie­be­ne Hal­tung ein­nahm. Es ging im We­sent­li­chen dar­um, ob die dis­ku­tier­te Zu­sam­men­le­gung fach­lich sinn­voll sei. Der Kläger war ganz ein­deu­tig da­ge­gen. Wir – Dr. K3 und ich – wa­ren auch eher da­ge­gen. Ich ha­be das auch so ge­sagt. Ob der Be­klag­te das woll­te, war da noch gar nicht so ein­deu­tig. Er hat das als Mo­dell zur Dis­kus­si­on ge­stellt. Auch im As­sis­ten­ten­be­reich war das Mo­dell nicht will­kom­men. Die As­sis­ten­ten hätten sich mit den neu­ro­lo­gi­schen Fra­ge­stel­lun­gen über­for­dert gefühlt.
Es ist et­was in dem Sin­ne ge­fal­len, dass man lie­ber im Bett blei­be. Das hat der Be­klag­te ge­sagt. An ge­naue Wort­lau­te kann ich mich nicht er­in­nern. So kann ich mich z.B. an das Wort „bräsig" nicht er­in­nern. Mit „Pfründe" ist auch nichts ge­sagt wor­den. Es war auch so, das möch­te ich hier noch sa­gen, dass der Be­klag­te in der Gesprächs­si­tua­ti­on et­was in die Ecke ge­drängt war. Es war ei­ne hit­zi­ge Dis­kus­si­on. Es war für den Be­klag­ten un­dank­bar, dass er et­was vor­ge­stellt hat­te und dann auf die­sen Wi­der­stand stieß. Zu­letzt wur­de die Dis­kus­si­on nur noch zwi­schen dem Kläger und dem Be­klag­ten geführt. Ei­ne Äußerung wie „Pfründe si­chern" macht im da­mals ge­ge­be­nen Kon­text auch gar kei­nen Sinn. Ent­we­der hat man Dienst, dann be­kommt man sein Geld oder man hat kei­nen Dienst.
Wenn ich vor­hin ge­sagt ha­be, es war ei­gent­lich nichts Böses an sich, so mein­te ich da­mit, dass es ei­gent­lich nicht so war, dass ei­ner der bei­den persönlich wer­den woll­te. „Hit­zi­ge Dis­kus­si­on" heißt schon, dass ein ent­spre­chen­der Ton­fall auf bei­den Sei­ten ist. So er­in­ne­re ich die­se Si­tua­ti­on.
Wenn es sei­ner­zeit im Pro­to­koll mei­ner da­ma­li­gen Ver­neh­mung heißt, ich hätte mich we­ni­ger durch die Wort­wahl als durch den Ton­fall ver­letzt gefühlt, so wird das schon so rich­tig sein. Man muss auch be­den­ken, dass es jetzt noch ein paar Jah­re länger her ist. Wie ich mich an die Si­tua­ti­on er­in­ne­re, war der Ton­fall zu­min­dest zum En­de des Gesprächs von bei­den Sei­ten hit­zig, bei­de spra­chen lau­ter.

 

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Auf wei­te­ren Vor­halt aus dem sei­ner­zei­ti­gen Pro­to­koll: Ich er­in­ne­re mich auch heu­te, dass der Be­klag­te sich bei dem Kläger zu­letzt ent­schul­digt hat. Die Si­tua­ti­on war so, dass zu­letzt die an­de­ren nichts sag­ten, nur die bei­den spra­chen. An­sons­ten war es still ge­wor­den. Dann hat­te der Be­klag­te wohl ge­merkt, dass er zu weit ge­gan­gen war und hat sich bei dem Kläger ent­schul­digt. Ich kann mich jetzt nicht mehr ak­tiv er­in­nern, wie der Kläger dar­auf re­agiert hat. Wenn es im da­ma­li­gen Pro­to­koll heißt, der Kläger ha­be die Ent­schul­di­gung nicht an­ge­nom­men, in­dem er ein­fach nichts ge­sagt ha­be, so kann das so ge­we­sen sein. Viel­leicht ist er ein­fach raus­ge­gan­gen. Aber dar­an kann ich mich jetzt nicht mehr er­in­nern. Ich weiß noch un­gefähr, wie die Sitz­run­de auf­ge­teilt war. Von da­her den­ke ich, dass er ein­fach raus­ge­gan­gen ist.
Auf Vor­halt des Be­klag­ten­ver­tre­ters: Ja, es ist rich­tig, der Be­klag­te hat sich un­mit­tel­bar ent­schul­digt. Al­so di­rekt im An­schluss an ei­ne Äußerung.
Auf wei­te­ren Vor­halt des Be­klag­ten­ver­tre­ters aus dem sei­ner­zei­ti­gen Pro­to­koll:
Ja, ich glau­be schon, dass sich der Be­klag­te durch den Kläger pro­vo­ziert gefühlt hat­te. Der Ton macht die Mu­sik bei­der­seits.
Der Kläger­ver­tre­ter hielt der Zeu­gin ih­re Aus­sa­ge aus dem Pro­to­koll vom 16.01. vor: „Herr Dr. B2 spricht sehr laut. Ein­fach so vom Stimm­vo­lu­men her. Herr Dr. H3 fühl­te sich an­ge­grif­fen und hat ei­ne ent­spre­chen­de Äußerung ge­tan. Er war im Ton sehr scharf. Die Äußerung war si­cher ver­let­zend. Die For­mu­lie­rung weiß ich nicht mehr ge­nau. Es ging in die Rich­tung, dass sich Herr Dr. B2 schon aus dem Bett be­we­gen müss­te":
Ja, ich mei­ne schon, in die­se Rich­tung ist das ge­gan­gen. Rein grundsätz­lich fing das Gan­ze sach­lich an und ent­wi­ckel­te sich dann aber in ei­ne an­de­re Rich­tung. Ich könn­te jetzt nicht mal sa­gen, wer das in die an­de­re Rich­tung ge­lenkt hat, wann dann der Kick­punkt war."

Die Ge­samtwürdi­gung des durch die Be­weis­auf­nah­me zur Über­zeu­gung der Be­ru­fungs­kam­mer be­wie­se­nen Gesprächs­ver­laufs führt zu dem Er­geb­nis, dass die Gren­zen ei­ner so­zi­al adäquat aus­ge­tra­ge­nen sach­li­chen Mei­nungs­ver­schie­den­heit ein­ge­hal­ten wor­den sind. Das Ver­hal­ten des Be­klag­ten ist so­zi­al­adäquat (s. auch un­ten zu C. III). Da­bei geht die Kam­mer da­von aus, dass der Be­klag­ten die drei strit­ti­gen Äußerun­gen ge­tan hat („Arsch im Bett", „Pfründe si­chern", „bräsig" – „bräsig" ist da­bei nach Auf­fas­sung der Kam­mer hier zu ver­ste­hen als Vor­wurf der „Dick­fel­lig­keit", al­so ei­ner deut­lich de­mons­trier­ten Un­be­weg­lich­keit aus Gründen ei­ge­ner Be­quem­lich­keit oder ei­ge­nen Un­wil­lens). Die Wor­te sind für sich be­trach­tet auch un­an­ge­mes­sen. Zu berück­sich­ti­gen ist al­ler­dings der kon­kre­te Gesprächs­kon­text: der Be­klag­te hat­te ei­ne Dis­kus­si­on an­ges­toßen, es ging um ei­ne fach­li­che Fra­ge zur zukünf­ti­gen Or­ga­ni­sa­ti­on von Ar­beits­abläufen, der Be­klag­te war bei den an­ge­spro­che­nen Kol­le­gen auf ein­heit­li­che Ab­leh­nung ges­toßen, er sah sich „in die Ecke ge­drängt", es war ei­ne hit­zi­ge Dis­kus­si­on mit „ei­nem ent­spre­chen­den Ton­fall auf bei­den Sei­ten", zu­letzt spra­chen nur noch der Kläger und der Be­klag­te. Ne­ben die­sem Gesprächs­ver­lauf ist durch die Aus­sa­ge der Zeu­gin Dr. S2 aber auch zur Über­zeu­gung der Kam­mer be­wie­sen, dass der Be­klag­te sich noch während

 

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die­ses Gesprächs am Schluss der Aus­ein­an­der­set­zung bei dem Kläger „un­mit­tel­bar ...al­so di­rekt im An­schluss an ei­ne Äußerung." ent­schul­digt hat. Dies deckt sich mit der Dar­stel­lung des Vor­falls durch den Zeu­gen B1 in der „in­ter­ne[n] Gesprächs­no­tiz" vom 05.06.03, die auch von dem Kläger in­halt­lich nicht in Zwei­fel ge­zo­gen wor­den ist (Äußerung des Klägers laut die­ser No­tiz: „... Hr. CA Dr. H3 sei dar­auf­hin aus­fal­lend ge­wor­den, in­dem er Hr. B2 vor­ge­wor­fen ha­be, er ar­gu­men­tie­re nur so, da­mit er mit dem A... im Bett lie­gen blei­ben könne. Zwar ha­be sich Hr. Dr. H3 um­ge­hend ent­schul­digt, aber da die­se Äußerung vor Kol­le­gin­nen geäußert wur­de, sei dies nicht hin­nehm­bar. ...", Bl. 410 a GA). Bei der Ge­samtwürdi­gung ist für die Kam­mer ent­schei­dend, dass es sich um ein beid­sei­tig en­ga­giert geführ­tes Streit­gespräch han­del­te, dass die de­spek­tier­li­chen Äußerun­gen kei­ne um­fas­sen­de Ab­qua­li­fi­zie­rung der Per­son des Be­klag­ten be­inhal­te­ten son­dern le­dig­lich die von die­sem vor­ge­brach­ten Ar­gu­men­te als ego­is­tisch mo­ti­viert er­schei­nen las­sen soll­ten und dass der Be­klag­te noch während des Gesprächs den Weg zur Ent­schul­di­gung fand.

9. Zum Vor­fall 9 ist es un­be­strit­ten, dass der Be­klag­te im Jahr 2003 ge­genüber dem Kläger im Rah­men ei­nes Kon­flikt­gesprächs geäußert hat, ei­ni­ge der nie­der­ge­las­se­nen Fachärz­te hätten sich ne­ga­tiv über den Kläger geäußert und sei­ne fach­li­chen Fähig­kei­ten in Fra­ge ge­stellt, als er, der Be­klag­te, sich nach sei­ner Be­ru­fung zum Chef­arzt bei den nie­der­ge­las­se­nen Kol­le­gen vor­ge­stellt ha­be. Wei­ter ist un­strei­tig, dass der Be­klag­te es ab­ge­lehnt hat, dem Kläger die ent­spre­chen­den nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te na­ment­lich zu be­nen­nen. Nach­dem der Kläger darüber hin­aus be­strit­ten hat­te, dass es der­ar­ti­ge ne­ga­ti­ve Äußerun­gen nie­der­ge­las­se­ner Ärz­te über­haupt ge­ge­ben ha­be, hat der Be­klag­te zu die­sem Be­weisthe­ma die nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te Dr. M2, Dr. R2 und Dr. P2 be­nannt. Das Ge­richt hat die Zeu­gen am 19.10.2011 zur münd­li­chen Ver­hand­lung am 18.11.2011 ge­la­den, al­le drei Zeu­gen wa­ren ver­hin­dert. Zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung am 18.11.2011 hat der Kläger dann erklärt, es wer­de nicht be­strit­ten, dass es ne­ga­ti­ve Äußerun­gen von ärzt­li­chen Kol­le­gen ge­ge­ben ha­be, al­ler­dings sei­en sol­che Be­schwer­den nicht be­gründet (s.o.). Da­mit ist der Vor­wurf, der Be­klag­te ha­be wahr­heits­wid­rig aus­geführt, es ge­be ne­ga­ti­ve Äußerun­gen nie­der­ge­las­se­ner Ärz­te, nicht be­rech­tigt. Es ver­bleibt, dass der Be­klag­te sich – un­strei­tig – ge­wei­gert hat, die Na­men der kri­ti­schen Ärz­te zu be­nen­nen. Dies al­lein ist je­doch nicht als un­an­ge­mes­se­nes re­spekt­lo­ses Ver­hal­ten ge­gen die Per­son des Klägers zu

 

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würdi­gen. Wenn der Be­klag­te im Gesprächs­kon­text des Ju­ni 2003 Ver­trau­lich­keit hin­sicht­lich sei­ner Gespräche mit nie­der­ge­las­se­nen Kol­le­gen wahr­te, so drückt sich dar­in kol­le­gia­le Rück­sicht­nah­me ge­genüber den da­ma­li­gen Gesprächs­part­nern aus, nicht aber ei­ne Miss­ach­tung und Ge­ringschätzung zur Per­son des Klägers.

10. Un­ter 10. er­hebt der Kläger den Vor­wurf, der Be­klag­te ha­be im Jahr 2003 nach ei­ner ursprüng­lich erklärten Be­reit­schaft, die Kon­flikt­si­tua­ti­on durch ein Coa­ching zu be­rei­ni­gen, später die Teil­nah­me ka­te­go­risch ab­ge­lehnt. Be­weis hat der Kläger für die­se Be­haup­tung nicht an­ge­tre­ten. Der Be­klag­te hat dem­ge­genüber ein­ge­wandt, es hätten tatsächlich zwei Coa­ching­ter­mi­ne statt­ge­fun­den, ge­gen En­de des zwei­ten Gespräches ha­be er die Fra­ge nach sei­ner Einschätzung der Er­folgs­aus­sicht ent­spre­chend sei­ner ehr­li­chen Einschätzung ver­neint (Schrift­satz 13.03.2008, S. 18 = Bl. 58 GA: „ ...[er] glau­be nicht, dass das „Coa­ching" die Pro­ble­me ... lösen könne."), das Kran­ken­haus ha­be dann von sich aus ei­ne Fortführung der Gespräche „(ver­mut­lich man­gels Er­folgs­aus­sicht)" ab­ge­bro­chen, ob­wohl er – der Be­klag­te - zu ei­ner Fortführung der Gespräche durch­aus be­reit ge­we­sen sei und von ei­ner Fortführung zunächst auch aus­ge­gan­gen sei. Der Vor­wurf, der Be­klag­te ha­be ei­ne Pro­blem­ber­ei­ni­gung durch Coa­ching ka­te­go­risch ab­ge­lehnt, ist nicht be­rech­tigt.

11. Der Kläger misst dem Schrei­ben des Be­klag­ten vom 26.09.2003 ei­ne un­zu­tref­fen­de Be­deu­tung zu, wenn er meint, der Be­klag­te wer­fe ihm mit die­sem Schrei­ben (zu Un­recht) vor, dass er sich selbst Ur­laub gewährt ha­be. Der Be­klag­te führt in sei­nem Schrei­ben im Ge­gen­teil aus­drück­lich aus, dass er dem Kläger nach des­sen Ab­rei­se am 15.09.2003 auf dem vom Kläger aus­gefüll­ten Ur­laubs­an­trag vom 13.09.2003 die Ge­neh­mi­gung für den be­an­trag­ten Ur­laub er­teilt hat, „um letz­ten En­des größeren Ärger von Ih­nen fern­zu­hal­ten". Mit dem dann vor­an­ge­stell­ten Hin­weis, er müsse aber den­noch ei­ni­ge Be­mer­kun­gen ma­chen, übt der Be­klag­te nach­fol­gend Kri­tik dar­an, dass durch die kurz­fris­ti­ge Be­an­tra­gung und Be­wil­li­gung des Ur­laubs ei­ne Si­tua­ti­on her­auf­be­schwo­ren war, dass der Kläger und gleich­zei­tig der zu ei­ner Fort­bil­dung ab­we­sen­de Dr. K3 nicht in der Ab­tei­lung Dienst tun konn­ten und so ein per­so­nel­ler Eng­pass ent­stan­den war, ob­wohl zu­vor münd­lich verfügt wor­den war, dass sich nicht zwei Oberärz­te oder auch Fachärz­te gleich­zei­tig in Ur­laub be­fin­den könn­ten. Den Um­stand, dass zeit­gleich auch noch der Arzt E2 er­krankt ge­we­sen war, be­nennt der Be­klag­te im wei­te­ren Text zwar als „er­schwe­rend

 

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hin­zu­kom­mend", dies aber nicht oh­ne zu­gleich den sach­lich ge­bo­te­nen Hin­weis an­zufügen, dass dem Kläger in­so­weit „natürlich kein Vor­wurf" ge­macht wer­den könne. Der Vor­wurf be­schränkt sich dann dar­auf, dass der Kläger trotz Kennt­nis der Si­tua­ti­on im Vor­aus nicht ent­spre­chen­de Vor­keh­run­gen ge­trof­fen ha­be, um die Engpässe die­ser bei­den Wo­chen zu mil­dern bzw. zu be­sei­ti­gen, was sei­ne Auf­ga­be als Lei­ten­der Ober­arzt ei­ner Neu­ro­chir­ur­gi­schen Kli­nik während der dreiwöchi­gen Ur­laubs­ab­we­sen­heit des Be­klag­ten ge­we­sen wäre. Er­neu­ert fin­det sich an­sch­ließend die Dienst­an­wei­sung, dass die gleich­zei­ti­ge Ab­we­sen­heit von zwei As­sis­tenzärz­ten bzw. zwei Oberärz­ten nicht möglich sei, ver­bun­den mit der Bit­te an den Kläger, das auch in Zu­kunft so zu be­her­zi­gen. Ab­sch­ließend wird in der Schluss­for­mu­lie­rung des Schrei­bens ne­ben der Hoff­nung auf zukünf­ti­ge Berück­sich­ti­gung auch Freu­de „auf Ih­re wei­te­re, gu­te Zu­sam­men­ar­beit mit mir und den Kol­le­gen der Kli­nik" zum Aus­druck ge­bracht. Das Schrei­ben des Be­klag­ten vom 26.09.2003 über­schrei­tet mit sei­nem In­halt und mit den gewähl­ten For­mu­lie­run­gen nicht die Gren­zen des ar­beits­recht­lich Zulässi­gen. Es ist ein be­rech­tig­tes An­lie­gen des Be­klag­ten, nach dem ein­ge­tre­te­nen per­so­nel­len Eng­pass im Sep­tem­ber 2003 durch ein Schrei­ben an den Kläger auf ei­ne zukünf­ti­ge Ver­mei­dung und ei­ne recht­zei­ti­ge­re Kom­mu­ni­ka­ti­on von Ab­we­sen­heits­zei­ten hin­zu­wir­ken.

12. An das vom Kläger als Vor­fall 12 zum Da­tum 29.09.2003 dar­ge­stell­te Ge­sche­hen hat­te die ein­zi­ge hier­zu be­nann­te Zeu­gin G1-W2 kei­ne zu­verlässi­ge de­tail­lier­te Er­in­ne­rung. Sie er­in­ner­te sich le­dig­lich da­hin­ge­hend, „dass es in dem Ur­laubs­zeit­raum im Sep­tem­ber 2003 ein­mal ei­ne Mei­nungs­ver­schie­den­heit zu ei­ner Be­hand­lung gab, die der Kläger im Ur­laubs­zeit­raum durch­geführt hat­te". Durch die­se Aus­sa­ge ist we­der be­wie­sen, dass es um den Vor­wurf ei­ner während des Ur­laubs „ei­genmäch­tig" vom Kläger durch­geführ­ten Be­hand­lung ge­gan­gen wäre, noch kann die Kam­mer fest­stel­len, dass Aus­gangs­punkt der Mei­nungs­ver­schie­den­heit ein wi­dersprüchli­ches Ver­hal­ten des Be­klag­ten ge­we­sen wäre. Mit der – schlich­ten - Be­kun­dung ei­ner „Mei­nungs­ver­schie­den­heit" ist für die Kam­mer kei­ne Einschätzung möglich, wer bei der auf­ge­tre­te­nen Kon­tro­ver­se „im Recht" war und wer nicht, wer sich an­ge­mes­sen ver­hal­ten hat und wer ggf. un­an­ge­mes­sen agiert hat, ob et­wa der Be­klag­te sich wi­dersprüchlich ver­hal­ten hat oder ob viel­mehr der Kläger ei­genmäch­tig ge­han­delt hat oder ob die Kon­tro­ver­se ih­ren Grund (nur) in ei­ner

 

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un­zu­rei­chen­den Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Par­tei­en und in­ner­halb des Kran­ken­hau­ses hat­te.

13. Zum Vor­fall „Zu­sam­men­le­gung Kläger – Dr. K3" hat die Kam­mer be­weis­lich den Zeu­gen B3 und ge­gen­be­weis­lich den Zeu­gen Dr. K3 ver­nom­men. Der Zeu­ge B3 hat aus­ge­sagt, er sei da­mals in die Pla­nung ein­ge­bun­den ge­we­sen, es ha­be ei­gent­lich nur die Möglich­keit ei­nes Dop­pelbüros für den Kläger und Dr. K3 ge­ge­ben, es wer­de dann wohl ir­gend­wel­che Ein­zel­gespräche ge­ge­ben ha­ben, weil es ja letzt­lich ein Ein­zelbüro ge­wor­den sei, an ei­nen der­ar­tig de­tail­lier­ten Vor­fall wie in der Kla­ge­schrift dar­ge­stellt könne er sich nicht er­in­nern. Die­ser Zeu­gen­aus­sa­ge lässt sich ein Hin­weis auf ein Fehl­ver­hal­ten des Be­klag­ten nicht ent­neh­men. Glei­ches gilt nach der Aus­sa­ge des ge­gen­be­weis­lich ver­nom­me­nen Zeu­gen Dr. K3. Die­ser hat­te ei­ne de­tail­lier­te­re Er­in­ne­rung. Er, Dr. K3, ha­be in der Ver­gan­gen­heit seit den 90er Jah­ren bis zum Fe­bru­ar 2001 ein ge­mein­sa­mes Zim­mer mit dem Kläger ge­nutzt. Bei Fer­tig­stel­lung des neu­en Gebäudes ha­be er sein Zim­mer noch auf der Sta­ti­on im frühe­ren Rau­cher­zim­mer ge­habt. Der Be­klag­te ha­be die Zim­mer der drei Oberärz­te in sei­ner Nähe ha­ben wol­len. Nach­dem er, Dr. K3, zunächst für ei­ni­ge Ta­ge im Zim­mer der Zeu­gin Dr. S2 ge­we­sen sei, ha­be der Be­klag­te geäußert, es sei nicht so gut, wenn ei­ne Ärz­tin und ein Arzt ein Zim­mer teil­ten. Er, Dr. K3, sol­le sich des­halb das Zim­mer mit dem Kläger tei­len. Da er, Dr. K3, das nicht für so glück­lich ge­hal­ten ha­be, weil der Kläger mit lau­ter Stim­me dik­tiert ha­be und man sich ei­nen Spind hätte tei­len sol­len, ha­be er, Dr. K3, sich an die Ver­wal­tung ge­wandt, um das zu ändern. Die Ver­wal­tung ha­be dann ent­schie­den, dass er, Dr. K3, wie­der in das al­te Rau­cher­zim­mer auf der Sta­ti­on ge­he. Ein ge­mein­sa­mes Zim­mer mit dem Kläger ha­be er – so glau­be er – höchs­tens für ei­nen Tag ge­habt. Der Zeu­ge Dr. K3 hat die ent­schei­den­den Gespräche zur Zim­mer­ver­tei­lung mit der Ver­wal­tung und nicht mit dem Be­klag­ten geführt. Er kann sich nicht dar­an er­in­nern, dass in sei­nem Bei­sein ein Gespräch zwi­schen dem Kläger und dem Be­klag­ten zu die­ser Pro­ble­ma­tik geführt wor­den ist. Das von den Zeu­gen ge­schil­der­te Han­deln des Be­klag­ten ist von nach­voll­zieh­ba­ren sach­li­chen Gründen ge­tra­gen: Un­ter­brin­gung der drei Oberärz­te in räum­li­cher Nähe zum Chef­arzt; ein ge­mein­sa­mes Zim­mer für die bei­den männ­li­chen Ärz­te, die sich zu­dem in der Ver­gan­gen­heit be­reits über meh­re­re Jah­re ein Zim­mer ge­teilt hat­ten, und ein Ein­zel­zim­mer für die ein­zi­ge weib­li­che Oberärz­tin. Ei­ne zwi­schen den Par­tei­en die­ses Rechts­streits di­rekt aus­ge­tra­ge­ne ver­ba­le

 

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Kon­tro­ver­se zur Zim­mer­ver­tei­lung ha­ben die Zeu­gen nicht be­kun­det. Nimmt man hin­zu, dass nach der In­ter­ven­ti­on des Zeu­gen Dr. K3 so­fort von dem ge­plan­ten ge­mein­sa­men Büro Ab­stand ge­nom­men wor­den ist, lässt sich ein un­an­ge­mes­se­nes schi­kanöses und den Kläger her­abwürdi­gen­des Ver­hal­ten des Be­klag­ten in die­ser Si­tua­ti­on nicht fest­stel­len. Die Pla­nung des Be­klag­ten war nach­voll­zieh­bar von Über­le­gun­gen zur zweckmäßigen Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on ge­tra­gen, ei­ne Ge­gen­vor­stel­lung aus dem Kreis der be­trof­fe­nen Oberärz­te führ­te un­verzüglich zu ei­ner Wie­der­her­stel­lung des bis­he­ri­gen Zu­stands. Ein An­griff des Be­klag­ten ge­gen die Per­son, die körper­li­che Un­ver­sehrt­heit oder die Ge­sund­heit des Klägers liegt in die­sem Ver­hal­ten nicht.

14. Der Vor­fall 14 vom 04./05.11.2003 („An­ord­nung von Ope­ra­tio­nen in Bauch­la­ge") stellt sich nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me als Dis­kus­si­on über ei­ne fach­lich be­gründe­te Mei­nungs­ver­schie­den­heit dar. Der Zeu­ge Dr. K3 hat ge­schil­dert, dass der Kläger und auch er selbst ei­ne Ope­ra­ti­on in sit­zen­der La­ge­rung be­vor­zugt hätten, während der Be­klag­te ei­ne Ope­ra­ti­on in Bauch­la­ge­rung fa­vo­ri­siert ha­be. Der Zeu­ge hat sich auch an ei­nen da­zu kon­tro­vers geführ­ten ver­ba­len Aus­tausch zwi­schen den Par­tei­en er­in­nert, auch dar­an, dass die­se Dis­kus­si­on - wie häufi­ger zwi­schen den Par­tei­en - von bei­den Sei­ten laut­stark geführt wor­den ist, nicht al­ler­dings an die von dem Kläger be­haup­te­ten Äußerun­gen, der Kläger sei der „Hand­lan­ger" des Be­klag­ten und der Kläger „lau­fe" bei dem Be­klag­ten „vor die Wand". Der wei­te­re vom Kläger be­nann­te Zeu­ge E2 hat sich an ei­nen sol­chen Vor­fall nicht er­in­nern können. Auch nach dem Vor­halt, er ha­be im vor­an­ge­gan­ge­nen Pro­zess ei­ne Äußerung des Be­klag­ten „Ich bin der Chef, ich ord­ne das an." be­kun­det, hat der Zeu­ge aus­ge­sagt, dass er sich jetzt nicht dar­an er­in­nern könne. Die drit­te vom Kläger be­nann­te Zeu­gin, die sei­ner­zei­ti­ge Oberärz­tin Dr. S2, hat aus­ge­sagt, dass sie das Gespräch nicht mit­be­kom­men ha­be. Sie wis­se al­ler­dings, dass der Kläger ten­den­zi­ell die sit­zen­de La­ge­rung be­vor­zugt ha­be und der Be­klag­te eher die Bauch­la­ge. Wenn sie da­bei ge­we­sen wäre, so die Zeu­gin ab­sch­ließend, glau­be sie schon, dass sie sich er­in­nern könn­te. Man ha­be dann ja auch um­ge­stellt [Ope­ra­tio­nen in Bauch­la­ge­rung]. Der Be­klag­te hat zur Be­gründung sei­ner fach­li­chen Einschätzung auf ge­rin­ge­re Ri­si­ken bei ei­ner Ope­ra­ti­on in Bauch­la­ge und auf ei­ne eben­falls da­hin­ge­hen­de An­re­gung des Chef­arz­tes der Anästhe­sie Dr. W3 im In­ter­es­se der Ri­si­ko­mi­ni­mie­rung ver­wie­sen. Auf der Grund­la­ge des Sach­vor­trags

 

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und des Be­wei­s­er­geb­nis­ses lässt sich ein un­sach­lich feind­li­ches und un­an­ge­mes­se­nes Ver­hal­ten des Be­klag­ten nicht fest­stel­len. Mit ei­ner ge­mein­sa­men Er­le­di­gung hoch spe­zia­li­sier­ter Ar­bei­ten geht es zwangsläufig ein­her, dass zwi­schen den täti­gen Spe­zia­lis­ten fach­li­che Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten auf­tre­ten können und dann auch im In­ter­es­se der Sa­che aus­ge­tra­gen wer­den müssen.

15. Un­strei­tig ist zwi­schen den Par­tei­en, dass der Be­klag­te im Jahr 2004 mit Kor­re­spon­denz zu fach­li­chen Vorwürfen be­fasst war, die ge­gen den Kläger er­ho­ben wur­den. Un­strei­tig hat der Be­klag­te den Kläger nicht in­for­miert und ein­be­zo­gen. Un­strei­tig ha­ben sich die Vorwürfe im wei­te­ren Ver­lauf als nicht stich­hal­tig er­wie­sen. Die staats­an­walt­li­chen Er­mitt­lun­gen er­ga­ben, dass die Pa­ti­en­tin nicht an den bei­den Ope­ra­tio­nen son­dern an­der­wei­tig be­gründet ver­stor­ben war. Der Be­klag­te hat sein Ver­hal­ten mit Rück­sicht­nah­me ge­genüber dem da­mals ge­sund­heit­lich be­ein­träch­tig­ten Kläger erklärt. Die­se Mo­ti­va­ti­on hat Bestäti­gung ge­fun­den in der Aus­sa­ge der Zeu­gin G1-W2, der sei­ner­zei­ti­gen Chef­arzt­se­kretärin: „ Ich kann mich im Zu­sam­men­hang mit die­sem Vor­fall dar­an er­in­nern, dass der Be­klag­te mit mir darüber ge­spro­chen hat, dass er, um wei­te­ren Scha­den von dem Kläger, der ja ar­beits­unfähig er­krankt war, ab­zu­wen­den, den Kläger nicht mit die­sem Vor­wurf kon­fron­tie­ren woll­te. Es ist so, dass ich im­mer die Post öff­ne. In sol­chen An­ge­le­gen­hei­ten ver­such­te ich im­mer dar­auf zu ach­ten, dass die Fris­ten be­ach­tet wur­den. Von da­her kann ich mich an die­se An­ge­le­gen­heit er­in­nern." Die Kam­mer ist über­zeugt, dass die Aus­sa­ge der Zeu­gin der Wahr­heit ent­spricht. Sie ist persönlich glaubwürdig auf­ge­tre­ten. Er­kenn­bar war ihr Bemühen, sich kon­kret zu er­in­nern und nur ent­spre­chend vor­han­de­ner Er­in­ne­rung aus­zu­sa­gen. Die Zeu­gin stand bei ih­rer Ver­neh­mung nicht mehr in ei­nem be­son­de­ren Näher­verhält­nis zu dem Be­klag­ten. Seit An­fang 2009 ist sie nicht mehr Chef­arzt­se­kretärin. Die Zeu­gin hat nicht ein­sei­tig zu­guns­ten des Be­klag­ten aus­ge­sagt. Sie hat sich durch­aus auch kri­tisch zum Be­klag­ten geäußert („Ich kann mich er­in­nern, dass die Zeit mit den bei­den [= Kläger und Be­klag­ter] nicht ge­ra­de schön war."). Auf der an­de­ren Sei­te fin­den sich in ih­rer Aus­sa­ge auch po­si­ti­ve Aus­sa­gen zur Per­son des Klägers („Ich sel­ber ha­be al­ler­dings den Kläger im­mer sehr geschätzt und hätte ihn auch je­der­zeit selbst um me­di­zi­ni­schen Rat ge­be­ten.").

 

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16. Un­strei­tig ist, dass mit dem Kläger die Hin­ter­grund­diens­te für die Ta­ge ab dem 07.05.2004, dem ers­ten Ar­beits­tag des Klägers nach langwähren­der Er­kran­kung (13.11.2003 – 06.05.2004), nicht vor­ab ab­ge­spro­chen wor­den wa­ren, wie es im lau­fen­den Be­trieb üblich war. Der Be­klag­te ent­geg­net, dass der Kläger sei­ner­seits sich in den Ta­gen vor dem Wie­der­an­tritt der Ar­beit am 07.05.2004 nach mehr­mo­na­ti­gem Feh­len zu kei­nem Zeit­punkt ge­mel­det ha­be und sich et­wa über die La­ge sei­ner Diens­te in­for­miert ha­be. Völlig un­an­ge­mel­det sei der Kläger am 07.05.2004 zum Dienst er­schie­nen. Für ihn, den Be­klag­ten, sei vor­ab noch nicht ein­mal si­cher ge­we­sen, ob der Kläger am 07.05.2004 nach 3/4 Jahr krank­heits­be­ding­ter Ab­we­sen­heit über­haupt den Dienst an­tre­ten wer­de. Bei der von den Par­tei­en mit­ge­teil­ten Tat­sa­chen­la­ge lag nach Auf­fas­sung der Kam­mer auch für den Kläger ei­ne vor­be­rei­ten­de Kon­takt­auf­nah­me oder Ankündi­gung nach der langwähren­den Ab­we­sen­heit na­he. Die beid­sei­tig un­ter­blie­be­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on kann nicht als Akt ei­nes Mob­bing­ge­sche­hens qua­li­fi­ziert wer­den (s.u. C III).

17. Die vom Kläger be­haup­te­te Ver­wei­ge­rung ei­nes Dienst­tau­sches am 20.05.2004 be­strei­tet der Be­klag­te. Er, der Be­klag­te selbst, ha­be sich schließlich be­reit erklärt, den frag­li­chen Dienst zu über­neh­men. Zu die­ser Dar­stel­lung hat sich der Kläger nicht mehr geäußert. Ins­be­son­de­re hat der Kläger kei­nen Be­weis für die Ver­wei­ge­rung ei­nes Dienst­tau­sches am 20.05.2004 an­ge­tre­ten. Ei­ne strit­ti­ge Be­haup­tung, für die der Kläger kei­nen Be­weis an­ge­tre­ten hat, kann das Kla­ge­be­geh­ren nicht stützen.

18. Für ei­ne iro­nisch her­ab­las­sen­de Äußerung des Be­klag­ten in ei­nem Gespräch am 07.05.2004, der Kläger könne zu ei­nem Gespräch mit dem Be­klag­ten ja sei­nen An­walt di­rekt mit­brin­gen, hat der Kläger kei­nen Be­weis an­ge­tre­ten. Der Be­klag­te ergänzt die Dar­stel­lung des Klägers da­hin­ge­hend, dass der Kläger zunächst sei­ner­seits ein Vier­au­gen­gespräch ver­wei­gert ha­be und auf der An­we­sen­heit sei­nes An­walts bei künf­ti­gen Vier­au­gen­gesprächen be­stan­den ha­be. Er ha­be sich durch die­se Äußerung des Klägers in sei­ner Er­war­tung auf ei­ne Ver­bes­se­rung des Verhält­nis­ses enttäuscht ge­se­hen und dann re­si­gniert ge­ant­wor­tet, dass der Kläger dann eben sei­nen An­walt mit­brin­gen sol­le. Zu die­ser Dar­stel­lung hat sich der Kläger nach­fol­gend nicht mehr geäußert. Ins­be­son­de­re hat der Kläger kei­nen Be­weis für ei­nen von der Dar­stel­lung des Be­klag­ten ab­wei­chen­den Gesprächs­ver­lauf an­ge­tre­ten. Die Dar­stel­lung des Be­klag­ten trägt nicht den Vor­wurf ei­nes

 

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un­an­ge­mes­se­nen Ver­hal­tens. Ei­ne strit­ti­ge Be­haup­tung, für die der Kläger kei­nen Be­weis an­ge­tre­ten hat, kann das Kla­ge­be­geh­ren nicht stützen.

19. Zum Vor­fall „Se­kretärin im Büro des Klägers" am 10.05.2004 hat die von dem Kläger für das Ge­sche­hen be­nann­te Zeu­gin G1-W2 ei­nen Her­gang ge­schil­dert, der ei­nen Vor­wurf ge­gen den Be­klag­ten nicht recht­fer­tigt. Die Idee, die aus der El­tern­zeit im Mai 2004 in ei­ne Teil­zeittätig­keit von 4 St­un­den in­ner­halb ei­ner Wo­che zurück­keh­ren­de Schreib­kraft W4 die­se 4 St­un­den vorüber­ge­hend im Sin­ne ei­ner Über­g­angslösung im Zim­mer des Klägers ar­bei­ten zu las­sen, weil versäumt wor­den war, für Frau W4 recht­zei­tig ei­nen Ar­beits­platz mit PC-Aus­stat­tung vor­zu­be­rei­ten, stamm­te nicht von dem Be­klag­ten son­dern von der Zeu­gin. Die Zeu­gin war es auch, die die An­ge­le­gen­heit mit dem Kläger be­spro­chen hat. Nach Aus­sa­ge der Zeu­gin hat der Kläger das An­sin­nen nicht strikt zurück­ge­wie­sen, al­ler­dings hat er das Zim­mer in ei­ner Wei­se ver­las­sen, die ge­zeigt ha­be, dass er mit die­ser Lösung nicht glück­lich sei. Die Be­tei­li­gung des Be­klag­ten an die­sem Ge­sche­hen be­schränk­te sich nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me dar­auf, dass er auf An­fra­ge der Zeu­gin de­ren Vor­schlag zu­ge­stimmt hat­te. Die­ses Ver­hal­ten des Be­klag­ten war er­sicht­lich durch ar­beits­or­ga­ni­sa­to­ri­sche Un­zuläng­lich­kei­ten im Kran­ken­haus mo­ti­viert, die der Be­klag­te nicht zu ver­ant­wor­ten hat­te. Das Ver­hal­ten kann nicht als un­an­ge­mes­se­ne feind­li­che Be­hand­lung des Klägers gewürdigt wer­den.

20. An ei­nen Vor­fall vom 20.05.2004 („Was ha­ben Sie bei der Vi­si­te zu tun") ha­ben sich die bei­den vom Kläger auf­ge­bo­te­nen Zeu­gen nicht er­in­nert, – E2: „An so ei­nen Vor­fall er­in­ne­re ich mich nicht.", - E1: „An ei­nen sol­chen Vor­fall kann ich mich nicht er­in­nern." -. Ei­ne strit­ti­ge Be­haup­tung, wel­che die vom Kläger auf­ge­bo­te­nen Zeu­gen nicht bestätigt ha­ben, kann das Kla­ge­be­geh­ren nicht stützen.

21. Ei­ne An­wei­sung des Be­klag­ten, den Kläger von ei­nem geänder­ten Ter­min ei­ner Dienst­be­spre­chung am 10.05.2004 nicht zu in­for­mie­ren und den Kläger so von der Teil­nah­me aus­zu­gren­zen, hat die von dem Kläger für die­se Be­haup­tung be­nann­te Zeu­gin Dr. S2 nicht bestätigt: „Ich kann mich an ei­ne Si­tua­ti­on er­in­nern – ich weiß nicht ob dies am 10.05.2004 war, dass we­nig zu tun war und ei­ne Dienst­be­spre­chung vor­ge­zo­gen wor­den ist. Ich mei­ne, dass die As­sis­ten­ten mich ge­fragt hat­ten, ob man die Be­spre­chung nicht vor­zie­hen könne, da man nicht so

 

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lan­ge war­ten möch­te. Ich mei­ne so­gar, dass das am Frei­tag ge­we­sen ist. Herr Dr. K3 war oh­ne­hin an­we­send. Der Be­klag­te ist auch ge­fragt wor­den. Ich er­in­ne­re mich, dass der Kläger kam und die Be­spre­chung war schon zu En­de, weil die Be­spre­chung so kurz war (höchs­tens 5 Mi­nu­ten). Es ging mehr dar­um, die Form zu wah­ren und fest­zu­stel­len, dass nichts zu be­spre­chen war. Ob der Kläger be­nach­rich­tigt wor­den war, kann ich nicht sa­gen. Ich den­ke eher nicht, dass ich ihn be­nach­rich­tigt ha­be. Dar­an ha­be ich gar kei­ne Er­in­ne­rung. Das al­les steht natürlich un­ter dem Vor­be­halt, dass es bei dem Vor­fall 21 um die­se Si­tua­ti­on ging, an die ich mich so­eben er­in­nert ha­be." Die Initia­ti­ve zur Vor­ver­le­gung der Be­spre­chung ist nach die­ser Aus­sa­ge von den As­sis­tenzärz­ten und der Zeu­gin Dr. S2 aus­ge­gan­gen. Ei­ne Wei­sung des Be­klag­ten, den Kläger aus­zu­gren­zen, ist durch die Aus­sa­ge nicht be­wie­sen.

22. Ei­ne sach­lich nicht ge­bo­te­ne und von dem Be­klag­ten her­ab­las­send aus­ge­spro­che­ne Ver­wei­ge­rung ei­nes Dienst­tau­sches zwi­schen dem Kläger und der Ärz­tin L3 am 20.07.2004 ist nicht be­wie­sen wor­den. Die Zeu­gin L3 konn­te sich bei ih­rer Ver­neh­mung durch die Be­ru­fungs­kam­mer an ei­nen sol­chen Vor­fall nicht er­in­nern. Eben­so war es bei der Zeu­gin Dr. S2 – und zwar auch nach­dem ihr ih­re Aus­sa­ge im vor­an­ge­gan­ge­nen Pro­zess vor der 16. Kam­mer des LAG Hamm vor­ge­hal­ten wor­den war. Die der Zeu­gin S2 vor­ge­hal­te­ne frühe­re Aus­sa­ge ih­rer­seits ver­bleibt der­art im Un­gefähren, dass die Be­rech­ti­gung des in­so­weit vom Kläger er­ho­be­nen Vor­wurfs nicht zur Über­zeu­gung der Kam­mer nach­ge­wie­sen ist (da­ma­li­ge Aus­sa­ge: „... kann ich mich er­in­nern. Der Chef hat re­la­tiv rasch ent­schie­den, dass Herr Dr. B2 den Dienst macht. Ich weiß nicht, dass ich den Dienst ma­chen konn­te. Ir­gend­et­was war da. Es mag sein, dass Frau Dr. L3 sich be­reit erklärt hat­te, den Dienst zu über­neh­men. Das könn­te ich mir wohl vor­stel­len.").

23. Der Vor­wurf, dass der Be­klag­te ge­genüber dem Kläger wahr­heits­wid­rig be­haup­tet ha­be, er be­sit­ze nicht mehr das Ver­trau­en der wei­te­ren Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, ist nicht be­wie­sen. Rich­tig ist, dass die Kol­le­gen sich nicht der­art zum Nach­teil des Klägers geäußert hat­ten. Der Be­klag­te hat al­ler­dings auch aus­geführt, dass er in dem Gespräch am 06. Au­gust 2004 Der­ar­ti­ges nicht ge­sagt ha­be. Un­strei­tig ist zwi­schen den Par­tei­en in die­sem Zu­sam­men­hang le­dig­lich, dass der Be­klag­te in die­sem Gespräch die Fra­ge der wei­te­ren Zu­sam­men­ar­beit und ei­ner et­wai­gen be­ruf­li­chen Neu­ori­en­tie­rung des Klägers the­ma­ti­siert hat – dies, so der

 

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Be­klag­te, vor dem Hin­ter­grund der von dem Kläger auch schrift­lich er­ho­be­nen Mob­bing­vorwürfe, der lan­gen Er­kran­kung des Klägers und der von dem Kläger selbst geäußer­ten Ab­wan­de­rungs­ge­dan­ken. Auch der Kläger war im wei­te­ren Ver­lauf, wie sei­ne Kla­ge­anträge im Rechts­streit ge­gen das Kran­ken­haus vor der 16. Kam­mer des LAG Hamm zei­gen, zu der Einschätzung ge­langt, ei­ne wei­te­re ge­deih­li­che Zu­sam­men­ar­beit mit dem Be­klag­ten sei nicht zu er­war­ten; auch hat der Kläger sich nach ei­ge­nem Vor­trag selbst für ei­ne an­de­re Stel­le in W5 be­wor­ben. Über den un­strit­ti­gen Gesprächs­ver­lauf hin­aus­ge­hen­de Pflicht­wid­rig­kei­ten des Be­klag­ten hat der Kläger nicht be­wie­sen.

24. Ei­nen Vor­fall, dass der Be­klag­te En­de Ju­li 2003 / An­fang Au­gust 2003 wahr­heits­wid­rig geäußert ha­be, ein Pa­ti­ent wol­le we­gen der Per­son des Klägers nicht in die Kli­nik zurück, hat die Kam­mer nach den zi­vil­pro­zes­sua­len Grundsätzen der Dar­le­gungs- und Be­weis­last nicht fest­stel­len können. Der Kläger gibt nicht an, um wel­chen Pa­ti­en­ten es sich ge­han­delt ha­ben soll. Er teilt nicht mit, wem ge­genüber und in wel­cher Si­tua­ti­on der Be­klag­te ei­ne sol­che Äußerung ge­tan ha­ben soll. In­wie­weit ei­ne als Zeu­gin be­nann­te - Ärz­tin (?) - Frau Dr. K2 aus S4 in die­ses Ge­sche­hen ein­be­zo­gen ge­we­sen sein könn­te, er­sch­ließt sich für das Ge­richt nicht. Auf die Un­klar­hei­ten und Un­zuläng­lich­kei­ten bei der Dar­stel­lung des Vor­falls 24 in der Kla­ge­schrift hat der Be­klag­te in sei­nem Schrift­satz vom 13.03.2008 aus­drück­lich hin­ge­wie­sen. Gleich­wohl hat der Kläger kei­ne ergänzen­den An­ga­ben zu dem be­haup­te­ten Ge­sche­hen ge­macht. Gleich­wohl die Zeu­gin Dr. K2 vor­zu­la­den und zu ver­neh­men, wäre auf ei­ne pro­zes­su­al un­zulässi­ge Aus­for­schung hin­aus­ge­lau­fen. An­ge­sichts des­sen braucht nicht wei­ter auf die vom Be­klag­ten auf­gezähl­ten Ein­z­elfälle von Be­schwer­den über den Kläger durch Pa­ti­en­ten oder nie­der­ge­las­se­ne Ärz­te vom 05.03.2002, 07.03.2002, 15.04.2002, 10.12.2002, 07.01.2003 und 03.03.2003 ein­ge­gan­gen zu wer­den; ins­be­son­de­re muss­te die Kam­mer nicht der Fra­ge nach­ge­hen, ob und in­wie­weit der Kläger die­sem Sach­vor­trag des Be­klag­ten hin­rei­chend sub­stan­ti­iert be­geg­net ist oder ob bzw. in­wie­weit die ent­spre­chen­den Be­haup­tun­gen als un­strit­tig an­zu­se­hen sind.

25. Der Kläger be­haup­tet un­ter 25., dass der Be­klag­te En­de Mai / An­fang Ju­ni 2003 un­zu­tref­fend ei­ne vom Kläger für ge­bo­ten er­ach­te­te Re­vi­si­ons-OP so­wohl ge­genüber dem Kläger als auch ge­genüber der Pa­ti­en­tin als „nicht nötig" dar­ge­stellt ha­be, da

 

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nichts ge­fun­den wor­den sei. Die Be­rech­ti­gung ei­nes sol­chen Vor­wurfs ist nach Ver­neh­mung der vom Kläger hier­zu be­nann­ten Zeu­gen nicht zur Über­zeu­gung der Kam­mer be­wie­sen. Der Zeu­ge Dr. K3 hat aus­ge­sagt, der Be­klag­te ha­be bei der frag­li­chen OP ei­nen Dübel, ein „Kno­chen-Ze­ment", her­aus neh­men müssen. Der Be­klag­te ha­be et­was ent­fer­nen müssen, wo­bei es sich nicht um ei­nen zu ent­fer­nen­den Fremdkörper ge­han­delt ha­be, das ha­be viel­mehr her­aus­ge­nom­men wer­den müssen, um die me­di­zi­ni­sche Si­tua­ti­on rich­tig einschätzen zu können. Nach der Ope­ra­ti­on ha­be der Be­klag­te erklärt, die OP sei nicht nötig ge­we­sen. Der Be­klag­te ha­be ihn, den Zeu­gen Dr. K3, der die Re­vi­si­ons-OP für er­for­der­lich ge­hal­ten hat­te und die OP be­gon­nen hat­te, nicht kri­ti­siert. Er­geb­nis der Re­vi­si­ons-OP war dem Zeu­gen zu­fol­ge: „Man hat nichts ge­fun­den, wes­halb man hätte ein­grei­fen müssen. .... dass dort nichts fest­ge­stellt wor­den ist, was ein Ein­grei­fen er­for­der­lich ge­macht hätte." Der Zeu­ge Dr. K3 hat ei­ne tri­um­phie­ren­de Äußerung des Be­klag­ten im Sin­ne von „Se­hen Sie, Dr. B2 ....", wie sie der Kläger be­haup­tet, nicht bestätigt. Der Zeu­ge hat nicht mit­be­kom­men, was der Be­klag­te der Pa­ti­en­tin nach der OP zu dem Ein­griff und des­sen Er­for­der­lich­keit mit­ge­teilt hat. Die Zeu­gin L3 war ih­rer Aus­sa­ge zu­fol­ge bei die­sem Vor­fall nicht an­we­send und konn­te des­halb nichts zum Be­weisthe­ma sa­gen. Die wei­te­re Zeu­gin Dr. S2 konn­te sich an ein sol­ches Ge­sche­hen nicht er­in­nern.


26. Der Be­klag­te hat die Be­haup­tung des Klägers be­strit­ten, dass er den Kläger am 09.09.2004 nach der Ent­fer­nung ei­nes Glas­split­ters vor ver­sam­mel­ter Mann­schaft an­ge­fah­ren ha­be. Die Dar­stel­lung des Klägers sei un­wahr. Der Be­klag­te hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass im vor­an­ge­gan­ge­nen Rechts­streit kei­ner der zu die­sem Vor­fall ver­nom­me­nen vier Zeu­gen die Be­haup­tung des Klägers bestätigt ha­be. Of­fen­bar des­halb ha­be der Kläger jetzt auf je­des Be­weis­an­ge­bot ver­zich­tet. Ei­ne strit­ti­ge Be­haup­tung, für die der Kläger kei­nen Be­weis an­ge­tre­ten hat, kann das Kla­ge­be­geh­ren nicht stützen.

27. Glei­ches gilt für die Be­haup­tung des Klägers zu Vor­fall 27, der Be­klag­te ha­be ihm durch die schul­meis­ter­haf­te An­wei­sung „Sie wis­sen ja schon, ge­ra­der Haut­schnitt, Bohr­loch über der Ko­ro­nar­naht" ei­ne schlicht as­sis­tie­ren­de Stel­le bei ei­ner Ven­tri­kel­d­rai­na­ge durch Frau E1 zu­ge­wie­sen und fach­li­che Ge­ringschätzung mit­ge­teilt. Der Be­klag­te hat – un­wi­der­spro­chen - dar­auf ver­wie­sen, wech­sel­sei­ti­ges

 

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As­sis­tie­ren sei be­ruf­li­cher All­tag im Ärz­te­team – un­ge­ach­tet der Stel­lung als Chef-, Ober- oder As­sis­tenz­arzt. Über die Art des Schnit­tes – run­der Haut­schnitt oder ge­ra­der Schnitt – ha­be es wie­der­holt Dis­kus­sio­nen zwi­schen ihm und dem Kläger ge­ge­ben. Der Kläger ha­be den run­den Schnitt be­vor­zugt. Er, der Be­klag­te, sei für den ge­ra­den Schnitt ge­we­sen, weil da­bei das In­fek­ti­ons­ri­si­ko ge­rin­ger sei und der Ver­schluss der Wun­de ästhe­ti­scher aus­fal­le. Die­se Fach­fra­ge ha­be er durch sei­ne Be­mer­kung klären wol­len, was mit fach­li­cher Ge­ringschätzung nichts zu tun ha­be. Nach­dem der Kläger die­sen recht­fer­ti­gen­den Ausführun­gen des Be­klag­ten nicht mit sub­stan­ti­ier­tem ergänzen­den Tat­sa­chen­vor­trag ent­ge­gen ge­tre­ten ist, ist das dar­ge­stell­te Ver­hal­ten des Be­klag­ten ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers nicht zu be­an­stan­den. As­sis­tenz und Wei­sung gründen auf fach­li­chen Erwägun­gen und können nicht als un­an­ge­mes­sen oder schi­kanös qua­li­fi­ziert wer­den.

28. Nach den Dar­le­gun­gen des Klägers kann nicht fest­ge­stellt wer­den, dass der Be­klag­te den Kläger am 27.09.2004 un­be­rech­tigt und ent­ge­gen ei­ner vor­an­ge­gan­ge­nen Ab­spra­che we­gen ei­ner Be­hand­lung von Pri­vat­pa­ti­en­ten im Ur­laub des Be­klag­ten ge­ta­delt hätte. Der Kläger be­nennt den Pa­ti­en­ten nicht: Er spe­zi­fi­ziert die von ihm durch­geführ­te Be­hand­lung nicht in ei­ner Wei­se, dass ei­ne Zuständig­keit des Klägers für die Be­hand­lung des Pa­ti­en­ten fest­ge­stellt wer­den könn­te. Dass der Be­klag­te un­be­rech­tigt kri­ti­sier­te, kann auf die­ser Tat­sa­chen­grund­la­ge nicht fest­ge­stellt wer­den.

29. Zum Vor­fall 29 vom 27.09.2004 hat der Be­klag­te in sei­ner Er­wi­de­rung aus­geführt, es sei nor­mal, dass ein Chef­arzt bei ei­ner Kom­pli­ka­ti­on während ei­ner Ope­ra­ti­on die Einschätzung meh­re­rer Ärz­te ein­ho­le, ins­be­son­de­re die des zuständi­gen Anästhe­sis­ten, der ver­ant­wort­lich über den Ab­bruch der Ope­ra­ti­on zu ent­schei­den ha­be, dies ent­spre­che dem ge­bo­te­nen ärzt­li­chen Vor­ge­hen und sämt­li­chen me­di­zi­ni­schen Stan­dards. Der Kläger ha­be in der ge­ge­be­nen Si­tua­ti­on ak­zep­tie­ren müssen, dass er die Zweit­einschätzung ei­nes an­de­ren Arz­tes ein­ho­le. Der Kläger ist die­sen recht­fer­ti­gen­den Ausführun­gen des Be­klag­ten nicht mit wei­te­rem Tat­sa­chen­vor­trag ent­ge­gen ge­tre­ten und hat kei­nen Be­weis für den von ihm be­haup­te­ten Ge­sche­hens­ab­lauf an­ge­tre­ten.

30. Mit­wir­ken­des Fehl­ver­hal­ten des Klägers

 

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Zum Ver­hal­ten des Klägers während der ers­ten Vi­si­te des Be­klag­ten hat zwar die Zeu­gin N1 die ver­schie­de­nen Be­haup­tun­gen des Be­klag­ten bestätigt. Dem steht je­doch ge­genüber, dass der ge­gen­be­weis­lich vom Kläger auf­ge­bo­te­ne Zeu­ge F1 aus­ge­sagt hat, das Ver­hal­ten des Klägers sei ko­ope­ra­tiv und in kei­ner Wei­se auffällig ge­we­sen, we­der ab­wei­send noch ag­gres­siv. Der Zeu­ge hat sei­ner­zeit als Arzt an der Vi­si­te teil­ge­nom­men. Der Zeu­ge hat an­ge­ge­ben, dass er sich an die Si­tua­ti­on auch heu­te noch er­in­nern könne, die ers­te Vi­si­te sei ja et­was Be­son­de­res - „qua­si ei­ne Pre­mie­re" - ge­we­sen, man ha­be sich des­halb dar­auf auch be­son­ders vor­be­rei­tet, man ha­be zei­gen wol­len was man könne und wer man sei; wenn der Be­klag­te sich auffällig ver­hal­ten hätte, dann würde er sich an­ge­sichts die­ser be­son­de­ren Umstände dar­an auch er­in­nern, er er­in­ne­re sich aber nicht an auffälli­ges Ver­hal­ten des Klägers. Aus die­ser Aus­sa­ge re­sul­tie­ren so ge­wich­ti­ge Zwei­fel, dass die Kam­mer nicht von der Rich­tig­keit der Be­haup­tung des Be­klag­ten zur ers­ten Vi­si­te über­zeugt ist.

Glei­ches gilt für die Be­haup­tung, der Kläger ha­be Herrn Dr. K3 - zum Nach­teil des Be­klag­ten - zur Si­mu­la­ti­on ei­ner Er­kran­kung auf­ge­for­dert. Zwar hat die Zeu­gin N1 aus­ge­sagt, der Zeu­ge Dr. K3 ha­be ihr von ei­ner ent­spre­chen­den Äußerung des Klägers be­rich­tet. Hier­zu hat der am 18.11.2011 er­neut als Zeu­ge ver­nom­me­ne Dr. K3 dann al­ler­dings aus­ge­sagt, der Kläger ha­be ihn nicht auf­ge­for­dert, „ei­ne vom Be­klag­ten ver­ur­sach­te Er­kran­kung vor­zutäuschen". Bei ei­nem Zu­sam­men­tref­fen auf der Straße ha­be man darüber ge­spro­chen, dass es mit dem Be­klag­ten ei­ne an­ge­spann­te Si­tua­ti­on ge­be, der Kläger ha­be dann zu ihm ge­sagt: „Wenn Du er­schos­sen bist, ist es zu spät." Er, Dr. K3, ha­be dann mit der Zeu­gin N1 be­spro­chen, er wis­se nicht, was der Kläger mit die­ser Äußerung ge­meint ha­be, ob der Kläger viel­leicht ge­meint ha­be, dass er, Dr. K3 sich krank­schrei­ben las­sen sol­le. Bei die­sem Be­wei­s­er­geb­nis ist die Kam­mer nicht mit der für ei­ne Be­weisführung nach § 286 ZPO er­for­der­li­chen Zwei­fels­frei­heit über­zeugt, dass der Kläger die be­haup­te­te Auf­for­de­rung aus­ge­spro­chen hat. Auch in­so­weit ist der Be­weis nicht geführt.

 

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Die Ausführun­gen des Be­klag­ten zu wei­te­rem Fehl­ver­hal­ten des Klägers sind nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich (s.u. C III a.E.) und müssen hier des­halb nicht wei­ter the­ma­ti­siert wer­den.

III. Auch die ab­sch­ließen­de Prüfung der nach den Ausführun­gen zu II. zu­grun­de zu le­gen­den Ge­sche­hens­abläufe in ei­ner Ge­samt­schau führt nicht zur Be­gründet­heit der Er­satz­for­de­run­gen nach den Be­ru­fungs­anträgen zu 2) bis 5). Auch das zu­sam­men­ge­fasst gewürdig­te Ge­samt­ver­hal­ten des Be­klag­ten hat die Gren­zen so­zi­al- und recht­s­adäqua­ten Ver­hal­tens in Kon­flikt­si­tua­tio­nen des Ar­beits­le­bens nicht über­schrit­ten. Ei­ne dem Ver­hal­ten des Be­klag­ten zu­grun­de lie­gen­de Sys­te­ma­tik und ei­ne durchgängig ver­folg­te Ziel­rich­tung zu ei­ner Be­ein­träch­ti­gung ei­ner geschütz­ten Rechts­po­si­ti­on des Klägers sind nicht fest­zu­stel­len. Ent­ge­gen der Ar­gu­men­ta­ti­on des Klägers kommt die mit dem An­trag zu 1) be­an­trag­te Abände­rung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils nicht in Be­tracht.

1. In et­li­chen der vom Kläger zur Be­gründung an­geführ­ten Vorfälle kann nach den Grundsätzen der Dar­le­gungs- und Be­weis­last oder nach den Er­geb­nis­sen der Be­weis­auf­nah­me nicht fest­ge­stellt wer­den, dass der Be­klag­te sich feind­lich und un­an­ge­mes­sen ge­genüber dem Kläger ver­hal­ten hätte. Die­se Vorfälle können we­der für sich be­trach­tet die ver­folg­ten Er­satz­ansprüche stützen (s.o.) noch können sie – man­gels fest­stell­ba­rer feind­li­cher Aus­rich­tung - in Zu­sam­men­schau mit an­de­ren Er­eig­nis­sen in den sys­te­ma­ti­schen Zu­sam­men­hang ei­nes Mob­bing­ge­sche­hens ein­ge­ord­net wer­den.

a)...Zunächst rech­nen zu die­ser Grup­pe die bei­den Vorfällen, in de­nen der Kläger Schrei­ben des Be­klag­ten un­zu­tref­fend in­ter­pre­tiert und dar­aus dann ei­nen Vor­wurf un­an­ge­mes­se­ner Kri­tik her­lei­tet. Das sind die Vorfälle 4 („Ab­mah­nung" vom 27.07.2003 / „Pa­ti­en­tin zu pan­ne") und 11 (Schrei­ben vom 26.09.2003 be­tref­fend Ur­laub) (vgl. im De­tail die Ausführun­gen un­ter C II zu den ent­spre­chen­den Glie­de­rungs­punk­ten). Die­se Dar­stel­lun­gen sind un­schlüssig.

b) Hier sind wei­ter die Vorfälle an­zuführen, bei de­nen der Kläger sein (be­strit­te­nes) Vor­brin­gen nicht in ei­ner Wei­se sub­stant­tiert hat, dass sie ei­ner Be­weis­auf­nah­me zugäng­lich ge­we­sen wären. Das sind die Vorfälle 24 (Pa­ti­ent kommt we­gen Kläger

 

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nicht in Kli­nik zurück) und 28 (Fern­hal­ten von Pri­vat­pa­ti­en­ten) (vgl. im De­tail die Ausführun­gen un­ter C II zu den ent­spre­chen­den Glie­de­rungs­punk­ten).

c) Wei­ter gehören hier­zu die Ge­scheh­nis­se, de­nen der Be­klag­te mit ei­ner sub­stan­ti­ier­ten Ge­gen­dar­stel­lung ent­ge­gen ge­tre­ten ist und für die der Kläger dann gleich­wohl kei­nen Be­weis an­ge­tre­ten hat. In die­sen Fällen hat die wei­te­re recht­li­che Prüfung auf der Grund­la­ge der Sach­dar­stel­lun­gen des Be­klag­ten zu er­fol­gen (s.o.), die ih­rer­seits ei­ne Qua­li­fi­ka­ti­on als feind­lich, un­an­ge­mes­sen oder schi­kanös nicht recht­fer­ti­gen und die des­halb auch nicht als „Glied in­ner­halb ei­ner Ket­te" als Mob­bing­hand­lung gewürdigt wer­den können. Das sind die Vorfälle 1 (Ur­laub Som­mer 2002), 10 (Coa­ching-Gespräche), 17 (Dienst­tausch 20.05.2004), 18 (Äußerung „An­walt mit­brin­gen"), 25 (Re­vi­si­ons-OP), 26 (Ent­fer­nung Glas­split­ter), 27 („Sie wis­sen ja schon, ge­ra­der Haut­schnitt, Bohr­loch über der Kor­no­n­ar­naht"), 29 (Throm­bo­zy­ten­zahl 60.000 / Be­fra­gung auch des Anästhe­sis­ten) (vgl. im De­tail die Ausführun­gen un­ter C II zu den ent­spre­chen­den Glie­de­rungs­punk­ten).

d) Sch­ließlich zählen hier­zu die Vorfälle, bei de­nen die Be­weis­auf­nah­me die Dar­stel­lung des Klägers nicht bestätigt hat und nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me von ei­nem Her­gang aus­zu­ge­hen ist, der nicht zu be­an­stan­den und nicht kon­flikt­be­la­den ist. Hier­zu gehören die Vorfälle 6 (Zu­wei­sung OP an Dr. S2), 7 (Ver­brei­ten, der Kläger ha­be den Raus­wurf des Dr. T1 ver­an­lasst), 12 (Vor­wurf ei­genmäch­ti­ger Be­hand­lung während Ur­laub), 15 (Nicht­wei­ter­lei­tung von Post / Er­mitt­lungs­ver­fah­ren), 20 („Was ha­ben sie bei der Vi­si­te zu tun"), 21 (Vor­ver­le­gung ei­ner Dienst­be­spre­chung), 22 (Dienst­tausch Ju­li 2004), (vgl. im De­tail die Ausführun­gen un­ter C II zu den ent­spre­chen­den Glie­de­rungs­punk­ten).

2. Auf der Grund­la­ge der ver­blei­ben­den in ei­ner Ge­samt­schau zu würdi­gen­den Vorfälle 2, 3, 5, 8, 9, 13, 14, 16, 19, 23 ist ein fort­dau­ern­des Ver­hal­ten des Be­klag­ten im Sin­ne ei­nes sys­te­ma­ti­schen Pro­zes­ses zur Schaf­fung ei­nes feind­li­chen Um­fel­des nicht fest­zu­stel­len. Es han­delt sich je­weils um an­lass­be­zo­ge­ne Kon­flik­te, bei de­nen der kon­fron­ta­ti­ve Ab­lauf des Ge­sche­hens von sach­lich nach­voll­zieh­ba­ren Gründen des Be­klag­ten ge­tra­gen ist. Auch in der Ge­samt­schau über­schrei­tet das Han­deln des Be­klag­ten den Rah­men des so­zi­al- und recht­s­adäqua­ten Ver­hal­tens im Ar­beits­verhält­nis nicht. So er­gibt sich für den Ur­laubs­kon­flikt für die Herbst­fe­ri­en 2002 (Vor­fall 2) nach­voll­zieh­bar ein be­son­de­res Ge­wicht des Ur­laubs­wun­sches des Be­klag­ten aus des­sen pri­va­tem Le­bens­um­feld (Schul­fe­ri­en, al­lein­er­zie­hen­der Wit­wer

 

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mit zwei Schul­kin­dern, zusätz­li­che Be­las­tung durch schwe­re Er­kran­kung des Bru­ders und Er­kran­kung der Mut­ter). Auch die letzt­lich ge­fun­de­ne Lösung, Auf­tei­lung des Fe­ri­en­zeit­raums zu glei­chen Tei­len, be­legt, dass der Be­klag­te nicht ein­sei­tig ei­ge­ne In­ter­es­sen rück­sicht­los und un­ter Miss­ach­tung der In­ter­es­sen­la­ge des Klägers ver­folgt hat. Das Ver­hal­ten des Be­klag­ten be­legt kei­ne Mo­ti­va­ti­on, dem Kläger oh­ne sach­li­chen Grund scha­den zu wol­len oder den Kläger aus ei­ner per se feind­li­chen Grund­hal­tung her­aus her­abwürdi­gen zu wol­len. Im Er­geb­nis hat ein im Ar­beits­le­ben häufig an­zu­tref­fen­der Kon­flikt ei­ne Lösung ge­fun­den, wel­che In­ter­es­sen bei­der Sei­ten berück­sich­tigt. Zum Vor­fall 3 ist be­reits oben (II. 3) aus­geführt wor­den, dass ei­ne be­son­de­re Be­ein­träch­ti­gung des Klägers aus der knap­pen Ab­hand­lung des Vor­schlags durch den Be­klag­ten des­halb nicht her­ge­lei­tet wer­den kann, weil es sich nicht um ei­nen in­no­va­ti­ven Vor­schlag han­del­te son­dern um ei­ne von dem Be­klag­ten be­reits zu­vor ent­schie­de­ne fach­li­che Fra­ge. Ei­ne von der fach­li­chen Kon­tro­ver­se un­abhängi­ge feind­li­che Hal­tung des Be­klag­ten kann nicht fest­ge­stellt wer­den. Glei­ches gilt für den Vor­fall 5 (Bohrlöcher). Auch hier wur­de ei­ne fach­li­che Kon­tro­ver­se zur er­for­der­li­chen An­zahl von Bohrlöchern bei ei­ner OP aus­ge­tra­gen. Auch wenn dies we­ni­ger kon­fron­ta­tiv hätte ge­sche­hen können, drückt sich in dem Her­gang ei­ne sys­te­ma­tisch ver­folg­te Stra­te­gie der Her­abwürdi­gung nicht aus. Dies gilt auch für die kon­tro­ver­se Dis­kus­si­on über die Be­reit­schafts­diens­te (Vor­fall 8). Der Kläger hat sich in die­ser Si­tua­ti­on laut­stark als Wortführer ge­gen den Vor­schlag po­si­tio­niert, den der Be­klag­te zur Dis­kus­si­on ge­stellt hat­te. Die Dis­kus­si­on wur­de hit­zi­ger. Die Zeu­gin Dr. S2 hat die Si­tua­ti­on als für den Be­klag­ten „un­dank­bar" ge­schil­dert, weil der Be­klag­te mit sei­nem Vor­schlag al­lein ge­gen al­le an­de­ren stand. Wei­ter hat die Zeu­gin aus­ge­sagt, es sei ei­gent­lich nichts Böses ge­we­sen, es sei nicht so ge­we­sen, dass ei­ner der bei­den hätte persönlich wer­den wol­len, das Gan­ze sei sach­lich an­ge­fan­gen und ha­be sich dann aber in ei­ne an­de­re Rich­tung ent­wi­ckelt, wo­bei sie jetzt nicht mal sa­gen könne, wer das in die an­de­re Rich­tung ge­lenkt ha­be, wann dann der Kick­punkt ge­we­sen sei. Un­ter Berück­sich­ti­gung der Gesprächs­si­tua­ti­on und des ge­sam­ten Gesprächs­in­halts ist in dem Gesprächs­ver­lauf ei­ne sys­te­ma­tisch feind­li­che Hal­tung des Be­klag­ten ge­gen den Kläger nicht zu Ta­ge ge­tre­ten. Zwar hat der Be­klag­te dras­ti­sche Wor­te ge­fun­den. Er hat­te selbst das Emp­fin­den, sich ent­schul­di­gen zu sol­len. Er hat sich dann aber auch noch in­ner­halb des lau­fen­den Gesprächs und im Bei­sein der übri­gen Gesprächs­teil­neh­mer bei dem Kläger für sei­ne Wort­wahl ent­schul­digt. Dies spricht ge­gen ei­nen vom kon­kre­ten

 

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An­lass los­gelösten Wil­len des Be­klag­ten, den Kläger fort­ge­setzt sys­te­ma­tisch an­zu­fein­den und her­ab­zuwürdi­gen. Wenn der Be­klag­te bei dem Vor­fall 9 im Rah­men ei­nes Kon­flikt­gesprächs ge­genüber dem Kläger ausführ­te, dass (auch) an­de­re Ärz­te sich über das Ver­hal­ten des Klägers be­schwert hätten, so stellt sich dies als Recht­fer­ti­gungs­vor­brin­gen des Be­klag­ten ge­genüber dem vom Kläger er­ho­be­nen Mob­bing­vor­wurf dar. Dass es kri­ti­sche Äußerun­gen an­de­rer Ärz­te zur Per­son des Klägers ge­ge­ben hat, ist im Ver­lau­fe des Rechts­streits un­strei­tig ge­wor­den, auch hat die Zeu­gin Dr. S2 von kri­ti­schen Äußerun­gen des Dr. M2 über den Kläger be­rich­tet (S. 5 des Pro­to­kolls vom 18.11.2011). Dass der Be­klag­te im Kon­flikt­gespräch die Na­men der Be­schwer­de führen­den Ärz­te nicht preis­gab, schützt die Ver­trau­lich­keit sei­nes Gesprächs mit den Ärz­ten. An der Nam­haft­ma­chung die­ser Ärz­te be­stand im Kon­flikt­gespräch zwi­schen den Par­tei­en die­ses Rechts­streits kein ge­stei­ger­tes In­ter­es­se des Klägers. An­lass und The­ma des Gesprächs wa­ren Fra­gen der Zu­sam­men­ar­beit der Par­tei­en die­ses Recht­streits und nicht das Verhält­nis des Klägers zu drit­ten Per­so­nen. Die Po­si­ti­on des Be­klag­ten zur Kon­tro­ver­se bei der Zim­mer­ver­tei­lung (Vor­fall 13) ist – wie oben aus­geführt – sach­lich oh­ne wei­te­res nach­voll­zieh­bar. Berück­sich­tigt man zu­dem, dass nach der Aus­sa­ge des Zeu­gen Dr. K3 die Kran­ken­haus­ver­wal­tung we­sent­li­cher Ak­teur bei der Zim­mer­zu­wei­sung war und dass der auch vom Kläger gewünsch­te Zu­stand mit Ein­zelbüros nach der In­ter­ven­ti­on des Zeu­gen Dr. K3 un­verzüglich (wie­der)her­ge­stellt wor­den ist, kann auch die­ser Vor­fall nicht als Teil­akt ei­nes sys­te­ma­ti­schen Mob­bing­ge­sche­hens gewürdigt wer­den (Dr. K3: „Ein ge­mein­sa­mes Zim­mer mit dem Kläger hat­te ich – so glau­be ich – höchs­tens für ei­nen Tag."). Für den Vor­fall 14 (sit­zen­de La­ge­rung / Bauch­la­ge­rung) gel­ten die­sel­ben Erwägun­gen wie für den Vor­fall 5 (Bohrlöcher). Zwi­schen den Par­tei­en wur­de in ei­ner kon­kre­ten Si­tua­ti­on des ärzt­li­chen Ar­beits­all­tags ei­ne me­di­zi­ni­sche Fach­fra­ge kon­tro­vers dis­ku­tiert. Wenn der Be­klag­te den Kläger vor sei­ner Rück­kehr aus dem mehr­mo­na­ti­gen Kran­ken­stand nicht zu Fra­gen der Dienst­plan­ge­stal­tung be­frag­te (Vor­fall 16), so kann man hier zwar zu der Einschätzung ge­lan­gen, ei­ne vor­he­ri­ge Kon­takt­auf­nah­me durch den Be­klag­ten wäre an­ge­sichts der Pro­ble­me der Ver­gan­gen­heit fürsorg­lich ge­we­sen. Eben­so gut kann aber auch der Stand­punkt ein­ge­nom­men wer­den, es wäre am Kläger ge­we­sen, sich ei­ni­ge Ta­ge vor sei­ner Rück­kehr nach mehr­mo­na­ti­ger Krank­heit von sich aus im Kran­ken­haus zu mel­den und et­wai­ge or­ga­ni­sa­to­ri­sche Fra­gen ggf. vor­ab zu klären. Wenn der Be­klag­te den von dem Kläger of­fen­bar er­war­te­ten Auf­wand ei­ner

 

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vor­be­rei­ten­den An­fra­ge vor der Dienst­auf­nah­me nicht un­ter­nahm, ist dies kein Zei­chen grund­le­gen­der Miss­ach­tung der Per­son des Klägers. Beim Vor­fall 19 war nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me die Zeu­gin G1-W2 die ent­schei­den­de han­deln­de Per­son. Die Mit­wir­kung des Be­klag­ten be­schränk­te sich auf Kennt­nis­nah­me und Zu­stim­mung, Initia­ti­ve und Um­set­zung er­folg­ten durch die Zeu­gin. Die­ses Ver­hal­ten kann nicht in ei­nen Zu­sam­men­hang sys­te­ma­ti­scher An­fein­dung durch den Be­klag­ten ein­ge­ord­net wer­den. Eben­falls nicht ei­nem Mob­bing­ge­sche­hen zu­zu­ord­nen ist der Um­stand, dass der Be­klag­te mit dem Kläger ein Gespräch über des­sen wei­te­re be­ruf­li­che Zu­kunft geführt hat (Vor­fall 23). Dass der Be­klag­te bei die­ser Ge­le­gen­heit die von dem Kläger be­an­stan­de­te (un­zu­tref­fen­de) Äußerung über ei­nen feh­len­den Rück­halt des Klägers in der Kol­le­gen­schaft ge­macht hätte, konn­te nicht fest­ge­stellt wer­den. Das Gespräch als sol­ches kann nicht als schi­kanös oder her­abwürdi­gend qua­li­fi­ziert wer­den, nach­dem der Kläger sei­ner­seits wie­der­holt auf die Pro­ble­me in der Zu­sam­men­ar­beit hin­ge­wie­sen hat­te. Auf die obi­gen Ausführun­gen zu die­sem Vor­fall wird ergänzend Be­zug ge­nom­men (s.o. C II 23).
Bei die­sem Er­geb­nis kommt es nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich dar­auf an, ob der Kläger sei­ner­seits durch ein ob­struk­ti­ves Ver­hal­ten ins­be­son­de­re zu Be­ginn der Tätig­keit des Be­klag­ten pro­vo­zie­rend auf­ge­tre­ten ist und zu den nach­fol­gen­den Span­nun­gen bei­ge­tra­gen hat. Oben ist aus­geführt wor­den, dass sich zu­min­dest die zen­tra­len dar­auf be­zo­ge­nen Be­haup­tun­gen des Be­klag­ten in der Be­weis­auf­nah­me nicht zur Über­zeu­gung der Kam­mer bestätigt ha­ben (Ers­te Vi­si­te / Auf­for­de­rung an Dr. K3, sich krank­schrei­ben zu las­sen / s.o. un­ter C II 30).

IV. Die wei­te­ren vom Kläger vor­ge­brach­ten Ar­gu­men­te führen zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis.
Der Ab­wei­sung der Kla­ge steht nicht ent­ge­gen, dass dem Be­klag­ten im Ver­lau­fe des Vor­pro­zes­ses der Streit verkündet wor­den ist und er dem Rechts­streit dann auch bei­ge­tre­ten ist. Die Streit­verkündung nach §§ 72, 73 ZPO be­wirkt gemäß § 74 Abs. 1 ZPO, dass sich das Verhält­nis des Streit­verkünde­ten zu den Par­tei­en des Rechts­streits nach den Grundsätzen der Ne­benin­ter­ven­ti­on be­stimmt. Die­se Grundsätze be­sa­gen, dass der Ne­benin­ter­ve­ni­ent – bzw. hier dann der Streit­verkünde­te – nicht mit der Be­haup­tung gehört wird, dass der Rechts­streit, so

 

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wie er dem Rich­ter vor­ge­le­gen ha­be, un­rich­tig ent­schie­den sei (§ 68 ZPO). Vor­aus­set­zung für die­se sog. In­ter­ven­ti­ons­wir­kung ist, dass der Rechts­streit durch ein rechts­kräfti­ges Sa­chur­teil zu­un­guns­ten der Haupt­par­tei ent­schie­den wor­den ist; kei­ne In­ter­ven­ti­ons­wir­kung ent­fal­tet hin­ge­gen der Pro­zess­ver­gleich (Zöller-Voll­kom­mer, ZPO, 29.Auf­la­ge 2012, § 68 ZPO Rn. 4). Der sei­ner­zeit vom Kläger ge­gen das Kran­ken­haus aus­ge­tra­ge­ne Rechts­streit en­de­te nicht mit ei­nem rechts­kräfti­gen Sa­chur­teil, der Rechts­streit ist viel­mehr durch Ab­schluss ei­nes Pro­zess­ver­gleichs er­le­digt wor­den. Darüber hin­aus er­gibt auch der sub­jek­ti­ve Um­fang der In­ter­ven­ti­ons­wir­kung nicht die von dem Kläger gewünsch­te Rechts­fol­ge. Die In­ter­ven­ti­ons­wir­kung als Fol­ge des Bei­tritts ent­fal­tet sich nur zwi­schen dem Streit­verkünde­ten und der von ihm un­terstützen Haupt­par­tei, nicht aber der Ge­gen­par­tei (Zöller-Voll­kom­mer, ZPO, 29.Auf­la­ge 2012, § 68 ZPO Rn. 6; Wiec­zo­rek/Schütze, ZPO, 3.Aufl. 1994, § 68 ZPO Rn. 10). Der Kläger war im Vor­pro­zess nicht die von dem Be­klag­ten un­terstütz­te Haupt­par­tei.
Ei­ne Be­gründet­heit der Kla­ge lässt sich nicht aus dem im Vor­pro­zess ein­ge­hol­ten Sach­verständi­gen­gut­ach­ten her­lei­ten. Die vor­lie­gen­de Kla­ge bleibt oh­ne Er­folg, weil die Kam­mer un­ter Berück­sich­ti­gung der Grundsätze der Dar­le­gungs- und Be­weis­last und nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me ein pflicht­wid­ri­ges und recht­lich zu be­an­stan­den­des Fehl­ver­hal­ten des Be­klag­ten nicht fest­ge­stellt hat. Zu die­ser Fra­ge verhält sich das Gut­ach­ten des Sach­verständi­gen Dr. W1 nicht. Das Gut­ach­ten beschäftigt sich mit der ge­dank­lich erst nach­ran­gig zu stel­len­den Fra­ge, ob Ver­hal­ten des Be­klag­ten für die Er­kran­kung des Klägers ursächlich ge­wor­den ist. Be­reits aus die­sem Grun­de sind die Ausführun­gen des Gut­ach­ters hier nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich. Zusätz­lich sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Aus­sa­ge des Gut­ach­tens auch des­halb pro­ble­ma­tisch ist, weil sich das Gut­ach­ten – wor­auf der Be­klag­te zu­tref­fend hin­weist – nicht an den kon­kre­ten vom Lan­des­ar­beits­ge­richt im Be­weis­be­schluss aus­ge­wie­se­nen Ge­scheh­nis­sen aus­rich­tet son­dern un­dif­fe­ren­ziert zu­grun­de legt, dass es ei­ne „jah­re­lan­ge Vor­ge­schich­te ei­nes s.g. Mob­bing" ge­ge­ben hat und dass das Selbst­bild des Klägers durch die „un­ver­trau­te und sub­jek­tiv mas­siv und dau­er­haft her­ab­set­zen­de Um­gangs­wei­se [des Be­klag­ten] mit ihm er­heb­lich und nach­hal­tig erschüttert" wor­den ist (Bl. 162, 165 GA). Nach der Rspr des BAG gilt es je­doch, so­ge­nann­tes fol­gen­lo­ses oder so­zi­al- und recht­s­adäqua­tes Ver­hal­ten auf Grund ei­ner ob­jek­ti­ven Be­trach­tungs­wei­se, d. h. oh­ne Rück­sicht auf das sub­jek­ti­ve

 

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Emp­fin­den des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers, von der recht­li­chen Be­wer­tung aus­zu­neh­men (BAG 16.05.2007 AP BGB § 611 Mob­bing Nr. 5 – s.o. un­ter B.).

D. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 ZPO. Gründe für ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­ste­hen nicht. Die Rechts­sa­che hat kei­ne über den ent­schie­de­nen Ein­zel­fall hin­aus­ge­hen­de grundsätz­li­che Be­deu­tung (§ 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG). Die Kam­mer ist nicht von ei­nem Ur­teil der in § 72 Abs. 2 Nr. 2 ArbGG ge­nann­ten Ge­rich­te ab­ge­wi­chen.

RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG

Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.
We­gen der Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wird auf § 72a ArbGG ver­wie­sen.

 

Lim­berg 

Hoff­mei­er 

Bött­ger
/Lim./Ri.

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