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Schluss mit Zwangs­ur­laub? Klas­si­sche Werks­fe­ri­en wer­den sel­te­ner

Beim Be­griff Werks­fe­ri­en drängt sich das Bild von men­schen­lee­ren Fa­brik­hal­len und aus­ge­stor­be­nen Park­plät­zen auf: Tat­säch­lich schi­cken vor al­lem grö­ße­re Kon­zer­ne kaum noch die kom­plet­te Be­leg­schaft in Ur­laub

28.07.2016. (dpa) - Drei Wo­chen frei am Stück - so man­cher Ar­beit­neh­mer muss da­für ins­be­son­de­re in der Haupt­fe­ri­en­zeit hart mit sei­nem Chef kämp­fen.

Ge­ra­de in der Au­to­pro­duk­ti­on, wo es noch die klas­si­schen Werks­fe­ri­en gibt, wer­den Mit­ar­bei­ter vie­ler­orts auch un­frei­wil­lig so­lan­ge in die Fe­ri­en ge­schickt.

Doch trotz der Werks­fe­ri­en sind nicht al­le Fa­bri­ken men­schen­leer.

Bei Volks­wa­gen sind die Mit­ar­bei­ter in fast al­len nie­der­säch­si­schen Wer­ken erst die­ser Ta­ge aus der drei­wö­chi­gen Aus­zeit zu­rück­ge­kehrt. Nur in Os­na­brück dau­ern die Werks­fe­ri­en noch bis En­de Ju­li. Im Mo­to­ren­werk in Chem­nitz in Sach­sen so­wie im Press­werk in Zwi­ckau zeigt der Au­to­bau­er ge­nau wie im hes­si­schen Kas­sel ei­nen mehr­wö­chi­gen "Ur­laubs­kor­ri­dor" an, sagt ein Spre­cher. In­ner­halb die­ser Zeit soll der Haupt­ur­laub von drei Wo­chen ge­nom­men wer­den. Ganz aus­ge­stor­ben ist die Pro­duk­ti­on an den Stand­or­ten al­ler­dings nicht: In Wolfs­burg et­wa wer­de mit re­du­zier­ten Schich­ten, mit Mit­ar­bei­tern, die kei­nen Ur­laub neh­men wol­len, und Fe­ri­en­job­bern wei­ter­ge­ar­bei­tet, sag­te ein Spre­cher.

Auch bei Au­di in In­gol­stadt und Ne­ckar­sulm sind die Aus­zei­ten auf­ge­weicht. In In­gol­stadt sei im Au­gust we­gen der gu­ten Auf­trags­la­ge nur ei­ne leicht ab­ge­senk­te Pro­duk­ti­on mit dem Be­triebs­rat ver­ein­bart wor­den, sag­te ei­ne Spre­che­rin. Dort wer­den et­wa 80 Pro­zent der nor­ma­len Ka­pa­zi­tät am Tag pro­du­ziert. Die freie Zeit wird für In­stand­hal­tung und Um­bau­maß­nah­men ge­nutzt. Ähn­lich sieht es in Ne­ckar­sulm aus. Dort wird der A4 über drei Wo­chen im Au­gust nur in der Früh­schicht pro­du­ziert. Wäh­rend in In­gol­stadt Fe­ri­en­job­ber ein­ge­setzt wer­den, braucht es in Ne­ckar­sulm kei­ne zu­sätz­li­chen Hel­fer, da­mit Tei­le der Stamm­be­leg­schaft in Ur­laub fah­ren kön­nen.

Nur bei der VW-Toch­ter Por­sche ruht die Pro­duk­ti­on für drei Wo­chen kom­plett. Seit dem 18. Ju­li wer­den in Leip­zig kei­ne Au­tos mehr zu­sam­men­ge­schraubt, vom 1. Au­gust ste­hen die Bän­der am Stamm­sitz in Stutt­gart-Zu­ffen­hau­sen still. Die Zeit wer­de für In­stand­hal­tungs­ar­bei­ten ge­nutzt, sag­te ein Spre­cher.

In den Wer­ken des baye­ri­schen Au­to­bau­ers BMW ruht die Pro­duk­ti­on an den meis­ten Stand­or­ten für et­wa zwei Wo­chen. In Leip­zig ar­bei­ten die Be­schäf­tig­ten schon seit Mit­te Ju­li wie­der. Die baye­ri­schen Pro­duk­ti­ons­stät­ten ma­chen ana­log zu den dor­ti­gen Schul­fe­ri­en im Au­gust dicht. In BMWs Mo­tor­rad­werk in Ber­lin wird die Pro­duk­ti­on we­gen Um­bau, In­ven­tur und In­stand­hal­tung so­gar für vier Wo­chen bis Mit­te Au­gust un­ter­bro­chen.

Tat­säch­lich sind in ei­ni­gen Groß­kon­zer­nen Werks­fe­ri­en gar kein The­ma mehr: Bei Sie­mens in Ber­lin et­wa, wo der In­dus­trie­kon­zern mit mehr als 10.000 Mit­ar­bei­tern Gas­tur­bi­nen pro­du­ziert, wird durch­ge­ar­bei­tet. Schließ­lich sei­en 90 Pro­zent der Pro­duk­ti­on für den Ex­port ge­dacht, so ein Spre­cher. Fe­ri­en­job­ber sei­en kei­ne Al­ter­na­ti­ve, da nur hoch qua­li­fi­zier­te Mit­ar­bei­ter in der Pro­duk­ti­on be­schäf­tigt wür­den.

Auch beim Au­to­her­stel­ler Daim­ler wird die Pro­duk­ti­on schon seit Jah­ren nicht mehr im Som­mer ge­stoppt. Schuld sei die ho­he Aus­las­tung, sag­te ein Spre­cher. Ge­gen un­ge­lern­te Kräf­te hat man bei den Stutt­gar­tern nichts, im Ge­gen­teil: Da­mit die Daim­ler-Mit­ar­bei­ter auch in den Schul­fe­ri­en in Ur­laub fah­ren kön­nen, stellt der Au­to­bau­er in die­sem Jahr mehr als 16.000 Fe­ri­en­job­ber ein.

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Letzte Überarbeitung: 31. Juli 2016

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