Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

893.000 EUR Schmer­zens­geld we­gen Mob­bings?

Bei der Stadt So­lin­gen an­ge­stell­te Öko­no­min ver­langt re­kord­ver­däch­ti­ges Schmer­zens­geld: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf, AZ: 17 Sa 602/12

09.01.2013. (dpa) - Ei­ne bei der Stadt So­lin­gen be­schäf­tig­te Rech­nungs­prü­fe­rin klagt in der Be­ru­fungs­in­stanz vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) auf fast 900.000 EUR Schmer­zengs­geld we­gen an­geb­li­chen Mob­bings und droht mit die­ser Kla­ge zu schei­tern (AZ: 17 Sa 602/12).

Be­reits in der ers­ten In­stanz vor dem Ar­beits­ge­richt So­lin­gen hat­te die Mob­bing-Kla­ge kei­nen Er­folg (Ar­beits­ge­richt So­lin­gen, Ur­teil vom 03.02.2012, 3 Ca 1050/10).

Der Vor­sit­zen­de Rich­ter am LAG Wolf­gang Jan­sen zeig­te sich im Ver­hand­lungs­ter­min am Diens­tag die­ser Wo­che skep­tisch, ob die von der Klä­ge­rin auf­ge­führ­ten Fäl­le tat­säch­lich den Tat­be­stand sys­te­ma­tisch be­gan­ge­ner An­fein­dun­gen er­füll­ten. Er wies dar­auf hin, dass auch das Ver­hal­ten der Klä­ge­rin be­rück­sich­tigt wer­den müs­se.

In die­sem Zu­sam­men­hang hat das Ge­richt auch den in der Ver­gan­gen­heit er­folg­ten Ver­such ei­nes Me­dia­ti­ons­ver­fah­rens der Par­tei­en an­ge­spro­chen. Die­ses schei­ter­te, weil die Klä­ge­rin das Ein­ge­ständ­nis ei­nes Mob­bing­ver­hal­ten durch die be­klag­te Stadt zur Vor­be­din­gung der Ge­sprä­che mach­te

Der An­walt der Klä­ge­rin ver­wies da­ge­gen auf "die Viel­zahl klei­ner Na­del­sti­che", die aus sei­ner Sicht ein deut­li­ches Ge­samt­bild er­gä­ben.

"Man hat mei­ne Eh­re und mei­ne Wür­de mit Fü­ßen ge­tre­ten!", sag­te die 53-Jäh­ri­ge Di­plom-Öko­no­min. Seit 2008 sei sie schi­ka­niert und ihr zu Un­recht frist­los ge­kün­digt wor­den. Als sie nach ge­won­ne­nem Pro­zess in ihr Bü­ro zu­rück­keh­ren woll­te, ha­be man sie mit ei­nem Son­der­prüf­auf­trag, für den sie nicht aus­ge­bil­det sei, in ein neun Ki­lo­me­ter ent­fern­tes städ­ti­sches Kli­ni­kum "ent­sorgt". Ei­ne Schu­lung ha­be die Stadt nicht zah­len wol­len.

Ihr An­walt be­rief sich bei der Hö­he des ge­for­der­ten Schmer­zens­gel­des auf die an­geb­li­che ak­tu­el­le Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts. Da­nach sei­en die bis­lang zu­ge­spro­che­nen Sum­men zu ge­ring und müss­ten er­höht wer­den, um ab­schre­cken­de Wir­kung zu ent­fal­ten. Die ge­for­der­ten fast 900.000 EUR sei­en aber schon ei­ne "ex­tre­me Grö­ßen­ord­nung", sag­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter Jan­sen.

Fa­zit: Soll­te die Be­ru­fung kei­nen Er­folg ha­ben, wür­de sich wie­der ein­mal be­stä­ti­gen, dass völ­lig über­zo­ge­ne Schmer­zens­geld­for­de­run­gen we­gen (an­geb­li­chen) Mob­bings oder we­gen ei­ner (an­geb­li­chen) Dis­kri­mi­nie­rung den kla­gen­den Ar­beit­neh­mern gar nichts nüt­zen, son­dern schlicht un­se­riö­ses Ge­trom­mel der sie ver­tre­ten­den An­wäl­te sind. Ab­ar­tig ho­he For­de­run­gen er­we­cken den Ver­dacht, dass es nur um Ab­zo­cke­rei geht, d.h. das Ge­richt wird miss­trau­isch und der be­klag­te Ar­beit­ge­ber re­agiert ver­bies­tert, was Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen scha­det.

Im schlimms­ten Fall kön­nen ex­trem über­zo­ge­ne Ent­schä­di­gungs­for­de­run­gen so­gar den Ar­beits­platz kos­ten, wie ein ak­tu­el­les Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Heil­bronn zeigt (Ur­teil vom 18.10.2012, 2 Ca 71/12).

Hier hat­te ei­ne zu Un­recht frist­los ge­kün­dig­ter Ar­beit­neh­mer nicht nur Kün­di­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben, son­dern zu­gleich ei­ne Kla­ge auf 240.000 EUR Schmer­zens­geld we­gen an­geb­lich dis­kri­mi­nie­ren­der Be­gleit­um­stän­de der Kün­di­gung (bei ei­nem Jah­res­ge­halt von et­wa 75.000 EUR). Dar­auf­hin gab das Ar­beits­ge­richt Heil­bronn dem Auf­lö­sungs­an­trag des Ar­beit­ge­bers statt, d.h. der Ar­beit­neh­mer war sei­nen Ar­beits­platz ge­gen ei­ne eher mick­ri­ge Ab­fin­dung los, ob­wohl er mit sei­ner Kün­di­gungs­schutz­kla­ge Er­folg hat­te.

Denn, so das Ar­beits­ge­richt Heil­bronn: "Ei­ne Ent­schä­di­gungs­kla­ge durch den Ar­beit­neh­mer we­gen an­geb­li­cher viel­fa­cher Dis­kri­mi­nie­run­gen kann ei­nen Auf­lö­sungs­grund nach § 9 Abs. 1 S. 2 KSchG dar­stel­len, wenn die­se auf halt­lo­sen Be­haup­tun­gen fußt und die be­gehr­te Ent­schä­di­gung je­des ver­nünf­ti­ge Maß über­steigt."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 30. September 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880