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14/064a Schnei­der will un­ge­nutz­te EU-Gel­der für Zu­wan­de­rer nach NRW ho­len

Mit Zu­wan­de­rung hat der So­zi­al­mi­nis­ter kein ge­ne­rel­les Pro­blem: Vor­han­de­ne Schwie­rig­kei­ten will er aber auch nicht klein­re­den. Um den Be­trof­fe­nen bes­ser hel­fen zu kön­nen, hat er ei­ne un­ge­wöhn­li­che Idee
Europafahne

25.02.2014. (dpa) - Nord­rhein-West­fa­lens In­te­gra­ti­ons­mi­nis­ter Gun­tram Schnei­der (SPD) will EU-Mit­tel, die Bul­ga­ri­en und Ru­mä­ni­en nicht ab­ru­fen, für Zu­wan­de­rer in Nord­rhein-West­fa­len ha­ben.

Bei­de Län­der hät­ten auf­grund staat­li­cher De­fi­zi­te 600 Mil­lio­nen Eu­ro an EU-Mit­teln lie­gen­las­sen, stell­te Schnei­der am Mon­tag in Düs­sel­dorf fest.

Hier wer­de das Geld in Kom­mu­nen, die vie­le Zu­wan­de­rer aus die­sen Län­dern auf­neh­men, hin­ge­gen drin­gend ge­braucht.

NRW sei des­we­gen be­reits in Ge­sprä­chen mit der Bun­des­re­gie­rung und an­de­ren Bun­des­län­dern.

Noch in die­sem Jahr will sich Schnei­der mit sei­nem neu­en In­te­gra­ti­ons­staats­se­kre­tär Thors­ten Klu­te in Ru­mä­ni­en über die La­ge vor Ort in­for­mie­ren. Ers­tes Ziel müs­se es sein, Län­der wie Bul­ga­ri­en und Ru­mä­ni­en selbst in die La­ge zu ver­set­zen, et­was für ih­re eth­ni­schen Min­der­hei­ten und ge­gen Ar­mut zu tun, er­klär­te Schnei­der. "Nie­mand ver­lässt gern sein Hei­mat­land."

Da bei­de Län­der auf­grund vie­ler De­fi­zi­te in ih­ren Re­gie­rungs- und Ver­wal­tungs­struk­tu­ren of­fen­kun­dig nicht in der La­ge sei­en, Mit­tel aus EU-Fonds sach­ge­recht ein­zu­set­zen, müs­se Eu­ro­pa hel­fen. Schnei­der for­der­te, qua­li­fi­zier­te Teams zu­sam­men­zu­stel­len, die die­se Län­der bei der Pro­jekt­ar­beit un­ter­stüt­zen.

Im gro­ßen und gan­zen ha­be NRW "kein Pro­blem mit Zu­wan­de­rern aus Süd­ost­eu­ro­pa", sag­te Schnei­der. Be­mer­kens­wer­te Span­nun­gen be­schränk­ten sich auf we­ni­ge gro­ße Städ­te oder gar Häu­ser in ein­zel­nen Stadt­tei­len. Be­trof­fen sei­en vor al­lem Duis­burg, Dort­mund, Gel­sen­kir­chen und Hamm. Hier dürf­ten die Pro­ble­me aber nicht ver­nied­licht wer­den, warn­te Schnei­der. Die Kom­mu­nen be­nö­tig­ten Hil­fe. "Wir brau­chen drin­gend ein So­fort­pro­gramm des Bun­des und der EU."

NRW sei bis­lang das ein­zi­ge Land, das ein Son­der­pro­gramm zur In­te­gra­ti­on von Neu­zu­wan­de­rern aus Süd­ost­eu­ro­pa auf­ge­legt ha­be, be­rich­te­te Schnei­der. Seit Jah­res­be­ginn wer­den aus dem 7,5 Mil­lio­nen Eu­ro um­fas­sen­den Topf Pro­jek­te ge­för­dert.

Die wich­tigs­ten Be­rei­che sei­en Schu­le, Qua­li­fi­zie­rung, Woh­nen und Ge­sund­heit, sag­te Schnei­der. Vie­le Zu­wan­de­rer­kin­der kä­men oh­ne oder nur mit sehr ge­rin­gen Deutsch­kennt­nis­sen ins Land und be­nö­tig­ten "Vor­schalt-Klas­sen", um An­schluss zu fin­den. Al­ler­dings sei es schwer, mut­ter­sprach­li­che Leh­rer aus Ru­mä­ni­en und Bul­ga­ri­en zu fin­den. Zu­dem be­nö­tig­ten Er­wach­se­ne oh­ne Schul- und Be­rufs­ab­schluss Qua­li­fi­zie­rung. In Zu­sam­men­ar­beit mit den kom­mu­na­len Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten müs­se die Un­ter­kunfts­fra­ge ge­klärt wer­den.

Ein gro­ßes Pro­blem sei, dass vie­le kei­ne Kran­ken­ver­si­che­rung nach­wei­sen könn­ten. So blie­ben Kom­mu­nen teil­wei­se auf ho­hen Be­hand­lungs­kos­ten sit­zen. Schnei­der for­der­te den Bund auf, ei­ne Ko­or­di­na­ti­ons­stel­le ein­zu­rich­ten, um mit den na­tio­na­len Re­gie­run­gen der Zu­wan­de­rer ab­klä­ren zu kön­nen, wer wo ver­si­chert ist.

Es sei nicht zu be­strei­ten, das Zu­wan­de­rung auch Kri­mi­na­li­tät mit sich brin­ge, räum­te Schnei­der ein. Das sei aber nicht al­lein Aus­län­der­kri­mi­na­li­tät. "Wer auf dem Ar­beits­strich für zwei Eu­ro die St­un­de Ar­beit ein­kauft, ist kri­mi­nell", sag­te Schnei­der. "Und wenn in ei­ner Drei­zim­mer-Woh­nung mit 15 Leu­ten 200 Eu­ro im Mo­nat pro Ma­trat­ze ver­langt wer­den, dann ist die­ser Ver­mie­ter kri­mi­nell."

Zur Wahr­heit ge­hö­re auch, dass die meis­ten Ein­wan­de­rer aus Süd­ost­eu­ro­pa hoch qua­li­fi­ziert und "ge­räusch­los" in Deutsch­land ar­bei­te­ten, sag­te Schnei­der. "Die Kli­ni­ken im Kreis We­sel wä­ren oh­ne Ärz­te aus Ru­mä­ni­en und Bul­ga­ri­en nicht mehr funk­ti­ons­fä­hig."

An die Gren­ze ih­rer In­te­gra­ti­ons­be­reit­schaft kom­me die wehr­haf­te De­mo­kra­tie bei Sala­fis­ten, be­ton­te Schnei­der. "Da kann es kei­ne To­le­ranz ge­ben." Die deut­sche Rechts­ord­nung müs­se je­der Zu­wan­de­rer ak­zep­tie­ren. "Das ist nicht mit dem Ziel, ei­nen Got­tes­staat zu er­rich­ten zu ver­ein­ba­ren."

Ei­ne ro­te Li­nie hat aus sei­ner Sicht auch der tür­ki­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan bei sei­nem Ber­lin-Be­such in die­sem Mo­nat über­schrit­ten. "Es ist skan­da­lös, wenn der tür­ki­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent sei­nen Wahl­kampf hier be­strei­tet", kri­ti­sier­te Schnei­der. "Das ist ge­ra­de­zu ein un­freund­li­cher Akt ge­gen­über ei­nem Land, das der Tür­kei ei­gent­lich wohl­wol­lend ge­gen­über­steht."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. August 2014

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