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Schon­frist für Kran­ken­ver­si­cher­te

Die neue Bei­trags­satz­re­ge­lung er­höht den Wett­be­werbs­druck auf die Kas­sen: Doch mit­tel- und lang­fris­tig dürf­ten die Be­las­tun­gen der Ver­si­cher­ten stei­gen

16.10.2014. (dpa) - In ei­ner äl­ter wer­den­den Ge­sell­schaft wie der deut­schen stei­gen mit­tel- und lang­fris­tig er­war­tungs­ge­mäß die Ge­sund­heits­kos­ten.

Die­se Ent­wick­lung will die schwarz-ro­te Bun­des­re­gie­rung durch das et­was sper­rig klin­gen­de "Ge­setz zur Wei­ter­ent­wick­lung der Fi­nanz­struk­tur und der Qua­li­tät in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung" ei­ni­ger­ma­ßen in Schach hal­ten.

Zen­tra­les Ziel da­bei ist, den Wett­be­werb un­ter den rund 130 Ein­zel­kas­sen zu stär­ken.

Da­zu wird zum 1. Ja­nu­ar der der­zeit fes­te Bei­trags­satz von 15,5 Pro­zent auf 14,6 Pro­zent ab­ge­senkt. Dies ent­spricht 0,9 Pro­zent­punk­ten oder rund 11 Mil­li­ar­den Eu­ro, die schon bis­her al­lein von den Ver­si­cher­ten auf­ge­bracht wur­den. Die 14,6 Pro­zent wer­den wei­ter­hin je zur Hälf­te von Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern ge­zahlt. Wenn ei­ner Kas­se nun durch die Sen­kung ei­ne Fi­nan­zie­rungs­lü­cke ent­steht, kann sie die­se von 2015 an durch ei­nen von ihr fest­ge­leg­ten Zu­satz­bei­trag aus­glei­chen.

Der Schät­zer­kreis von Bun­des­ver­si­che­rungs­amt, ge­setz­li­cher Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um kam am Mitt­woch in Bonn nun zu der we­nig über­ra­schen­den Er­kennt­nis, dass die­ser Zu­satz­bei­trag im ers­ten Jahr der Ge­set­zes­än­de­rung im Durch­schnitt bei 0,9 Pro­zent­punk­ten lie­gen dürf­te. Dies ent­spricht wie­der­um je­ner Lü­cke von rund 11 Mil­li­ar­den Eu­ro, die durch die Sen­kung des all­ge­mei­nen Bei­trags­sat­zes ent­stand.

Vor al­lem die­se in­di­vi­du­el­le Fest­le­gung des Zu­satz­bei­tra­ges soll den Wett­be­werb un­ter den Kas­sen an­kur­beln. Die Kas­sen müs­sen auf die Preis­un­ter­schie­de hin­wei­sen. Wenn ei­ne Kran­ken­kas­se ei­nen Zu­satz­bei­trag er­hebt, ha­ben die Ver­si­cher­ten künf­tig ein Son­der­kün­di­gungs­recht.

Im Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um hieß es, die Hö­he des Zu­satz­bei­trags hän­ge un­ter an­de­rem von der Wirt­schaft­lich­keit ei­ner Kas­se ab und da­von, "ob die Kas­sen ih­re ho­hen Fi­nanz-Re­ser­ven von rund 16 Mil­li­ar­den Eu­ro im Sin­ne der Ver­si­cher­ten nut­zen". Ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) ju­bel­te schon vor Wo­chen, mit der Neu­re­ge­lung "kön­nen meh­re­re Mil­lio­nen Ver­si­cher­te ent­las­tet wer­den".

Wenn aber die vom Schät­zer­kreis er­mit­tel­ten 0,9 Pro­zent­punk­te ein rech­ne­ri­scher Durch­schnitts­wert sind, dann müs­sen vie­le Ver­si­cher­te im kom­men­den Jahr im Ge­gen­zug mehr be­zah­len, zu­mal der GKV-Spit­zen­ver­band da­von aus­geht, dass al­le Kas­sen Zu­schlä­ge er­he­ben müs­sen.

"Wir si­chern ei­nen fai­ren Wett­be­werb zwi­schen den Kas­sen und stär­ken die Qua­li­tät in der Ver­sor­gung. Da­von pro­fi­tie­ren auch die Ver­si­cher­ten", sagt Grö­he. Der Pro­fit der Ver­si­cher­ten dürf­te aber eher durch­wach­sen sein. Für die Fol­ge­jah­re rech­nen Ex­per­ten mit ei­nem An­stieg der Zu­satz­bei­trä­ge, wenn nicht wei­ter an dem Sys­tem ge­ar­bei­tet wird, et­wa bei den Aus­ga­ben. Gleich­wohl wird der ge­setz­li­chen Neu­reg­lung zu­ge­stan­den, dass sie ei­nen ge­wis­sen Spar­druck auf die Kas­sen aus­übt.

Ein wei­te­rer, nicht un­we­sent­li­cher As­pekt, den Grö­he im Blick hat, ist das Ein­frie­ren des Ar­beit­ge­ber­an­teils an der Kran­ken­ver­si­che­rung bei 7,3 Pro­zent. Der ab­seh­ba­re An­stieg der Ge­sund­heits­kos­ten soll al­lein bei den Ver­si­cher­ten be­las­sen wer­den. "Durch die Fest­schrei­bung des Ar­beit­ge­ber­bei­trags auf 7,3 Pro­zent wird ver­hin­dert, dass die Lohn­zu­satz­kos­ten im Be­reich der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung wei­ter stei­gen", ar­gu­men­tiert das Haus von Grö­he. "Denn nur wenn Ar­beits­plät­ze lang­fris­tig ge­si­chert sind, kann auch ei­ne so­li­de Grund­la­ge für das so­li­da­ri­sche Ge­sund­heits­sys­tem si­cher­ge­stellt wer­den."

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Letzte Überarbeitung: 20. Oktober 2015

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