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Sie­mens-Be­triebs­rats­chef kri­ti­siert Pa­nik­ma­che

Zum ers­ten Mal hat Sie­mens für den Stel­len­ab­bau ei­ne Zahl ge­nannt: 15 000 Stel­len wer­den ge­stri­chen: Aber die Hälf­te der Ar­beits­plät­ze ist schon weg. Oh­ne Kün­di­gun­gen und mit dem Se­gen des Be­triebs­rats

01.10.2013. (dpa) - Die Ge­werk­schaf­ten ha­ben Sie­mens vor­ge­wor­fen, die Mit­ar­bei­ter völ­lig un­nö­tig in Angst ver­setzt zu ha­ben.

Die Mel­dung über den Ab­bau von 15 000 Stel­len "hat mehr Un­klar­heit als Klar­heit ge­schaf­fen, weil der Ein­druck er­weckt wur­de, hier han­de­le es sich um ein neu­es und dra­ma­ti­sches Ab­bau­pro­gramm. Das hat zehn­tau­sen­de Sie­men­sia­ner ver­un­si­chert", sag­te Ge­samt­be­triebs­rats­chef Lo­thar Ad­ler am Mon­tag.

Das Pro­gramm läuft schon seit 2012. Ein Ab­bau nach der Ra­sen­mä­her­me­tho­de sei ver­hin­dert wor­den, sag­te Ad­ler.

In Deutsch­land sind 5000 Ar­beits­plät­ze von dem Spar­pro­gramm be­trof­fen. Be­reits die Hälf­te die­ser Stel­len ist im so­eben ab­ge­lau­fe­nen Ge­schäfts­jahr 2012/2013 fast ge­räusch­los schon ge­stri­chen wor­den - mit Zu­stim­mung der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter. Für die an­de­re Hälf­te der Stel­len sei­en die Ver­hand­lun­gen mit den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern vor Ort in vol­lem Gang, teil­wei­se kurz vor dem Ab­schluss, er­klär­te ein Kon­zern­spre­cher in Mün­chen.

Be­triebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen hat Sie­mens nach ei­ner Ver­ein­ba­rung mit IG Me­tall und Be­triebs­rat aus­ge­schlos­sen, die Ar­beits­plät­ze wer­den mit Hil­fe von Al­ters­teil­zeit, Ab­fin­dun­gen und Ver­set­zun­gen ein­ge­spart.

Der ge­schäfts­füh­ren­de IG-Me­tall-Vor­stand Jür­gen Ker­ner sag­te: "IG Me­tall und Be­triebs­rat er­war­ten von Sie­mens ein Be­kennt­nis zum bis­he­ri­gen Vor­ge­hen. Das heißt, dass die In­for­ma­ti­on von Mit­ar­bei­tern und Be­triebs­rä­ten an ers­ter Stel­le steht, die Ver­hand­lun­gen vor Ort ent­spre­chend ge­führt wer­den." An vie­len Stand­or­ten hät­ten die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter ei­nen rei­nen Stel­len­ab­bau ver­hin­dern kön­nen. Der Kon­zern stel­le sich in ei­ni­gen Be­rei­chen neu auf, ha­be aber zu­nächst ei­ne Ver­ant­wor­tung ge­gen­über sei­nen Mit­ar­bei­tern.

Zu­gleich warn­ten die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter Sie­mens vor ei­nem här­te­ren Kurs. "Wir leh­nen nach wie vor ein rein mar­gen­ge­trie­be­nes Per­so­nal­ab­bau­pro­gramm ab", sag­te Ad­ler. "An­ge­sichts des zweit­bes­ten Er­geb­nis­ses in der Un­ter­neh­mens­ge­schich­te ist das Ab­bau­pro­gramm oh­ne­hin nicht ver­mit­tel­bar." Der Be­triebs­rat wol­le ein Zu­kunfts­pro­gramm, bei dem der Mensch und nicht nur die Mar­ge im Mit­tel­punkt ste­he: "Die Aus­ein­an­der­set­zun­gen zu die­sem The­ma sind noch nicht be­en­det." Sie­mens fuhr zu­letzt 4,6 Mil­li­ar­den Eu­ro Ge­winn im Ge­samt­jahr ein, deut­lich we­ni­ger als im Vor­jahr.

Ein Sie­mens-Spre­cher be­ton­te, je­der Stand­ort sei über den Stel­len­ab­bau vor Ort in­for­miert: "Das ist kein neu­es Pro­gramm". Au­ßer­dem wer­de die Zahl der Sie­mens-Be­schäf­tig­ten in Deutsch­land un­ver­än­dert bei et­wa 119 000 blei­ben, weil an­de­rer­seits neue Stel­len auf­ge­baut wür­den. Auch welt­weit blei­be es bei et­wa 368 000 Ar­beits­plät­zen.

Auch die Bör­se hak­te den Stel­len­ab­bau als weit­ge­hend be­kannt ab. Die Ak­tie des größ­ten eu­ro­päi­schen Elek­tro­kon­zerns ver­lor im Ta­ges­ver­lauf ähn­lich wie der DAX knapp ein Pro­zent und blieb auch im eu­ro­pa­wei­ten Kurs­ver­gleich der In­dus­trie­kon­zer­ne im Mit­tel­feld.

Das Spar­pro­gramm hat­te der Kon­zern Mit­te 2012 ge­star­tet, um die Ren­di­te wie­der auf das Ni­veau der Kon­kur­ren­ten zu he­ben, und da­bei auch Stel­len­strei­chun­gen an­ge­kün­digt. Ei­ne kon­kre­te Zahl ließ der neue Kon­zern­chef Joe Ka­e­ser al­ler­dings zum ers­ten Mal über­ra­schend am Sonn­tag mit­tei­len. Mit dem Um­bau will Sie­mens die Kos­ten um jähr­lich 6,3 Mil­li­ar­den Eu­ro drü­cken. Ka­e­sers Vor­gän­ger Pe­ter Lö­scher hat­te im Ju­li ge­hen müs­sen, weil er die an­ge­streb­ten Ge­winn- und Mar­gen­zie­le ver­fehl­te.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 6. April 2016

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