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Som­mer­flau­te lässt Ar­beits­lo­sig­keit stei­gen - Sta­gna­ti­on er­war­tet

Trotz der üb­li­chen Som­mer­pau­se zeig­te sich der Ar­beits­markt im Ju­ni noch re­la­tiv ro­bust: Für die kom­men­den Mo­na­te er­war­tet die Bun­des­agen­tur je­doch ei­ne et­was ver­hal­te­ne­re Ent­wick­lung als zu­letzt. An ih­rer Pro­gno­se für das Ge­samt­jahr hält die Be­hör­de aber fest

31.07.2015. (dpa) - Nach ei­ner un­er­war­tet gu­ten Ent­wick­lung in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten könn­te der Auf­schwung auf dem deut­schen Job­markt in den kom­men­den Mo­na­ten an Tem­po ver­lie­ren.

Im Ju­li ver­pass­te die üb­li­che Som­mer­flau­te dem Ar­beits­markt mit ei­nem An­stieg der Er­werbs­lo­sig­keit um 61 000 auf 2,773 Mil­lio­nen be­reits ei­nen klei­nen Dämp­fer.

Über­ra­schend für Ex­per­ten: Auch sai­son­be­rei­nigt stieg die Ar­beits­lo­sig­keit deut­lich an.

Die Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) be­ur­teil­te den Job­markt bei der Vor­la­ge der jüngs­ten Sta­tis­ti­ken am Don­ners­tag in Nürn­berg den­noch wei­ter als ro­bust.

Für die nächs­ten drei Mo­na­te er­war­tet BA-Chef Frank-Jür­gen Wei­se aber nur ei­ne sta­bi­le und da­her auch nicht wirk­lich ver­bes­ser­te Ar­beits­markt­la­ge. Auch die For­scher vom Nürn­ber­ger In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung hat­ten den Ar­beits­markt zu­letzt wei­ter "in ru­hi­gem Fahr­was­ser" ge­se­hen. Um­ge­kehrt be­deu­te dies je­doch, dass es für ei­nen deut­li­chen Ab­bau der Ar­beits­lo­sig­keit der­zeit nicht rei­che. Ge­ra­de Lang­zeit­ar­beits­lo­se und Ge­ring­qua­li­fi­zier­te dürf­ten es da­her in den nächs­ten Mo­na­ten noch schwe­rer ha­ben als bis­her, ei­nen Job zu fin­den.

Den­noch ist die La­ge al­les an­de­re als schlecht: Für das Ge­samt­jahr er­war­tet die BA im Schnitt 2,79 Mil­lio­nen Ar­beits­lo­se. Soll­te es da­bei blei­ben, wä­re es der bes­te Jah­res­durch­schnitts-Wert seit der Er­he­bung der ge­mein­sa­men Zah­len nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung.

Auch im Ju­li gab es trotz Som­mer­flau­te und zahl­rei­cher in­ter­na­tio­na­ler Kri­sen mit 2,773 Mil­lio­nen so we­ni­ge Job­su­cher wie zu­letzt An­fang der 1990er-Jah­re. Die Ar­beits­lo­sen­quo­te leg­te zwar um 0,1 Punk­te auf 6,3 Pro­zent zu. Doch ge­mes­sen am Vor­jahr sank die Zahl der Er­werbs­lo­sen um 99 000.

Haupt­ur­sa­che für den An­stieg im Ver­gleich zum Ju­ni war laut Wei­se die Ar­beits­su­che jun­ger Men­schen, die sich nach ab­ge­schlos­se­ner Schul- oder Be­rufs­aus­bil­dung vor­über­ge­hend ar­beits­los mel­den. Zu­dem ver­schö­ben vie­le Be­trie­be Neu­ein­stel­lun­gen tra­di­tio­nell auf den Herbst. Dann wer­de die Zahl der Job­su­cher - wie in je­dem Jahr - auch wie­der deut­lich zu­rück­ge­hen, sag­te Wei­se. Ein wei­te­rer Grund für die Zu­nah­me im Ju­li: We­ni­ger Men­schen wa­ren in För­der­pro­gram­men.

Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) be­ur­teil­te die Ent­wick­lung auf dem Ar­beits­markt als gut und ver­wies auf die wei­ter­hin ho­he Nach­fra­ge nach Ar­beits­kräf­ten. Die Zahl der of­fe­nen Stel­len war im Ju­li er­neut auf nun­mehr 589 000 ge­stie­gen. "Die Ein­stel­lungs­be­reit­schaft der Un­ter­neh­men ist sehr hoch", sag­te auch BA-Chef Wei­se. Nah­les teil­te mit: "Das stärkt die Hoff­nung vie­ler Men­schen, die noch nicht in Be­schäf­ti­gung sind."

Auch die Zahl der Men­schen mit re­gu­lä­rem Job ist zu­letzt auf ho­hem Ni­veau wei­ter ge­wach­sen. Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) warn­te je­doch, die «re­la­tiv sta­bi­le Ar­beits­markt­la­ge» dür­fe kein po­li­ti­sches Ru­he­kis­sen sein. Die Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on soll­te ge­ra­de jetzt sinn­vol­le Än­de­run­gen in der Ar­beits­för­de­rung auf den Weg brin­gen, for­der­te DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach. Da­zu zäh­le ei­ne bes­se­re Ab­si­che­rung von kurz­zei­tig Be­schäf­tig­ten in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung.

Und auch für die Wei­ter­bil­dung von Men­schen im Hartz-IV-Be­zug müs­se die Bun­des­re­gie­rung deut­lich mehr Geld zur Ver­fü­gung stel­len, for­der­te DGB-Ar­beits­markt­ex­per­te Wil­helm Ada­my. Wer sich hier für ei­ne zwei­jäh­ri­ge Wei­ter­bil­dung ent­schei­de, sei fi­nan­zi­ell oft schlech­ter ge­stellt als ein Ein-Eu­ro-Job­ber. "Zu­dem muss die Ver­zah­nung der be­ruf­li­chen Hil­fen der Job­cen­ter und der so­zia­len Hil­fen der Kom­mu­nen ver­bes­sert wer­den - wie et­wa die Schuld­ner- und die psy­cho­so­zia­le Be­ra­tung." Ada­my for­der­te Durch­hal­te- und Ab­schluss­prä­mi­en auch bei Wei­ter­bil­dun­gen von Hartz-IV-Be­zie­hern.

Der Bun­des­ge­schäfts­füh­rer der Lin­ken, Mat­thi­as Höhn, sag­te, der "sta­bi­le Ar­beits­markt" sei nur ei­ne ge­schön­te For­mu­lie­rung. Die wirk­li­chen Pro­ble­me wie die un­ver­än­dert ho­he Zahl von et­wa ei­ner Mil­li­on Lang­zeit­er­werbs­lo­sen, die ho­he Zahl von Jobs mit ge­rin­ger Be­zah­lung so­wie un­ge­nü­gen­de An­ge­bo­te zur Qua­li­fi­zie­rung Ar­beits­lo­ser wür­den nicht an­ge­gan­gen.

Die ar­beits­markt­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen, Bri­git­te Poth­mer, kri­ti­sier­te, auch beim Ar­beits­markt­zu­gang von Asyl­be­wer­bern tue Nah­les zu we­nig. Die Ent­schei­dung des Ka­bi­netts vom Vor­tag, dass Prak­ti­ka nicht mehr ge­neh­migt wer­den müs­sen, rei­che bei wei­tem nicht aus. Denn an­schlie­ßen­de Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­se schei­ter­ten nach wie vor an ei­ner un­si­che­ren Blei­be­rechts­re­ge­lung, kri­ti­sier­te Poth­mer. Die Wirt­schaft for­der­te eben­falls ei­nen bes­se­ren Zu­gang für aus­län­di­sche Fach­kräf­te zum deut­schen Ar­beits­markt. Auch un­ter den Asyl­be­wer­bern sei­en vie­le, die kaum Chan­cen auf Asyl hät­ten, aber am Ar­beits­markt ge­braucht wür­den, sag­te Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer.

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Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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