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So­zi­al­ge­richt Ber­lin gibt kei­ne Ent­war­nung

Wie­der Tau­sen­de Hartz-IV-Kla­gen: Auch 2012 wur­den ca. 29.000 neue Kla­gen ein­ge­reicht

27.12.2012. Ber­lin (dpa) - Der Ak­ten­berg an Deutsch­lands größ­tem So­zi­al­ge­richt in Ber­lin wird nicht klei­ner.

"Wir sind ein ef­fi­zi­ent ar­bei­ten­des Ge­richt, doch die Flut an Hartz-IV-Kla­gen ebbt nicht we­sent­lich ab", sag­te Rich­ter Mar­cus Howe der Nach­rich­ten­agen­tur dpa. Bis En­de De­zem­ber wer­de die­ses Jahr mit et­wa 29.000 Kla­gen zur Ar­beits­markt­re­form ge­rech­net. 2011 wa­ren es eben­so vie­le.

"Wir müss­ten das Ge­richt für ein Jahr schlie­ßen, um die Kla­gen ab­zu­ar­bei­ten", sag­te Howe. Vie­le Be­trof­fe­ne wand­ten sich we­gen feh­ler­haf­ter Be­schei­de oder Un­tä­tig­keit der Job­cen­ter an das Ge­richt - et­wa, wenn An­trä­ge nicht in­ner­halb von sechs Mo­na­ten ent­schie­den wur­den.

Ber­lins Jus­tiz­se­na­tor Tho­mas Heil­mann (CDU) hat nun ge­mein­sam mit der Ar­beits­agen­tur und Ge­rich­ten ein Pro­gramm vor­ge­legt, mit dem die Hartz-IV-Kla­gen in den nächs­ten zwei Jah­ren um ein Vier­tel ge­senkt wer­den sol­len.

"Das ist ein am­bi­tio­nier­tes Ziel", sag­te Rich­ter Howe, der auch Pres­se­spre­cher des Ge­richts ist. Die Job­cen­ter hät­ten aber er­kannt, wie wich­tig Ge­sprä­che mit den Be­trof­fe­nen sei­en. Aus Sicht des So­zi­al­ge­richts wä­ren vie­le Kla­gen ver­meid­bar, wenn es in den Job­cen­tern we­ni­ger Bü­ro­kra­tie und mehr Zeit für den Ein­zel­fall gä­be.

Seit der Ar­beits­markt­re­form 2005 gin­gen laut Howe am So­zi­al­ge­richt der Haupt­stadt bis heu­te mehr als 160.000 Ver­fah­ren al­lein zur Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de (So­zi­al­ge­setz­buch II) ein. Den Höchst­stand ha­be es 2010 mit 30.400 Kla­gen ge­gen Ent­schei­dun­gen der Job­cen­ter ge­ge­ben.

Die Zahl der Rich­ter ha­be sich seit 2005 mehr als ver­dop­pelt. Der­zeit be­ar­bei­ten 70 Rich­ter aus­schließ­lich Hartz-IV-Kla­gen, die Ver­fah­ren dau­ern durch­schnitt­lich nicht län­ger als zehn Mo­na­te.

"Hier geht es oft um die Si­che­rung der Exis­tenz, das hat Vor­rang", be­ton­te Howe. Je­doch könn­ten sich da­durch an­de­re Ver­fah­ren et­wa zu Ren­ten ver­zö­gern. "Wir sind aber stolz, dass je­der Hartz-IV-Rich­ter mehr als 450 Fäl­le im Jahr er­le­digt - das ist bun­des­weit Spit­ze."

Viel Streit ha­be es bis­lang um die Kos­ten der Un­ter­kunft für Lang­zeit­ar­beits­lo­se ge­ge­ben, sag­te Howe. Ge­setz­lich ge­re­gelt ist, dass Mie­ten vom Job­cen­ter ge­tra­gen wer­den, so­lan­ge sie an­ge­mes­sen sind. "Ge­nau das war der Punkt, der un­ter­schied­lich aus­ge­legt wur­de."

Der rot-schwar­ze Se­nat ha­be aber Klar­heit ge­schaf­fen und Mit­te des Jah­res ei­ne Ver­ord­nung mit Miet­ober­gren­zen er­las­sen. Die Län­der dür­fen laut Howe aber erst seit kur­zem klar­stel­len­de Er­gän­zun­gen zu ein­zel­nen Punk­ten des Bun­des­ge­set­zes be­schlie­ßen. "Am Ber­li­ner So­zi­al­ge­richt macht sich die Neu­re­ge­lung erst all­mäh­lich be­merk­bar - wir hof­fen aber, dass es bald we­ni­ger Kla­gen zu Mie­ten ge­ben wird."

Häu­fi­ger Kon­flikt­punkt sei der­zeit, wie das Ein­kom­men von Selbst­stän­di­gen auf Hartz IV an­ge­rech­net wer­den soll. Ge­klagt wer­de auch von so­ge­nann­ten Auf­sto­ckern, die ar­bei­ten ge­hen, aber we­nig ver­die­nen und staat­li­che Leis­tun­gen da­zu­be­kom­men. "Die Be­rech­nung ist kom­pli­ziert und ziem­lich feh­ler­an­fäl­lig." Vier von fünf Fäl­len wer­den aber oh­ne Ur­teil ein­ver­nehm­lich ge­löst.

Zu den Hartz-IV-Ge­set­zen gab es laut Ge­richt seit der Ein­füh­rung schon mehr als 50 Än­de­run­gen. Die bun­des­weit rund sechs Mil­lio­nen Emp­fän­ger von Hartz-IV-Leis­tun­gen be­kom­men ab 2013 mo­nat­lich 5 bis 8 EUR mehr. Der Re­gel­satz für ei­nen Sing­le steigt von 374 auf 382 EUR.

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Letzte Überarbeitung: 7. Mai 2016

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