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So­zi­al­ver­bän­de: 15 Pro­zent Ar­me sind zu viel für ein rei­ches Land

Je schlech­ter die Bil­dung, des­to grö­ßer die Ge­fahr für Ar­mut: Wäh­rend die so­ge­nann­te Ar­muts­ge­fähr­dungs­quo­te in Deutsch­land im ver­gan­ge­nen Jahr sta­bil blieb, ver­schlech­ter­te sich die La­ge der Men­schen mit ge­rin­ger Bil­dung, vor al­lem im Os­ten

28.08.2015. (dpa) - 25 Jah­re nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung ist die Ge­fahr, in Ar­mut zu ge­ra­ten, im Os­ten Deutsch­lands im­mer noch viel hö­her als im Wes­ten.

Das Ver­ar­mungs­ri­si­ko lag 2014 in den neu­en Bun­des­län­dern plus Ber­lin bei 19,2 Pro­zent.

In den al­ten Bun­des­län­dern be­trug die Quo­te 14,5 Pro­zent, wie das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt am Don­ners­tag in Wies­ba­den be­rich­te­te.

"Da­mit war die Quo­te so­wohl in Ost- als auch in West­deutsch­land in den letz­ten zehn Jah­ren re­la­tiv sta­bil", sag­te De­sta­tis-Mit­ar­bei­ter Bernd Be­cker.

Im Bun­des­schnitt lag die Ar­muts­ge­fähr­dungs­quo­te 2014 bei 15,4 Pro­zent nach 15,5 im Jahr da­vor.

Als ar­muts­ge­fähr­det gel­ten laut EU-De­fi­ni­ti­on Men­schen, die mit we­ni­ger als 60 Pro­zent des mitt­le­ren Ein­kom­mens aus­kom­men müs­sen. Nach dem Mi­kro­zen­sus für 2014 sind das bei­spiels­wei­se Ein­per­so­nen­haus­hal­te, die we­ni­ger als 917 Eu­ro pro Mo­nat zur Ver­fü­gung ha­ben.

Da­bei ver­schlech­ter­te sich die La­ge der Men­schen mit ge­rin­ger Bil­dung: 2014 wa­ren 30,8 Pro­zent der schlecht qua­li­fi­zier­ten Ein­woh­ner Deutsch­lands über 25 Jah­re ar­muts­ge­fähr­det. 2005 traf das erst auf 23,1 Pro­zent zu. Im Os­ten lag die Quo­te in die­ser Grup­pe bei 37,5 Pro­zent (2005 bei 28,6 Pro­zent). Im Wes­ten be­trug sie 29,8 Pro­zent (2005 bei 22,3 Pro­zent). Ge­ring qua­li­fi­ziert sind laut De­fi­ni­ti­on Men­schen, die ma­xi­mal ei­nen Re­al­schul­ab­schluss, aber kei­ne Be­rufs­aus­bil­dung ha­ben.

Die So­zi­al­ver­bän­de fin­den die Zah­len zu hoch. Die am stärks­ten von Ar­mut be­trof­fe­nen Grup­pen sei­en Er­werbs­lo­se, Al­lein­er­zie­hen­de - und neu­er­dings Rent­ner, sag­te Ul­rich Schnei­der vom Pa­ri­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­band. "Po­li­tik und Öf­fent­lich­keit müs­sen sich end­lich der Tat­sa­che stel­len, dass ei­ne La­wi­ne der Al­ters­ar­mut auf uns zu­rollt."

"Wenn trotz Wirt­schafts­wachs­tum im­mer mehr Men­schen die Ar­muts­fal­le droht, geht es in un­se­rer Ge­sell­schaft nicht mit rech­ten Din­gen zu", be­fand Adolf Bau­er vom So­zi­al­ver­band Deutsch­land (SoVD). Lin­ken-Che­fin Kat­ja Kip­ping kri­ti­sier­te "ei­ne Po­li­tik, die se­hen­den Au­ges un­tä­tig hin­nimmt, dass sich in ei­nem rei­chen Land die Ar­mut ver­fes­tigt".

Die Ge­werk­schaf­ten hof­fen, dass sich der Min­dest­lohn bald po­si­tiv aus­wir­ken und das Ar­muts­ri­si­ko in den nächs­ten Jah­ren sin­ken wird. Der So­zi­al­ver­band VdK ist skep­tisch: "Der Min­dest­lohn al­lei­ne rich­tet es nicht. Pre­kä­re Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se wie Mi­ni­jobs so­wie Leih- und Zeit­ar­beit müs­sen ein­ge­dämmt wer­den", for­der­te VdK-Prä­si­den­tin Ul­ri­ke Ma­scher.

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Letzte Überarbeitung: 28. November 2016

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