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15/050a So­zi­al­ver­band: So viel Ar­me in Deutsch­land wie noch nie

Die Wirt­schaft brummt und noch nie hat­ten so vie­le Bür­ger ei­nen Job. Gleich­zei­tig gab es nach Be­rech­nun­gen ei­nes So­zi­al­ver­bands noch nie so vie­le Ar­me. Das er­nüch­tern­de Fa­zit: Von al­lein än­dert sich dar­an nichts

20.02.2015. (dpa) - In Deutsch­land gibt es laut Pa­ri­tä­ti­schem Wohl­fahrts­ver­band 12,5 Mil­lio­nen Ar­me - so vie­le wie nie seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung.

Zu­dem ver­grö­ßert sich der Ab­stand zwi­schen Arm und Reich im­mer wei­ter, so­wohl zwi­schen ein­zel­nen Re­gio­nen als auch den Ein­kom­mens­grup­pen.

Dies sag­te Haupt­ge­schäfts­füh­rer Ul­rich Schnei­der am Don­ners­tag in Ber­lin.

Nach dem Be­richt "Die zer­klüf­te­te Re­pu­blik" sind von Ar­mut vor al­lem Al­lein­er­zie­hen­de und Rent­ner be­trof­fen, aber auch vie­le Min­der­jäh­ri­ge.

Den höchs­ten An­teil ar­mer Men­schen ha­ben Bre­men, Ber­lin und Meck­len­burg-Vor­pom­mern.

Die Ar­mut klet­ter­te laut dem Be­richt von 15 Pro­zent im Jahr 2012 bin­nen ei­nes Jah­res auf 15,5 Pro­zent der Ge­samt­be­völ­ke­rung. Als arm stuft der Ver­band Men­schen in Haus­hal­ten mit we­ni­ger als 60 Pro­zent des Durch­schnitts­ein­kom­mens ein. Be­trof­fen ist man als Sing­le da­mit mit 892 Eu­ro und als Fa­mi­lie mit zwei Kin­dern mit 1873 Eu­ro im Mo­nat.

"Noch nie war die Ar­mut so hoch und noch nie war die re­gio­na­le Zer­ris­sen­heit so tief wie heu­te", sag­te Schnei­der. Der Bun­des­re­gie­rung warf Schnei­der vor, die La­ge zu be­schö­ni­gen. Tat­säch­lich sei die Ar­mut le­dig­lich in Sach­sen-An­halt und in Bran­den­burg leicht zu­rück­ge­gan­gen. Nö­tig sei­en un­ter an­de­rem ei­ne deut­li­che Er­hö­hung der Hartz-IV-Re­gel­sät­ze und ein mas­si­ver Aus­bau öf­fent­li­cher Be­schäf­ti­gung.

Ul­ri­ke Ma­scher, Prä­si­den­tin des So­zi­al­ver­bands VdK Deutsch­land, sag­te: "An­ge­sichts der gu­ten wirt­schaft­li­chen La­ge ist es pa­ra­dox, dass sich Ar­mut für be­stimm­te Be­völ­ke­rungs­grup­pen nicht nur ver­fes­tigt, son­dern der Stru­del so­gar noch wei­ter ab­wärts zieht."

Die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de (BDA) mach­te ei­ne an­de­re Rech­nung auf. Die obe­ren 25 Pro­zent der Steu­er­pflich­ti­gen zahl­ten hier­zu­lan­de mehr als drei Vier­tel der Lohn- und Ein­kom­men­steu­er. Dies kom­me ei­ner "Um­ver­tei­lung zu­guns­ten är­me­rer Be­völ­ke­rungs­grup­pen" gleich, er­klär­te der Ver­band. Im Un­ter­schied zu vie­len an­de­ren Län­dern lie­ge die Ein­kom­mensun­gleich­heit in Deutsch­land so­gar nied­ri­ger als zur Mit­te des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts.

Der Prä­si­dent der Volks­so­li­da­ri­tät, Wolf­ram Frie­ders­dorff, mein­te hin­ge­gen: "Der deut­li­che An­stieg der Ar­mut bei Al­lein­er­zie­hen­den und bei Rent­nern ist ei­ne kla­re War­nung an die Po­li­tik und Auf­for­de­rung, end­lich zu han­deln." Der Grü­nen-So­zi­al­po­li­ti­ker Wolf­gang Streng­mann-Kuhn fo­der­te: "Die Bun­des­re­gie­rung muss jetzt han­deln, um die so­zia­le Si­che­rung ar­muts­fest zu ma­chen."

Fäl­li­ge Steu­ern müss­ten auch tat­säch­lich ef­fek­tiv ein­ge­trie­ben wer­den, sag­te der Gie­ße­ner Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler und Ar­muts­for­scher Ernst-Ul­rich Hus­ter der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Dann kön­ne das Ver­mö­gen in Deutsch­land auch ge­rech­ter ver­teilt wer­den.

An­ne­lie Bun­ten­bach, DGB-Vor­stands­mit­glied, sag­te der dpa: "Wer Ar­mut be­kämp­fen will, muss vor al­lem den Ar­beits­markt auf­räu­men." Der ge­setz­li­che Min­dest­lohn dür­fe nicht mit dem Ar­gu­ment der Ver­mei­dung von Bü­ro­kra­tie un­ter­höhlt wer­den. "Pre­kä­re Ar­beit wie Leih­ar­beit und der Miss­brauch von Werk­ver­trä­gen muss zu­rück­ge­drängt wer­den."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 28. November 2016

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