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So­zi­al­ver­band: Am wach­sen­den Wohl­stand ha­ben im­mer we­ni­ger teil

Der Pa­ri­tä­ti­sche Ge­samt­ver­band malt ein düs­te­res Bild der so­zia­len La­ge in Deutsch­land: Er wirft der Po­li­tik Ta­ten­lo­sig­keit vor. Doch es gibt auch an­de­re Stim­men

25.04.2014. (dpa) - Der Pa­ri­tä­ti­sche Ge­samt­ver­band be­klagt ei­ne wach­sen­de so­zia­le Spal­tung in Deutsch­land.

In sei­nem am Don­ners­tag ver­öf­fent­lich­ten Jah­res­gut­ach­ten 2014 wirft der Ver­band der Po­li­tik Pas­si­vi­tät vor, "die bis­wei­len schon an so­zi­al­po­li­ti­sche Igno­ranz grenzt".

Die po­li­ti­schen Maß­nah­men so­wohl von Schwarz-Gelb als auch von Schwarz-Rot hät­ten so gut wie nichts da­zu bei­ge­tra­gen, den Trend ei­ner wach­sen­den so­zia­len Spal­tung zu än­dern.

Im Ge­gen­teil: "Im Jahr 2013 ins­ge­samt ist es klar schlim­mer ge­wor­den", re­sü­mier­te der Vor­sit­zen­de Rolf Ro­sen­brock.

Die Ar­muts­quo­te hat laut Gut­ach­ten mit 15,2 Pro­zent ei­nen Höchst­stand er­reicht. Da­bei sei­en Er­werbs­lo­se (59,3 Pro­zent) und Al­lein­er­zie­hen­de (41 Pro­zent) be­son­ders ar­muts­ge­fähr­det, so die Stu­die. Es ha­be noch nie so vie­le hoch ver­schul­de­te Men­schen in Deutsch­land ge­ge­ben, je­der zehn­te Er­wach­se­ne gel­te mitt­ler­wei­le als über­schul­det. Da­bei ge­be es so viel Pri­vat­ver­mö­gen wie nie zu­vor. "Deutsch­land stinkt ei­gent­lich vor Geld, es wird nur nicht rich­tig an­ge­wen­det", sag­te Ro­sen­brock.

Auf dem deut­schen Ar­beits­markt gibt es nach Ein­schät­zung des Ver­bands im­mer we­ni­ger klas­si­sche so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Voll­zeit-Jobs. "Gu­te Ar­beit" wer­de im­mer sel­te­ner, das so­ge­nann­te Nor­mal­ar­beits­ver­hält­nis sei im­mer we­ni­ger nor­mal, wird in dem Gut­ach­ten be­klagt. Es ha­be noch nie so vie­le Er­werbs­tä­ti­ge wie heu­te ge­ge­ben, aber auch noch nie mehr Mi­ni­jobs. Aber nicht Ar­beit um je­den Preis stär­ke den so­zia­len Zu­sam­men­halt, viel­mehr kön­ne die­ser nur wach­sen, wenn "gu­te Ar­beit" zu­neh­me.

Es ist das ers­te um­fas­sen­de Gut­ach­ten des Pa­ri­tä­ti­schen Ge­samt­ver­bands. Er will es künf­tig ein­mal im Jahr vor­le­gen und ver­steht es aus­drück­lich als Ge­gen­stück zum auf die Wirt­schaft aus­ge­rich­te­ten Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen­rats zur Be­gut­ach­tung der ge­samt­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung ("Wirt­schafts­wei­se").

An die gro­ße Ko­ali­ti­on ge­rich­tet hieß es, die Ren­te mit 63 sei ein Pri­vi­leg für lang­jäh­ri­ge Ver­si­cher­te über 50 und tra­ge nichts da­zu bei, Al­ters­ar­mut zu be­kämp­fen und die Kluft zwi­schen Arm und Reich zu schlie­ßen. Die Ein­füh­rung des Min­dest­lohns sei zu be­grü­ßen. Er sei aber auch kein In­stru­ment der Ar­muts­be­kämp­fung. Ei­nes der zen­tra­len Er­geb­nis­se des Gut­ach­tens ist dem­nach: Noch nie sei im ver­ei­nig­ten Deutsch­land die Span­ne zwi­schen Arm und Reich grö­ßer ge­we­sen.

Zah­len der Or­ga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD) von Mit­te März re­la­ti­vie­ren sol­che häu­fig ge­hör­ten Aus­sa­gen. "Deutsch­land, Ös­ter­reich und die Schweiz ste­hen im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich ver­schie­de­ner So­zia­lin­di­ka­to­ren gut da", hieß es bei der OECD. Die ver­füg­ba­ren Haus­halts­ein­kom­men sei­en in Deutsch­land in den ers­ten Jah­ren der Wirt­schafts- und Fi­nanz­kri­se (2007 bis 2010) stär­ker ge­wach­sen als die In­fla­ti­on.

Und die Ein­kom­mensun­gleich­heit sei in den drei Staa­ten ge­rin­ger als im Schnitt der OECD-Län­der: Der Ab­stand zwi­schen den zehn Pro­zent der Be­völ­ke­rung mit dem ge­rings­ten und den zehn Pro­zent mit dem höchs­ten Ein­kom­men sei in Deutsch­land mit dem Fak­tor 6,7 er­heb­lich klei­ner als im OECD-Mit­tel (Fak­tor 9,5).

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 28. November 2016

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