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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Streik, Streik: Kirche
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 8 Sa 788/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 13.01.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bielefeld, Urteil vom 03.03.2010, 3 Ca 2958/09
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.11.2012, 1 AZR 179/11
   

8 Sa 788/10  

3 Ca 2958/09 ArbG Bie­le­feld

 

Verkündet am 13.01.2011

Gre­watsch
Re­gie­rungs­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In dem Ver­fah­ren

hat die 8. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 13.01.2011
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Du­den­bos­tel
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ven­ne­wald und Horn

f ü r Recht er­kannt :

 

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Un­ter Zurück­wei­sung der kläger­sei­ti­gen An­schluss­be­ru­fung wird auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten das Ur­teil des ArbG Bie­le­feld vom 03.03.2010 – 3 Ca 2958/09 - ab­geändert:

Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

Die Kos­ten des Rechts­streits tra­gen die Kläger zu je 1/9.

Die Re­vi­si­on ge­gen das Ur­teil wird zu­ge­las­sen.

Der Streit­wert für den Be­ru­fungs­rechts­zug beträgt un­verändert 450.000 €.

T a t b e s t a n d

Mit ih­rer Kla­ge wen­den sich die Kläger zu 1 bis 4 als pri­vat­recht­lich or­ga­ni­sier­te dia­ko­ni­sche Ein­rich­tun­gen in Nord­rhein-West­fa­len und Nie­der­sach­sen, die Kläger zu 5, 7 und 8 als Re­präsen­tan­ten die­ser und wei­te­rer dia­ko­ni­scher Ein­rich­tun­gen so­wie die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len und die Evan­ge­lisch-lu­the­ri­sche Lan­des­kir­che Han­no­ver als Kläge­rin­nen zu 6 und 9 ge­gen die be­klag­te Ge­werk­schaft ver.di mit dem Ziel, die­ser den Auf­ruf ih­rer Mit­glie­der zu Maßnah­men des Ar­beits­kampfs und die Or­ga­ni­sa­ti­on und Durchführung von Kampf­maßnah­men un­ter­sa­gen zu las­sen.

Zur Be­gründung die­ses Kla­ge­ziels ma­chen die Kläger im We­sent­li­chen gel­tend, auf­grund der in Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 3 WRV ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Kir­chen­au­to­no­mie sei die Durchführung von Ar­beitskämp­fen im Be­reich der Dia­ko­nie grundsätz­lich aus­ge­schlos­sen. Viel­mehr ste­he für die Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen der sog. „Drit­te Weg" zur Verfügung, wel­cher an­stel­le ei­ner

 

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kon­fron­ta­ti­ven Aus­ein­an­der­set­zung um den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen und den hier­mit ver­bun­de­nen Be­ein­träch­ti­gun­gen der Wahr­neh­mung ca­ri­ta­ti­ver Auf­ga­ben ei­ne ein­ver­nehm­li­che Re­ge­lung bzw. bei feh­len­der Ei­ni­gung ei­ne Re­ge­lung durch un­abhängi­gen Sch­lich­ter­spruch vor­se­he und sich seit lan­gem bewährt ha­be. Nach­dem die Be­klag­te die Kläger zu 1 bis 4 zur Auf­nah­me von Ta­rif­ver­hand­lun­gen auf­ge­for­dert und für den Wei­ge­rungs­fall Maßnah­men des Ar­beits­kamp­fes an­ge­droht ha­be und es in den Ein­rich­tun­gen der Kläger zu1 bis 3 auch be­reits zu Ar­beits­nie­der­le­gun­gen ge­kom­men sei, sei­en die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Er­lass des be­an­trag­ten Un­ter­las­sungs­ge­bots erfüllt, wo­bei nicht al­lein den Klägern zu 1 bis 4, son­dern auch den wei­te­ren Klägern ein Un­ter­las­sungs­an­spruch aus ei­ge­nem Recht zu­ste­he.

Un­ter Be­zug­nah­me auf die Kla­ge­schrift und den Schrift­satz vom 23.02.2010 ha­ben die Kläger im ers­ten Rechts­zu­ge be­an­tragt

na­mens und im Auf­trag der Kläger zu 1 bis 3

1.a Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1. bis 3. zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1. bis 3. zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

Hilfs­wei­se zu 1.a.:

1.b Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1. bis 3. zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen der Klägers zu 1. bis 3. zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die Kläger zu 1. bis 3. mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den

 

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Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung sol­cher Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.

hilfs­wei­se zu 1.b.:

1.c. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1. bis 3. zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1. bis 3. zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die Kläger zu 1. bis 3. mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.

2. Der Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Zif­fer 1. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von € 250.000,00, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.

na­mens und im Auf­trag des Klägers zu 4

3.a. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4. zu

 

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Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 4. zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

Hilfs­wei­se zu 3.a:

3.b Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4. zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 4. zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit der Kläger zu 4. mit sei­nen nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung sol­cher Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart hat, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.

Hilfs­wei­se zu 3.b.:

3.c Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4. zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen der Klägers zu 4. zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit der Kläger zu 4. mit sei­nen nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher

 

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Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die AVR-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart hat.

4. Der Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Zif­fer 3. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von € 250.000,00, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.

na­mens und im Auf­trag der Klägers zu 5 und 6

5.a Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

Hilfs­wei­se zu 5.a.:

5.b Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und

 

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Chefärz­ten an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung von Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.

Hilfs­wei­se zu 5.b.:

5.c Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lap­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.

Hilfs­wei­se zu 5. c.:

5.d Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu Streiks, Warn­streiks und

 

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sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.

6. Dem Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Zif­fer 5. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von € 250.000,00, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.

na­mens und im Auf­trag des Klägers zu 7

7.a. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7. an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7. an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

 

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Hilfs­wei­se zu 7.a.:

7.b Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7. an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7. an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung von Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.

Hilfs­wei­se zu 7.b.:

7.c Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, wel­ches dem Kläger zu 7. an­gehört, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, das dem Kläger zu 7. an­gehört, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und

 

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Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.

Hilfs­wei­se zu 7. c.:

7.d. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, wel­ches dem Kläger zu 7. an­gehört, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, das dem Kläger zu 7. an­gehört, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.

8. Dem Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Zif­fer 5. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner

 

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Höhe von € 250.000,00, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.

na­mens und im Auf­trag der Kläger zu 8 und 9

9.a Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

Hilfs­wei­se zu 9.a.:

9.b Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung von Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.

 

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Hilfs­wei­se zu 9.b.:

9.c Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d. gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die AVR-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die Dienst­ver­trags­ord­nung-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.


Hilfs­wei­se zu 9. c.:

9.d Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen i.S.d.

 

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gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern – vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) – re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die AVR-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die Dienst­ver­trags­ord­nung-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.

10. Dem Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Zif­fer 9. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von € 250.000,00, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt

die Kla­ge ab­zu­wei­sen

Sie hat un­ter Hin­weis auf Art. 9 Abs. 3 GG ge­genüber dem ver­folg­ten Un­ter­las­sungs­an­spruch im We­sent­li­chen ein­ge­wandt, für ei­nen Aus­schluss des Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen feh­le es an ei­ner recht­li­chen Grund­la­ge, so­weit die Kir­che hier­bei auf die Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern auf ar­beits­ver­trag­li­cher Grund­la­ge zurück­grei­fe. Den be­son­de­ren An­for­de­run­gen des kirch­li­chen Diens­tes et­wa im Be­reich der Kran­ken­pfle­ge könne im Kon­flikt­fall – nicht an­ders als bei staat­li­chen Ein­rich­tun­gen der Da­seins­vor­sor­ge – durch den Ab­schluss ent­spre­chen­der Not­dienst­ver­ein­ba­run­gen Rech­nun­gen ge­tra­gen wer­den. Im Übri­gen hat die Be­klag­te vor­ge­tra­gen, die ge­stell­ten Anträge sei­en zum Teil aus pro­zes­sua­len Gründen un­zulässig.

Durch Ur­teil vom 03.03.2010 (Bl. 765 ff. d. A.), auf wel­ches we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Par­tei­vor­brin­gens - ins­be­son­de­re auch zur

 

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Rechts­stel­lung der ein­zel­nen Kläger und den hierfür maßgeb­li­che­ne Rechts­grund­la­gen - Be­zug ge­nom­men wird, hat das Ar­beits­ge­richt auf den Haupt­an­trag der Kläger zu 1 bis 3 die Be­klag­te sinn­gemäß zur Un­ter­las­sung von Kampf­auf­ru­fen und -maßnah­men ver­ur­teilt und der Be­klag­ten für den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ein Ord­nungs­geld an­ge­droht. Die Haupt­anträge der wei­te­ren Kläger hat das Ar­beits­ge­richt als nicht hin­rei­chend be­stimmt an­ge­se­hen und auf der Grund­la­ge der nach­ran­gig ver­folg­ten Hilfs­anträge dem Un­ter­las­sungs­be­geh­ren mit den an­trags­gemäßen Ein­schränkun­gen ent­spro­chen. Zur Be­gründung für den kla­ge­statt­ge­ben­den Teil der Ent­schei­dung hat das Ar­beits­ge­richt im We­sent­li­chen aus­geführt, die an­gekündig­ten Streik­maßnah­men der Be­klag­ten ge­genüber den Klägern zu 1 bis 3 und den wei­te­ren Trägern kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen sei­en rechts­wid­rig, da den Ge­werk­schaf­ten im Verhält­nis zur Kir­che und den Trägern kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen kein Streik­recht zu­ste­he. Das ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­te Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che und die hier­mit ver­bun­de­ne Be­fug­nis zu ei­genständi­ger Or­ga­ni­sa­ti­on und Ver­fah­rens­ge­stal­tung ge­bie­te die An­er­ken­nung und den Schutz des „Drit­ten We­ges". So­weit Art. 137 Abs. 3 WRV das Selbst­be­stim­mungs­recht der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten nur in den Schran­ken des all­ge­mei­nen Ge­set­zes gewähr­leis­te, gehöre hier­zu nicht das - ge­setz­lich nicht ge­re­gel­te - Streik­recht. Je­den­falls sei die Reich­wei­te der Hand­lungs­frei­heit der Ge­werk­schaft im Licht der Kir­chen­au­to­no­mie zu be­stim­men, wo­bei die Ge­samt­abwägung letzt­lich zum Vor­rang des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts führe. Hierfür spre­che zum ei­nen das Ge­bot der Ar­beits­kampf­pa­rität. Da die Kläger sat­zungs­recht­lich wie auch im Hin­blick auf die Glau­bens- und Sit­ten­leh­re das Kampf­mit­tel der Aus­sper­rung als un­zu­mut­bar ab­lehn­ten, sei im Fal­le ei­nes Streiks kei­ne Kampf­pa­rität gewähr­leis­tet. Auch wenn der Ver­zicht auf das Kampf­mit­tel der Aus­sper­rung auf ei­ner selbst gewähl­ten Be­schränkung be­ru­he, sei die­se doch als Aus­druck des ele­men­ta­ren kirch­li­chen Selbst­verständ­nis­ses zu re­spek­tie­ren. Ge­gen die Zulässig­keit von Streik­maßnah­men spre­che des Wei­te­ren auch der Grund­satz der christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft, wel­cher eben­falls als Aus­druck kirch­li­chen Selbst­verständ­nis­sens an­zu­se­hen sei. Auch die Ent­schei­dung der Kir­che, kei­ne Ta­rif­verträge ab­zu­sch­ließen, son­dern Ar­beits­be­din­gun­gen durch das Re­ge­lungs­ver­fah­ren des „Drit­ten We­ges" kon­sen­su­al zu ge­stal­ten, wer­de vom ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che um­fasst, zu­mal mit die­sem Weg ein hin­rei­chend ge­rech­tes Sys­tem zur Ge­stal­tung

 

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ar­beits­recht­li­cher Re­ge­lun­gen zur Verfügung ste­he. Al­lein die Tat­sa­che, dass Re­ge­lun­gen des „Drit­ten We­ges" nicht in je­der Hin­sicht mit Ta­rif­ab­schlüssen ver­gleich­bar und aus die­sem Grun­de bei der An­wen­dung ar­beits­recht­li­cher Ge­set­ze nicht durch­weg ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen gleich­ge­stellt sei­en, ände­re nichts dar­an, dass im We­sent­li­chen gleich­wer­ti­ge Durch­set­zungs-Chan­cen bei der Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen auf dem „Drit­ten Weg" bestünden. Sch­ließlich recht­fer­ti­ge auch die Ori­en­tie­rung der kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen an ge­meinnützi­gen mildtäti­gen Zwe­cken die An­er­ken­nung des „Drit­ten We­ges" in Ab­gren­zung zum Sys­tem von Ta­rif­ver­trag und Ar­beits­kampf. Al­lein der Um­stand, dass auch die Kläger ih­re Ein­rich­tun­gen un­ter Be­ach­tung der Grundsätze der Wirt­schaft­lich­keit führen müss­ten, recht­fer­ti­ge kei­ne Gleich­stel­lung mit rei­nen Wirt­schafts­un­ter­neh­men.

Mit ih­rer recht­zei­tig ein­ge­leg­ten und be­gründe­ten Be­ru­fung wen­det sich die Be­klag­te ge­gen die aus­ge­ur­teil­te Un­ter­sa­gung von Maßnah­men des Ar­beits­kamp­fes. Ne­ben pro­zes­sua­len Einwänden - be­tref­fend die Be­stimmt­heit der Kla­ge­anträge und zu be­an­stan­den­den Un­klar­hei­ten des Ur­teils­te­nors – so­wie dem Ein­wand, für das ver­folg­te Un­ter­las­sungs­be­geh­ren feh­le es schon an der sach­li­chen Vor­aus­set­zung der Erst­be­ge­hungs- oder Wie­der­ho­lungs­ge­fahr, wie­der­holt und ver­tieft die Be­klag­te ih­ren Stand­punkt zur Zulässig­keit von Maßnah­men des Ar­beits­kamp­fes im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bie­le­feld ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen

Die Kläger be­an­tra­gen

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie ver­tei­di­gen die ar­beits­ge­richt­li­che Ent­schei­dung un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ih­res Vor­brin­gens als zu­tref­fend und tre­ten ergänzend den mit der Be­ru­fung vor­ge­brach­ten pro­zes­sua­len Einwänden der Be­klag­ten ent­ge­gen. So­weit

 

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die Be­klag­te ge­genüber dem ver­folg­ten Un­ter­las­sungs­an­spruch den Ge­sichts­punkt feh­len­der Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ein­wen­de, ste­he dies in er­kenn­ba­rem Wi­der­spruch zu den Ausführun­gen in der Be­ru­fungs­be­gründung, in wel­cher die Be­klag­te selbst vor­tra­ge, dass in den Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1 bis 3 be­reits Ar­beits­nie­der­le­gun­gen statt­ge­fun­den hätten. In An­be­tracht der Tat­sa­che, dass un­strei­tig auch ge­genüber der Be­klag­ten zu 4 für den Fall der Wei­ge­rung, Ta­rif­ver­hand­lun­gen auf­zu­neh­men, Kampf­maßnah­men an­ge­droht wor­den sei­en, könne nicht zwei­fel­haft sein, dass die Ge­fahr ent­spre­chen­der Schrit­te auch ge­genüber den wei­te­ren Klägern be­ste­he.

Wei­ter le­gen die Kläger zu 4 bis 9 An­schluss­be­ru­fung ein, mit wel­cher sie zum ei­nen (Bl. 1240 ff. d. A.) die vom Ar­beits­ge­richt aus pro­zes­sua­len Gründen ab­ge­wie­se­nen Anträge zum Ge­gen­stand des Be­ru­fungs­ver­fah­rens ma­chen. Zu Un­recht ha­be das Ar­beits­ge­richt die ab­ge­wie­se­nen Anträge als nicht hin­rei­chend be­stimmt an­ge­se­hen. Zum an­de­ren (Bl. 1263 ff. d. A.) er­wei­tern die Kläger zu 1 bis 3 mit der An­schluss­be­ru­fung die erst­in­stanz­lich ver­folg­ten Anträge um wei­te­re Hilfs­anträge mit dem Ziel, den mit der Be­ru­fung vor­ge­tra­ge­nen Zulässig­keits­be­den­ken vor­sorg­lich Rech­nung zu tra­gen.

Die Kläger be­an­tra­gen im We­ge der An­schluss­be­ru­fung,

na­mens und im Auf­trag des Klägers zu 4.:

3.a. die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4. zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 4. zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

na­mens und im Auf­trag der Kläger zu 5. und 6.:

 

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5.a. die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Voll­mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Voll­mit­glie­der des Klägers zu 5. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

na­mens um im Auf­trag des Klägers zu 7.:

7.a. die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Voll­mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7. an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Voll­mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7. an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Wer­kes sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

na­mens und im Auf­trag der Kläger zu 8. und 9.:

9.a. Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Voll­mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Voll­mit­glie­der des Klägers zu 8. sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

 

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Fer­ner er­wei­tern die Kläger ih­re Anträge wie folgt:

Die Kläger zu 1. bis 3.

ver­fol­gen ih­re erst­in­stanz­lich ge­stell­ten Haupt- und Hilfs­anträge wei­ter und stel­len für den Fall, dass ih­re je­wei­li­gen Anträge zu 1. a. bis 1. c. im Be­ru­fungs­ver­fah­ren er­folg­los blei­ben, je­weils den fol­gen­den An­trag:

1.d. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1., bzw. 2., bzw. 3., in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist, zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. BAT-KF/MTArb-KF be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.

Der Kläger zu 4.

stellt für den Fall, dass die Anträge zu 3. a. und 3.c. im Be­ru­fungs­ver­fah­ren er­folg­los blei­ben, den fol­gen­den An­trag:

3.d. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4., in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist, zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen,
Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che

 

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Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.

Die Kläger zu 5. und 6. stel­len für den Fall, dass die Anträge zu 5. a. und 5. d. im Be­ru­fungs­ver­fah­ren er­folg­los blei­ben, je­weils den fol­gen­den An­trag:

5.e. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die
- in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind und
- de­ren Ar­beit­ge­ber Voll­mit­glied des Klägers zu 5. ist und
- in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EDK) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist, zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. BAT-KF/MtArb-KF be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.

Der Kläger zu 7. stellt für den Fall, dass die Anträge zu 7.a. und zu 7.d. im Be­ru­fungs­ver­fah­ren er­folg­los blei­ben, den fol­gen­den An­trag:

7.e. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die
- in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind und
- de­ren Ar­beit­ge­ber Voll­mit­glied ei­nes Dia­ko­ni­schen Wer­kes ist, wel­ches dem Kläger zu 7. an­gehört, und
- in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder

 

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des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist, zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. BAT-KF/MtArb-KF be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.

Die Kläger zu 8. und 9. stel­len für den Fall, dass die Anträge zu 9.a. und zu 9.d. im Be­ru­fungs­ver­fah­ren er­folg­los blei­ben, je­weils den fol­gen­den An­trag:

9.e. Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer die
- in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen i.S.v. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind und
- de­ren Ar­beit­ge­ber Voll­mit­glied des Klägers zu 8. ist und
- in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (AVR-DW-EKD) oder der AVR-Konförde­ra­ti­on oder der Dienst­ver­trags­ord­nung-Konförde­ra­ti­on, je­weils in der je­weils gel­ten­den Fas­sung, ver­ein­bart ist,

zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. AVR-Konförde­ra­ti­on bzw. Dienst­ver­trags­ord­nung-Konförde­ra­ti­on be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die An­schluss­be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Von der wei­te­ren Dar­stel­lung des Tat­be­stan­des wird gem. § 69 ArbGG ab­ge­se­hen.

 

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Ent­schei­dungs­gründe

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat Er­folg und führt un­ter Abände­rung des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils zu um­fas­sen­den Ab­wei­sung der Kla­ge. Aus den­sel­ben Gründen bleibt der An­schluss­be­ru­fung der Kläger der Er­folg ver­sagt.

A

Der Rechts­streit ist zur Ent­schei­dung reif, oh­ne dass es der Gewährung ei­ner wei­te­ren Schrift­satz­frist zwecks Er­wi­de­rung auf den Be­klag­ten­schrift­satz vom 03.01.2011 und zur Stel­lung­nah­me zu den Erörte­run­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt be­darf. In An­be­tracht des um­fang­rei­chen Par­tei­vor­brin­gens in bei­den Rechtszügen sind recht­li­che Ge­sichts­punk­te, wel­che der Ergänzung oder Ver­tie­fung bedürfen, nicht er­sicht­lich; so­weit ein­zel­ne Tei­le des Sach­ver­halts als strei­tig an­zu­se­hen sind, kommt es hier­auf aus den nach­fol­gen­den Gründen nicht an. Nach­dem die ge­gensätz­li­chen Rechts­auf­fas­sun­gen der Par­tei­en und der Stand­punkt der Kam­mer in der münd­li­chen Ver­hand­lung ausführ­lich erörtert wor­den sind, sich hier­bei kei­ne in Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur un­berühr­ten Fra­gen oder von den Par­tei­en et­wa über­se­he­ne Ge­sichts­punk­te ge­zeigt ha­ben und sich die be­reits schriftsätz­lich be­leg­te Ver­traut­heit der Par­tei­ver­tre­ter mit den für die Ent­schei­dung des Rechts­streits maßgeb­li­chen Fra­gen bestätigt hat, ist dem An­spruch der Par­tei­en auf Gewährung recht­li­chen Gehörs Genüge ge­tan.

B

Die frist­ge­recht ein­ge­leg­te und auch im Übri­gen zulässi­ge B e r u f u n g d e r Be­klag­ten ist be­gründet.

Wie die Aus­le­gung der von den Klägern zu 1 bis 9 zur Ent­schei­dung ge­stell­ten Kla­ge­anträge er­gibt, macht ein je­der der Kläger ei­nen ei­ge­nen, ge­gen die Be­klag­te ge­rich­te­ten Un­ter­las­sungs­an­spruch gel­tend. Auch wenn die Kläger ihr Be­geh­ren je­weils auf die glei­che recht­li­che An­spruchs­grund­la­ge (§§ 1004, 823 BGB) stützen,

 

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ma­chen we­der die Kläger sämt­lich noch – wie es nach der For­mu­lie­rung der Anträge zu 1 für die Kläger zu 1 bis 3 oder der Anträge zu 5 für die Kläger 5 und 6 so­wie der Anträge zu 8 für die Kläger zu 8 und 9 den An­schein ha­ben könn­te – ei­nen ge­mein­sa­men, den be­tref­fen­den Klägern als Ge­samtgläubi­ger zu­ste­hen­den Un­ter­las­sungs­an­spruch im We­ge der sub­jek­ti­ven Kla­gehäufung gel­tend. Viel­mehr liegt, wie sich aus dem – im Tat­be­stand des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils nicht wie­der­ge­ge­be­nen - je­wei­li­gen Ein­gangs­satz vor For­mu­lie­rung der Kla­ge­anträge er­gibt, die nach­fol­gen­den Anträge würden „na­mens und im Auf­trag der (je­weils be­zeich­ne­ten) Kläger" an­gekündigt, ei­ne Kom­bi­na­ti­on von sub­jek­ti­ver und ob­jek­ti­ver Kla­gehäufung vor, in­dem ein je­der Kläger ein ei­ge­nes, vom Kla­ge­be­geh­ren der übri­gen Kläger zu un­ter­schei­den­des Be­geh­ren ver­folgt. Auch so­weit et­wa die Anträge zu 1 „na­mens und im Auf­trag der Kläger zu 1 bis 3" ge­stellt wird und sich kläger­seits auf Ein­rich­tun­gen der Kläger 1 bis 3 be­zieht, liegt der Ge­dan­ke fern, die Kläge­rin zu 1 wol­le der Be­klag­ten ei­nen Streik auch bei den Kläge­rin zu 2 und 3 un­ter­sa­gen las­sen oder den Un­ter­las­sungs­an­spruch als Ge­samtgläubi­ger ne­ben den Klägern zu 2 und 3 gel­tend ma­chen. Ent­spre­chen­des gilt für die Anträge zu 5, wel­che na­mens der Kläger 5 und 6 ge­stellt sind und sich zwar auf Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 5 be­zie­hen, sei­tens der Kläge­rin zu 6 aber erklärter­maßen auf ei­nen ei­ge­nen Rechts­an­spruch gestützt wer­den. Auch für die na­mens der Kläger zu 8 und 9 ge­stell­ten Anträge zu 8 gilt er­kenn­bar nichts an­de­res. Wel­cher Kläger für sich wel­ches Kla­ge­ziel ver­folgt, lässt sich da­mit im We­ge der Aus­le­gung be­stim­men. Zu­gleich ist da­mit der Ein­wand der Be­klag­ten aus­geräumt, der den Klägern vom Ar­beits­ge­richt zu­ge­spro­che­ne Un­ter­las­sungs­an­spruch sei mehr­fach ti­tu­liert, so dass die Be­klag­te mehr­fa­cher Zwangs­voll­stre­ckung aus­ge­setzt sei. Viel­mehr sind auch bei der Aus­le­gung des vom Ar­beits­ge­richt er­las­se­nen Voll­stre­ckungs­ti­tels die vor­ste­hen­den Ge­sichts­punk­te zu berück­sich­ti­gen.

Ge­gen die Kom­bi­na­ti­on von sub­jek­ti­ver und Kla­gehäufung be­ste­hen kei­ne Be­den­ken. Da die Kläger je­weils gleich­ar­ti­ge Kla­ge­zie­le ver­fol­gen, oh­ne dass hier­mit ge­gensätz­li­cher Par­tei­vor­trag ver­bun­den ist, stellt es ei­ne bloße Fra­ge der Zweckmäßig­keit dar, ob die Kläger ih­re je­weils ei­genständi­gen Be­geh­ren in ge­trenn­ten Pro­zes­sen oder im Ge­wan­de ei­nes äußer­lich ein­heit­li­chen Ver­fah­rens gel­tend ma­chen. Da ein Fall ein­fa­cher Streit­ge­nos­sen­schaft vor­liegt, sind Zulässig­keit und Be­gründet­heit der Kla­gen je­weils ge­son­dert zu be­ur­tei­len.

 

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Der von der K l ä g e r i n z u 1 . ver­folg­te und vom Ar­beits­ge­richt zu­ge­spro­che­ne Un­ter­las­sungs­an­trag ist zulässig, aber un­be­gründet.

1. Ab­wei­chend vom Stand­punkt der Be­klag­ten be­ste­hen ge­gen die Be­stimmt­heit des Kla­ge­an­tra­ges und da­mit ge­gen sei­ne Zulässig­keit kei­ne Be­den­ken.

Ins­be­son­de­re be­steht kein Zwei­fel, wel­ches die­je­ni­gen „Ein­rich­tun­gen" sind, auf wel­che sich der Un­ter­las­sungs­an­trag be­zieht. Die­se sind in der Kla­ge­be­gründung wie auch im Tat­be­stand des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils kon­kret be­nannt. Da im Übri­gen die Zwangs­voll­stre­ckung nicht durch den – womöglich mit den Ge­ge­ben­hei­ten nicht ver­trau­ten – Ge­richts­voll­zie­her, son­dern durch das Voll­stre­ckungs­ge­richt er­folgt, be­ste­hen auch aus voll­stre­ckungs­recht­li­cher Hin­sicht kei­ne Un­klar­hei­ten.

So­weit die Be­klag­te wei­te­re be­griff­li­che Un­klar­hei­ten der Kla­ge­anträge be­an­stan­det, be­trifft dies nicht die Anträge der Kläge­rin zu 1.

2. Der ver­folg­te Un­ter­las­sungs­an­trag er­weist sich in­des­sen als un­be­gründet.

a ) Als Rechts­grund­la­ge für den ver­folg­ten Un­ter­las­sungs­an­spruch kom­men die Vor­schrif­ten der §§ 1004, 823 BGB in Be­tracht. Auch wenn die Kläge­rin zu 1 kein Ge­wer­be im Sin­ne des Ge­wer­be­rechts ver­folgt, steht auch Ein­rich­tun­gen oh­ne Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht ein gleich­ar­ti­ger, der Rechts­fi­gur des „ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­triebs" nach­ge­bil­de­ter de­lik­ti­scher und ne­ga­to­ri­scher Rechts­schutz zu (zum ge­meinnützi­gen DRK-Blut­spen­de­dienst LAG Hamm, 16.01.2007, 8 Sa 74/07, NZA-RR 2007,250 m.w.N.).

 

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b) Nach­dem die Be­klag­te un­strei­tig ge­genüber der Kläge­rin zu 1 be­reits Maßnah­men des Ar­beits­kampfs an­ge­droht und kurz­fris­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen ver­an­lasst hat, fehlt es auch nicht am Merk­mal der Erst­be­ge­hungs- oder Wie­der­ho­lungs­ge­fahr.

c) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin und ab­wei­chend vom Stand­punkt des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils sind An­dro­hung und Durchführung von Maßnah­men des Ar­beits­kamp­fes im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen nicht grundsätz­lich als rechts­wid­rig und da­mit un­zulässig an­zu­se­hen.

(1) Der von der Kläge­rin vor­ge­tra­ge­ne und vom Ar­beits­ge­richt ge­teil­te Stand­punkt ent­spricht der h. M. des ar­beits­recht­li­chen Schrift­tums (statt al­ler Ri­char­di, Ar­beits­recht in der Kir­che, 5. Aufl., § 10 II S. 161 ff; Thüsing, Kirch­li­ches Ar­beits­recht, § 3 B S. 139 ff.; Schlüter in Brox/Rüthers, Ar­beits­kampf­recht, 2. Aufl., Rn 546). Nach der ge­gen­tei­li­gen Auf­fas­sung (Bie­back in Däubler, Ar­beits­kampf­recht, 2. Aufl., Rn 498 ff., Ga­mill­scheg, Kol­lek­ti­ves Ar­beits­recht Bd. 1 S. 139 ff; Kühling, AuR 2001,241 ff.) ste­hen dem­ge­genüber auch im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen die Ge­stal­tungs­mit­tel von Ta­rif­ver­trag und Ar­beits­kampf zur Verfügung, so­weit die Kir­che sich bei der Durchführung ih­rer Auf­ga­ben auf den Ein­satz von Ar­beit­neh­mern stützt, wo­bei ar­beits­kampf­be­ding­te Be­hin­de­run­gen der ca­ri­ta­ti­ven Betäti­gung durch ge­eig­ne­te Not­dienst­re­ge­lun­gen ein­ge­schränkt wer­den sol­len. Nach ver­mit­teln­der Auf­fas­sung (Ot­to, Ar­beits­kampf- und Sch­lich­tungs­recht § 9 Rn 31; ders. in MünchArbR, 2. Aufl., § 285 Rn 219 an­ders jetzt MünchArbR/Ri­char­di, 3. Aufl., § 329 Rn 14 ; Kis­sel, Ar­beits­kampf­recht, § 28 Rn 36 ff.) soll sich der Aus­schluss von Maßnah­men des Ar­beits­kamp­fes nicht glei­cher­maßen auf sämt­li­che in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen täti­ge Ar­beit­neh­mer be­zie­hen, viel­mehr soll es für die Zulässig­keit von Maßnah­men des Ar­beits­kamp­fes dar­auf an­kom­men, in­wie­fern die Tätig­keit des Ar­beit­neh­mers den Kern- oder den Rand­be­reich der kirch­li­chen Tätig­keit be­trifft. Nach der Auf­fas­sung von Bel­ling (Fest­schrift 50 Jah­re Bun­des­ar­beits­ge­richt, S. 477, 488) gilt dies je­den­falls für sol­che Be­rei­che kirch­li­cher Betäti­gung, wel­che oh­ne Be­zug zum „Dienst am Nächs­ten" primär wirt­schaft­li­chen Zie­len die­nen wie die Be­schaf­fung von Sach­leis­tun­gen, den Ver­kauf von Wirt­schaftsgütern oder den Be­trieb ei­ner kirch­li­chen Dar­lehns­ge­nos­sen­schaft. Maßgeb­lich nach der ver­mit­teln­den An­sicht soll da­nach sein, ob der Verkündungs­auf­trag der Kir­che oder der ca­ri­ta­ti­ve Auf­trag der kirch­li­chen Ein­rich­tung durch ei­nen Ar­beits­kampf kon­kret

 

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gefähr­det wird, wes­we­gen - wie auch bei der Kündi­gung von Be­lang - zwi­schen ver­schie­de­nen Tätig­keits­be­rei­chen und Auf­ga­ben zu un­ter­schei­den sei (Ot­to, a.a.O., Kis­sel, a.a.O. Rn 39).

(2) Die von der h. M. vor­ge­tra­ge­nen Gründe sind nach dem Stand­punkt der Kam­mer im Er­geb­nis nicht ge­eig­net, jed­we­den auf Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ge­rich­te­ten Streiks im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen als rechts­wid­ri­gen Ein­griff ein­zu­stu­fen. Dies gilt kon­kret auch für die von der Kläge­rin zu 1 be­trie­be­nen Kran­kenhäuser.

Auch un­ter Berück­sich­ti­gung der ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Au­to­no­mie der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten so­wie der kirch­lich ge­prägten Ei­gen­hei­ten und be­son­de­ren Auf­ga­ben­stel­lung der von der Kläge­rin zu 1 be­trie­be­nen Ein­rich­tun­gen geht ein vollständi­ger Aus­schluss von Ar­beits­kampf­maßnah­men, wel­cher auch Ar­beit­neh­mer in Rand­be­rei­chen und Hilfs­funk­tio­nen des Kran­ken­haus­be­triebs um­fas­sen soll, über das recht­lich ge­bo­te­ne Maß hin­aus und führt da­mit zu ei­ner übermäßigen Be­ein­träch­ti­gung der eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich gestütz­ten Rechts­po­si­ti­on der Be­klag­ten und ih­rer bei der Kläge­rin zu 1 als Ar­beit­neh­mer beschäftig­ten Mit­glie­der – nach­fol­gend (a). Zum an­de­ren kann der „Drit­te Weg", wel­cher im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen an die Stel­le von Ta­rif­ver­trag und Ar­beits­kampf tre­ten und ei­ne kon­sen­sua­le Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen ermögli­chen soll, in sei­ner ge­genwärti­gen Aus­prägung nicht als ge­eig­net an­ge­se­hen wer­den, der Ar­beit­neh­mer­sei­te ver­gleich­ba­re Chan­cen zur Durch­set­zung ih­rer For­de­run­gen zu ver­mit­teln, wie sie im außer­kirch­li­chen Be­reich auf der Grund­la­ge des staat­li­chen Ar­beits­rechts mit Ta­rif­ver­trag und Ar­beits­kampf zur Verfügung ste­hen – nach­fol­gend (b).

(a) Ab­wei­chend vom Stand­punkt der Kläger recht­fer­tigt das ver­fas­sungs­recht­lich verbürg­te Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen je­den­falls kei­nen vollständi­gen Aus­schluss von Ar­beits­kampf­maßnah­men im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen oh­ne Un­ter­schei­dung da­nach, in­wie­fern durch den kampf­be­ding­ten Ar­beits­aus­fall der in christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­te „Dienst am Nächs­ten" un­mit­tel­bar be­ein­träch­tigt wird oder der kirch­li­che Ar­beit­ge­ber al­lein im Be­reich von Hilfs­funk­tio­nen (Haus­dienst, Zah­lungs­we­sen) durch ar­beits­or­ga­ni­sa­to­ri­sche

 

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Er­schwe­run­gen und Zufügung von fi­nan­zi­el­len Nach­tei­len zu ei­nem Ein­len­ken und Ein­ge­hen auf die er­ho­be­nen For­de­run­gen ver­an­lasst wer­den soll.

(aa) Recht­li­cher An­satz­punkt für die Be­ur­tei­lung der Rechtmäßig­keit von Ar­beits­kampf­maßnah­men im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen ist das in Art. 140 GG i.V.m. § 137 WRV ga­ran­tier­te Recht der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, ih­re An­ge­le­gen­hei­ten in­ner­halb der Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes selbständig zu ord­nen und ver­wal­ten. Die so be­gründe­te Au­to­no­mie kommt ne­ben der ver­fass­ten Kir­che auch den kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen zu.

(aaa) Da nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfGE 70, 138 = AP Nr. 24 zu Art. 140 GG) bei der Aus­le­gung des Be­griffs „des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes" dem Selbst­verständ­nis der re­li­giösen oder welt­an­schau­li­chen Ge­mein­schaft be­son­de­res Ge­wicht zu­kommt und dem­ent­spre­chend das Selbst­be­stim­mungs­recht der Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten nur durch sol­che Ge­set­ze be­schränkt ist, wel­che für die­se „die­sel­be Be­deu­tung ha­ben wie für je­der­mann" (BVerfGE 66, 20), er­gibt sich zwangsläufig ein Span­nungs­verhält­nis zwi­schen Kir­chen­au­to­no­mie und eben­falls ver­fas­sungs­recht­lich verbürg­ter Ko­ali­ti­ons­frei­heit gemäß Art. 9 Abs. 3 GG, oh­ne dass es dar­auf an­kommt, ob es sich in­so­weit um ei­nen Grund­rechts­kon­flikt han­delt oder Art. 140 GG als staats­recht­li­che Kol­li­si­ons­re­gel auf­zu­fas­sen ist (Thüsing, a.a.O. S. 13; Ri­char­di/Thüsing, AuR 2002, 94, 96 f.). Die Auflösung die­ses Span­nungs­verhält­nis­ses führt zwar, wie im Fol­gen­den aus­zuführen ist, zu not­wen­di­gen Ein­schränkun­gen des Ar­beits­kamp­fes im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen, oh­ne dass an­de­rer­seits die An­er­ken­nung des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts und die hier­aus her­ge­lei­te­ten Grundsätze der „christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft" ei­nen vollständi­gen Aus­schluss des Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts er­for­der­lich ma­chen und da­mit recht­fer­ti­gen können.

(bbb) So­weit dem­ge­genüber die Be­klag­te mit ih­ren Ausführun­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richts vor­ran­gig auf ei­nen Grund­rechts­kon­flikt zwi­schen kol­lek­ti­ver Re­li­gi­ons­frei­heit der Kir­chen und in­di­vi­du­el­ler Re­li­gi­ons­frei­heit der beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer ver­weist und hier­in ei­nen An­satz­punkt zur Auflösung des dar­ge­stell­ten Span­nungs­verhält­nis­ses se­hen will,

 

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über­zeugt dies nicht. Rich­tig ist zwar, dass der Kir­che und ih­ren Ein­rich­tun­gen die in Art. 4 GG ge­nann­ten Frei­hei­ten und Gewähr­leis­tun­gen zu­ste­hen, wie auch die in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer sich auf ent­spre­chen­de in­di­vi­du­el­le Rech­te be­ru­fen können. Gleich­wohl han­delt es sich nicht um ei­nen Kon­flikt zwi­schen kol­lek­ti­ver und in­di­vi­du­el­ler Glau­bens­frei­heit. Die Be­klag­te wie auch die streik­wil­li­gen Ar­beit­neh­mer neh­men, in­dem sie für sich das Recht zur Durchführung von Ar­beits­kampf­maßnah­men re­kla­mie­ren, nicht ih­re Glau­bens- und Ge­wis­sens­frei­heit wahr, wel­che von der Kir­che oder vom kirch­li­chen Ar­beit­ge­ber auf­grund ab­wei­chen­der re­li­giöser Über­zeu­gun­gen in Fra­ge ge­stellt wird. Eben­so we­nig geht es um ei­nen „Glau­bens­kampf" in dem Sin­ne, der Kir­che und ih­ren Ein­rich­tun­gen ein ab­wei­chen­des Verständ­nis von Glau­bens­in­hal­ten oder ei­ner Be­schränkung ih­res Au­to­no­mie­an­spruchs ab­zu­rin­gen. Ge­gen­stand und Ziel der von der Be­klag­ten or­ga­ni­sier­ten und von den Klägern ab­zu­weh­ren­den Maßnah­men ist viel­mehr die Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen, für wel­che sich die Be­klag­te auf Art. 9 Abs. 3 GG stützen kann. Al­lein der Um­stand, dass durch Maßnah­men des Ar­beits­kampfs die Ar­beits­abläufe in den be­trof­fe­nen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen gestört und da­mit – je­den­falls nach kirch­li­chem Verständ­nis – der in re­li­giöser Über­zeu­gung ge­leis­te­te „Dienst am Nächs­ten" be­ein­träch­tigt wird, kann ei­nen Kon­flikt zwi­schen kol­lek­ti­ver und in­di­vi­du­el­ler Re­li­gi­ons­frei­heit nicht be­gründen. Eben­so we­nig führt der Hin­weis auf den Grund­rechts­kon­flikt im Be­reich der Be­rufs­frei­heit von Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer wei­ter. Erst die Ei­gen­hei­ten der Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern im Dienst der Kir­che be­gründen das hier maßgeb­li­che Span­nungs­verhält­nis zwi­schen Kir­chen­au­to­no­mie und Ko­ali­ti­ons­frei­heit.

(ccc) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläger­sei­te kann das dar­ge­stell­te Span­nungs­verhält­nis und die Not­wen­dig­keit ei­nes scho­nen­den Aus­gleichs nicht schon mit der Be­gründung in Ab­re­de ge­stellt wer­den, das von der Be­klag­ten re­kla­mier­te Streik­recht sei nicht als „all­ge­mei­nes Ge­setz" im Sin­ne des Art 137 Abs. 3 WRV an­zu­se­hen, da es al­lein auf Richter­recht be­ru­he und nicht in ei­nem förm­li­chen Par­la­ments­ge­setz ge­re­gelt sei (in die­sem Sin­ne Ri­char­di a.a.O., § 10 Rn 10; ders., NZA 2002, 929, 931). In Be­zug auf den Zweck der Re­ge­lung, das Selbst­be­stim­mungs­recht der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ge­genüber der staat­li­chen Ord­nung ab­zu­gren­zen, er­scheint zwei­fel­haft, aus wel­chem Grun­de hier­zu al­lein auf „for­mel­le Ge­set­ze" ab­zu­stel­len sein soll mit der Fol­ge, dass sämt­li­che Rechts­re­geln,

 

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wel­che man­gels ge­setz­ge­be­ri­schen Han­delns aus Gründen des Rechtsgüter­schut­zes von den Ge­rich­ten in zulässi­ger und vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ge­bil­lig­ter Rechts­fort­bil­dung ent­wi­ckelt wer­den muss­ten, bei der Ab­gren­zung von Kir­chen­au­to­no­mie und staat­li­cher Ord­nung un­berück­sich­tigt blei­ben sol­len. Näher liegt ein Be­griffs­verständ­nis des „all­ge­mei­nen Ge­set­zes" im Sin­ne der ge­sam­ten staat­li­chen Ord­nung, an wel­che auch die Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten un­ter Be­ach­tung der Glau­bens­frei­heit ge­bun­den sein sol­len. Auch nach v. Cam­pen­hau­sen (Staats­kir­chen­recht, 3. Aufl., § 14 II, S.114 ff.) ist der Be­griff des „für al­le gel­ten­den Ge­set­zes" im Sin­ne des Art. 137 WRV in­halt­lich zu be­stim­men, oh­ne dass der Ge­sichts­punkt des „förm­li­chen Ge­set­zes" Erwähnung fin­det. Un­abhängig hier­von lässt sich das be­ste­hen­de Span­nungs­verhält­nis schon des­halb nicht mit ei­nem feh­len­den förm­li­chen Streik­ge­setz be­gründen, weil je­den­falls der Ver­fas­sungs­norm des Art.9 Abs. 3 GG der Cha­rak­ter als „all­ge­mei­nes Ge­setz" nicht ab­ge­spro­chen wer­den kann und da­mit auch die Kir­che mit ih­ren Ein­rich­tun­gen den Be­schränkun­gen des Art. 9 Abs. 3 Satz 2 un­ter­liegt. So­weit dem­ge­genüber Ri­char­di (a.a.O.) ausführt, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ha­be zwar für die Aus­ge­stal­tung des Ar­beits­kampf­rechts und der An­er­ken­nung von Streik und Aus­sper­rung auf das Er­for­der­nis ei­nes for­mel­len Ge­set­zes ver­zich­tet, für das Verhält­nis von Staat und Kir­che sei dem­ge­genüber ei­ne Re­ge­lung durch for­mel­les Ge­setz un­ab­ding­bar, da das Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen nur durch die Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes be­grenzt wer­de, kann hier­in kein Ar­gu­ment mit ei­genständi­gem Ge­halt ge­se­hen wer­den. Rich­tig ist zwar, dass dann, wenn der Staat ei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung für den Ar­beits­kampf träfe, zu prüfen wäre, in­wie­fern die­se dem für al­le gel­ten­den Ge­setz ent­spricht und die Kir­che nicht an­ders als die ge­set­zes­un­ter­wor­fe­nen Pri­vat­rechts­sub­jek­te trifft. Aus wel­chem Grun­de ei­ne sol­che Prüfung nicht auch für die von der Recht­spre­chung - an­stel­le des feh­len­den Ge­set­zes­rechts - auf­ge­stell­ten und vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als zulässi­ge Aus­ge­stal­tung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit ge­bil­lig­ten Rechts­grundsätze möglich sein soll­te, ist nicht zu er­ken­nen. Ei­ne Ver­schie­bung der Gren­zen zwi­schen dem Selbst­be­stim­mungs­recht der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten und der Reich­wei­te des Schran­ken­vor­be­halts ist mit der An­for­de­rung an ein for­mel­les Ge­setz oder mit dem Ver­zicht auf die­ses Er­for­der­nis nicht ver­bun­den. Das Zu­gangs­recht be­triebs­frem­der Ge­werk­schafts­ver­tre­ter zu kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zwar we­gen feh­len­der ge­setz­li­cher Grund­la­ge, nicht

 

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hin­ge­gen des­halb ver­neint, weil ein sol­ches Recht zwar von Ver­fas­sungs­we­gen an­zu­er­ken­nen, je­doch nicht vom Par­la­ment als förm­li­ches Ge­setz ver­ab­schie­det wor­den sei. Viel­mehr hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Her­lei­tung ei­nes der­ar­ti­gen Zu­tritts­rechts aus Art. 9 Abs. 3 GG in der Sa­che ver­neint (zu­tr. Kühling AuR 2001, 247).

(bb) Kann da­nach ein Span­nungs­verhält­nis zwi­schen Kir­chen­au­to­no­mie und Ko­ali­ti­ons­frei­heit aus den vor­ste­hen­den Gründen nicht in Ab­re­de ge­stellt wer­den, be­darf es, so­fern nicht ei­ne der Grund­rechts­po­si­tio­nen ab­so­lu­ten Vor­rang zu be­an­spru­chen hat, ei­nes möglichst scho­nen­den Aus­gleichs nach den Grundsätzen prak­ti­scher Kon­kor­danz mit dem Ziel, Be­schränkun­gen der ei­nen Po­si­ti­on durch die an­de­re nur in­so­weit zu­zu­las­sen, wie dies dem Maßstab der Er­for­der­lich­keit ent­spricht.

Un­zwei­fel­haft han­delt es sich bei der Aus­ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen der in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer nicht um ei­ne rein „in­ner­kirch­li­che An­ge­le­gen­heit". An­de­rer­seits führt al­lein der Um­stand, dass sich die Kir­chen und die Kläge­rin zu 1 als kirch­li­che Ein­rich­tung bei ih­rer ca­ri­ta­ti­ven Betäti­gung nicht auf die Beschäfti­gung von Or­dens­mit­glie­dern oder Kir­chen­be­am­ten be­schränken, son­dern – wie an­de­re Pri­vat­rechts­sub­jek­te – als Grund­la­ge der Beschäfti­gung die Rechts­form des Ar­beits­verhält­nis­ses wählen, nicht da­zu, dass schon aus die­sem Grun­de für die Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten des kirch­li­chen Diens­tes kei­ne Grund­la­ge be­steht und das Selbst­be­stim­mungs­recht der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten zurück­zu­tre­ten hat. Wie be­reits aus­geführt, ist bei der Aus­le­gung des Be­griffs des „für al­le gel­ten­den Ge­set­zes" dem Selbst­verständ­nis der Kir­chen Rech­nung zu tra­gen. Al­lein der Um­stand, dass auf die Ar­beits­verhält­nis­se der Beschäftig­ten staat­li­ches Recht An­wen­dung fin­det, den beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern das Grund­recht aus Art. 9 Abs. 3 GG zu­steht und auch die Be­klag­te ih­rer­seits den Grund­rechts­schutz des Art. 9 Abs. 3 GG im Verhält­nis zur Kir­che und ih­ren Ein­rich­tun­gen be­an­spru­chen kann, ver­mag da­mit noch kei­nen ab­so­lu­ten Vor­rang der Ko­ali­ti­ons­frei­heit zu be­gründen. Hier­aus folgt die Not­wen­dig­keit, die bei­der­seits be­trof­fe­nen Grund­rechts­po­si­tio­nen im Sin­ne „prak­ti­scher Kon­kor­danz" bei der Be­ant­wor­tung der hier auf­ge­wor­fe­nen Rechts­fra­gen zu berück­sich­ti­gen (BVerfGE 70, 138 ff. – ju­ris Rn 59). Al­lein durch die Wahl der Rechts­form der

 

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Beschäfti­gung – der Be­gründung von Ar­beits­verhält­nis­sen – ändert sich nichts dar­an, dass nach dem Selbst­verständ­nis der Kir­che die kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen wie auch die hier beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer auf der Grund­la­ge christ­li­cher Über­zeu­gung „Dienst am Nächs­ten" leis­ten, an­de­rer­seits den in den kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen täti­gen Ar­beit­neh­mern und der be­klag­ten Ge­werk­schaft das Grund­recht der Ko­ali­ti­ons­frei­heit verbürgt ist.

(cc) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin ist das dar­ge­stell­te Span­nungs­verhält­nis nicht schon des­halb im Sin­ne ei­nes um­fas­sen­den Ver­bots von Ar­beits­kampf­maßnah­men im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen auf­zulösen, weil die Kir­che aus Glau­bens­gründen das Kampf­mit­tel der Aus­sper­rung ab­leh­ne, sich ge­gen das „ant­ago­nis­ti­sche Kon­flikt­mo­dell" des Ar­beits­kampfs so­wie die hier­mit ver­bun­de­ne Spal­tung der Beschäftig­ten in strei­ken­de und nicht strei­ken­de Beschäftig­te ent­schie­den und statt des­sen mit dem „Drit­ten Weg" ein Ver­fah­ren zur ein­ver­nehm­li­chen Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen ge­schaff­ten ha­be, weil al­lein die­ses mit dem We­sen der Dienst­ge­mein­schaft ver­ein­bar sei.

(aaa) Könn­te al­lein ei­ne der­ar­ti­ge Wil­lens­ent­schei­dung, auch wenn sie in Kir­chen­ge­set­zen oder Sat­zun­gen förm­lich nie­der­ge­legt wird, den Gel­tungs­be­reich des Selbst­be­stim­mungs­rechts und die Reich­wei­te des die­ses be­schränken­den „all­ge­mei­nen Ge­set­zes" ver­bind­lich fest­le­gen, lie­fe dies auf die An­er­ken­nung ei­ner „Kom­pe­tenz-Kom­pe­tenz" hin­aus und würde da­mit die Ab­gren­zung staat­li­chen und kirch­li­chen Rechts ein­sei­tig den Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten über­las­sen (Kühling, AuR 2001, 241, 243). Ein sol­ches Verständ­nis lässt sich den ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­la­gen der Kir­chen­au­to­no­mie nicht ent­neh­men. Viel­mehr un­ter­liegt die Be­ur­tei­lung, in­wie­weit die all­ge­mei­nen Ge­set­ze für die Kir­chen die­sel­be Be­deu­tung wie für je­der­mann be­sit­zen oder aber den Ei­gen­hei­ten des kirch­li­chen Diens­tes in be­son­de­rer Wei­se Rech­nung zu tra­gen ist, der Be­ur­tei­lung durch die staat­li­chen Ge­rich­te, wo­bei frei­lich dem kirch­li­chen Selbst­verständ­nis Be­ach­tung zu schen­ken ist, oh­ne die­sem aber ab­so­lu­ten Vor­rang ein­zuräum­en (Jar­ras/Pie­roth, 10. Aufl., Art. 140 GG Rn 9). Mit der An­er­ken­nung der kirch­li­chen Ent­schei­dungs­frei­heit, au­to­nom zu be­stim­men, wel­che kirch­li­chen Ge­bo­te wel­che Be­deu­tung für den In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses zu­kom­men soll und in­wie­fern ein Ver­s­toß ge­gen so be­gründe­te Grund­pflich­ten als nicht hin­nehm­ba­rer Ver­s­toß ge­gen Re­geln der „christ­li­chen

 

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Dienst­ge­mein­schaft" an­zu­se­hen ist (BVerfGE a.a.O. Rn 59) geht nicht die Kom­pe­tenz ein­her, un­ter Aus­schal­tung der ge­richt­li­chen Kon­trol­le be­stimm­ten, nach kirch­li­chem Verständ­nis als sinn­voll er­ach­te­ten, sach­lich ge­bo­te­nen oder je­den­falls aus Gründen des Selbst­be­stim­mungs­rechts von der staat­li­chen Rechts­ord­nung hin­zu­neh­men­den Aus­ge­stal­tun­gen des kirch­li­chen Diens­tes den Cha­rak­ter von Glau­benssätzen bei­zu­mes­sen. Die Ent­schei­dung der Kir­che und ih­rer Ein­rich­tun­gen, das Mit­tel der Aus­sper­rung als sol­ches ab­zu­leh­nen, ist da­nach nicht schon des­halb von dem er­for­der­li­chen Abwägungs­pro­zess aus­zu­neh­men, weil et­wa dies­bezügli­che Glau­bens­in­hal­te in Re­de ste­hen. Hier­von zu un­ter­schei­den ist die Fra­ge, ob Ar­beits­kampf­maßnah­men ein­sch­ließlich der Aus­sper­rung des­halb (bzw. in­so­weit) aus­zu­sch­ließen sind, weil an­sons­ten der kirch­li­che Auf­trag zum „Dienst am Nächs­ten" nicht hin­zu­neh­men­de Ein­schränkun­gen erfährt. Ein ge­willkürter Aus­schluss von Ar­beits­kampf­maßnah­men ist dem­ge­genüber nicht vom Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che ge­deckt.

(bbb) So­weit sich dem­ge­genüber die Kläge­rin dar­auf be­ruft, ih­re Ent­schei­dung, auf die Aus­sper­rung als Mit­tel zur Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen zu ver­zich­ten, sei Aus­druck re­li­giöser Über­zeu­gung und da­her aus Gründen der Re­li­gi­ons­frei­heit hin­zu­neh­men, oh­ne dass es ei­ner Abwägung mit an­geb­lich kol­li­die­ren­den Grund­rechts­po­si­tio­nen der Be­klag­ten bedürfe, kann sich die Kam­mer die­sem Stand­punkt nicht an­sch­ließen. Soll nicht die ge­richt­li­che Über­prüfung leer­lau­fen, be­darf es kon­kre­ten Sach­vor­trags und der Be­nen­nung von Glau­benssätzen, wel­cher die staat­li­chen Ge­rich­te in die La­ge ver­setzt, die be­an­spruch­te Re­li­gi­ons­frei­heit von Erwägun­gen ab­zu­gren­zen, mit wel­chen aus an­de­ren als re­li­giösen Gründen die Bin­dung an die „all­ge­mei­nen Ge­set­ze" ver­neint wer­den soll (Kühling, AuR 2001, 246 un­ter Hin­weis auf BVerfGE 70, 167 f.). Nicht je­der nach­voll­zieh­ba­re Wunsch nach Frei­heit von staat­li­cher Ord­nung kann als Aus­druck der Glau­bens­frei­heit in­ter­pre­tiert wer­den. Schon die Tat­sa­che, dass nach dem re­li­giösen Verständ­nis der Kir­che die Durchführung von Ar­beitskämp­fen ein­sch­ließlich der Aus­sper­rung, so­weit es den außer­kirch­li­chen Be­reich be­trifft, nicht als Ver­s­toß ge­gen Glau­bens­re­geln ver­stan­den wird (Ri­char­di, a.a.O. § 10 Rn 11), macht deut­lich, dass der Aus­sper­rungs­ver­zicht den spe­zi­fi­schen Ei­gen­hei­ten der kirch­lich ge­tra­ge­nen Ein­rich­tun­gen und ih­res „Verkündungs­auf­tra­ges" Rech­nung tra­gen und das Zu­sam­men­wir­ken von Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mern in der „christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft" nicht durch

 

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kon­flikt­haf­te Aus­tra­gung von In­ter­es­sen­ge­gensätzen – et­wa in Form der Aus­sper­rung - be­ein­träch­tigt wer­den soll. Wie im Fol­gen­den aus­zuführen ist, ist zwar die ca­ri­ta­ti­ve Betäti­gung in Form der „Dienst­ge­mein­schaft" als Aus­druck re­li­giöser Über­zeu­gung durch Re­li­gi­ons­frei­heit und kirch­li­ches Selbst­be­stim­mungs­recht ge­deckt, wor­aus Ein­schränkun­gen von Ar­beits­kampf­maßnah­men ab­zu­lei­ten sind. So­weit da­nach Ar­beitskämp­fe aus­schei­den, entfällt zu­gleich das hier an­ge­spro­che­ne Mit­tel der Aus­sper­rung. Dem­ge­genüber über­zeugt es nicht, wenn die Kläger­sei­te un­ter Hin­weis auf den Bei­trag von Bee­se („Der Drit­te Weg" – An­la­ge K 43, Bd. VI d. A.) die Er­set­zung des staat­li­chen Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts durch ein kon­sen­sua­les Re­ge­lungs­mo­dell mit all­ge­mei­nen Glau­bens­grundsätzen und Bi­bel­zi­ta­ten zu be­gründen sucht. Dem christ­li­chen Verständ­nis ent­spricht zwei­fel­los das Bemühen um ge­rech­ten Aus­gleich und Ver­zicht auf un­ge­rech­te Ge­walt. Dem­ge­genüber ist auch oh­ne ver­tief­tes theo­lo­gi­sches Verständ­nis er­kenn­bar, dass die zur Be­gründung der vor­ge­tra­ge­nen The­se auf­geführ­ten Be­le­ge kei­nen spe­zi­fi­schen Be­zug zu der hier maßgeb­li­chen ar­beits- und ver­fas­sungs­recht­li­chen Fra­ge­stel­lung auf­wei­sen, was zu gel­ten hat, wenn der von ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung ge­tra­ge­ne und als Aus­druck christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­te „Dienst am Nächs­ten" un­ter den be­son­de­ren Be­din­gun­gen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses – al­so auf „welt­li­cher" Rechts­grund­la­ge - ge­leis­tet wird. Ei­ne „au­then­ti­sche", die staat­li­che Rechts­an­wen­dung bin­den­de In­ter­pre­ta­ti­on von Glau­bens­in­hal­ten in dem Sin­ne, dass Aus­sper­rung, Ar­beits­kampf und jed­we­de Form kon­flikt­haf­ter Aus­ein­an­der­set­zun­gen im Rah­men der „Dienst­ge­mein­schaft" grundsätz­lich – d. h. oh­ne sach­lich be­gründe­te Not­wen­dig­keit und so­gar außer­halb oder in Rand­be­rei­chen von Verkündungs­auf­trag und ca­ri­ta­ti­ver Betäti­gung - aus­zu­sch­ließen sei, kann in der vor­ge­leg­ten Dar­stel­lung nicht ge­se­hen wer­den. Das sei­tens der Kir­chen re­kla­mier­te „Struk­tur­prin­zip" der Ein­heit des kirch­li­chen Diens­tes und der Dienst­ge­mein­schaft, wel­ches die Ab­leh­nung von Streik und Aus­sper­rung im Be­reich kirch­li­chen Ar­beits­rechts be­gründen soll, kann nicht als der staat­li­chen Rechts­an­wen­dung ent­zo­ge­ner Glau­bens­satz an­ge­se­hen wer­den.

(ccc) Aus dem­sel­ben Grun­de kann zur Recht­fer­ti­gung ei­nes Ar­beits­kampf­ver­bo­tes im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen auch nicht die Ent­schei­dung der Kir­chen genügen, das „Kon­flikt­mo­dell" der Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zung und des Ar­beits­kampfs durch ein „kon­sen­sua­les" Re­ge­lungs­mo­dell er­set­zen zu wol­len, weil die­ses dem

 

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christ­li­chen Versöhnungs­ge­dan­ken am bes­ten ent­spre­che. Al­lein die Tat­sa­che, dass in der kirch­lich ge­tra­ge­nen Dienst­ge­mein­schaft Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer ge­mein­sam da­zu bei­tra­gen, das Ziel des „Diens­tes am Nächs­ten" möglichst ef­fek­tiv zu ver­wirk­li­chen, steht der Fest­stel­lung nicht ent­ge­gen, dass bei der Ver­ein­ba­rung der Ar­beits­ver­trags­be­din­gun­gen der durch die abhängi­ge Beschäfti­gung be­ding­te In­ter­es­sen­ge­gen­satz zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer nicht entfällt. Die im Ver­gleich zum „Nor­mal­ar­beits­verhält­nis" ge­stei­ger­te Ver­bun­den­heit zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer – nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ver­deut­licht durch die Be­grif­fe von „Dienst­ge­ber" und „Dienst­neh­mer" - und der Kon­sens über Zie­le und In­halt des „Diens­tes am Nächs­ten" prägt den In­halt der Ver­trags­pflich­ten, be­trifft hin­ge­gen nicht das „Aus­han­deln" der Ver­trags­be­din­gun­gen, wel­ches der Wahr­neh­mung der je­weils ei­ge­nen In­ter­es­sen im Verhält­nis zur an­de­ren Ver­trags­par­tei dient. An­schau­lich ge­spro­chen voll­zieht sich der „Dienst am Nächs­ten" an die­sem, nicht hin­ge­gen am kirch­li­chen „Dienst­ge­ber" bzw. Ar­beit­ge­ber als Gläubi­ger der ver­trag­lich ge­schul­de­ten Leis­tung. Das Zu­sam­men­wir­ken von Ar­beit­neh­mern und Ar­beit­ge­ber im Rah­men der „Dienst­ge­mein­schaft" ändert nichts dar­an, dass das zu­grun­de­lie­gen­de Rechts­verhält­nis nicht als „Ge­mein­schafts­verhält­nis" an­zu­se­hen, son­dern - ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Re­geln der ver­trag­li­chen Be­gründung ein­sch­ließlich des Aus­han­delns und der Fort­ent­wick­lung der Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen - als Ar­beits­verhält­nis aus­ge­stal­tet ist, wel­ches durch den der In­ter­es­sen­ge­gen­satz der Ver­trags­par­tei­en ge­kenn­zeich­net ist.

Von der Erfüllung der über­nom­me­nen „Dienst­pflich­ten" im Geis­te der kirch­lich ge­prägten Vor­ga­ben zu un­ter­schei­den ist da­mit das ar­beits­ver­trag­lich ge­stal­te­te „Grund­verhält­nis". Der In­ter­es­sen­ge­gen­satz der Ver­trags­par­tei­en beim Aus­han­deln von Leis­tung und Ge­gen­leis­tung beim ge­gen­sei­ti­gen Ver­trag ein­sch­ließlich der Ent­fal­tung von „Ver­hand­lungs­druck" ist zwin­gend mit der gewähl­ten Rechts­grund­la­ge – dem Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges – ver­bun­den und hat, wie das Bei­spiel der Beschäftig­ten im Öffent­li­chen Dienst be­legt, nichts mit dem Ge­gen­satz von Ka­pi­tal und Ar­beit zu tun. Die Tat­sa­che, dass der ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer in al­ler Re­gel zur Durch­set­zung sei­ner For­de­run­gen al­lein nicht in der La­ge ist und sich aus die­sem Grun­de mit an­de­ren Ar­beit­neh­mern zu ei­nem Ver­band zu­sam­men­sch­ließt, wel­cher ih­re In­ter­es­sen bei der Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen ver­tritt, hat auch nichts

 

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mit ei­nem – im Be­reich der kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen ab­zu­leh­nen­den - „Feh­de­ge­dan­ken" zu tun, wie die Kläger un­ter Hin­weis auf ei­ne vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­wen­de­te For­mu­lie­rung mei­nen. Er­sicht­lich han­delt es sich in­so­weit nicht um ei­ne kon­kre­te und his­to­risch be­leg­te Par­al­le­le zur ger­ma­ni­schen und mit­tel­al­ter­li­chen Feh­de, wel­che die Durch­set­zung von Rech­ten ge­genüber frem­der Rechts­ver­let­zung zum Ge­gen­stand hat und der Wie­der­her­stel­lung der ver­letz­ten Sip­pen­eh­re dien­te (s. Brock­haus En­zy­klopädie, Stich­wort Feh­de), son­dern um den Ver­such ei­ner bild­haf­ten Um­schrei­bung von Kon­flikt­si­tua­tio­nen, wel­cher kein ei­genständi­ger Er­kennt­nis­wert bei­ge­mes­sen wer­den kann. Al­lein dem Wil­len der ei­nen Ver­trags­par­tei, sich möglichst kon­flikt­frei mit der an­de­ren „geg­ne­ri­schen" Ver­trags­par­tei über die maßgeb­li­chen Ver­trags­be­din­gun­gen zu verständi­gen, kann da­nach kei­ne maßgeb­li­che Be­deu­tung bei­ge­mes­sen wer­den. Trotz Übe­rein­stim­mung von Ar­beit­neh­mer und kirch­li­chem Ar­beit­ge­ber, im Rah­men der Dienst­ge­mein­schaft da­zu bei­zu­tra­gen, dass der Auf­trag zum „Dienst am Nächs­ten" op­ti­mal erfüllt wird, bleibt es da­bei, dass der Ar­beit­neh­mer – an­ders als das Or­dens­mit­glied, das sich für ei­ne selbst­lo­sen Ein­satz ent­schie­den hat - sei­ne Ar­beits­kraft ent­gelt­lich in den Dienst des Ar­beit­ge­bers stellt und sei­ne in­ne­re Ver­bun­den­heit mit den Zie­len der kirch­li­chen Ein­rich­tung in der Diens­terfüllung, nicht hin­ge­gen im Nach­ge­ben bei den Ver­hand­lun­gen um güns­ti­ge­re Ar­beits­be­din­gun­gen und ei­nem Ver­zicht auf kon­flikt­haf­te Aus­ein­an­der­set­zun­gen un­ter Be­weis stellt. Auch das Bei­spiel der Ge­sell­schaft Bürger­li­chen Rechts zeigt an­schau­lich, oh­ne dass die recht­li­chen und tatsächli­chen Un­ter­schie­de zum Ar­beits­verhält­nis und den Ei­gen­hei­ten der kirch­li­chen Dienst­ge­mein­schaft ver­kannt wer­den, dass das Zu­sam­men­wir­ken zum Er­rei­chen ei­nes ge­mein­sa­men Zwecks zu tren­nen ist von der Aus­ge­stal­tung der Ge­sell­schaf­ter­rech­te im Ge­sell­schafts­ver­trag und der durch mögli­che In­ter­es­sen­ge­gensätze ge­prägten Ausübung von Rech­ten aus dem Ge­sell­schafts­ver­trag, ins­be­son­de­re so­weit es um ei­ne Ak­tua­li­sie­rung der fi­nan­zi­el­len As­pek­te geht. In glei­cher Wei­se kann auch bei der Ver­wirk­li­chung der „Dienst­ge­mein­schaft" in Form der Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern kein Wi­der­spruch dar­in ge­se­hen wer­den, dass trotz Ver­bun­den­heit in der Sa­che die maßgeb­li­chen Ar­beits­be­din­gun­gen nach den hierfür ein­schlägi­gen Re­geln nicht stets kon­flikt­frei zu re­geln sind.

 

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(ddd) So­weit dem­ge­genüber Ri­char­di in die­sem Zu­sam­men­hang aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur be­trieb­li­chen Mit­be­stim­mung (BA­GE 29, 405,411 = AP Nr. 10 zu § 118 Be­trVG) fol­gern will, nicht al­lein das das streng dua­lis­ti­sche (d.h. durch den In­ter­es­sen­ge­gen­satz von Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat ge­kenn­zeich­ne­te) Sys­tem des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes wi­der­spre­che dem Grund­satz der christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft, dies müsse erst recht für das Sys­tem von Ta­rif­ver­trag und Ar­beits­kampf gel­ten, da letz­te­res nicht wie die Be­triebs­ver­fas­sung vom Ko­ope­ra­ti­ons­mo­dell, son­dern vom Mo­dell der Kon­fron­ta­ti­on ge­prägt sei (Ri­char­di a.a.O. § 10 Rn 16), lässt dies den un­ter­schied­li­chen Sach­zu­sam­men­hang der Fra­ge­stel­lun­gen außer Acht. We­sent­li­cher Ge­gen­stand der be­trieb­li­chen Mit­be­stim­mung ist – ver­ein­facht ge­spro­chen – die Ge­stal­tung der Ar­beits­abläufe und die Be­gren­zung der dem Ar­beit­ge­ber zu­ste­hen­den Rech­te, wel­che er bei Feh­len ei­ner Be­triebs­ver­tre­tung al­lein ausüben könn­te. Dass die Ei­gen­hei­ten des kirch­li­chen Diens­tes hier an­de­re Re­ge­lungs­me­cha­nis­men als sinn­voll oder er­for­der­lich er­schei­nen las­sen, als sie im Be­reich von Wirt­schafts­be­trie­ben gel­ten, hat nichts mit der Fra­ge zu tun, ob die Ei­gen­hei­ten der kirch­li­chen Betäti­gung in den For­men des Ar­beits­rechts schon „ih­rem We­sen nach" mit den ein­schlägi­gen Rechts­re­geln un­ver­ein­bar sind, wel­che die Aus­tra­gung des spe­zi­fi­schen In­ter­es­sen­kon­flikts zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer um die Ge­stal­tung der Ver­trags­be­din­gun­gen - ins­be­son­de­re zu Leis­tung und Ge­gen­leis­tung - zum Ge­gen­stand ha­ben. Al­lein die Ge­fahr, dass die Aus­tra­gung ei­nes hier­auf be­zo­ge­nen Kon­flikts in Wi­der­spruch zu den Auf­ga­ben der kirch­li­chen Ein­rich­tung ge­ra­ten kann, be­deu­tet nicht, dass schon die An­er­ken­nung des In­ter­es­sen­ge­gen­sat­zes und das Zu­las­sen kon­flikt­haf­ter Aus­ein­an­der­set­zun­gen dem We­sens­ge­halt der christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft wi­der­spre­chen und da­mit oh­ne Rück­sicht auf die kon­kre­ten Aus­wir­kun­gen auf die je­wei­li­ge Auf­ga­ben­stel­lung der kirch­li­chen Ein­rich­tung grundsätz­lich aus­ge­schlos­sen wer­den müssen. Nicht die In­sti­tu­ti­on der Dienst­ge­mein­schaft als sol­che und ih­re Struk­tur­prin­zi­pi­en bedürfen im Kon­flikt mit der Ko­ali­ti­ons­frei­heit und ih­ren Aus­for­mun­gen des Schut­zes vor un­verhält­nismäßigen Be­ein­träch­ti­gun­gen, son­dern die kon­kre­ten For­men der Betäti­gung als Aus­prägun­gen der Glau­bens­frei­heit, wie dies auf den in christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­ten „Dienst am Men­schen" zu­trifft.

 

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(eee) Aus den­sel­ben Gründen ver­mag auch der Ein­wand nicht zu über­zeu­gen, die Durchführung von Streik­maßnah­men für zu ei­ner „Spal­tung der Dienst­ge­mein­schaft", in­dem sich Grup­pen strei­ken­der und am Streik nicht be­tei­lig­ter Ar­beit­neh­mer bil­de­ten. An­ders als in Be­zug auf grundsätz­li­che Glau­bens­fra­gen und die An­for­de­run­gen an die Ausübung des „Diens­tes am Nächs­ten" lässt sich die Not­wen­dig­keit ei­ner übe­rein­stim­men­den Über­zeu­gung in Be­zug auf den rech­ten Weg zur Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen nicht re­li­giös be­gründen. Eben­so we­nig ist er­sicht­lich, dass al­lein die Auf­spal­tung der Be­leg­schaft in streik­wil­li­ge und – un­wil­li­ge Ar­beit­neh­mer die Ge­fahr be­gründet, dass hier­durch der in ge­mein­sa­mer re­li­giöser Über­zeu­gung ge­leis­te­te „Dienst am Nächs­ten" be­ein­träch­tigt wer­den könn­te.

(fff) Sch­ließlich kann auch aus dem „We­sen der Dienst­ge­mein­schaft" nichts Ge­gen­tei­li­ges her­ge­lei­tet wer­den. Oh­ne dass es im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang auf die teils kri­ti­schen Stel­lung­nah­men zur Ver­wen­dungs­ge­schich­te die­ses Be­griffs an­kommt (vgl. die Dar­stel­lung bei Lührs, ZMV Son­der­heft 2010, 60 ff. ei­ner­seits, Ri­char­di a.a.O., § 4 Rn 19, Ham­mer a.a.O., S. 176 an­de­rer­seits), ist auch nach kirch­li­chem Verständ­nis zu be­ach­ten, dass das Ar­beits­verhält­nis sich nicht mit der Dienst­ge­mein­schaft deckt, viel­mehr in der Dienst­ge­mein­schaft die ver­schie­de­nen For­men der kirch­li­chen Auf­ga­ben­er­le­di­gung – durch Or­dens­leu­te, Kle­ri­ker, Eh­ren­amt­li­che pp. wie auch der als „Dienst­neh­mer" be­zeich­ne­ten Ar­beit­neh­mer zu­sam­men­ge­fasst sind (Hahn, ZMV Son­der­heft 2010, 33 ff.). In recht­li­cher Hin­sicht geht da­mit ei­ne not­wen­di­ge Un­ter­schei­dung zwi­schen den ver­schie­de­nen Be­tei­lig­ten der Dienst­ge­mein­schaft – Or­dens­leu­ten, Ar­beit­neh­mern pp. - ein­her. Auch wenn die ide­el­le Zu­ord­nung zu ei­nem ein­heit­li­chen Gan­zen be­ach­tet wird, ist der überg­rei­fen­de Ge­dan­ke der Dienst­ge­mein­schaft nicht ge­eig­net, die recht­li­chen Ei­gen­hei­ten zu über­win­den, wel­che mit der Wahl der je­weils un­ter­schied­li­chen Rechts­form ver­bun­den sind. Der Ge­dan­ke der Dienst­ge­mein­schaft fin­det da­mit Ein­gang in die Rechts­sphäre nur nach Maßga­be der gewähl­ten Rechts­form und ih­rer durch das staat­li­che Recht ge­prägten Ei­gen­hei­ten, so et­wa beim „Ver­trags­mo­dell" in der Ver­ein­ba­rung be­son­de­rer Loya­litäts­pflich­ten. Zu­gleich be­grenzt die Wahl der Rechts­form die Möglich­kei­ten, die mit dem Ge­dan­ken der Dienst­ge­mein­schaft ver­bun­de­ne Vor­stel­lung ei­ner „ge­mein­sa­men Ver­wirk­li­chung des Heils­ge­dan­kens" recht­lich ver­bind­lich aus­zu­ge­stal­ten, so­weit dies mit der Struk­tur des Ver­tra­ges und

 

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den für das Ver­trags­mo­dell recht­lich vor­ge­ge­be­nen Re­geln in Wi­der­spruch steht. Soll­te sich – was zwei­fel­haft er­scheint – ein unüber­brück­ba­rer und aus­nahms­lo­ser Ge­gen­satz zwi­schen ver­bind­li­chen Glau­bens­grundsätzen, dem hier­auf gestütz­ten Ge­dan­ken der Dienst­ge­mein­schaft und dem Ver­trags­mo­dell des frei­en - not­falls mit der Ausübung kol­lek­ti­ven Drucks ver­bun­de­nen - Aus­han­delns der Ver­trags­be­din­gun­gen er­wei­sen, müss­ten die Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten da­von Ab­stand neh­men, ih­re Betäti­gung in der Dienst­ge­mein­schaft auf die - fol­ge­rich­tig als un­ge­eig­net an­zu­se­hen­de – Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern zu gründen. Die Kam­mer ver­tritt die­sen Stand­punkt nicht, ver­mag je­doch eben­so we­nig der Auf­fas­sung zu fol­gen, schon der Ge­dan­ke der Dienst­ge­mein­schaft als sol­cher sei als Aus­druck nicht zu hin­ter­fra­gen­der Glau­bens­grundsätze ge­eig­net, ei­nen um­fas­sen­den Aus­schluss von Ar­beits­kampf­maßnah­men im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen zu recht­fer­ti­gen.

Im Übri­gen ist dar­auf hin­zu­wei­sen, auch die kon­flikt­be­haf­te­te In­ter­es­sen­wahr­neh­mung – selbst in der ehe­li­chen Ge­mein­schaft - letzt­lich auf ei­ne Ei­ni­gung zielt, wenn auch ein „Ehe­s­treik" so­weit er­sicht­lich bis­lang al­lein Ge­gen­stand li­te­ra­ri­scher Dar­stel­lun­gen ge­we­sen ist. Be­ach­tet man wei­ter die nach­fol­gend dar­ge­stell­ten Be­schränkun­gen der Maßnah­men des Ar­beits­kampfs, wel­che sich dar­aus recht­fer­ti­gen, dass nach dem kirch­li­chen Selbst­verständ­nis der „Dienst am Men­schen" auch nicht vorüber­ge­hend für die Dau­er ei­nes Ar­beits­kampfs sus­pen­diert wer­den kann, so be­darf es kei­ner ge­willkürten, ver­meint­lich durch den „Versöhnungs­ge­dan­ken" und den „Aus­schluss der Feh­de" ge­tra­ge­nen Er­set­zung des Sys­tems von Ta­rif­ver­trag und Ar­beits­kampf durch ein rein „kon­sen­sua­le" Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen. Viel­mehr kommt ei­ne Be­schränkung der Ko­ali­ti­ons- und Ar­beits­kampf­frei­heit al­lein in­so­weit in Be­tracht, wie dies zur Auf­recht­er­hal­tung des in christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­ten „Diens­tes am Nächs­ten" ge­bo­ten ist.

(ggg) Zu­sam­men­fas­send ist da­mit fest­zu­hal­ten: Nimmt die kirch­li­che Ein­rich­tung, wel­che die Rechts­form des Ar­beits­verhält­nis­ses wählt, die Recht­stel­lung des Ar­beit­ge­bers ein und er­bringt da­mit der Beschäftig­te, da­mit die Ein­rich­tung dem christ­li­chen Dienst­leis­tungs­auf­trag ent­spre­chen kann, sei­ne Ar­beits­leis­tung in abhängi­ger Stel­lung, so ist hier­mit zwangsläufig der für das Ar­beits­verhält­nis ty­pi­sche In­ter­es­sen­ge­gen­satz zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer in Be­zug auf

 

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die Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen ver­bun­den. Wie im Ein­zel­nen zu er­rei­chen ist, dass hier- bei – beim Kon­flikt um die Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen - das An­lie­gen des „Diens­tes am Nächs­ten" kei­nen Scha­den nimmt, kann nicht abs­trakt durch Aus­schal­tung we­sent­li­cher Ar­beit­neh­mer­rech­te und pau­scha­le Er­set­zung des Ta­rif­ver­trags- und Ar­beits­kampf­sys­tems durch ei­ne als vor­zugswürdig an­ge­se­he­ne kon­sen­sua­le Form der Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen be­stimmt wer­den. Viel­mehr kommt es dar­auf an, in­wie­fern die Ei­gen­art der vom Ar­beit­neh­mer in der Funk­ti­on des „Dienst­neh­mers" er­brach­ten Ar­beits­leis­tung ei­nen Aus­schluss von Ar­beits­kampf­maßnah­men ob­jek­tiv als er­for­der­lich und sach­lich ge­bo­ten er­schei­nen lässt, wo­bei der Maßstab des „sach­lich Ge­bo­te­nen" un­ter Berück­sich­ti­gung des kirch­li­chen Selbst­verständ­nis­ses zu be­stim­men ist.

(dd) Ge­gen die Berück­sich­ti­gung des Selbst­verständ­nis­ses der Kir­che bei An­wen­dung des Maßsta­bes des „sach­lich Ge­bo­te­nen" kann auch nicht ein­ge­wandt wer­den, dies lau­fe auf ei­nen Zir­kel­schluss hin­aus. Auch in an­de­ren recht­li­chen Zu­sam­menhängen – so bei der recht­li­chen Über­prüfung der sog. „frei­en Un­ter­neh­mer­ent­schei­dung" im Be­reich des Kündi­gungs­schutz­rechts - ist ge­dank­lich zwi­schen den bin­den­den Vor­ga­ben des Ar­beit­ge­bers und der Er­for­der­lich­keit der zu die­sem Zweck durch­geführ­ten Maßnah­men zu un­ter­schei­den. Dem­ent­spre­chend lau­tet die maßgeb­li­che Fra­ge, wel­che bin­den­den Vor­ga­ben für den in der ein­zel­nen Ein­rich­tung ge­leis­te­ten „Dienst am Nächs­ten" kenn­zeich­nend und des­halb auf der Grund­la­ge des kirch­li­chen Selbst­verständ­nis­ses der recht­li­chen Kon­trol­le ent­zo­gen sind.

Ge­gen­stand der „Dienst­leis­tung" der Kläge­rin zu 1 ist der Dienst am kran­ken und pfle­ge­bedürf­ti­gen Men­schen, wel­cher aus Glau­bens­gründen Vor­rang vor in­di­vi­du­el­len Be­lan­gen der Beschäftig­ten be­an­spru­chen und kei­ner ge­woll­ten Un­ter­bre­chung un­ter­lie­gen soll. Nimmt man die­se Vor­ga­be als recht­lich bin­dend hin, so müssen Ein­schränkun­gen des „Dienst­be­trie­bes", wie sie mit Ar­beits­nie­der­le­gun­gen ver­bun­den sind, ver­mie­den wer­den. Im Be­reich der ärzt­li­chen Leis­tun­gen und der Kran­ken­pfle­ge schei­den Maßnah­men des Ar­beits­kampfs da­nach aus. Ihr Aus­schluss ist zur Wah­rung der nicht zu hin­ter­fra­gen­den Vor­ga­ben er­for­der­lich.

 

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(ee) So­weit dem­ge­genüber die Be­klag­te ei­ne spe­zi­fi­sche Be­trof­fen­heit des re­li­giös mo­ti­vier­ten Dienst­leis­tungs­auf­tra­ges und die hier­mit be­gründe­te Er­for­der­lich­keit der Be­schränkung von Ar­beits­kampf­maßnah­men mit der Be­gründung in Zwei­fel zieht, auch bei nicht kirch­lich ge­tra­ge­nen Kran­kenhäusern wer­de das Pa­ti­en­ten­wohl bei Ar­beitskämp­fen nicht be­ein­träch­tigt, da durch ent­spre­chen­de Not­dienst­re­ge­lun­gen ent­spre­chen­de Vor­sor­ge ge­trof­fen wer­de, greift die­ser An­satz zu kurz. Rich­tig ist zwar, dass der Ar­beits­kampf in Ein­rich­tun­gen der Da­seins­vor­sor­ge und ins­be­son­de­re im Be­reich der Kran­ken­ver­sor­gung auch im außer­kirch­li­chen Be­reich be­son­de­ren Ein­schränkun­gen un­ter­liegt, um Ge­sund­heits­ge­fah­ren und schwer­wie­gen­de Nach­tei­le für Pa­ti­en­ten und All­ge­mein­heit zu ver­mei­den. Hier­aus folgt oh­ne wei­te­res, dass dem akut Er­krank­ten ärzt­li­che Hil­fe nicht vor­ent­hal­ten wird und et­wa not­wen­di­ge Ope­ra­tio­nen auch während des Ar­beits­kamp­fes durch­geführt wer­den müssen. So­weit es dem­ge­genüber um die Durchführung von Heil­maßnah­men geht, wel­che nicht als dring­lich an­zu­se­hen sind und dem­ent­spre­chend oh­ne Ge­sund­heits­ge­fah­ren auf ei­nen späte­ren Zeit­punkt ver­scho­ben wer­den können, wer­den die­se von ei­ner Not­dienst­re­ge­lung nicht zwangsläufig er­fasst. Die Dar­stel­lung der Be­klag­ten, wie sie in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt vor­ge­tra­gen wor­den ist, auch im Fal­le ei­nes Ar­beits­kampfs kom­me es nicht zum Auf­schub von nicht drin­gen­den Ope­ra­tio­nen, über­haupt sei­en Be­ein­träch­ti­gun­gen auf Sei­ten der Pa­ti­en­ten aus­ge­schlos­sen, steht – wie die Be­richt­er­stat­tung in der Pres­se über den Ärz­te­streik im Jah­re 2010 be­legt – mit der Rea­lität nicht in Ein­klang (www.neue­pres­se.de, Mel­dung vom 17.05.2010: „Je­der zwei­te OP-Saal steht leer"; www.spie­gel.de: „Vie­le Pa­ti­en­ten muss­ten lan­ge War­te­zei­ten in Kauf neh­men"). We­der ist er­sicht­lich, wie trotz nicht nur kurz­fris­ti­ger Ar­beits­nie­der­le­gung des ärzt­li­chen Per­so­nals sämt­li­che ge­plan­ten Be­hand­lungs­maßnah­men durch­geführt wer­den könn­ten, noch er­scheint na­he­lie­gend, dass bei vol­ler Auf­recht­er­hal­tung der me­di­zi­ni­schen Leis­tun­gen des be­streik­ten Kran­ken­hau­ses auf den Ar­beit­ge­ber aus­rei­chen­der Druck aus­geübt wer­den kann, auf die ar­beit­neh­mer­sei­tig ge­stell­ten For­de­run­gen ein­zu­ge­hen. Wie aus der Pres­se er­sicht­lich, hat der Mar­bur­ger Bund im Zu­sam­men­hang mit dem ge­nann­ten Ärz­te­streik zwar sein Bemühen be­tont, die Pa­ti­en­ten „so we­nig wie möglich in Mit­lei­den­schaft zu zie­hen", an­de­rer­seits be­rich­tet die Pres­se von der Not­wen­dig­keit, we­gen der der streik­be­ding­ten Ein­schränkung des Kran­ken­haus­be­trie­bes nicht dring­li­che Ope­ra­tio­nen zu ver­schie­ben. Auch der

 

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wei­te­re Ein­wand der Be­klag­ten, im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang ge­he es al­lein um kurz­fris­ti­ge Un­ter­bre­chun­gen der Ar­beit et­wa zu De­mons­tra­ti­ons­zwe­cken über­zeugt nicht. Auch wenn die in der Ver­gan­gen­heit bei der Kläge­rin zu 1 durch­geführ­ten Ar­beits­nie­der­le­gun­gen so ge­stal­tet ge­we­sen sein mögen, dass Be­ein­träch­ti­gun­gen des Dienst­be­trie­bes und des Pa­ti­en­ten­wohls vollständig aus­ge­schlos­sen wa­ren, könn­te aus ei­ner der­ar­ti­gen Hand­ha­bung ei­ne recht­lich re­le­van­te Schluss­fol­ge­rung nur ge­zo­gen wer­den, wenn die Be­klag­te auf das Un­ter­las­sungs­be­geh­ren der Kläge­rin mit ei­ner ent­spre­chen­den Erklärung re­agiert hätte, sich auch künf­tig auf kurz­fris­ti­ge Pro­test­maßnah­men oh­ne Störun­gen des Dienst­be­trie­bes be­schränken zu wol­len. Kenn­zeich­nend für den Ar­beits­kampf ist je­doch die Ausübung emp­find­li­chen Drucks auf den Ar­beit­ge­ber, um die­sen zum Ein­len­ken zu ver­an­las­sen. Dass dies al­lein mit dem Zei­gen von Trans­pa­ren­ten in der Frühstücks­pau­se er­reicht wer­den könn­te, er­scheint fern­lie­gend. Auch die For­mu­lie­rung von Ham­mer (AuR 1995, 167), in sen­si­blen Be­rei­chen müsse die Ar­beit erst or­ga­ni­siert wer­den, be­vor sie nie­der­ge­legt wer­den könne, um die Funk­ti­onsfähig­keit be­streik­ter Ein­rich­tun­gen „zwar nicht un­be­ein­träch­tigt zu las­sen, aber in je­dem Fall zu er­hal­ten", ändert nichts dar­an, dass sich ei­ne Not­dienst­re­ge­lung ih­rer Ziel­set­zung nach le­dig­lich auf die Ab­wehr von Ge­mein­wohl­ge­fah­ren be­schränkt, hin­ge­gen nichts dar­an ändern soll, Druck auf die Ar­beit­ge­ber­sei­te eben da­durch aus­zuüben, dass der re­guläre Dienst­ab­lauf durch Vor­ent­hal­tung der Ar­beits­leis­tung gestört wird.

Geht man dem­ent­spre­chend da­von aus, dass der be­ab­sich­tig­te Druck auf den Ar­beit­ge­ber ty­pi­scher­wei­se auch bei ei­nem Streik im Kran­ken­haus­be­trieb durch Störun­gen des Dienst­ab­laufs und Ein­schränkun­gen des Dienst­be­trie­bes er­reicht wer­den soll, so entfällt da­mit die Grund­la­ge für die Ar­gu­men­ta­ti­on, schon auf­grund ent­spre­chen­der Not­dienst­re­ge­lun­gen wer­de der im Kran­ken­haus ge­leis­te­te „Dienst am Men­schen" von vorn­her­ein nicht be­ein­träch­tigt. Be­tei­li­gen sich die­je­ni­gen Beschäftig­ten, wel­che im ärzt­li­chen und pfle­ge­ri­schen Be­reich un­mit­tel­bar mit der Be­treu­ung von Pa­ti­en­ten be­fasst sind, am Ar­beits­kampf, wird der „Dienst am Nächs­ten" zeit­wei­se sus­pen­diert. Weil im In­ter­es­se der be­reits auf­ge­nom­me­nen Pa­ti­en­ten ei­ne Su­s­pen­die­rung des Diens­tes am Kran­ken­bett kaum in Be­tracht kommt, ver­blie­be – nicht an­ders als bei nicht kirch­li­chen Kran­kenhäusern – die Not­wen­dig­keit, auf­schieb­ba­re Be­hand­lungs­maßnah­men zu ver­schie­ben. Dies mag im Ein­zel­fall für die be­trof­fe­nen Men­schen le­dig­lich lästig sein, nicht sel­ten wird

 

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hier­mit je­doch – selbst bei mögli­chem Wech­sel des Kran­ken­hau­ses - ei­ne Verlänge­rung der Lei­dens­zeit ver­bun­den sein.

Aus­ge­hend vom Selbst­verständ­nis der Kir­che und ih­rer Ein­rich­tun­gen, dass der in christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­te „Dienst am Nächs­ten" der­ar­ti­ge Ein­schränkun­gen nicht er­laubt und das Wohl des Pa­ti­en­ten nicht durch bloßen „Not­dienst" wie im Be­reich staat­li­cher Da­seins­vor­sor­ge, son­dern nur durch un­ein­ge­schränk­ten Dienst am Kran­ken erfüllt wird, folgt hier­aus die Not­wen­dig­keit, wei­ter­ge­hend als im außer­kirch­li­chen Be­reich Maßnah­men des Ar­beits­kampfs ein­zu­schränken. Während es im außer­kirch­li­chen Be­reich um das Span­nungs­verhält­nis zwi­schen Ar­beits­kampf­frei­heit, Er­for­der­nis­sen der Da­seins­vor­sor­ge und dem Ge­sichts­punkt der „Dritt­be­trof­fen­heit" – kon­kret be­zo­gen auf den be­hand­lungs­bedürf­ti­gen Men­schen - geht, wor­aus sich das Er­for­der­nis von Not­dienst­re­ge­lun­gen er­gibt, trifft der Ar­beits­kampf in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen den in christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­ten „Dienst am Men­schen" selbst und be­darf da­her mit Rück­sicht auf die gewähr­leis­te­te Kir­chen­au­to­no­mie wei­ter­ge­hen­der Be­schränkun­gen, als die­se aus dem Er­for­der­nis des Not­diens­tes fol­gen. Kon­kret lässt sich dies am Bei­spiel des Ar­beits­kampfs in staat­li­chen Kin­dergärten im Jah­re 2009 ver­deut­li­chen. Al­lein die Tat­sa­che, dass der während des Streiks auf­recht­er­hal­te­ne Not­dienst hin­ter der Aus­ge­stal­tung des re­gulären Kin­der­gar­ten­all­tags zurück­bleibt, ver­mag die Rechts­wid­rig­keit des Ar­beits­kamp­fes und hier­auf gestütz­te In­di­vi­dual­ansprüche nicht zu be­gründen und ent­hebt die Er­zie­hungs­be­rech­tig­ten nicht von der et­wai­gen Not­wen­dig­keit ei­ge­ner Bemühun­gen um das Kin­des­wohl (LAG Hamm, 29.10.2009, 8 Sa­Ga 22/09, Ju­ris). In Ab­gren­zung hier­zu müss­te in ei­ner kirch­lich ge­tra­ge­nen Ein­rich­tung ein der­art re­du­zier­ter Not­dienst­be­trieb als Wi­der­spruch zu dem aus re­li­giösen Gründen gewähl­ten Mo­dell des „Diens­tes am Nächs­ten" an­ge­se­hen wer­den.

Nicht die feh­len­de Ar­beits­kampf­wil­lig­keit des Ar­beit­ge­bers oder die Ab­nei­gung ge­genüber der of­fe­nen Aus­tra­gung von Kon­flik­ten um die Ar­beits­be­din­gun­gen, wohl aber der Ge­sichts­punkt der Kon­ti­nuität des in christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­ten „Diens­tes am Nächs­ten" recht­fer­tigt es da­mit, die Ko­ali­ti­ons­frei­heit der Ar­beit­neh­mer und ih­rer Ge­werk­schaf­ten mit Ein­schränkun­gen zu ver­se­hen.

 

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(ff) Die so be­gründe­te Ein­schränkung des Rechts auf Durchführung von Ar­beits­kampf­maßnah­men trägt al­ler­dings nicht den um­fas­sen­den Aus­schluss des Ar­beits­kampfs für sämt­li­che in den von der Kläge­rin zu 1 be­trie­be­nen Kran­kenhäusern beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer oh­ne Berück­sich­ti­gung des Um­stan­des, in­wie­fern die von ih­nen er­le­dig­ten Tätig­kei­ten dem in christ­li­cher Über­zeu­gung ge­leis­te­ten „Dienst am Nächs­ten" zu­zu­rech­nen sind. Viel­mehr ist in Übe­rein­stim­mung mit dem Stand­punkt von Ot­to (a.a.O. § 9 Rn 31 ff.) zwi­schen Kern- und Rand­be­rei­chen kirch­li­cher Tätig­keit zu un­ter­schei­den (ähnl. Kis­sel a.a.O. § 28 Rn 39; s. auch Bie­back in Däubler, Ar­beits­kampf­recht, 2. Aufl., Rn 511 a). Maßgeb­lich muss da­nach sein, ob der je­wei­li­ge Auf­trag der Ein­rich­tung durch den Ar­beits­kampf kon­kret gefähr­det wird, was nicht glei­cher­maßen auf al­le Beschäftig­ten und die von ih­nen er­le­dig­ten Auf­ga­ben zu­trifft. Zu nen­nen ist et­wa die Tätig­keit der Ar­beit­neh­mer im Be­reich des Rei­ni­gungs- und Küchen­diens­tes, in ein­zel­nen Ver­wal­tungs­be­rei­chen oder in sol­chen Tätig­keits­fel­dern, wel­che – auch un­ter Be­ach­tung der Pra­xis kirch­lich ge­tra­ge­ner Ein­rich­tun­gen – im We­ge der Leih­ar­beit oder durch ex­ter­ne Dienst­leis­ter er­le­digt wer­den können. So­weit tatsächlich ei­ne sol­che Aus­glie­de­rung von Auf­ga­ben auf ex­ter­ne Dienst­leis­ter vor­liegt, stellt sich die Fra­ge ei­ner Ein­schränkung des Ar­beits­kampf­rechts oh­ne­hin nicht. Steht aber die Aus­glie­de­rung der­ar­ti­ger Hilfs­funk­tio­nen auch den kirch­lich ge­tra­ge­nen Ein­rich­tun­gen nicht nur theo­re­tisch und recht­lich zur Verfügung, son­dern be­legt die Pra­xis, dass ei­ne der­ar­ti­ge Aus­glie­de­rung nach dem Selbst­verständ­nis der Kir­che nicht aus­ge­schlos­sen ist, so wird hier­an deut­lich, dass ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung der Reich­wei­te des Ar­beits­kampf­ver­bots nach Funk­ti­ons­be­rei­chen kei­nen un­zulässi­gen Ein­griff in das Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che dar­stel­len kann.

So­weit die Kläger­sei­te hier­ge­gen ein­wen­det, ei­ne strik­te Tren­nung zwi­schen Ar­beit­neh­mern und Tätig­kei­ten mit un­mit­tel­ba­rem Be­zug zur Dienst­leis­tung am Nächs­ten ei­ner­seits und an­de­ren Tätig­kei­ten und Ar­beit­neh­mern mit ent­fern­te­rem oder feh­len­dem Be­zug zum Dienst­leis­tungs- oder Verkündi­gungs­auf­trag sei schon aus prak­ti­schen Gründen kaum möglich, weil et­wa auch die Auf­stel­lung von Dienst­plänen für die Funk­ti­onstüch­tig­keit des Kran­ken­haus­be­trie­bes ent­schei­dend sei, folgt hier­aus al­lein, dass es auf den un­mit­tel­ba­ren Pa­ti­en­ten­kon­takt nicht

 

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an­kom­men kann. Nimmt man in­des­sen den Ge­sichts­punkt mögli­cher Aus­glie­de­rung von Teil­auf­ga­ben und die dies­bezügli­che Pra­xis zum Maßstab, so wird deut­lich, dass zwar die­je­ni­gen Funk­tio­nen der Kran­ken­haus­ver­wal­tung, wel­che für den Ab­lauf des Dienst­be­trie­bes ent­schei­dend sind, vom Ar­beits­kampf­ver­bot nicht aus­ge­nom­men wer­den können. Dem­ge­genüber könn­ten an­de­re Ver­wal­tungs­be­rei­che, wel­che et­wa für die Ab­rech­nung mit der Kran­ken­kas­se zuständig sind, in Ar­beits­kampf­maßnah­men ein­be­zo­gen wer­den können, oh­ne dass der „Dienst am Nächs­ten" lei­det. Nicht die Druck­ausübung als sol­che ein­sch­ließlich der wirt­schaft­li­chen Schädi­gung des Ar­beit­ge­bers durch Ein­nah­me­ausfälle und erhöhte Kos­ten­be­las­tung hat aus Gründen des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts zu un­ter­blei­ben, Maßstab für die Zulässig­keit bzw. Be­schränkung von Ar­beits­kampf­maßnah­men ist viel­mehr die un­ein­ge­schränk­te und nicht auf Not­maßnah­men be­grenz­te Ver­sor­gung des Pa­ti­en­ten.

Ge­gen ei­ne der­ar­ti­ge Dif­fe­ren­zie­rung kann auch nicht ein­ge­wandt wer­den, die­se führe zu ei­nem „ge­spal­te­nen Ar­beit­neh­mer­recht" in Be­zug auf Ta­rif­ab­schluss- und Ar­beits­kampfmöglich­kei­ten auf un­si­che­rer Be­wer­tungs­grund­la­ge (vgl. Kis­sel, § 28 Rn 38). Wie sich am Bei­spiel der Ar­beits­kampf­be­schränkun­gen im Be­reich der Da­seins­vor­sor­ge zeigt, liegt kei­ne Be­son­der­heit dar­in, dass die Ar­beit­neh­mer je nach Auf­ga­ben­stel­lung in un­ter­schied­li­cher Wei­se zur Teil­nah­me an Ar­beits­nie­der­le­gun­gen be­rech­tigt sind. Letzt­lich befürwor­tet auch Kis­sel die hier ver­tre­te­ne Dif­fe­ren­zie­rung nach Maßga­be der je­weils aus­geübten Tätig­keit und ih­rer je­wei­li­gen Nähe oder Fer­ne zum kirch­li­chen Verkündungs- oder Dienst­leis­tungs­auf­trag mit der Erwägung, dass auch im Kündi­gungs­recht die Stel­lung des Beschäftig­ten bei der Be­wer­tung des Kündi­gungs­grun­des nicht un­berück­sich­tigt blei­ben könne. Letz­te­res ist frei­lich nicht un­um­strit­ten, be­darf je­doch hier schon des­halb kei­ner Ver­tie­fung, da die An­er­ken­nung des Streik­rechts für ei­nen Teil der Beschäftig­ten und die Wahr­neh­mung die­ses Rechts - an­ders als ei­ne Loya­litäts­pflicht­ver­let­zung durch ei­nen „verkündungsnähe­ren" oder „verkündungs­fer­ne­ren" Ar­beit­neh­mer - nicht ge­eig­net ist, die Fra­ge des An­se­hens und der Glaubwürdig­keit der Kir­che in­fra­ge zu stel­len. Die Rei­ni­gungs- oder Buch­hal­tungs­kraft, wel­che sich nach den vor­ste­hen­den Maßstäben an ei­nen ge­werk­schaft­li­chen Streik be­tei­lig­ten darf, setzt sich – an­ders als durch

 

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Kir­chen­aus­tritt oder Wie­der­ver­hei­ra­tung nach Schei­dung – nicht mit grund­le­gen­den Glau­benssätzen der Kir­che in Wi­der­spruch.

Die ge­gen­tei­li­gen Auf­fas­sung von Ri­char­di (a.a.O. § 10 Rn 13), ei­ne der­ar­ti­ge Ab­stu­fung des Streik­rechts nach der Nähe der Funk­ti­on des Ar­beit­neh­mers zum kirch­li­chen Auf­trag sei mit dem Kom­pe­tenz der Kir­che un­ver­ein­bar, selbst über In­halt und Reich­wei­te kirch­li­cher Re­ge­lun­gen zu ent­schei­den, über­zeugt je­den­falls hin­sicht­lich der hier maßgeb­li­chen Fra­ge­stel­lung nicht. Auch wenn man dem Stand­punkt folgt, dass der In­halt der Loya­litäts­pflich­ten we­gen ih­res Be­zu­ges zu den Glau­bens­in­hal­ten al­lein von den Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten zu be­stim­men ist, las­sen sich die Be­schränkun­gen des Ar­beits­kampfs im Be­reich kirch­li­cher Ein­rich­tun­gen aus den dar­ge­stell­ten Gründen nicht nach­voll­zieh­bar als Aus­prägung be­stimm­ter Glau­benssätze und Gött­li­cher Ge­bo­te be­gründen. Viel­mehr fin­den die dar­ge­stell­ten Be­schränkun­gen ih­re Grund­la­ge in den sach­lich be­gründe­ten Er­for­der­nis­sen der „Dienst­ge­mein­schaft". Al­lein de­ren Ziel­set­zung ist Aus­druck des re­li­giös ge­prägten Selbst­verständ­nis­ses. So­weit sich Ein­schränkun­gen des staat­li­chen Ar­beits­rechts und der Ko­ali­ti­ons­frei­heit für Ar­beit­neh­mer mit be­stimm­ten Auf­ga­ben nicht aus der Funk­ti­on der kirch­li­chen Ein­rich­tung be­gründen las­sen, kann die­ses Be­gründungs­de­fi­zit nicht durch ei­nen Rück­griff auf das Recht zur au­to­no­men In­ter­pre­ta­ti­on der Glau­bens­in­hal­te über­wun­den wer­den.

Ge­gen die Dif­fe­ren­zie­rung nach der Nähe der Auf­ga­ben­stel­lung zum „Dienst am Nächs­ten" kann auch nicht er­folg­reich ein­ge­wen­det wer­den, auch bei ei­ner Be­schränkung des Streiks auf Ar­beit­neh­mer in „Hilfs­funk­tio­nen" kom­me es je­den­falls mit­tel­bar zu nicht hin­zu­neh­men­den Be­ein­träch­ti­gun­gen, weil et­wa der Aus­fall der Leis­tun­gen im Küchen- Rei­ni­gungs- oder Wäsche­dienst nicht da­zu führen könne, dass die be­treu­ten Pa­ti­en­ten un­zu­rei­chend beköstigt oder in un­ger­ei­nig­ten Räum­en und ver­schmutz­ter Bettwäsche ge­pflegt würden. Rich­tig ist zwar, dass ein Kran­ken­haus­be­trieb nicht oh­ne die ge­nann­ten Hilfs­funk­tio­nen be­trie­ben wer­den kann und das Pa­ti­en­ten­wohl die Auf­recht­er­hal­tung der­ar­ti­ger Haus­diens­te er­for­dert. Maßgeb­lich dafür, dass gleich­wohl ein Ar­beits­kampf in den ge­nann­ten Be­rei­chen nicht grundsätz­lich aus­ge­schlos­sen ist, ist der Ge­sichts­punkt der Er­setz­bar­keit der Dienst­leis­tun­gen et­wa durch Ein­schal­tung ge­werb­li­cher Dienst­leis­ter. Der mit dem

 

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Ar­beits­kampf in ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung er­streb­te Druck auf den Ar­beit­ge­ber wird dem­gemäß nicht et­wa da­durch er­reicht, dass in den be­tref­fen­den Be­rei­chen „al­le Räder still­ste­hen", son­dern durch die or­ga­ni­sa­to­ri­sche und wirt­schaft­li­che Mehr­be­las­tung des Ar­beit­ge­bers, wel­che mit dem aus­hilfs­wei­sen Ein­satz von Fremd­fir­men ty­pi­scher­wei­se ver­bun­den ist. So­weit sich im Ein­zel­fall zei­gen soll­te, dass trotz ent­spre­chen­der Bemühun­gen Er­satz nicht zu er­hal­ten und da­mit der un­ein­ge­schränk­te „Dienst am Nächs­ten" nicht gewähr­leis­tet ist, kann dies ein­zel­fall­be­zo­gen zu ge­richt­lich an­zu­ord­nen­den Streik­be­schränkun­gen An­lass ge­ben, wie dies auch im Be­reich außer­kirch­li­cher Da­seins­vor­sor­ge in Be­tracht kommt, so et­wa bei der quan­ti­ta­ti­ven Ein­schränkung von Streik­maßnah­men beim Blut­spen­de­dienst zur Auf­recht­er­hal­tung ei­ner Not­re­ser­ve mit gleich­zei­ti­gem Ge­bot an den Ar­beit­ge­ber, Blut­kon­ser­ven nur noch zur Not­fall­ver­sor­gung ab­zu­ge­ben (LAG Hamm, 16.01.2007, 8 Sa 74/07, NZA-RR 2007, 250). In An­be­tracht der Viel­falt der Le­bens­verhält­nis­se – der Ei­gen­art der streik­be­trof­fe­nen Be­trie­be und Ein­rich­tun­gen so­wie der mögli­chen Va­ria­ti­on der Ar­beits­kampf­mit­tel und ih­rer Störwir­kung – las­sen sich die Gren­zen zulässi­ger Ar­beits­kampf­nah­men nur be­grenzt durch abs­trak­te Grundsätze er­fas­sen, wes­we­gen im Ein­zel­fall Streik­re­geln im We­ge des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ge­schaf­fen wer­den müssen. Die­se Pro­ble­ma­tik be­trifft in­des­sen glei­cher­maßen nicht­kirch­li­che wie kirch­li­che Ar­beit­ge­ber. Al­lein der Um­stand, dass Ar­beitskämp­fe in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen aus den dar­ge­stell­ten Gründen die Auf­recht­er­hal­tung des „Diens­tes am Nächs­ten" nicht be­ein­träch­ti­gen dürfen, recht­fer­tigt da­nach kein um­fas­sen­des Ver­bot des Ar­beits­kampfs. Ei­ne Aus­ge­stal­tung ei­nes Streiks in der Wei­se, den Ar­beit­ge­ber durch Ausübung wirt­schaft­li­chen Drucks zum Nach­ge­ben zu ver­an­las­sen, steht mit dem Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che nicht in Wi­der­spruch, ist da­mit von Art.9 Abs. 3 GG ge­deckt und kann da­mit nicht als rechts­wid­ri­ger und zu un­ter­las­sen­der Ein­griff in die Rech­te der Kläge­rin an­ge­se­hen wer­den.

(gg) Der ver­folg­te Kla­ge­an­trag dif­fe­ren­ziert nicht zwi­schen ver­schie­de­nen Ar­beit­neh­mer­grup­pen und Beschäfti­gun­gen im Kran­ken­haus, ih­rer Nähe oder Fer­ne zum „Dienst am Nächs­ten" und den Aus­wir­kun­gen des Ar­beits­kampfs auf die­sen. Als Glo­balan­trag un­ter­liegt er da­mit der Ab­wei­sung als un­be­gründet.

 

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(b) Aber auch wenn man - ab­wei­chend von den vor­ste­hen­den Über­le­gun­gen – die Dif­fe­ren­zie­rung nach der Nähe der ar­beits­ver­trag­li­chen Tätig­keit zum „Dienst am Nächs­ten" - für un­zulässig oder un­ge­eig­net hält und mit der h. M. ein um­fas­sen­des Streik­ver­bot an­er­ken­nen woll­te, setzt die Zurück­drängung des staat­li­chen Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts auch nach dem Stand­punkt der h. M. vor­aus, dass zur Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen ein gleich­wer­ti­ges In­stru­men­ta­ri­um zur Verfügung steht, wel­ches zwar die mit ei­nem Ar­beits­kampf ver­bun­de­nen Be­ein­träch­ti­gun­gen des kirch­li­chen Diens­tes ver­mei­det, den Ar­beit­neh­mern je­doch durch Aus­ge­stal­tung des Ver­fah­rens­we­ges glei­che Chan­cen zur Durch­set­zung ih­rer For­de­run­gen bie­tet, wie sie im außer­kirch­li­chen Be­reich mit der Durchführung von Ar­beits­kampf­maßnah­men ver­bun­den sind.

Ab­wei­chend vom Stand­punkt der h. M. und der Kläger trifft dies auf den zur Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen vor­ge­se­he­nen „drit­ten Weg" in sei­ner ge­genwärti­gen Aus­prägung nicht zu.

(aa) Kenn­zeich­nend für das Sys­tem des „drit­ten We­ges" ist der Ver­such, durch gleich­be­rech­tig­te Mit­wir­kung von Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­ver­tre­tern ein­sch­ließlich der pa­ritäti­schen Be­set­zung ei­nes Sch­lich­tungs­aus­schus­ses und der In­stal­lie­rung ei­nes „neu­tra­len Vor­sit­zen­den" ei­ne für bei­de Sei­ten ak­zep­tier­te, ge­rech­te Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen zu fin­den, oh­ne dass es zu ei­ner Ver­tie­fung von Ge­gensätzen, ar­beits­kampf­be­ding­ten Be­ein­träch­ti­gun­gen oder Beschädi­gung der be­trieb­li­chen Funk­tio­nen und der auf ge­mein­sa­mer Glau­bensüber­zeu­gung be­ru­hen­der Dienst­ge­mein­schaft kommt. Geht man da­von aus, dass das im außer­kirch­li­chen Be­reich gel­ten­de Sys­tem des Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts in sei­ner kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung nicht von Ver­fas­sungs we­gen zwin­gend vor­ge­ge­ben ist und – nach frei­lich um­strit­te­ner - Auf­fas­sung (Löwisch/Rieb­le, TVG, 2. Aufl., Grundl. Rn 55) die ge­setz­li­che Einführung ei­nes dem Ar­beits­kampf zeit­lich vor­ge­hen­den Sch­lich­tungs­ver­suchs nicht aus­ge­schlos­sen ist, so be­geg­net al­lein die im Ver­fah­ren des „Drit­ten We­ges" vor­ge­se­he­ne In­stal­lie­rung ei­nes Sch­lich­tungs­ver­fah­rens – im Sin­ne ei­nes zwin­gend vor­ge­schal­te­ten Ver­fah­rens­schritts - kei­nen unüber­wind­li­chen Be­den­ken. Ob darüber hin­aus die Einführung ei­ner Zwangs­sch­lich­tung un­ter vollständi­gem Aus­schluss des Sys­tems von Ta­rif­ver­trag und Ar­beits­kampf vom Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen ge­deckt

 

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ist, er­scheint dem­ge­genüber nicht un­zwei­fel­haft, be­darf in­des­sen kei­ner ab­sch­ließen­den Ent­schei­dung. Je­den­falls auf der Grund­la­ge der be­ste­hen­den Ver­fah­rens­re­geln des „Drit­ten We­ges" fehlt es nämlich be­reits an dem Er­for­der­nis, dass die­ser den Ar­beit­neh­mern im Ver­gleich zum staat­li­chen Ta­rif- und Ar­beits­kampf­sys­tem gleich­wer­ti­ge Durch­set­zungs­chan­cen bie­tet. Al­lein der Um­stand, dass die Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­sei­te über ei­ne glei­che An­zahl stimm­be­rech­tig­ter Ver­tre­ter in der ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on wie auch im Sch­lich­tungs­aus­schuss verfügen und der „neu­tra­le Sch­lich­ter" nicht im kirch­li­chen Dienst steht, be­gründet zwar ei­ne for­mel­le Gleich­heit der Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­sei­te. Al­lein hier­mit lässt sich je­doch die Er­set­zung des staat­li­chen Ta­rif-und Ar­beits­kampf­sys­tems nicht recht­fer­ti­gen, da hier­mit ei­ne gleich­wer­ti­ge Ver­hand­lungs­macht und gleich­wer­ti­ge Durch­set­zungs­chan­cen nicht gewähr­leis­tet sind.

(bb) We­sent­li­ches Merk­mal des staat­li­chen Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts ist die Mit­wir­kung von Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­ber­verbänden (zu­tr. Kühling AuR 2001, 244; Ham­mer, Kirch­li­ches Ar­beits­recht, S. 360 ff.). Von Ver­fas­sungs­we­gen steht dem Ar­beit­neh­mer nicht al­lein das Recht zu, sich mit an­de­ren zu ei­ner Ge­werk­schaft zu­sam­men zu schließen, viel­mehr wird der von den Ar­beit­neh­mern ge­bil­de­ten Ge­werk­schaft ein ei­ge­nes Recht zur ko­ali­ti­ons­gemäßen Betäti­gung ein­geräumt, um so die kol­lek­ti­ve In­ter­es­sen­durch­set­zung zu ermögli­chen, wel­che dem Ar­beit­neh­mer we­der als Ein­zel­nem noch ne­ben an­de­ren ge­lin­gen könn­te. Die Führung von Ta­rif­ver­hand­lun­gen durch die Ge­werk­schaft mit haupt­amt­li­chen und fach­lich qua­li­fi­zier­ten Funk­ti­onären er­laubt da­mit der Ar­beit­neh­mer­sei­te ei­ne Ver­hand­lungsführung mit dem Ar­beit­ge­ber bzw. dem Ar­beit­ge­ber­ver­band „auf Au­genhöhe". Die so be­gründe­te Ver­hand­lungs­macht der Ge­werk­schaft wird dem­ge­genüber durch die Ver­fah­rens­re­geln des „Drit­ten We­ges" weit­ge­hend zurück­ge­drängt. Die gem. § 4 der Ord­nung für die Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD (An­la­ge 14, Bl. 295 ff. d. A.) von der De­le­gier­ten­ver­samm­lung be­nann­ten bzw. nach § 6 ARRG (An­la­ge 5, Bl. 211 ff. d. A.) von den Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen in die pa­ritäti­sche Kom­mis­si­on ent­sand­ten Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter müssen zu ei­nem An­teil von zwei Drit­teln haupt­amt­lich in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen tätig sein. Schon we­gen die­ses Quo­rums kommt die Be­tei­li­gung von haupt­amt­li­chen Mit­ar­bei­tern ei­ner Ge­werk­schaft nur in deut­lich

 

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ein­ge­schränk­ten Um­fang in Be­tracht. Berück­sich­tigt man wei­ter, dass nach den Re­geln des „Drit­ten We­ges" die in der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on täti­gen Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter je­weils die in den Ein­rich­tun­gen ver­tre­te­nen Verbände und de­ren Mit­glie­der re­präsen­tie­ren und so – ab­wei­chend vom Sys­tem des Ta­rif­ver­trags­rechts – nicht je­de Ar­beit­neh­mer­ko­ali­ti­on ei­genständig für ih­re Mit­glie­der Ar­beits­be­din­gun­gen aus­han­delt, wird ei­ne Mit­wir­kung von Ver­bands­ver­tre­tern der Ar­beit­neh­mer­sei­te in der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on wei­ter da­durch be­schränkt, dass rea­lis­ti­scher­wei­se je­de Ver­ei­ni­gung das Quo­rum von zwei Drit­teln haupt­amt­lich in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen täti­ger Mit­ar­bei­ter ge­son­dert zu erfüllen hat. Geht man – den Ausführun­gen in der Kla­ge­schrift (S. 39, Bl. 128 d. A.) fol­gend – bei­spiel­haft da­von aus, dass die im Kran­ken­haus der Kläge­rin zu 1 täti­gen Ar­beit­neh­mer­grup­pen im Mar­bur­ger Bund, bei der Be­klag­ten und im Ver­band kirch­li­cher Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter (VKM RWL) or­ga­ni­siert sind und un­ter Berück­sich­ti­gung der An­zahl der ver­tre­te­nen Ar­beit­neh­mer auf die be­klag­te Ge­werk­schaft drei Stim­men in der ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on ent­fie­len, wo­von hier­von zwei Drit­tel haupt­amt­lich im Kir­chen­dienst täti­ge Beschäftig­te sein müss­ten, so ver­bleibt der Be­klag­ten al­lein die Ent­sen­dung ei­nes ein­zi­gen haupt­amt­li­chen Ge­werk­schafts­funk­ti­onärs. Da­ne­ben be­wirkt die Auf­tei­lung der „Ar­beit­neh­mer­bank" auf die in der Ein­rich­tung ver­tre­ten Verbände die zusätz­li­che Ge­fahr der Zer­split­te­rung und des „Aus­ein­an­der­di­vi­die­rens" mit dem Er­geb­nis ei­ner Schwächung der Ver­hand­lungs­po­si­ti­on. Im Ge­gen­satz zum be­ste­hen­den Ta­rif­ver­trags­sys­tem, nach des­sen Re­geln je­der Ver­band mit dem ihm ei­ge­nen Kamp­fes­wil­len die In­ter­es­sen sei­ner Mit­glie­der durch­zu­set­zen sucht und frei ent­schei­det, ob ei­ne Ver­bin­dung mit ei­ner kon­kur­rie­ren­den Ver­ei­ni­gung zu ei­ner Ta­rif- und Kampf­ge­mein­schaft wünschens­wert er­scheint, geht es bei der Be­schluss­fas­sung in der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on um ei­ne Verständi­gung auf ei­ne ein­heit­li­che Ar­beits­rechts­re­ge­lung. Al­lein der Um­stand, dass die je­wei­li­gen Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen vor­zugs­wei­se sol­che Ar­beit­neh­mer in die ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on ent­sen­den, wel­che Mit­glie­der der be­tref­fen­den Ver­ei­ni­gung sind, ver­schafft den ent­sand­ten Ver­tre­tern nicht zwangsläufig ein ent­spre­chen­des Ver­hand­lungs­ge­schick und Durch­set­zungs­vermögen, wie dies bei Ta­rif­ver­hand­lun­gen auf Ar­beit­ge­ber- und Ge­werk­schafts­sei­te an­zu­tref­fen ist.

 

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(cc) Zu­tref­fend weist Ri­char­di (a.a.O., § 15 Rn 19 ff.) dar­auf hin, dass für die Gleich­wer­tig­keit des „drit­ten We­ges" mit dem Ta­rif­ver­trags­sys­tem und die An­nah­me ei­nes Gleich­ge­wichts nicht al­lein die glei­che Mit­glie­der­zahl von Ver­tre­tern der Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer in der ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on genügt (a.a.o., Rn 21). Ne­ben der Ab­si­che­rung der persönli­chen Rechts­stel­lung der Kom­mis­si­ons­mit­glie­der ist auch nach dem Stand­punkt von Ri­char­di we­sent­lich, ob „die Mit­ar­bei­ter­sei­te dem Sach­ver­stand der Dienst­ge­ber ei­ne ent­spre­chen­de ei­ge­ne Fach­kom­pe­tenz ent­ge­gen­set­zen kann (un­ter Hin­weis auf Dütz, EssG 18 (1984) 67, 93). Dem­ge­genüber über­zeugt es nicht, wenn Ri­char­di den Stand­punkt ein­nimmt, dem Pa­ritätser­for­der­nis sei be­reits da­mit genügt, dass die Ver­tre­ter der Mit­ar­bei­ter sich bei der Erfüllung ih­rer Auf­ga­ben von ih­ren Verbänden un­terstützen las­sen können, aus­rei­chend sei die Möglich­keit der Verbände, sich im Ver­fah­ren des „drit­ten We­ges" ko­ali­ti­ons­recht­lich zu betäti­gen, oh­ne dass der kirch­li­che Ge­setz­ge­ber ver­pflich­tet sei, den Verbänden be­son­de­re Be­fug­nis­se zu­zu­wei­sen (kri­tisch zu Recht Ham­mer, Kirch­li­ches Ar­beits­recht, S. 394).

Im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang geht es in­des­sen nicht um die all­ge­mei­ne Fra­ge, in­wie­fern der Ge­setz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit ge­hal­ten ist, den Ge­werk­schaf­ten et­wa im Zu­sam­men­hang mit der Mit­glie­der­wer­bung und dem Zu­tritts­recht von Ge­werk­schafts­be­auf­trag­ten zu kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen be­son­de­re Rech­te ein­zuräum­en. Viel­mehr be­trifft die Fra­ge­stel­lung das Span­nungs­verhält­nis zwi­schen dem Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen und der Ko­ali­ti­ons­frei­heit und die An­for­de­run­gen an ein kirch­li­ches Re­ge­lungs­mo­dell, wel­ches an die Stel­le des staat­li­chen Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts tre­ten und den An­for­de­run­gen des Art. 9 Abs. 3 GG durch gleich­wer­ti­ge Durch­set­zungs­chan­cen der Ar­beit­neh­mer­sei­te ent­spre­chen soll. Folgt man dem Stand­punkt der Kläger­sei­te, dass das staat­li­che Ta­rif- und Ar­beits­kampf­recht mit den Ei­gen­hei­ten der „Dienst­ge­mein­schaft" nicht ver­ein­bar ist und die Kir­chen aus die­sem Grun­de be­rech­tigt sind, auf der Grund­la­ge ih­res Selbst­be­stim­mungs­rechts ein ei­genständi­ges Ver­fah­ren zur Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen zu schaff­ten, wel­ches al­ler­dings dem An­spruch genügen muss, der Ar­beit­neh­mer­sei­te gleich­wer­ti­ge Durch­set­zungs­chan­cen ein­zuräum­en, so ist die Fra­ge falsch ge­stellt, ob der Ge­setz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit durch­weg ge­hal­ten ist, den Ge­werk­schaf­ten be­stimm­te Be­fug­nis­se ein­zuräum­en. Viel­mehr ist zu fra­gen, ob das Ver­fah­ren des „Drit­ten We­ges" der Ar­beit­neh­mer­sei­te

 

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die glei­chen Durch­set­zungs­chan­cen wie das staat­li­che Ta­rif- und Ar­beits­kampf­recht bie­tet, wenn die Ge­werk­schaf­ten auf ei­ne bloße Be­ra­tungs­funk­ti­on be­schränkt wer­den. Dem­ent­spre­chend be­darf es ei­ner sach­lich nach­voll­zieh­ba­ren Be­gründung und Recht­fer­ti­gung dafür, dass der Ge­werk­schaft – an­ders als nach den sonst maßgeb­li­chen Re­geln – nicht die Rol­le des Ver­hand­lungsführers zu­ge­bil­ligt, son­dern ihr al­lein die Rol­le ei­nes Be­ra­ters „im Hin­ter­grund" zu­ge­wie­sen wird. Träfe die Ge­werk­schaft selbst die Ent­schei­dung, sich im staat­li­chen wie auch im kirch­li­chen Be­reich stets auf ei­ne der­ar­ti­ge Be­ra­ter­funk­ti­on zu be­schränken, weil et­wa dem Ge­sichts­punkt der Ver­traut­heit der Beschäftig­ten mit den be­trieb­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten Vor­rang vor ex­ter­ner Ein­fluss­nah­me ein­geräumt wer­den soll­te, so wären ge­gen ei­ne ent­spre­chen­de Ver­fah­rens­re­ge­lung im Be­reich des kirch­li­chen Ar­beits­rechts kei­ne Be­den­ken zu er­he­ben. Neh­men aber die Ge­werk­schaf­ten im Be­reich des staat­li­chen Ar­beits­rechts bei der Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen die Rol­le des Ver­hand­lungsführers wahr, so genügt zur Recht­fer­ti­gung ei­ner ab­wei­chen­den kirch­li­chen Ver­fah­rens­re­ge­lung nicht der Hin­weis, die Ver­fas­sung ge­bie­te es nicht, den Ko­ali­tio­nen be­stimm­te Be­fug­nis­se zu­zu­wei­sen. Aus wel­chem Grun­de im Be­reich kirch­li­cher Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­ver­fah­ren die Gewähr­leis­tung der „kom­mu­ni­ka­ti­ven Funk­ti­on der Ko­ali­ti­ons­frei­heit" (Ri­char­di, a.a.o., § 10 Rn. 38) genügen und der hier­mit ver­bun­de­ne, le­dig­lich „kom­mu­ni­ka­tiv ver­mit­tel­te" Ein­fluss auf die Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen als ebenbürtig im Ver­gleich zur Mit­ge­stal­tung der Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen beim Ab­schluss von Ta­rif­verträgen an­ge­se­hen wer­den könn­te, ver­mag die Kam­mer nicht nach­zu­voll­zie­hen (in die­sem Sin­ne auch Os­wald, Streik­recht im kirch­li­chen Dienst und in an­de­ren ka­ri­ta­ti­ven Ein­rich­tun­gen, Diss., 2005, S. 209 mit FN 1045, S. 235).

Ne­ben der Fra­ge des in­halt­li­chen Ein­flus­ses auf die zu re­geln­den Ar­beits­be­din­gun­gen geht es im Übri­gen um den Ge­sichts­punkt Durch­set­zungs­kraft. Die­ser bleibt bei bloßer Zu­bil­li­gung ei­ner „kom­mu­ni­ka­ti­ven Funk­ti­on" der Ko­ali­ti­ons­frei­heit der Ge­werk­schaft er­sicht­lich un­berück­sich­tigt, ob­gleich sich ge­ra­de­zu auf­drängen muss, dass al­lein die persönli­che Qua­li­fi­ka­ti­on der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter in der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on - be­ruf­li­che Fach­kom­pe­tenz, fes­te Ver­wur­ze­lung in der kirch­li­chen Dienst­ge­mein­schaft und aus­ge­prägtes ge­werk­schaft­li­ches En­ga­ge­ment - im all­ge­mei­nen nicht genügen, um gleich ei­nem haupt­amt­lich täti­gen Ver­bands­ver­tre­ter Ver­hand­lun­gen er­folg­reich

 

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führen zu können. Dem­ge­genüber über­zeugt es nicht, wenn Ri­char­di (NZA 2002, 929, 933) die struk­tu­rel­le Über­le­gen­heit der Ar­beit­ge­ber­sei­te bzw. die auch vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfGE 84, 212, 229) an­ge­nom­me­ne struk­tu­rel­le Un­ter­le­gen­heit der ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer – zu­min­dest im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang - Ab­re­de stellt. Träfe Ri­char­dis Stand­punkt zu, gäbe es we­der für die Ein­be­zie­hung des Ar­beits­rechts in die Kon­trol­le der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen noch für die An­er­ken­nung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit mit der Aus­for­mung des Ta­rif- und Ar­beits­kampf­rechts ei­nen plau­si­blen Grund. Überträgt man die Fra­ge­stel­lung nach dem rea­len Ver­hand­lungs­gleich­ge­wicht auf Le­bens­sach­ver­hal­te außer­halb des kirch­li­chen Ar­beits­rechts und stellt et­wa die Fra­ge, ob ein an­walt­lich be­ra­te­ner Ar­beit­neh­mer über die­sel­be Fach­kennt­nis, das­sel­be Ver­hand­lungs­ge­schick und Durch­set­zungs­vermögen im Hin­blick auf die Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen wie der ei­ge­ne oder geg­ne­ri­sche An­walt verfügt, so wird sich kaum ei­ne Gleich­wer­tig­keit be­gründen las­sen. Dem Stand­punkt Ri­char­dis, es könne kei­nem Zwei­fel un­ter­lie­gen, dass die Verhält­nis­se in den Gre­mi­en des „Drit­ten We­ges" pa­ritäti­schen Er­for­der­nis­sen entsprächen (a.a.O., § 15 Rn 23), kann da­nach nicht ge­folgt wer­den (Zwei­felnd auch Weg­ner, ZMV Son­der­heft 2010, 40, 47/48).

(dd) Auch die von Ri­char­di zum Be­leg zi­tier­te Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 06.11.1996 (5 AZR 334/95, AP Nr. 1 zu § 10 a AVR Ca­ri­tas­ver­band) be­sagt letzt­lich nichts darüber, in­wie­fern die Möglich­keit der in die ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on ent­sand­ten Mit­ar­bei­ter, sich von der Ge­werk­schaft be­ra­ten zu las­sen, die­se in die La­ge ver­setzt, dem Sach­ver­stand und Ver­hand­lungs­ge­schick der Ar­beit­ge­ber­sei­te ei­ne ent­spre­chen­de ei­ge­ne Kom­pe­tenz ent­ge­gen zu set­zen. Ge­gen­stand der zi­tier­ten Ent­schei­dung ist al­lein die Fra­ge, in­wie­fern ei­ne ein­ver­nehm­lich auf dem „Drit­ten Weg" zu­stan­de ge­kom­me­ne Rück­zah­lungs­klau­sel nach den­sel­ben ein­ge­schränk­ten Maßstäben, wie sie für Ta­rif­verträge maßgeb­lich sind, ei­ner In­halts­kon­trol­le un­ter­lie­gen. Dass ei­ne ge­mein­sam von Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern auf dem „Drit­ten Weg" be­schlos­se­nen Re­ge­lung nicht an­ders als ein zwi­schen Ta­rif­par­tei­en aus­ge­han­del­ter Ta­rif­ver­trag ei­ne womöglich glei­che „ma­te­ri­el­le Rich­tig­keits­gewähr" bie­tet, wel­che ei­ne Be­schränkung ge­richt­li­cher Kon­troll­maßstäbe er­laubt, er­scheint durch­aus nach­voll­zieh­bar. Für die Fra­ge, ob die Ar­beit­neh­mer­sei­te bei der Re­ge­lung von

 

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Ar­beits­be­din­gun­gen nicht mit Hil­fe ge­werk­schaft­li­cher Ver­hand­lungs­macht der Ar­beit­ge­ber­sei­te ei­ne güns­ti­ge­re Re­ge­lung hätte ab­rin­gen können, wel­cher eben­falls die erwähn­te Rich­tig­keits­gewähr zukäme, ist da­mit je­doch nichts ge­won­nen. Auch wenn die im Ver­fah­ren des „Drit­ten We­ges" be­schlos­se­nen Re­ge­lun­gen ei­ner un­ein­ge­schränk­ten Rechts­kon­trol­le un­ter­zo­gen würden und in kei­ner Hin­sicht zu be­an­stan­den wären, be­sagt dies nichts für die Fra­ge, ob bei verstärk­ter Mit­wir­kung oder Ver­hand­lungsführung der Ge­werk­schaft ei­ne für die Ar­beit­neh­mer­sei­te vor­teil­haf­te­re Re­ge­lung hätte er­zielt wer­den können. Zur Fra­ge der Gleich­wer­tig­keit des „Drit­ten We­ges", der Ver­gleich­bar­keit der Durch­set­zungs­chan­cen und der sach­li­chen Er­for­der­lich­keit, die Ge­werk­schaft von der un­mit­tel­ba­ren Be­tei­li­gung an der Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen fern­zu­hal­ten, trägt der Hin­weis auf die ge­nann­te Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts eben­so we­nig wie an­de­re teils nur beiläufi­ge Äußerun­gen ver­schie­de­ner Se­na­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts bei, wel­che sämt­lich in an­de­ren, hier nicht ein­schlägi­gen Zu­sam­menhängen for­mu­liert wor­den sind.

(ee) Fehlt es da­nach schon we­gen der Zurück­drängung des ge­werk­schaft­li­chen Ein­flus­ses und der Be­schränkung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit auf ei­ne „kom­mu­ni­ka­ti­ven Funk­ti­on" an gleich­wer­ti­gen Durch­set­zungs­chan­cen, be­darf es kei­ner ab­sch­ließen­den Be­wer­tung, in­wie­fern auch die Be­set­zung der Po­si­ti­on des Sch­lich­ters Be­den­ken un­ter dem Ge­sichts­punkt der Pa­rität ent­ge­gen­ste­hen. Auch wenn – wie die Kläger­sei­te un­wi­der­spro­chen vor­ge­tra­gen hat – in der Ver­gan­gen­heit stets ei­ne Ei­ni­gung über die Per­son des Sch­lich­ters ge­fun­den wer­den konn­te, wes­we­gen die vor­han­de­ne Kon­flikt­re­ge­lung. über die Ein­set­zung des Sch­lich­ters durch die Ver­wal­tungs­kam­mer der Kir­che (§ 16 Abs. 5 Satz 2 ARRG) bzw. über die Fort­dau­er der Amts­zeit des frühe­ren Sch­lich­ters bis­lang nicht zur An­wen­dung ge­kom­men ist, zeigt doch be­reits der Un­ter­schied zu der Ver­fah­rens­re­ge­lung der ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on, nach wel­cher ein jähr­li­cher Wech­sel im Vor­sitz zwi­schen Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­sei­te vor­ge­se­hen ist, dass das Prin­zip der Pa­rität nicht im stren­gen Sin­ne durch­ge­hal­ten ist. Auch Jous­sen (ZTR 2010, 54, 59), wel­cher an sich der Ver­fah­rens­ord­nung des „Drit­ten We­ges" po­si­tiv ge­genüber­steht, ver­weist auf die Be­deu­tung der Fra­ge, wie die Per­son des Sch­lich­tungs­vor­sit­zen­den be­stimmt wird, und schlägt vor, hierüber im Streit­fall das Los ent­schei­den zu las­sen. Dem­ge­genüber lässt sich nach den gel­ten­den Re­geln der „ein­ver­nehm­li­chen"

 

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Be­set­zung des Sch­lich­ter­pos­tens ei­ne ge­wis­se in­halt­li­che „Vor­wir­kung" nicht gänz­lich aus­sch­ließen (in die­sem Sin­ne auch Kühling, AuR 2001, 245 mit FN 61, 248: „Einschätzung der Ver­hand­lungs­chan­cen mit Blick auf die Sch­lich­tungs­in­stanz").

(ff) Zu­sam­men­fas­send bleibt da­mit fest­zu­hal­ten, dass ab­wei­chend von der h. M. der „Drit­te Weg" nicht als gleich­wer­tig mit dem staat­li­chen Ta­rif- und Ar­beits­kampf­sys­tem an­ge­se­hen wer­den kann. Auch wenn nach dem Stand­punkt der Kam­mer das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht we­gen der Be­son­der­hei­ten des in den kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen ge­leis­te­ten „Diens­tes am Nächs­ten" Ein­schränkun­gen der aus Art. 9 Abs. 3 GG fol­gen­den Po­si­ti­on der Ge­werk­schaf­ten er­laubt, können die­se nur un­ter der Vor­aus­set­zung als ge­recht­fer­tigt an­ge­se­hen wer­den, dass das Ver­fah­ren des „Drit­ten We­ges" den vom Ar­beits­kampf aus­ge­schlos­se­nen Ar­beit­neh­mern gleich­wer­ti­ge Durch­set­zungs­chan­cen un­ter Be­tei­li­gung der Ge­werk­schaft bie­tet. Dar­an fehlt es aus den dar­ge­stell­ten Gründen mit der Fol­ge, dass un­ter den ge­ge­be­nen Umständen dem ver­folg­ten Un­ter­las­sungs­be­geh­ren nicht ent­spro­chen wer­den kann.

d) Er­weist sich da­nach das von der Kläge­rin zu 1 ver­folg­te Kla­ge­be­geh­ren mit dem Haupt­an­trag in der Sa­che als un­be­gründet, weil die bekämpf­ten Ar­beits­kampf­maßnah­men nicht als rechts­wid­rig an­zu­se­hen sind, ist für die Ent­schei­dung über die von der Kläge­rin zu 1 ge­stell­ten Hilfs­anträge kein Raum. Er­sicht­lich sind die­se al­lein un­ter der Be­din­gung ge­stellt, dass der Haupt­an­trag we­gen ein­zel­ner An­trags­mo­da­litäten schei­tert, nicht hin­ge­gen soll über die Hilfs­anträge auch für den Fall ent­schie­den wer­den, dass der Un­ter­las­sungs­an­spruch um­fas­send ver­neint wird.

II

Die vor­ste­hen­den Ausführun­gen gel­ten für die Anträge der Kläger zu 2 und 3 ent­spre­chend.

 

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III

Das sei­tens des Klägers zu 4 ver­folg­te Un­ter­las­sungs­be­geh­ren, wel­chem das Ar­beits­ge­richt gemäß dem Ur­teils­te­nor zu Ziff. 2 hin­sicht­lich des drit­ten Hilfs­an­tra­ges (An­trag 3 c) statt­ge­ge­ben hat, schei­tert – ab­wei­chend vom Stand­punkt der Be­klag­ten – nicht am Er­for­der­nis hin­rei­chen­der Be­stimmt­heit des Kla­ge­an­tra­ges, er­weist sich aber in der Sa­che schon des­halb als un­be­gründet, weil es an dem für je­den Un­ter­las­sungs­an­spruch er­for­der­li­chen Merk­mal der Erst­be­ge­hungs- oder Wie­der­ho­lungs­ge­fahr fehlt.

1. An­ders als dies auf die Anträge an­de­rer Kläger zu­trifft, er­strebt der Kläger zu 4 kein par­ti­el­les, auf abs­trakt be­zeich­ne­te Ein­rich­tun­gen von Ver­bands­mit­glie­dern be­schränk­tes Ar­beits­kampf­ver­bot, wo­bei die Kon­kre­ti­sie­rung der er­fass­ten Ein­rich­tun­gen gg­fls. dem Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren über­las­sen blei­ben soll. Viel­mehr sol­len der Be­klag­ten Ar­beits­kampf­maßnah­men un­ein­ge­schränkt ver­bo­ten wer­den, weil in der Ein­rich­tung die auf­geführ­ten kirch­li­chen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen – von per­so­nell ein­ge­grenz­ten Aus­nah­men ab­ge­se­hen - durch­weg An­wen­dung fin­den und es sich des­halb um ei­ne Ein­rich­tung der Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft han­delt. Da­mit weist das Kla­ge­ziel kei­ne Un­klar­hei­ten auf.

2. In der Sa­che schei­tert der Un­ter­las­sungs­an­trag je­doch an der feh­len­den Erst­be­ge­hungs- oder Wie­der­ho­lungs­ge­fahr.

Zwar hat die Be­klag­te auch der Kläge­rin zu 4 Ar­beits­kampf­maßnah­men an­ge­droht, wie sich aus dem Schrei­ben vom 07.08.2009 (An­la­ge K 48 zur Be­ru­fungs­er­wi­de­rung, Bd. VI d. A.) er­gibt. An­ders als in den Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1 bis 3 ha­ben tatsächlich bis­lang je­doch kei­ne Ar­beits­nie­der­le­gun­gen statt­ge­fun­den, wes­we­gen nicht die Fra­ge der Wie­der­ho­lungs­ge­fahr, son­dern der Erst­be­ge­hungs­ge­fahr zu be­ur­tei­len ist. Dies setzt ei­nen ak­tu­ell dro­hen­den Ein­griff vor­aus, was sich aus be­reits be­gon­ne­nen Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen er­ge­ben kann. Die Auf­for­de­rung zu Ta­rif­ver­hand­lun­gen lässt sich je­doch nicht als Vor­be­rei­tungs­hand­lung zu Streik­maßnah­men auf­fas­sen. Rich­tig ist zwar, dass ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr sich im Ein­zel­fall auch schon dar­aus er­ge­ben kann, dass der Geg­ner sich ei­ner dies­bezügli­chen Be­rech­ti­gung berühmt (OLG Frank­furt,

 

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30.11.2007, 11 U 9/07 – ju­ris -; ArbG Frank­furt, 12.04.2007, 11 Ga 60/07 – Ju­ris -). Vor­aus­set­zung für ei­ne aus der bloßen „Berühmung" fol­gen­den Be­ge­hungs­ge­fahr ist je­doch, dass der ab­zu­weh­ren­de An­griff al­lein vom Wil­len des Geg­ners abhängt. An­dern­falls fehlt es trotz des „Berühmens" an der ak­tu­el­len Be­ge­hungs­ge­fahr (OLG Fran­kurt a.a.O.).

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind mit der im Schrei­ben vom 07.08.2009 ent­hal­te­nen, mit der Auf­for­de­rung zur Auf­nah­me von Ta­rif­ver­hand­lun­gen ver­bun­de­nen und ganz all­ge­mein ge­hal­te­nen An­dro­hung von Ar­beits­kampf­maßnah­men nicht erfüllt. Auch wenn es für die Durchführung von Warn­streiks kei­ner Ur­ab­stim­mung be­darf und im Übri­gen die Rechtmäßig­keit des Streiks im Verhält­nis zum Geg­ner nicht von der Ein­hal­tung sat­zungs­gemäßer Re­geln der Ge­werk­schaft abhängt, be­darf es doch vor Durchführung ei­nes Streiks zu­min­dest der Klärung, ob tatsächlich in der Be­leg­schaft ei­ne aus­rei­chen­de Zahl von Per­so­nen vor­han­den ist, wel­che zu of­fen be­kun­de­tem Pro­test be­reit sind und Kamp­fes­wil­len be­ken­nen wol­len. An­ders als bei über­wie­gend ge­werk­schaft­lich or­ga­ni­sier­ten Be­trie­ben kann dies bei Ein­rich­tun­gen in kirch­li­cher Träger­schaft nicht als selbst­verständ­lich an­ge­se­hen wer­den. Dem­ent­spre­chend folgt aus der Ver­knüpfung zwi­schen der Auf­for­de­rung zu Ta­rif­ver­hand­lun­gen und der all­ge­mei­nen An­dro­hung von Maßnah­men des Ar­beits­kamp­fes noch kei­ne ak­tu­el­le Be­ge­hungs­ge­fahr. An­de­res käme in Be­tracht, wenn die Ge­werk­schaft nach Zurück­wei­sung der Ver­hand­lungs­auf­for­de­rung „nun­mehr" mit Kampf­maßnah­men droht und ih­re in der Ein­rich­tung täti­gen Mit­glie­der zur Teil­nah­me auf­for­dert. Berück­sich­tigt man wei­ter, dass das er­streb­te um­fas­sen­de und nicht auf ei­ne ak­tu­el­le Aus­ein­an­der­set­zung be­zo­ge­ne Ver­bot von Kampf­maßnah­men im Fal­le der Rechts­kraft zeit­lich un­be­schränk­te Wir­kun­gen ent­fal­tet, müssen an das Merk­mal der Erst­be­ge­hungs­ge­fahr stren­ge An­for­de­run­gen ge­stellt wer­den.

Dar­auf, dass dem Kläger zu 4 der ver­folg­te Un­ter­las­sungs­an­spruch eben so we­nig wie den Klägern zu 1 bis 3 zu­steht, kommt es da­nach nicht mehr an. Im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ar­beits­ge­richt sind die vor­ste­hen­den Ge­sichts­punk­te wie auch die Fra­ge der An­trags­um­stel­lung im Sin­ne ei­nes Fest­stel­lungs­an­tra­ges erörtert wor­den. Aus nach­voll­zieh­ba­ren Gründen hat die Kläger­sei­te hier­von ab­ge­se­hen, da auch auf die­sem We­ge ei­ne Klärung der

 

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Rechts­la­ge im Sin­ne der Kläger­sei­te im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nicht zu er­rei­chen ge­we­sen wäre.

IV

So­weit es die Be­ru­fung des Klägers zu 5 be­trifft, be­ste­hen Be­den­ken ge­gen die Zulässig­keit so­wohl des vom Ar­beits­ge­richt un­ter Ziff. 3 b des Te­nors po­si­tiv be­schie­de­nen Hilfs­an­tra­ges zu 5 c als auch des mit der Be­ru­fung beim Lan­des­ar­beits­ge­richt oh­ne wei­te­res an­ge­fal­le­nen Hilfs­an­tra­ges zu 5 d.

1. Als Spit­zen­ver­band in der Rechts­form ei­nes ein­ge­tra­ge­nen Ver­eins, wel­chem u. a. auch die Kläger zu 1 bis 3 an­gehören, will der Kläger zu 5 der Be­klag­ten Kampf­maßnah­men bei den­je­ni­gen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen un­ter­sa­gen las­sen, wel­che als Ver­eins­mit­glie­der sei­nem Schutz un­ter­ste­hen. Wel­ches die Mit­glie­der und Ein­rich­tun­gen sind, er­gibt sich aus dem An­trag nicht und steht in An­be­tracht der Tat­sa­che, dass der ver­folg­te Un­ter­las­sungs­an­trag auf ei­ne künf­ti­ge Leis­tung ge­rich­tet ist, auch nicht ab­sch­ließend fest, viel­mehr sol­len das Kampf­ver­bot wohl die je­wei­li­gen Mit­glie­der schützen. Auch wenn nur die ge­genwärti­gen Mit­glie­der er­fasst sein sol­len, ändert dies nichts dar­an, dass der sach­li­che Gel­tungs­be­reich des Ver­bots da­mit nicht dem Ur­teil selbst zu ent­neh­men ist, son­dern erst durch zusätz­li­che Aus­kunfts­er­tei­lung und Nach­weis der Mit­glied­schaft der frag­li­chen Ein­rich­tun­gen – gg­fls. im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren - fest­ge­stellt wer­den könn­te. Zur Klärung, ob Maßnah­men des Ar­beits­kampfs in den Ein­rich­tun­gen der je­wei­li­gen Ver­bands­mit­glie­der zulässig sind und ob der Kläger zu 5 die­se aus ei­ge­nem Recht ab­weh­ren kann, be­darf es kei­nes zu­kunfts­be­zo­ge­nen Leis­tungs­an­tra­ges, des­sen Reich­wei­te sich im Er­kennt­nis­ver­fah­ren nicht ab­sch­ließend be­stim­men lässt. Die dar­ge­stell­te voll­stre­ckungs­recht­li­che Pro­ble­ma­tik ließe sich – wie in der münd­li­chen Ver­hand­lung erörtert - mögli­cher­wei­se durch ei­nen Fest­stel­lungs­an­trag ver­mei­den, ei­nen sol­chen hat die Kläger­sei­te je­doch im Hin­blick auf die Ge­fahr der Kla­ge­ab­wei­sung aus Gründen des ma­te­ri­el­len Rechts nicht ge­stellt.

Ge­gen die dar­ge­stell­ten Zulässig­keits­be­den­ken kann auch nicht ein­ge­wandt wer­den, die Reich­wei­te des Un­ter­las­sungs­ge­bots sei je­den­falls be­stimm­bar, da zum ei­nen

 

- 57 - 

viel­fach schon aus An­ga­ben im In­ter­net zu ent­neh­men sei, wel­che Ein­rich­tun­gen zu den Mit­glie­dern des Klägers zu 5 zähl­ten, wei­ter sei der Vor­stand auch je­der­zeit zur Aus­kunft ge­genüber der Be­klag­ten be­reit; je­den­falls im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren las­se sich die Mit­glied­schaft gg­fls. un­schwer be­le­gen. Dem ist ent­ge­gen zu hal­ten, dass der zur Un­ter­las­sung ver­ur­teil­te Schuld­ner oh­ne wei­te­res – und nicht erst auf­grund ein­zu­ho­len­der Er­kun­di­gun­gen und erst recht nicht erst im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren, in wel­chem es um die Auf­er­le­gung des im Ur­teil an­ge­droh­ten Ord­nungs­gel­des nach be­gan­ge­nem Ver­bots­ver­s­toß geht – wis­sen muss, in wel­chen Ein­rich­tun­gen er von Kampf­auf­ru­fen pp. ab­se­hen muss und in wel­chen Ein­rich­tun­gen er nicht ei­ner be­reits ti­tu­lier­ten Be­schränkung un­ter­liegt. Die Fra­ge, wer Mit­glied des Klägers ist, be­trifft da­mit nicht le­dig­lich die Reich­wei­te der Be­rech­ti­gung des kläge­ri­schen Ver­ban­des, sich schützend für sei­ne Mit­glie­der ein­zu­set­zen und (aus ei­ge­nem Recht) ein Ver­bot von Kampf­maßnah­men zu er­wir­ken, viel­mehr ist der „Gel­tungs­be­reich" und da­mit der Ge­gen­stand der zu un­ter­las­sen­den Hand­lung mit der Fra­ge der Ver­bands­mit­glied­schaft ver­knüpft. Die Klärung der ge­genständ­li­chen Reich­wei­te des Un­ter­las­sungs­ge­bots kann aber nicht dem Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten blei­ben.

Auch aus der von der Be­klag­ten zi­tier­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts folgt nichts an­de­res. Rich­tig ist zwar, dass im sog. Flashmob-Ver­fah­ren (BAG, 22.09.2011, 1 AZR 972/08) der ver­folg­te Kla­ge­an­trag des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des dar­auf ge­rich­tet war, der be­klag­ten Ge­werk­schaft ein be­stimm­tes Ver­hal­ten in ei­ner Fi­lia­le ei­nes Mit­glieds­un­ter­neh­mens des Klägers zu un­ter­las­sen, oh­ne dass hier­mit die Erklärung ver­bun­den war, wel­che Un­ter­neh­men zu den Mit­glie­dern des Klägers zähl­ten. Für die Be­stim­mung der ge­genständ­li­chen Reich­wei­te des Un­ter­las­sungs­an­tra­ges wa­ren der­ar­ti­ge An­ga­ben in­des­sen ent­behr­lich, da sich der zu un­ter­las­sen­de „Flas­mob-Auf­ruf" auf oh­ne­hin be­streik­te Fi­lia­len be­zog, al­so nur sol­che Ak­tio­nen um­fass­te, sie zu dem Streik hin­zu­tra­ten. Wel­che Fi­lia­len von der Ge­werk­schaft be­streikt wur­den, war die­ser aber oh­ne wei­te­res aus ei­ge­ner An­schau­ung be­kannt. Nichts an­de­res gilt für die zi­tier­te Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 24.04.2007 (1 AZR 252/06, NZA 2007,987). Auch hier war nach den kon­kre­ten Umständen aus der sach­li­chen Ein­gren­zung der Un­ter­las­sungs­anträge für die Be­klag­te er­kenn­bar, bei wel­chen Mit­glieds­un­ter­neh­men

 

- 58 - 

des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des Ar­beits­kampf­maßnah­men un­ter­las­sen wer­den soll­ten. An­satz­punk­te für ei­ne der­ar­ti­ge Ein­gren­zung der zu un­ter­las­sen­den Ar­beits­kampf­maßnah­men sind dem­ge­genüber im vor­lie­gen­den Fall nicht er­kenn­bar, so dass der Kreis der „Mit­glie­der", wel­che mit dem Un­ter­las­sungs­an­trag vor Ein­grif­fen geschützt wer­den sol­len, nicht oh­ne Rück­griff auf außer­pro­zes­sua­le Umstände ab­zu­gren­zen ist.

2. Die vor­ste­hen­den Be­den­ken führen al­ler­dings nicht zur Un­zulässig­keit des aus­ge­ur­teil­ten Hilfs­be­geh­rens ins­ge­samt, viel­mehr folgt aus den vor­ste­hen­den Ausführun­gen zur Kla­ge der Kläger 1 bis 3, dass die­se kon­kret von Kampf­maßnah­men be­droht sind. Dass die Kläger 1 bis 3 Mit­glied des Klägers sind, steht außer Streit. Da der Kläger zu 5 nicht als Pro­zess­stand­schaf­ter frem­de Rech­te gel­tend macht, son­dern aus ei­ge­nem Recht Un­ter­las­sung ver­langt, be­ste­hen ge­gen die Zulässig­keit des Un­ter­las­sungs­be­geh­rens des Klägers zu 5, ge­rich­tet auf die Un­ter­sa­gung von Kampf­maßnah­men in den Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1 bis 3 kei­ne Be­den­ken.

3. In der Sa­che gel­ten für den Un­ter­las­sungs­an­spruch des Klägers zu 5 die­sel­ben Grundsätze wie für die Kläger zu 1 bis 3. So­weit es die Be­son­der­heit be­trifft, dass der Kläger zu 5 als Spit­zen­ver­band ein Kampf­ver­bot in den Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1 bis 3 er­strebt, wird auf die zu­tref­fen­den Ausführun­gen des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils ver­wie­sen. Die mit der Be­ru­fung gel­tend ge­mach­ten Einwände über­zeu­gen nicht, ins­be­son­de­re geht es nicht um die Wahr­neh­mung frem­der Rech­te im We­ge der Pro­zess­stand­schaft, son­dern um die Ausübung ei­ge­ner Rech­te des Ver­ban­des. Im Er­geb­nis schei­tert der ver­folg­te Un­ter­las­sungs­an­spruch da­nach ent­schei­dend dar­an, dass auch der Kläger zu 5 – eben­so we­nig wie die Kläger zu 1 bis 3 - ein um­fas­sen­des Ver­bot von Ar­beits­kampf­maßnah­men in den Ein­rich­tun­gen sei­ner Mit­glie­der nicht ver­lan­gen kann.

V

Für die Kla­ge­anträge der Kläger zu 6-9 gel­ten die vor­ste­hen­den Ausführun­gen zu IV 1 ent­spre­chend.

 

- 59 - 

C

Die An­schluss­be­ru­fun g der Kläger bleibt oh­ne Er­folg.

I

Dies gilt zunächst für die vom Ar­beits­ge­richt als un­zulässig ab­ge­wie­se­nen Anträge.

Un­abhängig da­von, dass die­se – ih­re Zulässig­keit un­ter­stellt - auf der Grund­la­ge der Ausführun­gen zur Be­ru­fung in der Sa­che oh­ne­hin nicht ge­eig­net wären, dem er­streb­ten Be­geh­ren zum Er­folg zu ver­hel­fen, teilt die Kam­mer die vom Ar­beits­ge­richt er­ho­be­nen Be­den­ken. Wei­te­rer Ausführun­gen be­darf es in­des­sen nicht, da auf der Grund­la­ge der vor­ste­hen­den Ausführun­gen zur Be­ru­fung die Be­stimmt­heit der Anträge - wei­ter­ge­hend als vom Ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men - zu ver­nei­nen ist.

II

Aus den­sel­ben Gründen blei­ben auch die im We­ge der An­schluss­be­ru­fung kla­ge­er­wei­ternd in den Pro­zess ein­geführ­ten Hilfs­anträge oh­ne Er­folg.

D

Von den Kos­ten des Rechts­streits tra­gen die Kläger je 1/9.

E

Ge­gen das Ur­teil war die Re­vi­si­on we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung zu­zu­las­sen.

F

Der Streit­wert für das Be­ru­fungs­ver­fah­ren beträgt un­verändert 450.000 €.

 

- 60 - 

RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von den Klägern

RE­VISION

ein­ge­legt wer­den.

Für die be­klag­te Par­tei ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt

Fax: 0361 2636 2000

ein­ge­legt wer­den.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte,
2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­chrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

 

- 61 - 

Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.

* ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

 

Dr. Du­den­bos­tel 

Ven­ne­wald 

Horn

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