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Streiks sor­gen für Mit­glie­der-Plus bei Ge­werk­schaf­ten

Sie kämp­fen für mehr Geld und bes­se­re Ar­beits­be­din­gun­gen. In der ver­gan­ge­nen Zeit ver­ging kein Mo­nat oh­ne Streiks: Da­von ha­ben nicht zu­letzt die Ge­werk­schaf­ten selbst pro­fi­tiert

29.06.2015. (dpa) - Erst die Bahn, dann die Er­zie­her und nun die Post: Thü­rin­gens Ge­werk­schaf­ten ha­ben mit den Streiks der ver­gan­ge­nen Mo­na­te bei ih­ren Mit­glie­der­zah­len teil­wei­se deut­lich zu­ge­legt.

Nach ei­ner Um­fra­ge der Deut­schen Pres­se-Agen­tur ver­zeich­ne­ten die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter durch­weg mehr Ein­trit­te als Aus­trit­te.

"Wir ha­ben mehr neue Mit­glie­der ge­won­nen als bei frü­he­ren Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zun­gen", sag­te Mi­cha­el Kum­mer von der GEW in Thü­rin­gen.

Sei­ne Ge­werk­schaft Er­zie­hung und Wis­sen­schaft leg­te in ei­ni­gen Städ­ten und Land­krei­sen den Ki­ta-Be­trieb lahm.

Al­lein in den ver­gan­ge­nen Wo­chen schlos­sen sich laut Kum­mer 130 neue Er­zie­her der GEW an. 7500 Mit­glie­der zählt der Lan­des­ver­band ins­ge­samt. Seit Jah­res­be­ginn ha­be es 350 Ein­trit­te ge­ge­ben. Die Aus­trit­te ab­ge­rech­net, blei­be un­term Strich ein Zu­wachs bei den Mit­glied­schaf­ten, ver­si­cher­te der Spre­cher. Nach der Auf­lö­sung der DDR-Ge­werk­schaft Frei­er Deut­scher Ge­werk­schafts­bund (FDGB) 1990 wa­ren Kum­mer zu­fol­ge die Zah­len bei al­len Ge­werk­schaf­ten als Re­ak­ti­on auf Zwangs­mit­glied­schaf­ten vor der Wen­de ge­sun­ken. "Nun setzt schritt­wei­se ein Be­wusst­seins­wan­del ein", er­klär­te er.

Ge­streikt ha­ben auch die Lok­füh­rer. Ge­mes­sen am Um­fang der me­dia­len Be­richt­er­stat­tung zähl­te die Ge­werk­schaft Deut­scher Lo­ko­mo­tiv­füh­rer (GDL) in Thü­rin­gen le­dig­lich 20 neue Mit­glie­der. 86 Pro­zent der Lok­füh­rer sei­en aber be­reits Mit­glied, ord­ne­te Be­zirks­lei­ter Hart­mut Schae­fer ein. 4000 Mit­glie­der hat die GDL in Thü­rin­gen, Sach­sen und Sach­sen-An­halt. "In den letz­ten Jah­ren hat die Bahn in der Re­gi­on kaum neu­es Per­so­nal ein­ge­stellt", so Schae­fer. Des­we­gen ha­be die GDL in Mit­tel­deutsch­land kaum wach­sen kön­nen. Die Lok­füh­rer ha­ben seit Mo­na­ten im­mer wie­der ta­ge­wei­se den Schie­nen­ver­kehr lahm­ge­legt und bun­des­weit für lee­re Bahn­hö­fe ge­sorgt.

Die Ei­sen­bahn- und Ver­kehrs­ge­werk­schaft (EVG), die sich an­ders als die GDL be­reits mit der Bahn auf ei­nen Ta­rif­ver­trag ge­ei­nigt hat, leg­te eben­falls zu: 63 neue Mit­glie­der sind es. "Das sind neun mehr als 2014 zu die­sem Zeit­punkt", rech­ne­te der Lan­des­vor­sit­zen­de Lutz Bern­hardt vor. Er sieht kei­nen Zu­sam­men­hang mit den Streiks, je­doch mit dem er­ziel­ten Ta­rif­ab­schluss. Die EVG hat­te le­dig­lich mit Ar­beits­nie­der­le­gun­gen ge­droht. 5721 Bahn­be­schäf­tig­te sind in der Ge­werk­schaft or­ga­ni­siert.

Bei der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver­di wer­den die Kar­tei­kar­ten mit neu­en Mit­glie­dern in die­sen Ta­gen erst ge­zählt. Die für die Streiks bei der Post zu­stän­di­ge Ab­tei­lung re­gis­trier­te al­lein in den frü­he­ren Be­zir­ken Er­furt und Suhl ei­nen Zu­wachs von 200 Per­so­nen - bei nur ei­ner Hand­voll Aus­trit­ten. Die Vi­ze-Be­zirks­vor­sit­zen­de As­trid Striehn sprach von ei­ner ins­ge­samt po­si­ti­ven Ent­wick­lung. Der Mut, zu strei­ken, sei grö­ßer ge­wor­den. An­spruch auf Streik­geld als Er­satz für den ge­stri­che­nen Lohn wäh­rend ei­nes Streik­ta­ges ha­ben nur Mit­glie­der ei­ner Ge­werk­schaft. "Die Streik­kas­sen sind ge­füllt", so Striehn.

Vor ein paar Jah­ren sei­en die Men­schen Streiks ge­gen­über zu­rück­hal­ten­der ge­we­sen, weil sie Angst vor Ent­las­sun­gen ge­habt hät­ten, er­klär­te die Ge­werk­schaf­te­rin und un­ter­strich: "Die Teil­nah­me an ei­nem Streik ist kein Grund für ei­ne Ent­las­sung." Nach Auf­fas­sung der GEW gibt es heu­te nicht mehr Ar­beits­nie­der­le­gun­gen. "Die ha­ben le­dig­lich sich von der In­dus­trie in den Dienst­leis­tungs­sek­tor ver­la­gert", sag­te Spre­cher Kum­mer.

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Letzte Überarbeitung: 6. Juni 2016

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