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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Streikrecht, Beamtenrecht
   
Gericht: Verwaltungsgericht Osnabrück
Akten­zeichen: 9 A 2/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 19.08.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   

VER­WAL­TUN­GS­GERICHT OSN­ABRÜCK

Az.: 9 A 2/11

IM NA­MEN DES VOL­KES
UR­TEIL

 

In der Dis­zi­pli­nar­sa­che

der Frau A. B., C.

Kläge­rin,

Proz.-Bev.

zu 1: Ge­werk­schaft Er­zie­hung und Wis­sen­schaft Lan­des­ver­band Nie­der­sach­sen, Lan­des­rechts­schutz­stel­le,
Ber­li­ner Al­lee 16, 30175 Han­no­ver,

zu 1: Rechts­anwälte Ot­te und Part­ner, An der Lu­ther­kir­che 19, 30167 Han­no­ver,

ge­gen

die Nie­dersäch­si­sche Lan­des­schul­behörde Re­gio­nal­ab­tei­lung Os­nabrück, Mühle­ne­schweg 8, 49090 Os­nabrück,

Be­klag­te,

Streit­ge­gen­stand: Dis­zi­pli­nar­recht der Lan­des­be­am­ten hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Os­nabrück - 9. Kam­mer - auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 19. Au­gust 2011 durch den Präsi­den­ten des Ver­wal­tungs­ge­richts Schwen­ke, die Rich­te­rin Con­rads so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin D. für Recht er­kannt:

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Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

Die Kläge­rin trägt die Kos­ten des Ver­fah­rens.

Das Ur­teil ist we­gen der Kos­ten vorläufig voll­streck­bar.

Die Kläge­rin kann die Voll­stre­ckung durch Si­cher­heits­leis­tung in Höhe des zu voll­stre­cken­den Be­trags ab­wen­den, wenn nicht die Be­klag­te zu­vor Si­cher­heit in glei­cher Höhe leis­tet.

Die Be­ru­fung wird zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand

Die Be­tei­lig­ten strei­ten um ei­ne ge­gen die Kläge­rin we­gen ih­rer Teil­nah­me als Be­am­tin an ei­nem Streik verhäng­te Geld­buße in Höhe von 100,- €.

Die 19E. ge­bo­re­ne Kläge­rin steht als ver­be­am­te­te Leh­re­rin im Schul­dienst des Lan­des Nie­der­sach­sen. Sie erhält seit ih­rer Ein­stel­lung im Au­gust 19F. Dienst­bezüge nach Be­sol­dungs­grup­pe A 12 BBe­sO und un­ter­rich­tet die Fächer Französisch und Ge­schich­te an der Haupt- und Re­al­schu­le G.. Seit Fe­bru­ar 19H. ist sie Be­am­tin auf Le­bens­zeit. Die Kläge­rin ist le­dig und hat kei­ne Kin­der. Ihr wur­de auf An­trag ei­ne Teil­zeit­beschäfti­gung (20,5 Wo­chen­stun­den an­statt 26,5) für die Zeit vom 01.08.2010 bis 31.07.2011 gewährt. Die Kläge­rin ist Mit­glied der Ge­werk­schaft Er­zie­hung und Wis­sen­schaft (GEW).

Straf­recht­lich ist sie bis­her nicht in Er­schei­nung ge­tre­ten. Dis­zi­pli­nar­recht­lich ist sie le­dig­lich 19I. in­so­fern auffällig ge­wor­den, als dass sie am J. 19I. zwecks Teil­nah­me an ei­ner von der GEW durch­geführ­ten Pro­test­ver­an­stal­tung in Han­no­ver ih­ren stun­den­planmäßig zu er­tei­len­den sechs Un­ter­richts­stun­den fern­ge­blie­ben ist. Die Be­klag­te - da­mals noch als Be­zirks­re­gie­rung We­ser-Ems, Außen­stel­le Os­nabrück - stell­te den Ver­lust ih­rer Dienst­bezüge für die Zeit des Fern­blei­bens fest. Ei­ne dis­zi­pli­nar­recht­li­che Ahn­dung des Ver­hal­tens er­folg­te nicht.

Mit Verfügung vom 17.09.2009 lei­te­te die Be­klag­te ge­gen die Kläge­rin ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ein. An­lass war die Teil­nah­me der Kläge­rin an ei­ner Pro­test­ver­an­stal­tung der GEW am 25.02.2009 trotz ent­spre­chen­der Be­leh­rung durch den Schul­lei­ter. An die­sem Tag war die Kläge­rin ih­rer Un­ter­richts­ver­pflich­tung von vier St­un­den nicht nach­ge­kom­men. Auf­grund des­sen hat­te die Be­klag­te mit Verfügung vom 19.06.2009 den Ver­lust der Dienst­bezüge fest­ge­stellt. Nach Anhörung der Kläge­rin er­ließ die Be­klag­te am 11.01.2011 ei­ne Dis­zi­pli­nar­verfügung, mit der sie der Kläge­rin ei­ne Geld­buße in Höhe von 100,- € auf­er­leg­te. Die Dis­zi­pli­nar­verfügung wur­de der Kläge­rin am 14.01.2011 zu­ge­stellt.

Ge­gen die Dis­zi­pli­nar­verfügung hat die Kläge­rin un­ter dem 01.02.2011 am 04.02.2011 Kla­ge er­ho­ben.

Die Kläge­rin ist der Auf­fas­sung, dass ein ge­ne­rel­les Streik­ver­bot für Be­am­te be­reits in­ner­staat­li­chem Recht wi­derspräche. So sei ein sol­ches Ver­bot nicht mit Art. 9 III GG zu ver­ein­ba­ren. Das Streik­ver­bot stel­le kei­nen her­ge­brach­ten Grund­satz des Be­rufs­be­am­ten­tums dar, son­dern al­lein ein Pro­dukt der Exe­ku­ti­ve. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt lei­te das Ver­bot des Be­am­ten­streiks aus an­de­ren, all­ge­mein an­er­kann­ten Grundsätzen

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des Be­rufs­be­am­ten­tums ab, vor­nehm­lich aus der be­am­ten­recht­li­chen Treue­pflicht. Die­sem An­satz sei eben­falls nicht zu fol­gen. So sei der sog. Treue­pflicht le­dig­lich das Ge­bot zu ent­neh­men, auf die Be­lan­ge des Dienst­ge­bers Rück­sicht zu neh­men und des­sen In­ter­es­sen mit der ge­bo­te­nen Um­sicht zu fördern. Kol­lek­ti­ve In­ter­es­sen­ver­fol­gun­gen wi­dersprächen ei­ner sol­chen Pflicht nicht. Auch ein Be­am­ter ha­be ei­ge­ne In­ter­es­sen; es müss­te ihm er­laubt wer­den, die­se zu ver­tre­ten. Die darüber hin­aus be­ste­hen­de Ver­pflich­tung auf das All­ge­mein­wohl schließe ei­nen Streik von Be­am­ten nicht aus. So sei die Ko­ali­ti­ons­frei­heit, d.h. die ge­werk­schaft­li­che In­ter­es­sen­ver­fol­gung, auch für Be­am­te un­strei­tig an­er­kannt. Die Ar­beits­nie­der­le­gung ge­be der ge­werk­schaft­li­chen In­ter­es­sen­ver­fol­gung kei­nen an­de­ren In­halt. Die Funk­ti­onsfähig­keit der Ver­wal­tung wer­de durch ein ge­ne­rel­les Streik­recht von Be­am­ten nicht ver­letzt. So müsse nach den je­weils von den Be­am­ten aus­geübten Funk­tio­nen un­ter­schie­den wer­den. Der Um­stand, dass die Be­sol­dung der Be­am­ten ge­setz­lich fest­ge­legt wer­de und der Streik­adres­sat das Par­la­ment sei, spre­che eben­falls nicht ge­gen ein Streik­recht. Ein sol­cher Streik stel­le kei­nen po­li­ti­schen Streik dar, denn er rich­te sich nicht ge­gen den Staat in sei­ner Ver­ant­wor­tung für die po­li­ti­sche Ge­stal­tung des Ge­mein­we­sens, son­dern in sei­ner Ei­gen­schaft als Dienst­herr sei­ner Be­am­ten.

Streik­teil­nah­men von Be­am­ten sei­en auch auf­grund der ak­tu­el­len Ent­schei­dun­gen des EGMR zum Streik­ver­bot in der Türkei (Ent­schei­dun­gen vom 12.11.2008 - 34503/97 - und 21.04.2009 - 68959/01 - ) nicht mehr als Dienst­ver­ge­hen zu qua­li­fi­zie­ren. So ver­lan­ge das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ei­ne völker­rechts­freund­li­che Aus­le­gung auch des Grund­ge­set­zes. Der Kläger sei - selbst bei Auf­he­bung der Dis­zi­pli­nar­maßnah­me - al­lei­ne durch die Fest­stel­lung ei­nes Dienst­ver­ge­hens be­schwert, was den An­trag zu 2. er­for­der­lich ma­che. Das deut­sche Be­am­ten­recht müsse sich vom Sta­tu­s­prin­zip ver­ab­schie­den und hin­sicht­lich ei­nes Streik­rechts funk­ti­ons­be­zo­gen un­ter­schei­den. Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wer­de seit Jah­ren vom ILO (In­ter­na­tio­nal La­bour Or­ga­niza­t­i­on) - Sach­verständi­gen­aus­schuss, vom UN-So­zi­al­pakt­aus­schuss so­wie vom UN-Men­schen­rechts­aus­schuss auf­grund des ab­so­lu­ten Streik­ver­bots für Be­am­te gerügt. Ins­be­son­de­re das Streik­recht für Lehr­kräfte sei hier an­er­kannt. Das ge­ne­rel­le Ver­bot des Be­am­ten­streiks ver­s­toße zu­dem ge­gen Art. 6 IV der Eu­ropäischen So­zi­al­char­ta (ESC). Dies gel­te ins­be­son­de­re für die Lehr­kräfte im öffent­li­chen Schul­dienst. So ha­be das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt be­reits ent­schie­den, dass Leh­rer in der Re­gel nicht schwer­punktmäßig ho­heit­lich ge­prägte Auf-ga­ben und da­mit kei­ne ho­heit­li­chen Be­fug­nis­se i.S.d. Art. 33 IV GG wahr­neh­men würden.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

1. die Dis­zi­pli­nar­verfügung der Be­klag­ten vom 11.01.2011 auf­zu­he­ben,

2. fest­zu­stel­len, dass die Kläge­rin mit der Teil­nah­me am Warn-streik der GEW vom 25.02.2009 kein Dienst­ver­ge­hen be­gan­gen hat.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie meint, die Kläge­rin ha­be ein Dienst­ver­ge­hen be­gan­gen. Durch die Teil­nah­me an dem Warn­streik der GEW und dem un­ge­neh­mig­ten Fern­blei­ben vom Dienst ha­be die Kläge­rin

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ih­re ihm gem. § 67 I NBG ob­lie­gen­de Pflicht, dem Dienst nur mit Ge­neh­mi­gung fern­zu­blei­ben, ver­letzt. Das Fern­blei­ben vom Dienst sei auch nicht durch Art. 9 III GG ge­recht-fer­tigt ge­we­sen. Der Be­am­ten­streik sei von die­ser Vor­schrift nicht geschützt. So sei das Ziel des Warn­streiks am 25.02.2009 ins­be­son­de­re die Über­tra­gung des Ver­hand­lungs­er­geb­nis­ses der Ta­rif­run­de auf Be­am­tin­nen und Be­am­te ge­we­sen. Der Re­ge­lungs­ge­gen-stand des Streiks sei so­mit be­sol­dungs- und nicht ta­rif­ver­trags­recht­li­cher Na­tur ge­we­sen. Art. 9 III GG sei je­doch ein Mit­tel zur Er­zwin­gung von be­stimm­ten Ver­ein­ba­run­gen. Die Aus­ge­stal­tung des Be­am­ten­verhält­nis­ses, das auch die Höhe des Ge­halts um­fas­se, be­ru­he im Un­ter­schied da­zu ge­ra­de nicht auf Ver­ein­ba­run­gen zu­sam­men­wir­ken­der Par­tei­en. Ein Streik ge­gen das al­lein­zuständi­ge, ge­setz­ge­ben­de Par­la­ment stel­le ei­ne po­li­ti­sche Ein­fluss­nah­me dar, wel­che nicht von Art. 9 III GG ge­deckt sei.

Außer der EM­RK sei­en al­le an­de­ren völker­recht­li­chen Ver­ein­ba­run­gen bei der Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes nicht mit ein­zu­be­zie­hen, da sie gem. Art. 59 II GG im Rang ei­nes Bun­des­ge­set­zes stünden. Die Ent­schei­dun­gen des EGMR würden gem. Art. 46 EM­RK le­dig­lich die un­mit­tel­bar an dem Ver­fah­ren be­tei­lig­ten Ver­trags­par­tei­en bin­den. Für Deutsch­land als nicht be­tei­lig­ter Staat hätten die Ent­schei­dun­gen zum türki­schen Streik­ver­bot le­dig­lich Ori­en­tie­rungs­wir­kung. Da sich die ak­tu­el­len Ent­schei­dun­gen des EGMR nicht mit ei­nem po­li­ti­schen Streik­recht von Be­am­ten hätten aus­ein­an­der set­zen müssen, könn­ten die Er­geb­nis­se in die­sen Ver­fah­ren auch nicht auf das deut­sche Recht über­tra­gen wer­den. Das Fern­ziel ei­nes je­den von Art. 9 III GG geschütz­ten Streiks müsse ei­ne ver­trag­li­che Ei­ni­gung über die Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen sein. Dies sei im Fal­le der Be­am­ten be­reits aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Gründen nicht möglich. Folg­lich sei Art. 9 III GG hier be­reits nicht an­wend­bar.

Selbst wenn bei ei­nem Be­am­ten­streik­ver­bot der Schutz­be­reich des Art. 9 III GG eröff­net wäre, sei ein sol­cher Ein­griff durch die her­ge­brach­ten Grundsätze des Be­rufs­be­am­ten­tums gem. Art. 33 V GG und bei ver­be­am­te­ten Leh­re­rin­nen und Leh­rern zusätz­lich gem. Art. 7 GG ge­recht­fer­tigt. So zähle zu den her­ge­brach­ten Grundsätzen des Be­rufs­be­am­tens ins­be­son­de­re die Treue­pflicht des Be­am­ten. Durch die Teil­nah­me an dem an den Ge­setz­ge­ber adres­sier­ten Streik ha­be die Kläge­rin ge­gen die­se Pflicht ver­s­toßen. Zu­dem sei ein Be­am­ter der All­ge­mein­heit ver­pflich­tet und könne nicht während sei­ner Dienst­zeit ei­ge­nen In­ter­es­sen nach­ge­hen. So sei ein planmäßiger, kon­ti­nu­ier­li­cher Un­ter­richt Grund­vor­aus­set­zung für die Erfüllung des ver­fas­sungs­recht­li­chen Bil­dungs­auf­tra­ges aus Art. 7 I GG. Die­sem sei die Kläge­rin als ver­be­am­te­te Leh­re­rin ver­pflich­tet. Durch die Ver­let­zung die­ser Pflicht sei die Funk­ti­onsfähig­keit der öffent­li­chen Ver­wal­tung be­ein­träch­tigt wor­den.

Die Kläge­rin als Be­am­tin ha­be an Stel­le ei­nes Streik­rechts je­der­zeit (außer­halb der ei­ge­nen Dienst­zeit) die Möglich­keit, sich an den Per­so­nal­rat und an sei­ne Ge­werk­schaft zu wen­den, die im Ge­setz­ge­bungs­pro­zess die In­ter­es­sen der Be­am­ten ins­ge­samt ver­tre­ten könn­ten. Zu­dem könne ein Be­am­ter bzw. ei­ne Be­am­tin ge­richt­li­che Kon­trol­le sei­ner bzw. ih­rer Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen im ge­richt­li­chen We­ge ver­fol­gen. In die­ser Form könne auch eben­falls ge­gen das Par­la­ment vor­ge­gan­gen wer­den. Ein di­rek­ter, öffent­li­cher Kon­flikt ei­nes Be­am­ten/ ei­ner Be­am­tin mit dem Par­la­ment könne je­doch nicht ak­zep­tiert wer­den.

Die Recht­fer­ti­gung ei­nes mögli­chen Ein­griffs in Art. 9 III GG er­ge­be sich zu­dem be­reits aus Art. 11 II EM­RK so­wie der neu­er­li­chen Recht­spre­chung des EGMR hier­zu. So ha­be

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die­ser le­dig­lich ge­for­dert, dass in­ner­halb der großen Grup­pe der im öffent­li­chen Dienst Beschäftig­ten kein ab­so­lu­tes Streik­ver­bot be­ste­hen dürf­te. Im Sin­ne des Art. 11 II EM­RK könne durch­aus ei­ne kon­kret ab­grenz­ba­re Grup­pe ei­nem Streik­ver­bot un­ter­lie­gen. Da die Be­am­ten in Deutsch­land ei­ne sol­che ab­grenz­ba­re Grup­pe al­ler im öffent­li­chen Dienst Beschäftig­ten dar­stell­ten, wäre ein nur sie be­tref­fen­des Streik­ver­bot mit Art. 11 EM­RK ver­ein­bar. Der Be­griff des "fonc­tion­n­ai­re" in den Ent­schei­dun­gen des EGMR müss­te an-statt mit "Be­am­ten" mit "An­gehöri­gen des öffent­li­chen Diens­tes" über­setzt wer­den.

Die völker­rechts­freund­li­che Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes könne nicht da­zu führen, dass die tra­gen­den Grundsätze des Grund­ge­set­zes ver­letzt würden. Das Be­am­ten­streik­ver­bot sei gem. Art. 33 V GG als her­ge­brach­ter Grund­satz des Be­rufs­be­am­ten­tums ein der­art tra­gen­der Ver­fas­sungs­grund­satz.

Die Kläge­rin ha­be durch die Teil­nah­me am Streik so­wohl ge­gen die ihr nach § 67 I NBG ob­lie­gen­de Dienst­leis­tungs­pflicht als auch ge­gen die sich aus § 33 I Be­am­tStG (Amtsführung zum Woh­le der All­ge­mein­heit), § 34 Be­am­tStG (vol­ler persönli­cher Ein­satz im Be­ruf, un­ei­gennützi­ge Auf­ga­ben­wahr­neh­mung, ach­tungs- und ver­trau­ens­ge­rech­tes Ver­hal­ten) und § 35 Be­am­tStG (Be­ach­tung dienst­li­cher An­ord­nun­gen und all­ge­mei­ner Richt­li­ni­en) er­ge­ben­den Be­am­ten­pflich­ten ver­s­toßen. Um der Kläge­rin künf­tig zu ei­nem pflicht­gemäßen Ver­hal­ten an­zu­hal­ten, sei die Geld­buße von 100,- € auch an­ge­mes­sen ge­we­sen.

We­gen des wei­te­ren Vor­trags der Be­tei­lig­ten wird auf de­ren Schriftsätze, we­gen des Sach­ver­halts im Übri­gen wird auf die Ge­richts­ak­ten so­wie die bei­ge­zo­ge­nen Ver­wal­tungs­vorgänge (Per­so­nal­ak­te und Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren) Be­zug ge­nom­men.

Ent­scheid u n g s g r ü n d e

Die Kla­ge ist zulässig (I.), je­doch un­be­gründet (II.). Die Kläge­rin ist durch die Dis­zi­pli­nar­verfügung der Be­klag­ten vom 11.01.2011 nicht ver­letzt, da die­se rechtmäßig ist.

I. Der An­trag zu 1. ist gem. § 42 II Vw­GO als An­fech­tungs-, der An­trag zu 2. als Fest­stel­lungs­kla­ge gem. § 43 Vw­GO zulässig. Das in § 43 I Vw­GO ge­for­der­te be­rech­tig­te In­ter­es­se an der Fest­stel­lung be­gründet sich in dem Rechts­verhält­nis zwi­schen der Kläge­rin als Be­am­tin im Diens­te der Be­klag­ten. So hat die Kläge­rin ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, für die Zu­kunft fest­stel­len zu las­sen, ob un­abhängig von ei­ner Ent­schei­dung über die Rechtmäßig­keit der verhäng­ten Dis­zi­pli­nar­verfügung ihr Ver­hal­ten als Dienst­ver­ge­hen ein­ge­stuft wird (dif­fe­ren­zie­rend: VG Düssel­dorf, Ur­teil v. 15.12.2010, 31 K 3904/10.0). So könn­te die al­lei­ni­ge Fest­stel­lung ei­nes Dienst­ver­ge­hens - auch oh­ne Bestäti­gung der verhäng­ten Dis­zi­pli­nar­verfügung - für das wei­te­re Rechts­verhält­nis zwi­schen Kläge­rin und Be­klag­ten in der Zu­kunft be­stimm­te Fol­gen ha­ben und so in ih­rer wei­te­ren dienst­li­chen Lauf­bahn an ei­ni­gen Stel­len Berück­sich­ti­gung fin­den, z.B. bei ei­nem wei­te­ren dis­zi­pli­na­ren Ver­hal­ten der Kläge­rin oder im Rah­men ei­ner Aus­wah­l­ent­schei­dung bei ei­ner Be­wer­bung der Kläge­rin für ei­nen an­de­ren Dienst­pos­ten.

II. Mit der Teil­nah­me an dem Streik am 25.02.2009 hat die Kläge­rin ge­gen ih­re ihr ob­lie­gen­de Dienst­leis­tungs­pflicht (§ 67 I NBG), ge­gen ih­re Pflicht zur Amtsführung zum Woh­le

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der All­ge­mein­heit (§ 33 I Be­am­tStG) und ge­gen ih­re Pflicht zum vol­len persönli­chen Ein­satz im Be­ruf, zur un­ei­gennützi­gen Auf­ga­ben­wahr­neh­mung so­wie zum ach­tungs- und ver­trau­ens­ge­rech­tem Ver­hal­ten (§ 34 Be­am­tStG) ver­s­toßen. Da­durch hat sie ein Dienst-ver­ge­hen gem. § 47 I Be­am­tStG be­gan­gen (1.). Auch die Höhe der verhäng­ten Dis­zi­pli­nar­maßnah­me gem. §§ 6 I Nr. 2, 8 NDiszG ist an­ge­mes­sen; das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren war nicht ein­zu­stel­len (2.)

1. Die Kläge­rin ist auf­grund ih­rer Teil­nah­me an ei­nem Streik der Ge­werk­schaft GEW am 25.02.2009 vom Dienst fern­ge­blie­ben und hat da­mit ei­ne Dienst­pflicht­ver­let­zung be­gan­gen. Zwar können sich Be­am­te grundsätz­lich auch auf Art. 9 III GG be­ru­fen (a.), ein Streik­recht ist für sie dar­aus je­doch in­fol­ge der in Art. 33 V GG nor­mier­ten her­ge­brach­ten Grundsätze des Be­rufs­be­am­ten­tums nicht ab­leit­bar (b.). Das sta­tus­be­zo­ge­ne Streik­ver­bot für Be­am­te stellt ei­nen tra­gen­den Ver­fas­sungs­grund­satz dar, wel­cher von dem an­ge­ru­fe­nen Ge­richt nicht ab­wei­chend be­ur­teilt wer­den kann (c.). Ei­ne funk­ti­ons­be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ist im deut­schen Be­am­ten­recht auch we­der gem. Art. 11 EM­RK in sei­ner ak­tu­el­len Aus­le­gung durch den EGMR (d.), noch auf­grund an­de­rer völker­recht­li­cher Übe­r­ein­kom­men (e.) oder gemäß un­mit­tel­bar gel­ten­dem EU-Recht vor­zu­neh­men (f.). Bei sei­ner Dienst­pflicht­ver­let­zung han­del­te die Kläge­rin auch schuld­haft (g.).

a. Die Gewähr­leis­tung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit im na­tio­na­len Recht (Art. 9 III GG) ver­mit­telt Be­am­ten kein Streik­recht. Zwar steht Be­am­ten gem. Art. 9 III GG grundsätz­lich auch die Ko­ali­ti­ons­frei­heit als be­son­de­re Aus­prägung der Ver­ei­ni­gungs­frei­heit zu, da auch Be­am­te Träger die­ses Grund­rechts sind (vgl. BVerfG, Ent­schei­dung v. 30.11.1965, 2 BvR 54/62, ju­ris Rn. 20 ff.). Die Ko­ali­ti­ons­frei­heit ist ein vor­be­halt­los gewähr­tes Grund­recht. Es kön-nen ihr da­her grundsätz­lich nur zur Wah­rung ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ter Güter Schran­ken ge­setzt wer­den (BVerfG, Urt. v. 10.01.1995, 1 BvF 1 /90 u.a., ju­ris Rn. 59).

Kol­li­si­ons­recht­li­che Be­schränkun­gen der Ko­ali­ti­ons­frei­heit er­ge­ben sich da­her übe­r­all dort, wo das Grund­recht aus Art. 9 III GG mit an­de­ren, dem Grund­satz der Ein­heit der Ver­fas­sung gemäß, prin­zi­pi­ell gleich­ran­gi­gen Grund­rech­ten kol­li­diert. Die je­wei­li­ge Kol­li­si­onslösung hat nach Maßga­be des all­ge­mei­nen Über­maßver­bots das Prin­zip "des nach bei­den Sei­ten hin scho­nen­den Aus­gleichs" zu ver­wirk­li­chen (vgl. Maunz-Dürig, u.a. be­ar­bei­tet von Scholz, Kom­men­tar zum GG, Stand: Mai 2011, Art. 9, Rn. 353, m.w.N.). Die Be­ach­tung die­ses Prin­zips der prak­ti­schen Kon­kor­danz führt in der vor­lie­gen­den Abwägungs­si­tua­ti­on zwi­schen Art. 9 III GG und Art. 33 V GG je­doch nicht zu ei­ner teil­wei­sen Auf­he­bung oder Auf­wei­chung des grundsätz­li­chen Streik­ver­bots für Be­am­te.

b. Un­ter den "her­ge­brach­ten Grundsätzen des Be­rufs­be­am­ten­tums" i.S.d. Art. 33 V GG ist der Kern­be­stand der Struk­tur­prin­zi­pi­en zu ver­ste­hen, die all­ge­mein oder doch ganz über-wie­gend während ei­nes länge­ren, tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums, min­des­tens un­ter der Reichs­ver­fas­sung von Wei­mar, als ver­bind­lich an­er­kannt und ge­wahrt wor­den sind (BVerfG, Urt. v. 06.03.2007, 2 BvR 556/04, Leit­satz Nr. 1). Ob das be­am­ten­recht­li­che Streik­ver­bot auch heu­te noch ei­nen ein­zel­nen, ei­ge­nen her­ge­brach­ten Grund­satz des

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Be­rufs­be­am­ten­tums i.S.d. Art. 33 V GG dar­stellt (so: BVerwG, Urt. v. 03.12.1980, 1 D 86/79, ju­ris Rn. 117), kann da­hin ste­hen, denn es ist je­den­falls Aus­fluss der in die­sem Sin­ne an­er­kann­ten Treue­pflicht des Be­am­ten. Der Be­am­te ist im Rah­men sei­ner Treue­pflicht dem All­ge­mein­wohl und da­mit zur un­ei­gennützi­gen Amtsführung ver­pflich­tet und hat bei der Erfüllung der ihm an­ver­trau­ten Auf­ga­ben sei­ne ei­ge­nen In­ter­es­sen zurück­zu­stel­len. Der Ein­satz wirt­schaft­li­cher Kampf- und Druck­mit­tel zur Durch­set­zung ei­ge­ner In­ter­es­sen, ins­be­son­de­re kol­lek­ti­ver Kampf­maßnah­men im Sin­ne des Art. 9 III GG wie das Streik­recht, ist ihm ver­wehrt. Da­mit gehört das Streik­ver­bot zu­min­dest als Aus­prägung der Treue­pflicht zu den Kern­pflich­ten des Be­am­ten­verhält­nis­ses (vgl. zur Treue­pflicht: BVerfG, Nicht­an­nah­me­be­schl. v. 06.05.2008, 2 BvR 337/08, ju­ris Rn. 17; zum Streik­ver­bot so­wie zur Treue­pflicht: BVerfG, Be­schl. v. 19.09.2007, 2 BvF 3/02, ju­ris Rn. 55, 66; BVerfG, Urt. v. 18.11.1954, 1 BvR 629/52, ju­ris Rn. 26). Streik oder streikähn­li­che Maßnah­men be­sei­ti­gen oder min­dern die Funk­ti­onsfähig­keit des Be­rufs­be­am­ten­tums und tref­fen es im Kern (BVerwG, Urt. v. 03.12.1980, 1 D 86/79, ju­ris Rn. 122).

Darüber hin­aus ergänzt das be­am­ten­recht­li­che Streik­ver­bot - zu­min­dest dann, wenn es im Streik wie im vor­lie­gen­den Fall um die Über­tra­gung der Er­geb­nis­se des Ta­rif­ab­schlus­ses, d.h. um die ei­ge­ne Be­sol­dung geht - das eben­falls als her­ge­brach­ten Grund­satz des Be­rufs­be­am­ten­tums an­er­kann­te Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip (vgl. zum Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip: BVerfG, Urt. v. 06.03.2007, 2 BvR 556/04, Leit­satz Nr. 2a.). Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ver­pflich­tet den Dienst­herrn zur Gewährung ei­nes an Dienstrang, Be­deu­tung und Ver­ant­wor­tung des Am­tes ori­en­tier­ten und da­mit Dienst­ver­pflich­tung und Dienst­leis­tung berück­sich­ti­gen­den an­ge­mes­se­nen Le­bens­un­ter­halts. Die Be­sol­dung ei­nes Be­am­ten wird ein­sei­tig durch das Par­la­ment fest­ge­legt und ge­ra­de nicht "erstrit­ten" und "ver­ein­bart". In­ner­halb des Be­am­ten­rechts ist die Zu­las­sung ei­nes Streiks da­her aus­ge­schlos­sen (BVerfG, Be­schl. v. 30.03.1977, 2 BvR 1039/75, 2 BvR 1045/75, ju­ris Rn. 38). Der ein­zel­ne Be­am­te hat kei­ne ei­ge­nen recht­li­chen Möglich­kei­ten, auf die nähe­re Aus­ge­stal­tung sei­nes Rechts­verhält­nis­ses, ins­be­son­de­re auf die Höhe sei­nes Ge­halts, ein­zu­wir­ken; eben­so we­nig ist er nach her­ge­brach­ten Grundsätzen be­fugt, zur Förde­rung ge­mein­sa­mer Be­rufs­in­ter­es­sen kol­lek­ti­ve wirt­schaft­li­che Kampf­maßnah­men zu er­grei­fen. Der Be­am­te ist auf die Re­ge­lung an­ge­wie­sen, die sein Dienst­herr als Ge­setz­ge­ber ge­trof­fen hat (BVerfG, Be­schluss v. 11.06.1958, 1 BvR 1/52, 1 BvR 46/52, ju­ris Rn. 48; zu den übri­gen - aus­rei­chen­den - Be­tei­li­gungs- und Ko­ali­ti­onsmöglich­kei­ten für Be­am­te i.R.d. Art. 9 III GG: OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urt. v. 25.10.2007, OVG 4 B 10.07, ju­ris Rn. 21 ff.).

c. Der Wort­laut des Art. 33 V GG ver­langt le­dig­lich ei­ne Berück­sich­ti­gung der her­ge­brach­ten Grundsätze des Be­rufs­be­am­ten­tums. Hin­sicht­lich be­stimm­ter Prin­zi­pi­en for­dert das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt je­doch nicht nur ei­ne Berück­sich­ti­gung die­ser, son­dern ih­re Be­ach­tung. Zu die­sem Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en gehören u.a. der Grund­satz der Treue­pflicht - und da­mit auch das Streik­ver­bot - so­wie das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip (Zu dem Kern­be­stand: BVerfG, Be­schl. v. 19.09.2007, 2 BvR 3/02, ju­ris Rn. 52 f.). Ände­run­gen die­ser Grundsätze wären mit den ak­tu­el­len Grund­struk­tu­ren des von Art. 33 V GG geschütz­ten Leit­bilds des deut­schen Be­rufs­be­am­ten­tums nicht in Ein­klang zu brin­gen - und ste­hen dem vor­lie­gend zur Ent­schei­dung an­ge­ru­fe­nen Ge­richt auch nicht zu.

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So ist die­ses Ge­richt als staat­li­cher Funk­ti­ons­träger gem. § 31 I BVerfGG eben­falls an die Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu Art. 33 V GG ge­bun­den. Nach all­ge­mei­nen Pro­zess­rechts­grundsätzen ist die ma­te­ri­el­le Rechts­kraft auf die Ent­schei­dungs­for­mel, den Ent­schei­dungs­te­nor, be­schränkt. Die Ent­schei­dungs­gründe neh­men grundsätz­lich nicht an der Rechts­kraft teil. Al­ler­dings wer­den die Ent­schei­dungs­gründe zur Be­stim­mung des Ver­fah­rens­ge­gen­stan­des und zur Er­mitt­lung der ob­jek­ti­ven Rechts­kraft­gren­zen her­an­ge­zo­gen. Die Bin­dungs­wir­kung des § 31 I BVerfGG be­zieht sich da­her auch auf die je­weils tra­gen­den Ent­schei­dungs­gründe (BVerfG, Be­schl. v. 10.06.1975, 2 BvR 1018/74, ju­ris Rn. 13 f.). Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt soll hier­nach der maßgeb­li­che In­ter­pret und Hüter der Ver­fas­sung sein. Die Bin­dungs­wir­kung be­schränkt sich des­halb auf die Tei­le der Ent­schei­dungs­gründe, wel­che die Aus­le­gung und An­wen­dung des Grund­ge­set­zes be­tref­fen. Die Aus­le­gung und An­wen­dung ein­fa­cher Ge­set­ze ist nach die­ser Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts Sa­che der sachnähe­ren Fach­ge­rich­te. Im hier zu ent­schei­den­den Fall ei­nes nie­dersäch­si­schen Be­am­ten ist je­doch kein ein­fa­ches Ge­setz aus­zu­le­gen, denn das Streik­ver­bot ist we­der im NBG noch im Be­am­tStG ge­re­gelt. Viel­mehr wird es un­mit­tel­bar aus Art. 33 V GG her­ge­lei­tet. Für die Aus­le­gung die­ser Vor­schrift ist - wie be­reits aus­geführt - das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt der maßgeb­li­che In­ter­pret. Das vor­lie­gend an­ge­ru­fe­ne Ge­richt ist gem. § 31 I BVerfGG nicht be­fugt, von den oben ge­nann­ten Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu der Aus­le­gung und Be­stim­mung des Kerns des Art. 33 V GG ab­zu­wei­chen und dem Kläger als ver­be­am­te­ten Leh­rer ein Streik­recht zu­zu­spre­chen. Denn die Ausführun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Kern des Art. 33 V GG so­wie zu ei­nem mögli­chen Streik­recht von Be­am­ten i.S.d. Art. 9 III GG sind als je­weils tra­gen­de Ent­schei­dungs­gründe ein­zu­stu­fen.

Ein funk­ti­ons­be­zo­ge­nes Streik­recht im Hin­blick auf die Aus­sa­ge des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, dass Leh­rer in der Re­gel nicht schwer­punktmäßig ho­heit­lich ge­prägte Auf­ga­ben wahr­neh­men (BVerfG, Be­schl. v. 19.09.2007, 2 BvF 3/02, ju­ris Rn. 65), kann von dem vor­lie­gend an­ge­ru­fe­nen Fach­ge­richt vor dem Hin­ter­grund der Aus­le­gung des Art. 33 V GG durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt da­her nicht her­ge­lei­tet wer­den. Denn in der­sel­ben Ent­schei­dung macht das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt deut­lich, dass ein "Ro­si­nen­pi­cken" im Be­am­ten­recht nicht vor­ge­se­hen ist (vgl. ju­ris Rn. 67, vgl. auch BVerfG, Urt. v. 30.03.1977, 2 BvR 1039/75, 2 BvR 1045/75, ju­ris Rn. 35 a.E.). Das be­deu­tet, dass mit dem Ein­tritt in das Be­am­ten­verhält­nis so­wohl Rech­te als auch Pflich­ten in ei­nem aus­ge­wo­ge­nen Verhält­nis in­ner­halb ei­nes Ge­samt­re­gel­sys­tems ent­ste­hen - d.h. dass we­der der Dienst­herr noch der Be­am­te be­fugt ist, ge­wis­se Rech­te für sich in An­spruch zu neh­men oh­ne selbst be­stimm­te Pflich­ten zu erfüllen. Wenn sich bei­de Tei­le für ein sol­ches Rechts­verhält­nis ent­schei­den, sind auch bei­de glei­cher­maßen ver­pflich­tet, zu­min­dest die in Art. 33 V GG ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Grundsätze be­ach­ten. Ge­wis­sen Vor­tei­len, wie z.B. dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip als Auf­ga­be des Dienst­herrn, ste­hen dem Be­am­ten ge­wis­se Nach­tei­le, z.B. das Streik­ver­bot, ge­genüber. Aus die­sem auf ge­gen­sei­ti­gen Rech­ten und Pflich­ten ba­sie­ren­den Verhält­nis Teil­be­rei­che her­aus­zu­neh­men, wi­derspräche Art. 33 V GG mit sei­nem vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt fest­ge­stell­ten Ge­halt.

Ei­ne funk­ti­ons­be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung bei der Ent­schei­dung über das Streik­recht würde da­her ge­gen Art. 33 V GG ver­s­toßen. So macht das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit sei­ner Ent­schei­dung vom 19.09.2007 (2 BvF 3/02) zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit von Teil­zeit­ein­s­tel-

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lun­gen im Be­am­ten­verhält­nis auch ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund des deut­lich früher er­gan­ge­nen Ur­teils des EGMR von 08.12.1999 (28541/95 Pel­le­grin/ Frank­reich) deut­lich, dass das deut­sche Be­am­ten­recht ge­ra­de kei­ne funk­ti­ons­be­zo­ge­ne Un­ter­schei­dung in Teil­be­rei­chen des Be­am­ten­verhält­nis­ses vor­sieht. In der Ent­schei­dung des EGMR hat­te die­ser ei­ne funk­ti­ons­be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung bei der Un­ter­schei­dung zwi­schen öffent­lich- und pri­vat­recht­li­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis­sen im Rah­men des Art. 6 I EM­RK ge­for­dert. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die­se Aus­le­gung durch den EGMR je­doch nicht zum An­lass ge­nom­men, in der Fol­ge­zeit sei­ne sta­tus­be­zo­ge­ne Aus­le­gung des Be­am­ten­verhält­nis­ses in ei­ne funk­ti­ons­be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung um­zu­wan­deln bzw. sie an die durch den EGMR vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung an­zu­pas­sen.

Zu­dem sieht das deut­sche Be­am­ten­recht ins­ge­samt an kei­ner Stel­le ei­ne sol­che funk­ti­ons­be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung vor. Es muss viel­mehr - un­abhängig von der Pflicht des Staa­tes gem. Art. 33 IV GG und selbst wenn An­ge­stell­te und Be­am­te zum Teil die­sel­ben Auf­ga­ben wahr­neh­men - zwi­schen den bei­den un­ter­schied­li­chen Beschäfti­gungs­for­men, d.h. zwi­schen dem Be­am­ten- und dem An­ge­stell­ten- bzw. Ar­bei­ter­verhält­nis, klar un­ter­schie­den wer­den. Ei­ne Misch­form bei­der Sys­te­me sieht das deut­sche Recht nicht vor.

Auch die Dop­pel­rol­le des Staa­tes als ta­riffähi­ger Ar­beit­ge­ber so­wie ho­heit­lich täti­gem Dienst­herrn ändert an der strik­ten Tren­nung bei­der Beschäfti­gungs­verhält­nis­se nichts (vgl. zur Dop­pel­rol­le: BVerfG, Be­schl. v. 02.03.1993, 1 BvR 1213/85). Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 07.06.2000 (1 D 4/99), in der es ei­nem be­ur­laub­ten Fern­mel­de­be­am­ten während sei­ner Beschäfti­gung bei ei­ner Toch­ter­ge­sell­schaft der Deut­schen Te­le­kom AG ein Streik­recht zu­spricht, wi­der­spricht die­ser Tren­nung eben­falls nicht. Denn in den Gründen macht das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt deut­lich (vgl. Rn. 19), dass der be­ur­laub­te Be­am­te während sei­ner Be­ur­lau­bung nach Ta­rif, d.h. pri­vat­recht­lich, be­zahlt wird. Die Be­sol­dung und da­mit auch das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ru­hen für die Zeit der Be­ur­lau­bung und der be­ur­laub­te Be­am­te hat da­mit ein In­ter­es­se an der Gel­tend­ma­chung sei­ner In­ter­es­sen ge­genüber sei­nem ihm in ei­nem pri­vat­recht­li­chen Ar­beits­verhält­nis ge­genüber ste­hen­den Ar­beit­ge­ber gem. Art. 9 III GG. Auf­grund der Tren­nung bei­der Rechts­verhält­nis­se stuft das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ei­ne Pflicht­ver­let­zung des be­ur­laub­ten Be­am­ten, die er ihm Rah­men ei­nes pri­va­ten Ar­beits­verhält­nis­ses bei ei­ner Toch­ter­ge­sell­schaft be­geht, auch als außer­dienst­li­ches Dienst­ver­ge­hen ein (vgl. Leit­satz).

Auch die Ent­schei­dung des LAG Hamm vom 13.01.2011 (8 Sa 788/10, Re­vi­si­on ein­ge­legt un­ter dem Az.: 1 AZR 179/11), die im Span­nungs­verhält­nis des Art. 9 III zu Art. 140 GG ei­ne funk­ti­ons­be­zo­ge­ne Un­ter­schei­dung hin­sicht­lich des Streik­rechts vor­nimmt, führt zu kei­ner an­de­ren Einschätzung. Denn im vor­lie­gen­den Fall ist Streit­ge­gen­stand das Streik-recht ei­ner Be­am­tin und nicht ei­ner Ar­beit­neh­me­rin.

d. Der Kern­be­stand des Art. 33 V GG ist auch nicht im Lich­te der zwi­schen­zeit­lich er­gan­ge­nen Ent­schei­dun­gen des EGMR (Ur­tei­le v. 12.11.2008, 34503/97 De­mir u. Bay­ka­ra/Türkei; v. 21.04.2009, 68959/01 En­er­ji Ya­pi-Yol Sen/Türkei) an­ders zu be­ur­tei­len. In die­sen Ur­tei­len hat der EGMR bei der Aus­le­gung des Art. 11 EM­RK (Ko­ali­ti­ons­frei­heit) an­de­re in­ter­na­tio­na­le Ver­ein­ba­run­gen so­wie ih­re Aus­le­gung durch die zuständi­gen In­sti­tu­tio­nen so­wie die Pra­xis der eu­ropäischen Staa­ten berück­sich­tigt. Der EGMR stell­te in

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sei­nem Ur­teil vom 12.11.2008 fest, dass es der EM­RK wi­der­spricht, wenn An­gehöri­ge des öffent­li­chen Diens­tes kei­ne Ge­werk­schaf­ten bil­den und kei­ne Ta­rif­ver­hand­lun­gen mit ih­rem Ar­beit­ge­ber führen dürfen. Die Ein­schränkun­gen in Art. 11 II EM­RK sind hier­nach eng aus­zu­le­gen. Ge­mein­de­be­diens­te­te sind da­nach nicht "An­gehöri­ge der Staats­ver­wal­tung" i.S. von Art. 11 II EM­RK. In sei­nem Ur­teil vom 21.04.2009 ent­schied der EGMR, dass ein Streik­ver­bot der Recht­fer­ti­gung nach Art. 11 II EM­RK be­darf. Ei­ne Be­schränkung des Streik­rechts ist hier­nach nur für An­gehöri­ge des öffent­li­chen Diens­tes, die im Na­men des Staa­tes Ho­heits­ge­walt ausüben, zulässig. Ein all­ge­mei­nes Streik­ver­bot für An­gehöri­ge des öffent­li­chen Diens­tes ist nach der EM­RK un­verhält­nismäßig.

Die­se Ent­schei­dun­gen bin­den gem. Art. 46 I EM­RK le­dig­lich die Par­tei­en des Rechts­strei­tes, d.h. in die­sem Fall die Türkei. Für Deutsch­land ent­fal­ten die­se Ent­schei­dun­gen des EGMR le­dig­lich Ori­en­tie­rungs­wir­kung. Die EM­RK ste­hen in der deut­schen Rechts­ord­nung gem. Art. 59 II GG grundsätz­lich im Ran­ge ei­nes förm­li­chen Bun­des­ge­set­zes, d.h. un­ter-halb des Grund­ge­set­zes. Der Kon­ven­ti­ons­text und die Recht­spre­chung des EGMR die-nen je­doch auch auf der Ebe­ne des Ver­fas­sungs­rechts als Aus­le­gungs­hil­fen. Es wi­der-spricht da­bei nicht dem Ziel der Völker­rechts­freund­lich­keit, wenn der Ge­setz­ge­ber aus­nahms­wei­se Völker­ver­trags­recht nicht be­ach­tet, so­fern nur auf die­se Wei­se ein Ver­s­toß ge­gen tra­gen­de Grundsätze der Ver­fas­sung ab­zu­wen­den ist. Die Berück­sich­ti­gung der Gewähr­leis­tun­gen der EM­RK und der Ent­schei­dun­gen des EGMR gehört da­bei zur Bin-dung an Ge­setz und Recht (Art. 20 III GG). So­wohl die feh­len­de Aus­ein­an­der­set­zung mit ei­ner Ent­schei­dung des Ge­richts­hofs als auch de­ren ge­gen vor­ran­gi­ges Recht ver­s­toßen-de sche­ma­ti­sche "Voll­stre­ckung" können ge­gen Grund­rech­te in Ver­bin­dung mit dem Rechts­staats­prin­zip ver­s­toßen. So ha­ben die staat­li­chen Or­ga­ne bei der Berück­sich­ti­gung von Ent­schei­dun­gen des Ge­richts­hofs die Aus­wir­kun­gen auf die na­tio­na­le Rechts­ord­nung in ih­re Rechts­an­wen­dung ein­zu­be­zie­hen. Das gilt ins­be­son­de­re dann, wenn es sich bei dem ein­schlägi­gen na­tio­na­len Recht um ein aus­ba­lan­cier­tes Teil­sys­tem des in­ner­staat­li­chen Rechts han­delt, das ver­schie­de­ne Grund­rechts­po­si­tio­nen mit­ein­an­der zum Aus­gleich brin­gen will (BVerfG, Be­schl. v. 14.10.2004, 2 BvR 1481/04, Görgülü). Die Her­an­zie­hung der EM­RK zielt al­so nicht auf ei­ne sche­ma­ti­sche Par­al­le­li­sie­rung ein­zel­ner ver­fas­sungs­recht­li­cher Be­grif­fe, son­dern dient der Ver­mei­dung von Völker­rechts­ver­let­zun­gen. Die men­schen­recht­li­che Ge­hal­te des je­weils in Re­de ste­hen­den völker­recht­li­chen Ver­trags müssen im Rah­men ei­nes ak­ti­ven (Re­zep­ti­ons-) Vor­gangs in den Kon­text der auf­neh­men­den Ver­fas­sungs­ord­nung "um­ge­dacht" wer­den. Die Gren­zen der völker­rechts­freund­li­chen Aus­le­gung er­ge­ben sich aus dem Grund­ge­setz. Die Recht­spre­chung des EGMR ist möglichst scho­nend in das vor­han­de­ne, dog­ma­tisch aus­dif­fe­ren­zier­te na­tio­na­le Rechts­sys­tem ein­zu­pas­sen, wes­halb sich auch ei­ne un­re­flek­tier­te Ad­ap­ti­on völker­recht­li­cher Be­grif­fe ver­bie­tet (BVerfG, Urt. v. 04.05.2011, 2 BvR 2333/08 u.a., ju­ris Rn. 86 ff, Si­che­rungs­ver­wah­rung).

Die Ent­schei­dun­gen des EGMR zum türki­schen Recht führen un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Grundsätze nicht zu ei­ner Auf­wei­chung des all­ge­mei­nen Streik­ver­bots für Be­am­te in Deutsch­land. So sind zum ei­nen die Be­griff­lich­kei­ten aus den of­fi­zi­ell in eng­lisch und französisch ver­fass­ten Ur­tei­len des EGMR mit Vor­sicht in die deut­sche Rechts­spra­che zu über­set­zen. Der Be­griff des "fonc­tion­n­ai­re" kann z.B. so­wohl mit "Be­am­ter" als auch mit "Of­fi­zi­el­ler" oder "An­gehöri­ger des öffent­li­chen Diens­tes" über­setzt wer­den (vgl. Lind­ner,

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Dürfen Be­am­te doch strei­ken?, DöV 2011, 305 (309)). Ent­spre­chend muss ei­ne An­pas­sung der Ent­schei­dun­gen des EGMR auch in sprach­li­cher Hin­sicht er­fol­gen. Zum an­de­ren sind die Beschäfti­gungs­sys­te­me in­ner­halb der Ver­trags­staa­ten un­ter­schied­lich aus­ge­stal­tet und da­her die das türki­sche Sys­tem be­tref­fen­den Ent­schei­dun­gen nicht "sche­ma­tisch" in das deut­sche Recht zu über­neh­men. Die Kam­mer braucht nicht zu klären, wie z.B. das Verhält­nis von ver­be­am­te­ten und ar­beits­recht­lich beschäftig­ten An­gehöri­gen des öffent­li­chen Diens­tes in der Türkei ist. Ge­nau­so we­nig kommt es dar­auf an, wie der EGMR das deut­sche Be­rufs­be­am­ten­tum als Teil der Ge­samt­grup­pe "An­gehöri­ge im öffent­li­chen Dienst" im Hin­blick auf Art. 11 EM­RK be­wer­ten würde. Zwar spricht vie­les dafür, dass das ab­so­lu­te Streik­ver­bot für Be­am­te in Deutsch­land Art. 11 II EM­RK wi­der­spricht, al­so völker­recht­lich ei­ne funk­ti­ons­be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung wie in den die Türkei be­tref­fen­den Ent­schei­dun­gen er­for­der­lich wäre und sich Deutsch­land in Form des der­zeit gülti­gen all­ge­mei­nen Streik­ver­bots für Be­am­te völker­rechts­wid­rig verhält (so: Lörcher, Das Men­schen­recht auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lung und Streik - auch für Be­am­te, AuR 2009, 229; Nie­do­b­itek, De­na­tio­na­li­sie­rung des Streik­rechts - auch für Be­am­te?, ZBR 2010, 361 (368)) . Die­se Einschätzung führt je­doch nicht da­zu, dass das dog­ma­tisch aus­dif­fe­ren­zier­te deut­sche Be­rufs­be­am­ten­tum mit sei­nen in Art. 33 V GG ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Rech­ten und Pflich­ten in sei­nem Kern­be­stand au­to­ma­tisch verändert wird. Denn für ei­ne sol­che An­pas­sung wäre das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als maßgeb­li­cher In­ter­pret des Grund­ge­set­zes bei sei­nen Ent­schei­dun­gen über die Reich­wei­te des Art. 33 V GG, ins­be­son­de­re im Verhält­nis zu Art. 9 III GG, s.o., oder der ver­fas­sungsändern­de Ge­setz­ge­ber selbst zuständig (vgl. zur Not­wen­dig­keit des Tätig­wer­dens des ver­fas­sungsändern­den Ge­setz­ge­bers: VG Düssel­dorf, Urt. v. 15.12.2010, 31 K 3904/10.O, ju­ris Rn. 19; Sei­fert, Recht auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen und Streik­recht für Be­am­te, KritV 2009, 357 (377)).

Et­was an­de­res wäre es, wenn die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land als Völker­rechts­sub­jekt vom EGMR ver­ur­teilt wer­den würde und die men­schen­rechts­freund­li­che Aus­le­gung ein­fa­cher Ge­set­ze im Raum stünde. Die oben ge­nann­ten Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu der Ein­bin­dung von Ent­schei­dun­gen des EGMR in das na­tio­na­le Recht (vgl. Görgülü-Be­schluss so­wie das Ur­teil zur Si­che­rungs­ver­wah­rung) be­tref­fen die­se Kon­stel­la­ti­on. So war in die­sen Fällen das deut­sche Recht in Form von ein­fa­chen Ge­set­zen selbst Ge­gen­stand der EGMR-Ent­schei­dun­gen. Auf­grund der Ver­ur­tei­lung Deutsch­lands be­stand ei­ne di­rek­te Ver­pflich­tung nicht nur des Ge­setz­ge­bers gem. Art. 46 I EM­RK zum Tätig­wer­den, son­dern auch al­ler an­de­ren deut­schen Ge­rich­te zur ent­spre­chen­den men­schen­rechts­freund­li­chen Aus­le­gung des deut­schen Rechts (BVerfG, Be­schl. v. 14.10.2004, 2 BvR 1481/04, Ori­en­tie­rungs­satz Nr. 1b, Görgülü).

Ent­schei­dun­gen des EGMR sol­len je­doch auch darüber hin­aus als Aus­le­gungs­hil­fe Berück­sich­ti­gung fin­den, wenn sie nicht den­sel­ben Streit­ge­gen­stand be­tref­fen. Dies be­ruht auf der je­den­falls fak­ti­schen Ori­en­tie­rungs- und Leit­funk­ti­on, die der Recht­spre­chung des EGMR für die Aus­le­gung der EM­RK auch über den kon­kret ent­schie­de­nen Ein­zel­fall hin­aus zu­kommt. Das Grund­ge­setz will vor der Hin­ter­grund der zu­min­dest fak­ti­schen Präze­denz­wir­kung der Ent­schei­dun­gen in­ter­na­tio­na­ler Ge­rich­te Kon­flik­te zwi­schen den völker­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und dem na­tio­na­len Recht nach Möglich­keit ver­mei­den. Die Völker­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes ist da­mit Aus­druck ei­nes Sou­ver­a­nitätsin­ter­es­ses, das ei­ner Ein­bin­dung in in­ter- und su­pra­na­tio­na-

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le Zu­sam­menhänge so­wie de­ren Wei­ter­ent­wick­lung nicht nur ent­ge­gen­steht, son­dern die­se vor­aus­setzt und er­war­tet. Vor die­sem Hin­ter­grund steht auch das "letz­te Wort" der deut­schen Ver­fas­sung ei­nem in­ter­na­tio­na­len und eu­ropäischen Dia­log der Ge­rich­te nicht ent­ge­gen, son­dern ist des­sen nor­ma­ti­ve Grund­la­ge (BVerfG, BVerfG, Urt. v. 04.05.2011, 2 BvR 2333/08 u.a., ju­ris Rn. 89, Si­che­rungs­ver­wah­rung).

Hin­sicht­lich des Streik­ver­bots von Be­am­ten hat die deut­sche Ver­fas­sung auch wei­ter­hin das "letz­te Wort". Die die Türkei be­tref­fen­den Ent­schei­dun­gen des EGMR ver­set­zen das an­ge­ru­fe­ne Ge­richt nicht in die La­ge, den deut­schen Kern­be­stand des Art. 33 V GG zu verändern. Zu ei­ner Verände­rung der Reich­wei­te des Art. 33 V GG ist - wie be­reits aus­geführt - le­dig­lich das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt be­fugt.

Ei­ne an­de­re Be­wer­tung er­gibt sich auch nicht durch die Neu­fas­sung des Art. 33 V GG, d.h. durch die die so ge­nann­te "Fort­ent­wick­lungs­klau­sel". Fort­zu­ent­wi­ckeln ist nach der Ge­set­zes­fas­sung al­lein das Recht des öffent­li­chen Diens­tes, nicht aber der hierfür gel­ten-de Maßstab, die her­ge­brach­ten Grundsätze des Be­rufs­be­am­ten­tums (BVerfG, Be­schl.v. 19.09.2007, 2 BvF 3/02, ju­ris Rn. 83). Zu den her­ge­brach­ten Grundsätzen des Be­rufs­be­am­ten­tums zählen - wie be­reits fest­ge­stellt - u.a. das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip so­wie die Treue­pflicht des Be­am­ten. Das Streik­ver­bot ist zu­min­dest ei­ne Aus­prägung die­ser Grundsätze bzw. ergänzt die­se. Die­ser Kern­be­stand des Art. 33 V GG prägt das Bild des Be­am­ten­tums in sei­ner über­kom­me­nen Ge­stalt und Funk­ti­on und muss an­ge­sichts sei­nes grund­le­gen­den und struk­tur­prägen­den Cha­rak­ters nicht nur berück­sich­tigt, son­dern be­ach­tet wer­den (vgl. BVerfG, Urt. v. 06.03.2007, 2 BvR 556/04, ju­ris Rn. 41). Ei­ne Be­sei­ti­gung die­ser grund­le­gen­den Struk­tur­prin­zi­pi­en wi­derspräche dem Grund­ge­setz im Kern bzw. sei­ner Aus­le­gung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt. Die Ge­stal­tungs­frei­heit für die Fach­ge­rich­te bei der Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes ist auf­grund der Rol­len­ver­tei­lung zwi­schen Fach­ge­rich­ten und Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, s.o., auch hin­sicht­lich der Berück­sich­ti­gung von an­ders­lau­ten­den Ent­schei­dun­gen des EGMR be­grenzt. Ei­ne Be­sei­ti­gung des all­ge­mei­nen Streik­ver­bots für Be­am­te würde das We­sen des Be­rufs­be­am­ten­tums, das durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­ner Aus­le­gung des Art. 33 V GG erst sei­ne Ge­stal­tung er­hal­ten hat, an­tas­ten und wäre da­her mit Art. 33 V GG nicht zu ver­ein­ba­ren. Folg­lich sieht sich das an­ge­ru­fe­ne Ge­richt nicht in der La­ge, in der Abwägung zwi­schen dem Kern­be­stand des Art. 33 V GG und sei­ner Pflicht ei­ner völker­rechts­freund­li­chen Aus­le­gung deut­schen Rechts ei­nen scho­nen­den Aus­gleich her­bei­zuführen. Es ist viel­mehr selbst an den Kern­be­stand des Art. 33 V GG ge­bun­den und stuft - zu­min­dest vor die­sem Hin­ter­grund - die Streik­teil­nah­me von Be­am­ten als ei­nen Ver­s­toß ge­gen Art. 33 V GG ein. Da­her stellt auch die Teil­nah­me der Kläge­rin an der Streik­maßnah­me ei­ne Dienst­pflicht­ver­let­zung dar.

e. Auch die an­de­ren völker­recht­li­chen Übe­r­ein­kom­men, wie z.B. das ILO-Übe­r­ein­kom­men Nr. 87, führen zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis. Denn die­sen kom­men im deut­schen Rechts­sys­tem kei­ne über den Rang ei­nes ein­fa­chen Bun­des­ge­set­zes hin­aus­ge­hen­de Wir­kung zu, vgl. Art. 59 II GG. Die darüber hin­aus ge­hen­de völker­rechts­freund­li­che Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes verändert vor dem Hin­ter­grund des oben aus­geführ­ten Verständ­nis­ses des ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Kern­be­stan­des des Be­rufs­be­am­ten­tums die Wer­tung des Art. 33 GG eben­falls nicht.

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f. Die Kläge­rin kann ein Streik­recht auch nicht aus dem un­mit­tel­bar gel­ten­den EU-Recht ab­lei­ten. So ha­ben die Mit­glieds­staa­ten die Eu­ropäische Uni­on we­der ermäch­tigt das Ko­ali­ti­ons- noch das Streik­recht zu re­geln. Der Eu­ropäischen Uni­on kommt im Be­reich des Ar­beits­kampf­rechts kei­ne Re­ge­lungs­kom­pe­tenz zu. Art. 153 V AEUV, wo­nach die in Art. 153 I bis IV AEUV ge­re­gel­ten Kom­pe­ten­zen nicht für das Ar­beits­ent­gelt, das Ko­ali­ti­ons­recht, das Streik­recht so­wie das Aus­sper­rungs­recht gel­ten, schließt das aus­drück­lich aus. Es bleibt da­her nach dem Prin­zip der be­grenz­ten Ein­zel­ermäch­ti­gung gem. Art. 5 I, II EUV bei der Zuständig­keit der Mit­glieds­staa­ten, vgl. Art. 4 I, 5 I, II EUV (vgl. auch Lind­ner, Dürfen Be­am­te doch strei­ken?, DöV 2011, 305 (309); im Er­geb­nis eben­so: Nie­do­b­itek, De­na­tio­na­li­sie­rung des Streik­rechts - auch für Be­am­te?, ZBR 2010, 361 (363 ff.)).

Auch aus Art. 6 I EUV in Ver­bin­dung mit der Grund­rech­te­char­ta, die seit dem Ver­trag von Lis­sa­bon den Rang des EU-Primärrechts hat, er­gibt sich kein Streik­recht für Be­am­te. Zwar verbürgt Art. 12 der Char­ta das Recht sich zu ver­ei­ni­gen und Art. 28 der Char­ta das Recht auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen und Kol­lek­tiv­maßnah­men ein­sch­ließlich des Streiks. Die Char­ta gilt gem. Art. 51 I je­doch für die Or­ga­ne und Ein­rich­tun­gen der Uni­on. Für die Mit­glieds­staa­ten ist die Char­ta nach die­ser Vor­schrift aus­sch­ließlich bei der Durchführung des Rechts der Uni­on zu be­ach­ten. Mit der Re­ge­lung der in­ner­staat­li­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis­se, ins­be­son­de­re der Aus­ge­stal­tung des na­tio­na­len Be­am­ten­rechts, führt die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land je­doch kein EU-Recht durch. Die­se Rechts­ge­bie­te lie­gen viel­mehr wei­ter­hin in der ori­ginären Kom­pe­tenz der Mit­glied­staa­ten, s.o. Dies stellt auch Art. 51 II der Char­ta klar, wo­nach die Char­ta we­der neue Zuständig­kei­ten noch neue Auf­ga­ben für die Uni­on be­gründet. Die in den Verträgen fest­ge­leg­ten Zuständig­kei­ten und Auf­ga­ben wer­den durch die Char­ta - auch in ih­rer neu­en Stel­lung - nicht verändert (vgl. auch Lind­ner, Dürfen Be­am­te doch strei­ken?, DöV 2011, 305 (309)).

g. In­dem die Kläge­rin als ver­be­am­te­te Leh­re­rin an der Streik­maßnah­me teil­nahm, hat sie ei­ne Dienst­pflicht­ver­let­zung be­gan­gen. Da­bei han­del­te sie auch schuld­haft, d.h. zu­min­dest fahrlässig. sie hätte die Pflicht­wid­rig­keit der Streik­teil­nah­me er­ken­nen können und müssen. Auf ver­ein­zelt im Schrift­tum ver­tre­te­ne Ge­gen­mei­nun­gen hätte sie sich nicht ver­las­sen dürfen (vgl. VG Düssel­dorf, Urt. v. 15.12.2010, 31 K 3904/10.O, ju­ris Rn. 21). Dies gilt um­so mehr, als dass das Ur­teil des EGMR vom 21.04.2009 (68959/01), wel­ches ein all­ge­mei­nes Streik­ver­bot in der Türkei für kon­ven­ti­ons­wid­rig erklärt hat­te und aus wel­chem die Kläge­rin schwer­punktmäßig ihr Streik­recht her­lei­tet, im Zeit­punkt ih­rer Streik­teil­nah­me noch gar nicht er­gan­gen war.
2. Die Be­klag­te durf­te auf das Dienst­ver­ge­hen der Kläge­rin auch mit der streit­ge­genständ­li­chen Dis­zi­pli­nar­verfügung re­agie­ren. Bei Vor­lie­gen zu­rei­chen­der tatsäch­li­cher An­halts­punk­te, die den Ver­dacht ei­nes Dienst­ver­ge­hens recht­fer­ti­gen, d.h. nach der Streik­teil­nah­me der Kläge­rin, war die Be­klag­te gem. § 18 I NDiszG ver­pflich­tet, ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ein­zu­lei­ten. Stellt die Behörde das Vor­lie­gen ei­nes Dienst­ver­ge­hens wie im vor­lie­gen­den Fall fest, ent­schei­det sie gem. § 14 I 1 NDiszG über die Dis­zi­pli­nar­maßnah­me nach pflicht­gemäßem Er­mes­sen. Die Dis­zi­pli­nar­behörde stellt das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­re

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u.a. ein, wenn ei­ne Dis­zi­pli­nar­maßnah­me gem. § 32 I Nr. 4 NDiszG aus sons­ti­gen Grün-den un­zulässig ist. Bei die­ser Un­zulässig­keit aus sons­ti­gen Gründen han­delt es sich um ei­ne Ge­ne­ral­klau­sel als Auf­fang­tat­be­stand (vgl. Bie­ler/ Lu­kat, Kom­men­tar zum NDiszG, Stand: Ju­ni 2010, § 32, Rn. 6).

Das VG Düssel­dorf legt die ent­spre­chen­de nord­rhein-westfäli­sche Re­ge­lung völker­rechts­freund­lich aus und stellt fest, dass ei­ne Ein­stel­lung des Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens trotz Vor­lie­gens ei­nes Dienst­ver­ge­hens der Auf­fas­sung des EGMR Rech­nung ge­tra­gen hätte und da­her er­for­der­lich ge­we­sen wäre. Ei­ne Dis­zi­pli­nar­maßnah­me sei "aus sons­ti­gen Grün-den", nämlich we­gen Ver­s­toßes ge­gen die EM­RK, un­zulässig ge­we­sen (VG Düssel­dorf, Urt. v. 15.12.2010, 31 I 3904/10.O, ju­ris Rn. 34). Fol­ge die­ser Ent­schei­dung ist die Ein­stel­lung des Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens trotz Vor­lie­gens ei­ner schuld­haf­ten Pflicht­ver­let­zung, d.h. ei­nes Dienst­ver­ge­hens.

Der Auf­fas­sung des VG Düssel­dorf schließt sich das er­ken­nen­de Ge­richt nicht an. So kann die völker­rechts­freund­li­che Aus­le­gung des deut­schen Be­am­ten­rechts nicht da­zu führen, dass zum ei­nen ein Vor­rang des Art. 33 V GG ge­genüber des Art. 11 EM­RK - je­weils in Ge­stalt der Ent­schei­dun­gen der sie prägen­den Ge­rich­te - fest­ge­stellt wird und zum an­de­ren die auf die­sem Verhält­nis ba­sie­ren­de Pflicht­ver­let­zung fol­gen­los bleibt. Der sich an­dern­falls er­ge­ben­de Wi­der­spruch zwi­schen Grund­ge­setz und völker­rechts­freund­li­cher Aus­le­gung des Dis­zi­pli­nar­rechts könn­te ins­be­son­de­re bei Be­ach­tung der mit der dis­zi­pli­nar­recht­li­chen Ahn­dung ver­bun­de­nen Zwe­cke nicht erklärt wer­den. So ver­folgt der Ge­setz­ge­ber mit den Re­ge­lun­gen über die dis­zi­pli­nar­recht­li­che Ahn­dung von Pflicht­ver­let­zun­gen ins­be­son­de­re den Er­zie­hungs- und Ab­schre­ckungs­zweck (vgl. Bie­ler/ Lu­kat, Kom­men­tar zum NDiszG, Stand: Ju­ni 2010, Ein­lei­tung B 3.1, Rn. 2). Blie­be die Pflicht­ver­let­zung der Kläge­rin fol­gen­los, wäre mit ei­ner Wie­der­ho­lung ei­ner Streik­teil­nah­me der Kläge­rin so­wie an­de­rer Kol­le­gen zu rech­nen. Würde man der Aus­sa­ge des VG Düssel­dorf, dass da­von aus­ge­gan­gen wer­den müss­te, dass die Kläger das ver­fas­sungs­recht­li­che Streik­ver­bot auch dann be­ach­ten würden, wenn ein Ver­s­toß kei­ne Dis­zi­pli­nar­maßnah­me nach sich zie­he (VG Düssel­dorf, Urt. v. 15.12.2010, 31 I 3904/10.O, ju­ris Rn. 35), fol­gen, wäre das kom­plet­te Dis­zi­pli­nar­recht grundsätz­lich nicht mehr er­for­der­lich. Das aus dem Grund­ge­setz ab­ge­lei­te­te Streik­ver­bot für Be­am­te schlägt da­her im Er­geb­nis auch auf Ebe­ne des ein­fa­chen Ge­set­zes (NDiszG) durch. Denn die nach dem Dis­zi­plinar­ge­setz zu ah­nen­de Pflicht­ver­let­zung be­ruht letzt­end­lich auf ei­ner Ver­let­zung der be­am­ten­recht­li­chen Pflich­ten aus dem Grund­ge­setz und nicht auf ei­ner Ver­let­zung ei­nes ein­fa­chen Ge­set­zes. Letzt­end­lich ist die Dis­zi­pli­nar­maßnah­me gem. § 14 I 2 NDiszG auch nach der Pflicht­ver­let­zung selbst, d.h. nach der Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens - hier der Streik­teil­nah­me - , zu be­mes­sen, was ei­ne Ein­stel­lung des Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens in­fol­ge ei­ner Ver­let­zung des Art. 33 V GG - zu­min­dest in dem hier vor­lie­gen­den Fall - aus­sch­ließt. Die Geld­buße in Höhe von 100,- € ist gem. §§ 6 I Nr. 2, 8 NDiszG auch an­ge­mes­sen. Gem. § 55 III NDiszG ist das Ge­richt auch nicht be­fugt, ei­ne höhe­re Geld­buße fest­zu­set­zen.

3. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 69 I NDiszG i.V.m. § 154 I Vw­GO.

Die Ent­schei­dung über die vorläufi­ge Voll­streck­bar­keit folgt aus § 4 NDiszG i.V.m. § 167 Vw­GO i.V.m. §§ 708 Nr. 11, 711 ZPO.

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Die Zu­las­sung der Be­ru­fung er­folgt gemäß § 59 II 2 NDiszG i.V.m. §§ 124a I 1, 124 II Nr. 3 Vw­GO. Der Fra­ge der dis­zi­pli­na­ren Ahn­dung der Teil­nah­me ei­nes Be­am­ten/ ei­ner Be­am­tin - hier ei­ner Leh­re­rin - an ei­nem Streik kommt nach den ein­schlägi­gen Ent­schei­dun­gen des EGMR grundsätz­li­che Be­deu­tung zu.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil steht den Be­tei­lig­ten die Be­ru­fung an das Nie­dersäch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zu. Die Be­ru­fung ist in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach Zu­stel­lung des Ur­teils schrift­lich bei dem

Ver­wal­tungs­ge­richt Os­nabrück,

Ha­ken­s­traße 15,

49074 Os­nabrück,

ein­zu­le­gen.

Die Be­ru­fung ist in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils zu be­gründen. Die Be­gründung ist, so­fern sie nicht zu­gleich mit der Ein­le­gung der Be­ru­fung er­folgt, bei dem

Nie­dersäch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt,

Uel­ze­ner Str. 40,

21335 Lüne­burg,

ein­zu­rei­chen. Dies kann auch in elek­tro­ni­scher Form ge­sche­hen. Da­bei be­darf es der Ver­wen­dung ei­ner qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Si­gna­tur.

Der An­trag­stel­ler muss sich von ei­ner zur Ver­tre­tung be­rech­tig­ten Per­son oder Or­ga­ni­sa­ti­on als Be­vollmäch­tig­ten ver­tre­ten las­sen.

Hin­weis:

Nähe­res zum Kreis der ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Per­so­nen und zu den An­for­de­run­gen an die Be­gründung des Zu­las­sungs­an­trags ent­neh­men Sie bit­te §§ 67, 124, 124 a Vw­GO.

Bei der Ver­wen­dung der elek­tro­ni­schen Form sind be­son­de­re tech­ni­sche Rah­men­be­din­gun­gen zu be­ach­ten (Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr vom 3.7.2006).

Schwen­ke

Con­rads

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Be­schluss

Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird auf 5.100 € fest­ge­setzt.

Gründe

Die Streit­wert­fest­set­zung be­ruht auf § 71 I NDiszG i.V.m. § 52 II, III GKG.
Das Ge­richt ist der An­sicht, dass in Fällen wie dem hier ent­schie­de­nen bei der Be­mes­sung des Streit­wer­tes nicht al­lein die Höhe der fest­ge­setz­ten Geld­buße maßge­bend sein kann (vgl. Be­schluss des VG Han­no­ver v. 06.08.2009, 13 A 6152/08). Denn das In­ter­es­se der Kläge­rin liegt nicht nur dar­in, die fest­ge­setz­te Geld­buße von 100 € nicht zah­len zu müssen, son­dern es liegt auch dar­in, die Fest­stel­lung ei­nes Dienst­ver­ge­hens aus der Welt zu schaf­fen. Bei­de Punk­te hat die Kläge­rin auch aus­drück­lich be­an­tragt. Man­gels an­de­rer An­halts­punk­te setzt das Ge­richt für das In­ter­es­se, den Un­rechts­vor­wurf ei­nes Dienst­ver­ge­hens aus der Welt zu schaf­fen, nach § 52 Abs. 2 GKG 5.000 € an und rech­net die Höhe der an­ge­foch­te­nen Geld­buße mit hin­zu.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­sen Be­schluss ist die Be­schwer­de an das Nie­dersäch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt statt­haft, wenn der Be­schwer­de­wert 200 € über­steigt. Sie ist nur zulässig, wenn sie in­ner­halb von 6 Mo­na­ten nach Rechts­kraft der Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che oder nach an­der­wei­ti­ger Er­le­di­gung des Ver­fah­rens bei dem

Ver­wal­tungs­ge­richt Os­nabrück,

Ha­ken­s­traße 15,

49074 Os­nabrück,

schrift­lich oder zur Nie­der­schrift des Ur­kunds­be­am­ten der Geschäfts­stel­le ein­ge­legt wird.

Schwen­ke

Con­rads

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