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Streit um Ar­beits­schutz - Nah­les "sehr ver­är­gert" über Ar­beit­ge­ber

40 Jah­re alt wird die Ar­beits­stät­ten­ver­ord­nung zum Schutz der Be­schäf­tig­ten im März: Doch zum Ge­burts­tag kracht es. Ei­ne No­vel­le ent­zweit Ar­beit­ge­ber und Re­gie­rung - auch die Ko­ali­ti­on ist sich un­eins

27.01.2015. (dpa) - Kurz vor ge­plan­ten Neu­re­ge­lun­gen zum Ar­beits­schutz in Deutsch­land hat Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) Kri­tik der Wirt­schaft un­ge­wöhn­lich scharf zu­rück­ge­wie­sen.

"Über Ih­re Kri­tik und Ih­re Äu­ße­run­gen (...) bin ich sehr ver­är­gert", schrieb Nah­les an Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer.

Der Brief lag der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Ber­lin vor.

We­sent­li­che Sach­ver­hal­te des Ent­wurfs zur Än­de­rung der Ar­beits­stät­ten­ver­ord­nung wür­den falsch dar­ge­stellt.

Kra­mer wol­le die Po­li­tik des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­ums in Miss­kre­dit brin­gen, so Nah­les. "Ich se­he dies als ei­nen An­griff auf mei­ne Per­son und die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter mei­nes Mi­nis­te­ri­ums, die mit gro­ßem En­ga­ge­ment und ho­her Sach­kennt­nis tä­tig sind." Kra­mer hat­te un­ter an­de­rem ge­sagt: "Man glaubt, in Ab­sur­dis­tan zu sein." In­fol­ge hat­ten auch Uni­ons­po­li­ti­ker ge­gen die Plä­ne pro­tes­tiert.

Die Ver­ord­nung soll­te dem Ver­neh­men nach kom­men­de Wo­che ab­schlie­ßend das Ka­bi­nett pas­sie­ren. Am Mon­tag kün­dig­te CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Pe­ter Tau­ber aber an, "dass (...) ei­ne Um­set­zung nur dann mög­lich sein wird, wenn das nicht zu ei­nem zu­sätz­li­chen bü­ro­kra­ti­schen Auf­wand führt". Man sei im Ge­spräch.

Kra­mer hat­te Nah­les in ei­nem Schrei­ben ge­be­ten, dem Ent­wurf ih­res ei­ge­nen Hau­ses im Bun­des­ka­bi­nett nicht zu­zu­stim­men. Auch öf­fent­lich kri­ti­sier­te der Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent un­ter an­de­rem, Fir­men soll­ten Te­le­ar­beits­plät­ze bei Mit­ar­bei­tern zu Hau­se künf­tig kon­trol­lie­ren. Zu­dem soll­ten auch in Ar­chi­ven und an­de­ren we­nig ge­nutz­ten Räu­men al­le Vor­ga­ben zu Be­leuch­tung und Tem­pe­ra­tur gel­ten. Nicht er­kannt ha­be die Po­li­tik den bü­ro­kra­ti­schen Auf­wand hin­ter den harm­los klin­gen­den von Be­am­ten ge­mach­ten Pa­ra­gra­fen.

Nah­les wies die Kri­tik in ih­rem Vier-Sei­ten-Brief zu­rück. Die Än­de­run­gen wür­den seit 2012 dis­ku­tiert. Ein Ex­per­ten­gre­mi­um - der Aus­schuss für Ar­beits­stät­ten (AS­TA) - ha­be ent­schei­den­de Hin­wei­se ge­ge­ben. Kra­mers Ar­beit­ge­ber­ver­band BDA sei im AS­TA maß­geb­lich ver­tre­ten.

Auch in­halt­lich lässt Nah­les die Kri­tik nicht gel­ten. So ge­be es für Te­le­ar­beits­plät­ze schon Vor­schrif­ten ei­nes Ge­set­zes und ei­ner an­de­ren Ver­ord­nung. Die Neu­re­ge­lung ver­ein­fa­che die La­ge und be­rück­sich­ti­ge Ar­beit­ge­ber­in­ter­es­sen. An Kra­mer schrieb Nah­les, dass dies in sei­nem Haus wohl"«nicht rich­tig er­kannt und be­wer­tet" wur­de.

Der AS­TA-Vor­sit­zen­de Ernst-Fried­rich Pernack be­stä­tig­te Nah­les` Dar­stel­lung. Dem­nach wa­ren auch die nun ge­gen den Ent­wurf Sturm lau­fen­den Ar­beit­ge­ber an der Ver­ord­nung stets be­tei­ligt. Mas­si­ve Ab­leh­nung ha­be es in dem Gre­mi­um nie ge­ge­ben, sag­te Pernack der dpa. "Die neue Ar­beits­stät­ten­ver­ord­nung ent­hält grund­sätz­lich kei­ne neu­en An­for­de­run­gen. Dies gilt auch für Te­le­ar­beits­plät­ze."

Rück­halt für Nah­les kommt von der SPD im Bun­des­tag. "Wir hal­ten die Plä­ne für sinn­voll", sag­te SDP-Frak­ti­ons­vi­ze Ca­ro­la Rei­mann der dpa. Die CDU-Wirt­schafts­po­li­ti­ker Mi­cha­el Fuchs und Cars­ten Lin­ne­mann hat­ten die Plä­ne at­ta­ckiert. Die IG Me­tall poch­te auf die No­vel­lie­rung. "Ab­surd ist nicht die Ver­ord­nung. Ab­surd ist die rea­le Ar­beits­welt, in der die ein­fachs­ten Ar­beits­stan­dards oh­ne Vor­schrift nicht ein­ge­hal­ten wer­den", sag­te Vor­stands­mit­glied Hans-Jür­gen Ur­ban der dpa.

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Letzte Überarbeitung: 27. Juli 2016

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