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Streit um Werk­ver­trä­ge in der Me­tall­in­dus­trie

Wer­den Werk­ver­trä­ge in der deut­schen Schlüs­sel­in­dus­trie Me­tall und Elek­tro da­zu be­nutzt, die be­ste­hen­den Ta­rif­struk­tu­ren zu un­ter­lau­fen?: Zwi­schen IG Me­tall und Ar­beit­ge­bern ist bit­te­rer Streit ent­brannt

22.11.2013. (dpa) - In der deut­schen Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie strei­ten die Ta­rif­part­ner über den Ein­satz von Be­schäf­tig­ten auf der Grund­la­ge von Werk­ver­trä­gen.

Laut ei­ner am Wo­chen­en­de im "Spie­gel" pu­bli­zier­ten Be­triebs­rats-Um­fra­ge der IG Me­tall ar­bei­ten in der deut­schen Schlüs­sel­in­dus­trie in­zwi­schen mehr als ei­ne Mil­li­on Men­schen als Leih- oder Werk­ver­trags­be­schäf­tig­te.

Die Ar­beit­ge­ber von Ge­samt­me­tall be­zwei­feln die An­ga­ben je­doch als "Schei­num­fra­gen".

In der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie ar­bei­ten rund 3,7 Mil­lio­nen Stamm­be­schäf­tig­te. Da­zu kom­men nach An­ga­ben des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des Ge­samt­me­tall noch rund 190 000 Leih­ar­bei­ter. An­ga­ben zur Zahl der Werk­ver­träg­ler ma­chen die Ar­beit­ge­ber hin­ge­gen nicht. Vie­le der be­auf­trag­ten Fir­men ge­hör­ten oh­ne­hin zur Bran­che, so dass ih­re Mit­ar­bei­ter eben­falls nach dem Me­tall- und Elek­tro-Ta­rif­ver­trag be­zahlt wür­den und nicht dop­pelt ge­zählt wer­den dürf­ten.

Es ge­be kei­nen Be­leg, dass im­mer mehr Be­schäf­tig­te über Werk­ver­trä­ge ein­ge­setzt wür­den, er­klär­te Ge­samt­me­tall am Mon­tag in Ber­lin. Werk­ver­trä­ge sei­en selbst­ver­ständ­li­cher Be­stand­teil ei­ner Volks­wirt­schaft wie auch Kauf­ver­trä­ge, sag­te Haupt­ge­schäfts­füh­rer Oli­ver Zan­der in ei­ner Mit­tei­lung. Laut IG Me­tall ste­hen bei­spiels­wei­se den 763 000 Stamm­be­schäf­tig­ten der Au­to­in­dus­trie in­zwi­schen 100 000 Leih­ar­bei­ter und 250 000 Werk­ver­träg­ler ge­gen­über. Pa­ra­de­bei­spiel sei das BMW-Werk in Leip­zig.

Die IG Me­tall ver­mu­tet hin­ter den Kon­struk­tio­nen ei­ne Stra­te­gie zum Un­ter­lau­fen der be­ste­hen­den Ta­rif­struk­tur. Der de­si­gnier­te Ge­werk­schafts­chef und am­tie­ren­de Vi­ze Det­lef Wet­zel sprach von ei­nem "Krebs­ge­schwür". In der Au­to­mo­bil­in­dus­trie sei die Hälf­te der Ent­wick­ler bei Fremd­fir­men be­schäf­tigt, de­ren Ent­gel­te bis zu 30 Pro­zent un­ter de­nen der Stamm-In­ge­nieu­re lä­gen, heißt es in in­ter­nen Pa­pie­ren.

In der Pro­duk­ti­on er­reich­ten die Werk­ver­träg­ler teil­wei­se nur 50 Pro­zent des Stamm­lohns, wenn nach bran­chen­frem­den Ta­rif­wer­ken wie der Lo­gis­tik oder der Rei­ni­gungs­bran­che oder so­gar nach gar kei­nem Ta­rif ge­zahlt wer­de.

Ge­samt­me­tall ver­wies dar­auf, dass ei­ne gro­ße Zahl der Zu­lie­fe­rer wie zum Bei­spiel Bosch als Werk­ver­trags­part­ner ar­bei­te. De­ren Leu­te wür­den schließ­lich auch nach Me­tall-Ta­rif be­zahlt. "Die Rechts­form sagt nicht das ge­rings­te über Ar­beits­be­din­gun­gen und Ent­loh­nung aus. Hun­dert­tau­sen­de un­se­rer sehr gut nach Ta­rif be­zahl­ten Ar­beit­neh­mer sind bei Fir­men be­schäf­tigt, die ihr Geld mit Werk­ver­trä­gen ver­die­nen", er­klär­te Ge­schäfts­füh­rer Zan­der.

Wet­zel re­agier­te scharf auf den Vor­wurf der "Schei­num­fra­ge", der ei­ne Be­lei­di­gung für die Be­triebs­rä­te dar­stel­le. "Es steht den Ar­beit­ge­bern frei, selbst für Trans­pa­renz und ei­ne ge­ord­ne­te Er­fas­sung zu sor­gen an­statt Ne­bel­ker­zen zu wer­fen und zu pö­beln", sag­te der Ge­werk­schafts-Vi­ze, der am kom­men­den Mon­tag an die Spit­ze der Or­ga­ni­sa­ti­on ge­wählt wer­den will.

Die IG Me­tall drän­ge be­reits seit Jah­ren auf ei­ne Er­he­bung der Werk­ver­trä­ge durch die Re­gie­rung. Die Ge­werk­schaft will wei­te­re In­for­ma­ti­ons- und Mit­be­stim­mungs­rech­te für die Be­triebs­rä­te der Ein­satz­un­ter­neh­men durch­set­zen.

Es ge­be längst um­fas­sen­de In­for­ma­ti­ons­rech­te der Be­triebs­rä­te, hält Ge­samt­me­tall da­ge­gen. Ge­gen ech­ten Miss­brauch kön­ne und müs­se vor­ge­gan­gen wer­den, durch stär­ke­re Kon­trol­len in den no­to­ri­schen Bran­chen wie der Fleisch­in­dus­trie. In den Ber­li­ner Ver­hand­lun­gen über ei­ne mög­li­che gro­ße Ko­ali­ti­on hat die SPD bis­lang er­folg­los stren­ge­re ge­setz­li­che Re­geln für Werk­ver­trä­ge ver­langt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 16. Juli 2016

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