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Neue Stu­die: Deutsch­lands Bil­dungs­sys­tem bes­ser als sein Ruf

Die PISA-Tests ha­ben vor 15 Jah­ren mas­si­ve De­fi­zi­te des deut­schen Bil­dungs­sys­tems of­fen­bart: Seit­dem wird oft be­tont, was hier al­les schief läuft - ge­ra­de auch in punk­to Bil­dungs­ge­rech­tig­keit. Ein neu­er Re­port hebt nun po­si­ti­ve Ten­den­zen her­vor

04.06.2016. (dpa) - Das deut­sche Bil­dungs­sys­tem ist nach ei­ner neu­en Stu­die bes­ser als sein Ruf - auch weil es mehr Auf­stiegs­chan­cen bie­tet als viel­fach ver­mu­tet.

So neh­me die oft be­klag­te Kop­pe­lung zwi­schen dem so­zia­len Sta­tus der El­tern und dem Bil­dungs­ni­veau der Kin­der ab, er­mit­tel­te das In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft Köln (IW) im Auf­trag der CDU-na­hen Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung (KAS).

Der die­se Wo­che er­schie­ne­ne Re­port "Bil­dungs­ge­rech­tig­keit in Deutsch­land" setzt sich in sei­nem po­si­ti­ven Re­sü­mee ein Stück weit ab von Ein­schät­zun­gen der Or­ga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD).

Die­se hat­te vor al­lem an­hand ih­rer ers­ten PISA-Ver­gleichs­tests im­mer wie­der auf schwe­re Män­gel des deut­schen Bil­dungs­we­sens bei der Chan­cen­ge­rech­tig­keit hin­ge­wie­sen.

Die Volks­wirt­schaft­le­rin­nen des ar­beit­ge­ber­na­hen IW, Chris­ti­na An­ger und An­ja Kat­rin Orth, fass­ten nun äl­te­re Bil­dungs­stu­di­en und ei­ge­ne Be­rech­nun­gen zu­sam­men - zu Ein­kom­men, so­zia­ler Durch­läs­sig­keit oder Per­spek­ti­ven von Hoch­schul­ab­sol­ven­ten. "Seit dem Schock der ers­ten PISA-2000-Er­he­bung ha­ben sich wich­ti­ge ge­rech­tig­keits­re­le­van­te As­pek­te beim Zu­gang zu Bil­dung ver­bes­sert", lau­tet ein Fa­zit. Zu­dem sei "das durch­schnitt­li­che Kom­pe­tenz­ni­veau der Ju­gend­li­chen ge­stie­gen" - ei­ne Ent­wick­lung, die auch die OECD fest­ge­stellt hat.

Die IW-Au­to­rin­nen be­zwei­feln aber bei­spiels­wei­se ei­ne The­se zur Bil­dungs­mo­bi­li­tät im OECD-Be­richt 2015, wo­nach sich in Deutsch­land 2012 un­ter jün­ge­ren Nicht­aka­de­mi­kern im Ver­gleich zur Vor­ge­ne­ra­ti­on "mehr Bil­dungs­ab­stei­ger (24 Pro­zent) als Bil­dungs­auf­stei­ger (19 Pro­zent) be­fun­den ha­ben". Dies sei De­fi­ni­ti­ons­sa­che, so An­ger und Orth: An­de­re Ana­ly­sen zeig­ten, dass es eher um­ge­kehrt sei.

Je nach Blick­win­kel könn­ten un­ter den 30- bis 65-Jäh­ri­gen in Deutsch­land auch gut 25 Pro­zent als Bil­dungs­auf­stei­ger be­zeich­net wer­den, knapp 17 Pro­zent als Bil­dungs­ab­stei­ger. "Wer­den die Bil­dungs­ab­schlüs­se auf den durch­schnitt­li­chen Bil­dungs­stand der El­tern be­zo­gen, so sind es so­gar 53,8 Pro­zent Bil­dungs­auf­stei­ger und 14,1 Pro­zent Bil­dungs­ab­stei­ger", heißt es in der KAS-Stu­die.

Im Deutsch­land­funk sag­te Co-Au­to­rin An­ger, der Bil­dungs­ab­stand et­wa zwi­schen Kin­dern mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund und Kin­dern mit deut­schem Hin­ter­grund sei lan­ge sehr groß ge­we­sen und zu­letzt "ge­rin­ger ge­wor­den - oh­ne dass die Kin­der, die schon im­mer gut wa­ren im Bil­dungs­sys­tem, (...) schlech­ter ge­wor­den sind". Es ge­he in Deutsch­land vor al­lem um "Start­chan­cen­ge­rech­tig­keit".

An­ger räum­te in dem In­ter­view ein, es ge­be "na­tür­lich im­mer noch mehr Kin­der, die aus Aka­de­mi­ker­fa­mi­li­en stu­die­ren". Nach den IW-Er­geb­nis­sen re­gis­trie­re sie "aber trotz­dem (...) auch ei­ne po­si­ti­ve Ent­wick­lung bei den Nicht­aka­de­mi­ker­kin­dern".

Mit Blick auf ver­stärk­te Zu­wan­de­rung "müs­sen die Bil­dungs­an­ge­bo­te wei­ter aus­ge­baut wer­den, um die In­te­gra­ti­on zu ver­bes­sern", for­dert der KAS-Re­port. So müs­se früh­kind­li­che Bil­dung "stär­ker von bil­dungs­fer­nen Schich­ten ge­nutzt wer­den. Ganz­tags­an­ge­bo­te in Schu­len kom­men be­son­ders Bil­dungs­schwa­chen zu­gu­te."

Für den Hoch­schul­be­reich heißt es, ein Zu­gang zum Stu­di­um "auch für je­ne, die kein Ab­itur ha­ben, ver­bes­sert die Bil­dungs­chan­cen. Die An­ge­bo­te be­rufs­be­glei­ten­der Stu­di­en­mög­lich­kei­ten die­nen eben­falls da­zu, das Qua­li­fi­zie­rungs­ni­veau zu he­ben. Bei­des soll­te des­halb wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den." In die­sen Schluss­fol­ge­run­gen lie­gen der KAS-Re­port und die OECD-Ana­ly­sen auf ei­ner Li­nie.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 23. August 2016

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