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Ta­rif-Ex­per­te: Kein Grund für Zu­rück­hal­tung in Me­tall-In­dus­trie

Der Ta­rif­kon­flikt in der Me­tall-In­dus­trie ver­schärft sich: Es droht ein Streik­sze­na­rio. Aus Sicht des Öko­no­men Rein­hard Bispinck ha­ben die Ar­beit­ge­ber we­nig Grund für ei­nen Spar­kurs

07.05.2013. (dpa) - Die For­de­rung der Me­tall-Be­schäf­tig­ten nach deut­li­cher Teil­ha­be an den Ge­win­nen der Bran­che ist aus Sicht des Ta­rif-Ex­per­ten Rein­hard Bispinck durch­aus an­ge­mes­sen.

"Es be­steht in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie kein Grund zu be­son­de­rer Zu­rück­hal­tung, weil sie mit ei­ner kräf­ti­gen Re­al­lohn­stei­ge­rung nicht über­for­dert ist", sag­te der Öko­nom des Wirt­schafts- und So­zi­al­wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tuts (WSI) in der Hans-Böck­ler-Stif­tung der Nach­rich­ten­agen­tur dpa in Stutt­gart.

Die Ta­rif­ver­hand­lun­gen für die 740 000 Be­schäf­tig­te im Süd­wes­ten ge­hen an die­sem Diens­tag in Böb­lin­gen bei Stutt­gart in die drit­te Run­de.

Das Ar­gu­ment der Ar­beit­ge­ber, ein zu ho­her Ab­schluss füh­re zu Ar­beits­platz­ab­bau und ver­min­der­ter Kon­kur­renz­fä­hig­keit der ex­port­star­ken Bran­che, ist Bispinck zu­fol­ge nicht halt­bar.

Aus dem Auf­bau von Tau­sen­den von Ar­beits­plät­zen seit der Kri­se las­se sich kei­nes­wegs ab­lei­ten, dass die Be­schäf­tig­ten sich mit nied­ri­gen Ab­schlüs­sen be­gnü­gen müss­ten. Die IG Me­tall for­dert in der lau­fen­den Ta­rif­run­de 5,5 Pro­zent mehr Lohn für zwölf Mo­na­te. Die Ar­beit­ge­ber bie­ten bis­lang 2,3 Pro­zent auf 13 Mo­na­te bei zwei Null­mo­na­ten.

"Die ge­samt­wirt­schaft­li­che Lohn­kos­ten-Ent­wick­lung der letz­ten Jah­re in Deutsch­land war im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich un­ter­durch­schnitt­lich", sag­te der WSI-Ex­per­te. Ein Er­hö­hung der Löh­ne und Ge­häl­ter zwi­schen drei und vier Pro­zent wer­de die Kon­kur­renz­fä­hig­keit der Bran­che mit ih­ren bun­des­weit 3,7 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten nicht schä­di­gen. Er füg­te hin­zu: "Die Pro­duk­te der deut­schen Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie sind vor al­lem we­gen ih­rer ho­hen Qua­li­tät welt­weit stark nach­ge­fragt."

Aus Sicht der Be­schäf­tig­ten und auch mit Blick auf die Bin­nen­kon­junk­tur sei das An­ge­bot der Ar­beit­ge­ber viel zu ge­ring. Die um­fang­rei­chen Warn­streiks zeig­ten, dass die Mit­glie­der zu 100 Pro­zent hin­ter der For­de­rung ih­rer Ge­werk­schaft ste­hen. Ein re­gu­lä­rer Ar­beits­kampf sei da­her durch­aus im Be­reich des Mög­li­chen. Al­ler­dings sei zwei­fel­haft, ob die Me­tall­ar­beit­ge­ber es dar­auf an­kom­men lie­ßen, mein­te der Wis­sen­schaft­ler.

Auch den Wunsch der Ar­beit­ge­ber, der Ta­rif­ver­trag müs­se der un­ter­schied­li­chen Ent­wick­lung der Un­ter­neh­men Rech­nung tra­gen und Dif­fe­ren­zie­rungs­mög­lich­kei­ten auf­wei­sen, kann der Volks­wirt nicht nach­voll­zie­hen. Die For­de­rung der IG Me­tall ori­en­tie­re sich nicht an den Bes­ten, die wie Por­sche vier­stel­li­ge Bo­nus-Zah­lun­gen ge­währ­ten.

"Wenn sich Ta­rif­ver­tra­ge aus­schließ­lich an den Fuß­kran­ken der Bran­che ori­en­tie­ren wür­den, bräuch­te man kei­ne Ta­rif­ver­trä­ge mehr", sag­te Bispinck. Für Kri­sen­be­trie­be ge­be es be­reits ei­ne Fül­le von ta­rif­ver­trag­li­chen Lö­sun­gen. Noch mehr Ab­wei­chungs­mög­lich­kei­ten, wie die Ar­beit­ge­ber sie for­dern, un­ter­höhl­ten den Flä­chen­ta­rif­ver­trag. "Des­sen Cha­rak­ter ist es ja ge­ra­de, dass für die Un­ter­neh­men ver­bind­li­che Stan­dards fest­ge­legt wer­den - das gilt auch für den Ta­rif­lohn."

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Letzte Überarbeitung: 18. Dezember 2013

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