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Ta­rif­kon­flikt in der Me­tall­in­dus­trie be­en­det

Me­tal­ler er­hal­ten 4,3 Pro­zent mehr Geld: Beim den The­men Leih­ar­beit und Über­nah­me von Azu­bis muss­te die IG Me­tall aber zu­rück­ste­cken

19.05.2012. Sin­del­fin­gen (dpa) - Der Me­tall-Ta­rif­kon­flikt im Süd­wes­ten ist be­en­det. Die Ver­ein­ba­run­gen für gut 4 Pro­zent mehr Geld, un­be­fris­te­te Azu­bi-Über­nah­me und mehr Re­geln bei der Leih­ar­beit sol­len in ganz Deutsch­land gel­ten.

Nach ei­nem Ver­hand­lungs­ma­ra­thon ist der Ta­rif­streit der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie im tra­di­tio­nel­len Pi­lot­be­zirk Ba­den-Würt­tem­berg mit sei­nen 800 000 Be­schäf­tig­ten bei­ge­legt. Die Ge­werk­schaft IG Me­tall und die Ar­beit­ge­ber ei­nig­ten sich am Sams­tag­mor­gen in Sin­del­fin­gen un­ter an­de­rem auf ein Ein­kom­mens­plus von 4,3 Pro­zent. Die Ei­ni­gung soll auf Emp­feh­lung der bei­den Ta­rif­par­tei­en mög­lichst bun­des­weit über­nom­men wer­den. In der deut­schen Schlüs­sel­in­dus­trie ar­bei­ten ins­ge­samt rund 3,6 Mil­lio­nen Men­schen.

Ge­samt­me­tall-Chef Mar­tin Kan­ne­gies­ser er­klär­te nach dem Durch­bruch in Sin­del­fin­gen, dass sich le­dig­lich der Ta­rif­be­zirk Sach­sen bei der Ab­stim­mung am Mor­gen ent­hal­ten ha­be. Der dor­ti­ge Lan­des­ver­band will den Ab­schluss nach An­ga­ben ei­ner Spre­che­rin aber un­ge­ach­tet die­ses Vo­tums mit­tra­gen. Die Ge­werk­schaft emp­fahl ein­stim­mig, die Ei­ni­gung deutsch­land­weit zu über­neh­men.

Der in Ba­den-Würt­tem­berg er­ziel­te Ab­schluss sieht vor, dass die rund 800 000 Be­schäf­tig­ten im Süd­wes­ten ei­ne Ein­kom­mens­er­hö­hung von 4,3 Pro­zent er­hal­ten. Der neue Ver­trag hat ei­ne Lauf­zeit von 13 Mo­na­ten und greift erst von Mai an - der April ist ein Null­mo­nat oh­ne Er­hö­hung. "Mit dem Ab­schluss ist die Gren­ze der Be­last­bar­keit der Be­trie­be er­reicht", sag­te Süd­west­me­tall-Chef Rai­ner Dul­ger.

IG-Me­tall-Chef Bert­hold Hu­ber hielt da­ge­gen: "Wir ha­ben da­mit ins­ge­samt die In­fla­ti­ons­ra­te deut­lich über­schrit­ten. Wir ha­ben im­mer ge­sagt, dass die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer nicht von der Wohl­stands­ent­wick­lung ab­ge­kop­pelt wer­den soll­ten."

IG-Me­tall-Be­zirks­chef Jörg Hof­mann be­ton­te, dass der Kom­pro­miss auch neue Re­ge­lun­gen zur Ge­stal­tung der Leih­ar­beit ent­hal­te so­wie die prin­zi­pi­ell un­be­fris­te­te Über­nah­me al­ler Lehr­lin­ge fest­schrei­be. An die­sen Punk­ten muss­te die Ge­werk­schaft kräf­tig Fe­dern las­sen.

Bei der Leih­ar­beit sol­len die Be­triebs­rä­te künf­tig zwar mehr Macht er­hal­ten - der Kom­pro­miss blieb aber weit hin­ter den ur­sprüng­li­chen For­de­run­gen der Ge­werk­schaft zu­rück. So sol­le zwar stär­ker als bis­her ge­re­gelt wer­den, dass Leih­ar­beit nicht zur Selbst­ver­ständ­lich­keit wer­de, be­rich­te­te Hu­ber. Ein­heit­li­che und für al­le Be­trie­be gel­ten­de Re­geln feh­len da­bei je­doch meist. Nun sol­len die Be­triebs­rä­te Schritt für Schritt in­di­vi­du­el­le Ver­ein­ba­run­gen in den Un­ter­neh­men ein­füh­ren.

Ar­beit­ge­ber­chef Kan­ne­gies­ser sag­te: "In den ers­ten zwei Jah­ren kann wei­ter­hin je­der Be­trieb selbst ent­schei­den, ob und wie er Zeit­ar­beit­neh­mer ein­set­zen möch­te." Leih­ar­bei­ter, die län­ger als zwei Jah­re beim sel­ben Un­ter­neh­men ar­bei­ten, müss­ten ein Über­nah­me­an­ge­bot er­hal­ten. Je­doch ar­bei­tet die Mehr­heit der Leih­ar­bei­ter nach Ar­beit­ge­ber­an­ga­ben bun­des­weit kei­ne zwölf Mo­na­te im sel­ben Be­trieb - die Zwei­jah­res­re­gel liegt al­so weit ent­fernt. Wä­re es nach der IG Me­tall ge­gan­gen, hät­te die­se Re­ge­lung mit ih­ren re­la­tiv lan­gen Fris­ten nicht so groß­zü­gig aus­fal­len dür­fen. Jetzt muss die Ge­werk­schaft ganz auf die Kraft der je­wei­li­gen Be­triebs­rä­te set­zen.

Für den Nach­wuchs gilt der Grund­satz, dass die Lehr­lin­ge nach dem er­folg­rei­chen Ab­schluss ih­rer Aus­bil­dung ei­nen un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag an­ge­bo­ten be­kom­men. Je­doch gibt es Hin­ter­tür­chen: So sind Aus­nah­men mög­lich, wenn die per­sön­li­che Eig­nung des Azu­bis zu wün­schen lässt oder im Be­trieb "aku­te Be­schäf­ti­gungs­pro­ble­me" herr­schen, et­wa we­gen ei­ner län­ge­ren Auf­trags­flau­te. Zu­dem legt die Chef­eta­ge oh­ne Mit­be­stim­mungs­recht der Be­triebs­rä­te den Be­darf fest, nach dem sich letzt­end­lich die Zahl der Über­nah­men aus­rich­tet.

Fer­ner ei­nig­ten sich die Ta­rif­par­tei­en im Süd­wes­ten auf ein spe­zi­el­les För­der­pro­gramm für jun­ge Men­schen, die schlech­te Chan­cen auf dem Aus­bil­dungs­markt ha­ben.

Zu­sam­men­fas­send lässt sich sa­gen, dass ein an­ge­lern­ter Ar­bei­ter oh­ne Aus­bil­dung mo­nat­lich gut 80 Eu­ro brut­to mehr be­kommt und ein jun­ger Fach­ar­bei­ter gut 110 Eu­ro. An der Spit­ze bei den Aka­de­mi­kern mit viel Be­rufs­er­fah­rung - et­wa In­ge­nieu­ren - sind es gut 200 Eu­ro.

Bis zum Durch­bruch am frü­hen Sams­tag­mor­gen hat­ten die bei­den Sei­ten rund 18 St­un­den lang ge­run­gen. For­mal muss der Ab­schluss in den nächs­ten Ta­gen noch von den obers­ten Ent­schei­dungs­gre­mi­en bei­der Sei­ten im Süd­wes­ten ge­bil­ligt wer­den. In den üb­ri­gen Ta­rif­be­zir­ken müs­sen nun die dor­ti­gen Ta­rif­par­tei­en ent­schei­den, ob sie die Emp­feh­lun­gen um­set­zen. Ei­ne An­nah­me gilt in der Re­gel als si­cher.

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Letzte Überarbeitung: 18. November 2015

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