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Ver­här­te­te Fron­ten im Ta­rif­streit der Me­tall­in­dus­trie

Me­tall-Ta­rif­kon­flikt - Ex­per­ten sol­len Kom­pro­miss aus­lo­ten
14.05.2012 (dpa) - Im Ta­rif­kon­flikt der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie ru­hen der­zeit al­le Hoff­nun­gen auf ei­ner Ex­per­ten­kom­mis­si­on.

Das von IG Me­tall und Ar­beit­ge­bern be­setz­te Gre­mi­um soll am mor­gi­gen Diens­tag (15.05.) in Ba­den-Würt­tem­berg den Ta­rif­part­nern Kom­pro­miss­li­ni­en auf­zei­gen.

Ge­werk­schafts­chef Hu­ber will in­des­sen Er­geb­nis­se se­hen, an­dern­falls kön­ne es sehr schnell zu Streiks kom­men.

Ers­te Wir­kung zeig­ten die bis­he­ri­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen be­reits: So wird be­rich­tet, dass bei BMW rund 1.000 Au­tos nicht pro­du­ziert wer­den konn­ten, bei Opel wa­ren es 150 ge­we­sen, bei Au­di und Ford je­weils rund 700.

Was ist über Zusammensetzung und Größe des Gremiums bekannt?

Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben über die Tätig­keit der Kom­mis­si­on - übri­gens ein neu­es In­stru­ment in Me­tall-Ta­rif­kon­flik­ten - ab­so­lu­tes Still­schwei­gen ver­ein­bart. Klar ist nur, das bei­de Sei­ten "be­trieb­li­che Prak­ti­ker" vor­wie­gend aus Ba­den-Würt­tem­berg in den Ring ge­schickt ha­ben. Die­se sol­len frei von je­der Kom­men­tie­rung in der Öffent­lich­keit ar­bei­ten können.

Wie lautet die Aufgabe der Experten?

Das obers­te Ziel ist, ei­nen von der IG Me­tall be­reits sehr mas­siv an­ge­droh­ten Streik ab­zu­wen­den. Dies kann aber nur pas­sie­ren, wenn die Aus­sicht dar­auf be­steht, den gor­di­schen Kno­ten bei den qua­li­ta­ti­ven The­men un­be­fris­te­te Über­nah­me und mehr Mit­be­stim­mung bei Leih­ar­beit zu durch­schla­gen. Präsen­tie­ren die Fach­leu­te für bei­de La­ger ak­zep­ta­ble Vor­schläge, könn­te ei­ne Ei­ni­gung auf den letz­ten Drücker noch möglich sein.

Warum sollten die Experten mehr Erfolg haben als die Verhandler?

Ha­gen Lesch vom In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft Köln meint: "Mo­men­tan sind die Fron­ten auf der Ver­hand­lungs­ebe­ne verhärtet. Das wird auf der Ex­per­ten­ebe­ne hof­fent­lich an­ders sein." Denn die Fach­leu­te ha­ben kein po­li­ti­sches Man­dat und können sich des­halb oh­ne Vor­ga­ben und Denk-Ta­bus un­be­fan­gen den strit­ti­gen The­men nähern. Der Tübin­ger In­dus­trie­so­zio­lo­ge Rein­hard Bahnmüller sieht in der Kom­mis­si­on so­gar ei­nen "leich­ten Touch von Sch­lich­tung", denn mit den Ex­per­ten keh­re Sa­ch­ori­en­tie­rung und Nüchtern­heit ein. Das De­le­gie­ren ei­nes Teils der Ver­ant­wor­tung an die Kom­mis­si­on hel­fe den Ver­hand­lungsführern, Rai­ner Dul­ger für Südwest­me­tall und Jörg Hof­mann für die IG Me­tall, im Fall ei­nes Schei­terns ihr Ge­sicht zu wah­ren.

Sind Kompromisslinien sind beim Thema Azubi-Übernahme denkbar?

So­wohl Ar­beit­ge­ber als auch Ge­werk­schaft ha­ben ein In­ter­es­se dar­an, dass ih­re Bran­che für jun­ge Men­schen at­trak­tiv bleibt und sich Fach­kräfte­nach­wuchs si­chern kann. Die Ge­werk­schaft will des­halb möglichst sta­bi­le Per­spek­ti­ven für ihr jun­ges Kli­en­tel her­aus­schla­gen. Dafür sol­len die Aus­ge­bil­de­ten in der Re­gel un­be­fris­tet - und nicht wie der­zeit nur für zwölf Mo­na­te - über­nom­men wer­den. Aus­nah­men will die Ge­werk­schaft bei schwie­ri­ger Auf­trags­la­ge des Be­trie­bes, Aus­bil­dung über Be­darf oder aus per­so­nen­be­ding­ten Gründen zu­las­sen.

Ar­beit­ge­ber­spre­cher Vol­ker St­ein­mai­er sieht sich in den Zie­len mit der IG Me­tall ei­nig, be­tont aber: "Ein Pro­blem ha­ben wir ein­zig und al­lein mit dem Zwang." Schon oh­ne ta­rif­li­che Re­ge­lung würden 80 Pro­zent der Jun­gen ein Jahr nach der Über­nah­me wei­ter­beschäftigt, der Rest wan­de­re in Wei­ter­bil­dung und an­de­re Be­trie­be ab. "Im Südwes­ten gibt es kei­ne jun­gen ar­beits­lo­sen Me­tall-Fach­ar­bei­ter."

Wie könnte eine Lösung beim Streitthema Leiharbeit aussehen?

Auch hier er­scheint auf den ers­ten Blick ein Kom­pro­miss schwie­rig. Denn die Ar­beit­ge­ber ver­bit­ten sich ei­ne Mit­spra­che bei Fra­gen, ob, in wel­chem Um­fang und wie lan­ge Leih­ar­bei­ter ein­ge­setzt wer­den. Wenn die Me­tall-Ar­beit­ge­ber künf­tig schon für die Leih­ar­bei­ter Bran­chen­zu­schläge zah­len müss­ten, dann sol­le ih­nen das In­stru­ment we­nigs­tens zum fle­xi­blen Ein­satz er­hal­ten blei­ben, meint St­ein­mai­er. Die IG Me­tall spricht da­ge­gen von Aus­beu­tung und Guts­herrn-Men­ta­lität der Ar­beit­ge­ber.

Welchen Stellenwert hat eigentlich die Entgeltfrage?

Auch wenn Südwest­me­tall-Chef Dul­ger be­reits si­gna­li­siert hat, dass nach ei­nem Durch­bruch bei den qua­li­ta­ti­ven The­men die Ent­gel­terhöhung nur noch ei­ne Sa­che von we­ni­gen St­un­den sein könn­te, sind auch hier die Vor­stel­lun­gen noch weit von­ein­an­der ent­fernt. Die Ar­beit­ge­ber bie­ten um­ge­rech­net 2,57 Pro­zent mehr Lohn auf das Jahr, die IG Me­tall ver­langt für die 3,6 Mil­lio­nen Beschäftig­ten der Bran­che 6,5 Pro­zent. Fast vier Pro­zent­punk­te tren­nen die La­ger von­ein­an­der. In­si­der mei­nen, die Ge­werk­schaft ließe sich nicht mit we­ni­ger als ei­ner vier vor dem Kom­ma ab­spei­sen.

Wie sieht der weitere Fahrplan aus?

Die Uhr tickt: Denn ge­lingt ein Durch­bruch am 15. Mai in Sin­del­fin­gen bei Stutt­gart nicht, dann könn­te die für den 16. Mai ein­ge­la­de­ne Große Ta­rif­kom­mis­si­on der IG Me­tall das Schei­tern der Ver­hand­lun­gen erklären und ei­ne Ur­ab­stim­mung über ei­nen Streik ein­lei­ten. Zeich­net sich ei­ne Ei­ni­gung ab, dann könn­te ein wei­te­rer Ter­min am 22. Mai da­zu die­nen, das Ge­samt­pa­ket zu schnüren. Bis Pfings­ten hat­te die IG Me­tall sich und den Ar­beit­ge­ber Zeit ge­ge­ben, den Kon­flikt bei­zu­le­gen - an­dern­falls sei ein Ar­beits­kampf pro­gram­miert.

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Letzte Überarbeitung: 22. September 2016

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