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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Tarifvertrag
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 4 AZR 566/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 24.08.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Brandenburg, Urteil vom 3.02.2009, 1 Ca 811/08
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 25.06.2009, 25 Sa 582/09
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

4 AZR 566/09

25 Sa 582/09

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am 24. Au­gust 2011

UR­TEIL

Frei­tag, Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te, Re­vi­si­onskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

pp.

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin, Re­vi­si­ons­be­klag­te und Re­vi­si­onskläge­rin,

hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 24. Au­gust 2011 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Be­p­ler, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Tre­ber,


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die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Win­ter so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Va­len­ti­en und Rat­a­ycz­ak für Recht er­kannt:

1. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin und die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 25. Ju­ni 2009 - 25 Sa 582/09 - wer­den zurück­ge­wie­sen.

2. Die Kos­ten der Re­vi­sio­nen ha­ben die Kläge­rin zu 75 % und die Be­klag­te zu 25 % zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über Ent­gelt­ansprüche der Kläge­rin nach ei­nem

Be­triebsüber­gang auf die nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Be­klag­te und über die Höhe des Ar­beit­neh­mer­bei­trags zur Pflicht­ver­si­che­rung nach Maßga­be des Ta­rif­ver­tra­ges über die zusätz­li­che Al­ters­vor­sor­ge der Beschäftig­ten des öffent­li­chen Diens­tes (nach­fol­gend: ATV-K).

Die Kläge­rin, Mit­glied der Ge­werk­schaft ver.di, ist seit dem 8. Mai 1989

bei der Be­klag­ten und de­ren Rechts­vorgängern mit ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von zu­letzt 30 St­un­den im P Kran­ken­haus R beschäftigt. In dem maßge­ben­den Ar­beits­ver­trag aus dem Jah­re 1991 mit dem P Kran­ken­haus R, zunächst ein Ei­gen­be­trieb des Land­krei­ses R und später des neu­en Land­krei­ses H, heißt es in § 2:

„Das Ar­beits­verhält­nis be­stimmt sich nach dem Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag-Ost (BAT-O) und den die­sen ergänzen­den, ändern­den oder er­set­zen­den Ta­rif­verträgen in der für den Be­reich der Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­verbände (VKA) je­weils gel­ten­den Fas­sung so­wie nach den für An­ge­stell­te des Ar­beit­ge­bers im Ge­biet nach Ar­ti­kel 3 des Ei­ni­gungs­ver­tra­ges je­weils gel­ten­den sons­ti­gen Re­ge­lun­gen. Außer­dem fin­den die für den Ar­beit­ge­ber je­weils gel­ten­den sons­ti­gen ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge An­wen­dung.“


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Der Kran­ken­haus­träger war bei Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges an die

dort ge­nann­ten Ta­rif­verträge ta­rif­ge­bun­den. Das glei­che galt für die H Kli­ni­ken GmbH, auf die das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin am 1. Ja­nu­ar 2003 in­fol­ge Be­triebsüber­gangs über­ging. Zum 1. Ja­nu­ar 2005 wur­de die nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Be­klag­te nach ei­nem Teil­be­triebsüber­gang Ar­beit­ge­be­rin der Kläge­rin.

Anläss­lich des Teil­be­triebsüber­gangs schlos­sen die H Kli­ni­ken GmbH

und der bei ihr ge­bil­de­te Ge­samt­be­triebs­rat am 16. No­vem­ber 2004 ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich, in dem es ua. heißt: „2. Teil­be­triebsüber­gang

Die Be­triebs­par­tei­en sind sich darüber ei­nig, dass die Über­lei­tung der Ar­beits­verhält­nis­se die Vor­aus­set­zun­gen des § 613a BGB erfüllt und des­sen Rechts­fol­gen gel­ten.

Die bei HKG und ih­ren Rechts­vorgängern bis zum Stich­tag er­wor­be­nen Rech­te aus Ta­rif­verträgen, Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen und dem je­wei­li­gen Ar­beits­ver­trag bzw. Ar­beits­verhält­nis gel­ten - ih­re Gültig­keit zum Stich­tag vor­aus­ge­setzt - beim über­neh­men­den Be­trieb da­nach fort. Sie wer­den Be­stand­teil des je­wei­li­gen Ar­beits­ver­tra­ges.“

Die Be­klag­te vergüte­te die Kläge­rin seit Be­ginn des Jah­res 2005 nach

der VergGr. VIb BAT-O in Höhe ei­nes Ta­ri­fent­gelts mit dem Stand vom 31. De­zem­ber 2004 und dem­gemäß mit ei­nem Mo­nats­ent­gelt von 1.747,00 Eu­ro brut­to. Das ent­spricht ei­nem Be­mes­sungs­satz von 92,5 vH der Vergütung für das Ta­rif­ge­biet West.

Der Vergütungs­ta­rif­ver­trag Nr. 7 zum BAT-O für den Be­reich der VKA

vom 31. Ja­nu­ar 2003 (VTV Nr. 7), aus dem die Kläge­rin für sich ei­nen wei­ter­ge­hen­den Vergütungs­an­spruch her­lei­tet, enthält ua. fol­gen­de Re­ge­lun­gen:

„...

§ 3 Grund­vergütun­gen, Ge­samt­vergütun­gen

(1) Die Grund­vergütun­gen (§ 26 Abs. 3 BAT-O) für die

An­ge­stell­ten der Vergütungs­grup­pen X bis I und Kr. I
bis Kr. XIII, die das 21. bzw. 23. bzw. 20. Le­bens­jahr


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voll­endet ha­ben, be­tra­gen

a) vom 1. Ja­nu­ar bis 31. De­zem­ber 2003 91,0 v.H.,

b) vom 1. Ja­nu­ar 2004 an 92,5 v.H.

der nach dem je­wei­li­gen Vergütungs­ta­rif­ver­trag zum BAT für den Be­reich der Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­verbände (VKA) gel­ten­den Beträge.

Die An­pas­sung des Be­mes­sungs­sat­zes wird für die An­ge­stell­ten der Vergütungs­grup­pen X bis V b und Kr. I bis Kr. VIII bis zum 31. De­zem­ber 2007 und für die übri­gen An­ge­stell­ten bis zum 31. De­zem­ber 2009 ab­ge­schlos­sen.

(2) Die Grund­vergütun­gen für die An­ge­stell­ten der Vergütungs­grup­pen X bis I sind für die Zeit

a) vom 1. Ja­nu­ar bis 31. De­zem­ber 2003 in den An­la­gen 1 a und 1 a.1,

b) vom 1. Ja­nu­ar bis 30. April 2004 in der An­la­ge 1 b,

c) vom 1. Mai 2004 an in der An­la­ge 1 c

fest­ge­legt.“

Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fin­det darüber hin­aus un­strei­tig

der ATV-K An­wen­dung. Durch den Ände­rungs­ta­rif­ver­trag Nr. 1 zum ATV-K (vom 31. Ja­nu­ar 2003) wur­de zum 1. Ja­nu­ar 2003 § 37a - „Son­der­re­ge­lun­gen für das Ta­rif­ge­biet Ost“ - ein­gefügt, der in Ab­satz 1 (idF des Ände­rungs­ta­rif­ver­tra­ges Nr. 2 vom 12. März 2003) wie folgt lau­tet:

„Bei Pflicht­ver­si­cher­ten beträgt der Ar­beit­neh­mer­bei­trag zur Pflicht­ver­si­che­rung ab 1. Ja­nu­ar 2003 0,2 v. H. und ab 1. Ja­nu­ar 2004 0,5 v. H. des zu­satz­ver­sor­gungs­pflich­ti­gen Ent­gelts. Für je­den Pro­zent­punkt, um den der all­ge­mei­ne Be­mes­sungs­satz Ost über dem Be­mes­sungs­satz von 92,5 v. H. an­ge­ho­ben wird, erhöht sich zeit­lich der Ar­beit­neh­mer­bei­trag um 0,2 Pro­zent­punk­te. So­weit die An­he­bung des Be­mes­sungs­sat­zes Ost nicht in vol­len Pro­zent­punk­ten er­folgt, erhöht sich der Ar­beit­neh­mer­bei­trag an­tei­lig. Im Zeit­punkt des Er­rei­chens ei­nes Be­mes­sungs­sat­zes Ost von 97 v. H. steigt der Ar­beit­neh­mer­bei­trag auf den Höchst­satz von 2 v. H.“

Die Be­klag­te brach­te ge­genüber der Kläge­rin für den Zeit­raum 1. Mai

2005 bis 30. Ju­ni 2006 ei­nen Ar­beit­neh­mer­bei­trag iHv. mo­nat­lich 0,8 vH des


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zu­satz­ver­sor­gungs­pflich­ti­gen Ent­gelts und seit dem 1. Ju­li 2006 iHv. 1,1 vH in Ab­zug.

Mit der Ent­gel­tab­rech­nung für den Mo­nat De­zem­ber 2007 zahl­te die

Be­klag­te an die Kläge­rin ei­nen Be­trag von 2.198,00 Eu­ro brut­to für 200 ge­leis­te­te Mehr­ar­beits­stun­den, was ei­ner St­un­den­vergütung von 10,99 Eu­ro brut­to ent­spricht. Grund­la­ge war da­bei ein Be­mes­sungs­satz von 92,5 vH des Ta­bel­len­ent­gelts West so­wie ei­ne zwi­schen den Par­tei­en zunächst strei­ti­ge An­wen­dung der Re­ge­lun­gen des BAT-O über Mehr­ar­beits­stun­den. Mit Schrei­ben vom 7. April 2008 mach­te die Kläge­rin für ab­ge­rech­ne­te Mehr­ar­beits­stun­den ei­nen wei­te­ren Be­trag von 532,00 Eu­ro brut­to er­folg­los gel­tend. In ei­nem Schrei­ben vom 9. April 2008 ver­lang­te die Kläge­rin wei­ter für die Zeit vom 1. Ja­nu­ar bis zum 31. Ju­li 2008 ei­ne Vergütung iHv. 100 vH des Be­mes­sungs­sat­zes der Ent­gelt­ta­bel­le West des TVöD.

Die Kläge­rin ver­folgt mit der Kla­ge ih­re Zah­lungs­be­geh­ren wei­ter. Für

den Fall des Un­ter­lie­gens will sie zu­min­dest fest­ge­stellt wis­sen, dass der von ihr zu zah­len­de Ar­beit­neh­mer­bei­trag zur Pflicht­ver­si­che­rung le­dig­lich 0,5 vH des zu­satz­ver­sor­gungs­pflich­ti­gen Ent­gelts beträgt. Hin­sicht­lich der ge­for­der­ten Sum­me von 532,00 Eu­ro brut­to ha­ben die Par­tei­en im Ver­lauf des Rechts­streits ei­nen Teil­ver­gleich iHv. 402,00 Eu­ro brut­to ge­schlos­sen, der der Ent­gelt­dif­fe-renz ent­spricht, die sich in An­wen­dung von §§ 34, 35 Abs. 3 BAT-O er­gibt. Die Kläge­rin meint, sie könne wei­ter­ge­hend ein Ta­bel­len­ent­gelt in Höhe der Dif­fe­renz zur Ent­gelt­grup­pe 6 Stu­fe 6 der An­la­ge A zum TVöD/VKA ver­lan­gen. Dar­aus er­ge­be sich ein An­spruch auf ei­ne Vergütungs­dif­fe­renz iHv. 141,65 Eu­ro für je­den Ka­len­der­mo­nat und der Nach­for­de­rungs­be­trag für die Mehr­ar­beits­stun­den. Auf­grund des Be­triebsüber­gangs am 1. Ja­nu­ar 2005 sei die Be­zug­nah­me­klau­sel in § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges nach dem 1. Ja­nu­ar 2002 Ver­trags­in­halt ge­wor­den. Sie sei da­her nicht mehr als Gleich­stel­lungs­ab­re­de zu be­wer­ten. Darüber hin­aus sei das Zah­lungs­be­geh­ren auch nach § 3 Abs. 1 Un­terabs. 2 VTV Nr. 7 be­gründet, der nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­wor­den sei. Die Ta­rif­re­ge­lung sei ei­ne Stu­fen­norm, die künf­ti­ge Ta­rifände­run­gen kon­kret und ver­bind­lich fest­ge­legt ha­be. Das gel­te je­den­falls für die­je­ni­gen Stu­fen, de­ren Höhe be­tragsmäßig zum Zeit­punkt des


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Über­gangs des Ar­beits­verhält­nis­ses auf die Be­klag­te be­reits fest­ge­stan­den ha­be. Ste­he ihr kein Ent­gelt iHv. 100 vH des Be­mes­sungs­sat­zes zu, könne die Be­klag­te nach § 37a ATV-K je­den­falls nur ei­nen Ar­beit­neh­mer­bei­trag in Höhe von 0,5 vH in Ab­zug brin­gen.

Die Kläge­rin hat zu­letzt be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 991,55 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 5. Au­gust 2008 zu zah­len.

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 130,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 5. Au­gust 2008 zu zah­len.

hilfs­wei­se

fest­zu­stel­len, dass der Ar­beit­neh­mer­bei­trag der Kläge­rin zur Pflicht­ver­si­che­rung nach § 2 des Ta­rif­ver­tra­ges über die zusätz­li­che Al­ters­vor­sor­ge der Beschäftig­ten des öffent­li­chen Diens­tes für den Be­reich der Kom­mu­nen vom 1. März 2002 idF des 4. Ände­rungs­ta­rif­ver­tra­ges vom 22. Ju­ni 2007 0,5 vH des zu­satz­ver­sor­gungs­pflich­ti­gen Ent­gelts beträgt.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Bei der Be­zug­nah-

me­klau­sel han­de­le es sich nach wie vor um ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de, wes­halb nach dem 31. De­zem­ber 2004 er­folg­te Ta­rifände­run­gen nicht mehr auf das Ar­beits­verhält­nis an­zu­wen­den sei­en. Aus dem In­ter­es­sen­aus­gleich fol­ge nichts an­de­res. § 3 Abs. 1 Un­terabs. 2 VTV Nr. 7 ent­hal­te er­kenn­bar kei­ne nor­ma­ti­ve In­halts­norm, son­dern ei­ne Selbst­ver­pflich­tung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en. Der Hilfs­an­trag der Kläge­rin sei un­zulässig. Zu­dem sei die Be­klag­te nach § 37a Abs. 1 Satz 2 ATV-K ver­pflich­tet, den höhe­ren Vom­hun­dert­satz ab­zuführen. Es kom­me nur dar­auf an, dass sich - wie ge­sche­hen - der all­ge­mei­ne Be­mes­sungs­satz erhöht ha­be.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Auf die Be­ru­fung der

Kläge­rin hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt dem hilfs­wei­se ge­stell­ten Fest­stel­lungs­an­trag statt­ge­ge­ben und im Übri­gen die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt für bei­de Par­tei­en zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die


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Kläge­rin ih­re Zah­lungs­anträge wei­ter und die Be­klag­te die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils. Bei­de Par­tei­en be­an­tra­gen, die Re­vi­si­on der je­weils an­de­ren Par­tei zurück­zu­wei­sen.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist eben­so wie die der Be­klag­ten un­be­grün-

det. Die Kla­ge ist hin­sicht­lich der Zah­lungs­anträge un­be­gründet. Der da­mit an­ge­fal­le­ne, weil als un­ech­ter Hilfs­an­trag nur für den Fall des Un­ter­lie­gens ge­stell­te Fest­stel­lungs­an­trag der Kläge­rin ist be­gründet. Das hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt je­weils zu­tref­fend er­kannt.

I. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist un­be­gründet.

1. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin be­darf der Aus­le­gung. Da­nach stützt die

Kläge­rin ih­ren An­spruch in der Re­vi­si­ons­in­stanz le­dig­lich auf die nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2004 in das Ar­beits­verhält­nis trans­for­mier­ten Ta­rif­re­ge­lun­gen.

a) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den Zah­lungs­an­trag so­wohl des­halb

ab­ge­wie­sen, weil es sich bei der ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel um ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de im Sin­ne der frühe­ren Recht­spre­chung des Se­nats han­de­le, die nach dem 31. De­zem­ber 2004 nicht mehr den nach­fol­gen­den „Ta­rif­ver­trag zur An­he­bung des Be­mes­sungs­sat­zes im TVöD“ und die Fol­ge­ta­rif­verträge er­fasst ha­be. Aus dem im Jah­re 2004 ge­schlos­se­nen In­ter­es­sen­aus­gleich fol­ge kein an­de­res Er­geb­nis. Der An­spruch er­ge­be „sich auch nicht aus § 611 BGB iVm. der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­wei­sungs­klau­sel iVm. dem § 3 Abs. 1 Un­terabs. 2 des Vergütungs­ta­rif­ver­tra­ges Nr. 7 vom 31.01.2003 zum BAT-O.“ Der In­halt des Ta­rif­ver­tra­ges sei zwar nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB in das Ar­beits­verhält­nis trans­for­miert wur­den. Aus § 3 Abs. 1 Un­terabs. 2 VTV Nr. 7 er­ge­be sich aber kein An­spruch für die Kläge­rin, weil es sich nicht um ei­ne Rechts­norm, son­dern le­dig­lich um ei­ne schuld­recht­li­che Ver­pflich­tung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en han­de­le.


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b) Die Re­vi­si­on wen­det sich aus­weis­lich ih­rer Be­gründung le­dig­lich ge­gen

die Aus­le­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, § 3 Abs. 1 Un­terabs. 2 VTV Nr. 7 sei ei­ne schuld­recht­li­che Ver­ein­ba­rung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en. Nach Auf­fas­sung der Kläge­rin han­delt es sich um ei­ne Rechts­norm, die nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­wor­den ist. Ein ei­genständi­ger An­spruch auf Grund­la­ge des In­ter­es­sen­aus­gleichs wird eben­so we­nig gel­tend ge­macht wie ein An­spruch auf­grund in­di­vi­du­al­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me des VTV Nr. 7.

2. Die Zah­lungs­anträge der Kläge­rin sind un­be­gründet. Das hat das

Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend ent­schie­den. Der Kläge­rin steht kein An­spruch auf ei­ne Vergütung mit ei­nem an­ge­pass­ten Be­mes­sungs­satz iHv. 100 vH zu. Der An­spruch er­gibt sich nicht nach § 611 Abs. 1 BGB iVm. § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB. Bei der Be­stim­mung in § 3 Abs. 1 Un­terabs. 2 VTV Nr. 7 han­delt es sich nicht um ei­ne nor­ma­tiv wir­ken­de In­halts­norm iSd. § 1 Abs. 1 TVG und da­her auch nicht um Rech­te und Pflich­ten aus dem im Zeit­punkt des Über­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin die durch Ta­rif­ver­trag ge­re­gelt sind. Die Ta­rif­re­ge­lung wur­de da­her auch nicht nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB In­halt ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten.

a) Nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB wer­den die­je­ni­gen Rech­te und Pflich-

ten In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses, die durch Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ge­re­gelt sind. Die­se sog. Trans­for­ma­ti­on er­fasst nach dem ein­deu­ti­gen Ge­set­zes­wort­laut aus­sch­ließlich den nor­ma­ti­ven Teil ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges. Die schuld­recht­li­chen Pflich­ten zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind nicht Ge­gen­stand des § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB (BAG 26. Au­gust 2008 - 4 AZR 280/08 - Rn. 31 mwN, AP BGB § 613a Nr. 376 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 112). Der Über­gang al­lein der nor­ma­tiv be­gründe­ten Rech­te und Pflich­ten ent­spricht Sinn und Zweck des § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB. Die Re­ge­lung will die Auf­recht­er­hal­tung der kol­lek­tiv­recht­lich ge­re­gel­ten Ar­beits­be­din­gun­gen gewähr­leis­ten, wie es auch Art. 3 Abs. 3 RL 2001/23/EG (Be­triebsüber­gangs-richt­li­nie) vor­gibt. Zu die­sen Ar­beits­be­din­gun­gen gehören nur sol­che Rech­te


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und Pflich­ten, die zwi­schen den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en un­mit­tel­bar und zwin­gend gel­ten.

b) § 3 Abs. 1 Un­terabs. 2 VTV Nr. 7 enthält le­dig­lich ei­ne schuld­recht­li­che

Ver­ein­ba­rung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des VTV Nr. 7 zur künf­ti­gen An­pas­sung des Be­mes­sungs­sat­zes Ost, je­doch kei­ne un­mit­tel­bar und zwin­gend gel­ten­de In­halts­norm iSd. § 1 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG. Das er­gibt die Aus­le­gung des Ta­rif­ver­tra­ges.

aa) Be­reits der Wort­laut der Re­ge­lung spricht ge­gen die An­nah­me, die

Ta­rif­ver­trags­par­tei­en woll­ten ei­ne die An­pas­sung ab­sch­ließen­de In­halts­norm und ei­nen un­mit­tel­ba­ren An­spruch der nor­mun­ter­wor­fe­nen Ar­beit­neh­mer be­gründen. Durch die For­mu­lie­rung, die An­pas­sung des Be­mes­sungs­sat­zes „wird“ „bis zum 31. De­zem­ber 2009 ab­ge­schlos­sen“, brin­gen die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zum Aus­druck, dass die­se nicht be­reits durch den VTV Nr. 7 ab­sch­ließend ge­re­gelt wird, son­dern erst noch - zukünf­tig - er­fol­gen muss. Dann be­darf es hierfür noch min­des­tens ei­nes wei­te­ren ta­rif­li­chen Um­set­zungs­ak­tes. Hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en dies an­de­res re­geln wol­len, hätte es näher ge­le­gen, et­wa sinn­gemäß zu ver­ein­ba­ren, dass die Vergütung ab ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt 100 vH des Be­mes­sungs­sat­zes „beträgt“ oder der Be­mes­sungs­satz sich zu ei­nem fest­ge­leg­ten Zeit­punkt „auf 100 vH erhöht“.

Für die­ses Aus­le­gungs­er­geb­nis spricht der wei­te­re Um­stand, dass der

ge­naue Zeit­punkt der An­pas­sung - „bis zum 31. De­zem­ber 2009“ - of­fen­ge­las­sen wur­de. An­ders als die hin­sicht­lich der Höhe und des Zeit­punkts der Zah­lungs­ansprüche präzi­sen Re­ge­lun­gen in § 2 Abs. 2, § 3 Abs. 1 Un­terabs. 1 und Abs. 2 so­wie § 4 Abs. 1 VTV Nr. 7 nennt § 3 Abs. 1 Un­terabs. 2 VTV Nr. 7 nur all­ge­mein das Ziel - „An­pas­sung des Be­mes­sungs­sat­zes“ -. Ab­wei­chend zum vor­an­ste­hen­den Satz wer­den we­der ei­ne ge­naue Höhe noch ein kon­kre­ter Zeit­punkt be­stimmt, in dem die An­pas­sung ab­ge­schlos­sen sein soll.

bb) Ein an­de­res er­gibt sich nicht aus dem Um­stand, dass § 3 Abs. 1 Un­ter-

abs. 2 VTV Nr. 7 im räum­li­chen Zu­sam­men­hang mit ta­rif­li­chen In­halts­nor­men steht. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben das von ih­nen ver­ein­bar­te Re­ge­lungs­ziel


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an pas­sen­der Stel­le, im Zu­sam­men­hang mit den nächs­ten bei­den An­pas­sun­gen des Be­mes­sungs­sat­zes zum 1. Ja­nu­ar 2003 und dem 1. Ja­nu­ar 2004 in den Ta­rif­ver­trag auf­ge­nom­men. Recht­li­che Be­den­ken, ei­ne sol­che Re­ge­lung in ei­nen Ta­rif­ver­trag ein­zufügen, der im Übri­gen auch Rechts­nor­men enthält, be­ste­hen nicht.

cc) So­wohl die Ent­ste­hungs­ge­schich­te als auch die späte­re Ta­ri­fent­wick-

lung stützen die­se Aus­le­gung.

Die Fest­le­gung der je­weils gel­ten­den Be­mes­sungssätze wur­de stets in

ei­genständi­gen Ta­rif­re­ge­lun­gen vor­ge­nom­men. Der Be­mes­sungs­satz für das Ta­rif­ge­biet Ost lag im Jahr 1991 ursprüng­lich bei 60 vH der für das Ta­rif­ge­biet West maßge­ben­den Sätze. Die wei­te­re An­pas­sung der Ent­gel­te voll­zog sich schritt­wei­se durch die Vergütungs­ta­rif­verträge Nr. 2 bis Nr. 6 auf 90 vH. Der VTV Nr. 7 leg­te dann zwei wei­te­re Stu­fen fest. In der wei­te­ren Fol­ge stieg der Be­mes­sungs­satz Ost durch den „Ta­rif­ver­trag zur An­he­bung des Be­mes­sungs­sat­zes ab 1. Ju­li 2005 für den Be­reich der Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­verbände (VKA) - Ta­rif­be­reich Ost -“ vom 9. Fe­bru­ar 2005 zum 1. Ju­li 2005 auf 94 vH, später ab dem 1. Ju­li 2006 auf 95,5 vH und ab 1. Ju­li 2007 auf 97 vH. Sch­ließlich setz­ten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en das in § 3 Abs. 1 Un­ter-abs. 2 VTV Nr. 7 ent­hal­te­ne Re­ge­lungs­ziel durch den „Ta­rif­ver­trag zur An­he­bung des Be­mes­sungs­sat­zes im TVöD für den Be­reich der Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­verbände (VKA) - Ta­rif­be­reich Ost -“ vom 16. No­vem­ber 2007 für ua. die­je­ni­ge Ent­gelt­grup­pe, in die die Kläge­rin bei An­wen­dung des TVöD über­zu­lei­ten ge­we­sen wäre, um. In des­sen § 2 heißt es:

„Für Beschäftig­te der Ent­gelt­grup­pen 1 bis 8 und für Beschäftig­te der Ent­gelt­grup­pe 9 gemäß An­la­ge be­stimmt sich das Ta­bel­len­ent­gelt (§ 15 Abs. 1 TVöD) ab 1. Ja­nu­ar 2008 nach der An­la­ge A (VKA). Im Übri­gen blei­ben § 3 Abs. 1 Satz 2 des Vergütungs­ta­rif­ver­tra­ges Nr. 7 zum BAT-O für den Be­reich der VKA und § 3 Abs. 1 Satz 2 des Vergütungs­ta­rif­ver­tra­ges Nr. 7 zum BAT-Ost­deut­sche Spar­kas­sen un­berührt.“

Für die wei­te­ren Ent­gelt­grup­pen wur­de die Ent­wick­lung durch § 6


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Abs. 4 Satz 6 des Ta­rif­ver­tra­ges zur Über­lei­tung der Beschäftig­ten der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber in den TVöD und zur Re­ge­lung des Über­g­angs­rechts (TVÜ-VKA) vom 13. Sep­tem­ber 2005 in der Fas­sung des Ände­rungs­ta­rif­ver­tra­ges Nr. 4 vom 13. No­vem­ber 2009 ab­ge­schlos­sen:

„Am 1. Ja­nu­ar 2010 wird das Ent­gelt der in­di­vi­du­el­len End­stu­fe für Beschäftig­te der Ent­gelt­grup­pe 10 und höher, auf die die Re­ge­lun­gen des Ta­rif­ge­biets Ost An­wen­dung fin­den, um den Fak­tor 1,03093 erhöht.“

Die­ser Ab­lauf steht im Ge­gen­satz zu der An­nah­me, die Ta­rif­ver­trags-

par­tei­en hätten im VTV Nr. 7 über die in § 3 Abs. 1 Un­terabs. 1 VTV Nr. 7 ge­nau fest­ge­leg­ten An­he­bun­gen hin­aus be­reits im Jah­re 2003 ei­ne wei­te­re An­pas­sung un­ter Aus­spa­rung et­wai­ger Zwi­schen­schrit­te nor­ma­tiv fest­le­gen wol­len. Die zu­letzt vor­ge­nom­me­ne Erhöhung um den Fak­tor 1,03093 ent­spricht der letz­ten An­he­bung des Be­mes­sungs­sat­zes von 97 vH auf 100 vH. Die­ses letz­ten Um­set­zungs­schrit­tes hätte es hin­sicht­lich des dort fest­ge­leg­ten Fak­tors nicht be­durft, wenn die­ser be­reits im VTV Nr. 7 un­mit­tel­bar und zwin­gend fest­ge­legt wor­den wäre.

II. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist gleich­falls un­be­gründet. Die zulässi­ge

Fest­stel­lungs­kla­ge der Kläge­rin ist be­gründet.

1. Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist zulässig.

a) Der An­trag ist nach sei­ner Kon­kre­ti­sie­rung durch die Kläge­rin in der
münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt hin­rei­chend be­stimmt iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Das wird auch von der Be­klag­ten in ih­rer Re­vi­si­ons­er­wi­de­rung nicht mehr gerügt.

b) Der Fest­stel­lungs­an­trag ist auch im Übri­gen zulässig.

aa) Nach § 256 Abs. 1 ZPO kann Kla­ge auf Fest­stel­lung des Be­ste­hens

oder Nicht­be­ste­hens ei­nes Rechts­verhält­nis­ses er­ho­ben wer­den, wenn der Kläger ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an hat, dass das Rechts­verhält­nis durch rich­ter­li­che Ent­schei­dung als­bald fest­ge­stellt wer­de. Die Fest­stel­lungs­kla­ge


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kann sich auf ein­zel­ne Be­zie­hun­gen oder Fol­gen aus ei­nem Rechts­verhält­nis, auf be­stimm­te Ansprüche oder Ver­pflich­tun­gen oder auf den Um­fang ei­ner Leis­tungs­pflicht be­schränken - sog. Ele­men­ten­fest­stel­lungs­kla­ge - (s. nur BAG 15. März 2006 - 4 AZR 75/05 - Rn. 15, BA­GE 117, 248). Die Kläge­rin kann da­her auch ei­ne Fest­stel­lung hin­sicht­lich des für sie maßge­ben­den Ar­beit­neh­mer­bei­tra­ges zur Pflicht­ver­si­che­rung be­geh­ren.

bb) Das nach § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ist

ge­ge­ben, wenn durch die Ent­schei­dung über den Fest­stel­lungs­an­trag der Streit ins­ge­samt be­sei­tigt wird und das Rechts­verhält­nis der Par­tei­en ab­sch­ließend geklärt wer­den kann (st. Rspr., et­wa BAG 14. De­zem­ber 2005 - 4 AZR 522/04 - Rn. 12, AP ZPO 1977 § 256 Nr. 94 = EzA ZPO 2002 § 256 Nr. 7; 29. No­vem­ber 2001 - 4 AZR 757/00 - zu I 2 b der Gründe, BA­GE 100, 43). Die­se Vor­aus­set­zung liegt vor. Die Rechts­kraft der Ent­schei­dung ver­hin­dert wei­te­re ge­richt­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen (zu die­sem Kri­te­ri­um s. et­wa BAG 29. No­vem­ber 2001 - 4 AZR 757/00 - aaO) über den an­zu­wen­den­den Vom­hun­dert­satz, den die Kläge­rin als Ar­beit­neh­mer­bei­trag nach § 37a Abs. 1 ATV-K zu zah­len hat. So­weit die Be­klag­te da­ge­gen ein­wen­det, es blie­be of­fen, wie sich künf­ti­ge Ent­gel­terhöhun­gen in ih­rem Be­trieb aus­wir­ken würden, han­delt es sich um ei­nen hy­po­the­ti­schen Kau­sal­ver­lauf, der dem jet­zi­gen Fest­stel­lungs­in­ter­es­se nicht ent­ge­gen­steht. Bei ei­ner Ände­rung der Vergütung ist die Be­klag­te nicht ge­hin­dert, ei­ne Abände­rung, ggf. im Kla­ge­we­ge her­bei­zuführen.

2. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat mit zu­tref­fen­der Be­gründung dem Fest-

stel­lungs­an­trag statt­ge­ge­ben. Der Ar­beit­neh­mer­bei­trag der Kläge­rin zur Pflicht­ver­si­che­rung nach § 2 ATV-K beträgt 0,5 vH des zu­satz­ver­sor­gungs­pflich­ti­gen Ent­gelts. § 37a Abs. 1 Satz 2 ATV-K ist da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass bei Beschäftig­ten, de­ren Vergütung sich trotz Erhöhung des all­ge­mei­nen Be­mes­sungs­sat­zes Ost nach wie vor in An­wen­dung des Be­mes­sungs­sat­zes von 92,5 vH be­stimmt, auch ihr Ar­beit­neh­mer­bei­trag nach die­sem zu be­rech­nen ist.

a) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten ist der Wort­laut des § 37a

Abs. 1 Satz 2 ATV-K - „all­ge­mei­ne Be­mes­sungs­satz Ost“ - nicht da­hin­ge­hend ein­deu­tig, dass stets nur auf des­sen all­ge­mei­ne An­he­bung un­abhängig von der


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rea­len Ent­wick­lung des Be­mes­sungs­sat­zes für den ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer ab­zu­stel­len ist.

Ein sol­ches Verständ­nis des Wort­lauts würde nicht berück­sich­ti­gen,

dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in den von ih­nen ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen Rechts­nor­men für die Ta­rif­ge­bun­de­nen und da­mit für ih­re Mit­glie­der ver­ein­ba­ren, § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG. Re­geln die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nach­fol­gend ei­ne Erhöhung des all­ge­mei­nen Be­mes­sungs­sat­zes, kommt die­se Re­ge­lung auf­grund der Ta­rif­ge­bun­den­heit ih­ren Mit­glie­dern un­mit­tel­bar in Form ei­nes höhe­ren Ent­gelts zu­gu­te. In der Fol­ge erhöht sich dann au­to­ma­tisch und ent­spre­chend der Fest­le­gung in § 37a Abs. 1 ATV-K der Ar­beit­neh­mer­bei­trag für die un­mit­tel­bar ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer. Ei­ne be­son­de­re Klar­stel­lung über den Wort­laut der Ta­rif­re­ge­lung hin­aus, wo­nach ei­ne Erhöhung des Ar­beit­neh­mer­bei­trags nur dann statt­fin­den soll, wenn die ta­rif­ver­trag­li­che Erhöhung des Be­mes­sungs­sat­zes sich auch bei dem Ge­werk­schafts­mit­glied nie­der­schlägt, be­darf es auf­grund der vor­aus­ge­setz­ten Ta­rif­ge­bun­den­heit nicht.

b) Sinn und Zweck der Stu­fen­re­ge­lung in § 37a ATV-K spre­chen für das
vor­lie­gen­de Aus­le­gungs­er­geb­nis. Den Beschäftig­ten des öffent­li­chen Diens­tes im Ta­rif­ge­biet Ost soll­te im Jah­re 2003 zunächst ein nied­ri­ger Ar­beit­neh­mer­bei­trag auf­er­legt wer­den, da ihr Ein­kom­men auf­grund der im VTV Nr. 7 ge­re­gel­ten Be­mes­sungssätze ge­rin­ger aus­fiel als das­je­ni­ge, wel­ches im Ta­rif­ge­biet West ge­zahlt wur­de. Erst bei ei­ner An­he­bung der Be­mes­sungssätze soll­ten sie mit ei­nem - stu­fen­wei­se stei­gen­den - höhe­ren Ar­beit­neh­mer­bei­trag auch ent­sp­re­chend am Bei­trags­auf­kom­men be­tei­ligt wer­den. Für ein sol­ches Verständ­nis spricht auch der zeit­glei­che Ab­schluss des VTV Nr. 7 und des Ände­rungs­ta­rif­ver­tra­ges Nr. 1 zum ATV-K am 31. Ja­nu­ar 2003.

Dem­gemäß erhöht sich der Bei­trag zur Pflicht­ver­si­che­rung aus­ge­hend

vom Re­ge­lungs­plan der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht, wenn trotz ei­ner An­he­bung des all­ge­mei­nen Be­mes­sungs­sat­zes ei­nem Ar­beit­neh­mer - wie vor­lie­gend der Kläge­rin - ei­ne dem­ent­spre­chen­de Ent­gel­terhöhung nicht zu­gu­te­kommt.

c) Der Ein­wand der Be­klag­ten, auch für Teil­zeit­beschäftig­te sei­en Son­der-
re­ge­lun­gen nicht vor­ge­se­hen und die­se müss­ten bei ei­ner An­he­bung des


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Be­mes­sungs­sat­zes auf das Ni­veau des Ta­rif­ge­bie­tes West den Höchst­bei­trag zah­len, ob­wohl sie nicht das vol­le Ta­bel­len­ent­gelt er­hiel­ten, ist un­zu­tref­fend. Die Be­klag­te ver­kennt be­reits, dass die­se Beschäftig­ten (nur) ei­nen Bei­trag in Höhe ei­nes Vom­hun­dert­sat­zes ih­res zu­satz­ver­sor­gungs­pflich­ti­gen Ent­gelts und nicht vom Ta­bel­len­ent­gelt ei­nes Voll­zeit­beschäfti­gen zu leis­ten ha­ben.

d) Der Ar­beit­neh­mer­bei­trag der Kläge­rin zur Pflicht­ver­si­che­rung nach § 2

ATV-K beträgt da­nach nicht mehr als die im Fest­stel­lungs­an­trag be­an­trag­ten 0,5 vH des zu­satz­ver­sor­gungs­pflich­ti­gen Ent­gelts. Ei­ne Erhöhung des Be­mes­sungs­sat­zes iSd. § 37a Abs. 1 Satz 2 ATV-K hat zu Las­ten der Kläge­rin nicht statt­ge­fun­den.

III. Die Par­tei­en ha­ben die Kos­ten der er­folg­lo­sen Rechts­mit­tel nach §§ 97,

92 Abs. 1 Satz 1 ZPO zu tra­gen.

Be­p­ler Win­ter Tre­ber

Va­len­ti­en J. Rat­a­ycz­ak

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