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Ers­ter Ta­rif­ver­trag für Pfle­ge-Azu­bis un­ter Dach und Fach

Vie­le Pfle­ge­ein­rich­tun­gen in Nie­der­sach­sen su­chen hän­de­rin­gend nach Nach­wuchs: Der wich­ti­ge Be­rufs­zweig ist bei Ju­gend­li­chen we­gen schlech­ter Be­zah­lung nicht all­zu be­liebt. Dies soll der neue lan­des­wei­te Ta­rif­ver­trag nun än­dern - ein No­vum in Deutsch­land

18.02.2015. (dpa) - Erst­mals in Deutsch­land re­gelt ein lan­des­wei­ter Ta­rif­ver­trag die Be­zah­lung und den Jah­res­ur­laub von Aus­zu­bil­den­den in der Al­ten­pfle­ge.

Die Ge­werk­schaft Ver­di und die Ver­bän­de der Lan­des­ar­beits­ge­mein­schaft der Frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge un­ter­zeich­ne­ten nach ei­ge­nen An­ga­ben den Ver­trag für Nie­der­sach­sen am Diens­tag in Han­no­ver.

Er sieht ne­ben hö­he­ren Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen auch ei­ne ein­heit­li­che Ur­laubs­re­ge­lung von 29 Ta­gen vor.

Der Ta­rif­ver­trag kann frü­hes­tens En­de Fe­bru­ar 2016 von ei­ner Ver­trags­par­tei ge­kün­digt wer­den.

Die Pfle­ge­bran­che hat be­reits heu­te gro­ße Nach­wuchs­sor­gen. In kei­nem an­de­ren west­deut­schen Bun­des­land ver­die­nen die Fach­kräf­te we­ni­ger als in Nie­der­sach­sen. Wäh­rend et­wa in Ba­den-Würt­tem­berg 2725 Eu­ro brut­to pro Mo­nat ge­zahlt wer­den, liegt das Ein­kom­men in Nie­der­sach­sen ge­ra­de ein­mal bei 2209 Eu­ro. Nach An­sicht von Nie­der­sach­sens So­zi­al­mi­nis­te­rin Cor­ne­lia Rundt (SPD) wür­de auch die Ein­füh­rung ei­ner Pfle­ge­kam­mer die At­trak­ti­vi­tät stei­gern. Die­ser Plan ist aber auch bei den Ge­werk­schaf­ten nicht un­um­strit­ten.

Ab Au­gust er­hal­ten die Azu­bis im ers­ten Lehr­jahr dem neu­en Ver­trag zu­fol­ge mo­nat­lich 975 Eu­ro und im zwei­ten Jahr mo­nat­lich 1037 Eu­ro. Für das drit­te Lehr­jahr sieht der Ta­rif­ver­trag ein mo­nat­li­ches Sa­lär von 1138 Eu­ro vor. Bis­lang er­hiel­ten die Aus­zu­bil­den­den in ei­ni­gen Be­trie­ben bis zu 200 Eu­ro we­ni­ger im Mo­nat.

"Mit die­sem Flä­chen­ta­rif­ver­trag schrei­ben wir ein Stück Ta­rif­ge­schich­te", sag­te Ver­di-Lan­des­lei­ter Det­lef Aht­ing. Zu ei­ner at­trak­ti­ven Aus­bil­dung ge­hör­ten auch an­ge­mes­se­ne Aus­bil­dungs­ent­gel­te. "Wir kom­men da­mit ei­nem drin­gend be­nö­tig­ten Ta­rif­ver­trag für al­le Pfle­ge­kräf­te ei­nen gro­ßen Schritt nä­her, denn gu­te Aus­bil­dungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen ge­hö­ren zu­sam­men."

Da­mit der Ta­rif­ver­trag in Kraft tre­ten kann, muss das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um in Han­no­ver ihn für all­ge­mein­ver­bind­lich er­klä­ren. Da­zu müs­sen bei­de Ta­rif­part­ner ei­nen ent­spre­chen­den An­trag an Mi­nis­ter Olaf Lies (SPD) sen­den. Mit dem Ab­schluss des Ta­rif­ver­tra­ges wer­de die Aus­bil­dung in der Pfle­ge at­trak­ti­ver, sag­te Chris­toph Kün­kel, Vor­sit­zen­der der Lan­des­ar­beits­ge­mein­schaft der Frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge.

"Dies ist ein wich­ti­ger Schritt hin zu ei­nem Ta­rif­ver­trag So­zia­les", be­ton­te Rundt. "Ge­ra­de im Be­reich Pfle­ge brau­chen wir gu­te Ar­beits­be­din­gun­gen und ei­nen ver­nünf­ti­gen Ta­rif­lohn. Sonst wer­den wir den wei­ter wach­sen­den Be­darf an Fach­kräf­ten im Be­reich der Pfle­ge nicht de­cken kön­nen."

Die Lan­des­re­gie­rung wer­de sich wei­ter da­für ein­set­zen, den Be­ruf der Pfle­ge at­trak­ti­ver zu ge­stal­ten, sag­te Rundt. Nach der Ab­schaf­fung der Schul­geld­pflicht im ver­gan­ge­nen Jahr zäh­le da­zu die Ein­füh­rung ei­ner Aus­bil­dungs­um­la­ge. Ab An­fang 2016 soll­ten auch die Be­trie­be, die nicht selbst aus­bil­den, an den Kos­ten be­tei­ligt wer­den, hat­te jüngst auch Re­gie­rungs­chef Ste­phan Weil (SPD) an­ge­kün­digt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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