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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Tarifvertrag, Bezugnahme
   
Gericht: Arbeitsgericht Lübeck
Akten­zeichen: 3 Ca 3147/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 15.03.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   

Ur­schrift
Ar­beits­ge­richt Lübeck

Ak­ten­zei­chen: 3 Ca 3147/10
(Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)

Verkündet am 15.03.2011

gez. ...
als Ur­kunds­be­amt. d. Geschäfts­stel­le

Ur­teil

Im Na­men des Vol­kes

In dem Rechts­streit

PP-

hat die 3. Kam­mer des auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 15.03.2011 durch den Di­rek­tor des Ar­beits­ge­richts ... als Vor­sit­zen­den und d. eh­ren­amt­li­chen Rich­ter ... als Bei­sit­zer und d. eh­ren­amt­li­chen Rich­ter ... als Bei­sit­zer

für Recht er­kannt:

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1. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 08.12.2010 nicht zum 16.12.2010, son­dern zum 23.12.2010 be­en­det wor­den ist.

2. Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

3. Die Kos­ten des Rechts­streits tra­gen der Kläger zu 314 und die Be­klag­te zu 114.

4. Der Streit­wert wird fest­ge­setzt auf EUR 1.115,--.

 

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

1. Ge­gen die­ses Ur­teil können d. Par­tei­en Be­ru­fung ein­le­gen,

a) wenn sie in dem Ur­teil zu­ge­las­sen wor­den ist,
b) wenn der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des 600 EUR über­steigt oder
c) in Rechts­strei­tig­kei­ten über das Be­ste­hen, das Nicht­be­ste­hen oder die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses.

Der Be­ru­fungskläger hat ge­ge­be­nen­falls den Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des glaub­haft zu ma­chen.

Die Ein­le­gung der Be­ru­fung hat

bin­nen ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, De­li­us­s­traße 22, 24114 Kiel zu er­fol­gen. Die Be­ru­fungs­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Be­ru­fung ge­rich­tet wird, so­wie die Erklärung, dass ge­gen die­ses Ur­teil Be­ru­fung ein­ge­legt wer­de, ent­hal­ten.

Die Be­ru­fung ist, so­fern nicht be­reits in der Be­ru­fungs­schrift er­folgt,

bin­nen zwei Mo­na­ten

nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich ge­genüber dem Lan­des­ar­beits­ge­richt zu be­gründen.
Der Be­ru­fungskläger muss sich vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt durch ei­nen bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt ver­tre­ten las­sen, ins­be­son­de­re müssen Be­ru­fungs- und ei­ne even­tu­el­le Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift von ei­nem sol­chen un­ter­zeich­net sein.
An sei­ne Stel­le kann auch ein Ver­tre­ter ei­nes Ver­ban­des (Ge­werk­schaf­ten,

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Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gun­gen) oder ei­nes Spit­zen­ver­ban­des (Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände) tre­ten, so­fern er kraft Sat­zung oder Voll­macht zur Ver­tre­tung be­fugt und die Par­tei Mit­glied des Ver­ban­des oder Spit­zen­ver­ban­des ist. An die Stel­le der vor­ge­nann­ten Ver­tre­ter können auch An­ge­stell­te ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner die­ser Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, tre­ten, so­fern die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung der Ver­bands­mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und der Ver­band für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet. Ist die Par­tei Mit­glied ei­nes Ver­ban­des oder Spit­zen­ver­ban­des, kann sie sich auch durch ei­nen Ver­tre­ter ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder An­ge­stell­ten ei­ner der oben ge­nann­ten ju­ris­ti­schen Per­so­nen mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ver­tre­ten las­sen.

Mit der Be­ru­fungs­schrift soll ei­ne Aus­fer­ti­gung oder be­glau­big­te Ab­schrift des an­ge­foch­te­nen Ur­teils vor­ge­legt wer­den. Die Geschäfts­stel­le des Lan­des­ar­beits­ge­richts bit­tet, Schriftsätze in fünf­fa­cher Fer­ti­gung ein­zu­rei­chen.

2. Im Übri­gen ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die für die Kündi­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses maßgeb­li­che Kündi­gungs­frist, hier ins­be­son­de­re über die An­wend­bar­keit und Wirk­sam­keit des u. a. von der Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­che Ge­werk­schaf­ten Zeit­ar­beit und Per­so­nal­ser­vice­agen­tu­ren (CG­ZP) ab­ge­schlos­se­nen Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges.

Der Kläger war ab dem 17.09.2010 bei der Be­klag­ten als Pro­duk­ti­ons-/La­ger­hel­fer mit ei­nem St­un­den­lohn von EUR 7,35 brut­to bei ei­ner re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 35 St­un­den beschäftigt. Die Par­tei­en ver­ein­bar­ten un­ter § 10 ih­res Ar­beits­ver­tra­ges vom 16.09.2010 (An­la­ge B 2, Blatt 20 — 23 der Ak­te) u. a. ei­ne Pro­be­zeit von 6 Mo­na­ten und un­ter § 10:

„Sons­ti­ges
Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­den die zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber­ver­band Mit­telständi­scher Per­so­nal­dienst­leis­ter e. V. (AMP) ei­ner­seits und der Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten Zeit­ar­beit und Per­so­nal­ser­vice­agen­tu­ren (CG­ZP), der Christ­li­chen Ge­werk­schaft Me­tall (CGM), der DHV — Die Be­rufs­ge­werk­schaft e. V. (DHV)„ dem Beschäftig­ten­ver­band In­dus­trie, Ge­wer­be, Dienst­leis­tung (BIGD), dem Ar­beit­neh­mer­ver­band land- und ernährungs­wirt­schaft­li­cher Be­ru­fe (ALEB), med­so­net. Die Ge­sund­heits­ge­werk­schaft (med­so­net an­de­rer­seits ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge, der­zeit be­ste­hend aus Man­tel­ta­rif­ver­trag, Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Aus­zu­bil­den­den, Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­trag, Ent­gelt­ta­rif­verträge West und Ost so­wie Beschäfti­gungs­si­che­rungs­ta­rif­ver­trag, in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung An­wen­dung."

Die Be­klag­te erklärte dem Kläger mit Schrei­ben vom 08.12.2010, zu­ge­gan­gen am 09.12.2010, ei­ne Kündi­gung „in­ner­halb der Pro­be­zeit gern. Ta­rif­ver­trag AMP frist­ge­recht zum 16.12.2010."

Der Kläger meint, dass die Kündi­gung erst zum 15.01.2011 ge­grif­fen ha­be. Der ar­beits­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­ne MTV sei nicht an­wend­bar. Er sei nicht wirk­sam zu­stan­de ge­kom­men. Die CG­ZP sei gemäß Ent­schei­dung des BAG kei­ne ta­riffähi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on.

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Der Kläger be­an­tragt

fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung vom 08.12.2010 mit dem 15.01.2011 en­det.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie ist der Auf­fas­sung, das Ar­beits­verhält­nis mit der kur­zen Frist des MTV wirk­sam gekündigt zu ha­ben.
Die Kla­ge sei nicht schlüssig be­gründet. Der MTV (An­la­ge B 3, Blatt 24 — 31 der Ak­te) sei wirk­sam zu­stan­de ge­kom­men. Er sei ge­ra­de nicht al­lei­ne von der CG­ZP als Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on, son­dern von den wei­te­ren im Ar­beits­ver­trag auf­geführ­ten fünf Ge­werk­schaf­ten ge­schlos­sen wor­den sei. Für die be­tei­lig­te Christ­li­che Ge­werk­schaft Me­tall (CGM) ha­be das BAG be­reits die Ge­werk­schafts­ei­gen­schaft an­er­kannt (BAG 28.03.2006 — 1 ABR 58/04). Da es sich aus­weis­lich der Präam­bel zum Ta­rif­ver­trag und des­sen Ta­rif­kol­li­si­ons­klau­sel un­ter Zif­fer 24 um ei­nen mehr­glied­ri­gen Ta­rif­ver­trag han­de­le, müsse ggf. ge­genüber je­der ein­zel­nen der wei­ter be­tei­lig­ten CGB-Ge­werk­schaf­ten das be­son­de­re Fest­stel­lung­ver­fah­ren gemäß § 97 Abs. 1 ArbGG durch­geführt wer­den.

We­gen des wei­te­ren Vor­trags der Par­tei­en wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

 

Ent­schei­dungs­gründe

Die Kla­ge ist im zu­er­kann­ten Um­fang be­gründet, im Übri­gen un­be­gründet.

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Die dem Kläger am 09.12.2010 zu­ge­gan­ge­ne Kündi­gung vom 08.12.2010 hat das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en mit Wir­kung zum 23.12.2010 be­en­det.
Das folgt aus § 622 Abs. 3 BGB i. V. m. § 3 Zif­fer 1 Satz 2 des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en.
Gemäß § 622 Abs. 3 BGB kann das Ar­beits­verhält­nis während ei­ner ver­ein­bar­ten Pro­be­zeit, längs­tens für die Dau­er von sechs Mo­na­ten, mit ei­ner Frist von zwei Wo­chen gekündigt wer­den. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen vor. Die Par­tei­en ha­ben un­ter § 3 Zif­fer 1 Satz 2 ih­res Ar­beits­ver­tra­ges ei­ne sechs­mo­na­ti­ge Pro­be­zeit ver­ein­bart. Da­mit ha­ben sie, un­abhängig von wei­te­ren Re­ge­lun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges, klar und ein­deu­tig zum Aus­druck ge­bracht, dass in­ner­halb die­ser Zeit das Ar­beits­verhält­nis mit der kürzest mögli­chen Kündi­gungs­frist be­en­det wer­den kann. Das ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten nicht die in Be­zug ge­nom­me­ne un­ter Zif­fer 20.1 des MTV ge­re­gel­te Kündi­gungs­frist von ei­ner Wo­che in dem zwei­ten bis zum En­de des drit­ten Beschäfti­gungs­mo­nats, son­dern die zweiwöchi­ge ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist aus § 622 Abs. 3 BGB.

Die ta­rif­ver­trag­li­che einwöchi­ge Kündi­gungs­frist ist nicht ein­schlägig. Der MTV ist auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht an­wend­bar. Des­we­gen kann auch da­hin­ge­stellt blei­ben, ob und in wel­chem Um­fang er Wirk­sam­keit ent­fal­tet. Man­gels Ta­rif­bin­dung des Klägers könn­te der MTV und hier ins­be­son­de­re auch des­sen Vor­schrift über die verkürz­te Kündi­gungs­frist in­ner­halb der Pro­be­zeit ein­zig und al­lei­ne we­gen der Be­zug­nah­me auf den MTV un­ter § 10 des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en zur An­wen­dung kom­men. Die­se Be­zug­nah­me­klau­sel je­doch ist un­wirk­sam. Sie ist in­trans­pa­rent und be­deu­tet des­we­gen ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Klägers i. S. d. § 307 Abs. 1 BGB.

Gemäß § 307 Abs. 1 BGB sind Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung kann sich nach Satz 2 die­ser Vor­schrift auch dar­aus er­ge­ben, dass die Be­stim­mung nicht klar und verständ­lich ist. So lie­gen die Din­ge hier.

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§ 10 des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en ist All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung i. S. d. Ge­set­zes. Un­strei­tig han­delt es sich bei dem Ar­beits­ver­trag, den die Par­tei­en un­ter dem 16.09.2010 un­ter­zeich­net ha­ben, um ei­nen For­mu­lar­ar­beits­ver­trag, wie ihn die Be­klag­te mit al­len ih­ren knapp 100 Ar­beit­neh­mern ab­ge­schlos­sen hat. Der Kläger hat­te kei­ne Möglich­keit, auf die ein­zel­nen For­mu­lie­run­gen und Be­din­gun­gen Ein­fluss zu neh­men.
Die Re­ge­lung un­ter § 10 ist, an­ders als es auf den ers­ten Blick scheint, nicht hin­rei­chend klar und verständ­lich. Ih­re In­trans­pa­renz er­gibt sich schon und al­lei­ne dar­aus, dass nicht fest­stell­bar ist, wel­cher Ta­rif­ver­trag nach dem Wil­len der Par­tei­en hat An­wen­dung fin­den sol­len. Es spricht so­gar al­les dafür, dass die Par­tei­en sich darüber über­haupt kei­ne Ge­dan­ken ge­macht und irrtümlich da­von aus­ge­gan­gen sind, dass es sich bei dem in Be­zug ge­nom­me­nen MTV um ei­nen ein­zi­gen und ein­heit­li­chen Ta­rif­ver­trag han­delt.
Das Grund­pro­blem liegt dar­in, dass es sich bei dem MTV nur bei flüch­ti­ger Be­trach­tungs­wei­se um ei­nen ein­zi­gen Ta­rif­ver­trag han­delt. Tatsächlich sind es sechs Ta­rif­verträge. Die Be­klag­te selbst weist zu Recht dar­auf hin, dass es sich aus­weis­lich der Präam­bel des MTV und sei­ner Kol­li­si­ons­re­ge­lung un­ter Zif­fer 24 zwei­fel­los um ei­nen mehr­glied­ri­gen Ta­rif­ver­trag han­delt. Mehr­glied­ri­ge Ta­rif­verträge sind, wenn auch in ei­ner ein­heit­li­chen Ur­kun­de zu­sam­men­ge­fasst, in ih­rem Schick­sal, ins­be­son­de­re auch im Be­stand, völlig un­abhängig von­ein­an­der. Sie ste­hen recht­lich als je­weils ei­genständi­ge Ta­rif­verträge ne­ben­ein­an­der. Schuld­recht­li­che Bin­dun­gen be­ste­hen je­weils zwi­schen der ein­zel­nen ta­rif­sch­ließen­den Par­tei, die die vol­le Herr­schaft über die­sen von ihr ge­schlos­se­nen Ta­rif­ver­trag behält, und der je­wei­li­gen Ge­gen­par­tei. Ei­ne wirk­sa­me ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me auf ei­nen der­ar­ti­gen mehr­glied­ri­gen Ta­rif­ver­trag setzt des­we­gen zwin­gend ei­ne Ver­ein­ba­rung der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en darüber vor­aus, wel­cher der ver­schie­de­nen in dem äußer­lich ein­heit­li­chen Ta­rif­ver­trag zu­sam­men­ge­fass­ten Ta­rif­verträge Ge­gen­stand der Be­zug­nah­me sein soll. We­gen des po­ten­ti­ell un­ter­schied­li­chen Schick­sals der ein­zel­nen im mehr­glied­ri­gen Ta­rif­ver­trag zu­sam­men­ge­fass­ten Ta­rif­verträge las­sen sich nur in die­sem Fall ei­ner ein­deu­ti­gen Be­zug­nah­me zukünf­tig die sich für die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en aus der Be­zug­nah­me auf den kon­kre­ten Ta­rif­ver­trag er­ge­ben­den Rech­te und Pflich­ten

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zwei­fels­frei fest­stel­len. Nur dann, und das zeigt der vor­lie­gen­de Fall in al­ler Deut­lich­keit, lässt sich auch fest­stel­len, ob die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ei­nen wirk­sa­men Ta­rif­ver­trag in Be­zug ge­nom­men ha­ben. Nur dann nämlich steht fest, wer ta­rif­sch­ließen­de Par­tei­en sind, de­ren Ta­riffähig­keit ggf. in dem von § 97 Abs. 1 ArbGG vor­ge­se­he­nen Ver­fah­ren über­prüft wer­den müss­te.

Vor­lie­gend fehlt es an ei­ner kla­ren und ein­deu­ti­gen Be­zug­nah­me in die­sem Sin­ne. Die Par­tei­en ha­ben zwar zunächst die ver­schie­de­nen auf der Ge­werk­schafts­sei­te sechs Ver­trags­par­tei­en des MTV aus­drück­lich im ers­ten Satz des § 10 Ar­beits­ver­trag auf­geführt. Aus des­sen zwei­ten Satz er­gibt sich je­doch, dass sie nicht von meh­re­ren von die­sen Ge­werk­schaf­ten ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen, son­dern von je­weils ei­nem ein­heit­li­chen Ta­rif­ver­trag aus­ge­gan­gen sind. Es heißt dort, dass die Ta­rif­verträge, „der­zeit be­ste­hend aus Man­tel­ta­rif­ver­trag, Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Aus­zu­bil­den­den, Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­trag, Ent­gelt­ta­rif­verträge West und Ost so­wie Beschäfti­gungs­si­che­rungs­ta­rif­ver­trag, in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung An­wen­dung (fin­den)." Sie ha­ben in al­len Fällen den je­wei­li­gen Ta­rif­ver­trag im Sin­gu­lar und nicht, wie es sonst er­for­der­lich ge­we­sen wäre, im Plu­ral be­zeich­net. So­weit sie den Plu­ral „Ent­gelt­ta­rif­verträge" gewählt ha­ben, ge­schah dies er­kenn­bar al­lei­ne des­we­gen, weil es um die zwei ne­ben­ein­an­der be­ste­hen­den re­gio­na­len Ent­gelt­ta­rif­verträge West und Ost ging.

In An­be­tracht der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des MTV, der ursprüng­lich auf Ge­werk­schafts­sei­te al­lei­ne von der CG­ZP ab­ge­schlos­sen wor­den war, und dem die wei­te­ren Christ­li­chen Ge­werk­schaf­ten ganz of­fen­sicht­lich vor dem Hin­ter­grund des später vom BAG ent­schie­de­nen Be­schluss­ver­fah­rens erst Mit­te März 2010 bei­ge­tre­ten wa­ren, er­scheint als nicht aus­ge­schlos­sen, dass die For­mu­lie­rung des § 10 des For­mu­lar­ar­beits­ver­tra­ges der Vor­stel­lung ge­schul­det sein soll­te, dass die in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträge ganz un­abhängig von der Fra­ge der ta­rif­sch­ließen­den Par­tei­en auf Ge­werk­schafts­sei­te und un­abhängig von Pro­ble­men, die sich aus der Mehr­glied­rig­keit er­ge­ben könn­ten, Gel­tung er­lan­gen soll­ten. Aber selbst dann, wenn man § 10 in dem Sin­ne aus­le­gen woll­te, dass die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en je­den ein­zel­nen der par­al­lel in dem mehr­glied­ri­gen Ta­rif­ver­trag ver­ein­bar­ten Ta­rif­verträge hätten in Be­zug neh­men wol­len, führ­te dies

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zu kei­nem an­de­ren als dem oben fest­ge­stell­ten Er­geb­nis. Ge­ra­de auch ei­ne in die­sem Sin­ne ver­stan­de­ne Be­zug­nah­me­re­ge­lung be­nach­tei­lig­te den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer in ganz be­son­de­rer Wei­se un­an­ge­mes­sen. Während der Ar­beit­ge­ber sein Ri­si­ko ei­ner Be­zug­nah­me auf ei­nen un­wirk­sa­men Ta­rif­ver­trag mi­ni­mie­ren würde, müss­te der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer, wie von der Be­klag­ten vor­ge­tra­gen, das Prüfver­fah­ren gemäß 97 Abs. 1 ArbGG ggf. gleich ge­gen meh­re­re am mehr­glied­ri­gen Ta­rif­ver­trag be­tei­lig­te Ge­werk­schaf­ten führen. Das wi­derspräche in be­son­ders ho­hem Maße Treu und Glau­ben. Es muss vom Ar­beit­ge­ber, der sich auf ei­nen mehr­glied­ri­gen Ta­rif­ver­trag be­zie­hen will, ver­langt wer­den, dass er sich für ei­nen der dar­in zu­sam­men­ge­fass­ten Ta­rif­verträge ent­schei­det. Das ist ihm oh­ne Wei­te­res möglich und zu­mut­bar, während dem Ar­beit­neh­mer die Nach­tei­le und Un­ge­wiss­hei­ten, die sich aus ei­ner pau­scha­len Be­zug­nah­me ergäben, un­zu­mut­bar wären.

Die Ne­ben­ent­schei­dun­gen fol­gen aus §§ 3 und 91 ZPO.

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