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Kein ta­rif­ver­trag­li­cher Zwang zur Bes­ser­stel­lung von Ge­werk­schafts­mit­glie­dern

Ra­bia­te ta­rif­li­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln in Form von Span­nen­si­che­rungs­klau­seln sind un­zu­läs­sig: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 23.03.2011, 4 AZR 366/09
15.04.2011. Ta­rif­ver­trä­ge gel­ten nur un­mit­tel­bar und zwin­gend für ein Ar­beits­ver­hält­nis, wenn der Ar­beit­neh­mer Mit­glied der Ge­werk­schaft ist (§ 4 Abs. 1 Ta­rif­ver­trags­ge­setz -TVG). Den­noch ge­wäh­ren Ar­beit­ge­ber auch Nicht­ge­werk­schafts­mit­glie­dern meist al­le Ta­rif­leis­tun­gen - zum Är­ger der Ge­werk­schaf­ten. Sie drin­gen da­her auf ta­rif­li­che "Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln”, die Ta­rif­leis­tun­gen Ge­werk­schafts­mit­glie­dern vor­be­hal­ten.

Ein­fa­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln ha­ben kaum Aus­wir­kun­gen, da sie nor­ma­len Ar­beit­ge­bern die Gleich­be­hand­lung von Au­ßen­sei­tern nicht ver­bie­ten. Nur bei Ar­beit­ge­bern, die das Ta­rif­mi­ni­mum nicht über­schrei­ten dür­fen, wir­ken sich ein­fa­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln ef­fek­tiv aus, z.B. bei In­sol­venz­ver­wal­tern. Aber kön­nen auch nor­ma­le Ar­beit­ge­ber per Ta­rif­ver­trag ge­zwun­gen wer­den, ei­nen Lohn­ab­stand ("Lohn­span­ne") zwi­schen Ge­werk­schafts­mit­glie­dern und Au­ßen­sei­tern ein­zu­hal­ten? Die­se Fra­ge hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) vor kur­zem ge­klärt (Ur­teil vom 23.03.2011, 4 AZR 366/09).

Ein Ha­fen­un­ter­neh­men hat­te mit der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di per Ta­rif­ver­trag ei­ne ver.di-Mit­glie­dern vor­be­hal­te­ne "Er­ho­lungs­bei­hil­fe" ver­ein­bart. Bei Zah­lung die­ser Bei­hil­fe auch an Nicht-Ge­werschafts­mit­glie­der soll­te sich der Lohn der ver.di-Mit­glie­der ent­spre­chend er­hö­hen. Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg (Ur­teil vom 26.02.2009, 15 Ca 188/08) hielt die­se Span­nen­si­che­rungs­klau­sel für wirk­sam, das BAG da­ge­gen nicht, weil sie die Re­ge­lungs­macht der Ta­rif­par­tei­en über­schrei­tet.

Fa­zit: Qua­li­fi­zier­te Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln (Span­nen­si­che­rungs­klau­seln) sind ge­ne­rell un­wirk­sam, weil ein Ge­bot der Schlech­ter­stel­lung von Au­ßen­sei­tern im Ver­gleich zu Ge­werk­schafts­mit­glie­dern nicht von der Ta­rif­au­to­no­mie ge­deckt ist. Da ein­fa­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln in den meis­ten Fäl­len wir­kungs­los ver­puf­fen, ha­ben die Ge­werk­schaf­ten da­her kaum ef­fek­ti­ve Mit­tel in der Hand, durch Ta­rif­ver­trä­ge fi­nan­zi­el­le An­rei­ze zum Ge­werk­schafts­bei­tritt zu set­zen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de schrift­lich ab­ge­fasst und ver­öf­fent­licht. Die Ent­schei­dungs­grün­de im Voll­text fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 25. April 2015

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