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Tchi­bos schwie­ri­ger Weg zu bes­se­ren Ar­beits­be­din­gun­gen

Klei­dung und Kon­sum­ar­ti­kel für den deut­schen Markt wer­den meis­tens in Schwel­len- und Ent­wick­lungs­län­dern her­ge­stellt: Gro­ße Händ­ler wie Tchi­bo be­mü­hen sich, dort die Ar­beits- und Um­welt­be­din­gun­gen der Be­leg­schaf­ten zu ver­bes­sern. Das ist nicht im­mer ein­fach

22.07.2015. (dpa) - Der Ham­bur­ger Kaf­fee- und Han­dels­kon­zern Tchi­bo hat seit fast zehn Jah­ren Nach­hal­tig­keit als we­sent­li­chen Be­stand­teil sei­ner Fir­men­stra­te­gie fest­ge­schrie­ben.

"Wir wol­len ein zu 100 Pro­zent nach­hal­ti­ges Un­ter­neh­men wer­den", meint Un­ter­neh­mens­chef Mar­kus Con­rad.

"Zum ei­nen, weil wir auf­grund un­se­rer Ex­per­ti­se und auch un­se­rer Grö­ße et­was be­we­gen kön­nen. Zum an­de­ren, weil wir da­von über­zeugt sind, das un­ser zu­künf­ti­ger wirt­schaft­li­cher Er­folg maß­geb­lich von ei­ner nach­hal­ti­gen Ge­schäfts­po­li­tik pro­fi­tie­ren wird."

Auf die­sem Weg ist Tchi­bo schon ein Stück vor­an­ge­kom­men, hat das ehr­gei­zi­ge Ziel aber kei­nes­wegs er­reicht.

Ein Drit­tel des Tchi­bo-Kaf­fees kommt aus nach­hal­ti­gem An­bau und trägt ein ent­spre­chen­des Zer­ti­fi­kat. 80 Pro­zent der Tex­ti­li­en sind aus Bio-Baum­wol­le oder "Cot­ton ma­de in Af­ri­ca", ei­ner Initia­ti­ve für afri­ka­ni­sche Baum­wol­le. Zur Ver­bes­se­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen in den Lie­fer­län­dern und der Re­ge­lung von Be­zah­lung, Ar­beits­zei­ten, Si­cher­heit und Ge­sund­heit setzt Tchi­bo auf ein Trai­nings- und Dia­log­pro­gramm mit dem Na­men "Welt­wei­te Ver­bes­se­rung der so­zia­len Qua­li­tät (World­wi­de En­han­ce­ment of so­ci­al qua­li­ty (WE))", bei dem Ma­na­ger und Be­schäf­tig­te ge­mein­sam an Lö­sun­gen ar­bei­ten, um die Ar­beits­qua­li­tät zu ver­bes­sern.

"Wir ha­ben die Er­fah­rung ge­macht, dass So­ci­al Au­dit­ing nicht al­les auf­deckt", sagt Nan­da Berg­stein, bei Tchi­bo ver­ant­wort­lich für Lie­fe­ran­ten­be­zie­hun­gen und Nach­hal­tig­keit. Ge­meint ist da­mit: Spe­zia­li­sier­te Dienst­leis­ter prü­fen die So­zi­al­stan­dards in den Un­ter­neh­men, zum Bei­spiel in Ban­gla­desch, Viet­nam oder Kam­bo­dscha. "Die­se Dienst­leis­ter ha­ben oft ei­ge­ne kom­mer­zi­el­le In­ter­es­sen; da ist ja ei­ne gan­ze Bran­che ent­stan­den", sagt Berndt Hinz­mann von der Initia­ti­ve für sau­be­re Klei­dung ("Cle­an Clo­thes Cam­pai­gn"). Die Prü­fer wer­den gern ge­täuscht und hin­ters Licht ge­führt.

Et­li­che Initia­ti­ven und Or­ga­ni­sa­tio­nen be­mü­hen sich um die Ver­bes­se­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen in den Lie­fer­län­dern, so zum Bei­spiel die "Ethi­cal Tra­ding Initia­ti­ve", "So­ci­al Ac­coun­ta­bi­li­ty In­ter­na­tio­nal" und die "Busi­ness So­ci­al Com­p­li­an­ce Initia­ti­ve". Kein gro­ßes Un­ter­neh­men will sich Aus­beu­tung, über­lan­ge Ar­beits­zei­ten und un­zu­rei­chen­de Si­cher­heits­be­din­gun­gen in sei­nen Her­stel­ler­be­trie­ben und de­ren Zu­lie­fe­rern nach­sa­gen las­sen. Doch sind die Stan­dards na­tür­lich im­mer noch viel nied­ri­ger als in den eta­blier­ten In­dus­trie­län­dern. Des­halb wird ja dort pro­du­ziert. In den Be­trie­ben im WE-Pro­gramm sind die Löh­ne um 30 bis 50 Pro­zent ge­stie­gen, ha­ben aber den­noch kein exis­tenz­si­chern­des Ni­veau er­reicht. Auch um die Frei­heit der Ar­bei­ter, sich in Ge­werk­schaf­ten zu or­ga­ni­sie­ren, ist es in den Pro­duk­ti­ons­län­dern nicht gut be­stellt.

Es ist für die Kun­den­un­ter­neh­men in den In­dus­trie­län­dern nicht leicht, ih­re Lie­fe­ran­ten lü­cken­los zu kon­trol­lie­ren und al­le Ver­stö­ße ge­gen ih­re Re­geln zu er­ken­nen. Da­zu sind es zu vie­le Un­ter­neh­men, die für den Wes­ten pro­du­zie­ren. Al­lein Tchi­bo un­ter­hält re­gel­mä­ßig oder spo­ra­disch Lie­fer­be­zie­hun­gen mit 1200 Un­ter­neh­men aus Asi­en, frü­her wa­ren es so­gar mehr als dop­pelt so vie­le. Da­von sind 320 Fir­men in dem WE-Pro­gramm, die 75 Pro­zent al­ler Tchi­bo-Pro­duk­te her­stel­len. 40 Trai­ner ge­hen in die Un­ter­neh­men und sto­ßen Dia­log­pro­zes­se zwi­schen Be­leg­schaft und Ma­nage­ment an. Im Ide­al­fall wer­den Lö­sun­gen ge­fun­den, die bei­den Sei­ten nut­zen, zum Bei­spiel bei den Ar­beits­zei­ten. "Ent­schei­dend ist die Be­reit­schaft der Ei­gen­tü­mer, sich auf Dia­log und Ver­bes­se­run­gen ein­zu­las­sen", sagt die zu­stän­di­ge Tchi­bo-Ma­na­ge­rin Berg­stein. "Ihr Wort ist Ge­setz."

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Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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